Edward Snowden erklärt in einer BBC-Dokumentation (Zugriff nur aus UK), wie Schlümpfe in Smartphones eindringen und das britische GCHQ Router von Cisco infiziert. Weiterhin glaube er nicht, dass wirksame Verschlüsselung mit Hintertüren technisch möglich ist.
GCHQs Schlumpftruppe
In den veröffentlichen Snowden-Dokumenten war bislang nicht viel zum konkreten Ausspähen von Smartphones zu lesen. Im Interview enthüllt Snowden nun ein Programm mit dem Decknamen „Smurfs“, zu deutsch: „Schlümpfe“. Die Fertigkeiten des GCHQ zum Zugriff auf Smartphones werden intern nach Charakteren der Schlümpfe benannt: Der „Dreamy Smurf“ bezeichnet die Fähigkeit, Smartphones nach Belieben aus der Ferne an- und auszuschalten, unbemerkt. Der „Nosey Smurf“ kann das interne Mikrofon der Geräte aktivieren und so Gespräche aufzeichnen. Der „Trackers Smurf“ bestimmt die genaue Position des Smartphones – und zwar exakter als dies über die GSM-Ortung des Funknetzes möglich sei.
Allerdings geht aus der BBC-Dokumentation nicht hervor, ob etwa die drei großen mobilen Betriebssysteme (Android, iOS, Windows Phone) betroffen sind – und wie weitreichend der Zugriff des GCHQ wirklich ist. Schließlich läuft über Smartphones nicht nur die tägliche, digitale Kommunikation. Auch Chat-Nachrichten, Photos, Videos, Dokumente und E‑Mails bleiben darauf gespeichert. Sie seien gewissermaßen der „geheime Türöffner zu den Daten und der Internetnutzung“, so der Autor der BBC-Dokumentation, Peter Taylor. Snowden dazu: „They want to own your phone instead of you.“
GCHQ infiziert Router
Neben dem Zugriff auf Glasfaserkabel (Tempora) kommt das GCHQ laut Snowden über einen weiteren Weg massenhaft an Daten. Bei der „Computer Network Exploitation“ (CNE) übernimmt der Geheimdienst aus der Ferne die Kontrolle über die Hardware (Router, Terminals) von Netzwerkdienstanbietern. Die BBC-Dokumentation erwähnt durch ein solches Hacking kompromittierte Geräte des US-Herstellers Cisco Systems. Anders als bei den von Glenn Greenwald enthüllten strategischen Partnerschaften mit Unternehmen findet eine solche Infizierung also auch ohne Wissen des Herstellers statt. Die über diese Geräte übertragenen Daten können dann problemlos ausgelesen, manipuliert oder umgeleitet werden. Snowden bezeichnet diese Methode daher als „digitale Spionage“.
Auf diese Weise konnte das GCHQ am staatlichen Internetknoten in Pakistan, dem „Pakistan Internet Exchange“, auf große Datenmengen zugreifen (GCHQ Reference A/9014/9105/55, hier gespiegelt). Die entsprechende Autorisierung kam vom Britischen Außenministerium. Womöglich wird die Gesetzeslage in Großbritannien so geändert, dass Genehmigungen dieser Art künftig nur noch von Gerichten erteilt werden können, so die BBC-Dokumentation. Fraglich bleibt, ob es sich dabei dann um geheime Gerichte wie in den Vereinigten Staaten (FISA) handeln wird. Gerade zur Geheimhaltung von Überwachungsmaßnahmen fragt Snowden allgemein:
Why did that happen in secret? Why did that happen without the public’s awareness? Why didn’t we, the public, have a choice to vote, on whether or not that’s something that we agree with?
Snowden zu Verschlüsselung und Hintertüren
Nach den Enthüllungen der anlasslosen, weltweiten Massenüberwachung setzen immer mehr Menschen Verschlüsselungstechnologien ein. Verschlüsselung behindere die Arbeit von Geheimdiensten jedoch nicht prinzipiell, so Snowden: Nur, wenn unterschiedslos der gesamte Datenverkehr abgegriffen werde, werde Verschlüsselung zum Problem. Denn auf der anderen Seite könne etwa die Smartphone-Schlumpftruppe vom GCHQ weiterhin auf direkt auf Zielgeräte zugreifen, jederzeit. Zur Debatte, ob Verschlüsselungstechnologien Hintertüren für Geheimdienste enthalten müssen, gibt Snowden zu bedenken:
Snowden: The scientific community has arrived at a consensus that it simply cannot be done in a safe and secure way.
Taylor: Is it technically impossible to devise a backdoor to encrypted communications?
Snowden: Correct.
Unklar bleibt dabei die Äußerung eines Facebook-Sprechers in der Dokumentation, dass das Social-Media-Unternehmen angeblich ‚verschlüsselte’ Daten der Nutzer für die Regierung entschlüsselt. Daneben gab er zu Protokoll, dass Facebook neben der Herausgabe von Nutzerdaten kein automatisiertes Durchleuchten der Nachrichten auf den Servern vornehme, etwa nach Handlungen mit terroristischem Hintergrund.
„If I was a traitor, who did I betray?“
Die BBC-Dokumentation spricht auch die Vorwürfe von NSA- und CIA-Direktoren an, Snowden gefährde die Sicherheit Amerikas. Der gibt sich gelassen: Solche Äußerungen würden stets ohne weitere, konkrete Beweise getätigt werden. Sobald sich das Gespräch mit Taylor jedoch zu sehr um seine Person dreht, lenkt er den Fokus wieder mehr auf die Überwachungspraktiken:
Snowden: If I was a traitor, who did I betray? I gave all of my information to American journalists and free society, generally.
Taylor: You betrayed the intelligence agencies whose prime responsibility is to protect to American people.
Snowden: An argument could be made that I betrayed the government who protect the people. The question is not: What is the individual who revealed this? A good person or a bad person? The question is: How did these programmes come to be, and how do we stop them from occuring again in the future?
Was wohl Papa Schlumpf vom GCHQ dazu sagt?
