Technologie

Laser, Strahlenwaffen und Störsender: BKA leitet zwei internationale Arbeitsgruppen zur Abwehr kleiner Drohnen

Vor drei Wochen hatte der Raketenhersteller MBDA den Abschuss einer kleinen Drohne durch einen Hochenrgielaser demonstriert.
Vor drei Wochen hatte der Raketenhersteller MBDA den Abschuss einer kleinen Drohne durch einen Hochenrgielaser demonstriert. MBDA

Das Bundeskriminalamt (BKA) führt eine EU-Arbeitsgruppe zur Abwehr kleiner Drohnen an. So steht es in dem Arbeitsprogramm der Ratsarbeitsgruppe „Strafverfolgung“. Die Arbeitsgruppe gehört zum „European Network for the Protection of Public Figures“ (ENPPF), einem Netzwerk von Polizeibehörden die mit Personenschutz befasst sind. Als deutsches Mitglied ist dort das BKA vertreten.


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Weitere Mitglieder der Gruppe sind Frankreich, Kroatien, Luxemburg, Ungarn sowie die EU-Polizeiagentur Europol. Ziel ist die Entwicklung von Verfahren, um kleine Drohnen erkennen und abwehren zu können. Zunächst werden Vorfälle des vergangenen Jahres begutachtet, bei denen Personen durch kleine Drohnen bedroht wurden. Anschließend werden Methoden zur Störung oder Zerstörung der kleinen, ferngesteuerten Flieger ausgewertet.

Im Bereich des Personenschutzes ist das BKA seit einiger Zeit mit dem Phänomen befasst und hat bereits einen Sachstand zu möglichen Gefährdungsszenarien und dem derzeitigen Stand der Technik erhoben. Mit der Landeszentrale für polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen wurde bereits ein Verfahren zum „Jamming“ von Funkfernsteuerungen erprobt. Das BKA interessiert sich auch für Verfahren zur „kontrollierten Zwangslandung“.

Bundesländer erarbeiten Handlungsempfehlungen

Mehrere Bundesländer haben ebenfalls entsprechende Untersuchungen gestartet. Die Innenminister der Länder hatten sich vergangenes Jahr mit „Möglichkeiten zur Abwehr von Unmanned Aerial Vehicles“ befasst. Auf Ebene der bundesweiten Innenministerkonferenz (IMK) wurde eine Bund-Länder-Projektgruppe eingerichtet, an der außer dem BKA und der Bundespolizei elf Bundesländer beteiligt sind. Sie soll unter anderem Handlungsempfehlungen erarbeiten, befragt wurden hierzu unter anderem niederländische und britische Polizeibehörden. Ein nicht-öffentlicher Abschlussbericht war für die März-Sitzung der IMK angekündigt. Auch die Staatssekretäre aus den Justizressorts der Länder haben eine Länderumfrage gestartet, um den Bedarf nach neuen Regelungen zur Kontrolle oder Abwehr von Drohnen auszuloten.

Auf EU-Ebene wurde das Thema letztes Jahr erstmals diskutiert. Das „European Network for the Protection of Public Figures” zirkulierte einen Fragebogen an die Mitgliedstaaten, der Möglichkeiten zur Erkennung und Abwehr abfragte. Auch Maßnahmen wie die Änderung von Gesetzen, Ausbildung und Training wurden gesammelt.

Die Abwehrmöglichkeiten von Drohnen werden auch im Rahmen eines internationalen Netzwerkes staatlicher Personenschutzdienststellen untersucht. Innerhalb dieser „Association of Personal Protection Services” ist eine entsprechende Unterarbeitsgruppe eingerichtet worden, die ebenfalls von Deutschland geleitet wird. Wie beim ENPPF dürfte es sich dabei um das BKA handeln. Andere Teilnehmer sind Polizeibehörden aus Israel, Polen, den Niederlanden und Südkorea. Zuletzt traf sich die Gruppe im März in Deutschland.

Beide Arbeitsgruppen sollen nun miteinander verzahnt werden. Unter Federführung der deutschen Polizei wird ein Fragebogen an das internationale Fragebogen geschickt, in dem Erfahrungen und Techniken gesammelt werden. Dann sollen gemeinsame „Aktionen” folgen.

Zahlreiche Möglichkeiten zur Erkennung und Abwehr

Die Möglichkeiten zur Erkennung von Drohnen sind zahlreich. Möglich sind beispielsweise Sensoren zur Feststellung von Bewegung, Radar oder Laser. Mikrofone können Drohnen an ihren Geräuschen erkennen. Die Systeme strahlen aber auch elektromagnetische oder elektrostatische Emissionen aus, die eine Wiedererkennung bekannter Typen ermöglichen. Mithilfe weiterer Sensoren können Drohnen auch am Aussehen, der Temperatur oder der genutzten Funkfrequenz der Fernbedienung erkannt werden. Schließlich kann auch erkannt werden, wenn in der Nähe Bilder übertragen werden.

