Kultur
Meme, Veranstaltungen, Kunst, Museen, Remixe, Musik, Internetphänomene, Computerspiele und Archive.
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: Sportlich: Metronaut-Blog bekommt gleich zwei Abmahnungen wegen Olympia-Satire
: Sportlich: Metronaut-Blog bekommt gleich zwei Abmahnungen wegen Olympia-Satire
Das Metronaut-Blog hat gleich zwei Abmahnungen wegen einer Olympia-Satire bekommen, darunter einmal vom Land Berlin in Form des Senates. Beide Abmahnungen wurden von derselben Kanzlei verschickt samt einer kurzen Frist von drei Stunden. Im Metronaut-Blog erschien die Tage eine Plakatreihe zur Olympia-Bewerbung die klar als Satire gekennzeichnet eine historische Anspielung auf die letzten olympischen Spiele in Berlin unter Adolf Hitler brachte: „Offener Umgang mit Vergangenheit.“Die Plakatreihe gefiel sicher geschmacklich nicht jedem, aber das ist in diesem Fall egal, denn dies sollte trotz Adbusting klar von der Satire- und Meinungsfreiheit gedeckt sein. Und immerhin steht deutlich „Satire“ dabei, was auch in den Screenshots zu sehen ist, die den Abmahnungen beigefügt waren: Zensur: Doppelt abgemahnt wegen Satire-Olympia-Motiven.
Zum Verständnis: Der beanstandete Artikel von Metronaut war und ist als Satire gekennzeichnet, das ist auch in dem von der Kanzlei mitgeschickten Screenshot ersichtlich. Weil wir nicht genügend Kohle haben, diesen Rechtstreit vollumfänglich auszutragen, hat Metronaut als Reaktion auf die beiden Anwaltsschreiben alle Personen- und Kampagnenamen im Artikel herausgestrichen und alle Motive/Logos geschwärzt. Auf den ursprünglichen Motiven war das Logo der Olympia-Bewerbung mit Bildern aus der NS-Zeit zu sehen.
Die Metronaut-Redaktion sieht die anwaltlichen Schreiben des Landes Berlins und des Senats als Akt der Zensur, der auch zeigt, dass ein kritischer und offener Umgang mit der nationalsozialistischen Olympia-Vergangenheit Berlins nicht erwünscht ist. Die harsche Reaktion ist auch ein Vorgeschmack, was Berlin blüht, wenn die Olympiade wirklich hierher kommt. Satire darf alles, hieß es ja allerorten noch vor Kurzem. Für die Berliner Olympia-Bewerbung gilt das jedenfalls nicht.
Der Effekt der Abmahnung wird jetzt ein gepflegter Streisand-Effekt sein und die Satire-Motive weiter tragen als es bisher der Fall war. Ich bin mal gespannt, wie Juristen den Fall bewerten werden und ob sich Metronaut rechtlich dagegen wehren wird.
Vielleicht sind die Abmahnungen auch nur Teil einer Kommunikationsstrategie, um die geplante Olympia-Bewerbung viral auch in soziale Medien zu tragen. In diesem Fall würden wir für den PR-Stunt gratulieren und darum bitten, die Anwälte zurück zu rufen.
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: Neues Exponat im Remix-Museum: „Insult to Injury“
: Neues Exponat im Remix-Museum: „Insult to Injury“
Das digitale Remix-Museum wächst und gedeiht. Nachdem wir das Jahr mit einem neuen Exponat zum Experimentalfilm „Metor“ begonnen hatten, liefert Gunnar Schmidt im zweiten Monat den zweiten Neuzugang. Das Exponat „Insult to Injury“ beschäftigt sich mit dem englischen Künstlerduo Jake und Dinos Chapman und deren „Verunstaltung“ von Werken Goyas, die Kriegsgräuel während der Besatzung Spaniens 1808–1814 darstellten.Schmidts Fazit zu dieser besondere Art von Remix:
So sehr sich die Arbeit von Jake und Dinos Chapman ästhetisch genießen lässt, man ihre Ausdruckskraft schätzen kann oder gering empfindet, so sehr kann man in ihr eine Metakunst erkennen, deren Bestimmung darin besteht, das Schicksal der autonomen Kunst in der kapitalistischen Kultur zu veranschaulichen. Die Grimassen auf den Bildern übernehmen hierin die Funktion uneindeutiger Allegorien zwischen Scherz und Schmerz: Sie verhöhnen den Reliquienkult und zeigen die Pein darüber, dass man den Systemimperativen nicht entkommt. Die Grotesken sind schlussendlich die entstellten Figurationen der Künstler selbst, die zwei historisch gewachsene mythische Rollenkonzepte zugleich ausfüllen – Erfinder originärer Ideen und Monteure des Uneigenen.
Hier geht es direkt zum Exponat im Remix-Museum.
Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet und zum Schlendern im online Remix-Museum einlädt.
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: Münchner Bürger helfen Stadtrat bei der Arbeit. Gratis. Und beta.
: Münchner Bürger helfen Stadtrat bei der Arbeit. Gratis. Und beta. Das RIS (Ratsinformationssystem) der Stadt München ist unter allen mühsamen städtischen RISsen vielleicht das mühsamste. (Man zähle z.B. alle Klicks, um die Anträge und Beschlüsse der letzten 10 Jahre zum LiMux-Projekt zu finden: hier.) Stadträte und Angestellte klagen seit Jahren über die Mühsal, Dokumente darin zu finden – eigentlich das einzige Feature, welches eine Dokumentenverwaltungsystem wirklich gut können sollte. Nun haben sich ein paar Bürger der Sache angenommen – und siehe da, in relativ kurzer Zeit ist „München Transparent“ entstanden, welches heute in die öffentliche Beta-Phase eintritt. Dort lassen sich alle Dokumente aus dem Münchner Stadtrat (Anfragen, Anlagen, Anträge, Beschlüsse, etc.pp.) einfach suchen – und vor allem finden! Darüberhinaus wird der immense Dokumentenbestand durch eine intuitive Oberfläche und clevere Aufbereitung so auch einem viel grösseren Teil der betroffenen Bevölkerung, der Presse und Wirtschaft zugänglich. Die Website bietet jetzt schon häufig eine Verortung von Dokumenten: Dazu werden die Dokumente OCR-gescannt und nach Adressen durchsucht (z.B. Baustellen, Bauanträge) und diese auf einer Münchner Karte von OpenStreetMap dargestellt. Ebenso kann man sich über neue Dokumente automatisch per Email informieren lassen, RSS-Feeds abonnieren, usw. Das Portal kann heute im Testbetrieb schon deutlich mehr als das alte RIS und wurde dabei komplett von Bürgern in der eigenen Freizeit entwickelt und gestaltet!
Das ist nur eines der Projekte, welches die im letzten Jahr gegründete Gruppe „Code for München“ – eine von über einem Dutzend Gruppen in ganz Deutschland (vgl. Code for Germany Netzwerk) – umsetzt. Das Ziel ist, Daten der Verwaltung für die Bürger direkt nutzbar zu machen, indem sie von der Stadt ähnlch wie Open Source Software als sog. Offene Daten veröffentlicht werden. Erst dann können technisch versierte, gestalterisch begabte und politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger gemeinsam die Daten so aufbereiten, wie sie ihnen und ihren Mitbürgern am besten helfen. In Fall von München Transparent wird sogar dem Stadtrat selbst unmittelbar geholfen, der mit einem veralteten, ursprünglich nur für ihn entwickelten, proprietären Monolithen etwas in die Sackgasse geraten sind, da jede Anpassung heute schnell teuer wird. Wenn nur jedem Stadtrat, Referent und der Stadtspitze eine halbe Stunde Suchzeit pro Woche erspart bleiben, sind das 365 volle Arbeitstage Einsparung – nur in 2015 (Annahme: 120 Personen). Die Stadt sollte 10% der eingesparten Lohnsumme an Code for München spenden, oder?
