Zensur in SuchergebnisMicrosoft sperrt ikonisches Bild von Tiananmen-Massaker

Der Arm der chinesischen Zensur reichte in der Nacht von Freitag auf Samstag bis nach Deutschland. Auf der Suchmaschine Bing war das wohl berühmteste Foto der chinesischen Demokratieproteste nicht mehr auffindbar.

Der Tank Man als Street Art. Die Geschichte des Originalbildes hat der Tagesspiegel aufgeschrieben. CC-BY-NC-ND 2.0 designwallah

Microsoft hat zum Jahrestag des Tiananmen-Massakers auf seiner Suchmaschine Bing weltweit Fotos und Videos gesperrt, die den „Tank Man“ zeigen. Der „Tank Man“ ist eines der bekanntesten Fotos der Demokratieproteste in China von 1989. Es zeigt einen einzelnen Mann mit schwarzer Hose und weißem Hemd, der sich in einem Akt des zivilen Ungehorsams mehreren Panzern entgegenstellt.

Das Bild wurde von zahlreichen Fotografen und Fernsehteams festgehalten, der bis heute nicht identifizierte Tank Man wurde zur Ikone der Protestbewegung. Bei dem Massaker tötete der chinesische Staat mehrere tausend Menschen und schlug damit die Protestbewegung nieder.

Bing zeigt das Bild nicht
Dieses Ergebnis gab Bing für „Tank Man“ heraus. - CC-BY 2.0 Screenshot netzpolitik.org

Laut einem Sprecher von Microsoft handelte es sich bei der Entfernung des Bildes um ein Versehen, das Unternehmen sprach von einem „menschlichen Fehler“, berichtet CNN. Im Gegensatz zur Suchmaschine Google operiert Bing auch in China. Für die Suchmaschine bedeutet das, dass sie sich den chinesischen Zensurreglungen unterwerfen muss. Offenbar wurden durch das Versehen die Regeln für China für einen längeren Zeitraum weltweit angewendet.

Westliche Unternehmen machen Zensur mit

Auch Unternehmen wie Apple unterwerfen sich der Zensur des Landes. So speichert Apple die Kundendaten seiner chinesischen Kunden in China und wirft Apps aus seinem Store, die Inhalte zu Tibet oder dem Tiananmen-Massaker enthalten. Seit 2017 sind so 55.000 Apps, die sonst in anderen Ländern erhältlich sind, aus dem chinesischen Markt verschwunden. Die meisten von ihnen waren Spiele, aber auch LGBT-Dating-Plattformen oder Apps zur verschlüsselten Kommunikation gehören zu den Programmen, die der chinesische Staat nicht haben will. Um weiterhin Geschäfte im Land zu machen, spielen westliche Unternehmen mit und machen sich zum Handlanger des autoritären Regimes.

Im vergangenem Jahr hatte ein Mitarbeiter von Zoom sogar Meetings abgebrochen, die sich mit dem Jahrestag des Massakers beschäftigten, obwohl die Teilnehmenden gar nicht in China waren. Um das Datum des Massakers herum fährt China die Schärfe der Zensur immer etwas höher. So wurde dieses Jahr auf dem chinesischen Messengerdienst „Weibo“ sogar das Kerzen-Emoji zensiert, wie WhatsOnWeibo berichtet. Laut Radio France Internationale sperrte China auch eine Shopping-App, weil dort angeblich ein Posting zum Massaker erschienen sei. In Hongkong verhinderte die Polizei das traditionelle Gedenken an das Massaker, das Halten von Kerzen oder schwarze Kleidung wurden als verdächtig eingestuft und von der Polizei unterbunden. 

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