18:30 Uhr bei Wikileaks

Seit heute morgen wurde mehrmals angekündigt, dass Wikileaks um 18:30 Uhr eine wichtige Bekanntmachung veröffentlichen wollen:


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Jetzt wissen wir endlich, was so geheimnisvoll war: Die Wikileaks-Journalistin Sarah Harrison, die Snowden seit Hongkong begleitet hatte und die letzten vier Monate bei ihm war, ruft dazu auf, den Kampf gegen staatliche Überwachung und für die Transparenz innerhalb der Regierungen weiterzukämpfen.

Snowden sei im Moment in Sicherheit, aber auch viele andere Whistleblower müssen geschützt und verteidigt werden – wie etwa Chelsea Manning und Jeremy Hammond. Sie sieht Snowden als Beispiel dafür, dass man Whistleblower dazu befähigen kann, die Wahrheit zu sagen und dennoch ihre Freiheit nicht vollständig aufgeben zu müssen.

Negativbeispiele seien jedoch zahlreich: Glenn Greenwald, Laura Poitras und Jacob Appelbaum, die sich quasi im Exil befänden, Barrett Brown, der im Gefängnis sitzt, Julian Assange in Großbritannien und David Miranda, über den wir vorhin noch berichtet haben und der unter dem UK Terrorism Act festgehalten wurde. Sie verurteilt den Vorwand des „Terrorismus“, der in der heutigen Zeit zu pauschal benutzt wird, um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Transparenz ist für sie das einzige Mittel, wenn die Regierungen sich verweigern, die Wahrheit zu sagen – daher sei es unerlässlich, sich für Whistleblower einzusetzen:

Wenn ihnen ein Knebel angelegt wird, müssen wir ihre Stimme sein. Wenn sie verfolgt werden, müssen wir ihr Schild sein. Wenn sie weggesperrt werden, müssen wir sie befreien. Uns die Wahrheit zu überbringen, ist kein Versprechen. Es sind unsere Daten, unsere Informationen, unsere Geschichte und wir müssen darum kämpfen, sie in der Hand zu halten.

Mut ist ansteckend.

 

11 Kommentare
  1. Die Regierungen wollen uns Transparent machen (Allgegenwärtige Überwachung) wollen selbst aber keine Transparenz zulassen.

    Somit ist kllaas wir in den Augen der Staaten nichts weiter als Untertanen sind die es zu kontrollieren und zu überwachen gilt. Also so eine Art Feudalismus 2.0.

    Da helfen auch keine Reformversuche, die mächtigen werden sich niemals freiwillig von ihrer Macht trennen. Der Adel ist damals schließlich auch nicht freiwillig zurück getreten sondern musse erst einen Kopf kürzer gemacht werden um ihn zu entmachten.

    Ihr seid gegen den Überwachungs und Polizeistaat ? Tja, es sieht so aus als wäre eine Alternative dazu nicht ohne Revolution zu haben.

  2. ich mag diesen spin nicht. julian assange hat sich in die ecuadorianische botschaft geflüchtet, weil er sich einer anklage wegen vergewaltigung entziehen möchte; ihn nun ständig als verfolgen whistleblower zu stilisieren finde ich widerlich.

    1. Ja und nein. Einerseits ist das so. Auch wenn es Hinweise darauf gibt, dass es sich vielleicht nicht ganz so abgespielt haben könnte, wie behauptet wurde. Aber auch das könnte ja vor Gericht geklärt werden.
      Andererseits würden die US-Amerikaner dem Herren gerne ein paar Fragen stellen und es besteht einfach tatsächlich das Risiko, dass Schweden ausliefert. Und mal ehrlich, wer möchte schon als Alien in die Hände der US-Behörde geraten, wenn er in den USA als Staatsfeind gilt.

