Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Nach Umstrukturierung ihrer Datensammlung verarbeitet Europol weiterhin Angaben zu „rassischer oder ethnischer Herkunft“
    Das neue Konzept der "Auswerteschwerpunkte" löst die früheren Europol-Analysedateien ab.
    Das neue Konzept der "Auswerteschwerpunkte" löst die früheren Europol-Analysedateien ab.
    Nach Umstrukturierung ihrer Datensammlung verarbeitet Europol weiterhin Angaben zu „rassischer oder ethnischer Herkunft“

    europol-awf-new-conceptDie EU-Polizeiagentur Europol hat das System ihrer „Arbeitsdateien zu Analysezwecken“ (AWF) geändert. Während bislang zu spezifischen Kriminalitätsbereichen einzelne AWF existierten, werden sie nun nur in „Serious and Organised Crime“ und „Terrorismus“ unterschieden. Dies geht aus einem Dokument hervor, das die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch geleakt hat.

    Die beiden AWF gliedern sich aber in die sogenannten „Focal Points“ (FP) auf, die den früheren AWF entsprechen. Hier finden sich 24 einzelne Datensammlungen, darunter zu „weltweitem islamistischen Terrorismus“, „Terrorismus innerhalb der EU“ oder „Hacktivismus“. Mitgliedstaaten können einem „Focal Point“ nach Belieben beitreten, er hat eine KoordinatorIn und besteht aus „Experten“ von Europol und den Mitgliedstaaten. Aber auch EU-Agenturen oder „Drittstaaten“ („Third Parties“) können mitmachen, wenn alle Teilnehmenden dies gutheißen. Mindestens einmal im Jahr sollen sich alle „Focal Points“ zum Austausch treffen. Sie dürfen auch „proaktiv“ Daten sammeln und austauschen. Gemeint ist wohl die „Gefahrenabwehr“ bevor überhaupt Straftaten begangen werden.

    23. Januar 2014 2
  • : #AskSnowden (Update: Datum verwechselt)
    #AskSnowden (Update: Datum verwechselt)

    Wer morgen Abend noch nichts vorhat: Ab 21 Uhr MEZ wird es einen Live-Chat mit Edward Snowden geben – die erste solche Gelegenheit seit Juni 2013. Und so gehts: Stellt eure Fragen via Twitter unter dem Hashtag #AskSnowden. Antworten der ca. einstündigen Fragerunde gibt es dann auf www.freesnowden.is/asksnowden zu lesen. Thematisch steht sicherlich eine Reaktion auf Obamas Rede vom letzten Freitag auf dem Programm.

    Ich bin gespannt, wie hoch die mediale Aufmerksamkeit und die Masse an Frage-Tweets sein wird. In diesem Sinne wünsche ich euch schonmal eine spannende Stunde am morgigen Abend!

    22. Januar 2014 8
  • : sicherheitstest.bsi.de – Wenn die DoS-Attacke aus der eigenen Bevölkerung kommt…
    sicherheitstest.bsi.de – Wenn die DoS-Attacke aus der eigenen Bevölkerung kommt…

    Heute morgen wurde vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) die Mitteilung veröffentlicht, es seien circa 16 Millionen kompromittierte Nutzerkonten entdeckt worden. Das heißt, zu den jeweiligen Online-Accounts sind Nutzername, E‑Mail-Adresse und Passwort in die falschen Hände gelangt. Die E‑Mail-Adressen der betroffenen Accounts seien dem BSI „übergeben“ worden, von wo wurde nicht bekannt gegeben.

    Netterweise bot die Behörde die Möglichkeit, abzugleichen, ob man selbst zu den Betroffenen gehört, indem man auf der Seite www.sicherheitstest.bsi.de seine Mail-Adresse eingibt. Bekommt man eine Antwort, befindet sich die Adresse unter den kompromittierten. Nach der Adresseingabe bekommt man noch einen vierstelligen Code, der sich auch im Betreff der Mail wiederfinden muss – nur zur Sicherheit.

    Apropos Sicherheit. Die erzeugt auch das Kreuzchen, dass man machen muss, um zu versichern, dass man nicht die Mailadresse seines Nachbarn testen lässt.

    Ich bin damit einverstanden, dass meine personenbezogenen Daten, die bei der Nutzung des auf dieser Webseite angebotenen Sicherheitstests anfallen, zur Durchführung des Tests und zur Mißbrauchserkennung erhoben, verarbeitet und genutzt werden dürfen. Ich bestätige, dass ich das Angebot auf dieser Webseite ausschließlich unter Angabe meiner eigenen E‑Mail-Adresse(n) nutze.

