Utopien in der Welt nach Snowden

Der Soziologe David Lyon, der im Bereich Surveillance Studies forscht, hat für die Berliner Gazette einen Artikel über „Zeit für Utopien: Wie wollen wir das Zusammenleben in der Post-Snowden-Welt gestalten?“ geschrieben. Darin fordert er dazu auf, sich nicht mit der aktuellen Realität der allumfassenden Überwachung abzufinden, sondern positive Alternativen zu formulieren:

Die große Herausforderung unserer Zeit besteht nun darin, die herkömmlichen Denkmuster über Überwachung zu ändern. Es ist an der Zeit, dass nicht nur Eliten verstehen, dass Überwachung eine der wichtigsten Methoden ist, moderne Gesellschaften zu organisieren, dass Überwachung ausnahmslos alle betrifft und dass es künftig Veränderungen sowohl in der täglichen Praxis als auch in der Informationspolitik geben müsste. Wenn sich ein gesellschaftliches Bewusstsein zu diesen Anliegen breitenwirksam bildet, dann könnten sich die Dinge ändern. Gleichzeitig müssen wir verstehen lernen, dass keine Überwachung unvermeidlich oder irreversibel ist, was auch schwierig ist, wenn wir von solchen scheinbar unaufhaltsamen Trends wie globaler Massenüberwachung sprechen.

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4 Ergänzungen
  1. Ich denke Snowden – und auch seine Verwandten – freuen sich, dass er entgegen dieser Meldung noch am Leben ist. Ich finde es unerträglich während der Lebenszeit eines Menschen, eine Post-David-Lyon-Ära anzukündigen. Und hoffe, dieser Lyon kriegt jetzt jedenfalls keine Risiko-Lebensversicherung mehr zu günstigen Konditionen.

    1. Sicher unterlief dieser Lapsus dem Lyon versehentlich und es ist das Gegenteil dessen, was er ausdrücken will, aber Snowden schwebt in Folter-, wenn nicht in Lebensgefahr: So wie Bradley Chelsea Manning nachweislich und zugestandenermaßen gefoltert wurde, wieviel Lust hat die US-Regierung, dies mit Snowden zu machen? Und inwieweit hat die US-Regierung bezüglich Folter nicht immer genau das getan, wozu sie gerade Lust hatte? Und inwieweit ist GENAU DAS us-amerikanische Rechts(un)kultur?

      „Macomber: That is illegal.
      Kissinger: Before the Freedom of Information Act, I used to say at meetings, „The illegal we do immediately; the unconstitutional takes a little longer.“ [laughter] But since the Freedom of Information Act, I’m afraid to say things like that.“

      https://wikileaks.org/plusd/cables/P860114-1573_MC_b.html#efmCS3CUB

  2. Naja, jemandem seinen Paß zu entziehen, entspricht zumindest dem sozialen Tod. In manchen Kulturen (z.B. in Afrika) glauben Menschen, die aus einer Gemeinschaft verstoßen werden, nun auch wirklich tot zu sein und sterben tatsächlich. In anderen Kulturen glauben die Menschen an Reinkarnation und Seelenwanderung und gehen mit dem Tod gelassener um. Und dann gibt es ja auch noch Kulturen, die an Auferstehungen glauben… Selten, sehr selten!

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