Kultur

Peter Sunde: „Ich bin für meine Sache ins Gefängnis gegangen. Was hast du gemacht?“

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Es gibt einige wenige große Momente im Leben, in denen du fühlst, dass dich etwas tief in Innersten bewegt. Der Schulabschluss. Den ersten Kuss zu bekommen. Wenn du dein erstes Buch schreibst. Die Veröffentlichung dieses ersten wissenschaftlichen Artikels. Der Tod eines geliebten Menschen. Wenn der erste Kunde in dein eigenes Café kommt. Manche dieser Momente mögen anderen unwichtig und trivial erschienen, für dich sind sie gigantisch und sie verändern dein Leben.

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Dieser Beitrag von Peter Sunde, dem ehemaligen Sprecher von The Pirate Bay und Gründer von Flattr, erschien zuerst in englischer Sprache bei Wired UK. Übersetzung von Justin Hanney, Crosspost mit freundlicher Genehmigung.

Heute hatte ich ein ähnliches Gefühl. Ein Gefühl, dass wir eine kritische Masse erreicht haben. Eine kritische Masse von Leuten, die über den aktuellen Zustand des Internets aufgebracht sind — nein, den aktuellen Zustand der Internetregulierung und darüber, was der Welt dadurch bevorsteht. Eine kritische Masse, die endlich versteht, dass wir uns auf dem Weg zu einer Sende-Demokratie befinden, in die der Einzelne kaum involviert ist. The Pirate Bay wurde abgeschaltet. Das stellte die Menschen vor die Herausforderung, dass sie ihre Lieblingsfernsehserien morgen woanders herunterladen müssen. Sie haben darüber ein wenig nachgedacht und festgestellt, dass dies erst der Beginn einer rasanten Talfahrt ist. Jetzt verstehen sie, dass der Zugriff auf alternative Inhalte nun schwieriger sein wird, sofern überhaupt noch möglich. Und dass die Langoliers, die allesfressenden Horrorwesen von Stephen King, uns schneller einholen, als wir bisher angenommen haben. Dass es keine gute Idee ist, wenn wir das Internet zentralisieren und nur noch eine Handvoll zentralisierter Dienste haben, die meist wenigen Konzernen in einem einzigen Land gehören. Einem Land, das sich nicht um Grenzen schert, wenn es seine persönlichen Fehden verfolgt. Eine Bewegung formt sich dagegen. Eine Bewegung gegen all das. Und morgen, wenn ihr aufwacht, wird sie ihren Höhepunkt mit einer ganzen Menge Leute erreichen, vielleicht sogar einer ganzen Million, die alle die Gruppen „Stop destroying the internet“ oder „Give us our pirate bay back“ auf Facebook entdecken. Und sie werden auf „Like“ klicken und stolz darauf sein. Endlich haben sie es getan. Sie haben verhindert, dass das Internet zerstört wird.

Nein ehrlich, ich habe wirklich das Gefühl, dass wir einen Höhepunkt erreichen. Es ist ein Gefühl, dass fast 100 Prozent der Internet-Community denkt: „Nicht mein Problem, jemand anders wird es schon richten.“ Dabei war es nicht allein das aktuelle Geschehen um The Pirate Bay, das mich zu dieser Einsicht gebracht hat. Es hat sich schon eine ganze Weile angedeutet. Nur wenige Aktivisten sind übrig und tun tatsächlich etwas. Wir sind massiv unterfinanziert, wir werden älter und wir werden faul. Wir versuchen effektiv zu arbeiten, während wir immer noch ein Familienleben führen, mit unseren Partnern klarkommen und über Karrieren nachdenken. Viele der besten Aktivisten arbeiten Vollzeit an Projekten in Organisationen wie der EFF, die eine Bezahlung anbieten können. Die Community finanziert diese Organisationen und daher denkt sie, diese großartigen Leute werden die Probleme schon beheben.

Wir haben ACTA gestoppt. Wir haben SOPA und PIPA gestoppt. Jetzt arbeiten wir daran, TTIP zu stoppen. Wir haben Leute im Parlament. Weil wir heute so arbeiten. Das Internet ist Mainstream geworden. Wir können nicht einfach wie wildgewordene Aktivisten rumrennen und machen, was immer wir wollen. Wir müssen auf geordnete Weise vorgehen. Wir müssen anderen zuhören, es gibt keinen Wilden Westen mehr. Also stellen wir uns in die Schlange. Wir diskutieren. In der Zwischenzeit werden unsere Gegner immer größer und stärker. Sie haben auch ihre alten Politiker bezahlt, so war der Weg zur Landebahn für sie schon bereitet, um abzuheben und loszufliegen. Für sie ist es ein Heimspiel. Und auch wir wollen Essen auf unserem Tisch und wir haben mehr getan als alle anderen.

Gleichzeitig hat es verschiedene ACTA/SOPA/PIPA/TTIP-Abkommen gegeben, über die wir nie informiert worden sind. Wir stoppen eins und drei werden unbemerkt beschlossen. Wir kämpfen immer noch gegen die Vorratsdatenspeicherung, obwohl wir vor dem Europäischen Gerichtshof gewonnen haben. Es ist eine unendliche Geschichte.

Wir haben unsere eigenen Stars. Wir hatten Wikileaks. Wir hatten Snowden. Wir hatten Manning. Wir hatten Aaron Swartz. Manche sind tot, manche sind für immer hinter Gittern. Andere verstecken sich – in Angst um ihr Leben. Die Hauptursache dafür liegt in dem, was sie enthüllen und wofür sie kämpfen: Informationsfreiheit, Freiheit, Demokratie, Transparenz der Regierung und Rechtsstaatlichkeit. Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen, die die Grundlage für eine moderne, sichere Gesellschaft sind. Wir reden viel darüber. Wir sind aufgebracht. Wir weinen. Wir brüllen. Manchmal protestieren wir. Wir haben unsere T-Shirts. Wir haben unsere Symbole. Wir haben unsere Masken, unsere Konferenzen. Unsere Debatten. Wir bekommen etwas Aufmerksamkeit. Im Allgemeinen mögen uns die Leute. Unsere Gegner sind fette, alte, geldgeile Säcke. Sie sind meistens reiche Männer in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie sind korrupt. Sie zu hassen, ist einfach. Alles ist so wie in einem guten alten Hollywood-Film. Die Art von Film, die diese Männer machen, um das Geld zu verdienen, mit dem sie uns bekämpfen.

Aber aus diesen Filmen haben wir gelernt, dass die Guten am Ende gewinnen. Und wir wissen, wer die Guten sind. Wir kennen unsere Rechte. Wir werden vom Gesetz geschützt. Wir wissen aber auch, dass Gesetze uns nicht wirklich schützen können, wenn die bösen Jungs hinter uns her sind. Aber wir haben nichts falsch gemacht, also machen wir uns keine Sorgen.

Journalisten nehmen täglich mit mir Kontakt auf. Die meisten sind intelligente, gut ausgebildete und hoch qualifizierte Profis. Sie sind geschützt, weil sie zur Presse gehören. Sie können ihre Quellen auf gesetzlicher Grundlage schützen, zumindest in den meisten Ländern. Sie alle haben Dokumente von Manning gelesen. Sie haben die geleakten Dokumente von Snowden gelesen. Sie wissen um die NSA-Überwachung. In ihrem Hinterkopf sind auch sie die Guten. Und dieses PGP-Ding macht so einen Aufwand. Und Gmail ist so einfach zu benutzen und es funktioniert überall. Und sie hatten damit noch nie Probleme. Und sie wollen nicht so enden wie Glenn Greenwald – völlig paranoid.

Ich werde nicht mehr auf Partys eingeladen. Nicht, dass ich langweilig wäre – im Gegenteil –, gewöhnlich bin ich ein unterhaltsamer Partygast mit verrückten Geschichten. Ich bin der verrückte Clown, der euch unglaubliche Geschichten aus seinem echten Leben erzählt. Ich habe die Präsidentin von Brasilien getroffen, ich saß mit Mördern und Drogenschmugglern im Gefängnis. Aber es ist einfach so ein Aufwand, dass ich nicht auf Facebook bin und wenn jemand eine Party veranstaltet, nimmt er an, dass mich schon jemand einladen wird. Und die anderen denken das auch. Sie halten mich für paranoid, weil ich nicht auf Facebook bin.

Ich bin ständig sauer auf meine Mitstreiter. Sind sind so schwer erreichbar. Die meisten haben keine Mobiltelefone. Wir müssen eine Uhrzeit und Adressen ausmachen, um uns über verschlüsselte Chats zu treffen, weil sie nicht aufgespürt werden wollen. Ich weiß nicht, wenn sie sich verspäten. Ein paar Mal habe ich sechs, sieben Stunden warten müssen, weil es Probleme mit Zügen/Schiffen/Autos gab. Wer glauben sie eigentlich, wer sie sind, dass sie versuchen, so anonym zu bleiben? Ich möchte nicht so wie sie enden, sie sind so verdammt paranoid. Ich nehme nicht an, dass mein Telefon abhört wird, ich bin nicht interessant. Nur weil ich eine Menge Leute kenne, die für manche Regierungen interessant sein könnten, heißt das nicht, dass diese auch eine Befugnis kriegen, mich abzuhören.

