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Urheberrechtsverletzungen: Polizei-Razzien gegen spiegelbest.me und ebooksspender.me

Diese Woche wurden mehrere Wohnungen und Büros im Zusammenhang mit den E-Book-Seiten spiegelbest.me und ebooksspender.me durchsucht. Das berichten Betroffene und Anwälte. Der berüchtigte Buchpirat Spiegelbest scheint weiter auf freiem Fuß zu sein und veröffentlicht ein eigenes Statement zum Stand des E-Book-Marktes.

Buch und E-Book-Reader. Bild: Cristian Eslava. Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0.

Die Kanzlei Wilde Beuger Solmecke berichtet: Durchsuchungsbeschlüsse gegen Nutzer von spiegelbest.me und ebookspender.me ergangen!


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Heute wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft erneut im Kampf gegen vermeintliche Urheberrechtsverletzungen aktiv geworden ist. Ins Visier der Ermittler sind dieses Mal die Seiten spiegelbest.me und ebooksspender.me geraten. Auf diesen Seiten bekommen registrierte Nutzer gegen eine Beitragszahlung von 5 Euro monatlich Zugriff auf über 50.000 urheberrechtlich geschützte E-Books. Die Beiträge der Nutzer werden zum Teil dazu genutzt diesen Bestand zu erweitern. Die online gestellten E-Books werden ohne Kopierschutz online gestellt, sodass die Erstellung unbegrenzter Kopien ermöglicht wird.

Dabei traf es auch unsere Bekannten von selbstauskunft.net, die auf ihrem Blog verkünden: Unsere erste Durchsuchung

Diese Woche hatten wir die erste Durchsuchung in unseren Büroräumen. Um 19 Uhr abends kam mir nach Feierabend vor unserer Eingangstür ein Durchsuchungstrupp der Kriminalpolizei Bremen mit einem entsprechenden Durchsuchungsbeschluss entgegen. Weil wir seit mehreren Jahren einen TOR Exit-Node betreiben schien es für mich nur eine Frage der Zeit zu sein, bis wir das erste Mal von einer solchen Maßnahme beglückt werden.

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen freut sich, darf aber derzeit nicht mehr sagen als:

Wie die involvierten Behörden, können wir die Verfahren aus ermittlungstaktischen Gründen vorerst jedoch nicht weiter kommentieren oder darüber informieren.

Der berühmte Buchpirat Spiegelbest erklärt auf dem Blog von Lars Sobiraj: Die Durchsuchungen von Ebookspender.me: Spiegelbest kommentiert

Ich werde mich nicht mehr oft zu Wort melden und wage deshalb einen kleinen Rückblick. Uns ist viel vorzuwerfen. Es ist den Verlagen durch uns sicherlich Schaden entstanden. Mag sein. Aber wir haben auch etwas erreicht: Wir haben das digitale Lesen richtig populär gemacht. Dunkelziffer hin, Dunkelziffer her. Es ist wohl so: Wenn es nach den Verlagen gegangen wäre, hätten sie das damals neue „Geschäfts“feld gleich wieder eingestampft.

Und schauen wir uns die E-Books mit ein wenig Phantasie an. Ich gehe davon aus, dass dass die anderen E-Book-Boards auch fallen werden (Begründung, siehe oben). Und dann sind die E-Books nicht mehr illegal. Dann können die Verlage ungestört Geld verdienen – in einem sehr populären Format!

Letztes Jahr hatten wir drei Interviews mit E-Book-Piraten, darunter auch mit Spiegelbest.

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5 Kommentare
  1. Weil wir seit mehreren Jahren einen TOR Exit-Node betreiben schien es für mich nur eine Frage der Zeit zu sein, bis wir das erste Mal von einer solchen Maßnahme beglückt werden.
    Es sollte aber eben *keine* Frage der Zeit sein, weil Strafverfolgungsbehörden auch *ENDLICH* mal kapieren könnten, daß Tor-Exit-Node-Betreiber Anonymisierung als Dienst anbieten und es dort nichts zu holen gibt, schon gar nicht den gesuchten Übeltäter.

    1. Darum geht es gar nicht. Das wissen die auch so.
      Es geht darum, die Infrastruktur zu schädigen, möglichst nachfolgende Institutionen einschüchtern und abzuschrecken, so dass die gar nicht erst auf die Idee kommen, einen eigenen TOR Exit-Node zu betreiben.
      Und da Amtsgerichte inzwischen pauschal alles abnicken, ist die Gefahr, so eine Durchsuchung abgelehnt zu bekommen, relativ gering. Zur Not schreibt man eben „Kipo“ oder „Terrorismus“ auf den Beschluß, dann hat kein Amtsrichter mehr etwas dagegen.

