DesinformationWie die Fanboys von Elon Musk versuchen, Mastodon zu diskreditieren

Ein irreführender Blogartikel über Mastodon geht derzeit bei Elon Musks Fanboys und in rechten Kreisen viral – zuletzt auch in einer Publikation des Ex-Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt. Es handelt sich um Desinformation mit einer Art Mastodon-Pizzagate, die sich perfekt in die Verschwörungsideologie von QAnon einreiht. Ein Kommentar.

Käse bildet Fäden auf einer Pizza
Die Hoffnung ist vermutlich, dass irgendwas hängenbleibt. (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Pablo Pacheco

Unter Fans von Elon Musk sowie rechten und rechtsradikalen Kreisen kursiert derzeit ein Artikel, in dem behauptet wird, dass Mastodon eine Plattform sei, die von Pädophilen dominiert würde und auf der die Mehrheit der Inhalte dementsprechend sei. Der Artikel des Blogs Secjuice vom November stützt sich auf ein Ereignis aus dem Jahr 2017, als einige japanische Mastodon-Instanzen gegründet wurden, auf denen sexualisierte Zeichnungen von Kindern gepostet und toleriert wurden. Das ist tatsächlich passiert. Die japanischen Instanzen waren vergleichsweise groß im damals noch kleinen Fediverse – doch sie wurden sehr bald von der (westlichen) Fediverse-Community blockiert.

Das kommt im Artikel jedoch nicht vor, stattdessen suggeriert er, dass Mastodon heute „eine Social-Media-Plattform“ sei, auf der solche Inhalte weiterhin die Mehrheit der Postings stellen würden. Man würde diese Inhalte als Nutzer:in nur nicht sehen, weil der Mastodon-Entwickler Eugen Rochko quasi deswegen die Suchfunktion verhindert habe. Und nun seien wir alle im bösen „Pedoverse“ unterwegs – ohne es zu wissen.

Ein Pizzagate für Mastodon

Die Desinformation bei Secjuice ist recht gut gemacht: Der Artikel gibt sich einen investigativen Anstrich, es gibt viele Links, angebliche Belege und Screenshots. Alles erscheint irgendwie schlüssig, wenn man zu schnell liest. Oder einfach nur Titel und Teaser gesehen hat, ohne zu lesen. Der Artikel konstruiert damit eine Art Pizzagate für Mastodon und fügt sich ganz wunderbar in die QAnon-Verschwörungsideologie ein, in der progressive gesellschaftliche Kräfte mit Kindesmissbrauch in einen Topf geworfen werden.

Nun hat dieser englischsprachige Blog-Artikel, dessen Autor auch schon zuvor gegen Mastodon angeschrieben hat und in seinen Artikeln immer kumpelhaft vom „Elon“ redet, gleich mehrere Schwächen: Er vermengt Vergangenheit und Gegenwart unter Weglassung von Ereignissen in der Vergangenheit. Eine klassische Methode der Desinformation, in der man alte Geschichten falsch darstellt und so tut, als seien sie aktuell. Weitere Mittel der Desinformation im Artikel sind die irreführende Wiedergabe der zugrundeliegenden Technik im Fediverse, der Verantwortlichkeiten bei frei verfügbarer Software sowie die Unterschlagung der Moderationsmechaniken und der tatsächlichen Moderationspraxis im Fediverse.

Mit in Haft genommen

Mastodon ist eine frei verfügbare, quelloffene Software, die jede:r herunterladen und benutzen kann. Weder die Mastodon gGmbH noch beteiligte Entwickler:innen und erst recht nicht irgendwelche Instanzen haben einen Einfluss darauf, wer sich die Software herunterlädt, installiert und irgendwo auf einem Server im Internet zum Laufen bringt.

Es liegt nicht in der Hand von Entwicklern einer quelloffenen (Social Media) Software, wie sie später genutzt wird oder welche Inhalte Menschen auf ihren Servern teilen. Hierfür also Mastodon in Haftung nehmen zu wollen, ist vor allem eines: Bullshit. Die Durchsetzung von Recht und Gesetz oder selbst Regeln des guten Geschmacks und Umgangs miteinander kann gar nicht bei den Entwickler:innen einer frei verfügbaren Software liegen, sondern bei den Polizeien der jeweiligen Rechtsprechung, die gegen eine kriminelle Nutzung vorgehen müssen, sobald ihnen diese bekannt wird, und bei den Admins der Instanzen.

