Generell
Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.
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: Microsoft schaut dir ins Gehirn und rät dein Passwort
: Microsoft schaut dir ins Gehirn und rät dein Passwort Normale Tools zum Überprüfen der Passwortsicherheit wie dieses schauen, wie viele Sonderzeichen ein Passwort hat, ob es aus einem Wörterbuch kommt und wie lang es ist, um vorherzusagen, wie lange es eventuell dauert, es zu brechen.
Forscher bei Microsoft Research haben ein Tool namens Telepathwords entwickelt und gestern veröffentlicht, das etwas anders vorgeht und dem Nutzer beim Tippen eines Passworts vorhersagt, welches Zeichen er vermutlich als nächstes eingeben wird. Dabei werden auch die klassischen 1337-Speak-Ersetzungen enttarnt, oft genutzte Passwörter herangezogen und ein (momentan nur englisches) Wörterbuch zur Hilfe genommen.
Aber immer, wie bei allen Passwort-Prüftools, dran denken: Gebt nicht leichtfertig eure realen Passwörter ein, denn Daten über das Mausverhalten und die Statistik der richtig geratenen Zeichen werden, wenn auch bereits im Browser verschlüsselt, geloggt und eventuell für Forschungszwecke mit Universitäten ausgetauscht. Und wenn, dann achtet immer darauf, dass ihr eine sichere HTTPS-Verbindung mit einem gültigen Zertifikat aufgebaut habt.
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: SPD geht mit BKA gegen politischen Telefonstreich vor
: SPD geht mit BKA gegen politischen Telefonstreich vor Gestern Abend ging die Geschichte durch einige Medien, dass Unbekannte als Anrufer bei SPD-Funktionären im Namen des SPD-Parteivorstandes anrufen würden, um diese zur Zustimmung der Großen Koalition zu motivieren. Dazu wäre die Telefonanlage der SPD-Zentrale gehackt worden, da die angezeigte Nummer die der SPD-Zentrale gewesen sei. Heute Vormittag bekannte sich die Sektion „Kommando Gerhard Schröder“ der Hedonistischen Internationalen zu der Aktion: Kommando Gerhard Schröder der Hedonistischen Internationale kämpft am Telefon für ein „JA“ beim SPD-Mitgliedervotum. Zum Vorgehen schreiben die Spaß-Guerilleros:
Um die SPD-Mitglieder auf Linie zu bringen, hat das Kommando Gerhard Schröder ausschließlich Aussagen und Argumente verwendet, mit denen ranghohe Mitglieder der Partei und ihres Vorstandes in den letzten Wochen in den Medien zitiert wurden. Diese Aussagen wurden in den Telefongesprächen mit Willy-Brandt-Zitaten garniert, um sie den Genossen schmackhafter zu machen.
Sinn der Aktion war wohl, mal auszuprobieren, wie SPD-Funktionäre auf solche Anrufe reagieren.
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: „Forensische Architektur“ versucht die digitale Rekonstruktion tödlicher Drohnenangriffe in Pakistan
"Forensische Architektur" zu einem Angriff in Miranshah, Pakistan : „Forensische Architektur“ versucht die digitale Rekonstruktion tödlicher Drohnenangriffe in Pakistan Ein Team internationaler ExpertInnen um die Goldsmiths University (London) analysiert derzeit sogenannte „gezielte Tötungen“ von Zivilpersonen durch US-Drohnen in Pakistan. Das Verfahren nennt sich „forensische Architektur“. Hintergrund sind unter anderem Untersuchungen von Ben Emmerson, dem UN-Berichterstatter für „Counter-Terrorism and Human Rights“ in Pakistan. Die Regierung in Islamabad hatte die Einstellung aller Drohnenangriffe der US-Armee verlangt – allerdings vergeblich. Emerson erstellt nun einen Bericht über Rechtsstandards für Einsätze von Drohnen. Ein Zwischenbericht liegt bereits vor. Auch Amnesty International hatte im Oktober zu Drohnenangriffen in der Provinz Waziristan Stellung genommen. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert, dass die Bevölkerung in ständiger Angst leben muss.
