Kultur
Meme, Veranstaltungen, Kunst, Museen, Remixe, Musik, Internetphänomene, Computerspiele und Archive.
-
: Artikel zu den Filesharing-Klagewellen in USA
: Artikel zu den Filesharing-Klagewellen in USA Der Boston Globe hat einen sehr aufschlussreichen Artikel „Slow-moving lawsuits over music downloads producing court twists“ zu der Klagewelle der US-amerikanischen Musikindustrie, der die Strategie dahinter aufzeigt samt den Schwachstellen.
Anscheinend will die RIAA das Auskunftsrecht, um direkt von den Providern IP-Adressen zu bekommen. Die dadurch gewonnen persönlichen Daten werden dann von privaten Schnüfflern untersucht, und die Schwächsten werden dann auf Schadensersatz verklagt. Denn nichts wäre ein schlimmeres Kommunikationsdesaster, als die Nichte eines Senators zu verklagen oder ein 13-jähriges Mädchen mit Krebs. Oder jemand, der genug Geld hat, um das ganze vor Gericht wegen Verletzung seiner/ihrer Grundrechte durchfechten zu können. Der Artikel endet dann auch mit dem sinnigen Kommentar:
it’s that the punishments being meted out don’t fit the „crimes“ (which in this case don’t even have to be proven), and that big media is fucking up normal citizens’ lives for no reason other than to buy time for a failing business model.
An dieser Stelle sei auch nochmal auf den CD-Boykott des Chaos Computer Club verwiesen „Informationsfreiheit ist kein Verbrechen“.
Mittlerweile gibt es auch einen deutschsprachigen Artikel zu dem Thema bei Musikmarkt.de, indem thematisiert wird, dass die ersten Richter in den USA die Anklagen für nicht mehr verhältnismässig halten:
„Ich habe noch nie eine Situation wie diese erlebt mit mächtigen Klägern und Anwälten auf der einen Seite und einer Menge von einfachen Leuten auf der anderen Seite“, zitiert die „LA Times“ die Bostoner Bezirksrichterin Nancy Gertner.
Ein etwas älterer Artikel (Nielsen Rating System At Odds With RIAA’s Claim Of „Lost Sales) aus dem Mai beschäftigt sich mit den Zahlen, die die US-amerikanische Musikindustrie in Form ihres Verbandes RIAA immer präsentiert. Wahlweise steigen oder fallen die Verkäufe, je nachdem, mit wem man spricht. Bei Politikern wird dann immer von 7% weniger verkauften Alben berichtet. Dies liegt daran, dass es tatsächlich zwei Zahlen gibt. Im ersten Halbjahr 2004 wurden 7% weniger Alben von den Labels an die Läden ausgeliefert. Eine andere Zahl ist 10%, soviel mehr Alben wurden tatsächlich an der Ladentheken verkauft.
„The RIAA reports a sale as a unit SHIPPED to record stores. Whereas Soundscan reports units sold [to the consumer] at the point of purchase. So, you’re talking about apples and oranges.“
Mathematisch kommt dann folgendes heraus:
Forget the confusing percentages, here’s an oversimplified example: I shipped 1000 units last year and sold 700 of them. This year I sold 770 units but shipped only 930 units. I shipped 10% less units this year. And this is what the RIAA wants the public to accept as „a loss.“
Mit anderen Worten, Filesharing hat tatsächlich einen Effekt auf die Musikindustrie. Durch mehr KOnkurrenz muss sie Kosten sparen, eigentlich üblich in der Betriebswirtschaft. Also werden statt 100 Britney Spears Alben nur noch 93 ausgeliefert, aber trotzdem 10% mehr verkauft. What a deal!
Abgesehen davon gibt es ja auch noch den Report aus dem Frühjahr, dass Filesharing keinerlei Einfluss auf die Verkäufe von CDs habe.
-
: Interview mit John Gilmore
: Interview mit John Gilmore GrepLaw bringt ein interessantes Interview mit John Gilmore, einem der Gründer der Electronic Frontier Foundation (EFF) mit den Themen „inflight activism, spam and sarongs“. Spannend wie immer, wenn er was zu sagen hat.
-
: Filesharing-Software in den USA legal!
: Filesharing-Software in den USA legal! Die FTD titelt „Tauschbörsen triumphieren über Musik- und Filmindustrie“, Heise bringt „Schlappe für Unterhaltungsindustrie im Verfahren gegen Tauschbörsen“, aus England kommentiert The Register „Court tells RIAA and Congress to let P2P software thrive“, Musikmarkt.de bezeichnet das ganze als „Wegweisendes Urteil für Tauschbörsen“, für den Stern ist es eine „Schwere Niederlage der Musik-Giganten“ , der BoingBoing-Blog titelt „EFF wins Grokster. Software doesn’t have to be easy for Hollywood to wiretap!“ Wired schreibt „P2P Services in the Clear“ und nun hat auch Spiegel einen AP-Bericht online gestellt „Brechstangen-Produzent nicht verantwortlich für Diebstahl“.
Worum gehts? Die US-amerikanische Musik- und Filmindustrie versuchte Filesharing-Software dafür verantwortlich zu machen, dass Menschen diese nutzen, um Filme und Musik zu tauschen. Da die Klagewellen nicht fruchteten, versuchte man nun, gleich die ganze Technik zu kriminalisieren. Fred von Lohmann von der Electronic Frontier Foundation, der als Anwalt die Filesharing-Börsen unterstützte, sagte, das Urteil folge „dem Prinzip, dass Hersteller von Brechstangen nicht verantwortlich sind für den Diebstahl, der damit verübt werden könnte“. Hier gibt eine 16MB grosse Datei mit der Verteidigungsrede von Fred von Lohmann.
