„Die Deutsche Telekom steht für Netzneutralität wie kein anderer!“

Husam AzrakDas Heute-Journal hat gestern über die Pläne der Deutschen Telekom für ein Zwei-Klassen-Netz berichtet. Dort erklärte der Deutsche Telekom Sprecher Husam Azrak (ohne dabei zu lachen):


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„Es geht hier nicht um ein Zweiklassen-Internet, das Gegenteil ist der Fall. Die Deutsche Telekom steht für Netzneutralität wie kein anderer.“

Den Bericht gibt es noch in der Mediathek zu sehen.

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24 Kommentare
    1. So sieht das aus! Und die Geschichte wiederholt sich, nur unter umgekehrten Vorzeichen: Vor knapp 20 Jahren verlangte die Telekom von Ihren Endkunden noch „konkurrenzlos hohe“ Preise. Damals sagte Andreas von Bechtolsheim, einer der Gründer von SUN:

      „Hier im Silicon Valley ist es nichts Außergewöhnliches, 100 Stunden monatlich im Internet zu sein. In Deutschland kostet das mehrere hundert Mark, in Kalifornien nur etwas mehr als zehn Dollar. Die hohen Preise in Deutschland sind ein Witz.“ (-> http://t-off.khd-research.net/Aus_Medien/12.html#CAP_1)

      Wenn die Telekom oder andere hiesige Netzbetreiber in der Tat die Inhaltsanbieter zur Kasse bitten dürfen, dann wird dieses Zitat, leicht abgewandelt natürlich, direkt wieder aktuell: „Die hohen Preise in Europe sind ein Witz“…

  1. Es wird Zeit für eine neue Werbekampagne für die Telekom.
    Hierfür schlage ich einen Regenwurm als Maskottchen vor!
    Das wäre vielleicht als Beleidigung gegenüber Regenwürmern zu werten, das Tier würde aber farblich recht gut zu den Konzernfarben passen.

    Weiterhin würde ich passend hierzu den Slogan:
    „Unterirdisch Gut!“, abrundend, als Selbstironie empfehlen.

    Diese Idee kann bei mir selbstverständlich lizenziert werden :D

  2. Die Telekom will wirklich zusätzlich Geld für mehr Leistung. Also Frechheit. So etwas gibt’s ja nirgends im Geschäftsleben. Ok die Post, die müssen wir auch anzinken. Wollen tatsächlich mehr Geld wenn sie etwas schneller befördern. Ja ok, Amazon auch. Aber beim Auto wenigstens. Ne Mist da auch, wollen für mehr Sicherheitsausstattung mehr Geld. Ne glaub ich jetzt nicht, selbst der Bäcker will mehr Geld wenn er auf einen Kuchen Schokolade macht. Was ist das nur für eine Welt. Ich frage mich echt was es für Traumtänzer gibt. Niemand wird etwas weggenommen, Nürnberg wer mehr will soll mehr zahlen. So hab ich’s verstanden. Das Normalste was es gibt.

    1. Wenn schon so argumentieren, dann richtig: Die Telekom bekommt an einem Punkt Geld, nämlich vom Endkunden, der dort einen Vertrag abschließt. Verträge mit mehr Bandbreite kosten auch bereits mehr Geld – dagegen hat auch keiner etwas einzuwenden.

      Die Post in Ihrem Beispiel erhebt Ihren Preis auch genau an einem Punkt, nämlich beim Absender, der etwas verschicken möchte.

      Bei der Telekom ist es nun so, dass Sie nun gerne auch zusätzlich noch bei den Anbietern der Daten, die über ihr Netz transportiert werden, Gebühren erheben würde. Das könnte man direkt damit gleichsetzen, dass die Post zusätzlich noch einmal Geld von Ihnen, dem Empfänger, haben möchte, damit sie eine Sendung eines Absenders dann auch wirklich zustellt.

      Ihre Vergleiche hinken aber grundsätzlich, aus mehreren Gründen:

      1) Wären die Inhaltsanbieter, die jetzt zur Kasse gebeten werden sollen, gar nicht da und würden keine Inhalte bereitstellen, dann würden die Endkunden erst gar nicht auf die Idee kommen, Anschlüsse bei der Telekom zu mieten -> kein Geld für die Telekom. Der Laden würde wahrscheinlich am liebsten wieder einen abgeschotteten Dienst wie Btx betreiben, aber den wollte schon damals faktisch keiner haben, und als das Internet kam war er dann platt.

      2) Das Internet ist ein besonderes Gut, was die freie Verbreitung beliebiger Informationen mit verschwindend geringem Aufwand angeht. Wäre es wirklich gesicherter Weise so, dass sich die Provider nur etwas Kohle von den riesengroßen Inhaltsanbietern reinholen wollten, die eh genug davon haben, dann hätte ich *fast* nichts dagegen. Interessanter Weise fing der Obertelekomiker aber gerade gleich als erstes an, von Startups zu faseln – also gerade jene, die eher nicht so in Geld schwimmen. Gerade die will er offenkundig gerne „ausnehmen“. Was das für die Innovationen im Internet in Europe bedeuten würde kann sich jeder ausmalen. Und mir persönlich geht es darüber hinaus besonders um nicht kommerzielle Anbieter. Diese hatten bisher im Internet grundsätzlich die selben Chanchen wie die Großen, und das machte das Internet einzigartig und toll. Wenn die Provider das Internet in einen rein kommerziellen Raum verwandeln wollen, in dem nur noch buntes Bling Bling, Inhaltslosigkeit und Einheitsbrei herrscht, dann wäre all das weg, was das Internet überhaupt erst nutzenswert gemacht hat, und es bliebe nur ein „Fernsehen 2.0“ übrig.