Die Untersuchungen mittels „forensischer Architektur“ unterstützen auch Aktivitäten in Deutschland: In einem der drei untersuchten Fälle wurde mit Bünyamin E. ein deutscher Staatsangehöriger 2010 von einer Rakete getötet (insgesamt sind in Pakistan bereits mindestens drei Deutsche getötet worden). Die Bundesanwaltschaft musste sich eingeschalten, weil die Exekution nach deutschem Recht womöglich eine Straftat darstellt. Im Sommer wurden die Ermittlungen aber eingestellt. Auch das in Berlin ansässige European Centre for Constitutional Rights (ECCHR) ist deshalb an der Untersuchung der Goldsmiths University beteiligt. Juristen des Zentrums hatten in einer gutachterliche Stellungnahme die Einstellungsverfügung des Generalbundesanwalts heftig kritisiert.
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: Neelie Kroes über Big Data, Überwachung und die Netzneutralität
: Neelie Kroes über Big Data, Überwachung und die Netzneutralität Neelie Kroes zieht gerade durch die Landen und erzählt, was man alles tolles mit Big Data machen kann und welcher Voraussetzungen es dafür bedarf. Sie redet zwar vom offenen Internet, Netzneutralität meint sie damit aber nicht. Ihr Lösungsvorschlag für den Umgang mit Überwachung wirkt esoterisch.
Im Blog des World Econmic Forum hat die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda die großen Themen Datenschutz, Überwachung und die Zukunft von Big Data kommentiert.
Wir produzieren jede Menge Daten, das ist kein Geheimnis. Das Buzzword heißt Big Data. Damit kann man allerlei Dinge anstellen, etwa Menschen prima überwachen. Das ist auch Neelie Kroes nicht entgangen und sie weist in ihrem Beitrag auch auf die Gefahren hin:
The scale of online surveillance is greater than many people ever realized. And it is a surprise to learn that even allies spy on each other. In this respect, I understand people’s fears.
Die Lösung dieses Problems wirkt allerdings recht esoterisch:
We should not sit like rabbits in the headlights in the face of scandals, or allow trust in the Internet to collapse.
Ihr Vorschlag zur Vermeidung dieses Kollaps:
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: Ukrainischer Telko stellt W‑Lan für Proteste zur Verfügung, andere schalten vermutlich Webseiten ab
: Ukrainischer Telko stellt W‑Lan für Proteste zur Verfügung, andere schalten vermutlich Webseiten ab Seit mehreren Tagen finden in der ukrainischen Hauptstadt Kiew massive Proteste gegen den Präsidenten Viktor Janukowitsch statt. Anlass für das Entstehen des Unmuts in der Bevölkerung ist die Außenpolitik Janukowitschs, der am 21. November ein Assoziierungsabkommen mit der EU gestoppt hat, das seit langem geplant war und eine Annäherung an die EU bewirkt hätte.
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: Offener Brief an BM Friedrich zur EU-Datenschutzreform
: Offener Brief an BM Friedrich zur EU-Datenschutzreform Am 5. und 6. Dezember 2013 wird der Rat „Justiz und Inneres“ den Vorschlag für die EU-Datenschutzverordnung verhandeln. Die Deutsche Regierung und ihre Beamten bremsen seit Monaten das Reformvorhaben und versuchen den Datenschutz zu verwässern. Daher haben der CCC, Digitalcourage, Digiges und das FIfF einen offenen Brief an den Bundesminister Friedrich geschickt, in dem sie ihn auffordern, sich für einen starken Datenschutz in Europa einzusetzen:
Wir bitten Sie eindringlich, den Rechten von mehr als 500 Millionen europäischen Bürgerinnen und Bürgern den Respekt entgegenzubringen, den sie verdienen. Wir fordern Sie auf, die Verhandlungen nun wirklich zur „Chefsache“ zu machen und keine weiteren Verzögerungen zuzulassen. Wir brauchen dringend harmonisierte und durchsetzbare Datenschutzregeln in ganz Europa.
In dem offenen Brief fordern die NGOs konkret eine starke Definition von personenbezogenen Daten, mehr Transparenz und Aufsicht sowie ein Verbot für heimliche Profilbildung.
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: EUROSUR vor dem Start – High-Tech-Überwachung an den Grenzen
: EUROSUR vor dem Start – High-Tech-Überwachung an den Grenzen Das umstrittene Grenzüberwachungssystem EUROSUR wird nächste Woche in Betrieb genommen. Die Kommission preist es als Instrument für die Rettung von Flüchtlingen an, für Kritiker ist es die zynische Antwort der EU auf den Arabischen Frühling.
