Nachdem bekannt geworden war, dass sich in den BND-eigenen Selektoren auch Ziele aus Europa und anderen befreundeten Staaten befinden, hatte das Parlamentarische Kontrollgremium beschlossen, eine Task Force nach Pullach zu schicken, um jene Selektoren einzusehen, die die Spionageziele des deutschen Geheimdienstes darstellen. Diese soll nun nach Angaben der Berliner Zeitung erste Ergebnisse erzielt haben.
Die BND-eigenen Selektoren sind nicht deckungsgleich mit den Selektoren der NSA, mit denen der BND dem US-Geheimdienst unter anderem half, deutsche und europäische Ziele auszuspähen und für die derzeit ein Sonderermittler eingesetzt ist, da den Mitgliedern des NSA-Untersuchungsausschuss die Einsichtnahme verwehrt ist. Doch, das wissen wir aus dem Untersuchungsausschuss, hat der BND teilweise Selektoren der NSA übernommen, wenn sie opportun erschienen – auch wenn sie für die NSA gesperrt wurden. Mitte Oktober wurde das Parlamentarische Kontrollgremium darüber unterrichtet, dass die BND-Selektoren am offiziellen Auftragsprofil der Bundesregierung vorbei gingen.
Laut Informationen der Berliner Zeitung sei die Liste der BND-Selektoren „unmittelbar les- und verstehbar“ und nicht „codiert“. Mit codiert dürften die Equations gemeint sein. Denn die NSA lieferte Selektoren oft nicht als einzelne Namen, Telefonnummern oder ähnliches, sondern als Paket, in dem mehrere Einzelselektoren zu einer Art Gleichung verbunden waren.
Was genau in der Liste steht, ist noch unbekannt, es ist von konkreten Namen zahlreicher Personen die Rede:
Zudem ergebe sich aus ihr, dass praktisch ganz Europa und die USA von den Spionageaktivitäten des deutschen Auslandsgeheimdienstes betroffen gewesen seien.
Spannend ist nun auch, ob der NSA-Untersuchungsausschuss die Liste einsehen dürfen wird. Zunächst wird aber nächsten Donnerstag Kurt Graulich, der Sonderbeauftragte für die Prüfung der NSA-Selektoren, vor dem NSA-Untersuchungsausschuss aussagen.
