Die USA fangen Hardware ab, die zum Export bestimmt ist, und pflanzen Späh- und Ortungsmechanismen ein. Das wurde heute mit dem Erscheinen des neuen Buches „Die globale Überwachung“ von Glenn Greenwald zum NSA-Skandal enthüllt. Greenwald beruft sich bei seiner Veröffentlichung auf Berichte der NSA-Abteilung „Access and Target Development“, die aus dem Jahr 2010 stammen.
Laut diesen sei es üblich, unter anderem Server, Router und andere Netzwerktechnik vor der Ausfuhr in Drittstaaten mit Abhörtechnik zu präparieren. Danach werden die Geräte neu verpackt und wie geplant versendet. Damit eröffnet sich für die NSA die Möglichkeit, weitreichend in Netzwerke einzudringen und umfassende Informationen über deren Struktur und Lokalisation zu erhalten, wie Greenwald zitiert:
In one recent case, after several months a beacon implanted through supply-chain interdiction called back to the NSA covert infrastructure. This call back provided us access to further exploit the device and survey the network.
Die Informationen ähneln stark den Enthüllungen von Ende Dezember letzten Jahres. Der Unterschied ist, dass nicht direkt bei der Produktion die Hintertüren in Soft- und Hardware integriert werden, sondern eine nachträgliche Infizierung stattfindet. Neu aus Greenwalds Buch gehen auch „strategische Partnerschaften“ mit „über 80 großen globalen Unternehmen“ hervor – namentlich erwähnt unter anderem AT&T, Microsoft, Oracle und CISCO.
Da aus der gestrigen Vorveröffentlichung des Guardian noch nicht hervorging, ob das Abfangen der Produkte mit dem Wissen der Firmen stattfindet und keine Beteiligten namentlich genannt wurden, ließ sich CISCO dazu hinreißen gegenüber dem Wall Street Journal abzustreiten, von irgendeiner Kompromittierung gewusst zu haben:
We’ve stated previously that Cisco does not work with any government to weaken our products for exploitation. We would, of course, be deeply concerned with anything that could damage the integrity of our products or our customers’ networks.
Die NSA streitet nicht ab und beruft sich stattdessen wiederholt darauf, die amerikanische Welt durch ihre Operationen schützen zu wollen. Damit rechtfertigt man auch die eigenen Praktiken Hardware mit Hintertüren zu versehen gegenüber genau denselben, die man China so gerne vorwirft. Aber so lange das „Die Guten™“ machen, haben wir ja nichts zu befürchten…