Eine Woche nach dem Tod von über 300 Flüchtlingen vor Lampedusa im September hatte das EU-Parlament der Einführung des umstrittenen Grenzschutzprojektes EUROSUR mit einer großen Mehrheit zugestimmt. Am 2. Dezember wird das System nun in Betrieb genommen. Die EU-Innenkommissarin Malmström freut sich über das „neue Instrumente zur Rettung von Migranten und zur Verhütung von Straftaten an den EU-Grenzen.“
Der Kern des Programms ist jedoch keineswegs auf die Rettung von Migranten ausgelegt. Im Gegenteil: Im EU-Parlament wurde sogar ein entsprechender Änderungsantrag abgelehnt, der die Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge verbessern sollte. Übrig bleibt ein gigantisches Überwachungsprogramm, welches in Echtzeit Informationen zwischen den Mitgliedstaaten und FRONTEX, der EU-Grenzschutzagentur, austauscht. FRONTEX ist das Herz von EUROSUR, da bei der Agentur alle Daten und Informationen zusammenlaufen und die verschiedenen Aktionen der Mitgliedstaaten koordiniert werden. Bei FRONTEX ist man stolz auf die flächendeckenden Überwachung auf allen Ebenen: zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
Damit die Überwachung reibungslos funktioniert kooperiert FRONTEX auch mit anderen Agenturen, nämlich der European Maritime Safety Agency und dem EU Satellite Centre. Dadurch können etwa per Satellit Flüchtlingsboote frühzeitig erkannt werden. Es geht dabei aber nicht um den Schutz der Flüchtlinge, sondern darum, sie möglichst nicht in das Gebiet der EU vordringen zu lassen. In einer Studie (.pdf) der Heinrich Böll Stiftung heißt es daher treffend, auch im im Zusammenhang mit Smart Borders:
EUROSUR and “smart borders” represent the EU’s cynical response to the Arab Spring. Both are new forms of European border controls – new external border protection policies to shut down the influx of refugees and migrants (supplemented by internal controls within the Schengen Area); to achieve this, the home secretaries of some countries are even willing to accept an infringement of fundamental rights.
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: Wen bringen die Snowden-Dokumente eigentlich noch ins Fadenkreuz der Geheimdienste?
: Wen bringen die Snowden-Dokumente eigentlich noch ins Fadenkreuz der Geheimdienste? Auf Cryptome erschien gestern eine Übersicht über die Anzahl der bisher veröffentlichten Seiten der Snowden-Dokumente, gegliedert nach der veröffentlichenden Quelle und den beteiligten Reportern:
Quelle beteiligte Reporter veröffentlichte Seiten The Guardian 14 211 Washington Post 7 152 Der Spiegel 5 19 O Globo Fantastico 3 ~87 New York Times 5 36 ProPublica 1 7 Le Monde 2 19 Dagbladet 1 13 NRC Handelsblad 3 1 Huffington Post 3 3 insgesamt 45 552 Wie die Gesamtzahlen zu Stande kommen, ist mir nicht ganz klar, aber dafür beleuchtet der weitere, wenn auch spekulative, Teil des Berichts einen interessanten Aspekt, der bisher wenig diskutiert wurde. Cryptome überschlägt, dass ingesamt 500 bis 2.760 Personen Zugriff auf dasjenige Originaldokument gehabt hätten, um das es sich in der Veröffentlichung handelte – vom Reporter über den Redakteur bis hin zum Korrekturleser oder konsultierten Spezialisten. Das macht diese Personen, die sich vermutlich alle der Geheimhaltung verpflichten mussten, zu potentiellen Zielen der NSA und damit von Manipulation, Bestechung, Erpressung und intensiver Überwachung.
Berichte über Leaks in den Leaks gab es bisher wenige, das einzig prominente Beispiel sind die Festplattenkonfiszierung und Zerstörung bei The Guardian. Dennoch sollte man all die Menschen, die außerhalb des medialen Rampenlichts das Risiko auf sich nehmen, an der Aufdeckung der Geheimdienstmaschinerie mitzuarbeiten, nicht vergessen.
