Demokratie

Mitmach-Aktion: Bei Schufa & Co Auskunft verlangen

Einer der wenigen Highlights aus der letzten Datenschutzreform ist eine kostenlose Abfrage bei Auskunfteien, welche Daten sie über einen gespeichert haben. Bisher musste man dafür z.B. bei der Schufa Geld bezahlen. Aber neben der Schufa gibt es noch zahlreiche weitere Unternehmen, die Geld damit verdienen, uns und unsere Bonität zu berechnen und die berechneten Werte an andere Unternehmen zu verkaufen.

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Denen kann man jetzt die Arbeit etwas schwerer machen, indem möglichst viele Menschen Auskunftsanfragen stellen. Die Verbraucherzentralen haben praktischerweise schon einen Musterbrief verfasst (PDF), den man dafür nutzen kann. Dazu findet man auf der Webseite Surfer haben Rechte eine Liste mit Anschriften von Auskunfteien (PDF). Benötigt wird nur noch pro Unternehmen ein Briefumschlag und eine Briefmarke. Aber die ist gut investiert: Oftmals sind die Werte falsch und man wundert sich z.B. nur, weshalb man keinen Kredit bekommt oder dergleichen. Das kann man jetzt überprüfen und zugleich die Kosten für die Datenhändler erhöhen.

Wenn die Unternehmen nicht mitspielen wollen oder ihr unzufrieden mit einer Antwort seid: Beschwert Euch! Die Verbraucherzentralen bieten hier auch eine weitere Anlaufstelle.

Ich druck mir jetzt erstmal meine Musterbriefe aus.

43 Kommentare
  1. Ist es nicht auf gängige Praxis, dass eine Auskunftseinholung über sich selbst schon einen negative Scoring-Eintrag zur Folga hat? Das ist zumindest bei einigen KFZ-Finanzier-Banken so…

    1. Ich habe im Juni 2011 per Fax an

      Schufa Holding AG
      FAXNUMMER 0611 / 9278-109

      meine Datenübersicht nach §34 Bundesdatenschutzgesetzt erbeten und folgende Antwort erhalten:

      „Lassen Sie uns bitte eine beidseitige, gut lesbare Kopie Ihres Personalausweises mit Ihrer Aktuellen Adresse bzw. Reispass mit einer aktuellen Meldebestätigung zukommen.“ und

      „Die in unserem Datenbestand zu Ihrer Person zuletzt gespeicherten Daten weichen von denen in Ihrer Anfrage ab. Eine eindeutige und damit sichere Zuordnung Ihrer Anfrage zu Ihren persönlichen Daten ist daher nicht möglich. Da wir Ihre Auskunft nur an Ihre gemeldete Anschrift senden können, fragen wir daher eine gut lesbare Kopie eines amtlichen Dokuments an, aus dem Ihre Aktuelle Anschrift hervorgeht. Eine Zusendung mit dem Vermerk „Wohnhaft bei“ ist nicht möglich. Stellen Sie bitte sicher, dass Ihnen die Auskunft unter der angegebenen Adresse zugestellt werden kann. Diese Regelung dient dem Schutz Ihrer persönlichen Daten.“

      Der Darstellung, meine „zuletzt gespeicherten Adressdaten“ würden von denen in meiner Anfrage abweichen habe ich widersprochen und auf ein Schreiben der Schufa vom 28. September 2009, mit der Referenznummer xyz hingewiesen, welches belegt, dass die im Datenbestand über mich gespeicherten Adressdaten tatsächlich richtig gespeichert sind, zumal ich seit Jahrzehnten nicht umgezogen bin.

      Diese lächerliche, offensichtlich aus der Luft gegriffene Darstellung dient schändlicher Weise wohl lediglich dazu, fälschlicherweise darstellen zu können, das eine Identifikation meiner Person per Personalausweis nötig sei, um diesem dann weitere Daten über mich entnehmen und sammeln zu können. Anderenfalls hat die Schufa meine Daten offensichtlich nicht hinreichend im Griff, was Sie auch nicht seriöser wirken lässt.

      Für die unnötige Identifikation sind lediglich Name, Anschrift und Geburtsdatum notwendig. Alle anderen Daten auf meiner Personalausweiskopie habe ich unkenntlich gemacht und vergrößert per Fax geschickt, und warte nun auf Antwort.

  2. „Denen kann man jetzt die Arbeit etwas schwerer machen“ – warum genau sollte das ein Ziel sein? Man könnte fast meinen, dass du der Arbeit der Schufa hier keinen Wert beimisst. Dass es aber gerade erst durch solche Auskunfteien möglich ist, dass viele ohne großen Aufand an Kredit herankommen, fällt dabei unter den Tisch.