    Dass sich wirklich jemand für den Sicherheitstest interessiert, damit haben die Leute vom BSI wohl nicht gerechnet. Zumindest sei die Seite bereits kurz nach Erscheinen eines Spiegel-Artikels zum Thema überlastet und kaum erreichbar gewesen, so der Nachfolgeartikel. Ein etwas peinlicher Fehler, mag man sagen. Aber dass sich an der Situation auch jetzt, zehn Stunden später, kaum etwas geändert hat, ist weitaus mehr als nur eine lapidare Panne.

    Da sollte man sich vielleicht nochmal informieren, was bei Denial-of-Service-Attacken getan werden muss, vor allem, wenn sie aus der eigenen, besorgten Bevölkerung kommen…

    Zumindest nicht so, wie Pressesprecher Tim Griese empfiehlt:

    Die Seite ist immer wieder mal aufrufbar. Am besten probiert man es mehrfach.

    21. Januar 2014 346
  • : Remixerinnen und Remixer des Jahres 2013: All together now!
    Remixerinnen und Remixer des Jahres 2013: All together now!

    In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Die Remixer/innen 2013.

    Avatar_en_03Ein guter Remix greift das Original auf, fügt eigene Gedanken hinzu, variiert und verfremdet, lässt aber das Ausgangsmaterial, die eigentlichen Künstler strahlen (#14), gelingt eine Balance zwischen der Wiedererkennung und neuen persönlichen Ausdrucksformen (#1). Ein guter Remix lässt in der Bearbeitung eine eigene kreative Leistung erkennen, die sich vom bloßen Zitat des Original klar unterscheidet (#20). Im Grunde nutzt bzw. abstrahiert ein guter Remix die Originalspuren so, dass das Original zu erkennen ist, der Remix aber gleichzeitig trotzdem wie ein neuer Track klingt, vom alten Charme vielleicht Teile beinhaltet, aber auch den (im besten Fall) unverwechselbaren Stil des Remixers unschwer erkennen lässt (#2). Und vor allem muss es grooven (#29).

    Die gleichen Zutaten können unterschiedliche Ergebnisse produzieren (#23). Einige Remixes wollen auf rein visueller Ebene fesseln, andere mit Schenkelklopfer Humor unterhalten – und das ist gut so! (#5). Sobald ein Werk veröffentlicht wird, entzieht es sich mehr oder weniger der Kontrolle und geht im besten Fall in eine Art Allgemeingut über (#25). Musik materialisiert sich nicht mehr vorrangig in und mit der Produktion von abgeschlossenen Werken, sondern verkörpert Reflexionsweisen; es geht heute um Handlungen und Haltungen parallel zur Kunst. Dabei kann die Kunst (Remix) auch vom Werk (Original) distanziert, entkoppelt und/oder systematisch infrage gestellt werden (#7).

    20. Januar 2014 1
  • : Wir gratulieren Edward Snowden zur Ernennung in den FPF-Vorstand!
    Wir gratulieren Edward Snowden zur Ernennung in den FPF-Vorstand!
    Gestern gab die amerikanische Freedom of the Press Foundation (FPF) bekannt, dass Edward Snowden im Februar in ihren Vorstand berufen werden soll. Damit wird er zusammen mit Daniel Ellsberg, Glenn Greenwald, Laura Poitras, Rainey Reitman und anderen profilierten AktivistInnen gemeinsam für Pressefreiheit weltweit streiten. Der Whistleblower der Pentagon-Papiere und Mitbegründer von FPF, Daniel Ellsberg, teilte als Begründung unter anderem mit:

    Leaks are the lifeblood of the republic and, for the first time, the American public has been given the chance to debate democratically the NSA’s mass surveillance programs. Accountability journalism can’t be done without the courageous acts exemplified by Snowden, and we need more like him.

    Diese Entscheidung kommt einige Tage nachdem VertreterInnen des U.S. House Permanent Select Committee on Intelligence (HPSCI), dem Geheimdienstausschuss des U.S. Repräsentantenhauses, die Snowden-Leaks (Überraschung!) als Gefährdung für die Nation und Verrat an den Streitkräften bezeichnet haben.

    Die Freedom of the Press Foundation wurde 2012 gegründet und hat im vergangenen Oktober mit dem kostenlosen SecureDrop ein sicheres Einsendesystem für Whistleblower veröffentlicht, welches eine Weiterentwicklung des StrongBox-Systems von Aaron Swartz darstellt.

