Transparenzreport

TikTok will mehr Transparenz schaffen, wirft jedoch nur Fragen auf

Mit seinem ersten Transparenzreport will das soziale Videonetzwerk TikTok ein wenig Klarheit schaffen. Die vom chinesischen Unternehmen veröffentlichten Zahlen werfen jedoch mehr Fragen auf als sie beantworten.

Tiktok Zensur Transparenzbericht
Der erste Transparenzreport von TikTok gestattet nur bedingt Einblick in das soziale Netzwerk. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Gian Cescon

Die aus China stammende Videosharing-Plattform TikTok hat einen „ersten globalen Transparenzbericht“ veröffentlicht. Enthalten soll der Bericht laut einem Blogbeitrag „Einzelheiten“ darüber, wie das soziale Netzwerk im ersten Halbjahr 2019 mit Behördenanfragen zu Inhalten und Kontoinformationen umgegangen ist.

Wie bei Transparenzberichten durchaus üblich legt jener von TikTok lediglich grobe Umrisse von Behördenanfragen offen. So habe das soziale Netzwerk im Berichtszeitraum seitens deutscher Stellen insgesamt zwölf Anfragen nach Nutzerinformationen erhalten, in einem Viertel der Fälle habe TikTok zumindest einige Daten übergeben.

Ein Mal sollen Behörden aus Deutschland Informationen zu einem bestimmten Inhalt (oder Nutzeraccount) angefordert und die Löschung beziehungsweise Einschränkung gefordert haben. Auf Nachfrage teilt TikTok mit, es habe sich dabei um eine Anfrage der Polizei gehandelt, ein Video mit einem Hitlergruß zu entfernen. In Deutschland ist die Verwendung des Hitlergrußes unter Strafe gestellt.

Die anderen Fälle schlüsselten sich nach Aussage von TikTok folgendermaßen auf:

  • fünf Anfragen der Polizei zu Fällen von Kindesmissbrauch. Wenn TikTok den Namen des Nutzenden abrufen konnte, teilte das Unternehmen den Strafverfolgungsbehörden Einzelheiten mit oder bat um weitere Informationen, um die Identifizierung zu erleichtern.
  • vier Anfragen von verschiedenen Polizeidienststellen zu Vermisstenfällen.
  • eine polizeiliche Anfrage zu einem Suizid-Versuch.
  • eine Anfrage zur Verletzung der Privatsphäre, bei der ein Nutzer ein Foto eines Dritten hochgeladen hatte.

TikTok teilte in allen Fällen Nutzerinformationen mit. Das Video mit dem Hitlergruß wurde entfernt.

Anfragen chinesischer Behörden tauchen im Bericht überhaupt nicht auf. Dies dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass die Konzernmutter ByteDance die Plattform auf dem heimischen Markt unter dem Namen Douyin betreibt, während TikTok für ausländische Märkte gedacht ist. Mit insgesamt 107 behördlichen Anfragen setzte sich Indien an die Spitze, gefolgt von den USA mit 79 Anfragen.

Undurchsichtiges Netzwerk

TikTok war zuletzt stark in die Kritik geraten, da die kürzlich von netzpolitik.org veröffentlichten Moderationsregeln einen seltenen Einblick in die Moderationspraxis des chinesischen Unternehmens gestattet haben. Unerwünschte Inhalte werden dabei nicht notwendigerweise gelöscht, oft schränkt TikTok einfach nur die Verbreitung von Videoschnipseln ein – was solche Inhalte de facto unsichtbar macht.

Betroffen können dabei Nutzer mit Behinderungen sein oder etwa Inhalte, die angeblich „Werbung für Konkurrenten“ machen. Genauso verschwinden potenziell brisante politische Inhalte: Beispielsweise finden sich praktisch keine Videos zu den seit Monaten andauernden demokratischen Massenprotesten in Hongkong auf der am schnellsten wachsenden Plattform der Welt.

Moderatoren haben hierbei einen großen Ermessensspielraum. Zudem hält sich hartnäckig der nicht unbegründete Verdacht, die chinesische Führung würde Druck auf die Plattform ausüben und diktieren, welche Inhalte zulässig sind und welche nicht. Diesen Verdacht räumt auch der aktuelle Transparenzreport nicht aus.

Update 21.1.: Der Beitrag wurde um einen Absatz ergänzt, der erklärt, wie sich die zwölf Anfragen aufschlüsselten und worauf sich die Löschanfrage bezog.

Du möchtest mehr kritische Berichterstattung?

Unsere Arbeit bei netzpolitik.org wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns mit einer Redaktion von derzeit 15 Menschen viele wichtige Themen und Debatten einer digitalen Gesellschaft journalistisch zu bearbeiten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr aufklären, viel öfter investigativ recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und noch stärker digitale Grundrechte verteidigen!

 

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.

2 Ergänzungen
  1. Sieben Absätze zu TikTok. Vier Absätze, die sich mit dem Bericht befassen.
    Ein Absatz, der in den Artikel einführt. Ein Absatz, der die Information beinhaltet, dass der lediglich „grobe Umriss“ branchenüblich ist, was auch die allgemeingehaltene Information erklärt, die im dritten Absatz „erläutert“ wird. Siehe zum Vergleich die Berichte von Apple oder Google. Der letzte Absatz enthält dann noch die Information, dass TikTok auf dem chinesischen Markt nicht existiert, was das Fehlen chinesischer Anfragen problemlos rechtfertigt.

    So, was sollen mir Überschrift und Teaser jetzt sagen?
    Vielleicht: „Sorry, wirklich interessante infos haben wir nicht, scheint auch alles normal zu sein, aber damit du trotzdem klickst, hier eine raunende Überschrift. Vielleicht wird es spannend, wenn du klickst, wer weiss…“

    Irgendwie kein Wunder, dass ihr bei der boulevardschen Konkurrenz kein Clickbait erkennen könnt, wenn inzwischen eure Artikel davon betroffen sind. https://netzpolitik.org/2019/wenn-facebook-deine-seite-drosselt-und-du-nicht-weisst-warum/

    Und ihr könnt euch nicht mal damit rausreden, dass diese Klicks Geld bringen würden. Also was soll das?

    1. Da wir zuletzt viel über TikTok berichtet haben, wäre es IMHO ein wenig seltsam gewesen, den Transparenzreport nicht aufzugreifen – inklusive dem Hinweis, dass der Report „nur bedingt Einblick in das soziale Netzwerk“ gestattet. Dass ich zusätzlichen Kontext hinzugefügt habe, sehe ich als Feature und nicht als einen Bug.

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.