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: Die Geister, die ich rief – Russland hat ab 1. Dezember Zugriff auf Teile der Fluggastdaten
: Die Geister, die ich rief – Russland hat ab 1. Dezember Zugriff auf Teile der Fluggastdaten Nachdem die EU Abkommen zur Übermittlung von Fluggastdaten (PNR) mit Amerika und Australien abgeschlossen hat, sind auch andere Länder an den Reisedaten europäischer Bürger interessiert. Erst kürzlich hat Russland Interesse an den Datensätzen angemeldet. Diese umfassen etwa Kreditkarteninformationen und Daten über den gesundheitlichen Zustand von Reisenden.
Im Sommer verkündete das russische Transportministerium, ab 1. Juli die Reisedaten von allen EU-Bürgern, die nach Russland reisen, abzugreifen. Anders als bei den bestehenden EU-Abkommen zur Übermittlung dieser Daten wollte man auch den Zugriff auf Daten von Bus- oder Schiffsreisenden und nicht nur von Fluggästen. Um an die Daten zu kommen, bediente sich Russland eines bekannten Verhandlungstricks, den sie sich bei den Amerikanern abgeguckt haben und der geht in etwa so: Wir wollen eure Daten sonst dürfen eure Airlines nicht mehr bei uns landen. Für Amerika ist am Ende ein Abkommen herausgesprungen, bei dem die Fluggastdaten 15 Jahre auf Vorrat gespeichert werden.
Die EU-Kommission war über das Vorgehen Russland zunächst „äußerst besorgt“ und hat sich schwer für die europäischen Bürger ins Zeug gelegt. Die Übermittlung der vollständigen Reisedaten konnte vorerst verhindert werden. Ende September versicherte das russische Transportministerium in einem Brief an die EU-Kommission, dass Russland ab 1. Dezember zunächst nur den Zugriff auf die sogenannten Advanced Passenger Information (API), darunter biometrische Daten, fordert. Die vollständigen PNR Daten sollen erst abgegriffen werden, wenn die technischen und juristischen Fragen geklärt werden. Kurz darauf gab es auch ein Treffen der Vertreter Russlands und Europas, bei dem die Datenübermittlung thematisiert wurde. Aus Kommissionskreisen heißt es dazu, dass noch nicht klar sei, wie mit der Übermittlung von Reisedaten anderer Verkehrsträger, etwa Schiffen oder Bussen, umgegangen werden soll.
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: EU-Kommission stellt Pläne für neues Sicherheitsforschungsprogramm auf Rüstungsmesse vor
: EU-Kommission stellt Pläne für neues Sicherheitsforschungsprogramm auf Rüstungsmesse vor Während der diesjährigen Milipol, einer der wichtigsten Fachmessen für angewandte Innere Sicherheit mit starkem Hang zu Dual-Use-Technologien und großem Rüstungsgerät, hat die EU-Kommission ihre Pläne für die kommende Sicherheitsforschung in der EU vorgestellt.
Dabei ließ sie keinen Zweifel: In Zukunft sollen die Gelder bevorzugt in Dual-Use-Techniken investiert werden, also Techniken, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich genutzt werden. Philippe Brunet von der Generaldirektion Unternehmen und Industrie, zuständig für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik, freut sich über diesen „ersten Schritt in Richtung Maximierung der zivil-militärischen Synergien“ und hofft, dass künftig die beiden Industrien „Hand in Hand“ arbeiten.
Zu den Forschungsvorhaben der EU-Kommission im Bereich Dual-Use, die auf der Messe vorgestellt wurden, gehören der Grenzschutz sowie Detektoren-Geräte an Flughäfen. Die beiden Initiativen kommen nicht von ungefähr: Der Bereich Grenzschutz ist schon seit längerem ein Spielplatz für Rüstungskonzerne inklusive deren Lobbyisten und in den letzten Jahren standen verschiedene Lobbyskandale im Zusammenhang mit der Einführung von Nacktscannern. (.pdf)
Mit dem Auftritt der EU-Kommission auf dieser Messe scheint der Weg für das neue Rahmenforschungsprogramm Horizon2020, welches 2014 startet, vorgegeben. Erneut werden die Rüstungskonzerne die großen Profiteure der EU-Forschung sein.