Außerdem kommt hinzu, dass Mastodon eine Software ist, die man an ein dezentrales soziales Netzwerk, das Fediverse, anschließen kann. Im Fediverse kann man unterschiedliche Software nutzen, die teilweise über ein gemeinsames Protokoll miteinander sprechen können. Und im Fediverse bestimmen alle Instanzen selbst, ob sie überhaupt mit anderen Instanzen sprechen wollen und welche anderen Instanzen bei ihnen in welcher Form angezeigt werden und welche nicht. Man hat es also nicht mit einer zentralen Plattform zu tun, auf der ein Elon Musk auf Zuruf irgendwelche Accounts sperren kann, sondern mit vielen Mitspielern, welche die Inhalte moderieren und Instanzen „deförderieren“ können, also ausschließen oder auch schwerer sichtbar machen. Und das passiert auch.

Transparente Listen, welche Instanzen blockiert werden

Eine gut gepflegte Instanz im Fediverse zeigt transparent eine Liste mit den Instanzen an, die sie blockiert hat und nennt auch die Gründe dafür, wie man am Beispiel von Mastodon.social oder chaos.social sehen kann. Instanzen-Admins tauschen sich auch darüber aus, welche Instanzen sie blockieren, und halten diese Listen aktuell. Die 2017 blockierte japanische Instanz Pawoo ist heute beispielsweise immer noch in den Blocklisten. Auch werden oft zusätzlich solche Server ausgesperrt, die solche Instanzen nicht blockieren. Es gibt also ein funktionierendes System der Moderation, das diese Probleme auf dem Schirm hat. Netzpolitik.org hat eine umfassende Sammlung von hunderten Instanz-Blocklisten einsehen können, aus der genau das hervorgeht.

Der Großteil der Community moderiert zudem auch andere menschenverachtende Haltungen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie und Transphobie und blockiert Instanzen, die nicht aktiv gegen diese Inhalte vorgehen. Deswegen haben auch rechtsradikale Mastodon-Projekte wie Gab.ai in der Community keine Chance und verkümmern isoliert vor sich hin. Hier liegt also in der Tat die Verantwortung der jeweiligen Instanzen, dass sie bestimmte Communities im Fediverse abklemmen, sobald sie Kenntnis darüber erlangen. Und das tun sie auch.

Eine weitere Aufgabe, die bei den Entwickler:innen und der Mastodon-Community liegt, ist zudem der Ausschluss solcher Instanzen aus Listen verfügbarer Instanzen, wie sie bei joinmastodon.org oder woanders gepflegt werden. Auch hier wird zunehmend darauf geachtet, wie erste gemeinsame Regeln zeigen.

Faktenbefreite Fanboys

Für faktenbefreite Fanboys von Musk, Verschwörungsideologen und rechte Akteure ist der Artikel von Secjuice ein gefundenes Fressen, können sie doch so die angeblich „Woken“ und deren neues digitales Zuhause diskreditieren.

So auch Julian Reichelt, der ehemalige Bild-Chefredakteur: Er hat das Thema auf seiner Kampagnenseite aufgegriffen und dreht die nicht-haltbare Geschichte sogar noch weiter gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und insbesondere Jan Böhmermann und Georg Restle. Die beiden in rechten Kreisen verhassten Medienvertreter hatten einen Umzug zu Mastodon in letzter Zeit intensiv beworben. Daraus strickt Reichelts Seite nun eine Art Komplizenschaft mit kriminellen Inhalten und endet mit dem unglaublichen Satz, dass die beiden unliebsame Meinungen offenbar schwerer ertragen würden „als das“. Ganz im Stile der QAnon-Ideologie.

Den Betreibern rechter Desinformation ist offenbar jedes Mittel recht.

Anmerkung der Redaktion:
Wir haben weder den besprochenen Blogartikel noch Reichelts Kampagnenseite verlinkt, weil wir diese Publikationen nicht noch mit mehr Aufmerksamkeit füttern wollen. Wer sich dafür interessiert, konsultiere eine Suchmaschine. Dass wir überhaupt über dieses Thema schreiben, war eine Abwägung zwischen der Aufmerksamkeit, die man damit den Verbreitern von Desinformation gibt, und dem starken Umsichgreifen dieser falschen Darstellung, die unserer Meinung nach eingeordnet und debunked werden sollte, weil sie schon so weit verbreitet ist.