Gestern habe ich jede Menge Kommentare unter den unzähligen Threads gelesen, die sich darauf bezogen, dass ich gesagt habe, ich wünschte, The Pirate Bay würde endgültig geschlossen werden, sodass etwas neues aufsteigen könnte. Etwas Neues und Frisches. So viele dieser Kommentare sind wahnsinnig einfühlsam. Darüber wie faul ich bin, dass ich nichts anderes tue als mich darüber aufzuregen, wie schlecht The Pirate Bay geworden ist. Dass ich eine neue Website eröffnen sollte, anstatt zuzulassen, dass The Pirate Bay den Bach runter geht. Dass sie das Päckchen zurück haben wollen, das sie mir geschickt haben, während ich für meinen Aktivismus im Knast war, weil ich dabei versage, TPB wieder aufzurichten. Ich nehme an, diese eloquenten Typen (ja, es sind alles Typen) sind andere Aktivisten, die ihren Teil für eine offene und freie Gemeinschaft leisten. Wenn dem so ist, dann muss ich falsch damit gelegen haben, dass wir nur wenige sind – Es gibt scheinbar zehntausende Leute, die wirklich wichtige Arbeit leisten, die ich anerkennen sollte.

Meine lebensverändernden Einsichten mögen nichts anderes gewesen sein als Tiraden über die verzogenen, faulen und naiven Teile unserer Internetcommunity. Und vielleicht gebrauche ich diese Begriffe auch nur, um diesen Leute noch ein bisschen mehr auf den Sack zu gehen. Aber hey. Ich war im Gefängnis für meine Überzeugung und eure Fernsehserien. Was habt ihr gemacht? Ihr wollt eure Ausgabe von Orwells 1984 zurück? Ich nehme eine der 25 Ausgaben, die mir im Knast zugeschickt wurden und schicke sie euch zurück. Vielleicht lest ihr sie ja selbst, anstatt sie jemand anderem zu schicken, damit der sich um alles kümmert.

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30 Kommentare
  1. ’ne klasse Beschreibung des Ist-Zustandes.
    Um diese klarere Überblicksicht zu bekommen, brauchst du aber auch möglichst viel Zeit, viel Input, viel geistige Bewegung, viel……… .
    Sehr viele haben aber keine extra Zeit. Arbeit, Familie, Geld. Internet eher im Gadgetformat -Smartphone, Tablet.
    Sprichst du mit älteren, haben die, wenn überhaupt, kaum Ahnung über E-mail, Photos,Google, Youtube hinaus.
    Selbst wenn sie Webseiten selbst programmieren und online stellen.
    Den größeren Blick sich zu erarbeiten ist zeitaufwendig. Lesen kostet auch Zeit.
    Und letztlich sind menschliche Gesellschaften so dermaßen gewissermaßen primitiv hierarchisch, wir merken es nur nicht, völlig normal. Extrem sehr viel bei nur sehr wenigen, wenig bis fast gar nichts bei der absoluten Mehrheit. Früher *LOL* Gottgegeben, heute ? Wir glauben vieles, redet mal mit natur verbierten Unionsanhängern, nur was ist „wirklich“ ?

    „Das“ Geld regiert wirklich die Welt:
    http://www.3sat.de/page/?source=/ard/sendung/179694/index.html
    Geld regiert die Welt
    Die Macht der Finanzkonzerne

  2. Das folgende soll keine Kritik am Text oder am Autor sein, nur ein paar Gedanken.

    Ich verstehe, was er uns sagen will. Ich denke auch, dass es zu viele Leute gibt, die sagen „andere werden das schon richten“. Ich meine, ich spende monatlich an euch und digitalcourage, trag die Inhalte in meinen Freundeskreis, und habe immer noch das Gefühl, nicht genug zu machen. Aus meiner Sicht gibt es für diese Situation zwei Gründe:

    1. „Like“-Aktivismus ist einfach. Jede/r kann mal eben auf nen Like-Button klicken, die 37. Petition unterschreiben, und sich dann als AktivistIn fühlen. „So, genug für heute getan“. Online-Petitionen haben ihren Platz im Aktivismus, und ich unterschreibe sie auch weiterhin, aber was Netzthemen angeht, haben die ihr Pulver aus meiner Sicht inzwischen verschossen. Da interessiert es niemanden mehr, wenn 1 mio. Unterschriften auf irgendeiner Webseite eingegangen sind, das ist zur Normalität geworden. Andere Aktionen wie Anrufe im EU-Parlament a la Netzneutralität haben definitiv noch mehr Wirkung, sind aber auch nicht mit einem Klick erledigt und daher ist die Hemmschwelle da bedeutend größer (in dem Zusammenhang DANKE an EDRi und die anderen für das Fax-Tool. Einfach wie eine eMail, aber sehr viel beeindruckender, da ein ständig Papier ausspuckendes Faxgerät nicht einfach durch eine Filterregel alle nervigen Pro-Netzneutralitätsnachrichten aussortieren kann). Und damit kommen wir zum zweiten Punkt.

    2. „Echter“ Aktivismus ist Arbeit. Wenn ich mir so angucke, was „unsere“ AktivistInnen so stemmen, dann wundere ich mich ein wenig, dass der Burnout noch nicht eingesetzt hat. Da werden Sachen organisiert, Ideen gefunden, es wird mit PolitikerInnen geredet, Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen geschrieben, und so weiter und so fort. Das man das nicht nebenbei machen kann, sollte eigentlich offensichtlich sein. Und trotzdem sind unsere AktivistInnen unterfinanziert. Ich meine, EDRi hat grandiose Arbeit gemacht, und steht jetzt praktisch vor dem aus, weil Geld fehlt. In einer Woche sind 820 € zusammengekommen, damit kann man nicht mal für einen Monat das Büro offen lassen, geschweige denn AktivistInnen bezahlen (Und bevor jetzt jemand meckert „dann spende doch“: Hab ich. Knapp 80 €. Als Student. Und du?).

    Ein kurzer Blick nach Amerika. Die EFF bekommt $9.5m in Spenden, davon über $4m von Einzelpersonen. Deswegen können die eine effektive Organisation betreiben. Zugegeben, Amerika ist auch größer als Deutschland, der Dollar ist weniger wert als der Euro, und so weiter. Außerdem haben die den Vorteil, dass die EFF nicht eine Org unter vielen ist, sondern DIE Internet-Org schlechthin (zumindest aus meiner Sicht aus Europa). Die machen richtig gute Öffentlichkeitsarbeit, sowohl um Leute zu informieren, als auch um ihre Unterstützer bei sich zu behalten.

    Ich denke, in einer idealen Welt würden alle, die sich für „unsere“ Themen interessieren, eine von zwei Sachen machen:
    1. Sich aktiv einbringen. Und damit meine ich nicht das Unterschreiben von Online-Petitionen, sondern aktive Mithilfe in einer Organisation. Und da liegt auch das große Problem: Es ist schwierig, einen Einstiegspunkt für so etwas zu finden, insbesondere wenn man dann noch in einer anderen Stadt als die Org wohnt. Ich würde ja gerne der Digitalcourage beim Briefe verpacken helfen, aber ich wohne nunmal nicht in Bielefeld. Die Ansatzpunkte, wie man helfen kann, sind schwer zu finden. Das ist etwas, was die Organisationen verbessern müssen, wenn sie „unsere“ Hilfe haben wollen, aber wir müssen dann auch bereit sein, diese Hilfe zu geben.

    2. Spenden. Wie schon Sascha Lobo sagte: „Ihr twittert, aber ihr überweist nicht!“. Das ist besser geworden (zumindest für Netzpolitik.org), aber ich kenne persönlich diverse Menschen, die sich für die Themen interessieren und NICHT überweisen. Ich verlange ja nicht, dass jede/r monatlich 100 € gibt, aber eine monatliche Spende von 5 € wird niemanden in den Ruin treiben. Wenn aber 200 Leute 5 € geben, dann sind das 1000 €. Im Monat. Damit kann man was anfangen.

    Alles in allem denke ich, dass es an drei verschiedenen Stellen hakt. In aufsteigender Wichtigkeit:
    1. Die Organisationen bieten (in meinen Augen) nicht genug Informationen, wie man sich effektiv einbringen kann, oder haben dies zumindest nicht getan, als ich zuletzt nachgeguckt habe.
    2. Die Öffentlichkeitsarbeit der Orgs ist nicht auf dem Niveau der EFF (kann man bei der Finanzierung auch nicht erwarten, ist aber ein Problem).
    3. Die Leute sind zu großen Teilen nicht bereit, den Gegenwert von 2 Bier im Monat in ihre politische Überzeugung zu investieren.