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: Klarer Vertragsbruch bei Fluggastdatenübermittlung an die USA
: Klarer Vertragsbruch bei Fluggastdatenübermittlung an die USA Die EU Kommission hat das EU-USA-Fluggastdatenabkommen evaluiert. Fluggastdaten (PNR) werden von Airlines zu Servicezwecken gespeichert, um Anschlussflüge zu garantieren, das gewünschte Essen zu servieren und Sitzplätze korrekt zuzuweisen. Bis zu 60 Einzeldaten werden von einem einzigen Passagier pro Flug gespeichert. Diese Daten werden seit einigen Jahren an die USA übermittelt und dort für 15 Jahre auf Vorrat gespeichert. Die Datenschutzbestimmungen sind schwach, das Abkommen verletzt das Recht auf Privatsphäre und der Verlust der Reisefreiheit droht. Es widerspricht (.pdf) der der Charta der Grundrechte sowie der Europäischen Menschrechtskonvention. Im Evaluierungbericht findet sich ein klarer Vertragsbruch, die EU-Kommission sieht dennoch keine Probleme bei dem Abkommen.
Nachdem das EU-Parlament im April 2012 für die umstrittene Übermittlung der PNR-Daten stimmte war der Weg für die Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten in den USA frei. Am 1. Juli 2012 trat das Abkommen in Kraft, nun stellt die EU Kommission ihren Evaluierungsbericht (.pdf) vor.
Klarer Vertragsbruch
Aus dem Evaluierungsbericht geht klar hervor, dass die USA gegen die Reglungen des Abkommens verstoßen haben. So ist es den Behörden erlaubt, die PNR Daten auch an Drittstaaten weiterzugeben, allerdings nur, wenn sie auch die EU darüber informieren. Wie aus dem Bericht hervorgeht, hat jedoch die amerikanische Zollbehörde die Daten an ein Nicht-EU-Staat weitergeben, ohne die EU darüber in Kenntnis zu setzten. Dennoch verkündet die EU-Kommission in der heutigen Presseaussendung zu dem Bericht:
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: Spooky Business: Wenn die Industrie NGOs ausspäht
: Spooky Business: Wenn die Industrie NGOs ausspäht Fast könnte man vergessen, dass außer den Geheimdiensten noch andere am Datenschnüffeln interessiert sind. Aber auch private Unternehmen und Handelsgesellschaften spionieren Aktivisten und NGOs aus. Darüber informiert Gary Ruskin von Essential Information, einer NGO aus Washington, die sich unter anderem mit unternehmerischer Verantwortung beschäftigt, in dem Bericht Spooky Business: Corporate Espionage Against Nonprofit Organizations.
Aktionen von Firmen wie Monsanto, Kraft, Coca-Cola, McDonald’s und Shell richten sich gegen Gruppen, die sich für Umweltschutz, Verbraucherrechte, Lebensmittelsicherheit, Pestizidreformen, soziale Gerechtigkeit und andere Belange einsetzen, die den Unternehmen schaden könnten. Dafür heuern sie Ermittlungsfirmen an, die sich zum Teil aus Ex-Mitarbeitern von CIA, NSA, FBI und Co. zusammensetzen. Daraufhin werden die Organisationen zum Teil infiltriert und direkt oder auf elektronischem Wege ausspioniert, um Informationen über geplante Aktionen oder den Wissensstand der Aktivisten zu bekommen oder ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden.
In Ruskins Bericht sind viele interessante Fallbeispiele aufgeführt, unter anderem Aktionen der Computersicherheitsfirma HBGary Federal (heute HBGary Inc.), der Anwaltskanzlei Hunton & Williams und der Bank of America gegen WikiLeaks. Nachdem Wikileaks angekündigt hatte, Informationen über Korruption bei einer führenden US-Bank bloßzustellen, planten diese eine Kampagne, um die Arbeit von Wikileaks zu diskreditieren. Die Planungen involvierten, gefälschte Enthüllungsdokumente einzureichen und sie im Nachhinein als unwahr zu kennzeichnen, um Wikileaks Glaubwürdigkeit zu zerstören; die Infrastruktur von Wikileaks anzugreifen, um Informanten zu suggerieren, dass deren Anonymität gefährdet sei und Glenn Greenwald mit Karriereschäden zu drohen, falls er Wikileaks weiterhin unterstützen würde.