Aber die alten Dinosaurier geben sich immer noch nicht geschlagen:
Man wolle „alle in unserer Macht stehenden Möglichkeiten ausschöpfen, die zu bekämpfen, die unerlaubt vom wertvollen Eigentum unserer Mitglieder profitieren“, sagte der Präsident des Filmverbandes MPAA, Jack Valenti.
Also weiter gegen Windmühlen rennen und Lobbyisten auf Politiker hetzen.
Update:
Janko Röttgers hat in seinem Weblog die PM von P2PUnited gespiegelt und für MP3-World einen Artikel dazu geschrieben: „US-Tauschbörsen gewinnen vor Gericht“. Und die beste englischsprachige Übersicht über alle möglichen Stellungnahmen und Berichte findet sich im Weblog von Ernest Miller. -
: Phonoline gescheitert?
: Phonoline gescheitert? Phonoline, „das“ deutsche Portal für den Musikvertrieb über das Internet, steht mal wieder in der Kritik. Der deutsche Phonoverband, der die Infrastruktur zusammen mit der Telekom bereitstellt, lobt immer noch sein „Kind“. Aber laut Spiegel.de erwägt die Plattenfirma BMG bereits den Ausstieg:
Maarten Steinkamp, Chef bei BMG Deutschland, hat eine ganz andere Meinung von dem Branchenportal. „Wir sehen Phonoline äußerst kritisch“, sagte er in einem Interview mit dem Fachblatt „Musikwoche“. „Wir müssten eigentlich das Geld, das wir in Phonoline gesteckt haben, zurückbekommen. Es ist ein Wahnsinn.“
Wahnsinn ist auch das Angebot – viel ist nicht zu finden – und die Nutzerführung ist grottenschlecht. Von Anfang an versprühte Phonoline keineswegs den Charme des Aufbruchs ins digitale Zeitalter. Kein Wunder, dass niemand Phonoline nutzen will.
Erst wenn es Angebote gibt, die einfach zu nutzen sind, offene Standards bei den Musikdateien bieten (MP3 oder Ogg), der Preis nicht zu hoch ist, Vielfalt geboten wird und die die Vorteile von Filesharing-Netzen nutzen, wird Online-Musikvertrieb überhaupt eine Chance haben.
-
: Howard Rheingold über die „nächste soziale Revolution“
: Howard Rheingold über die „nächste soziale Revolution“ Howard Rheingold, der Autor des Buches „Smart Mobs: The Next Social Revolution“ diskutiert bei MSNBC die neuen Möglichkeiten einer Internet-Ökonomie, die Wikipedia, Freie Software und User-Reviews bei Amazon hervorgebracht hat. Rheingold warnt auch davor, dass sich die alte Ökonomie mit Händen und Füssen gegen alles neue wehrt:
„Never before in history have we been able to see incumbent businesses protect business models based on old technology against creative destruction by new technologies. And they’re doing it by manipulating the political process. The telegraph didn’t prevent the telephone, the railroad didn’t prevent the automobile. But now, because of the immense amounts of money that they’re spending on lobbying and the need for immense amounts of money for media, the political process is being manipulated by incumbents.“
Recht hat er, wenn man sich alleine die Diskussion um Filesharing anschaut.
Bei Slashdot gibts dazu eine grosse Diskussion.
-
: Spiegel: Der Aufstand gegen die Hüter des Wissens
: Spiegel: Der Aufstand gegen die Hüter des Wissens Im Spiegel wirft Thorsten Dambeck einen Blick in die Zukunft und kritisiert die Stellung der Verlage im Wissensschaftsbereich. Wissen wird zunehmend künstlich verknappt und auch öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse landen in privatem Besitz. Hoffnung gibt die immer stärker werdende OpenAccess-Bewegung, die einen freien Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen fordert. Vor einigen Monaten wurde die Berliner Erklärung zu Open Access veröffentlicht, die u.a. von der Max Planck Gesellschaft mitunterzeichnet wurde.
-
: Musikbranche versucht sich am viralen Marketing
: Musikbranche versucht sich am viralen Marketing Telepolis berichtet in einem interessanten Artikel von Wolf-Dieter Roth über missglückte Versuche der Musikindustrie, Virales Marketing zum Selbstlob zu nutzen. Der Fall von WarnerBrothers machte nun schon ein paar Mal die Runde durch die Medien der letzten Tage. WarnerBrothers stellten MP3s einer zu promotenden Band in ein MP3-Weblog und ein fleissiger Mitarbeiter schrieb verschiedene fantastische „Hörerkommentare“. Dumm nur, dass alles von derselben IP-Nummer kam.
Interessanter ist aber, dass die Band Marillion, die Mitte der 80er ihren kreativen Höhepunkte hatte, ihre Fanbasis nutzte, um mit einer Vielzahl von Vorbestellungen ihrer neuen Werke bis ganz nach oben in die britischen Charts kam. Wenn sie es noch geschafft hätten, dass dabei kaum Spam entsteht, könnte man diese Vorgehensweise fast schon ein wenig revolutionär bezeichnen.