Linkschleuder

Wir haben da ein Problem mit Debatten im Netz.

Die Tagesschau berichtet über „#Gamergate: Streit über sexistische Videospiele – Kritikerinnen erhalten Morddrohungen.“

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Unter dem Schlagwort „Gamergate“ läuft seit Wochen eine Hetzkampagne im Netz. Ziel des Hasses: Frauen, die sexistische Darstellungen in Videospielen angeprangert haben. Per Twitter werden sie beleidigt, in Blogs erhalten sie Morddrohungen.

Dazu passt auch „Beschimpfungen gegen Politiker: „Du Hure“ – „Achte darauf, wer hinter Dir geht“ bei heute.de.

Politiker sind Kritik gewöhnt. Ein dickes Fell gehört zum Job. Doch wenn sie als „Schwuchtel“ oder „Hure“ beschimpft werden, hört der Spaß für viele auf. Einige nehmen an Diskussionen im Netz nicht mehr teil. Aber ist das die Lösung?

Wir haben da ein Problem mit Debatten im Netz. Das merken wir auch immer wieder in unseren Kommentaren.

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15 Kommentare
  1. vollkommen richtig. wer bei verstand ist antwortet nicht mehr auf die trollbuden unter den texten. am besten gleich zumachen wie es grosse portale vormachen. die trolle haben gewonnen. akzeptiert es einfach.

    1. Genau, geht nur um Spielejournalismus und wenn 99% der Follower nicht über das vermeintliche Thema Journalismus reden, sondern sich lieber an Hexenjagden von Menschen mit anderen Meinungen beteiligen ist das kein Grund das here Ziel infrage zu stellen…schnarch

      1. Beweis durch Behauptung? Ich gehe davon aus, dass Du weder Deine Zahl mit Fakten untermauern kannst noch die Vermutung, dass der Skandal und den Spielehournalismus in irgendeiner Weise mit einer Hexenjagd verknüpft wäre.

        Tatsache ist, dass gerade aus dem Lager derer, die unter dem Gamergate Hashtag posten, jegliches Doxxing und jedwede Drohungen verurteilt und den Behörden gemeldet werden – egal, wer die Betroffenen sind. Im Gegensatz dazu ist sich die Gegenseite nicht zu schade dafür, mit unreflektierten Behauptungen und absolut unpassenden Vorwürfen um sich zu werfen. Vergleiche mit Nazis, dem Holocaust, IS und Ähnlichem sind an der Tagesordnung (http://gamergateharassment.tumblr.com/). Leute, die nur Journalisten hinterfragten, den Dialog suchen oder ganz einfach eine andere Meinung haben (ohne sich je an irgendeiner Hetze beteiligt zu haben), bekommen gefüllt Spritzen, Messer, tote Tiere, unschöne Briefe (mit Notizen, sie mögen sich doch bitte das Leben nehmen), die Feuerwehr oder komplette SWAT-Teams nach Hause geschickt.
        Unter diesen Umständen ist quasi jeglicher Dialog zum Scheitern verurteilt.

        Was die drei bedrohten Damen betrifft – diese stellen in der Regel sämtliche Verbindungen zum Gamergate Skandal selber her und beschweren sich dann, dass sie in einem Atemzug genannt werden, wenn darauf reagiert wird.
        Frau Wu wurde wegen ihres Spiels belästigt, nicht wegen Gamergate. Sie selber redet zwar immer davon, dass die Industrie frauenfeindlich wäre und dass das und die Angriffe auf sie das Ziel von Gamergate wären, Beweise bleibt sie aber für beides schuldig.
        Frau Sarkeesians Angreifer hatte sie schon bedroht, lange bevor der Hashtag #Gamergate aufkam.
        Frau Quinns Beziehungen waren zwar der Auslöser dafür, sämtliche Beziehungen zwischen Spielejournalisten, Entwicklern und Juroren für Awards zu hinterfragen – die damals benutzten Hashtags #Quinnspiracy und #FiveGuys wurden aber extra fallengelassen, um #Gamergate den Vorzug zu geben, um sich eben von ihr als Person zu distanzieren. Der Fokus liegt tatsächlich auf dem Journalismus, nicht auf den genannten Frauen.
        Die von Dir genannten 99% entsprechen schlicht nicht den Fakten.