    Und insbesondere der dritte Teil ist es, der mich wundert und ärgert. Nichts im Leben gibt es kostenlos, warum sollte die politische Überzeugung da anders sein?

    Also, wie gesagt, das ist keine Kritik an dem Text, es ist mehr ein allgemeiner Kommentar zur Gesamtsituation („Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“). Wer sich angesprochen fühlt, kann ja gerne an eine der vielen guten Organisationen spenden. Zum Beispiel auch an die EDRi, der noch 49 000 € fehlen.

    1. Außerdem haben die den Vorteil, dass die EFF nicht eine Org unter vielen ist, sondern DIE Internet-Org schlechthin (zumindest aus meiner Sicht aus Europa). Die machen richtig gute Öffentlichkeitsarbeit, sowohl um Leute zu informieren, als auch um ihre Unterstützer bei sich zu behalten.

      Die EFF ist einfach die älteste, sitzt nahe dem Silicon Valley und hat ausreichend Internetmillionäre im Bekanntenkreis. Die haben dort auch zahlreiche Stiftungen, die sowas finanzieren. Und sie lassen sich Geld von Google & Co geben. Wir haben keine Stiftungen und wenn man Geld von Google nimmt, hat man ein Problem mit vielen Themen, weil dann gilt man als „von Google gekauft“. Die EFF ist übrigens eine von vielen Organisationen in den USA, unter der Hand heißt es auch „the least effective“, was bedeutet, dass die zwar Unmengen Geld haben, ne Menge Menschen finanzieren, das deshalb oft groß wirkt, aber die im Vergleich zu vielen anderen Organisationen nicht so effektiv sind. Es kommt vor allem so vor, auch weil sie sich halt mit einem Teil auf Litigation konzentrieren, also den KLageweg gehen. Ich mag sie trotzdem und einige Freunde von mir arbeiten dort. Sie eignet sich nur nicht zum Vergleich mit Deutschland.

      Die Öffentlichkeitsarbeit der EFF sieht halt gut aus, die haben eigene Grafiker und eine gute Marke. Wenn man einige Millionen hat und nicht nur hunderttausend, dann sieht die Öffentlichkeitsarbeit halt nicht so gut aus. Aber sie haben auch viele Jahre Vorsprung und wie gesagt, einen Haufen Internet-Millionäre.

      1. Wieder was gelernt, danke :).

        Mir geht’s allerdings auch weniger um das fancy aussehen und so weiter, und mehr um die allgemeine Kommunikation. Die EFF ist z.B. sehr gut darin, auf Twitter die follower anzusprechen. Sie haben eine gute Präsenz über den ganzen Tag, sodass sie oft in der Timeline auftauchen, aber selten mit zwei Tweets in Folge und dir dadurch nicht auf den Keks gehen, und sie schreiben oft intelligente Sachen.

        Wenn man das mit dem Twitter-Auftritt von Digitalcourage vergleicht, muss man leider sagen, dass DC das noch nicht so ganz raus hat. In letzter Zeit kamen oft kommentarlos gepostete Links auf irgendwelche Newsseiten, die als Text einfach nur den Titel des Artikels hatten, gefolgt vom Link. Und davon dann 8 nacheinander. Das wirkt dann einfach ein wenig, als hätte jemand ein paar Artikel in die Timeline gekotzt und wäre weitergegangen. Das sind kleine Sachen, aber das, in verbindung mit den vielen Retweets von Leuten, die auf DC-Artikel linken, die sie schon selber getwittert haben, sorgt dann dafür, dass DC für eine recht chaotische Timeline sorgt, und das ist nicht die beste Methode, um die follower zu erhalten.

        Das war jetzt eine etwas gemeine case study, und sollte nicht als Angriff auf Digitalcourage gesehen werden, aber es zeigt hoffentlich, was ich meine mit „eine gute Online-Präsenz zeigen“. Ihr (@Netzpolitik) seid damit auf jeden Fall schon sehr viel besser.

        1. Die EFF ist z.B. sehr gut darin, auf Twitter die follower anzusprechen. Sie haben eine gute Präsenz über den ganzen Tag, sodass sie oft in der Timeline auftauchen, aber selten mit zwei Tweets in Folge und dir dadurch nicht auf den Keks gehen, und sie schreiben oft intelligente Sachen.

          Die haben auch alleine zehn Personen, die „activism“ machen, also bloggen und twittern. :-)

      2. Jop, deswegen erwarte ich auch nicht die gleiche Leistung von euch und den anderen europäischen Orgs, aber zumindest ein paar grundlegende Ideen kann man sich ja ausleihen :)

  3. „Wir haben keine Stiftungen und wenn man Geld von Google nimmt, hat man ein Problem mit vielen Themen, weil dann gilt man als “von Google gekauft”.“

    Könnt ihr ausprobieren. Ob Google oder sonstwer.
    Wollen die euch auch nur irgendwie reinreden -google-analytics und alles ähnliche- beendet es und kommuniziert es ausführlich (-:

    1. Naah, stell dir mal vor, wie Springer sich gefreut hätte, wenn Netzpolitik.org mit seiner Anti-LSR-Position Geld von Google bekommen hätte. Geht ja nicht (nur) darum, wie das Image der Seite für Leute ist, die tatsächlich ihr Hirn nutzen, sondern auch darum, ob der Ruf bei allen anderen dadurch vielleicht nachhaltig zerstört werden könnte. Unschönes Risiko, das man sich nicht geben muss…

  4. Peter Sunde ist nicht ins Gefängnis gegangen, weil er gegen ACTA/SOPA/PIPA/TTIP/Vorratsdatenspeicherung etc. pp. gekämpft hat. Peter Sunde ist ins Gefängnis gegangen, weil er Leistungen anderer Menschen genutzt hat, ohne dafür zu bezahlen und weil er anderen Menschen die Möglichkeit gegeben hat, dies ebenfalls zu tun.

    1. Und wie viele Millionen Menschen handhaben dies so?
      Es gibt kein schwarz und weiß, die Welt ist bunt. Wer sich diese Leistungen gratis besorgt, unterstützt meistens auch auf andere Weise exakt die Menschen, die diese Leistungen herstellen. Oder anders gesagt: Er lädt ich den „Weissen Hai“ runter, geht aber morgen ins Kino und guckt da den Hobbit und kauft die ersten beiden Teile auf BluRay bei einem Versandhändler.
      Oder lädt sich die Datei zwar runter, hat aber ggf. den Content längst legal im Schrank stehen – oder legalen Zugriff über einen Drittanbieter, für den er/sie bezahlt, der ihm/ihr den Download des gekauften Materials jedoch untersagt oder Dateien zur Verfügung stellt, die einfach nur beschädigt sind.

      Der Film aus der Tauschbörse hat jedenfalls kein Usertracking, kein DRM, keine Werbung, keine künstlich verschlechterte Qualität, keine „Raubkopierer sind Böse“-Trailer und nicht unüberspringbare 100 „Auf Bohrinseln darf der Film nicht gezeigt werden“-Warnungen davorgeschaltet.

      Aber unsere Industrie ist sich bis heute zu fein dafür, den kaufend und zahlend interessierten Kunden Inhalte zu liefern in dem Format, in dem sie ihn auch haben wollen. Stattdessen wird der Kunde permanent gegängelt mit irgendwelchen „Schutzmaßnahmen“.

      Anders gesagt:
      Es ist das ganz normale Leben, wie sich die meisten Menschen verhalten.
      Nur, dass es uns seit Jahren immer mehr kriminalisiert wird, was jetzt inzwischen sogar in gravierenden Einschnitten unserer Freiheiten mündet: Komplettüberwachung, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen. Das ist IRRSINN, um es sanft zu umschreiben.

      Und warum?
      Weil Menschen für etwas sanktioniert werden, was eine kleine Gruppe Lobbyisten über die Jahre hinweg immer weiter einschränken und kriminalisieren lässt, während ein Großteil höchst menschlich die ihnen zur Verfügung stehenden Inhalte und Möglichkeiten einfach nur nutzt.

      Trotz all der bösen unerlaubten Vervielfältigungen ist mir bis heute noch keine Plattenfirma und noch kein Filmehersteller bekannt geworden, der deswegen am Hungertuch nagen muss oder pleite ging. Ganz im Gegenteil. Die Verwerter verdienen sich eine goldene Nase und entmündigen zunehmend die Urheber, die den ganzen Content liefern, deren Rechte aber andere haben. Und weil dem noch nicht genug ist, muss das auch bis 70 Jahre nach dem Tod (und bald wieder verlängert) des jeweiligen Urhebers erhalten bleiben. Es geht nur um Abzocken.
      Und wenn ein Hauptdarsteller in einem Film 30 Millionen und mehr bekommen muss, dann sei es so, aber dann bitte nicht jammern, wenn der Film nicht entsprechende Gewinne abwirft. Es ist absurd, die Raffgier der Menschen derart auf Kosten der breiten Masse zu befriedigen. Das sind keine vernünftigen Gagen mehr, die hier bezahlt werden, es ist schlicht und einfach: Gier!