Dies ist nur ein exemplarisches Szenario unter vielen, aber es zeigt, dass wir uns nicht nur um die Enthüllungen über Massenüberwachung und Regierungsspionage kümmern sollten, sondern auch darum, dass noch andere daran interessiert sein könnten, Informationen über unsere politisch-gesellschaftlichen Aktivitäten zu erhalten.
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: Sachsen wills wissen – Bestandsdatenauskunft noch leichter gemacht
: Sachsen wills wissen – Bestandsdatenauskunft noch leichter gemacht Wenn man hört, dass die CDU/FPD-Koalition in Sachsen Änderungen am Polizeigesetz (SächsPolG), Verfassungsschutzgesetz (SächsVSG), Versammlungsgesetz und anderen, weniger prominenten Gesetzen geplant sind, bekommt man recht schnell ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Immerhin kannte man „Handygate“ in Dresden schon lange bevor das Telefon der Kanzlerin angezapft wurde und auch Kundendaten bei OBI und Diebe von Leergutfässern sind vor den fleißigen Datensammlern und ‑auswertern in Sachsen bekanntermaßen nicht sicher.
Und das Gefühl trügt nicht. Die geplanten Änderungsgesetze wollen dem sächsischen Verfassungsschutz und der Polizei den Zugriff auf Bestandsdaten noch leichter machen als er mittlerweile sowieso schon ist. Hintergrund ist der Ablauf einer Übergangsfrist, die das Bundesverfassungsgericht bis zum endgültigen Inkrafttreten der Änderungen am Telekommunikationsgesetz (zur manuellen Bestandsdatenauskunft siehe § 113 TKG) und der Neuregelung der Bestandsdatenauskunft erlassen hatte. Demnach konnten bis zum 30. Juni diesen Jahres noch „traditionelle“, manuelle Bestandsdatenabfragen nach alten Rechtsgrundlagen durchgeführt werden. Im Telekommunikationsgesetz sind die Umstände spezifiziert, unter denen Telkos Daten wie Rufnummern, Namen und Anschrift, Geburtsdatum, Gerätenummern und Zeitpunkt des Vertragsbeginns herausgeben dürfen bzw. müssen. Befugnisse, um diese überhaupt von den Telkos abzurufen, liegen im Regelungsbereich von Bund und Ländern. Das gleiche gilt für die Herausgabe von Passwörtern und anderen Zugangscodes.
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: TTIP: PR-Strategie der EU-Kommission geleakt
: TTIP: PR-Strategie der EU-Kommission geleakt Das Corporate Europe Observatory hat die PR-Strategie der EU-Kommission zum geplanten Transatlantischen Handelsabkommen TTIP (TAFTA) geleakt. Das Papier, das auf einem Rats-Treffen am vergangenen Freitag diskutiert wurde, gibt Vorschläge, wie man die Verhandlungen mit den USA am besten der eigenen Bevölkerung verkaufen sollte. Das geht natürlich am besten mit … Jobs! Auf das Killerargument wird mehrfach hingewiesen. Dabei gibt es berechtigten Zweifel, dass dies auch stimmt.
Dabei hat man wohl etwas von ACTA gelernt und möchte nun die Kommunikation optimieren, beim PR-Buzzwordbingo gibts dafür den Begriff „holistisch“:
The overall approach is holistic, uniting media relations, outreach and management of stakeholders, social media and transparency. The approach will need to further localise our communication effort at Member State level in a radically different way to what has been done for past trade initiatives, in addition to deploying efforts in Brussels, in the US and around the world, providing clear, factual and convincing arguments on all aspects of the negotiations.
Durch das Papier zieht sich immer wieder, dass man doch bitte schön von Anfang an TTIP positiv kommunizieren sollte. Also lieber über Wachstumschancen reden als darüber, dass mit TTIP unsere Datenschutzstandards gesenkt werden.