    16. Januar 2014
  • : Kampf gegen „Online-Propaganda“: EU-Kommission veröffentlicht Empfehlungen im Anti-Terrorkampf
    Kampf gegen „Online-Propaganda“: EU-Kommission veröffentlicht Empfehlungen im Anti-Terrorkampf

    Die Gefahr ist groß. Und sie ist allgegenwärtig. Das betonte die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach. Die Innenkommissarin präsentierte heute die Empfehlungen der EU-Kommission zur Terrorismus-Bekämpfung, die die Mitgliedsländer beherzigen und umsetzen sollen. Konkret gefördert werden soll ein „Europäisches Wissenszentrum“ – mit 20 Millionen Euro bis 2017. Die „Herausforderungen des Internets“, als ständig verfügbare Infrastruktur zur Propaganda-Verbreitung, wabern durch die  Mitteilung der EU-Kommission und durch die Rede der Innenkommissarin. Die Kommission müsse mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um „der Online-Propaganda entgegenzuwirken und um Gegen-Narrative zu entwickeln, etwa in Online-Foren von Dschihadisten“, sagte Malmström.

    15. Januar 2014 4
  • : Kim Dotcom gründet Internet Party und veranstaltet Megaparty
    Kim Dotcom gründet Internet Party und veranstaltet Megaparty

    internet_partyVerwirrung: Kim Dotcom gründet eine Partei. Der Guardian titelt „Kim Dotcom to launch ‚Megaparty’ for New Zealand elections“. Dabei heißt die Partei eigentlich „Internet Party“:

    15. Januar 2014 3
  • : Studie der Otto-Brenner-Stiftung: „Verdeckte PR in Wikipedia“
    Studie der Otto-Brenner-Stiftung: „Verdeckte PR in Wikipedia“

    Cover-Oppong-StudieWährend Wikipedianer Dirk Franke im netzpolitik.org-Interview von bezahltem Schreiben noch als „kommende[m] Problem“ spricht, kommt der Journalist Marvin Oppong in einer Studie für die gewerkschaftsfinanzierte Otto-Brenner-Stiftung (OBS) zu dem Schluss, dass verdeckte PR in der Wikipedia (PDF der Studie) bereits heute ein großes Problem ist. So heißt es in der Pressemeldung zur Veröffentlichung der Studie:

    Im seltsamen Kontrast zu dem ungebrochenen Siegeszug von Wikipedia als Informations‑, Orientierungs- und Deutungsquelle steht die interne Struktur von Wikipedia, die es bisher nicht vermag, „PR in Wikipedia effektiv zu verhindern und Manipulationen in Wikipedia wirksam zu unterbinden.

    Zu diesem harten Urteil kommt Oppong unter anderem an Hand von Fallstudien einzelner Artikel, u.a. über Daimler, RWE oder den FDP-Politiker Christian Lindner. Oppong argumentiert, bei Wikipedia handle es sich um eine „Diktatur der Zeitreichen“, weshalb die finanziell gut ausgestattete PR-Branche im Vorteil sei und über verschiedene Manipulationswege verfüge (S. 39). Als eine jener Branchen, in der es mutmaßlich die meisten Manipulationen gibt, nennt Oppong deshalb auch die finanzstarke Pharma-Branche (S. 41).

    14. Januar 2014 20
  • : Überraschung! No-Spy-Abkommen steht vor dem Aus.
    Überraschung! No-Spy-Abkommen steht vor dem Aus.

    Die SZ meldete unter Berufung auf anonyme VerhandlungsteilnehmerInnen, dass das Geheimdienstabkommen zwischen Deutschland und den USA de facto gescheitert ist. Ziel des Abkommens war der verbriefte Verzicht auf beidseitige Überwachung. Was natürlich sinnvoll ist, wenn man einen Geheimdienst vor sich hat der noch nicht einmal den eigenen PolitikerInnen erklären will, dass er sie (nicht) überwacht.

    Überraschend ist das nicht und wer glaubt, die ausufernde Überwachung der NSA könne mit einem, überdies sanktionslosen, Papier eingeschränkt werden, ist entweder unglaublich naiv oder politisch hilflos. Deutschland ist für die USA nach wie vor ein attraktives Überwachungsziel, was sowohl historisch begründet ist wie auch durch Leaks wie der Strategic Mission List 2007 illustriert wird. Außerdem hat die amerikanische Regierung schon Mitte Dezember klar kommuniziert, dass sie es nicht zu einem Präzedenzfall kommen lassen will. Was den Auftritt von Pofalla, der einen Monat vorher noch in den höchsten Tönen von einem neuen Standard in der Zusammenarbeit der westlichen Geheimdienste gesprochen hatte, nicht nur ein bisschen lächerlich erscheinen lässt. 