29 Ergänzungen

  1. bitte den folgenden Satz im 7ten Absatz korrigieren.

    Original:
    „Und im Fediverse bestimmen alle Instanzen selbst, ob sie überhaupt mit anderen Instanzen sprechen wollen und welche anderen Instanzen bei ihnen angezeigt in welcher Form werden und welche nicht.“

    Geändert:
    „Und im Fediverse bestimmen alle Instanzen selbst, ob sie überhaupt mit anderen Instanzen sprechen wollen und welche anderen Instanzen in welcher Form bei ihnen angezeigt werden.“

  2. >> Ein irreführender Blogartikel über Mastodon geht derzeit bei Elon Musks Fanboys und in rechten Kreisen viral … <<

    Warum sollte dieser Müll mich interessieren? Musk hat sich selbst längst obsolet gemacht. Was aus dieser Ecke kommt interessiert nicht mehr. Man sollte keine Hilfestellung zur Verbreitung von Schwachsinn geben, und journalistische Ressourcen nicht verschwenden.

    1. Ähnliches haben wir auch überlegt in der Redaktion. Und jede Aufmerksamkeit kann verstärkend wirken. Auf der anderen Seite hast Du eben das Problem, dass sich einmal verbreitete Desinformation festsetzen kann. In diesem Fall haben wir abgewogen und entschieden, dass wir das nicht so stehen lassen wollen.

      1. >> In diesem Fall haben wir abgewogen und entschieden, dass wir das nicht so stehen lassen wollen. <<
        Immerhin.

        Und ja, der Disclaimer unter dem Artikel ist (nur dann) notwendig, wenn man ihn auch publiziert. Der Artikel selbst hingegen war nicht notwendig. Sicher kann man darüber streiten und ja, Redaktionskonferenz soll hoffentlich kontrovers sein.

        Am Ende jedoch ist Verantwortung gefragt, und nicht eine wie auch immer gerechtfertigte Teilhabe an der Aufmerksamkeits- und Empörungs-Ökonomie zum Jahresende. Welche Art von skurrilem "Entertainment" sollte damit bedient werden?

        Manchmal ist es besser, Unbedeutsames – vorläufig – einfach zu ertragen. Dass ich mich aufgeschwungen habe, überhaupt darauf zu reagieren ist, dass dies doch nicht ganz so einfach ist. ;)

        1. Ich denke nicht, dass wir uns den Schuh anziehen müssen, den du mit der „Teilhabe an der Aufmerksamkeits- und Empörungsökonomie“ und irgendeinem skurrilen Entertainment meinst. Wenn Du an die „Verantwortung“ appellierst, haben wir die eben anders erkannt: nämlich darin, dagegen anzuschreiben, wenn sich etwas festzusetzen droht, so dass es quasi kleben bleibt an Mastodon wie ein alter Kaugummi. Dass du es als unbedeutsam einschätzt, ist ja okay, haben wir eben anders gesehen.

          1. Seid ihr sicher, dass ihr da nicht mit etwas getriggert wurdet, das nicht wirklich relevant ist?

            Ist es tatsächlich relevant, was irgend ein englischsprachiges Blog im November über Mastodon schrieb und ob sich das ein Herr Reichelt in irgend einer Form zu Eigen gemacht hat?

          2. Nach meiner Beobachtung hat Reichelt das nur aufgegriffen, weil es schon sehr stark die Runde machte am Tag davor. Noch zusätzlich verbreitet hat er es dann. Ob der eigentliche Beitrag als solcher irgendwie relevant ist, würde ich nicht trennen wollen von der Frage, wieviele Leute den wahrnehmen und kommentieren, vor allem über Telegram und Twitter.
            Ich bezweifle allerdings, dass viele ihn wirklich gelesen haben (auch wegen der Sprachbarriere), denn die Mehrzahl der Kommentare bezogen sich nur auf den Titel und nur minimal auf spezifische Inhalte des Textes. Es blieb einfach andauernd bei „Mastodon ist was für Pädophile“. Man kann das natürlich als abwegigen Unsinn abtun, aber das wirkte auf mich wie eine massenhafte Diskreditierung, die wegen der stark negativen Konnotation schon sehr abschreckend wirkt auf Leute, die es noch nie ausprobiert haben, es aber vielleicht grad erwägen.

