Die aus China stammende Videosharing-Plattform TikTok hat einen „ersten globalen Transparenzbericht“ veröffentlicht. Enthalten soll der Bericht laut einem Blogbeitrag „Einzelheiten“ darüber, wie das soziale Netzwerk im ersten Halbjahr 2019 mit Behördenanfragen zu Inhalten und Kontoinformationen umgegangen ist.
Wie bei Transparenzberichten durchaus üblich legt jener von TikTok lediglich grobe Umrisse von Behördenanfragen offen. So habe das soziale Netzwerk im Berichtszeitraum seitens deutscher Stellen insgesamt zwölf Anfragen nach Nutzerinformationen erhalten, in einem Viertel der Fälle habe TikTok zumindest einige Daten übergeben.
Ein Mal sollen Behörden aus Deutschland Informationen zu einem bestimmten Inhalt (oder Nutzeraccount) angefordert und die Löschung beziehungsweise Einschränkung gefordert haben. Auf Nachfrage teilt TikTok mit, es habe sich dabei um eine Anfrage der Polizei gehandelt, ein Video mit einem Hitlergruß zu entfernen. In Deutschland ist die Verwendung des Hitlergrußes unter Strafe gestellt.
Die anderen Fälle schlüsselten sich nach Aussage von TikTok folgendermaßen auf:
- fünf Anfragen der Polizei zu Fällen von Kindesmissbrauch. Wenn TikTok den Namen des Nutzenden abrufen konnte, teilte das Unternehmen den Strafverfolgungsbehörden Einzelheiten mit oder bat um weitere Informationen, um die Identifizierung zu erleichtern.
- vier Anfragen von verschiedenen Polizeidienststellen zu Vermisstenfällen.
- eine polizeiliche Anfrage zu einem Suizid-Versuch.
- eine Anfrage zur Verletzung der Privatsphäre, bei der ein Nutzer ein Foto eines Dritten hochgeladen hatte.
TikTok teilte in allen Fällen Nutzerinformationen mit. Das Video mit dem Hitlergruß wurde entfernt.
Anfragen chinesischer Behörden tauchen im Bericht überhaupt nicht auf. Dies dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass die Konzernmutter ByteDance die Plattform auf dem heimischen Markt unter dem Namen Douyin betreibt, während TikTok für ausländische Märkte gedacht ist. Mit insgesamt 107 behördlichen Anfragen setzte sich Indien an die Spitze, gefolgt von den USA mit 79 Anfragen.
Undurchsichtiges Netzwerk
TikTok war zuletzt stark in die Kritik geraten, da die kürzlich von netzpolitik.org veröffentlichten Moderationsregeln einen seltenen Einblick in die Moderationspraxis des chinesischen Unternehmens gestattet haben. Unerwünschte Inhalte werden dabei nicht notwendigerweise gelöscht, oft schränkt TikTok einfach nur die Verbreitung von Videoschnipseln ein – was solche Inhalte de facto unsichtbar macht.
Betroffen können dabei Nutzer mit Behinderungen sein oder etwa Inhalte, die angeblich „Werbung für Konkurrenten“ machen. Genauso verschwinden potenziell brisante politische Inhalte: Beispielsweise finden sich praktisch keine Videos zu den seit Monaten andauernden demokratischen Massenprotesten in Hongkong auf der am schnellsten wachsenden Plattform der Welt.
Moderatoren haben hierbei einen großen Ermessensspielraum. Zudem hält sich hartnäckig der nicht unbegründete Verdacht, die chinesische Führung würde Druck auf die Plattform ausüben und diktieren, welche Inhalte zulässig sind und welche nicht. Diesen Verdacht räumt auch der aktuelle Transparenzreport nicht aus.
Update 21.1.: Der Beitrag wurde um einen Absatz ergänzt, der erklärt, wie sich die zwölf Anfragen aufschlüsselten und worauf sich die Löschanfrage bezog.