    Natürlich könnte man sich jetzt wünschen, dass die Bundesregierung durch diesen Totalausfall endlich auf andere Ideen kommen könnte als ewig die „auf deutschem Boden muss deutsches Recht gelten!“-Doktrin zu wiederholen. Ein Abrücken von der Vorratsdatenspeicherung und ein Paradigmenwechsel in der Sicherheitspolitik wäre ein starkes Signal. Oder das Bereitstellen einer wirklich sicheren Kommunikationsinfrastruktur statt einer bewusst mit Sicherheitslücken ausgestatteten De-Mail. Das wäre wenigstens realistischer als ein „No-Spy-Abkommen“ mit den größten Datensammlern der Geschichte. 

    Vormerken: Morgen um 15:35 wird es eine aktuelle Stunde zum No-Spy-Abkommen auf Antrag der Linksfraktion im Bundestag geben. 

    14. Januar 2014 6
  • : TTIP: Kommission führt Dialog mit „Zivilgesellschaft“
    TTIP: Kommission führt Dialog mit „Zivilgesellschaft“

    Die europäische Kommission ist sehr bestrebt bei den Verhandlungen um das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP ein Debakel wie bei ACTA zu verhindern. Daher organisiert die federführende Generaldirektion Handel Dialogveranstaltungen für die Zivilgesellschaft, um deren Meinung zu hören und um über die aktuellen Entwicklungen der geheimen Verhandlungen zu informieren. Die Veranstaltungen sind daher inhaltlich oberflächlich und dienen eher als Vernetzungsevent. Statt der Zivilgesellschaft nehmen vor allem finanzstarke Industrie-Lobbyverbände teil.

    Die heutige Veranstaltung soll über die dritte Verhandlungsrunde informieren und dem Meinungsaustausch zwischen der Kommission und der Zivilgesellschaft dienen. Die „Stakeholder“ des „Civil Society Dialogue“ sind aber keinesfalls nur Vertreter der Zivilgesellschaft. Im Gegenteil, die meisten Teilnehmer sind klassische Industrie-Lobbyisten. Vertreten ist etwa Digital Europe, zu deren Mitgliedern Sony, Samsung, Microsoft aber auch Cassidian gehören. Tatsächliche Vertreter der Zivilgesellschaft gibt es nur wenige.

    Schon bei der ersten Dialogrunde nahmen vorwiegend Interessenvertreter der Industrie teil, die auch entsprechend häufig zu Wort kamen (.pdf). Die Kommission ist also keineswegs bestrebt, aus den Fehlern von ACTA zu lernen. Statt tatsächlich für Transparenz und Beteiligung an der Debatte zu sorgen werden vor allem Veranstaltungen und Beteiligungsmöglichkeiten für Lobbyisten geschaffen.

    14. Januar 2014 6
  • : Veranstaltungsempfehlung: Einbruch der Dunkelheit
    Veranstaltungsempfehlung: Einbruch der Dunkelheit

    einbruchderdunkelheit

    Am 25. und 26. Januar findet in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin die  Konferenz „Einbruch der Dunkelheit“ statt, bei der „Optionen,
 Strategien
 und
 Techniken
 der
 Selbstermächtigung 
in
 der
 digital
 vernetzten 
Gesellschaft“ besprochen werden sollen. Das Programm enthält viele interessante Vorträge, Gespräche und Panels, Lesungen, Filmvorführungen und Performances sowie Workshops. Ein paar Beispiele:

    • Digitale Wachsamkeit und das Recht auf Vergessen mit Johannes Masing, Anke Domscheit-Berg und Frank Rieger
    • Transparenz: Was können wir von Manning, Assange und Snowden lernen? mit Jacob Applebaum, Christoph Bieber und Micah L. Sifry
    • Aktivismus und Anonymität, Workshop mit Asteris Masouras
    • Grenzenlose Selbstvermessung, Workshop mit Heike Hennig
    14. Januar 2014 3
  • : Mittwoch in Berlin: Vortrag über Mobilfunk-Unsicherheit
    Mittwoch in Berlin: Vortrag über Mobilfunk-Unsicherheit

    Lauschen ohne Rauschen – Vortrag von Linus Neumann über Sicherheit und Unsicherheit im MobilfunkAm Mittwoch halte ich beim Spreeforum Informationsgesellschaft einen kleinen Vortrag über Sicherheitsprobleme in Mobilfunk-Netzwerken.

