Wir hatten letzten Donnerstag kurz erwähnt, dass im Europaparlament Mailaccounts gehackt wurden. Zu diesem Zeitpunkt wusste man noch nicht viel mehr über die Konsequenzen. Am Freitag wurde Martin Ehrenhauser, einem fraktionslosen EU-Parlamentarier, auf einem USB-Stick eine Liste mit circa 40.000 Mails zugespielt, die vermutlich aus dem Hack hervorgingen. Aufgeführt waren Mails von Parlamentariern, aus dem Deutschen Bundestag, der EU-Kommission, von Parteien und Lobbyisten.
In der Liste enthalten sind Angaben zu Betreff, Datum, Absender, Empfänger und der Name von Anhängen. Laut Ehrenhauser reiche die Spannweite an Betreffen von Geburtstagsgrüßen bis zu Infos aus den Koalitionsverhandlungen und unter den Anhängen seien sowohl Einladungen zu Championsleaguespielen und als auch Aufforderungen zum Abstimmungsverhalten von Lobbyisten enthalten.
Das schürt Befürchtungen, wird aus Ehrenhausers Statement deutlich:
Aufgrund dieser Metadaten ist es durchaus möglich, dass – sofern E‑Mails veröffentlicht werden – ein großer Lobbyskandal ausbricht. Vor allem die Verbindungen zwischen konservativen EU-Abgeordneten und Lobbyverbänden ist auffällig.
Vielleicht kommt jetzt, mit der Angst vor der persönlichen Betroffenheit, auch bei den Vorratsdatenspeicherungs-Freunden an, dass Metadaten nicht ganz so harmlos sind, wie man das gerne darstellen will (auch wenn bei der VDS Betreff und Anhänge nicht gespeichert werden). Und als kleiner Hinweis: Auch Verschlüsselung hätte den Betroffenen hier nicht unbedingt weitergeholfen, denn der Betreff wird immer im Klartext übertragen.