Die Open Knowledge Foundation (OKF) Deutschland (e.V.), die auch Code for Germany lanciert hat, bietet dem Projekt ein formales Zuhause, falls es rechtliche Schwieirigkeiten geben sollte. Obwohl die originalen RIS-Dokumente am Ort verblieben und nicht weiterverbreitet werden, lehrt die Erfahrung, dass auch gut gemeinte Non-Profit-Projekte sich immer wieder gegen übereifrige Anfeindungen wehren müssen. Wer sich für die Projekte von Code for München interessiert, ist herzlich eingeladen, an den nächsten Treffen vorbeizuschauen. Am 21. Februar 2015 veranstaltet Code for München einen grösseren Entwicklertag, als Beitrag zum internationalen Open Data Day 2015. Der Eintritt ist gratis, der Zugang ist offen. Alle sind willkommen, um Anmeldung wird jedoch gebeten. Nicht zuletzt: Die Gruppe sucht tatsächlich noch Sponsoren, die den Open Data Day aber auch andere Projekte unterstützen wollen, um den digitalen Standort München aktiv mitzugestalten und attraktiver zu machen. (Disclaimer: Der Autor ist Vorstandsmitglied von OKF Deutschland.)
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: Wie Umgehen mit Trollen im Netz? Eine Handreichung in Form von Mini-Infographiken
: Wie Umgehen mit Trollen im Netz? Eine Handreichung in Form von Mini-Infographiken Wie ist es bestellt um den Erkenntnisfortschritt in der Debatte zum Umgang mit Trollen im Internet? Nachdem sich ZDF-Journalist Martin Giesler gegen Zurücktrollen ausgesprochen hatte, vertrat Nico Lumma in einem Blogeintrag voller Kraftausdrücke die Gegenposition:
Asoziales Verhalten erfordert soziale Ächtung, nicht Verständnis.
Ingrid Brodnig, seit kurzem für Digitalthemen zuständig beim österreichischen Nachrichtenmagazin profil und Autorin des Bands „Der unsichtbare Mensch“ (Rezension hier bei netzpolitik.og), hat sich in diese Debatte eingemischt und nicht nur klar auf Nico Lummas Seite geschlagen, sondern ihren Erkenntnisstand in Form von zwei Mini-Infographiken zusammengefasst.
Zuerst gilt es zu klären, ob es sich überhaupt um einen Troll handelt:
Wenn das geklärt ist, liefert Brodnig folgende Entscheidungshilfe für den Umgang mit destruktiven Trollen:
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: Künstliche Intelligenz. Was denkt ihr über denkende Maschinen?
<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/"> CC-BY-NC-SA 2.0 Generic </a> via Flickr/ <a href="https://www.flickr.com/photos/ditadata/9167721224"> I could be your light in the dark... by Nebraska Oddfish </a> : Künstliche Intelligenz. Was denkt ihr über denkende Maschinen? Der Online-Salon Edge.org, der 1996 aus dem „Reality Club“ entstand, ist eine Webseite, auf der wissenschaftliche, technologische und philosophische Themen diskutiert werden. Zwischen 1981 und 1996 trafen sich die Mitglieder des „Reality Club“ regelmäßig, wobei es sich, wie heute auch noch, zum größten Teil um eine privilegierte Elite handelte. Ihr Slogan ist bis heute:
To arrive at the edge of the world’s knowledge, seek out the most complex and sophisticated minds, put them in a room together, and have them ask each other the questions they are asking themselves.
Zu diesem Zweck wird auf Edge.org seit 1999 die „Jährliche Frage“ gestellt und von den WissenschaftlerInnen beantwortet. Diese Antworten werden gesammelt und sind permanent auf der Homepage abrufbar.
Thematisch sind diese Jahresfragen weit gestreut und beschäftigten sich zum Beispiel damit, wie das Internet unser Denken verändert (2010), welche Idee die AutorInnen für gefährlich halten (2006) oder an welche sie glauben, auch wenn sie nicht bewiesen werden kann (2005).
Künstliche Intelligenz
Die Frage in diesem Jahr ist: What do you think about machines that think?
Künstliche Intelligenz ist eine alte Idee und Vision der Science Fiction, die häufig mit dem Gedanken einhergeht, humanoide Roboter zu erschaffen, oder zumindest die Frage stellt, was passieren würde, wenn Maschinen sich selbstständig und von der Menschheit unabhängig weiterentwickeln können – eine Art anatürliche Evolution, inspiriert von Pflanzen und Tieren. Die Antworten drehen sich gar nicht so sehr um das Endprodukt – eine selbstständig denkende Maschine -, sondern sehr stark um die grundlegenden Fragen, was Menschen als Intelligenz wahrnehmen, bzw. welche an dieser Stelle gemeint ist. Wenn der Schachcomputer Big Blue den besten Schachspieler der Welt, Gary Kasparov, schlägt, ist dies eine ihrer Formen. Aber es würde eine erweiterte oder andere Form von Intelligenz herausfordern, auf einer empathischen Ebene mit diesem Menschen zu interagieren.
Mit diesen theoretischen Grundfragen danach, was „Intelligenz“ und „Denken“ unserer Ansicht nach sind, beschäftigen sich einige der 186 Antworten.
No novel science or technology of such magnitude arrives without disadvantages, even perils. To recognize, measure, and meet them is a task of grand proportions. Contrary to the headlines, that task has already been taken up formally by experts in the field, those who best understand AI’s potential and limits.
James J. O’Donnel fragt sich zum Beispiel, ob es überhaupt möglich wäre, Maschinen zu entwerfen, die ohne menschliche Weisung funktionieren und falls ja, ob sich ihre Handlungen eher positiv oder negativ für die Menschheit ausnehmen würden. Um derlei Maschinen entwerfen zu können, sollten wir uns jedoch vorher im Klaren darüber sein, welchen Vorgang wir als „Denken“ bezeichnen. Und würde es auch bedeuten, dass die intelligenten Maschinen verwirrt sein können oder sich im Denken im Kreis drehen?
When we get tangled up in this question, we need to ask ourselves just what it is we’re really thinking about.
Roger Schank, Psychologe und Informatiker, ist hingegen ganz klar der Auffassung, dass Maschinen nicht denken können und es auch in naher Zukunft nicht können werden. Diese Vorstellung entspringt lediglich unserer Imagination, oder, wie er es schreibt:
We have all been watching too many movies.
Denn um wahre künstliche Intelligenz zu kreieren, müssten wir selbst in der Lage sein, zu verstehen, wie menschliche Intelligenz funktioniert und woraus sie sich zusammensetzt. Melanie Swan argumentiert damit, dass unsere individuelle Intelligenz and die persönliche Identität gekoppelt sei. Maschinen, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind, hätten jedoch nicht nur keine Identität und auch keinen damit verbundenen Charakter, sondern sie wären zusätzlich aufgrund ihrer Speicherfähigkeiten nicht einmal in der Lage etwas zu vergessen. Intelligenz ist jedoch nicht mit Erinnerungsvermögen gleichzusetzen, sondern setzt sich auch daraus zusammen, dass Erfahrungen und Erlerntes hinter sich gelassen werden kann. Das perfekte Erinnerungsvermögen der KI müsste also wiederrum künstlich begrenzt werden, wenn sie in einem nicht-statischen, sozialen Gefüge funktionieren solle.
