Umzug zu MastodonSo schwer ist es nun auch nicht

Der Hype um das Netzwerk Mastodon hält an, seit Elon Musk Twitter gekauft und große Teile der Belegschaft gefeuert hat. Neulinge tun sich bei den ersten Schritten teils schwer. Wir stellen Werkzeuge vor und geben Tipps, wie der Einstieg gelingen kann.

So stellt sich eine Künstliche Intelligenz den aktuellen Zustand der Büros bei Twitter vor. (Symbolbild) – Diffusion Bee

Seit Elon Musk Ende Oktober Twitter gekauft hat, ist die Unzufriedenheit groß. Jeden Tag kündigen Teile der verbliebenen Belegschaft und fallen wichtige Twitter-Teams auseinander. Aus Überzeugung bei der implodierenden Musk-Plattform bleiben, das wollen nur noch wenige. Und selbst die, die bleiben wollen, fürchten längst, dass die Plattform bald kollabiert.

Die Anzahl der Menschen, die seit der Übernahme das als Twitter-Alternative gepriesene Mastodon ausprobieren wollen, steigt derzeit mit jedem Tag. Was anfangs wie ein kurzer Aufwind aussah, hält nun länger an als erwartet. Und lässt die Betreiber der einzelnen Instanzen schwitzen, denn millionenfache Nutzung war bisher nicht unbedingt im Fokus. Wer noch gar nicht weiß, was sich hinter Mastodon verbirgt, findet hier Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen

Einige können sich mit Mastodon bisher nur schwer anfreunden, zumindest die, die dort ein Twitter 2.0 suchen. Wir stellen diesmal Werkzeuge vor, die den Einstieg bei Mastodon erleichtern. Denn wer will schon der letzte auf Twitter sein, den die Hunde beißen.

Von Twitter zu Mastodon

Häufig scheitert Wandel an der Bequemlichkeit. Auf Twitter hatte man schon Kontakte, oft über Jahre gesammelt, und die alle bei Mastodon zu suchen, ist aufwändig. Falls sie denn überhaupt dort sind.

Man muss sie aber gar nicht einzeln suchen. Mit Werkzeugen wie dem Fedifinder oder Debirdify kann man seine Twitter-Kontakte nach Erwähnungen von Mastodon-Accounts durchsuchen. Sind die Kontakte schon bei Mastodon angemeldet, kann man sie automatisch der dortigen Freundesliste hinzufügen lassen. Fedifinder oder Debirdify erstellen eine CSV-Liste der Kontakte, die man bei Mastodon importieren kann. Auch Listen derjenigen Accounts, die man blockiert oder stumm gestellt hat, lassen sich so übertragen.

Solche Tools sind natürlich darauf angewiesen, dass Menschen ihre Mastodon-Accounts auf Twitter hinterlegen – das sollte man also auch selbst tun, falls nicht schon geschehen. Da sich manche vermutlich erst nach und nach dazu entscheiden, zu Mastodon rüberzuwandern, empfiehlt es sich, seine Kontakte in regelmäßigen Abständen mit einem solchen Tool durchsuchen zu lassen.

So klappt der Umzug auf Mastodon

Eine Instanz wählen

Debirdify kann außerdem eine Orientierungshilfe bei der Auswahl der richtigen Mastodon-Instanz sein. Wenn man seine Twitter-Kontakte durchsuchen lässt, erstellt Debirdify eine Übersicht über diejenigen Instanzen, auf denen die eigenen Kontakte angemeldet sind. Doch unter den derzeitigen Hype-Bedingungen empfiehlt es sich nicht, die ganz großen Mastodon-Instanzen anzusteuern. Denn mastodon.social oder mastodon.online ächzen ohnehin unter dem Ansturm und erfahren zudem technische Gegenwehr kleinerer Instanzen.

Auch auf instances.social oder fediverse.party kann man Vorschläge zu den eigenen Vorlieben finden. Man kann dort etwa gewünschte Sprachen oder die Instanzengröße wählen. Ausgehend davon schlägt der Assistent dann passende Instanzen vor.

Regionale Mastodon-Instanzen
Regionale Mastodon-Instanzen in Deutschland bei Openstreetmap.

Einige Instanzen sind mit geographischen Orten verbunden. Viele Neulinge bei Mastodon ziehen Instanzen mit Bezug zum aktuellen Wohnort oder zur eigenen Herkunft vor. Wer also lieber eine regionale Instanz verwenden möchte, kann mit Hilfe von Openstreetmap danach suchen.