Und was unterscheidet jetzt TTIP von ACTA?
https://twitter.com/guenterhack/status/401372696891490304
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: Vorverkauf für die re:publica´14 startet
: Vorverkauf für die re:publica´14 startet
Die siebte re:publica mit dem Motto „Into the wild“ findet vom 6. – 8. Mai 2014 wieder in der Station in Berlin statt. Heute wurde der Vorverkauf gestartet und es gibt vergünstigte Earlybird-Tickets (solange der Vorrat reicht). Das Standard-Ticket im Earlybird-Tarif kostet 120 Euro, das ermäßigte Ticket kostet im Earlybird 60 Euro.Bei diesem Ticketvorverkauf kommen neue Kategorien ins Spiel. Die traditionellen Bloggertickets wurden durch vergünstigte Tickets für Studenten, Arbeitslose, etc. abgelöst. Das hat den Grund, dass sich viel Kommunikation von Blogs in andere soziale Medien verschoben hat, so dass der traditionelle Deal „Günstigeres Ticket für Banner im Blog“ kaum noch funktionierte. Und es gab viele, die einfach das Earlybird-Ticket, teilweise in größerer Menge, als garantierte Gewinnanlage kauften und es später bei gesteigerten Preisen wieder verkauften. Dazu gibt es immer noch das Business-Ticket für diejenigen, die es gewohnt sind, dass ihr Unternehmen teure Tickets für Konferenzen kauft oder die es sich leisten können und wollen. Es gibt ja auch mehr Mehrwert für den höheren Preis.
Wem die Tickets immer noch zu teuer sind: Wie bei vergangenen re:publica-Konferenzen wird es später die Möglichkeit geben, sich als Helfer zu registrieren, eine Schicht mit zu arbeiten und dafür die Konferenz kostenlos zu besuchen.
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: EU-Parlament: E‑Mails von Abgeordneten und IT-Experten gehackt
: EU-Parlament: E‑Mails von Abgeordneten und IT-Experten gehackt Das französische Seite Mediapart berichtet versteckt hinter einer Paywall von einem Hack des EU-Parlaments. Demnach wurden, das berichtet SPON, die E‑Mail Accounts von EU-Abgeordneten und auch IT-Experten gehackt. Das soll wohl auch sehr einfach gewesen sein, mehr weiß man allerdings nicht. Das Thema wurde wohl heute auch in der Plenartagung von einigen Abgeordneten angesprochen. Offensichtlich gibt es schon seit längerem Probleme mit der Sicherheit.
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: Troikatreffen der Justiz- und Innenminister der EU und USA: Überwachungsskandal ist Nebensache, alles Prima
: Troikatreffen der Justiz- und Innenminister der EU und USA: Überwachungsskandal ist Nebensache, alles Prima Gestern Abend haben sich die Justiz- und Innenminister der EU und der USA in Washington getroffen. Zur Reisegruppe gehörten die beiden EU-Kommissare Malmström (Innen) und Reding (Justiz) sowie die Vertreter für Justiz und Inneres der litauischen Ratspräsidentschaft und der kommenden griechischen Ratspräsidentschaft. Die Vertreter der EU freuten sich über ein konstruktives und produktives Treffen, viele Themen wurden angesprochen. Das Top-Thema scheinen nun Missbrauchsdarstellungen von Kindern zu sein, wie in Großbritannien mitlerweile auch. Der Überwachungsskandal spielt nur eine untergeordnet Rolle. Man fragt sich, in welcher Realität die Delegation eigentlich lebt.
Zur Erinnerung: Die USA überwachen massenhaft mit Hilfe der Briten alle Bürger der EU und zapfen sogar mit Wanzen die EU-Institutionen an. Im EU-Parlament wurde ein Untersuchungsausschuss eingesetzt, der den Skandal aufarbeiten will. Auch die EU Kommission will sich an der Aufklärung beteiligen, allerdings auf eine ganz spezielle Art: Eine transatlantische Arbeitsgruppe wurde eingesetzt, über die rein gar nichts bekannt ist. Es ist noch nicht einmal bekannt, wer in dieser Gruppe an der Aufklärung arbeitet, denn das könnte die internationalen Beziehungen beschädigen.
Bei dem Treffen am gestrigen Abend hat sich diese Verschleierungstaktik und Verharmlosung der EU Kommission und der Ratspräsidentschaft fortgesetzt. Die wichtigsten Themen, die bei dem Treffen thematisiert wurden waren:
…the problem of sexual abuse of children online; coordinating work on counter-terrorism and security issues; countering violent extremism; expanding cooperation in criminal matters; joint efforts in the areas of cybercrime and cybersecurity; and mobility, migration and border issues. In addition, we discussed the rights of victims of crime, the rights of persons with disabilities, and the prosecution of hate crimes.