The technological construct of identity and the social construct of identity are different and have different implied social contracts. The social construct of identity includes the property of imperfect human memory that allows the possibility of forgiving and forgetting, and redemption and reinvention. Machine memory, however, is perfect and can act as a continuous witnessing agent, never forgiving or forgetting, and always able to re-presence even the smallest detail at any future moment.
Alison Gopnik betrachtet kleine Kinder als die besten Lernenden des Universums, da sie in sehr kurzer Zeit sehr viele Fakten, aber auch soziale Zusammenhänge erlernen. Sie bezweifelt, dass KI in der Lage wäre, auch nur das Level eines 3‑jährigen Kindes zu erreichen. Denn im Gegensatz zum Menschen, können bestimmte Aspekte mit KI sehr leicht erlernt werden, während andere fast gar nicht, oder nur mit ungleich höherem Aufwand erreicht werden können. Logisch-mathematische Intelligenz, wie zum Beispiel Schachspielen, gehören zu den Aspekten, die KI leicht zu fassen bekommt, während es viel schwieriger ist, ihr beizubringen, etwas zu erkennen (z.Bsp. Gesichtserkennung auf Fotos) oder auszuwählen. Die meisten Kinder hingegen, können einen Hund erkennen, wenn sie vorher schonmal einen gesehen haben, auch wenn dieser ganz anders aussah.
The trouble with this sort of purely statistical machine learning is that it depends on having enormous amounts of data, and data that is predigested by human brains. Computers can only recognize internet images because millions of real people have reduced the unbelievably complex information at their retinas to a highly stylized, constrained and simplified Instagram of their cute kitty, and have clearly labeled that image, too.
In den Antworten werden auch noch ganz anderen Thematiken aufgegriffen. Wie zum Beispiel: Was würde geschehen, wenn Maschinen Leid empfinden können? Würde ihre Intelligenz die Menschheit insgesamt klüger machen? Entstünden eher hybride Formen aus menschlicher und künstlicher Intelligenz? Welchen Einfluss hätte KI auf soziale Gefüge? Würde KI über die großen Sinnfragen des Lebens nachdenken?
Alle Antworten zu lesen, würde wohl mehr als nur einige Stunden beanspruchen, aber wir können auf jeden Fall empfehlen einen oder mehrere Blicke darauf zu werfen. Da die AutorInnen aus verschiedenen Disziplinen kommen, ergbit sich ein recht breit gefächertes Bild, welches sich nicht nur wie eine Vision Lems oder Asimovs liest, sondern durchaus auch praktischen Bezug zur Realität und dem Alltag aufweist. Hier findet sich eine Übersicht der AutorInnen und Antworten und hier dieselben als Fließext.
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: Rücktritt: Moot gibt Adminrechte für 4chan ab
CC-BY-SA <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Poole#mediaviewer/File:Christopher_Poole_at_XOXO_Festival_September_2012.jpg">Nemo bis</a> : Rücktritt: Moot gibt Adminrechte für 4chan ab Christopher Poole, der Öffentlichkeit vor allem durch seinen Nickname moot bekannt, hat nach 11,5 Jahren seine Adminstratorrechte für das Imageboard 4chan abgegeben. moot hatte 4chan im Alter von 15 Jahren gegründet. Die Plattform zum Posten von Bildern wurde zur Ursuppe des Phänomens namens Anonymous und zur TV-Alternative eines Teils der jungen zumeist männlichen Generation. In einem Blogpost mit dem Titel „Das nächste Kapitel“ beschreibt er, dass 4chan weiter leben wird, weil im Hintergrund eine Menge Menschen Verantwortung übernommen haben und auch die finanzielle Situation geregelt sei.
I’ll need time away to decompress and reflect, but I look forward to one day returning to 4chan as its Admin Emeritus or just another Anonymous, and also writing more about my experience running 4chan on my personal blog. The journey has been marked by highs and lows, surprises and disappointments, but ultimately immense satisfaction. I’m humbled to have had the privilege of both founding and presiding over what is easily one of the greatest communities to ever grace the Web. It was truly an honor to serve as 4chan’s founding administrator, and I look forward to seeing what the next decade holds for the site.
Vor wenigen Jahren war 4chan zwar schon super erfolgreich, aber trotzdem prekär finanziert. In dem Blogpost gibt es auch einige Zahlen zu 11,5 Jahren 4chan zu lesen. Demnach hatte die Seite 1071189182 Besucher, die 42176061890 Seitenaufrufe verursacht haben. Das ist richtig fett.
Ich hab moot mal vor sechs Jahren per Zufall in New York kennengelernt und damals ein Interview mit ihm für den Netzpolitik-Podcast über 4chan gemacht: Folge 58 – 4chan und Anonymous vs. Scientology.
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: #3sechzich: WDR experimentiert mit Nachrichtenkanal für Jugendliche auf Youtube
: #3sechzich: WDR experimentiert mit Nachrichtenkanal für Jugendliche auf Youtube
Die Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten haben u.a. ein Problem: Auf welchem Kanal erreicht man mit welchem Programm heute noch Jugendliche? Mir fällt gerade nichts ein und bei der Debatte um einen Jugendkanal bin ich auch irgendwann ausgestiegen. Ich vermute jetzt mal, dass der einfach nicht kommen wird.Währenddessen sind die meisten Jugendlichen zu Youtube ausgewandert, wenn man nicht gerade auf Liebes-Soaps für die Zielgruppe über 60 oder Tier-Dokus am Nachmittag steht. Auf Youtube will der WDR jetzt junge Menschen mit dem neuen Nachrichtenformat #3sechzich erreichen. Das Angebot startet heute und will jeden Tag Nachrichten liefern. Hier ist der Trailer:
Der WDR hat die eigenen Moderatoren interviewt: „Hallo, wir sind WDR #3sechzich“.
Aktuelle Stunde: Es gibt dutzende deutsche Videoblogger, die auf YouTube Millionen von Abonnenten haben. Warum startet jetzt der WDR ein eigenes YouTube-Format?
Freddie Schürheck: Weil wir besondere Möglichkeiten haben, die andere YouTube-Kanäle nicht unbedingt haben. Die sind vielleicht von Firmen gesponsert. Wir sind komplett unabhängig. Bei uns steht zum Beispiel definitiv keine Make-up-Linie im Hintergrund.
Tim Schrankel: Wir sehen das als Chance, eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. Und nicht bloß mit Unterhaltung. Es ist bei uns die Kombination von Videos, die Spaß machen, mit dem journalistischen Hintergrund des WDR.
Melek Balgün: Es wird einfach Zeit! YouTube ist die perfekte Plattform, um junge Menschen zu erreichen.Mal schauen, wie die Zielgruppe reagiert.