            Aber offenbar scheint es mehrere Leser zu geben, die das unterhalb ihrer Relevanzschwelle sahen. Ist ja nicht verkehrt, das zu wissen.

        2. Mir gibt der Artikel Argumente an die Hand, wenn mal wieder jemand von meiner Verwandtschaft auf Desinformationen reinfällt und ich argumentativ dagegenhalten muss. Man will sein Umfeld schließlich nicht an den Sumpf von QAnon verlieren.

          Was auch immer für Dich persönlich keine Relevanz hat, kann bei Anderen, wie mir, schon wieder völlig anders aussehen. Bedenke das bitte mit.

          1. Ok, ich benutze absichtlich kein Twitter oder andere algorithmisch kuratierte soziale Medien, weil ich weiß, wie einfach mich ein auf Aufmerksamkeit angelegter Algorithmus mit beliebigen Themen triggern kann, die mich normalerweise nie erreichen würden, weil sie nicht relevant sind. Ich denke, dass die Bildungs-Bubble immer noch gehörig unterschätzt, was Twitter mit ihnen macht. Wenn man einen Algorithmus die sozialen Interaktionen sortieren lässt, dann entsteht eine Welt/Wahrheit die nicht existiert aber von den Teilnehmern nicht als solche erkannt werden kann. Wie soll mich mein Gegenüber in einem sozialen Netzwerk realistisch einschätzen können, wenn er immer nur die Beiträge sieht, die viel Aufmerksamkeit bekommen. Wenn er mich nicht zufällig im real Life kennt, wird er ein falsches Bild meiner Person/Kompetenzen bekommen und wird dann zwangsläufig irgendwann sehr dumme Dinge tun. Herr Musk führt es m.E. gerade sehr schön, vor, welche Konsequenzen so eine verschobene Weltsicht haben kann.

        3. Was du vorschlägst ist „wegschauen“.

          Das bringt nichts.

          Man hat auch 1933 weggeschaut, auch in den Jahren danach.
          Das Endergebnis it allgemein bekannt.

  3. Danke für den Artikel!

    Nur den folgenden Satz halte ich für nicht optimal formuliert, wenn nicht gar falsch: „Außerdem kommt hinzu, dass Mastodon eine Software ist, die man an ein dezentrales soziales Netzwerk, das Fediverse, anschließen kann. “
    Das suggeriert, dass ein Mastodon-Server sich aktiv mit Servern, auf denen andere Fediverse-Software läuft, verbinden müsste. Die Server verbinden sich jedoch (potentiell) alle über das gemeinsame Protokoll („Activity-Pub“) und ein Server müsste aktiv alle Server blocken, die andere Software als Mastodon nutzen, wenn er nur mit Mastodon-Servern kommunizieren möchte.
    Das wird auch aus Perspektive von (neuen) Mastodon-Usern oft missverstanden, die denken, sie müssten irgendetwas aktiv tun, um sich mit Usern anderer Fediverse-Diensten wie Friendica, Misskey, Pleroma usw. zu verbinden. Sie müssen jedoch gar nix tun, sie sind Teil des Fediverse.

    1. Naja, das suggeriert es eigentlich gar nicht, und was Du schreibst, ist so auch nicht ganz korrekt. Im Fediverse nutzen ja nicht alle Activity-Pub, ich darf da an Diaspora erinnern.

      1. Das stimmt und ist sehr schade, dass Diaspora nur über Friendica und Hubzilla verbunden ist. Aber *die* Diskussion wollte ich jetzt gar nicht aufmachen. Also korrekter: der überwiegende Teil der Fediverse-Software spricht (nur oder auch) Aktivity-Pub. Unter anderem hier kann nach Software gefiltert werden: https://fediverse.party/en/miscellaneous/
        Außenstehende (ohne oder mit wenig Fediverse-Erfahrung) hören und lesen jedoch gerade in letzter Zeit sehr oft den (irreführenden) Begriff „Mastodon-Netzwerk“.
        Der Satz „dass Mastodon eine Software ist, die man an ein dezentrales soziales Netzwerk, das Fediverse, anschließen kann“ suggeriert für mich, dass man es an „das Fediverse“ anschließen *kann* (aber eben nicht muss). Sicher gibt es auch Server, die sich gar nicht mit anderen Servern verbinden, sondern z.B. schul-, vereins- oder betriebsintern genutzt werden, aber das ist ja m.W. eher ein Sonderfall.
        Fast alle Mastodon-Server sind mit dem Fediverse verbunden und sie sind dann eben nicht nur mit anderen Mastodon-Servern verbunden, sondern genauso mit den vielen anderen Servern, die eine andere Activity-Pub-Software fahren. Wenn sie mit einzelnen von denen nicht verbunden sein möchten, müssen sie dann die jeweiligen Server aktiv blocken. Dementsprechend sind auf den im Artikel verlinkten Blocklisten von Mastodon-Instanzen sind ja auch nicht nur Mastodon-Server aufgeführt, die geblockt werden, sondern auch einige u.a. Misskey- und Pleroma-Server.