    Ich habe es mir sehr zum Ziel gesetzt, die Schwächen und Angriffe laienfreundlich zu präsentieren, besonderes Fachwissen wird daher nicht vorausgesetzt.

    Seit vor vier Jahren erstmals unabhängige Forscher den Verschlüsselungsalgorithmus A5/1 brachen, ist öffentlich bekannt, dass das Abhören mobiler Telefonate mit einfachen Mitteln möglich ist. Die Schwächen von GSM gehen über das einfache Abhören hinaus: Anrufer können weltweit lokalisiert werden – vom Schreibtisch aus.
    Doch was sind eigentlich die Gegenmaßnahmen der Netzbetreiber?

    Das Ganze findet statt im Gebäude des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung in Berlin-Mitte (Wegbeschreibung).
    Beginn ist im 17:00h.

    13. Januar 2014 14
  • : Online-Ratgeber der SPD: Seniorinnen und Senioren sicher im Netz
    Online-Ratgeber der SPD: Seniorinnen und Senioren sicher im Netz

    Die SPD hat bei irights.info eine schön gestaltete Ratgeber-Broschüre für Seniorinnen und Senioren in Auftrag gegeben (PDF):

    Durch die Broschüre und die Themen führt das fiktive Paar Herr und Frau Netzbach. Sie erklären den Lesern den digitalen Alltag. Als Mitglied eines Internetforums für Hobbyköche gerät Herr Netzbach schnell mit dem Urheberrecht in Konflikt, als er sein Lieblingsrezept ins Netz stellen will. Frau Netzbach geht es ganz ähnlich, als sie Fotos aus ihrem Fotokurs bei der örtlichen Volkshochschule in einer Ausstellung verwenden will. Es geht um alltägliche Veröffentlichungen, um das Nutzen von Videostreams, um die Frage, wie man am besten selber Videos online stellt, um Lizenzfragen und freie Inhalte, die man für Remixes oder andere Zusammenstellungen verwenden kann. Weitere Themen sind Datenschutz im Netz, soziale Medien, Online-Einkauf, das private WLAN-Netzwerk und wie man Passwörter richtig erfindet.

    Schön ist auch, dass freien Lizenzen eine ganze Doppelseite (S. 14–15) gewidmet ist und die Broschüre selbst unter einer der Creative-Commons-Lizenz BY-ND steht. Überhaupt denkt man sich bei einigen Texten, dass nicht nur Seniorinnen und Senioren sondern auch der eine oder die andere SPD-Bundestagsabgeordnete einen Blick in die Broschüre werfen sollten.

    9. Januar 2014 2
  • : Blogger stellen Fragen an Reding
    Blogger stellen Fragen an Reding

    Gestern war ich für netzpolitik.org zum Online-Dialog mit der Justizkommissarin Viviane Reding eingeladen. Ich habe Fragen zum EU-USA-Datenschutzabkommen gestellt, zur Netzneutralität und zu den Plänen der Kommissarin, einen eigenen EU-Geheimdienst aufzubauen. Sorry für die Mikifonqualität, da geht noch einiges und leider war die Qualität der Verbindung nicht besonders gut, was es teilweise schwierig gemacht hat Nachfragen zu stellen, wenn man die Antwort nicht richtig gehört hat.

    Meine Nachfrage zum EU-Geheimdienst wurde nur unzureichend beantwortet. Reding will einen eigenen europäischen Dienst bis 2020 aufbauen, der sich an Recht und Gesetz hält. Warum sich die Geheimdienste aber daran nun halten werden und wie sie einen neuerlichen Geheimdienstskandal vermeiden will ließ sie offen. Zwar erwähnte Reding in diesem Zusammenhang die Reform der Datenschutzrichtlinie für die Strafverfolgung, diese ist jedoch noch im Verhandlungsstatus und garantiert keinesfalls ausreichende Schutzstandards. Zudem würde die Richtlinie nicht für einen eigenen europäischen Dienst gelten. Dieser würde durch die Verordnung (.pdf) über die Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Dienste der EU abgedeckt, die aber nicht Teil der Datenschutzreform ist.

    Mit dem Format will die EU-Kommission eine Debatte über die Zukunft der EU führen, vor allem aber die Wahlbeteiligung bei der kommenden EU-Wahl dieses Jahr auf 50% anheben. An sich also ein interessantes Format, was fortgeführt werden sollte. Schläft das Projekt nach der Wahl ein, bleibt ein fader Beigeschmack.