Zur Abwehr der Drohnen kommen ebenfalls mehrere Ansätze infrage. So können einzelne Komponenten der Drohne (etwa GPS-Module, die Fernsteuerung oder Motoren) mithilfe von Störsendern lahmgelegt werden. Möglich ist auch, den per GPS definierten Kurs der Drohne zu beeinflussen, indem ein gefälschtes Signal ausgesendet wird. Denkbar wäre sogar, Sensoren zur Lage oder Richtung des Fluges oder den meist eingebauten „E-Kompass“ aus der Ferne zu manipulieren. Einige Hersteller entwickeln Verfahren zum „Einfangen“ von Drohnen mit Netzen oder Fallschirmen.

Abschuss mit Strahlenwaffen

Geforscht wird auch zum Abschuss von Drohnen. Statt Schusswaffen setzen die Polizeibehörden dabei lieber auf Strahlenwaffen, wie sie von den europäischen Rüstungskonzernen MDBA, Rheinmetall und Airbus Space and Defense entwickelt werden. In einem EU-Forschungsprojekt arbeitet MDBA an Methoden, die Bordelektronik von Fahrzeugen oder Schiffen mit mit elektromagnetischen Impulsen lahmzulegen um diese zu stoppen. Das Endprodukt soll tragbar sein, um es in Polizeifahrzeugen mitführen zu können.

Deutsche Polizeibehörden haben sich bereits bei den Firmen Rheinmetall AG, Airbus Space and Defense, ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH und DeDrone GmbH nach dem Stand der Forschungen erkundigt. Auch Abwehrmöglichkeiten der Bundeswehr waren von Interesse. Weitere „Sachstanderhebungen“ erfolgten beim europäischen Rüstungslieferanten MBDA. Der Raketenhersteller hatte vor drei Wochen den Abschuss einer kleinen Drohne mit einem Hochenergielaser vorgeführt. Zum Einsatzspektrum des Lasers verweist MBDA in einer Pressemitteilung auf den Quadrokopter, der im CDU-Wahlkampf in Dresden zwei Meter vor der Nase der Kanzlerin Angela Merkel und des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizière zu Boden ging.

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10 Kommentare
  1. Das was sich hier anbahnt ist eine klassische Rüstungsspirale. Technologie erzeugt den Druck, eine Gegen-Technologie zu entwickeln. Das erzeugt Waxtum(!).

    Mich nervte Nachbars Foto-Drohne auch. Hab mich für sein neues Spielzeug interessiert und konnte so das verwendete Modell erkunden. Frequenz erkannt, Gefahr gebannt.

    Methode ist nicht die vollkommene Übernahme der Steuerung, sondern einfach blockieren der benutzten Frequenzen mittels stärkerem Träger. Seither landet das Ding gelegentlich in Bäumen oder auf meinem Dach (zur Inspektion und freundlichen Herausgabe des Objekts mit besonderem Lächeln). Jetzt haben wir beide unseren Spaß.

      1. Ein gefaktes GPS-Signal „von unten“ ist auch lustig. Damit lassen sich die Dinger nett vom Kurs abbringen. Eine gefakte Höhe über MSL bringt das Teil zur Landung.

      2. @Navigator

        Klar, ist vieles möglich. Aber während jeder Hobbybastler in der Lage sein dürfte die Frequenz der Funkfernsteuerung zu überlagern (so es denn keine redundanten Kanäle gibt), ist es schon was deutlich anderes GPS-Daten zu faken. Und auch hier werden am Ende die Drohnen gewinnen, weil es kaum möglich sein dürfte alle Systeme _konsistent_ zu überlisten. Ein robuster Autopilot könnte das GPS-Signal schlicht ignorieren, wenn eine signifikante Höhenänderung laut GPS nicht mit den Daten von Luftdruck- und Beschleunigungssensoren korrespondiert. Den Weg zurück nach Hause findet der geschulte Navigator auch mithilfe von Kompass, Beschleunigungssensor und Uhr. :)

    1. hmmm, warte mal. Wenn mann alles mit Katzenaugen verspiegelt, werden dann nicht alle Strahlen zum Ursprungsort zurückgelenkt … ;-)

  2. Na da will ich mal sehen, wie die Sicherheitsleute mit ihrem Hochenergielaser den zu schützenden Politikern beim Auftauchen einer Drohne die Netzhäute wegdampfen. :D

    1. @Frl. Unverständnis

      Das sollte kein Problem sein, denn auf dem „rechten“ Auge sind ja eh schon viele von den Herrschaften blind und „zeitweilig“ sind beide Augen betroffen, wenn es z.B. um grundgesetzwidrige Aktionen der US Geheimdienste auf deutschem Boden geht.

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