Update: Die erste Folge ist online abrufbar:
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: diesmal weltweit ausgesucht: CC Affiliates Mixtape No. 1
: diesmal weltweit ausgesucht: CC Affiliates Mixtape No. 1
Die CC-Länderprojekte heißen in offizieller Diktion „Affiliates“ und haben sich anlässlich des Geburtstages von CC im Dezember zusammengetan und eine Musikkompilation aus frei lizenzierter Musik zusammen gestellt, das CC Affiliates Mixtape No. 1.Einige werden sich erinnern, dass es so etwas schon 2012 zum zehnjährigen CC-Geburtstag einmal gab, aber das damalige „#cc10 Birthday Mixtape“ enthielt nur Tracks aus Europa, denn es war auch nur durch die europäischen CC Affiliates zusammengetragen worden. Diesmal waren alle Affiliates weltweit beteiligt und es gibt Pläne, solche Kompilationen von jetzt an regelmäßig zu machen.Die Nummer 1 gibt es beim Free Music Archive, bei Soundcloud und beim Internet Archive.
[dies ist ein crosspost vom CC DE Blog]
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: Großes Kino: Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Darknet-Ausstellung der Mediengruppe Bitnik
: Großes Kino: Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Darknet-Ausstellung der Mediengruppe Bitnik
Auf die Darknet-Ausstellung der !Mediengruppe Bitnik hatten wir bereits hingewiesen. Die schweizer Medienkünstler haben mit dem „Random Darknet Shopper“ einen Bot gebaut, der im Darknet automatisiert nach einem Zufallsprinzip dort angebotene Sachen kauft und sich das schicken lassen, um diese öffentlich auszustellen. Geliefert wurden u.a. MDMA-Pillen, gefälschte Jeans und der Scan eines ungarischen Passes. Die Kunstaktion stellte wichtige Fragen der Zukunft:Was bedeutet es für die Gesellschaft, wenn Roboter plötzlich autonom handeln? Wer ist haftbar, wenn ein Roboter von sich aus gegen das Gesetz verstösst? Dies waren zentrale Fragen der Arbeit «Random Darknet Shopper». Globale Fragen, die nun lokal verhandelt werden.
Jetzt wurde die Ausstellung am Tag nach der Beendigung in Sankt Gallen von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die !Mediengruppe Bitnik protestiert natürlich dagegen und sieht sich in ihrer Kunstfreiheit verletzt: Staatsanwaltschaft St. Gallen beschlagnahmt und
versiegelt Arbeit der !Mediengruppe Bitnik.Am Morgen des 12. Januar, am Tag nach Beendigung der dreimonatigen Ausstellung, beschlagnahmte und versiegelte die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen in der Kunst Halle unsere Arbeit. Mit der Beschlagnahme und der Vernichtung der Ecstasy-Pillen soll offenbar eine Drittgefährdung ausgeschlossen werden. Dies ist unser aktueller Kenntnisstand, weswegen wir uns im Moment nicht weiter zur Sache äussern können. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Beschlagnahme der Kunstobjekte ein ungerechtfertigter Eingriff in die Kunstfreiheit darstellt. An dieser Stelle möchten wir uns bei der Kunst Halle St. Gallen für die Zusammenarbeit und die Unterstützung bedanken. Wir sind überzeugt, dass es eine Aufgabe der Kunst ist, Ränder auszuleuchten und zeitgenössische, gesellschaftliche Fragen zu thematisieren.
Wir wünschen viel Erfolg und viel Spaß!
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: »Der Sender«: Mit Crowdfunding zum ersten genossenschaftlichen Sender Deutschlands [Update]
: »Der Sender«: Mit Crowdfunding zum ersten genossenschaftlichen Sender Deutschlands [Update] Heute Nachmittag hat ein fünfköpfiges Team, zu dem u.a. Philipp Banse, Jana Wuttke und Netzpolitik-Kollege Lorenz Matzat zählen, Pläne für den Start von „Der Sender“ bekanntgegeben. Ziel ist „eine gemeinschaftlich finanzierte, unabhängige Plattform für zukunftsweisenden Journalismus“ in Form des „ersten genossenschaftlichen Sender[s] in Deutschland.“ Crossmedial produziert und gesendet werden soll in bzw. aus Kreuzberg:
Das Schöne ist: Den Raum haben wir schon. Wir bauen unsere Kreuzberger Fabriketage zum Studio um und produzieren dort regelmäßige Sendungen zu Politik, Technik, Wissenschaft und Kultur.
Für Infrastruktur und die Kosten des ersten Jahres Sendebetriebs soll in Kürze eine Crowdfunding-Kampagne starten. Zuvor sollen eine Reihe von Fragen gemeinsam mit der potentiellen Community geklärt werden wie
Welche Themen, Leute oder Formate würdet Ihr gerne hören/sehen? Welche Feature wünscht Ihr Euch von der Webseite? Welche Sachen sind Euch unklar? Was fehlt?
Schön zu sehen, dass die wachsende Kritik an Projekten wie Krautreporter nicht dazu führt, die Idee von publikumsfinanziertem Online-Journalismus insgesamt zu beerdigen. Wer über den Start von „Der Sender“ am laufenden bleiben möchte, kann das u.a. via Twitter, Facebook und YouTube tun.
[Update, 16.01.2014]
In der ersten Version von mittlerweile veröffentlichten FAQs wird unter anderem angekündigt, dass die Inhalte – soweit möglich – unter der sehr offenen Creative Commons Namensnennungslizenz veröffentlicht werden sollen. Ziel ist damit scheinbar das vorzuhüpfen, was im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bislang nur für einzelne Bereiche diskutiert wird, nämlich Creative Commons als Default.
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: Von der Oscar-Shortlist in die ZDF-Mediathek: Tod eines Internet-Aktivisten (Update)
: Von der Oscar-Shortlist in die ZDF-Mediathek: Tod eines Internet-Aktivisten (Update)
Versteckt im Nachtprogramm des Spartensender ZDF-Info lief heute Morgen die Dokumentation „Tod eines Internet-Aktivisten“. “The Internet’s Own Boy”, so der Originaltitel der Dokumentation von Brian Knappenberger, setzt sich mit dem Selbstmord und vorherigem Schaffen von Aaron Swartz auseinander. Der Film hat es auf die diesjährige Shortlist für die kommende Oscar-Verleihung geschafft.Aaron Swartz nahm sich vor zwei Jahren am 11. Januar 2013 das Leben. Er war ein bekannter Aktivist, gehörte zu den Mitgründern von Reddit und Demand Progress und hatte bereits mit 14 Jahren an der Entwicklung des RSS-Standards mitgewirkt. Ihm drohten bis zu 35 Jahre Gefängnis, weil er sich illegal über das MIT-Netzwerk Zugang zur Journal-Datenbank JSTOR verschafft und dort 4,8 Millionen Dokumente heruntergeladen hat.
Die kommenden Tage findet man die deutsche Übersetzung noch in der ZDF-Mediathek.
Die englischsprachige Originalversion gibt es auf Youtube zu sehen:
Update: Das ZDF hat uns geschrieben und darauf hingewiesen, dass de Dokumentation diverse Male auf verschiedenen Sendeplätzen auf ZDFinfo gezeigt wird, darunter am 18.02.2015 zur besten Sendezeit um 20:15. Die erste Ausstrahlung hatte nur das Pech, mitten in der Nacht zu kommen.
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: Happy birthday: 25 Jahre The Simpsons
: Happy birthday: 25 Jahre The Simpsons
Die wahrscheinlich beste Comic-Serie der Welt feiert 25 Jahre Geburtstag: The Simpsons! Keine andere Serie hat so unterhaltsam in 561 Folgen Gesellschaftskritik subversiv auch einem jungen Publikum verpackt. Und nicht erst 25 Jahre später sind die Simpsons im Feuilleton angelangt.Hier sind einige Einordnungen und Rückblicke:
Tagesschau.de: Ein Vierteljahrhundert in Gelb.
