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Wifi4EU: Initiative für kostenloses WLAN in Kommunen gestartet

Die EU-Kommission will in viele öffentliche Orte hineinstrahlen. Allerdings nur mit Anmeldung. CC-BY 2.0 Nicolas Nova

Die EU-Kommission hat ihre Initiative Wifi4EU gestartet, die die Errichtung von tausenden WLAN-Hotspots in Europa finanziell unterstützen soll. Kommunen können sich ab heute über die Webseite anmelden und ab Mitte Mai offiziell um die ersten 1.000 Gutscheine im Wert von 15.000 Euro bewerben. Damit finanziert die Europäische Union den Kauf und die Einrichtung von Hotspots, die laufenden Kosten müssen die Kommunen selbst tragen. Insgesamt 120 Millionen Euro plant die Kommission für die Initiative bis 2020 ein. Als erste Gemeinde in Deutschland meldete sich Dreieich in Hessen für die Hotspot-Förderung an.

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Allerdings erwähnt die heutige Ankündigung zu dem Projekt nicht, dass die Pläne der EU-Kommission ein Authentifizierungsystem für den Zugang zu den Hotspots vorsehen. Damit könnte die EU-Kommission in ganz Europa Handynummern sammeln, schrieben wir zuletzt:

Ein europaweites Authentifizierungssystem sei notwendig, um aus Sicherheits- und Haftungsgründen ein „Minimum an Kontrolle“ ausüben zu können, teilte uns eine Sprecherin der EU-Kommission mit. Ob es sich um autorisierte Nutzer handelt, soll eine Verifizierung mittels Handynummer abklären. Zwar sollen dabei personenbezogene Daten nur dann verarbeitet werden, wenn dies nationale Gesetze vorschreiben, sagte die Sprecherin. Freilich fallen Telefonnummern in diese Kategorie. Zudem gibt es in Europa immer weniger Länder, die den Kauf anonymer Prepaid-SIM-Karten zulassen. Die Zuordnung der Handynummer zu einer natürlichen Person fällt damit leicht. Aufbauen und betreiben wird das Authentifizierungssystem ein externer Dienstleister, den die Kommission noch finden muss.

Eine Sprecherin der Kommission konnte heute auf Anfrage von netzpolitik.org zunächst keine Auskunft darüber geben, ob bei den neuen Kommunen-Hotspots weiterhin eine Registrierung per Handynummer vorgesehen ist und welcher externe Dienstleister künftig Millionen an Telefonnummern speichern soll. Wir bleiben aber an dem Thema dran, auch wenn die EU-Kommission uns nicht als Medien-Organisation sieht.

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4 Kommentare
  1. Freifunk wäre ja auch zu einfach.
    Beim Freifunk kann man als „Staat“ (Europa) nicht in das Netz reinhören und zur Not abschalten. Ich werde dieses Netz nicht nutzen.

  2. Niemand wird dieses Netz nutzen, nicht ohne Not. Öffentliches WLAN war eine Übergangstechnologie, die bis zum Ausbau der LTE-Netze ihre Berechtigung hatte. Heute steht der Mobilfunk der fünften Generation (5G) vor der Tür und selbst in Deutschland wird die mobile Internet-Nutzung langsam bezahlbar. Der einzige echte Nutzen öffentlicher WLAN-Hotspots besteht mithin darin, an ausgewählten Orten einen mobilen Internet-Zugang für diejenigen bereitzustellen, die sich keinen anderen leisten können.

    Hat mal jemand durchgerechnet, ob es nicht günstiger käme, armen Menschen einen kostenlosen oder verbilligten Zugang zu den regulären Netzen anzubieten? So eine Art kostenlosen Basis-Mobilfunkvertrag analog zum kostenlosen Basiskonto?

    1. Herr Türpe!

      Auf etwaige technische Vor- und Nachteile zwischen WLAN und Mobilfunk möchte ich an dieser Stelle zunächst nicht eingehen, sondern viel mehr für ein Bewusstsein werben, welches den Umstand reflektiert, dass die Mobilfunkzugänge bspw. in diesem Land von genau drei Rechtskörpern betrieben werden.

      Dieses WLAN arbeitet hingegen in einem „Jedermenschsband“: Drahtlose Zugangspunkte werden hier von weitaus mehr Rechtspersonen betrieben. Somit entspräche die alleinige Nutzung der Mobilfunkfrequenzen für den mobilen Internetnutzung den feuchten Träumen alljener Menschen, die möglichst einfach und übersichtlich die Internetzugänge regulieren und kontrollieren möchten.

      Mit bestem Gruß, Matze

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