      Wäre ich ein Star, ich würde festlegen, dass alle Werke von mir nach meinem Tod kostenlos der Allgemeinheit freigegeben werden, weil ich selbst dann nichts mehr davon habe. Ggf. würde ich dafür sorgen, dass meine Familie gut abgesichert ist. Das wars aber auch. Was wird stattdessen gemacht? Einfach mal umgucken, wer da verdient und abzockt und zwar mit völlig weltfremden Gesetzen.

      Ein Gesetz gehört eigentlich ersatzlos gestrichen, wenn die breite Allgemeinheit dieses Gesetz nicht akzeptiert. Schließlich haben wir angeblich eine Demokratie, das heisst, die Masse entscheidet – und nicht das einzige Individuum aufgrund des dicken Geldbeutels. Von dieser Maschinerie müssen wir abkehren, es müssen andere Wege gefunden werden, Urheber gerecht zu entlohnen.

      Sanktionen helfen hier definitiv nicht weiter und sind auch nicht erstrebenswert. Obwohl wir uns in einer Gesellschaft befinden, wo immer mehr durchreglementiert und sanktioniert wird, bis ins letzte Detail. Wir bekommen vorgeschrieben, welche Glühbirnen wir zu benutzen haben, wieviel wir bezahlen müssen, wenn wir erwischt werden, weil wir bei rot über eine unbefahrene Straße gehen oder ob ich in der Öffentlichkeit ein Foto machen darf oder nicht. Das ist KRANK. Und je eher das die breite Masse kapiert, desto besser.

      Die aktuellen Gesetze laufen der breiten Masse zuwider und nur weil die Regierungen aufgrund Lobbyistengesetzen ihre Paramilitärs aussenden, Wohnungen auseinander nehmen und Existenzen vernichten lassen, sind eben jene Lobbyisten noch lange nicht im Recht. Sie setzen nur gewaltsam durch, was sie für sich beanspruchen, das ist alles.

      Dieses Unrecht muss gestoppt werden. Und hier hat Peter Sunde recht: Dank Internet gibt es zwar viele, die irgendwie informiert sind, wir sind aber derart abgestumpft, dass wir denken, wenn wir auf einen „Like“-Button drücken, sich schon irgendwer kümmern wird. Das ist aber nicht der Fall bzw. nicht ausreichend. Demokratie funktioniert nicht per Mausklick, hat sie nicht und wird sie nie. Da Mausklicks unseren Regierenden nicht weh und keinerlei Konsequenzen haben. Aber weil wir so denken und handeln, schränken sie unsere Rechte und Möglichkeiten immer weiter ein. Dann gibts halt eine Millionen Mausklicks dagegen, was soll es? Egal.

      Demokratie muss permanent erkämpft werden, und notfalls muss man unsere Politiker auch aus dem Land, zumindest aber aus dem Parlament jagen. Denn sonst werden sie zu Diktatoren, was sie inzwischen auch sind. Wieso macht der BND, was er macht? Wieso macht das BKA, was es will? Wieso macht die NSA, was sie will? Weil wir sie nicht stoppen! Und sie wissen, dass wir sie nicht stoppen. Da können wir auch noch so wild auf „Like“ klicken.

      Und was viel perverser ist: Wer sich dem Facebook- und Smartphone-Wahnsinn entzieht, der wird als Mensch nicht mehr wahrgenommen, weil er ja „nicht erreichbar“ ist. Was für eine scheiss Welt, in der wir leben und in der immer mehr Menschen gegen andere Laufen, weil sie vor lauter Smartphone for der Nase die Umwelt nicht mehr wahrnehmen. Junkies eben. Und Junkies sind bekanntermaßen auch die Konsequenzen egal.

      1. PS:
        Ach ja, ich bin selbst Urheber, allerdings ein ganz kleiner.

        Und ich kann von meiner Arbeit nicht leben (den Rest könnt ihr Euch denken, wovon ich leben muss), obwohl diese in ausreichender Menge mehr als vorhanden ist.

        Eben weil ich selbst permanent beschi**** werde, zum einen, weil ich selbst ein sozial fühlender Mensch bin, der nicht permanent gegen andere Menschen vorgehen möchte, zum anderen weil viele meine durchaus professionellen Leistungen nicht ausreichend wertschätzen und ich von den Großen in der Szene einfach untergebuttert werde, oder ich von widerrechtlicher Nutzung einfach nur selten, und wenn, dann sehr spät erfahre.
        Ich habe meine Arbeit schon an Stellen genutzt gesehen, wo ich nicht einmal namentlich erwähnt wurde und selbstverständlich auch nichts dafür erhalten habe. Oftmals auch ohne dass ich gefragt wurde.
        Nun kann ich einen Anwalt loshetzen, aber das würde mir als kleinen Urheber eher schaden, da sich das auf meinen Ruf eher negativ auswirken würde. Aus der Angst, Kunden zu verlieren und am Ende dann ganz ohne etwas dazustehen… Oder es eben dabei belassen und hoffen, dass die künftige Kundschaft ehrlicher mit meiner Arbeit umgeht.

        Bei mir steht keine GEMA oder ähnliches dahinter, mich würde das vermutlich auch wesentlich mehr kosten als nutzen. Denn dieses Schweinesystem hilft nur den oberen 5%, die anderen gehen stets leer aus.

        Ich selbst habe trotz dieser widrigen Umstände schon viele gute Dinge getan, Projekte unterstützt, entweder durch meine Arbeit, oder aber auch durch für mich großzügige Spenden. Die Hoffnung ist nach wie vor, irgendwann dafür respektiert und anerkannt zu werden, für diese kontinuierliche und nachhaltige Arbeit, die auch andere daran partizipieren lässt.
        Dem ist aber wohl nicht so, da offensichtlich nur noch reiner Egoismus zählt. Das ging schon so weit, dass andere meine Leistung als die Ihre ausgegeben und die Lorbeeren dafür eingesteckt haben. Aber was will man tun, als gute Miene zum bösen Spiel und die Lehren daraus ziehen, mit DIESEM Partner nicht mehr zusammenzuarbeiten, bis man merkt, dass der nächste genauso ausbeuterisch und egoistisch ist.

        Ich vermisse tatsächlich das Soziale und Menschliche in dieser eiskalten Welt.

      2. @Friedrich:
        Gesetze gelten oder sie gelten nicht. Egal wie viele DVDs du legal im Schrank hast oder wie viel Geld du schon für Musikalben ausgegeben hast, das ist doch kein Argument dir den nächsten Film illegal besorgen zu dürfen. Wo soll das denn hinführen…ich kauf 9 mal im Rewe ein und darf dann beim 10. mal klauen oder wie. Würde ich jetzt nicht befürworten.

        Zum Rest deines Beitrages: Naja, ich sage es mal mit deinen Worten: Die Welt ist nicht schwarz/weiß, sie ist bunt. Filesharing beschäftigt nicht nur die Abzocker der Industrie, die den wahren Urheber knechten und die satten Gewinne einsammeln. Überhaupt werden die Verwerter meiner Meinung nach viel zu schnell über einen Kamm geschert und als Abzocker tituliert. Ich glaube nicht, dass sich Leuten nur die Filme über PB besorgen, bei denen sie glauben, der Urheber, sie selbst oder sonst wer wird abgezockt. („Abgezockt“ fühle ich mich jedesmal vor der Tankstelle auch ;-)). Sie ziehen sich die Filme nicht aus Protest gegen die Ungerechtigkeit des Verwerters gegenüber dem Urheber. Sie nutzen es, weil es einfach ist und kostenlos. Und weil die Industrie es nicht auf die Reihe bekommt, ein entsprechendes legales Angebot auf die Beine zu stellen. Sollte das mal passieren, sind viele sicher bereit wieder mehr Geld für Film/Musik auszugeben (sieht man ja heute schon, Netflix, AmazonPrime o.ä.). Aber ob das dann wirklich viel fairer verteilt wird…

        Ich gebe dir recht, es läuft viel falsch in der Contentindustrie und unsere Gesetze müssen in der Hinsicht reformiert werden. Aber wer dafür ist sollte sich entsprechend an der Gesetzgebung beteiligen (ganz egal in welcher Form und wenn nur das nächste Wahlkreuz entsprechend gesetzt wird). Als Trotzreaktion sich einfach nicht dran halten ist nicht richtig. Und ich bin mir sicher, den wenigsten Benutzern von PB oder sonstigem Plattformen geht es wirklich um die Ungerechtigkeiten in dem Geschäft.

      3. @justme2h
        Der Punkt ist jedoch, dass bereits der Vergleich Diebstahl hinkt. Es ist kein Diebstahl. Denn ein Diebstahl ist klar definiert: Eine Partei A nimmt einer Partei B etwas weg, Partei B erleidet dabei einen Schaden (weil diese Partei nun weniger besitzt).
        Bei einer Vervielfältigung wird jedoch etwas … vervielfältigt. Nicht weggenommen. Das Produkt ist immer noch vorhanden und zwar im Regelfall in der identischen Qualität.