    Am 16. Januar wird ein weiteres Hangout stattfinden, an dem ihr auch teilnehmen könnt. Vielleicht mögt ihr an der ein oder anderen Stelle nochmal nachbohren oder ganz andere Themen ansprechen.

    8. Januar 2014
  • : Justizministerium: Streams betrachten ist „keine Urheberrechtsverletzung“
    Justizministerium: Streams betrachten ist „keine Urheberrechtsverletzung“

    Die hier und andernorts vertretene Rechtsmeinung, dass die Abmahnungen der Kanzlei U+C für das Betrachten von Porno-Streams nicht mit der herrschenden Rechtslage in Deutschland in Einklang zu bringen sind, wurde jetzt auch durch das Justizministerium in einer Antwort auf eine sogenannte „Kleine Anfrage“ von Abgeordneten der LINKEN bestätigt.

    Während sich Spiegel Online noch damit brüstet, dass ihm die Antwort vorliegt, sie jedoch nicht verlinkt, haben die Kollegen von iRights.info das PDF zur Gänze online gestellt. Darin heißt es unter anderem:

    Vor diesem Hintergrund hält die Bundesregierung das reine Betrachten eines Videostreams nicht für eine Urheberrechtsverletzung.

    In der Folge verweist das Justizministerium aber noch darauf, dass bislang noch keine höchstrichterlichen Entscheidungen darüber vorliegen, „[o]b die Nutzung von Streaming-Angeboten eine Ver­vielfältigung darstellt, die Rechte von Urhebern oder Leistungsschutzberechtigten verletzt“ und verweist diesbezüglich auf den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Nur dieser könne die Frage letztgültig klären.

    Die Stellungnahme des Justizministeriums ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Streaming-Nutzern wohl nicht so schnell eine weitere Massenabmahnwelle droht – nicht zuletzt auch deshalb, weil das Landgericht Köln, das die Herausgabe der IP-Adressen angeordnet hatte, inzwischen seine Entscheidung zu überdenken scheint.

     

    7. Januar 2014 15
  • : Filmische Aufbereitung des NSU-Prozesses als Beispiel für die Möglichkeiten des Online-Journalismus
    Filmische Aufbereitung des NSU-Prozesses als Beispiel für die Möglichkeiten des Online-Journalismus

    Die Süddeutsche Zeitung hat letzten Donnerstag ihre Berichterstattung über das erste Jahr im NSU-Prozess um einen eigens produzierten Film erweitert. Der Dialog des Filmes basiert ausschließlich auf O‑Tönen der Verhandlung und beruht auf den Mitschriften der SZ-JournalistInnen Annette Ramelsberger, Tanjev Schultz und Rainer Stadler. Eingebettet ist er in eine als „Digitalreportage“ bezeichnete multimediale Aufbereitung der ersten 71 Verhandlungstage.

    Hier klicken, um den Inhalt von www.youtube-nocookie.com anzuzeigen.

    Es gibt nur wenige vergleichbare Adaptionen von Gerichtsprozessen oder Gerichtprotokollen die einen dokumentarischen Anspruch haben. Beispiele dafür sind unter anderem die Verfilmung der Verhörprotokolle des Serienmörders Fritz Haarmann in „Der Totmacher“ (1995), das Theaterstück über die Auschwitz-Prozesse „Die Ermittlung“ (1965) oder die Begleitung des Pirate-Bay Prozesses in „TPB AFK“ (2013). Ähnlich des Pirate-Bay Filmes hat die SZ ihr Werk von Beginn an ins Internet gestellt (leider nicht unter freien Lizenzen) und damit seine Reichweite maßgeblich erhöht.

    Nach § 169 Satz 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes sind öffentliche Ton- und Filmaufnahmen aus Gerichtsälen nicht erlaubt. Eine der Folgen ist, gerade bei Prozessen mit einem hohen öffentlichen Interesse, ein Wissensgefälle zwischen den anwesenden Personen und der Öffentlichkeit. Das Verfahren als Film zu adaptieren, ist dabei eine Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen. Nun können alle Menschen mit Internetzugang zumindest einen Teil der Perspektive der JournalistInnen einnehmen. Der Verlauf des NSU-Prozesses, die Argumentationsstrategien der Verteidigung und Anklage, sowie die Aussagen der Betroffenen sind unmittelbarer auswertbar als es bei einer reinen schriftlichen Berichterstattung möglich wäre. Der Beitrag, der damit für eine breitere Diskussion über das NSU-Verfahren geleistet wird, ist groß. Schön zu sehen, wenn Journalismus die Digitalisierung als Möglichkeit begreift, zu einer neuen Form der Öffentlichkeit beizutragen.