Der Humor der Simpsons reicht von Klamauk bis Satire – und die Dialoge sind gespickt mit Anspielungen auf Popkultur und Politik. Gerade in den ersten Jahren werden die Simpsons deshalb auch immer wieder heftig kritisiert: Von den amerikanischen Konservativen, von Frauenverbänden und religiösen Gruppen.
Zeit.de: Sisyphos in Springfield.
Die Simpsons behandelt die Tragödie des Menschen in seinem selbst gewählten Gefängnis namens Kapitalismus. Und wie es mit Tragödien ist, man kann sie nicht in eine Form von Dafür- oder Dagegen-Sein bringen. Sie ist weder Kritik noch Affirmation.
FAZ: Eine ganz normale Familie.
Aber wer brauchte schon die „Tagesschau“? Es gibt kein gesellschaftliches Problemfeld, das in 561 Episoden der „Simpsons“ nicht behandelt worden wäre: die Macht großer Konzerne, Religion vs. Atheismus, Umweltschutz, die Waffenlobby, die Homo-Ehe, Scheidung der Eltern, Lesbischsein, das amerikanische Bildungssystem, Atomkraft, moderne Kunst, der Segen einer Krankenversicherung, Gewalt in den Medien, Freundschaft und was eine Familie ausmacht, um nur ein paar zu nennen.
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: Deutsche Welle oder German Wave? Das deutsche TV-Programm der DW auf der Abschussliste
: Deutsche Welle oder German Wave? Das deutsche TV-Programm der DW auf der Abschussliste Die Kolleginnen und Kollegen von der Deutschen Welle schlagen Alarm: Ihr Intendant Peter Limbourg, vom Privatfernsehen (zuletzt ProSiebenSat.1 Media AG) eingekauft und an ein Denken in Quoten und Werbeeinnahmen gewöhnt, scheint das deutsche TV-Programm der DW abwickeln zu wollen – zugunsten einer Neuausrichtung auf englische Inhalte. Insider sprechen gegenüber netzpolitik.org von dem Versuch einer Kopie von CNN und BBC, die mutmaßlich eher mittelmäßig ausfallen dürfte, schon weil der Welle der kulturelle und sprachliche Heimvorteil fehlt. Damit würde der deutsche Auslandsrundfunk nach der Abwicklung des deutschen Radioprogramms vor einigen Jahren keine Sendungen mehr in der Sprache des eigenen Landes produzieren.
Persönlich fände ich das Ende des deutschen TV-Programms mehr als bedauerlich, denn – und das ist der Bezug zu unserem Blog – die DW leistet eine meistens erfreulich kenntnisreiche Berichterstattung zu netzpolitischen Themen und hält der deutschen Nabelschau gerne eine internationale Perspektive entgegen – zuletzt etwa beim leidigen Thema Störerhaftung im WLAN, die die Bundesregierung immer noch nicht abgeschafft hat, obwohl seit mehr als zwei Jahren ein geeigneter Gesetzentwurf auf dem Tisch liegt.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Welle wenden sich in einem offenen Brief gegen die Pläne ihrer Hausleitung:
DW-Intendant Peter Limbourg hat angekündigt, das deutsche, spanische und arabische TVProgramm
zu schließen, falls die Bundesregierung nicht deutlich mehr Geld für den
Auslandssender zur Verfügung stellt. Wir sagen NEIN zu derartigen Plänen! Die chronische Unterfinanzierung der Deutschen Welle darf nicht dazu führen, dass das Herz des Programms zerstört wird. Deutschlands Ansehen in der Welt wächst ständig. Die Stimme Deutschlands gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Deutsche Welle vermittelt Werte und Kultur des Landes und begleitet das Weltgeschehen engagiert und kritisch. Sprache ist zentral für die Identität eines Landes. Mit dem Verlust der deutschen Sprache würde die Deutsche Welle auch ihre Blickwinkel und Themen verlieren. Wir Unterzeichner rufen die politisch Verantwortlichen auf, die Pläne zu stoppen. Die Deutsche Welle muss in ihrer Sprachenvielfalt erhalten bleiben!Den Brief haben inzwischen über 100 Prominente aus Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft unterzeichnet, z.B. Herta Müller (Literatur-Nobelpreisträgerin), Martin Walser (Schriftsteller), Volker Schlöndorff und Fatih Akin (Regisseure), René Kollo (Tenor) und andere mehr.
Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht abschalten“ rufen Journalistinnen und Journalisten der DW zu einer Demo gegen die Schließungspläne auf: Am Montag, 15. Dezember 2014 gehen sie um 12:30 Uhr von der Voltastraße – dem Berliner Sitz der Welle – zum S‑Bhf. Humboldthain und fahren zum Treffpunkt S‑Bhf. Friedrichstraße. Dort startet der Demonstrationszug gegen 13 Uhr zum Brandenburger Tor. Die Protestkundgebung findet um 14 Uhr vor dem Brandenburger Tor statt.
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: Peter Sunde: „Ich bin für meine Sache ins Gefängnis gegangen. Was hast du gemacht?“
Flickr.com/Share Conference/CC By SA 2.0 : Peter Sunde: „Ich bin für meine Sache ins Gefängnis gegangen. Was hast du gemacht?“ Es gibt einige wenige große Momente im Leben, in denen du fühlst, dass dich etwas tief in Innersten bewegt. Der Schulabschluss. Den ersten Kuss zu bekommen. Wenn du dein erstes Buch schreibst. Die Veröffentlichung dieses ersten wissenschaftlichen Artikels. Der Tod eines geliebten Menschen. Wenn der erste Kunde in dein eigenes Café kommt. Manche dieser Momente mögen anderen unwichtig und trivial erschienen, für dich sind sie gigantisch und sie verändern dein Leben.
Dieser Beitrag von Peter Sunde, dem ehemaligen Sprecher von The Pirate Bay und Gründer von Flattr, erschien zuerst in englischer Sprache bei Wired UK. Übersetzung von Justin Hanney, Crosspost mit freundlicher Genehmigung.
Heute hatte ich ein ähnliches Gefühl. Ein Gefühl, dass wir eine kritische Masse erreicht haben. Eine kritische Masse von Leuten, die über den aktuellen Zustand des Internets aufgebracht sind – nein, den aktuellen Zustand der Internetregulierung und darüber, was der Welt dadurch bevorsteht. Eine kritische Masse, die endlich versteht, dass wir uns auf dem Weg zu einer Sende-Demokratie befinden, in die der Einzelne kaum involviert ist. The Pirate Bay wurde abgeschaltet. Das stellte die Menschen vor die Herausforderung, dass sie ihre Lieblingsfernsehserien morgen woanders herunterladen müssen. Sie haben darüber ein wenig nachgedacht und festgestellt, dass dies erst der Beginn einer rasanten Talfahrt ist. Jetzt verstehen sie, dass der Zugriff auf alternative Inhalte nun schwieriger sein wird, sofern überhaupt noch möglich. Und dass die Langoliers, die allesfressenden Horrorwesen von Stephen King, uns schneller einholen, als wir bisher angenommen haben. Dass es keine gute Idee ist, wenn wir das Internet zentralisieren und nur noch eine Handvoll zentralisierter Dienste haben, die meist wenigen Konzernen in einem einzigen Land gehören. Einem Land, das sich nicht um Grenzen schert, wenn es seine persönlichen Fehden verfolgt. Eine Bewegung formt sich dagegen. Eine Bewegung gegen all das. Und morgen, wenn ihr aufwacht, wird sie ihren Höhepunkt mit einer ganzen Menge Leute erreichen, vielleicht sogar einer ganzen Million, die alle die Gruppen „Stop destroying the internet“ oder „Give us our pirate bay back“ auf Facebook entdecken. Und sie werden auf „Like“ klicken und stolz darauf sein. Endlich haben sie es getan. Sie haben verhindert, dass das Internet zerstört wird.