        Das Problem ist, dass jegliche Kritik an den erwähnten Damen (egal, ob in Bezug zu Gamergate oder nicht – egal, ob fundiert oder nicht – egal, ob gerechtfertigt oder nicht) grundätzlich mit „Das ist Frauenhass! Das ist Unterdrückung!“ weggewischt oder durch Blocklists ignoriert wird.
        Ja, es gibt mitunter gewaltige Probleme mit Diskussionen im Netz. Dieses ist eines davon. Dem Beitrag der Tagesschau mangelt es aber trotzdem an Recherche und einem neutralen Standpunkt für die Berichterstattung. Er ist damit bestenfalls ungenügend, um die Situation zu darzustellen.

        Beweis durch Behauptung? Ich gehe davon aus, dass Du weder Deine Zahl mit Fakten untermauern kannst noch die Vermutung, dass der Skandal und den Spielehournalismus in irgendeiner Weise mit einer Hexenjagd verknüpft wäre.

        Tatsache ist, dass gerade aus dem Lager derer, die unter dem Gamergate Hashtag posten, jegliches Doxxing und jedwede Drohungen verurteilt und den Behörden gemeldet werden – egal, wer die Betroffenen sind. Im Gegensatz dazu ist sich die Gegenseite nicht zu schade dafür, mit

      2. In meiner ersten Antwort hat es einen Teil des Textes beim Abschicken leider gedoppelt, keine Ahnung wieso. :\
        Die letzten zwei Absätze sind somit unnütz und können ignoriert werden. Sorry dafür.

  2. Wir haben kein Problem mit Debatten. Debatten in der analogen Welt laufen in kleinem Kreis, in geordneten Formen und Strukturen ab, Menschen verhalten sich (meistens) anständig. Debatten im Netz sind das Problem (Anonymität der Teilnehmer, asynchrone Kommunikation, Fehlinterpretationen etc.)

    1. Es gibt da ganz viele Gegenbeispiele in diversen Foren in Retroshare (wo ebenfalls anonym und asynchron gepostet wird) und sich sehr interessante Debatten entwickeln, trotz aller Trollerei durch ein paar möchtegern pubertierende ;).

      Das Netz hier als Problem zu bezeichnen ist insoweit wohl nicht richtig. Auch im offenen Netz gibt es einige Beispiele, die von qualitativen Debatten unter „Netz-bedingungen“ berichten können.

      Auch Fehlinterpretationen bei zwischenmenschlicher Kommunikation sind kein Phänomen, dass sich auf das Netz oder Asynchrone oder Anonyme Kommunikations beschränkt.

    2. „Debatten in der analogen Welt laufen in kleinem Kreis, in geordneten Formen und Strukturen ab“

      Du meinst so wie z.B. gerade in der Ukraine friedlich debattiert wird?

  3. Klar kann man auch offline schlecht und online anständig debattieren, aber der Selbstdarstellungs-Mutantenstadl, grade auf twitter, ist schon ein netz-spezifisches Problem. Die schiere Größe von solchen sozialen Systemen und die digitale Geschwindigkeit lassen eine ganz neue Qualität der Rudelmentalität entstehen. Schnell rein in die filterbubble und dann alle Schotten dicht und mal richtig rumkotzen – und zwar im Idealfall immer noch ne Ecke extremer und hysterischer als der User über mir. Panische Abgrenzung nach außen, um die potentielle Ausgrenzung von innen zu verhindern. Letztlich existentielle Angst. Ist ja auch alles total ok, weil man hat ja schließlich Recht und die bösen sind selbstverständlich die andern. Muss man wissen. Kritisches Denken, Bereitschaft zur Selbstreflexion usw. braucht man auch nicht mehr, dafür gibts ja die organisierte gegenseitige Affirmation innerhalb des Rudels, zur Not wird halt geblockt. Das sind dann im Übrigen meistens die Leute, die sich für besonders gebildet und intellektuell halten, weil sie mal ne mittelmäßige Hausarbeit über Adorno geschrieben haben. Naja.

  4. Wir haben kein Problem MIT Debatten im Netz, sondern OHNE. Das sind keine Debatten, das ist einfach nur stumpfes Gedresche. Ich spüre das äußerst oft in letzter Zeit, weil meine Ansichten nicht immer „der Norm“ entsprechen.

    Ich finde, es ist der falsche Weg, zu sagen, dass diese Beschimpfungen halt zur Internetkultur gehören (oft genug gehört: wenn dir der Tonfall hier nicht passt, geh doch wo anders mimimi machen!). Ich will nicht Teil eines Internets sein, in dem man nicht sachlich und emotionslos diskutieren kann, sondern immer bereit sein muss, sich übelsten Beschimpfungen bis hin zu zerstochenen Reifen und Morddrohungen auch gegen die Familie zu stellen.