        Warum jemand Downloadportale verwendet, mag unterschiedliche Gründe haben. Es werden jedoch alle gleich behandelt, also auch wieder ein Irrtum.

        Es gibt eine Menge Personen, die sich z. B. Inhalte herunterladen, die Originale jedoch in bezahlter Form im Schrank stehen haben. Einfach deswegen, um ein Backup zu haben. Selbst die Inhalte „rippen“ ist ja auch verboten, auch für den privaten Zweck, weil dabei ja lt. Gesetz ein Kopierschutz umgangen wird. Selbst der Besitz einer solchen Kopiersoftware ist strafbar.

        Oder Leute, die sich Inhalte besorgen, die längst 10 oder 100x im Fernsehen abgenudelt wurden, auch das ist strafbar. Obwohl man theoretisch auch diesen Inhalt privat aufnehmen könnte, wenn er denn im Fernsehen liefe. Sofern man das überhaupt noch darf, denn auch auf dieser Ebene zeigt sich die Industrie kreativ und blockt inzwischen ggf. Aufnahmemöglichkeiten – etwas, das vor 10 Jahren noch undenkbar gewesen wäre, da gab es Videorekorder und was im Fernsehen lief, durfte und konnte man aufzeichnen. Selbst das wird heute untersagt.

        Dann gibt es viele Streamingportale wie Netflix & Co.
        Auch dort kann man die Inhalte dank technischer Beschränkungen nicht privat aufzeichnen. Warum nicht? Man bezahlt doch für diese Inhalte!

        Die beste Videodatenbank nutzt nichts, wenn irgendwann der Anbieter dicht macht, also ist es ein gewichtiges Argument zu wollen, dass man die Daten offline zu Hause auf einer Festplatte liegen hat. Vor allem, wenn sie noch dazu käuflich erworben wurden.

        Wieso gibt es zu einer verkauften BluRay nicht automatisch das Recht, eine entsprechend qualitativ hochwertige Datei mit entsprechender Bitrate, Extras und Sprachen etc. ohne DRM, ohne Anmeldesystem etc. pp. herunterzuladen?

        Heutzutage kommt hinzu:
        Wer etwas legal herunterladen möchte, ist einem gewissen Datenstriptease unterworfen. Entweder Daten, oder man kommt nicht an die Inhalte. Das ist eine Sauerei. Ich möchte das Recht haben, mir Inhalte zu erwerben, ohne dass mein Kaufverhalten über die nächsten 30 Jahre ausspioniert und meine Daten weiterverkauft oder ggf. von irgendwelchen Behörden eingesehen werden. Das ist… inakzeptabel.

        Außerdem scheitert die Industrie bis heute an legalen Angeboten, die dem KUNDEN dienen und nützen. Diese werden nach wie vor konsequent verweigert. Sorry, aber wenn ich eine BluRay für 6 Euro auf der Grabbeltheke bekomme, wieso dann nicht für 6 Euro den Download online für die heimische Festplatte? Und zwar nicht personalisiert, ohne DRM, ohne Abspielbeschränkungen etc. – das ist absurd. Aber Realität. Der kaufende Kunde wird gegängelt und am Ende wird über die bösen Raubkopierer geheult.

        Und dann kommt eben hinzu, dass es eben sehr einfach ist, Inhalte von solchen Portalen zu organisieren. Es ist Standard, es macht praktisch Jeder, wobei… allen voran Kids, Teenager und jüngere Menschen. Wollen wir diese weiterhin kriminalisieren? Wollen wir diese weiterhin mit Schadensersatzansprüchen überziehen und sie ggf. finanziell fertig machen, noch bevor sie in das Berufsleben einsteigen? Das kann gesellschaftspolitisch nicht gewollt sein oder gar akzeptiert werden.

        Die Contentindustrie macht es sich leicht, schläft auf der politischen Ebene mit der jeweiligen Regierungspartei und schon gibts neue Gesetzesverschärfungen. Inzwischen sind wir bei Massenhausdurchsuchungen angelangt. Ist das erstrebenswert? Ist das akzeptabel? Ist das verhältnismäßig? Nein, ist es nicht!

        Also müssen die Gesetze geändert werden. Und zwar zeitnah. Nicht politisch schnarchnasentypisch irgendwann mal in 20 Jahren, wenn längst andere Dinge modern und in Alltagshandlungen übergegangen sind.

        Wobei, und ich schreibe das explizit noch einmal dazu, es mir schon auch darum geht, dass Urheber entsprechend auch gerecht entlohnt werden für ihre Leistung. Was wir aber abschaffen müssen, sind diese Parasiten, die sich zwischen Kunde und Urheber drängen, die Urheber auf Lebenszeit entrechten oder mit Almosen abspeisen und selbst mit der Rechteverwertung auch noch 100 Jahre nach dem Tod des Künstlers finanzielle Ansprüche stellen und meinen, das recht auf ewige Verwertung zu besitzen. Das ist letztlich unmoralisch.
        Sie mögen das Recht haben, an einem Produkt mitzuverdienen, wenn sie sich um Werbung, um Marktstrategien, Vertrieb etc. kümmern, aber eben nicht auf diese Weise, wie es heute inzwischen der Fall ist an vielen Stellen. Das ist finanzielles Raubrittertum, das muss eingeschränkt werden.

        Denn vor allem daran krankt das derzeitige System: Fette, reiche (meist) Männer, die ihren Hals nicht voll genug bekommen! Erzkonservativ, ewig gestrig und mit schier unermeßlicher Gier. Das passt exakt auch so ziemlich auf alles, was da in der Politik derzeit Raubbau an unseren Menschenrechten, Bürgerrechten und Freiheitsrechten betreibt.

        Der Bürger kann sich an solchen Gesetzen nicht mehr beteiligen, er ist stets aussen vor. Die Gesetze werden unter den mächtigsten 5% gekungelt, und zwar zum Nutzen exakt derer. Der Rest, also die Masse, hat nichts mitzureden oder mitzugestalten. Und da hilft auch eine Wahl nicht. Was soll man denn wählen? Also welche der Einheitsblockpartei? Ob das an der Regierung nun Merkel, Gabriel oder Lucke heisst? Völlig egal. Die Lobbyisten haben alles fest im Griff, die Politik ist nur noch Sprachrohr, die Gesetze werden wo anders geschrieben. Wer in der Politik nicht mitspielt, wird abgeschossen.

        Das Urheberrecht ist inzwischen komplett fürn Allerwertesten und anstatt das endlich mal einzustampfen und sich neue Ziele zu setzen, wird immer weiter daran herumgefrickelt, meist zum Negativen für die breite Masse, die immer weiter kriminalisiert wird. Hier MÜSSEN zwingend Reformen her. Und zwar morgen, nicht erst in 10 Jahren. Aber dazu ist das träge Regierungskonstrukt nicht in der Lage: Die agieren lieber als Marktschreier und prügeln neue Gesetze ohne Sinn und Verstand durch, hysterisch, populistisch, moralinsauer und meist zugunsten der Geldsäcke.

        Wie gesagt:
        Es geht nicht um „Freie Raubkopien für alle!“-Mentalität…!
        Aber um ein anderes, gerechteres und nicht kriminalisierendes System.

      4. @Friedrich: Ich gehe mal davon aus, dass du [Kunst] produzierst und irgendwer sie öffentlich oder in seinem Namen verwendet, am besten noch kommerziell. Das ist wirklicher Beschiss, analog zu einem Plagiat. Du wirst beschissen und andere auch. Aber ich würde das nicht in einen Topf werfen mit Unterhaltungsprodukten, die für die Massen produziert werden, wo Millionen auch Geld ausgeben, und Millionen es eben auch tauschen, wodurch weitere Millionen es entdecken und am Ende auch zusätzlich kaufen oder es sowieso schon gekauft haben.

      5. „Der Punkt ist jedoch, dass bereits der Vergleich Diebstahl hinkt.“
        Ich wollte nicht auf den Begriff klauen hinaus. Nimm von mir aus jedes andere Beispel als Vergleich: Ich halte mich in 9. Städten an die Verkehrsordnung und darf in der 10. dann über rote Ampeln fahren. Such dir weitere Beispiele, wenn du möchtest. Es bleibt wie es ist: Gesetze verlieren nicht ihre Gültigkeit, nur weil du dich mal dran gehalten hast. Ich halte mich bei 9 Filmen ans Urheberrecht und beim 10. dann nicht mehr? Damit lässt sich vlt das Gewissen besänftigen, mehr aber auch nicht.

        „Also müssen die Gesetze geändert werden.“
        Das stimmt, aber bis es soweit es, gelten nunmal die Alten. So schwachsinnig sie sein mögen.