Nein ehrlich, ich habe wirklich das Gefühl, dass wir einen Höhepunkt erreichen. Es ist ein Gefühl, dass fast 100 Prozent der Internet-Community denkt: „Nicht mein Problem, jemand anders wird es schon richten.“ Dabei war es nicht allein das aktuelle Geschehen um The Pirate Bay, das mich zu dieser Einsicht gebracht hat. Es hat sich schon eine ganze Weile angedeutet. Nur wenige Aktivisten sind übrig und tun tatsächlich etwas. Wir sind massiv unterfinanziert, wir werden älter und wir werden faul. Wir versuchen effektiv zu arbeiten, während wir immer noch ein Familienleben führen, mit unseren Partnern klarkommen und über Karrieren nachdenken. Viele der besten Aktivisten arbeiten Vollzeit an Projekten in Organisationen wie der EFF, die eine Bezahlung anbieten können. Die Community finanziert diese Organisationen und daher denkt sie, diese großartigen Leute werden die Probleme schon beheben.
Wir haben ACTA gestoppt. Wir haben SOPA und PIPA gestoppt. Jetzt arbeiten wir daran, TTIP zu stoppen. Wir haben Leute im Parlament. Weil wir heute so arbeiten. Das Internet ist Mainstream geworden. Wir können nicht einfach wie wildgewordene Aktivisten rumrennen und machen, was immer wir wollen. Wir müssen auf geordnete Weise vorgehen. Wir müssen anderen zuhören, es gibt keinen Wilden Westen mehr. Also stellen wir uns in die Schlange. Wir diskutieren. In der Zwischenzeit werden unsere Gegner immer größer und stärker. Sie haben auch ihre alten Politiker bezahlt, so war der Weg zur Landebahn für sie schon bereitet, um abzuheben und loszufliegen. Für sie ist es ein Heimspiel. Und auch wir wollen Essen auf unserem Tisch und wir haben mehr getan als alle anderen.
Gleichzeitig hat es verschiedene ACTA/SOPA/PIPA/TTIP-Abkommen gegeben, über die wir nie informiert worden sind. Wir stoppen eins und drei werden unbemerkt beschlossen. Wir kämpfen immer noch gegen die Vorratsdatenspeicherung, obwohl wir vor dem Europäischen Gerichtshof gewonnen haben. Es ist eine unendliche Geschichte.
Wir haben unsere eigenen Stars. Wir hatten Wikileaks. Wir hatten Snowden. Wir hatten Manning. Wir hatten Aaron Swartz. Manche sind tot, manche sind für immer hinter Gittern. Andere verstecken sich – in Angst um ihr Leben. Die Hauptursache dafür liegt in dem, was sie enthüllen und wofür sie kämpfen: Informationsfreiheit, Freiheit, Demokratie, Transparenz der Regierung und Rechtsstaatlichkeit. Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen, die die Grundlage für eine moderne, sichere Gesellschaft sind. Wir reden viel darüber. Wir sind aufgebracht. Wir weinen. Wir brüllen. Manchmal protestieren wir. Wir haben unsere T‑Shirts. Wir haben unsere Symbole. Wir haben unsere Masken, unsere Konferenzen. Unsere Debatten. Wir bekommen etwas Aufmerksamkeit. Im Allgemeinen mögen uns die Leute. Unsere Gegner sind fette, alte, geldgeile Säcke. Sie sind meistens reiche Männer in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie sind korrupt. Sie zu hassen, ist einfach. Alles ist so wie in einem guten alten Hollywood-Film. Die Art von Film, die diese Männer machen, um das Geld zu verdienen, mit dem sie uns bekämpfen.
Aber aus diesen Filmen haben wir gelernt, dass die Guten am Ende gewinnen. Und wir wissen, wer die Guten sind. Wir kennen unsere Rechte. Wir werden vom Gesetz geschützt. Wir wissen aber auch, dass Gesetze uns nicht wirklich schützen können, wenn die bösen Jungs hinter uns her sind. Aber wir haben nichts falsch gemacht, also machen wir uns keine Sorgen.
Journalisten nehmen täglich mit mir Kontakt auf. Die meisten sind intelligente, gut ausgebildete und hoch qualifizierte Profis. Sie sind geschützt, weil sie zur Presse gehören. Sie können ihre Quellen auf gesetzlicher Grundlage schützen, zumindest in den meisten Ländern. Sie alle haben Dokumente von Manning gelesen. Sie haben die geleakten Dokumente von Snowden gelesen. Sie wissen um die NSA-Überwachung. In ihrem Hinterkopf sind auch sie die Guten. Und dieses PGP-Ding macht so einen Aufwand. Und Gmail ist so einfach zu benutzen und es funktioniert überall. Und sie hatten damit noch nie Probleme. Und sie wollen nicht so enden wie Glenn Greenwald – völlig paranoid.
Ich werde nicht mehr auf Partys eingeladen. Nicht, dass ich langweilig wäre – im Gegenteil –, gewöhnlich bin ich ein unterhaltsamer Partygast mit verrückten Geschichten. Ich bin der verrückte Clown, der euch unglaubliche Geschichten aus seinem echten Leben erzählt. Ich habe die Präsidentin von Brasilien getroffen, ich saß mit Mördern und Drogenschmugglern im Gefängnis. Aber es ist einfach so ein Aufwand, dass ich nicht auf Facebook bin und wenn jemand eine Party veranstaltet, nimmt er an, dass mich schon jemand einladen wird. Und die anderen denken das auch. Sie halten mich für paranoid, weil ich nicht auf Facebook bin.
Ich bin ständig sauer auf meine Mitstreiter. Sind sind so schwer erreichbar. Die meisten haben keine Mobiltelefone. Wir müssen eine Uhrzeit und Adressen ausmachen, um uns über verschlüsselte Chats zu treffen, weil sie nicht aufgespürt werden wollen. Ich weiß nicht, wenn sie sich verspäten. Ein paar Mal habe ich sechs, sieben Stunden warten müssen, weil es Probleme mit Zügen/Schiffen/Autos gab. Wer glauben sie eigentlich, wer sie sind, dass sie versuchen, so anonym zu bleiben? Ich möchte nicht so wie sie enden, sie sind so verdammt paranoid. Ich nehme nicht an, dass mein Telefon abhört wird, ich bin nicht interessant. Nur weil ich eine Menge Leute kenne, die für manche Regierungen interessant sein könnten, heißt das nicht, dass diese auch eine Befugnis kriegen, mich abzuhören.