        Warum ich diese Unterscheidung relevant finde, aus User-Sicht: Im Fediverse kommen gerade ganz viele neue Menschen und Institutionen an und die überwiegende Mehrheit startet mit einem Mastodon-Account (i.d.R. weil sie die anderen Dienste vorab gar nicht kennen). Sie denken dann meist, dass sie auch nur mit anderen Mastodon-Usern kommunizieren und denken z.T. Mastodon = Fediverse. Dann erfahren sie zum Teil, dass es auch andere Zugänge zum Fediverse gibt wie Friendica, Misskey oder Pixelfed, verstehen aber oft nicht, dass sie in öffentlichen Beiträgen mit diesen Usern auch automatisch kommunizieren. Sie erkennen das Potential gar nicht, dass sie mit ihrem Mastodon-Account Teil von etwas viel Größeren, dem Fediverse sind.
        Ein anderes Narrativ ist ja, Mastodon bzw. das Fediverse sei so „kompliziert“ (im Vergleich zu Twitter). Ziemlich oft kommen von Neuinsteiger*innen nun Fragen: Was muss ich jetzt tun, um mich mit Friendica /Peertube usw. zu verbinden ? An der Stelle ist es eben viel einfacher: einfach austauschen und kommunizieren… Es ist nicht möglich, dass Facebook-, Twitter- und Instagram-User Inhalte austauschen, aber im Fediverse ist das möglich und unter anderem das ist das Schöne :-)

  4. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Mastodon in irgendeinen konstruierten Skandal verwickelt wird.

    Bin mal gespannt, was denen als nächstes einfällt. Eine netzpolitik.org-Instanz als erster Ansprechpartner für illegales Filesharing? Wer open source mag, der will ja nie für Produkte zahlen.

  5. Ich beobachte seit Jahren, daß sich Kommerz, Monopolismus, Datenkapitalismus immer mehr im Netz ausbreitet.
    Ich weiß noch genau, wie es die ersten Jahre war.

    Constanze hatte mit der FAZ am 14.07.2021 einen „Quarterly Talk“:
    „Muss man Facebook & Co zerschlagen?“:
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/quartlerly-talk-04-17437308.html

    Und ZDF-Prof. Lesch brachte es bereits zwei Jahre früher, am 4.6.2019, „auf den Punkt“:

    https://rodlzdf-a.akamaihd.net/none/zdf/19/06/190604_uebrigens_afo/5/190604_uebrigens_afo_776k_p11v14.mp4
    (Akamai Technologies, Inc. ist – leider – auch ein US-Unternehmen.)

    Der „Zirkus“, den wir z.Z. bei Twitter beobachten: Er passt durchaus ins Bild.

    Danke für den Beitrag!

    1. Danke für den (für mich) wertvollen Kommentar mit den Links. Tatsächlich bringt es Lesch gut auf den Punkt. Rückblickend würde ich ihm jetzt da voll zustimmen, damals wäre ich da noch optimistisch gewesen.

      1. Im Vergleich stimme ich zu, allerdings geht meiner Meinung Nach der Mensch zu weit,mit „die Guten“. Für die Kürze des Beitrags angebracht, leider sehen wir eben auch mehr als Tendenzen, „das gleiche in Grün“ von Regierungsseite her zu veranstalten.