        „Der Bürger kann sich an solchen Gesetzen nicht mehr beteiligen, er ist stets aussen vor. Die Gesetze werden unter den mächtigsten 5% gekungelt, und zwar zum Nutzen exakt derer. Der Rest, also die Masse, hat nichts mitzureden oder mitzugestalten.“
        Gut, dass ist jetzt aber wirklich Thema für eine andere Diskussion…

        „Es geht nicht um “Freie Raubkopien für alle!”-Mentalität…!
        Aber um ein anderes, gerechteres und nicht kriminalisierendes System.“
        Wie gesagt: Was für ein Protest soll das sein, wenn sich Leute ihre Filme illegal ziehen?
        Der Urheber bekommt dann gar kein Geld und ist von der Spendenlaune der Nutzer abhängig. Es mag viele Leute geben, die dem Künstler wirklich Geld zukommen lassen. Es gibt auch viele, die es nicht tun. Ist so ein System besser? Künstler werden nur noch von denen bezahlt, die es sich gerade leisten wollen? Ich weis ja nicht. Und ich befürchte, dieses „Freie Raubkopien für alle“ ist schon weit verbreitet, auch wenn es natürlich nicht alle sind. Schau dir doch mal die Filme/Musik an, die auf den ersten Plätzen jeder Streaming/File sharing Seite zu finden sind: Das sind genau die aberwitzigen Millionen € teuren Produktionen, die die Ungerechtigkeit der heutigen Filmindustrie am Meisten wieder spiegeln. Einzelne Schauspieler verdienen Millionen, einzelne „Bosse“ schaufeln sich Geld in die Tasche. Und, werden diese Filme von Leute aus Protest boykottiert? Nö, darauf verzichten will scheinbar niemand.

        Außerdem mal einen Nachsatz, wobei ich da keine aktuellen Berichte kenne, berichtige mich falls es falsch sein sollte: Mir wäre nicht bekannt, dass Leute wegen Privatkopien Stress mit Abmahnungen bekommen haben. Ich kenne nur Fälle, wo Leute den Content an andere weitergegeben haben (Upload).

      6. @ justme2h (13. Dez 2014 @ 22:58)
        Ich hab Dein Beispiel durchaus verstanden.
        Meine Intention war einfach nur zu deuten, dass es eben nicht schwarz und weiß gibt. Wer sich neun Filme kauft und einen zehnten herunterlädt… wer sagt, dass er oder sie nicht dafür auch eine legitime Quelle „besitzt“? Unterstellt wird, dass er oder sie diese nicht hat. Aber evtl. lief der Film gerade im Fernsehen, oder der Film wird besorgt, um zu sehen, ob man diesen auch kaufen möchte? Evtl. wurde er über Netflix & Co. bereits erworben, kann aber nur gestreamt werden, was auch in Deutschland nach wie vor viele Haushalte vor Probleme stellt, weil sie gar keine Leitung haben, solche Inhalte überhaupt streamen zu können? Oder weil die Provider Traffic begrenzen und beim Filme gucken schnell das Limit überschritten wäre (auch das wird immer mehr Thema).
        Das ist nämlich auch super. Man kann zwar Produkte heutzutage erwerben, ob man sie nutzen kann, ist dem Verkäufer jedoch egal. „Kunde hat bezahlt: Was geht mich der Rest an?“ – Zurückgeben ist nicht (was auch richtig ist, Digitale Güter zurückgeben führt zu DRM, Restriktionen und Überwachung, da ja eine Vervielfältigung wirksam verhindert werden müsste).
        Wenn ich also nur eine Quasi-ISDN-Leitung habe, kann ich zwar Filme digital kaufen, sie aber nicht streamen. Ein denkbarer Weg wäre somit, den Film zu erwerben, sich die Offline-Kopie jedoch (evtl. über Bekannte) über einem Downloadportal zu organisieren.
        Ich weiß, das sind konstruierte Beispiele, bei den Kids und Teenagern geht es eher um das „cool, ich hab den jetzt“ und nicht um solche Problemfelder, aber ich möchte damit aufzeigen, dass es eben viele Quellen gibt, jedoch alle pauschal gleich abgeurteilt werden.
        … Andere Option wäre, dass diese Inhalte auf normalem Weg gar nicht erhältlich sind?

        Ich bin z. B. viel auf Festivals unterwegs, sehe dort Filme, die ich auch gerne als BluRay oder DVD haben möchte, weil sie einfach richtig gut sind und ich den Regisseur oder das kleine Independent-Studio supporten möchte. Geht aber oft nicht, weil es keine deutschen Publisher gibt, das könnten sich die kleinen Studios gar nicht leisten. Die Filme kommen dann mit Regionalcode-Beschränkung (auch so ein Unsinn der Contentindustrie) im Produktionsland auf dem Markt, können hier aber hierzulande nicht abgespielt werden. Und auch hier krankt das ganze wieder an dem saudämlichen Restriktionsgedanken der Industrie.
        Oder nehmen wir den Jugendschutz. Hier in Deutschland werden viele Filme inzwischen verstümmelt aufgrund der FSK, die ungeschnittenen Originale bekommt man dagegen nur im Ausland – oder eben auf solchen Portalen. Auch daran ist in dem Fall ein politisches System schuld: Nämlich die Zensur (die nicht stattfindet *hust*), die irgendeine Jugend schützen soll – vor Inhalten, die gar nicht für die Jugend bestimmt sind.

        Oder aber es sind Leute, die sich die Inhalte organisieren, weil sie sich diese gerne leisten würden, dies aber nicht können, weil sie nicht einmal genug Mittel zum Leben haben, sie aber dennoch nicht komplett kulturell abgeschnitten werden möchten. Das Angebot: „Es gibt Bibliotheken“ hinkt, denn diese sind eigentlich nie aktuell. Da heisst, wer die finanziellen Möglichkeiten nicht hat, kann im Freundes- und Bekanntenkreis nicht mitreden, daraus ergibt sich auf Dauer eine kulturelle Ausgrenzung.
        Man könnte jetzt auch sagen: „Hey, ich kann mir auch keinen Ferrari leisten und fühle mich ausgegrenzt, also klaue ich mir einen.“ – aber das ist schon eine ganz andere Ebene, als wenn man über Alltagsdinge nicht mehr mitsprechen kann.
        Anders herum sind das aber Leute, die auch die Industrie nicht wirklich schädigen, weil sie sich die Inhalte ohnehin nicht leisten könnten. Mit anderen Worten: Das sind keine Kunden!
        Und wie gesagt: Es geht nicht ums Wegnehmen, sondern ums Duplizieren.

        Das ist ähnlich den Plagiatenjägern, die eine Rolex für 30 Euro verkaufen. Auch die werden verfolgt. Und warum? Es macht einfach keinen Sinn. Denn wer sich eine Rolex kaufen möchte, der weiß, dass die eher ab 3.000 Euro anfängt und nicht für 30 Euro beim windigen Straßenhändler zu bekommen ist und wird auch das Original kaufen. Die, die sich keine leisten können, kaufen sich sowas eher als Gag. Rolex kann also nicht behaupten, sie würden damit irgendwie geschädigt werden, tut es aber und hetzt die Anwälte los.
        Schädigung entsteht dann (und das wäre dann Betrug), wenn jemand ein Uhrengeschäft aufmacht und ein 30 Euro-Plagiat als Original verkauft. Das passiert aber faktisch nicht.
        Solche Dinge sind Urlaubsgimmicks, aber auch das wird verfolgt und im schlimmsten Fall muss man mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Auch das ist absurd. Vor 20 Jahren war das noch undenkbar, aber jetzt hat die Lobby Gesetze erkauft… Aber kommt vom Thema ab…

        Von daher wäre es absolut notwendig, über Gesetzesänderungen zu sprechen. Und zwar ohne die ganzen Lobbyisten, denn das sind sowieso nur Extremisten, die nur eine Seite kennen und wollen.
        Fakt ist, die Gesetze werden in großen Massen nicht eingehalten, weil sie einfach keinen Sinn ergeben und nur einseitig bevorteilen, andere massiv benachteiligen. Daher müssen sie nicht nur (zeitnah) in Frage gestellt, sondern grundlegend reformiert werden.

        Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Kinder und Jugendliche kriminalisiert werden, weil sie mit der Maus eine Datei angeklickt haben! Das ist unrecht. Ich möchte keine Welt, in der kleine Haushalte mit Abmahnungen in vier- oder fünfstelliger Höhe überzogen werden, weil raffgierige Anwälte hier das leichte Geld sehen. Ich möchte nicht, dass Menschen verfolgt und gejagt werden, weil sie sich Inhalte aus dem Internet besorgt haben.

