Kultur

Deutsche Welle oder German Wave? Das deutsche TV-Programm der DW auf der Abschussliste

Die Kolleginnen und Kollegen von der Deutschen Welle schlagen Alarm: Ihr Intendant Peter Limbourg, vom Privatfernsehen (zuletzt ProSiebenSat.1 Media AG) eingekauft und an ein Denken in Quoten und Werbeeinnahmen gewöhnt, scheint das deutsche TV-Programm der DW abwickeln zu wollen – zugunsten einer Neuausrichtung auf englische Inhalte. Insider sprechen gegenüber netzpolitik.org von dem Versuch einer Kopie von CNN und BBC, die mutmaßlich eher mittelmäßig ausfallen dürfte, schon weil der Welle der kulturelle und sprachliche Heimvorteil fehlt. Damit würde der deutsche Auslandsrundfunk nach der Abwicklung des deutschen Radioprogramms vor einigen Jahren keine Sendungen mehr in der Sprache des eigenen Landes produzieren.

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Persönlich fände ich das Ende des deutschen TV-Programms mehr als bedauerlich, denn – und das ist der Bezug zu unserem Blog – die DW leistet eine meistens erfreulich kenntnisreiche Berichterstattung zu netzpolitischen Themen und hält der deutschen Nabelschau gerne eine internationale Perspektive entgegen – zuletzt etwa beim leidigen Thema Störerhaftung im WLAN, die die Bundesregierung immer noch nicht abgeschafft hat, obwohl seit mehr als zwei Jahren ein geeigneter Gesetzentwurf auf dem Tisch liegt.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Welle wenden sich in einem offenen Brief gegen die Pläne ihrer Hausleitung:

DW-Intendant Peter Limbourg hat angekündigt, das deutsche, spanische und arabische TVProgramm
zu schließen, falls die Bundesregierung nicht deutlich mehr Geld für den
Auslandssender zur Verfügung stellt. Wir sagen NEIN zu derartigen Plänen! Die chronische Unterfinanzierung der Deutschen Welle darf nicht dazu führen, dass das Herz des Programms zerstört wird. Deutschlands Ansehen in der Welt wächst ständig. Die Stimme Deutschlands gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Deutsche Welle vermittelt Werte und Kultur des Landes und begleitet das Weltgeschehen engagiert und kritisch. Sprache ist zentral für die Identität eines Landes. Mit dem Verlust der deutschen Sprache würde die Deutsche Welle auch ihre Blickwinkel und Themen verlieren. Wir Unterzeichner rufen die politisch Verantwortlichen auf, die Pläne zu stoppen. Die Deutsche Welle muss in ihrer Sprachenvielfalt erhalten bleiben!

Den Brief haben inzwischen über 100 Prominente aus Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft unterzeichnet, z.B. Herta Müller (Literatur-Nobelpreisträgerin), Martin Walser (Schriftsteller), Volker Schlöndorff und Fatih Akin (Regisseure), René Kollo (Tenor) und andere mehr.

Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht abschalten“ rufen Journalistinnen und Journalisten der DW zu einer Demo gegen die Schließungspläne auf: Am Montag, 15. Dezember 2014 gehen sie um 12:30 Uhr von der Voltastraße – dem Berliner Sitz der Welle – zum S-Bhf. Humboldthain und fahren zum Treffpunkt S-Bhf. Friedrichstraße. Dort startet der Demonstrationszug gegen 13 Uhr zum Brandenburger Tor. Die Protestkundgebung findet um 14 Uhr vor dem Brandenburger Tor statt.

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10 Kommentare
  1. Ich habe nie verstanden, warum Deutsche Welle überhaupt auf Englisch sendet, und so spießig amerikanische Ken-Moderatoren auf Englisch hat. Wenn die Deutschen wüssten wie sie im Ausland repräsentiert werden, würden sie sich wundern. Deutsche Welle auf Englisch ist eigentlich nichts anderes als RIAS reloaded, weil sie deren Mannschaft übernommen haben. Ein Kanal der früheren Besatzungsmächte über Deutschland, immer pro-amerikanisch und das sogar konsequent gegen unsere Politik.

    Hier mal was zum Lachen für Techies:
    http://www.dw.de/tracking-patterns-how-software-claims-to-stop-crime-by-analyzing-a-burglars-behavior/a-18109666

    Vom Mandat gedacht sollte DW nur auf Deutsch senden, mit landesspezifischen Untertiteln. Und es sollte einen realistischen Eindruck von Deutschland vermitteln, dazu gehört auch mitteleuropäischer Kleidungstil und eine feste Verwurzelung der DW Mitarbeiter in die hiesige Gesellschaft, nicht in Expatriat-Communities.

    1. sieh dir mal RT an, eine der wichtigsten nachrichtensender in der welt.russland macht das nicht nur fuer russland…, sie machen es fuer GB und US. DE muss nun dass gleiche tun, wir habe soo viel mehr zu sagen!

  2. Deutsche Welle auf Englisch ist reichlich absurd. Die DW reiht sich doch ein bei den Nato-Verstehern und übersetzen deren Propaganda zurück vom Deutschen ins Englische. Es ist doch nicht so, das die DW einen anderen, neuen Blickwinkel präsentiert. Natopropaganda-Kanäle in englischer Sprache hats doch wahrlich reichlich.

  3. Hab noch nie von dem Laden gehört bis ich mich mit der Rundfunkabgabe beschäftigt habe. Man kann die auch so schlecht empfangen als Inländer. Mir egal was die Senden. Am liebsten wäre mir die Anstandsmenschen würden sich einen neuen Job suchen und die ganze Kacke endlich schließen. So wie den Rest des deutschen Rundfunks. Vll hätten die Leute dann mehr Zeit endlich ihren Arsch hochzukriegen und selsbt Politik mit Fäusten machen. Wenn es eben anders nicht mehr geht versteht sich.

    1. Soviel zu Deutschen Welle. (Auszug)
      Fataler «Ausrutscher»

      Die China-Redaktion des Senders mutierte zeitweise fast zum Pekinger Regierungssender, so dass selbst die DW-Spitze von 2008 bis 2012 ein internes Monitoring anordnete, um besser verstehen zu können, was da in ihrem Namen verbreitet wurde. Die chinesischen Kollegen übernahmen unbekümmert Pekinger Sprachregelungen, der deutsche Journalist Frank Sieren liess es sich angelegen sein, das Blutbad auf dem Tiananmen-Platz in der DW als «Ausrutscher» zu bezeichnen.

      Gefunden:
      http://www.nzz.ch/international/deutschland-und-oesterreich/wenn-der-drache-zum-partner-wird-1.18401679
      und Linksunten
      Und es gibt es noch meher „Ausrutschen“ der DW

  4. Deutsche Welle? Ob die Agitation und Propaganda nun vom Staat oder von Po7 finanziert wird, dürfte den meisten recht schnurz sein. Man muss sich wohl oder übel damit anfreunden, dass die Zeiten des Dampfmaschinenfunks irgendwann dem Ende zulaufen.

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