Das sind sicher alles wichtige Themen, die auch besprochen werden müssen, doch erscheint nicht klar, warum nicht zu Beginn der Überwachungsskandal auf der Agenda stand.
Erst im dritten Absatz der Pressemitteilung findet sich ein Hinweis auf den Überwachungsskandal. Als man das Thema Datenschutz und Themen bezüglich der Aktivitäten der U.S. Geheimdienste angesprochen hat, ist man wohl auf beiden Seiten das Atlantiks zu der revolutionären Erkenntnis gelangt, dass jene Aktivitäten zu „bedauerlichen Spannungen“ geführt haben. Um das Problemchen zu lösen, so die Erkenntnis, muss nun wieder Vertrauen in die Kooperation hergestellt werden, denn die Bürger gehören geschützt – fragt sich nur vor wem oder was. Um sicher zu gehen, dass auch keine neuen Missverständnisse im spannungsgeladenen Miteinander auftreten wurde auch gleich versichert, dass die EU und die USA Verbündete sind. Das sich Verbündete untereinander so verhalten scheint völlig normal zu sein, den Kritik regnete es keine. Im Gegenteil, die bisherige Praxis wird sogar noch legitimiert:
Since 9/11 and subsequent terrorist attacks in Europe, the EU and U.S. have stepped up cooperation, including in the areas of police and criminal justice. Sharing relevant information, including personal data, while ensuring a high level of protection, is an essential element of this cooperation, and it must continue.
Die Äußerung überrascht zwar nicht unbedingt, denn aus Sicht der EU-Kommission ist ja etwa das SWIFT und das Fluggastdaten-Abkommen auch noch immer eine feine Sache. Das jedoch jegliche ernsthafte Kritik an der Datenabsaugung der USA außerhalb dieser Abkommen vollständig fehlt, ist nicht nachvollziehbar.
Aber: Die EU hat trotzdem eine Lösung parat, wie künftig die Daten der EU Bürger besser geschützt werden sollen: Es braucht ein Rahmenabkommen für den Austausch personenbezogener Daten mit den USA. Chapeau! Seit 2010 versucht die EU-Kommission ein derartiges Abkommen auf den Weg zu bringen, aber die Verbündeten auf der anderen Seite des Atlantiks wollen einfach nicht. Bis Mitte 2014 soll das Abkommen endlich stehen, ähnliche verheißungsvolle Ansagen gab es schon einige.
Das ganze Drama des Ausfluges der europäischen Reisegruppe zeigt sich in einem letzten massiven Aufbäumen gegen die Praxis der US-Geheimdienste und der frohen Hoffnung, dass sich bald doch endlich hoffentlich vielleicht alles zum Guten wendet:
The EU welcomes that the U.S. is considering adopting additional safeguards in the intelligence context that also would benefit EU citizens.
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: Surveillance Industry Index – Wie Werbung für Überwachung aussieht
: Surveillance Industry Index – Wie Werbung für Überwachung aussieht Wer sich schon immer gefragt hat, wie man auf bestimmte Überwachungssysteme aufmerksam wird, dem werden nun Antworten gegeben: Privacy International hat gestern den Surveillance Industry Index (SII) veröffentlicht. Die Datenbank enthält 1203 Dokumente, die 97 verschiedene Überwachungstechnologien von insgesamt 338 Anbietern bewerben.
Die Daten bauen auf den Wikileaks SpyFiles auf, die Dokumente wie Handbücher und Präsentationen von Überwachungsfirmen auf der ganzen Welt umfassen. Über eine Weltkarte lassen sich die Unternehmensunterlagen nach Kategorien geordnet durchsuchen.
Im Rahmen des Big Brother Inc. Projekts haben Privacy International und befreundete Organisationen diese Daten ergänzt. Dazu haben die Aktivisten über vier Jahre hinweg Daten gesammelt, die zeigen, wie Überwachungswerkzeuge angepriesen und beworben wurden, was diese Technologien zu leisten im Stande sind und zum Teil auch, an welche Regierungen sie verkauft wurden.