    Ad hominem ist eine Sache. Es ist ein sehr breites Feld. Manches ist noch erträglich, manches gar witzig, aber manches geht echt ENTSCHIEDEN zu weit. Für mich hört der Spaß bereits dort auf, wo mein Gegenüber keine Argumente mehr bringt, meine eigenen Argumente ignoriert und mich nur noch als geisteskrank zu dissen versucht.

    Das Problem dabei ist: oftmals bekomme dann nicht ich, als derjenige, der vernünftig zu diskutieren und zu argumentieren versucht, die Schützenhilfe der Community, sondern mein schimpfendes Gegenüber. Ich bekomme dann Feuer von allen Seiten. Keiner geht auf irgendein Argument ein, alle dreschen nur noch drauf.

    Ich denke nicht, dass meine Beschwerde hier eine Form von „mimimi“ ist, sondern durchaus berechtigt. Meine Familie und die Reifen meines Autos haben mit meiner Meinung nicht das geringste zu tun und überzeugen lasse ich mich ausschließlich durch Argumente, nicht durch Drohungen. Ehrlich, ich finde das total scheiße und es ist doch eigentlich nicht an mir, damit klar kommen zu müssen, sondern eigentlich die Pflicht der Community, gemeinsam (!) etwas gegen das Geschrei und diesen wuchernden Universalfanatismus zu unternehmen, oder?

    Es scheint ja wirklich nur noch ums verbale (und tätliche) Runterputzen zu gehen, nicht mehr darum, auch bei unterschiedlichen Standpunkten zu einer gemeinsamen Basis zu gelangen und das Gegenüber vielleicht zu überzeugen.

    Ich finde das scheiße. Und traurig… ein paar Schreihälse, die aus Geltungsdrang und Mangel an Argumenten alles niederknüppeln, was sich nicht auf ihre Seite stellt…

  5. Die Anonymität im Internet muss verboten und verfolgt werden!

    Nur mit Klarnamen und Identifizierbarkeit sind vernünftige und anständige Diskussionen möglich! Täglich können wir auf Facebook beobachten, wie dort die Menschen unter ihrem Klarnamen gesittet, freundlich, respektvoll und rechtskonform miteinander umgehen. Auf Facebook gibt es dank Nicht-Anonymität keine Beleidigungen, Bedrohungen, Verleumdungen, Hass oder Hetze. Auf Facebook ist alles sauber und schön. Ohne Anonymität leben wir besser und tugendhafter.

    Nieder mit der Anonymität! Lang leben das reine Paradies Facebook!

  6. Nein. Die Anomymität an sich ist wichtig, damit sich Personen an einer Debatte beteiligen können, die im richtigen Leben mit Abhängigkeiten leben und überleben müssen.

    Alles, was wir tun, benötigt aber einen ganz bestimmten Aufwand, um es zielorientiert tun zu können. Es bedarf nicht mal Trolle, um von einer zielführenden Debatte abzukommen:

    Für zielführende Debatten braucht man die gleichen Bedingungen, wie für ein Meeting. Man benötigt Regeln und einen Debattenleiter, der dafür sorgt, dass die Regeln eingehalten werden. Keinen inhaltlichen Zensor, sondern einen Kommunikationszensor.

    Für eine konzentriert geführte Debatte benötigt man neben dem Debattenleiter auch noch einen Tisch an den sich alle Teilnehmer setzen.

    Im Internet kann jeder Nebenkriegsschauplätze aufbauen. Also neue Debattentische unter eigener Leitung. DAS ist das Problem.

    Wir brauch also für jede zielführende Debatte zwei Dinge:

    Ein einziges Forum, in dem die Debatte geführt wird und

    einen Debattenleiter.

    Wenn wir das nicht realisieren können, läuft es irgendwann irgendwohin. Es hilft also nur, wenn alle wahrhaften Debattenteilnehmer selbst sehr diszipliniert sind, einen einzigen Debattenraum zu einer Debatte suchen und zuerst einen Debattenleiter bestimmen, den alle akzeptieren.

    Im Umkehrschluss heißt das: Keine Energie in Debattenräumen zu investieren, die die Debattenkultur nicht gewährleisten.

    Und Auswüchse, im schlimmsten Falle Drohungen, in dieser Gemeinschaft entschärfen und die betreffenden Debattenteilnehmer direkt unterstützen.

    Das alles bedeutet Aufwand und Selbstdisziplin. Diesen Aufwand müssen wir investieren. Denn es gibt keine andere einfachere, billigere Lösung.

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