Gestern habe ich jede Menge Kommentare unter den unzähligen Threads gelesen, die sich darauf bezogen, dass ich gesagt habe, ich wünschte, The Pirate Bay würde endgültig geschlossen werden, sodass etwas neues aufsteigen könnte. Etwas Neues und Frisches. So viele dieser Kommentare sind wahnsinnig einfühlsam. Darüber wie faul ich bin, dass ich nichts anderes tue als mich darüber aufzuregen, wie schlecht The Pirate Bay geworden ist. Dass ich eine neue Website eröffnen sollte, anstatt zuzulassen, dass The Pirate Bay den Bach runter geht. Dass sie das Päckchen zurück haben wollen, das sie mir geschickt haben, während ich für meinen Aktivismus im Knast war, weil ich dabei versage, TPB wieder aufzurichten. Ich nehme an, diese eloquenten Typen (ja, es sind alles Typen) sind andere Aktivisten, die ihren Teil für eine offene und freie Gemeinschaft leisten. Wenn dem so ist, dann muss ich falsch damit gelegen haben, dass wir nur wenige sind – Es gibt scheinbar zehntausende Leute, die wirklich wichtige Arbeit leisten, die ich anerkennen sollte.
Meine lebensverändernden Einsichten mögen nichts anderes gewesen sein als Tiraden über die verzogenen, faulen und naiven Teile unserer Internetcommunity. Und vielleicht gebrauche ich diese Begriffe auch nur, um diesen Leute noch ein bisschen mehr auf den Sack zu gehen. Aber hey. Ich war im Gefängnis für meine Überzeugung und eure Fernsehserien. Was habt ihr gemacht? Ihr wollt eure Ausgabe von Orwells 1984 zurück? Ich nehme eine der 25 Ausgaben, die mir im Knast zugeschickt wurden und schicke sie euch zurück. Vielleicht lest ihr sie ja selbst, anstatt sie jemand anderem zu schicken, damit der sich um alles kümmert.
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: Sieger in der Debatte um Hasskommentare im Netz? Jan Böhmermanns Battlerap-Remix
: Sieger in der Debatte um Hasskommentare im Netz? Jan Böhmermanns Battlerap-Remix
In seinem Beitrag für den Band „Generation Remix: Zwischen Popkultur und Kunst“ schreibt Dirk von Gehlen, wie Internet-Meme das Fernsehen verändern und dass in Deutschland vor allem Jan Böhmermann hier ein Vorreiter ist:Das von ihm gestaltete „Neo Magazin“ im ZDF-Spartenkanal „ZDF neo“ bedient sich kenntnis- und facettenreich der Mem- und Remixkultur. Böhmermann verwendet nicht nur oberflächlich durch einen wöchentlich wechselnden Hashtag zur Sendung die Mechanismen des Web, er hat vor allem deren Grundbedingungen verstanden: den Kontextbruch.
In der aktuellen Ausgabe des Neo Magazins läuft Böhmerann in Sachen Kontextbruch zur Höchstform auf und löst damit wohl Sascha Lobos „Erkenntnisse der Trollforschung“ als Spitzenreiter in der Disziplin ‚Reaktion auf Hasskommentare im Netz’ ab. In der Sendung der Vorwoche hatte sich Böhmermann am Band-Aid-Projekt Campinos abgearbeitet – vorgetragen im Stile von Stephen Colberts „The Word“.
Remix des Tages: @janboehm adaptiert Colberts Format „The Word“ (https://t.co/TLEjStH71f) in „Eier aus Stahl“: https://t.co/e8l5XeJy4U
— Right 2 Remix (@right2remix) 28. November 2014
Die vielfach hasserfüllten Reaktionen auf dieses Segment verarbeitete Böhmermann diese Woche zu einem Battlerap:
Wer will da Zuneigung, wenn er solchen Hass kriegen kann?
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: Die Story im Ersten: Die geheime Macht von Google
: Die Story im Ersten: Die geheime Macht von Google
In der ARD läuft um 22:45 Uhr die 45 Minuuten lange Dokumentation „Die Story im Ersten: Die geheime Macht von Google“. Diese ist bereits in der Mediathek online. Update: Jetzt auch bei Youtube.
Ich bin dafür über die Datenschutzaspekte der Debatte interviewt worden. Das ist aber leider nur ein Randthema mittendrin. Die meiste Zeit konzentriert sich die Dokumentation auf die Frage, welche Shops denn noch in der Suche angezeigt werden soll. Das ist meiner Meinung nach aber eine eher nachgelagerte Debatte um die Frage, welche Macht Google hat und wie die missbraucht wird. Wenn man sein Geschäftsmodell auf SEO und e‑Commerce aufgebaut hat, wird man das vielleicht anders sehen. Aber ich frag mich immer, wie man zu dem Denken kommt, nur weil man viel Geld in SEO investiert, müsste man doch auch überall vorne stehen. Hier konnte aber die von Microsoft seit Jahren finanzierte und von Burson-Marsteller betreute Lobbygruppe ICOMP erfolgreich zwei Protagonisten in der Dokumentation platzieren, um die sich dann letztendlich die meiste Zeit drehte.
Jonas Rest bringt es bei der Berliner Zeitung auf den Punkt: High Heels statt Enthüllung.
Völlig ausgeblendet bleibt so die Frage, ob die Klage der Manager von Ladenzeile bis Hot Maps überhaupt im Interesse der Verbraucher ist: Was sollten sie davon haben, zweitklassige bis irrelevante Angebote eingeblendet zu bekommen, nur damit Konzerne wie Axel Springer mehr Profit machen? Selbst scharfe Google-Kritiker sehen das anders. Anstatt der Frage nachzugehen, was es bedeutet, wenn ein Konzern so viele Daten anhäuft wie noch kein Konzern oder Staat zuvor, reduziert die Dokumentation den gesamten Themenkomplex im Wesentlichen auf die Frage, wie Produktbilder von pinken High Heels angeordnet sind. Eine merkwürdige Entscheidung.
Das ist eigentlich schade, denn so macht sich die ARD-Dokumentation leicht angreifbar, indem man einer Konkurrenz-Lobby von Google soviel Platz einräumt. Kann man sich trotzdem anschauen, wir haben schließlich dafür bezahlt. Man bekommt auch noch einige Innenansichten aus Google-Büros zu sehen.
Prädikat: Könnte besser sein.
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: Happy 30 Jahre BTX-Hack (Update)
: Happy 30 Jahre BTX-Hack (Update)
Gestern Abend fand im BCC in Berlin eine Veranstaltung der Wau Holland Stiftung zu 30 Jahren BTX-Hack statt. Das war eine kurzweilige Diskussion, die es sicherlich auch bald als Video gibt. Umstritten war auf dem Podium aber zwischen beteiligten Hackern und dem ehemaligen BTX-Verantwortlichen der (damals) Deutschen Post, ob es tatsächlich ein Hack oder lediglich Social Engeneering in Form des Ausspähens von Teilnehmerdaten auf einer Veranstaltung war. Die Hacker würden gerne beweisen, dass ihr Hack echt war und forderten die Offenlegung der stillgelegten BTX-Software, um das System emulieren und den Hack beweisen zu können. Allerdings scheint die BTX-Software „verloren“ zu sein. Soviel zum kulturellen digitalen Erbe.Bei Golem gibt es eine Zusammenfassung: Der ungeklärte Btx-Hack.
Vor 30 Jahren gelang Mitgliedern des Chaos Computer Clubs ein spektakulärer Hack, bei dem sie der Hamburger Sparkasse mit Hilfe des Btx-Systems 135.000 Mark in Rechnung stellten. Über den genauen Ablauf sind sich Hacker und Btx-Verantwortliche bis heute uneinig.