    6. Januar 2014
  • : Justizminister Maas: Keine Vorratsdatenspeicherung vor EuGH-Urteil (Update: Bosbach/Uhl sauer)
    Justizminister Maas: Keine Vorratsdatenspeicherung vor EuGH-Urteil (Update: Bosbach/Uhl sauer)

    Im aktuellen SPIEGEL verspricht Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD):

    Ich lege keinen Gesetzesentwurf vor, bevor der Europäische Gerichtshof endgültig geurteilt hat, ob die Richtlinie die Rechte der EU-Bürger verletzt oder nicht.

    Im Dezember hatte der Generalanwalt des EuGH Pedro Cruz Villalón die geltende EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in ihrer jetzigen Form für unvereinbar mit den Grundrechten erklärt. Das endgültige Urteil des EuGH wird Anfang 2014 erwartet. In den meisten Fällen folgt das Gericht dem Schlussplädoyer.

    Maas’ Versprechen ist erfreulich, aber kein Grund zur Genugtuung. Die SPD hält eine grundrechtskonforme Vorratsdatenspeicherung [sic!] für möglich und hat deren Verankerung im Koalitionsvertrag mitgetragen (PDF, S. 147). Die Umsetzung einer neuen Richtlinie entlang „enger“ Vorgaben des EuGH und des Bundesverfassungsgerichts läge auf SPD-Linie. Die SPD befürwortet somit nicht weniger als die Errichtung einer Überwachungsinfrastruktur, die verdachtsunabhängig sämtliche Verbindungsdaten in Deutschland (und Europa) erfasst.

    Die in der Folge des EuGH-Urteils zu erwartenden Neuentwürfe einer VDS-Richtlinie sowie nationale Umsetzungsversuche gilt es zu verhindern. So nicht, anders nicht, gar nicht.

    Abend-Update:

    Wolfgang Bosbach (CDU) ist sauer auf Maas und bringt (mal wieder) ein längst widerlegtes Argument:

     Es sei „gerade nicht vereinbart worden, dass wir so lange abwarten, bis eine Entscheidung vorliegt“, sagte Bosbach dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Denn an jedem Tag, an dem die Vorratsdatenspeicherung nicht eingeführt sei, könnten Straftaten nicht aufgeklärt werden.

    Für das Protokoll: Hans-Peter Uhl (CSU) ist auch nicht einverstanden mit dem Justizminister. Die Opposition begrüßt dagegen Maas’ Schritt. Ein Glück, dass wir den nicht auch noch loben müssen.

    5. Januar 2014 19
  • : Akademiker verfassen Statement gegen Massenüberwachung
    Akademiker verfassen Statement gegen Massenüberwachung

    Nach Rechtsanwälten und Schriftstellern hat sich nun auch die akademische Welt gemeinsam gegen die Massenüberwachung positioniert. Mit ihrer Erklärung „Academics Against Mass Surveillance“ machen die bisher über 200 unterzeichnenden Akademiker ihren Standpunkt klar: Die Ausspähung muss aufhören und das Grundrecht Privatsphäre muss wieder erkämpft werden. Es wird an die Länder appelliert, aktiv zu werden und sich dafür einzusetzen, die Menschenrechte, die Freiheiten und die Privatsphäre ihrer Bürger effektiv zu schützen.

    Die Erklärung ist nicht auf die 207 Erstunterzeichner beschränkt, wer Akademiker ist und sich beteiligen will kann eine Mail an info(at)academicsagainstsurveillance.net senden.

    3. Januar 2014 7
  • : Echt jetzt? Wirklich? Die NSA forscht am Quantencomputer
    Echt jetzt? Wirklich? Die NSA forscht am Quantencomputer

    Ein bisschen unverständlich ist es schon, dass die Medien sich auf die neueste NSA-Enthüllung stürzen, die gestern von der Washington Post veröffentlicht wurde. Demnach arbeite die NSA an der Entwicklung eines Quantencomputers, um Kryptoverfahren, die auf schwierigen mathematischen Problemen beruhen, brechen zu können.

    3. Januar 2014 46
  • : Die Forschungsfantasien europäischer Polizeien
    Die Forschungsfantasien europäischer Polizeien

    Ein Netzwerk von Europäischen Polizeien mischt bei den Ausschreibungen von EU-Forschungsvorhaben mit. Uns wurde ein geheimes Arbeitsprogramm zugespielt, aus dem ersichtlich wird, welche Ambitionen die Polizeien haben. Dazu gehört das Stoppen von Fahrzeugen sowie die automatische Kennzeichenerfassung.