        Wir brauchen ein System, das alle fair behandelt, das kundenorientiert ist, aber wovon natürlich auch die Urheber leben können. Wir brauchen auch Realismus, das führt ggf. auch dazu, dass ggf. Gagen für Schauspieler gekappt werden müssen. Ja. Definitiv. Niemand hat das Recht, für ein paar Tage oder Wochen Arbeit zig Millionen zu verdienen. Das ist derzeit möglich, aber völlig aus dem Ruder gelaufen. Wobei die meisten Schauspieler weit von solchen Unsummen entfernt sind, es ist im Grunde nur dieses Hollywood, wo dieser Wahnsinn regiert. Das sind dann exakt auch die, die herumheulen wegen Filmdownloads. Wobei wir inzwischen auch das Phänomen kennen, dass Filme mit „Rekorddownloads“ interessanterweise oftmals auch Rekordumsätze an den Kinokassen erzielen.

        Wie schon einmal gesagt… seit 15 Jahren jammert die Contentindustrie herum, dass sie ruiniert würden, dass sie wegen der bösen Raubkopierer keine Inhalte mehr produzieren können. Das Gegenteil ist der Fall. Bis heute ging deswegen kein Studio pleite und die Produktionskosten steigen, steigen und steigen…
        Klar, dass mir Angst und Bange wird, wenn ich mit einer Produktion, die mich 300 oder 500 Mio. kostet, in Vorleistung gehe und dann Angst haben muss, ob sie auch vom Kunden angenommen wird. Aber dann sollte eigentlich der Verstand einschalten und man sich fragen, wieso diese Produktion eigentlich so viel kosten muss und ob da nicht das Budget aus den Fugen geraten ist… Aber das sind alles Dinge, die eben hinterfragt werden müssten, wenn wir von einem fairen System sprechen.

        „Schau dir doch mal die Filme/Musik an, die auf den ersten Plätzen jeder Streaming/File sharing Seite zu finden sind: Das sind genau die aberwitzigen Millionen € teuren Produktionen, die die Ungerechtigkeit der heutigen Filmindustrie am Meisten wieder spiegeln. Einzelne Schauspieler verdienen Millionen, einzelne “Bosse” schaufeln sich Geld in die Tasche. Und, werden diese Filme von Leute aus Protest boykottiert? Nö, darauf verzichten will scheinbar niemand.“

        Das liegt eben an der Herdenmentalität der Masse. Ich finde sie persönlich auch sehr traurig. Denn als angeblich mündiger Bürger hätte man es leicht in der Hand: Einmal solch einen Inhalt konsequent boykottiert und das Thema ist erledigt. Passiert aber nicht. Das Herdentier ist auch nach wie vor bei Faceboo und rennt mit dem Smartphone durch die Gegend, obwohl es weiß, dass es permanent überwacht wird.
        Würden alle ihre Smartphones wegwerfen und Facebook (steht jetzt exemplarisch für die Vielzahl von ähnlichen Diensten) kündigen, dann würde auch die Überwachung ganz schnell aufhören, ganz einfach, weil, wenn es diese nicht gäbe, die Wirtschaft den Bach runtergehen würde. Und das kann sich kein Staat erlauben.
        Wobei ich mir da nicht ganz sicher bin, denn viele dieser Unternehmen zahlen sowieso keine Steuern trotz horrender Gewinne… wobei sie jedoch zumindest Menschen beschäftigen und entlohnen.

        „Außerdem mal einen Nachsatz, wobei ich da keine aktuellen Berichte kenne, berichtige mich falls es falsch sein sollte: Mir wäre nicht bekannt, dass Leute wegen Privatkopien Stress mit Abmahnungen bekommen haben. Ich kenne nur Fälle, wo Leute den Content an andere weitergegeben haben (Upload).“

        Es entwickelt sich jedoch zunehmend in diese Richtung. Das merkt man.
        Man schaue sich nur mal an, was da in letzter Zeit an Downloadportalen so hochgenommen wurde und dass da durchaus inzwischen auch Betroffene von Hausdurchsuchungen dazwischen sind, die eigentlich eher Nutzer als Uploader waren.
        Und glaube mir! Wenn unsere Justiz bzw. die Polizei die Mittel hätte, dann würde sie auch gegen 2 Millionen Downloader vorgehen. Das würde aber den Rahmen sprengen, so viele Beamte gibt es nicht. Wenn es sie jedoch gäbe, würde exakt auch das passieren!

        Und wo diese Daten herkommen, das ist bis heute unklar, wo wir doch keine Vorratsdatenspeicherung haben. Hmmmm, komisch, oder? Wo sind also all diese Daten her, die derzeit die Betreiber solcher Seiten mit Durchsuchungen überschwemmen?
        Aber auch das ist ein anderes Thema.

  5. nehmen Wir doch die Dinge mal einfacher.
    Für Betriebe gibt es heute z.B. eine ISO27001 Verordnung / Zertifizierung. Gesetzliche Vorschriften.
    Zählt diese Nachhaltigkeits / Beweismittel Regelung zur Beurteilung von Arbeitern eigentlich auch für unsere Regierung, Internet, Mensch?
    Ich würde sagen, wenn man Regeln aufstellt, sollte man Sie schon selbst auch Achten / Umsetzen können um Gefahren zu erkennen und zu eliminieren. Dazu müssten aber Politiker verstehen, das die grossen Entscheidungen / Gefahren / Kostenverläufe (strategisches Dreieck) ganz alleine über die Binäre Struktur 0 &1 IT entschieden werden.
    Schütze ich mich als Private Person nicht ausreichend vor Dingen die man mir heute Versucht unterzuschieben (Viren, Spyware, Mailware, Trojaner, Werbung), um mich in eine Kostenfalle zu führen. Werden also meine 0 & 1 von anderen neu Strukturiert und ich muss für die Kosten aufkommen, oder auch den Kopf hinhalten.
    Welche Personen kennen sich wirklich damit aus? Jeder der einen neuen Rechner sich anschafft ist erstmal und meist immer Administrator oder ROOT und jeder Angreifer hat es um so leichter etwas auf meine persönliche Struktur zu drücken. Selbst ich schaffe es nicht, jede Gefahr zu erkennen.
    Und viele Denken, weil Sie einen Rechner / Tablet / Handy einschalten können, Email, Word bedienen können verstehen Sie ITIL und ITSM mit Gesetzlicher Abwägung in Betracht auf Kostenmöglichkeit und Datensparsamkeit.
    Für mich als IT – Leiter gibt es da ganz klare Ansätze die man tun sollte.
    1. Gedankenansatz:
    Warum muss ich heute auf jedem Amt, alle meine persönlichen Daten immer wieder Neu eingeben. Schafft es Bund / EU / WELT nicht, da mal etwas zu schaffen, werden die Metadaten von Personen immer unüberschaubarer, und Angreifer, also böswillige Menschen erkannt.
    Da haben Wir einen Bundeszentralregister, wo alle bösen Dinge über mich stehen, die Guten werden weggelassen und nicht mit anderen Diensten verknüpft um Datensparsamkeit, Mitwirkungspflicht und Mitteilungspflicht besser Erklärbar und Verständlich zu machen.
    2. Gedankenansatz:
    Das Internet wurde eigentlich für Ärztliches und Militärisches Zusammenwirken entwickelt. So ähnlich war der Grundgedanke. Dann würde ich heute sagen: Jeder ist nun ARZT und führt KRIEG.
    3. Gedankenansatz:
    Sollte man an den wichtigsten Knotenpunkten nicht doch etwas mitbestimmbaren Eingriff nehmen, aber auch Möglichkeiten schaffen, das nicht nur gefilterte Informationen in manchen Köpfen / Stellen ankommen. Dazu müsste man aber bereit sein, auch gewisse Straftaten nicht Schönzureden sondern KLAR zu bekämpfen.

    Bedauerlicherweise ist aber keiner dafür Zuständig, oder sieht den nächsten Angriff kommen, weil dieser heute oft durch das Kabel kommt. Strom fühlte man wenigstens noch.

    1. Sorry
      4. Gedankenansatz:
      Warum muss die heutige Jugend / Menschheit immer noch für Straftaten bezahlen, die 1 MANN verursachte, in Form von Steuern.
      5. Gedankenansatz:
      Ja auch ich finde es gut, das nicht einer alleine jemals nochmals so etwas schafft.
      Deshalb sollte man heute andere Systeme nutzen um besser zu verteilen.
      WO bleibt da die Logik unseres gemeinschaftlichen Handelns und Welterfolges.

  6. Schöner Text, nur wie Peter schon selbst andeutet hat es wenig mit heutigen PirateBay Nutzern zu tun. Als ob sich der durchschnittliche PirateBay Nutzer wirklich Gedanken gemacht hat, warum das Urheberrecht reformiert werden sollte, warum staatliche Kontrollen im Internet nicht aus dem Ruder laufen dürfen und es derzeit tuen, was genau Leute wie Snowden oder Manning ans Tageslicht gebracht haben und und und.

    Zu glauben, die Mehrheit der PirateBay Nutzer sind wirklich sowas wie „Aktivisten“, die nur aufwachen müssen ist naiv . Die Mehrheit wollte einfach nur kostenlos und unkompliziert den neues Blockbuster haben…

    1. Also dann muss ich wohl zur Alten Garde der Raubmordkopierer gehören. Für mich war es immer ein Zwischending. Bin durch Filesharing auch erst so richtig zum Skeptiker geworden. Politik hat mich da wenig interessiert bis es zu den ersten Abzockwellen und Schließungen kam.