Spiegel-Online erklärt bei EinesTages: Chaos Computer Club 1984 Der legendäre Klack-klack-Hack.
134.694,70 DM in einer Nacht: Vor 30 Jahren luchsten zwei Computerfreaks der Hamburger Sparkasse eine empfindliche Geldsumme ab. Die Aktion machte den Chaos Computer Club berühmt – auch wenn es bald Zweifel an ihrer Echtheit gab.
Bei der Wau Holland Stiftung gibt es eine Menge Dokumentation über die Aktion.
Hier sind mal ein paar Zeitzeugen-Videos der Aktion:
Update: Hier ist ein 16 Minuten langer Videoschnitt, der gestern gezeigt wurde.
30 Jahre Btx-Hack from Wau Holland Stiftung on Vimeo.
Christoph Dernbach hat gestern ein kurzes Video der BTX-Installation im BCC gemacht:
ZDF heutejournal vom 15.11.1984: Wau Holland auf der DaftaTagesschau über den 1. oder 2.C3 von 1984:
Bericht über den Start des Bildschirmtext (BTX) in der Tagesschau von März 1983:
Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Videos zu finden. Die könnt Ihr gerne in die Kommentare posten und ich ergänz die Liste dann.
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: Was „Polizeiruf 110“ mit Netzpolitik zu tun hat
: Was „Polizeiruf 110“ mit Netzpolitik zu tun hat Sonntags Abends um 20:15 Uhr heißt für viele, sich mal mehr, mal weniger über Klischees des deutschen Polizeiermittlungsalltags zu amüsieren und nicht selten aufzuregen. Alle wissen, dass die Polizeiarbeit, die es im Tatort oder Polizeiruf 110 zu sehen gibt, mitnichten die Realität repräsentiert, doch die Prägung der öffentlichen Wahrnehmung durch die Urgesteine der deutschen Krimis ist nicht zu verleugnen. Schon einige Themen wurden durch die sonntagabendliche, nicht immer unfallfrei ablaufende Thematisierung in den öffentlichen Fokus gerückt.
Auch netzpolitisch warten Tatort und Polizeiruf immer wieder mit Diskussionsmaterial auf. Funkzellenabfragen, Quellen-TKÜ, IP-Adressen-Abfrage – Ermittlungsinstrumente auf die auch die Sonntagsermittler nicht verzichten wollen. Oftmals hört man es schimpfen auf die rechtlichen Auflagen und Einschränkungen, der gestrige Polizeiruf „Eine mörderische Idee“ bildete da keine Ausnahme. Ein lieber Leser hat sich die Mühe gemacht und bezeichnende Dialoge transkribiert (Danke!).
(21:05) Kriminaloberst: Ich versuch da gerade herauszufinden wer sich auf der Webseite von Max Hoelzl alles rumgetrieben hat. Aber ich weiß nicht wie ich das mit dem Datenschutzbiblablubb da machen …
Da wo früher in Schimanski-Manier die Notwendigkeit eines Durchsuchungsbeschlusses durch Charme oder alternativ Gewalt gegen Türen ignoriert wurde, wird heute schonmal am Richterbeschluss vorbei nach IP-Adressen gefragt:
35:30 HK Drexler: Sie haben was für mich?
Vorgesetzter: Hier, die IP Adressen von allen, die auf der Seite der Max Hoelzl Genossen waren.
Kollege Mautz sucht jetzt nach geeigneten Treffern im Raum Magdeburg.
HK Drexler: Konnten Sie den Ermittlungsrichter überzeugen?
Vorgesetzter: Nicht direkt. Ein alter Freund vom Verfassungsschutz hat uns die Daten besorgt.
HK Drexler (überrascht): Verfassungsschutz? Aber der Weg ist illegal.
Vorgesetzter: Der Gerichtsbeschluss ist bestellt, ich hab den beantragt und er kommt gleich.
HK Drexler: Wann?
Vorgesetzter (gereizt): Drexler, jetzt bitte! Er ist beantragt und ich warte drauf. Jede Minute wird er kommen. Stellen Sie sich mal nicht so an. ER KOMMT GLEICH!
(Hauptkommissar Drexler verlässt das Zimmer mit den Unterlagen)47:50
Bibliothekar: Also ich weiß nicht, ob ich Ihnen diese Info jetzt so einfach geben kann.
HK Drexler: Ja, ich kann das sehr, sehr gut verstehen, das Sie da … natürlich Schwierigkeiten haben mit dem … (er lenkt ab und beginnt den Bibliothekar über sein Hemd auszufragen. Der Mitarbeiter wird weich.)
Bibliothekar: Am 23. Mai um 21:27 sagen Sie?
HK Drexler: Genau, Sie können das doch rausfinden oder?
Bibliothekar: Natürlich, jeder Student hat sein eigenes Login, aber … (stockt) … brauchen Sie denn nicht einen …
HK Drexler: Genau, sehr klug beobachtet! Brauch ich, hab ich aber nicht. Ich würde Sie nicht drum bitten, wenn es nicht wirklich wichtig wär.
Bibliotheksmitarbeiter: Ich schau was ich machen kann.Vielleicht sollte man sich öfters bewusst machen, dass die öffentliche Wahrnehmung nicht nur von Forderungen Zierckes nach Vorratsdatenspeicherung und den Äußerungen anderer Behörden- und Regierungsvertreter geprägt wird. Die sonntägliche Massenunterhaltung trägt auch ihren Teil dazu bei, wie die Haltung gegenüber polizeilichen Überwachungsinstrumenten in der Bevölkerung gesehen wird. Und es wäre schön, wenn das bisweilen in der Fiktion amüsante Grundrechte-Rowdytum der Ermittler nicht unkritisch vorbei- und in die Realnormalität einzieht.
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: Einfach mal die Blogosphäre schützen?
CC-BY-SA <a href="http://www.flickr.com/people/litogra/">Litogra</a> : Einfach mal die Blogosphäre schützen? Die Computerwoche verweist auf Twitter auf eine
nicht namentliche genannte Print-Publikationeine Anzeige im Medienmagazin Journalist, in der sich der Verlag Rommerskirchen den Titelschutz am Begriff Blogosphäre sichern will. Blogosphäre beschreibt als Gesamtheit die Vernetzung von Blogs untereinander, der Begriff ist etwas in Vergessenheit geraten, weil sich neben Blogs zahlreiche andere soziale Medien und Vernetzungen entwickelt haben. So dass man jetzt eher von vernetzte Öffentlichkeiten spricht. Den Begriff Blogosphäre als Titel schützen zu lassen ist trotzdem absurd, weil der Begriff generisch ist und seit vielen Jahren von vielen Menschen verwendet wird.Der Verlag Rommerskirchen gibt u.a. das Medienmagazin Journalist raus. Vor ein paar Monaten war ich mal zu einem Blog-Seminar von Rommerskirchen als Referent eingeladen, was für mich in der Einladung wie ein klassisches Journalisten-Weiterbildungsseminar aussah. Vor Ort bekam ich dann die Information mitgeteilt, dass Volkswagen das Seminar finanziert hatte, um Journalisten sponsored by Volkswagen Blogs näher zu bringen. Solche Seminare könnten der Hintergrund für die Titelanmeldung sein, die hoffentlich nicht Bestand haben wird.
(Update: Zuerst hatte ich von Markenrecht geschrieben. Es handelt sich aber um Titelschutz.