  6. Man mag sich gar nicht ausdenken an wie vielen dubiosen Inhalten Windows, Linux und macOS maßgeblich beteiligt sind. Ohne bestimmte Funktionen und enthaltener Tools wäre es viel schwerer, solche Inhalte zu erstellen, aufzubereiten und zu verteilen. Und da Bill Gates ja Kinderblut trinkt, schließt sich der Kreis wieder. Welches OS nutzen Querdenker eigentlich? Windows muss ja des Teufels sein und da MS mittlerweile auch bei Linux mitmischt, kann es ja auch keine Option sein. Apple ist verhasst wegen angeblicher Zensur. Kaufen sie etwa alle das altehrwürdige BeOS bei QVC?

    1. Nö.

      Die bedienen sich dennoch Windows & Co.

      Ist dasselbe wie mit den Reichsbürgerstaatsfeinden:

      Wenn du dich mit so einem unterhältst, dann lärmt er wie bekloppt, und er zeigt dir auch voller Stolz seinen Reichsausweis.
      Kommt allerdings so einer in ne Kontrolle und ein Polizist will seinen Ausweis sehen, also den PERSONALAUSWEIS, dann zeigt ihn dieser ganz kleinlaut der Polizei.

      Die sind nur groß im Lärmen, wenn sie nicht gerade Munition und C4 klauen.

  7. Ich habe ja noch nie verstanden, was die Leute an Musk überhaupt finden. Hinter der Maske des superreichen Playboys und Memelords verbirgt sich, wie in der jüngsten Vergangenheit immer wieder gezeigt, eine Person, bei der ich auf meiner persönlichen Checkliste für Narzissten ein Häkchen nach dem anderen setzen kann. Mich erinnert er in vielen Dingen an den Charakter „Handsome Jack“ aus den „Borderlands“-Spielen – ein megareicher, machthungriger Psychopath mit einem „Heldenkomplex“ an der Spitze eines Megakonzerns, der sich selbst unglaublich geil findet und mit seinem Charisma und flapsigen Sprüchen die Leute gern mal vergessen lässt, über wie viele Leichen er geht. Andererseits würde es mich nicht wundern, wenn diverse Leute Musk genau deshalb so aus der Hand fressen, weil sie dieselben Parallelen sehen. Dennoch erstaunt mich, welches Muster sich im Umgang des „gemeinen Volks“ mit Superreichen abzeichnet: Die Leute verteufeln Philanthropen wie Bill Gates und George Soros und vergöttern Narzissten und Psychopathen wie Elon Musk und Donald Trump.

    Aber zum eigentlichen Thema: Die Logik, mit welcher Mastodon hier diffamiert werden soll, ließe sich beliebig weiterspinnen: „KP-Portale bauen ihre Websites mit HTML – HTML ist ein Tool für Pädophile! Die betreiben ihre KP-Seiten im Internet – das Internet ist ein Pädonet! Die benutzen dafür Computer – Computernutzer sind pädophil!…“ Ich weiß nicht, wer erbärmlicher ist: Die Leute, die solche Aussagen in die Welt setzen, oder die Leute, die sie glauben. „Wer ist der größere Tor… ?“ und all das. Es zeigt aber, wie viele Menschen bereit sind, einfach nur zu glauben, was sie glauben wollen – Confirmation Bias in seinen übelsten Ausprägungen.

    Im Übrigen finde ich es immer allerhand, wenn Leute, die sich über irgendwelche Loli-/Shotacon-Hentai aufregen und daraus eine „Pedoverse“-Verschwörungstheorie spinnen, vornehmlich aus dem rechten bzw. rechts„konservativen“ Spektrum kommen, wo Leute sich dafür feiern, dass sie zehnjährige Vergewaltigungsopfer dazu zwingen, die Kinder ihrer Vergewaltiger auszutragen und zu gebären; und wo der Anteil an Mitgliedern der katholischen Kirche besonders groß ist – dort wurde/wird Sex mit Kindern „nur“ *praktiziert*, aber nicht *gezeichnet*. Ich sehe darin freilich keinen Widerspruch, sondern einen Kausalzusammenhang: Gerade, weil die katholische Kirche und mit ihr die Religion, die in diesen Kreisen immer noch eine zentrale Rolle spielt, von den Missbrauchsskandalen erschüttert ist und die dadurch entstandene kognitive Dissonanz bei vielen Gläubigen Abwehrhaltungen hervorruft, klammern sie sich an jede Gelegenheit, auf andere zu zeigen, die sie finden können. Und wenn man damit noch den politischen Gegner diskreditieren kann, umso besser – denn was wäre dafür geeigneter als Kindesmissbrauch? Fragt mal die EU-Kommission…