      Massendurchsuchungen sind „in“, das wissen wir seit langem. Ganz egal, ob es darum geht, weil jemand legale FKK-Filme kauft, dem man dann böswillig unterstellt: „Wer legales kauft, besitzt auch illegales“ oder wie jetzt eben gegen Urheberrechtsverletzungen oder auch bei der „Rockerkriminalität“, wo auch mit böswilligen Unterstellungen und nicht mit Fakten gearbeitet wird. Die Historie der letzten 10 Jahre ist durchzogen von solchen Massendurchsuchungen, die meisten davon endeten fast immer im Schaden der Betroffenen, ohne dass dabei tatsächlich Aufklärung stattfand oder tatsächlich Straftaten nachgewiesen werden konnten. Oftmals sind es dann Bagatellen, für die die Betroffenen verurteilt werden, einzig auch deswegen, dass die dann zusätzlich alle Kosten aufgebürdet bekommen – für Maßnahmen, die gerechnet an der „Straftat“ so niemals hätten stattfinden dürfen. Ein pervertiertes Rechtssystem.

      Eigentlich gibt es höchstrichterliche Rechtsprechung, die solche Willkürdurchsuchungen verbieten. Aber weil die Medien mitspielen und unhinterfragt Polizeiberichte übernehmen, noch dazu keinerlei Haftung erfolgt und sich demnach keine Konsequenzen ergeben… und zusätzlich die Richter komplett überfordert sind und inzwischen auch nur noch der Staatsanwaltschaft nachplappern, also eine Abhängigkeit zu Ungunsten Beschuldigter zugunsten der Polizei inzwischen Standard ist, ist die Situation eben so, wie sie ist und sich zudem immer mehr verschlimmert. Viel fehlt nicht mehr zum totalitären Polizeistaat, schon heute nehmen sie sich alle „Rechte“ heraus, beugen Recht und Gesetz, denn der Zweck heiligt die Mittel.

      Die Betroffenen werden ihres Eigentums enteignet, es werden ihre intimsten Daten durchwühlt, wenn sie nicht gut verschlüsselt sind und alles in allem bleiben sie auch noch auf allem Schaden sitzen und sind oftmals ruiniert, der Ruf zerstört, das Familienleben beeinträchtigt bzw. vernichtet und der psychisch bleibende Schaden gewaltig.

      Aber das sind scheinbar die „kleinen Opfer“, die wir als Gesellschaft gerne bereit sind zu tragen, wenn man Menschen aufgrund von Nichtigkeiten verfolgt, jagt und bloßstellt.

      Ich wiederhole mich gerne:
      Es geht NICHT darum zu kapieren, dass es „nichts zu holen“ gibt, es geht um Einschüchterung und Machtausübung um jeden Preis. Die schwammigen Gesetze helfen dabei, ein Neues passiert in Kürze den Bundesrat, nämlich das unsägliche Maas-Gesetz, das jetzt angeblich irgendwelche Personen und vor allem Kinder schützen soll. Irgendwie. Am Ende ist es ein reines Willkürgesetz, welches der Polizei wieder unzählige Willkürmethoden anbietet, Menschen fertig zu machen. Kapiert bei all der Hysterie nur niemand – und wer es kapiert, wird mundtot oder lächerlich gemacht. Funktioniert prima.

  2. Hmm kannte ich gar nicht die Seiten. Ich lade meine e-books immer von anderen Seiten. Möchte die aber nicht unbedingt hier nennen sonst gehen die Kack Bullen dagegen auch vor. Die ganzen Admins schlampen aber auch dermaßen rum – das ist mehr nicht witzig und peinlich – das ist ein Clusterfuck und keine Katastrophe hoch 10. Die melden ihre Seiten z.B. auf ausländischen Servern an und nehmen auch so Domains wie .to oder .ru aber dann z.B. mit ihrem echten Namen… Oder geben FREIWILLIG das Impressum mit an. Natürlich wieder mit echten Namen m( Boah diese Schmerzen !

    Hier ne Kurzanleitung für inkompetende Admins die anonym ihren Shit hosten wollen und ein Fick geben auf die Bullen & Co.

    http://justpaste.it/iezl

    So – das war für die Webseiten Betreiber. Für die User gilt es sich IMMER anonym einzuloggen. Tor ist lahm also kommt nur VPN in Frage. Naja oder WLAN als auch Internet Cafés etc. Als Downloader ist es eigentlich egal aber als Upper (Uploader) MUSS man immer anonym sein. Welcher VPN Anbieter safe ist könnt ihr hier nachlesen
    http://torrentfreak.com/which-vpn-services-take-your-anonymity-seriously-2014-edition-140315/

    Bei Fragen schreibt mir unter: boerse.bz@maskr.me

    1. Internet Cafes? Dein Ernst? War Driving, baby! War driving!
      Und Tor lahm? Wieso`? Man kann den selben shit mit Tor uppen wie mit allem andern auch. Man muss nur von vornherein keine ungefakten Infos reinstellen. Das gilt auch für die Hardware und das OS sollte sowieso nicht mit Fingerprint oder sonstigem daher kommen. Spoofing up the ass!

  3. Man könnte auch die Gelegenheit nutzen und dabei auf eindeutig legale Alternativen aufmerksam zu machen.

    Das Urheberrecht gilt zwar elend lange, aber nicht ewig! Siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers ist zwar zu lange für Musik, Filme oder gar Software, aber gute Bücher findet man da schon noch, deren Rechte abgelaufen sind.

    Project Gutenberg, Wikisource, Open Library, <a href="http://www.digbib.org/"<Digbib.org, Deutsches Textarchiv

    Auch ich habe auf meiner Homepage eine kleine Bücherecke.

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