Das Problem an Diensten wie Google Hangout und Skype ist, dass jeder weiß, wie sehr man sich durch deren Nutzung der Datensammlung von großen amerikanischen Unternehmen und Geheimdiensten aussetzt. Aber: Sie funktionieren in der Regel gut und jeder kann sie benutzen. Es fehlt an Alternativen, die nutzerfreundlich und zuverlässig sind.
Eine solche bieten will palava.tv, eine neue Videochatplattform. Die Technik dahinter wird von vier Studenten der TU Dresden und HU Berlin entwickelt und basiert auf WebRTC. WebRTC ist eine in der Standardisierung begriffene offene Technologie zur Echtzeitkommunikation zwischen Browsern, die auf Peer-to-Peer-Verbindungen basiert.
Das heißt, die Videoinhalte werden nicht über einen zentralen Server geleitet, sondern direkt mit dem DTLS-Protokoll verschlüsselt zwischen den Teilnehmern ausgetauscht. Die Schlüssel dafür werden für jede Verbindung neu von den einzelnen Browsern erzeugt, die sich mittels Diffie-Hellmann-Schlüsselaustausch auf einen Sitzungsschlüssel einigen.
Doch ganz kann auf einen zentralen Server noch nicht verzichtet werden. Zum Koordinieren der Teilnehmer braucht man einen Messaging-Server, der den Verbindungsaufbau möglich macht, indem die vorhandenen Nutzerinformationen ausgetauscht und die Medienformate festgelegt werden.
Die Videodaten selbst bekommt diese zentrale Instanz aber nie zu sehen. Damit jedoch niemand einem zentralen Server vertrauen muss, wenn er das nicht will (denn genau das ist ja das Ziel der Entwickler), wird der gesamte Code veröffentlicht. Momentan findet man den Serverteil bereits auf github, der Rest soll in Kürze folgen. Wer also unabhängig von der bereitgestellten Infrastruktur sein will, kann damit seinen eigenen Server hosten und außerdem noch den Code inspizieren.
Wer das nicht will oder wem das nicht möglich ist, dem wollen die Entwickler weiterhin einen Server unter palava.tv zur Verfügung stellen. Denn dann ist alles, was man benötigt, ein aktueller Chrome- oder FireFox-Browser. Durch einen Klick auf der palava.tv-Seite lässt sich ein Konferenzraum erstellen, dem jeder beitreten kann, der die URL kennt. Bevor die Video- und/oder Audiodaten übertragen werden, muss der Nutzer dem zustimmen und dem Browser Zugriff auf die Hardware gewähren.
Um die palava-Server zu betreiben und werbefrei durch Spenden finanzieren zu können, befindet sich ein gemeinnütziger Verein im Aufbau, damit die Infrastruktur nicht mehr wie zuvor über innovailable, eine Firma, die von zweien der Programmierer betrieben wird, abgewickelt werden muss.
Mehr Infos und Neuigkeiten findet man auf dem palava-Blog, technische Details gibt es in den Präsentationen im github-Repository. Man kann sich aber auch den Mitschnitt des Talks zu palava und WebRTC auf den Datenspuren anschauen (MP4, WebM, MP3).