      Ist mir eine Firma oder deutsche Institution in die Quere gekommen (ganz schönes Beispiel FSK, USK, BPjM, Steam, EA, Microsoft usw.) dann hat mich das immer stutzig gemacht. Wieso Inhalte hier und da legal vertrieben werden und auf den einschlägigen Portalen (wohlgemerkt die OFFENEN, jederman, jederzeit zugänglichen) sind dann plötzlich illegal weil die Raubrittervereinigungen keinen Cent davon haben (nicht auf direktem Weg versteht sich). Das es Geld für Uploader gibt wenn Tausende da eine Datei bei Rapid, Mega oder sonst wo downloaden ist auch eine nette Geschichte, die fast ein Jahrzehnt ignoriert wurde (als DSL das Flatratezeitalter begründete) weil man sich mit Torrent und sonstigem (Emule, Kazaa, Freenet, Napster usw.) rumgeprügelt hat.

      Außerdem ist das mit den Blockbustern auch so eine Geschichte. Die Landen bei anspruchsvolleren Leuten nicht einmal auf der Ignore Liste weil solcher Hollywood-trash einfach nicht die Zeit wert ist.
      Es liegt also ganz allein bei den Urhebern (oder deren Inhabern) wie sich die breite geizige Masse die Blockbuster besorgt. Solche Vereinigungen wie die GVU und andere Lobbysöldner in Spee krakelen ja auch jeden Tag, dass alles gut wäre wenn man sein hart verdientes den Medienfirmen in den Rachen werfen würde. Ja sicher. Torrent konnte vor einem Jahrzehnt was heute nur mit dicken Kabeln und wahnsinniger Infrastruktur möglich wird. Statt das Potenzial zu nutzen wurde die Technik abermals verteufelt weil man sie ja nicht unter das Monopol bringen konnte. Jetzt bauen die Internetkonzerne und deren Kunden an einem Einbahnnetz zugunsten der „Inhalteanbieter“ und „Kreativen“ wo jeder zigfach mehr Empfangen kann aber im Vergleich verschwindend wenig Senden darf.

      Eins noch: Wir leben in einer Welt in der unlängst der Markt das Angebot sowie Nachfrage diktiert bzw. es sich anmaßt. Anstatt sich und sein Unternehmen anzupassen werden lieber ein paar Milliönchen an der richtigen Stelle als Hebel eingesetzt um ja nicht „zu stark“ auf veränderte Bedürfnisse zu reagieren.
      Die Probleme des Urheberrechts (und nicht nur dort) sind selbst gemacht und werden mit jeder Verzögerung sowie teschnologischen Veränderung nur noch schlimmer. Deshalb: keine Freibriefe für die Wirtschaft in Form von Gesetzen, die die Gesellschaft als ganzes Betreffen. Looking at you >_> CETA, TTIP

      Natürlich ist die breite Masse kein Haufen „Schläfer“ weder bei Piratebay noch sonst wo. Man liest empört die Überschrift, denkt sich seinen Senf wenn man schon mal eine Meinung hatte und geht dann seiner Haupttätigkeit nach weil man ja sowieso nicht kreativ genug ist um es mit irgendwem auch immer aufzunehmen. (Hört sich für mich nach falscher Erziehung an statt Naivität – massenhaft weichgeklopfte Toleranzmenschen aka Duckmäuser)

  7. Ach herrje, jetzt jammert der auch noch rum,anstatt mal was produktives anstatt destruktives zu machen. Schädigt Millionen von kleinen Rechtinhabern, und heult sich im Knast dann bei seiner Hanni und Nanni Naivchen Reda aus, die dann doch tatsächlich empört zu berichten weiß, in schwedischen Knästen gibt es nur Filterkaffee ! Echte ZUmutung, ZUstände wie in Nordkorea! Ich frag mich, wieso der auf Bewährung frei kommen konnte, ist da nicht soetwas wie Einsicht des Fehlverhaltens notwendig?

    1. Hast du die Quellen und Belege für die enstandenen Schäden (bei den kleinen Rechteinhabern)? Meines Wissens nach waren zum Auftakt von Piratebay zig andere Tracker und Indexer auf dem Vormarsch. Es gab zig andere Inhalteanbieter in den damaligen Grauzonen. Wenn schon denn schon müsste eigentlich die halbe Filesharinggemeinde Entschädigungen für „entgangene Einnahmen“ oder geschönigt „entfallene Verkäufe“ (die sich NIE UND NIMMER belegen lassen) zahlen. Am besten zahlen wir Europäer gleich eine Kulturpauschale an die großen Studios und Platenfirmen, dazu noch Gerätepauschalen für die nächsten 20 Jahre im voraus und gehen noch ordentlich Blut spenden um denen dann den Check auszuhändigen für den Schweiss und die harte Arbeit, die wir durch unser kulturzerstörendes Teilen verursacht haben…
      Denn ohne Geld keine Kultur. Ohne Kapital keine Kreativität. Die Weltformel der Unterhaltungsindustrie.

      Aber egal. Ich mein ich könnte ja jetzt auch nochmal über den Uli herziehen (wenn der dir lieber ist als Sundee) wie schwer seine unterbrochene Haftzeit für ihn wohl war. Ist ja auch ein Macher und so. Zumindest können nun beide sagen: Wir waren quasi im Knast und so.

  8. Diese Diskussion über potenzielle Schäden oder nicht ist einfach absurd. Ist bisschen so wie „Klar hab ich dir eine verpasst. Aber mal ehrlich, hat doch gar nicht weh getan oder?“.

    Nur weil sich das nicht sofort in den Jahreszahlen spiegelt, macht es das nicht weniger falsch. Du guckst etwas, für was du hättest bezahlen müssen. Schluss aus. Du holst dir etwas gratis, was es nicht gratis gibt.

    Hört auf, euch in die eigene Faust zu lügen. Ihr könnt das drehen und wenden wie ihr wollt, mit verweisen auf fehlenden entstandenen Schaden, mit verweisen auf Streaming ist kein Download etc. Schon krank, wie sich die Leute winden, um weiter in Ihrem Selbstbedienungsladen leben zu können.

    Und das beste Argument, das wir in den letzten Jahren immer wieder gehört haben: es gibt keine neuen Geschäftsmodelle, die Nachfrage der Verbraucher wird nicht bedient (ja und deshalb dürfen wir uns das Zeug illegal holen :D). Das ist mittlerweile auch vom Tisch, denn es gibt genügend legale Angebote. Die mögen nicht so vollständig sein, aber das Leben ist eben kein Ponyhof.

    Krass finde ich dann, wie man sich auch noch beschweren kann, dass jetzt alles über die großen Firmen online läuft. Genau das hattet ihr doch über Jahre gefordert! Jetzt gibt es die neuen Businessmodelle! Über Spotify, Watchever, Netflix und Amazon könnt ihr tonnen an Musik und Videos bekommen und selbst eine E-Booksflatrate gibt’s mittlerweile.

    Wie viel die Rechteinhaber da bei den Ramschpreisen von Spotify abbekommen, sei mal dahingestellt. Aber dann tut ihnen doch wenigstens den Gefallen und bezahlt wenigstens diesen Hungerlohn, anstatt euch weiter aus „alternativen Quellen“ zu bedienen.

    1. Bitte. Niemand zwingt die Leute, weder hier noch da was zu kaufen oder ihre Zeit mit dem Suchen nach Inhalten zu verschwenden. Oh wait. Doch das tut man. Rundfunkdemokratieabgabe und Gerätepauschale. Depublikation. Kopierschutz und DRM. Abmahnwahnsinn. Störerhaftung. Bis zu füfn Jahre Haft für etwas vergleichbares mit Steuerhinterziehung (während es für eine ganz bestimmte Bevölkerungsschicht beinahe Steuerfreiheit per Gesetz gibt). Ständige Lizenznehmergebühren. Regionale Blockaden durch eben solche Lizenzen. Blutsauger wie die GEMA und VGxyz. Die Verlängerung des Urheberschutzes nach dem Tod bishin zu absurden Zeiträumen. Urheberrecht = Umsatzgarantie statt Schutzfunktion oder wie so oft behauptet Innovationsfördernd… LOL

      Ich könnte den ganzen Tag weiter machen und die Verlogenheit beider Seiten hinstellen. Aber wozu? Ändern wird sich dadurch nicht viel. Ich nutze bereits seit vielen Jahren legale Anbieter und muss trotz allem ständig mit Gängelungen zurecht kommen. Dank des Internets gibt es wenigstens Alternativen. Oder denkst du, die Streamingflatratemafia (Musik, Film, Buch) würde sich gegenseitig in die Suppe spucken? Das hat mit Wetbewerb und Innovation nichts zu tun wenn die Preise an anderer Stelle festgelegt werden.

      Gruß an alle Nichtraubmordkopierer

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