Twitter und Mastodon parallel bespielen

Solange noch nicht alle Twitter-Freund:innen den Umzug auf Mastodon geschafft haben, möchten sich manche vielleicht nicht ganz von Twitter verabschieden. Vielleicht will man die Implosion Twitters auch einfach live mitverfolgen. In diesem Fall kann man Crosspostings einsetzen. Crossposting bedeutet, dass eine Nachricht auf Mastodon in gleicher Form bei Twitter erscheint.

Mit Crossposting-Werkzeugen wie dem beliebten crossposter.masto.donte.com.br oder Moa Bridge kann man ohne großen Aufwand Twitter und Mastodon gleichzeitig bespielen. Nachrichten bei Mastodon werden dann auch auf Twitter veröffentlicht – und umgekehrt, sofern man das möchte. Wegen des aktuellen massiven Wachstums ist etwas Geduld gefragt, denn auch die Crossposter haben Kapazitätsprobleme.

Ruhig bleiben

Vielleicht ist der Aufruf zur Geduld überhaupt das Wichtigste: Wer auf Mastodon umsteigt, wechselt nicht zu Ersatz-Twitter, sondern auf eine neue Plattform mit neuen Regeln. Auf dieses Neue muss man sich einlassen, das bedeutet, die Plattform zu erkunden, technisch auszuprobieren und eigene Gewohnheiten zu hinterfragen. Ihr werdet euch nicht gleich ins gemachte Nest setzen.

Kein Tracking, keine Werbung

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Auch die eigene Anspruchshaltung sollte man runterschrauben, wenn man von kommerziellen Plattformen zu nicht-kommerziellen Alternativen ohne Tracking und Werbung wechselt. Denn das Fediverse und damit auch Mastodon wird ganz überwiegend durch Freiwillige in ihrer Freizeit gestemmt. Das sind einzelne Menschen, manchmal auch kleinere Teams. Sie pflegen und erhalten die Infrastruktur, teilweise schon jahrelang. Sie sind keine Dienstleister, sondern engagieren sich schlicht für eine bessere, kommerzfreie Social-Media-Welt. Das gilt aber nicht für alle: Bei der Bundesregierung und ihren Ministerien und Behörden dürften die Admins keine Ehrenamtlichen sein.

No Tracking. No Paywall. No Bullshit.

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4 Ergänzungen

  1. Frage: Die Wahl der Instanz stellt für mich das größte „Problem“ dar, es gibt einfach zu viele die infrage kommen. Die lokale Instanz, die Instanz auf der sich Menschen mit der gleichen Profession tummeln, oder die Instanz mit Fokus auf Hobby 1, Hobby 2 etc.

    Kann man auch irgendwie ganzen Instanzen folgen bzw. sich Favoriten anlegen? Eine Art zweite und dritte „Local Timeline“?

    1. In Mastodon gibt es im Prinzip 2 Timelines. Standardmäßig, ähnlich wie auf Twitter, die private Timeline. Hier erscheinen chronologisch nur die Beiträge der Accounts, denen du folgst. Außerdem die Community-Timeline (in der Mastodon-App kann man diese nach Klick auf die Lupe aufrufen). Hier erscheinen chronologisch alle die Beiträge der Instanz, auf der du deinen Account hast. Wenn du also nur die private Timeline verwendest, wäre die Wahl der Instanz aus dieser Sicht egal. Die Community-Timeline ist so gesehen ein zusätzliches Angebot.

    2. Frage: Die Wahl der Instanz stellt für mich das größte „Problem“ dar, es gibt einfach zu viele die infrage kommen

      Antwort: Du kannst später mit Deinem Account auch die Instanz wechseln

  2. Kurzer Hinweis: Debirdify hat ganz oben eine Anzeige der „relevantesten Instanzen“ basierend auf den gefundenen Accounts. Dem liegt eine Relevanz-Bewertung zugrunde, die nicht einfach nur die Anzahl der gefundenen Benutzer auf dem Server nimmt, sondern das noch nach der Gesamtgröße gewichtet.

    Dadurch sind praktisch immer kleine, spezifischere Instanzen (z.B. städte-/regionenspezifisch oder für bestimmte Interessen) die für einen relevant sind ganz oben, und große „generische“ Instanzen wie mastodon.social recht weit unten.

    Von daher: wenn man nicht weiß, welche Instanz man nehmen soll, kann man sich einfach von den Top 3 oder so im Relevanzranking inspirieren lassen.

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