    1. „Die Leute verteufeln Philanthropen wie Bill Gates und George Soros und vergöttern Narzissten und Psychopathen wie Elon Musk und Donald Trump.“

      Philantropen zu verteufeln ist eigentlich völlig ok. In der Regel steht die philantropische Betätigung in keinem Verhältnis zur wirtschafltichen Aktivität und dem bereits angerichteten Schaden. Zudem ist das dann i.d.R. wieder Cherrypicking, also von Gnaden des jew. Adels, lustige Projekte mit PR-Wirkung, oftmals profitabel betrieben. Sind letztlich falsche Prinzipien. Hätte ich so viel Möglichkeiten, wäre ich auch Philantrop, man sollte allerdings bedenken, was auf dem Weg dahin i.d.R. so passiert ist, und wie es im Verhältnis steht.

      Elon Musk ist eine andere Kategorie als Donald Trump. Elon Musk hat wohl Asperger, Donald Trump eine Steuererklärung, für eine Kurzfassung. Das amerikanische System mit dessen Menschen drinnen kommt noch hinzu. Bill Gates z.B. hat mit Microsoft ohne weiteres im Bereich der effektiven Psychopathie gespielt – nicht so sehr selbst als Lautsprecher, wohl aber durch die Handlungen seines damaligen Unternehmens – der Schaden bedeutet vielleicht irgendwo zwischen 15 bis 150 Jahre Rückstand in der IT-Entwicklung weltweit, alleine für „Wintel“, nur um ein paar Zufallszahlen zu nennen. Bill Gates philantropischer Tätigkeit hängt ein klein wenig das Profitargument an – sollte das stimmen, ist das eben nicht Philantropie, sondern ein Business, wie Musk es auch fährt, selbst wenn es eine Stiftung ist. Ambivalentes kann man auch bei Soros sehen, „Mit Währungen spielen“, wenn auch die „philantropische Tätigkeit“ zeitlich bereits lang anhält und durchaus voluminös zu nennen ist. Auch hier gibt es strategische Investments in Dissidenten und Bewegungen anderer Länder inkl. Ukraine, hier mal wer wertungsfrei. So ein Wikipedia-Artikel liest sich ja nicht schlecht, da viele sinnvolle Vorhaben und Einschätzungen seinerseits über die letzten Jahrzehnte hinweg zu bemerken sind (Volumen, Anteile, Unerwähntes, Gesamtheit kann ich da natürlich nicht auf die Schnelle ablesen und beurteilen).

      Vielleicht haben Sie dort Recht, wenn Sie sagen, dass viele Menschen Narzissten und Psychopathen für spezifisches Verhalten und ihren Erfolg (damit?) über Gebühr feiern. Philantropen einfach mal als Gegenmodell hinzustellen, funktioniert logisch gegenüber einem konzeptionellem Kaputtmacher wie Trump, zumindest plakativ im Sinne von „Freund und Feind von…“, verfängt aber nur auf der Bedeutungsebene der Wortbestandteile, bedeutet also letzlich in eine ähnliche Falle zu staksen, wie man bei „den Menschen“ bzgl. Narzissten und Psychopathen zu sehen meinen könnte.

  8. Vielen Dank für diesen Artikel! Tatsächlich ist mir “diese Geschichte” erst vor kurzem begegnet. Wobei die Person, die mir von entsprechenden Inhalten auf Mastodon erzählt hat (und davon abgeschreckt war), möglicherweise sogar tatsächlich 2017 aufgrund eines Interesses an japanischer Kunst auf der entsprechenden Instanz gelandet sein könnte. In dem Fall war es der erste Eindruck, und der ist leider geblieben und wird dann wahrscheinlich durch so eine Kampagne bestätigt und verfestigt.

    Natürlich ist die Abwägung, einer solchen Sache Aufmerksamkeit zu schenken wichtig. Aber was da passiert ist oft sehr intelligent aufgesetzt, und da ist die Aufklärung und Einordnung essenziell. Besagte Person unterstützt ohne es zu wissen, und ohne böse Absicht diese Kampagne. Insofern schade, dass es Euren Artikel nur auf Deutsch gibt (aber ich werde mal schauen, ob es was englischsprachiges dazu gibt).

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