    2. Assange IST ein verfolgter Whistleblower. Bekannte Persönlichkeiten in USA haben vorgeschlagen, ihn zu ermorden. Was die Anklage aus Schweden angeht: Der ganze Ablauf legt nahe, dass dort etwas inszeniert wurde. Erst Anklage, dann fallengelassen, dann Wechsel der Staatsanwaltschaft, Neuaufnahme, Anklage, Abminderung der Anklage. In einem US-Radiointerview gab die Staatsanwaltschaft zu, keine Anhaltspunkte für Vergewaltigung zu haben. Anklage bleibt trotzdem. Das überzeugt nicht.

      Klar hätte die US-Regierung andere Möglichkeiten, Personen zu beseitigen, die ihnen im Weg stehen. Nur keine dieser Möglichkeiten hätte Wikileaks so nachhaltig beschädigt wie der Ansatz über maximale Diskreditierung der Hauptfigur. Ein erschossener Assange hätte zig andere motiviert, Wikileaks erst recht zu unterstützen.

      Seitdem haben andere außerhalb Wikileaks diese Art Aufklärungsarbeit fortgeführt. Insofern ist das jetzt kein Trittbrettfahren.

  3. „Uns die Wahrheit zu überbringen, ist kein Versprechen.“ Im Original-Text steht „Giving us the truth is not a crime.“, also „kein Verbrechen“. Funny mistranslation, anyway. XD

  4. @Anarchist:
    In den meisten europäischen Ländern, übrigens auch Deutschland, ging die Entmachtung des Adels ein bisschen zivilisierter vonstatten. Und die Revolutionen mit dem größten Blutzoll führten meist nur in eine neue Diktatur (z. B die Französischen oder Russische Revolution).
    Natürlich trennt sich niemand freiwillig von seiner Macht, aber gerade die modernen Demokratien haben gezeigt, dass sie in den meisten Fällen auch größere Umwälzungen erfolgreich bewältigen können, ohne in Bürgerkrieg und massive Gewalt abzugleiten. Kompromisse sind zwar nicht so sexy wie Revolutionskriege, aber meist erfolgreicher und weit weniger kostspielig.
    Trotzdem passieren Veränderungen natürlich immer nur, wenn sich Menschen zusammentun und für ihre Ziele aktiv werden. Aber man muss nicht zwingend zu den Waffen greifen.

    1. ..danke Pete!

      ich habe schon lange mal auf einen solchen Kommentar gewartet, immer wenn ich so Kommentare von „bald endlich Revolution“ lese.

      :-)
      ganz meine Meinung, ich hab es bisher nur nicht so treffend formulieren können.

  5. Das Asyl- bzw. Einwanderungsgesetz müsste reformiert werden, was schon von vielen gefordert wird, und zwar dahingehend, dass wir Menschen aufnehmen, deren digitale Freiheit gefährdet oder eingeschränkt ist.

    Für den Wirtschafts- und IT Standort Europa hätte dies immense Vorteile und es könnten all jene befriedigt werden, die jammern, dass es nur ungelernte Hilfsarbeiter hierher zieht. Zudem braucht Europa Nachwuchs.

    Die Debatte um die Whistleblower müsste dementsprechend erweitert werden und der UNION als etwas ‚Nützliches‘ verkauft werden. Da das Thema Asyl in Brüssel sowieso auf der Agenda und Snowden in aller Munde ist, wäre jetzt ein Vorstoß in diese Richtung möglich.

    Natürlich bräuchte Europa auch die entsprechende Rechtsinfrastruktur, u.a. keine Vorratsdatenspeicherung, etc.

    @Anarchist
    Anarchisten, wie ich sie kenne, sind Kämpfer. Politische Menschen mit einer positiven Gesinnung, denn diese ist notwendig, um sich für etwas einzusetzen. Anarchisten sind aktiv.
    Die Geschichte lehrt uns, dass es sich lohnt für Verbesserungen und Erneuerungen einzusetzen. Die Welt ist nicht evil oder ‚böse‘, wenn wir einen konstruktiven Horizont haben.
    Es wird immer Gründe geben, sich einzumischen und Politik ist auch sexy, wenn wir es nicht als Drama, sondern als Schauspiel betrachten.

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