Facebook drosselt die Facebook-Seite des jetzt-Magazins, angeblich wegen Clickbaiting. Doch Clickbaiting ist den beanstandeten Artikeln nicht wirklich nachzuweisen: Einer beschreibt Proteste gegen eine Fast-Food-Kette, der andere setzte sich kritisch mit dem neuen Facebook-Logo auseinander.
Eine Drosselung der Facebook-Seite hat zur Folge, dass die Seite zwar weiterhin bespielbar ist, jedoch kaum noch Leute im sozialen Netzwerk erreicht. Ursprünglich war die Idee der Clickbait-Drossel eine gute Idee, die Inhalte ausbremsen sollte, die mit sensationsheischenden Überschriften Klicks generieren sollen. Doch schon die Einführung warf zahlreiche Fragen auf, die jetzt wieder auftauchen.
In einem Beitrag zum Fall fragt jetzt.de :
Nach welchen Kriterien entscheidet Facebook, was es als Clickbait einstuft? Passiert das automatisch, oder sind dafür Menschen verantwortlich? Und warum schränkt Facebook ausgerechnet die Reichweite eines Beitrags ein, der sich kritisch mit Facebook auseinandersetzt?

Auf Nachfrage und Einspruch schickt Facebook jetzt.de eine Standardantwort, welche Inhalte aus einem Presse-Statement aus dem Jahr 2017 enthält. Zum konkreten Fall äußert sich Facebook nicht, dafür heißt es:
„Überprüfung abgeschlossen: Du hast wiederholt Clickbait gepostet“, schreibt das Unternehmen. Die Drosselung bleibt bestehen. „Du musst nichts weiter tun.“
Auch andere Medienmacher, etwa Daniel Drepper von Buzzfeed, erzählen davon, dass sie von Facebook gedrosselt wurden. Auch die Krautreporter erwischte die Facebook-Drossel:
Es ging um zwei Überschriften. Die erste: „Viele Kommunen haben ein Geldproblem – diese Bürgermeisterin hat es gelöst“ Und die zweite: „Noch nie war es so einfach, sich ein gutes Gewissen zu kaufen“
Dem Social Media Watchblog, bei dem auch Simon Hurz von der SZ mitwirkt, sind insgesamt sechs Redaktionen bekannt, denen Ähnliches widerfuhr. Gleich ist allen Redaktionen, dass sie nicht informiert werden, was an ihren Überschriften falsch war und was genau die Drossel auslöste. Für ein Unternehmen, das weltweit 2,5 Milliarden Nutzer:innen hat und über dessen Infrastruktur ein großer Teil der weltweiten Kommunikation läuft, ist das zu intransparent. Wie sollen Redaktionen wissen, wie sie es richtig machen?
Die Facebook-Klemme
Viele Medien stecken in der Klemme. Facebook-Seiten bringen trotz der sowieso künstlichen Verknappung in den Newsfeeds der Abonnenten immer noch viele Menschen auf die eigenen Seiten. Matthias Eberl schreibt in seinem Blog Rufposten.de, dass sich Medien wegen dieser und vieler anderer Dinge von Facebook trennen müssten.
Das ist richtig, aber nicht alle Medien können sich wie netzpolitik.org über einen riesigen Leser:innen-Stamm freuen, der die Seite per RSS abonniert hat oder als Startseiten-Besucher regelmäßig wieder kommt. Bei netzpolitik.org machen Seitenaufrufe, die über Facebook kommen, nur einen einstelligen Prozentwert aus. Eine Drosselung würde netzpolitik.org wenig Seitenaufrufe kosten.
Wer sonst als Medium bei Facebook ist, muss deswegen schauen, wie er seine Leser:innen auf andere Kanäle bringt: Newsletter, RSS, eigene Apps, Messenger, Telegram-Kanäle – das alles kann dazu dienen, sich von der Blackbox Facebook zu emanzipieren und nicht willkürlichen Entscheidungen wie denen im Fall jetzt.de ausgeliefert zu sein. Doch dieser Wechsel ist nicht einfach, wenn man nicht eine technisch-affine und Facebook-kritische Leserschaft hat.