    ENLETSDie französische Ratspräsidentschaft gründete 2008 das „Europäische Netz technischer Dienste für die Strafverfolgung (ENLETS)“. Damit reagierte man auf die Europäisierung der Sicherheitsforschung, die erstmals im 7. Rahmenforschungsprogramm (FP7) der EU als eigenständiger Themenbereich eingeführt wurde. Seit der Security Research Conference 2010 im belgischen Oostende ist ENLETS klar darauf ausgerichtet, das die Ergebnisse direkt in das FP7 einfließen (.pdf). In regelmäßigen Abständen werden Polizeien von ENLETS gefragt, welche Technologien benötigt werden bzw. welche Lösungen bereits in nationalen Forschungsprojekten erforscht wurden und mittlerweile erfolgreich genutzt werden, um die Strafverfolgung und Prävention zu verbessern. Bei der Suche nach innovativen Ideen wird vor allem auf Überwachungs- und Kontrolltechniken, insbesondere Analysetools für große Datenberge, gesetzt. Durch die Integration der Ermittlungsbehörden in den Forschungsprozess sollen passgenaue Überwachungstechnologien für die Endnutzer erforscht werden. Auch der Projektkoordinator von INDECT, Prof. Andrzej Dziech hat schon bei einem Treffen der Arbeitsgruppe im September 2011 im Rahmen der polnischen Ratspräsidentschaft in Warschau teilgenommen. Zwei mal im Jahr trifft man sich um die Ergebnisse auszuwerten und neue Ziele zu definieren. Die Treffen werden jeweils von der Troika vorbereitet und von der aktuellen Ratspräsidentschaft durchgeführt.

    Was genau ENLETS macht ist geheim. Nun wurde uns jedoch ein klassifiziertes Arbeitsprogramm für die kommenden Jahre (.pdf) zugespielt. Darin wird die Arbeitsweise von ENLETS genauer beschrieben. Zudem werden detaillierte Aufgaben für die nächste zwei Jahre definiert und Strategien bis 2020 entwickelt.

    Im Rahmen der „technology watch function“ orientiert man sich etwa an den drei Grundsätzen ENLETS:

    1) Sharing Best Practices: Mit Unterstützung von Europol hat man eine Datenbank mit täglichen Updates aufgebaut, die von den Mitgliedstaaten erforschte Technologien beinhaltet

    2) Co creation: Die Mitgliedstaaten werden über neue Projekte und Entwicklungen informiert

    3) Research: Die Bedürfnisse der Mitgliedstaaten werden an die Kommission weitergegeben, die so in die Ausschreibungen für neue Forschungsprojekte einfließen sollen.

    Das zentrale Ziel von ENLETS ist, die Bedürfnisse und Wünsche der Ermittlungsbehörden der Mitgliedstaaten im Rahmen des FP7 bzw. des neuen Rahmenforschungsprogramm Horizon2020 zu erforschen. Dabei steht die Kooperation mit der Industrie im Vordergrund, die durch die Programme gestärkt werden soll. Dabei handelt es sich tatsächlich um ein gigantisches Subventionsprogramm für die Rüstungsindustrie.

    Die Strategie für die kommenden zwei Jahre, von September 2013 bis September 2015, wurde von Großbritannien, den Niederlanden und Rumänien festgezurrt. Man hat sich auf fünf Kernaufgaben geeinigt:

    1) Automatic Number Plate Recognition – Automatische Nummernschilderkennung

    2) Open Source Intelligence – Offene Informationen im Netz sollen überwacht und als Informationsquelle genutzt werden; Ermittlungen sollen auch im Netz geführt werden können

    3) Signal Intelligence – Immer mehr Daten werden gesammelt und müssen ausgewertet werden. Es sollen IT-Systeme entwickelt werden, die mit der Datenflut zurecht kommen, um diese besser verarbeiten und auswerten zu können.

    4) Surveillance – Es gilt die besten Videoüberwachungssystem zu finden und zu nutzen.

    5) Front Line Policing – Entwicklung von Technologien zum Stoppen von Fahrzeugen.

    Die mittel- und langfristigen Ziele von ENLETS sind weniger konkret und zielen hauptsächlich darauf ab, die Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten zu verbessern um so die EU-Forschung nach den Bedürfnissen der Ermittlungsbehörden auszurichten.

    2. Januar 2014 8