      DAS gilt es selbstverständlich zu verhindern! Große kommerzielle Inhaltsanbieter dürfen natürlich da sein, aber die kleinen / nicht kommerziellen müssen weiterhin genau so fair und gleich behandelt werden wie diese.

      1. Mit andren Worten oder einem Satz: Die Telkom möchte das ehemalige peer-to-peer Internet zu einem Anbieter-Konsumenten Netz machen, soweit es das jetzt nicht schon ist. Für die meisten Konsumenten geht das in Ordnung, die lesen schließlich auch Blöd-Zeitung.

      2. Nochmal einfacher erklärt wie ich die Sache verstanden habe. Die Telekom bekommt jetzt Geld vom Konsumenten einer angebotenen Leistung. Beziehung Telekom – Endverbraucher.
        Nun bietet die Telekom ähnlich einer Lkw Maut bei der der Transport ja auch bereits bezahlt ist, eine zusätzliche !!!! Leistung an. Für die Kunden die das möchten bieten sie eine separate Spur ( ähnlich wie Bus oder Taxis ) an. Da können Anbieter dann eine bessere Leistung mieten.
        Wenn es keiner möchte, läuft sich das Geschäftsmodell selbst tot oder es wird eben angenommen. Wie nennt man das dann nur ? Achja glaube freie Marktwirtschaft. Natürlich kann man auch den Untergang des digitalen Abendlandes prophezeien.

      3. Lieber Herr Franz,
        Leider ist das nicht ganz so einfach. Internet gehört heutzutage zur Daseinsvorsorge, wie Strom und Wasser.
        Stellen Sie sich vor, man würde Ihrem Stromanbieter erlauben, Ihnen zu gewissen Zeiten („Hauptbelastungszeiten“) weniger Strom zur Verfügung zu Stellen. Es sei denn, Sie zahlen einen Sicherheitsbeitrag, mit der ein „garantiertes Volumen jederzeit zur Verfügung steht“, gegen einen Aufpreis von ein paar Euro.
        Genau diese Formulierung findet sich in den Plänen der Telekom. Und das hat mit freier Marktwirtschat nichts zu tun, sondern ist schlicht und einfach Schutzgelderpressung zu Lasten des Kunden.

    2. Wenn die Post QoS einführen würde, würdest du für zwei Briefe in Abhängigkeit des Inhalts unterschiedlich Porto zahlen. Bei einer Rechnung z.B. zehn Euro und bei einem Glückwunschbrief nur 50 Cent. Dafür darf die Post natürlich in jeden Brief hineinschauen, weil man ja nur so feststellen kann, ob der Standardbrief eben eine Rechnung erhält oder etwas anderes. Da du die Infrastruktur der Post nutzt, ist es doch nur fair, wenn die Post an deiner Geschäftsidee beteiligt ist.

    3. Es ist doch grade der Punkt, daß die Telekom eben NICHT mehr Leistung bietet! Eine physikalische 50 MBit-Leitung bleibt eine 50 MBit-Leitung, und wird nicht durch das Buchen eines teureren Vertrags plötzlich auf wundersame Art und Weise breiter. Die Telekom kann also nur eine Art „Reservierung“ von Bandbreite vornehmen, um statt wie bisher ein „bis zu …. Mbit“ dann auch ein „mindestens … MBit“ zu verkaufen, solange bis die Leitung limitiert (damit dann die nicht-Premium-Dienste überhaupt noch was abkriegen, müssen zwangsläufig dann auch diese leiden). Und das dann auch nicht mal universell, sondern per Aufpreishäppchen je nachdem, was grade an Diensten kommerziell interessant ist – nachträglich jederzeit anpaßbar.
      Das ist also keine „Mehrleistung“, sondern effektiv eine Einschränkung der aktuell bestehenden Leistung, die man gegen zusätzliche Zahlung(en) in begrenztem Umfang verhindern kann.

    1. Den Tweet verstanden schon, nur ist der Hinweis auf Unternehmens-eigene Serverparks von Unternehmen am Punkt vorbei: Ich kann an Serverpark natürlich aufbauen, was ich will – nur macht das die Leitung zum Kunden trotzdem nicht schneller/breiter. Man kann nie schneller/breiter übertragen, als das verbaute Netz es insgesamt ermöglicht. Und -ich vermute, das würden ihnen die Kollegen von der Technik bestätigen- ist für den Endkunden in der Regel eben die Netzleitung der Flaschenhals/bestimmende Größe, und nicht die Serverkapazitäten.

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