    1. @7 (SebMol) Die Arbeit der Schufa, trotz Untersagung Scores zu berechnen, wissen einige schon zu würdigen. Man nennt diese Personen „Richter“. Der Ausdruck Schufa treibt vielen einfach nur die Zornesröte ins Gesicht und nein ihre Arbeit ist seltenst zum Vorteil des Kunden. In den allermeisten Fällen fährt man ohne sie besser. Ich persönlich verweigere mittlerweile die Weitergabe von Daten an diese Ausgeburt des Lobbyismus.
      (Was ist denn ein „noncommercial sewer“ [Recaptcha nervt])

  3. @Olli
    die möglichen Kontaktwege stehen alle in dem verlinkten pdf der Verbraucherzentrale.
    Bei vielen geht es auch online.
    – wobei die Verbindung hoffentlich verschlüsselt ist – ansonsten ist ihre Verbindung ein gefundenes Fressen für Datendiebe…

  4. 1. Ich finde es auch gut, dass die Organisationen nun endlich Auskunft geben MÜSSEN. Ob man das jetzt zum Anlass nehmen sollte, dazu aufzurufen, diese nun mit Anfragen regelrecht zu bombardieren halte ich für sehr fragwürdig.
    Schon seit langem ist es bei der Schufa möglich zu sehen (online), welche Daten von einem gespeichert sind und welche Anfragen von wem kamen. Der Scoringwert ist auch einsehbar (wird glaube vierteljährlich aktualisiert). Also ich halte den Mehrwert einer schriftlichen Auskunft für sehr gering, wenn er denn überhaupt vorhanden ist.

    2. Ich verstehe nicht wieso man auf die Musterbriefe der Verbraucherzentralen hinweist, wenn doch die Schufa schon eigens ein standardisiertes Formular für solche (1x/Jahr kostenfreien) Anfragen bereitstellt: https://www.meineschufa.de/downloads/SCHUFA_Infoblatt-DU-Antrag-deutsch.pdf

      1. 26.04.2006 Mietnomade Jennifer M.!Welchen Nutzen die Schufa für den einzelnen Verbraucher hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, für wen sie arbeitet – und das bin nicht ich. Ich bin nämlich gar kein Kreditnehmer, war auch lebenslang nie einer. Trotzdem krallt sie sich bei mehreren Gelegenheiten meine Daten.

        Andererseits besitzt die Schufa nur wenige Daten über mich, weiß nicht, über wieviel Geld ich z. B. verfüge. Auf dieser schmalen Basis erstellt sie ihren Score und verbreitet ihn. Dieser recht eindeutige Verstoß gegen das Datenschutzgesetz wird immer noch toleriert, obwohl ihn Gerichte bereits vor Jahren halbherzig rügten.

    1. @11: Die kostenfreie Selbstauskunft nach BDSG ist nicht identisch mit der Schufa-‚Verbraucherauskunft‘ — die wird kostenpflichtig gehalten. Daher ist das Wording im Auskunftsersuchen wichtig.

  5. Gibt’s bei der Verbraucherzentrale eigentlich niemanden, der so einen Musterbrief mal korrekturlesen kann? Das Ding ist ja eine Katastrophe in Rechtschreibung und Ausdruck.

  6. Die schufa verlangt auf ihrem Vordruck, dass man eine gute lesbare Kopie von Vor- und Rueckseite des Personalausweises beilegt.

    Wird die schufa die Auskunft verweigern, wenn man schlicht den Musterbrief verwendet, und keine Ausweiskopie beilegt?

  7. Die Antwort findet sich im Schufa-Musterbrief bei nfdi.bund.de. Da heisst es:

    Mir ist bekannt, dass Sie bei schriftlichen Anträgen auf Auskunftsgewährung eine Kopie des
    Personalausweises anfordern dürfen, um meine Identität zu überprüfen. Eine entsprechende
    Kopie habe ich beigefügt. Da nur die Angaben zu Name, Anschrift und Geburtsdatum für eine
    Identitätsprüfung erforderlich sind, habe ich die restlichen Angaben geschwärzt.

    1. @Dorf:

      Der Absatz ist aus dem Musterbrief verschwunden! Weiß jemand näheres dazu? Welche Angaben auf dem Personalausweis werden denn nun benötigt?

  8. Die Liste aller Auskunfteien scheint ja wirklich lang und sehr unübersichtlich zu sein.
    Wäre es evtl. ein gangbarer Weg den Wikipedia Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Auskunftei dazu zu nutzen, eine möglichst komplette Liste erstellen zu können, damit es einfacher wird überhaupt mal abzuschätzen wo man überall nachfragen kann/sollte?

  9. @ Sebastian Moleski
    Einfach mal die Fakten ansehen! Dann urteilt es sich besser.

    Welchen Nutzen die Schufa für den einzelnen Verbraucher hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, für wen sie arbeitet – und das bin nicht ich. Ich bin nämlich gar kein Kreditnehmer, war auch lebenslang nie einer. Trotzdem krallt sie sich bei mehreren Gelegenheiten meine Daten.

    Andererseits besitzt die Schufa nur wenige Daten über mich, weiß nicht, über wieviel Geld ich z. B. verfüge. Auf dieser schmalen Basis erstellt sie ihren Score und verbreitet ihn. Dieser recht eindeutige Verstoß gegen das Datenschutzgesetz wird immer noch toleriert, obwohl ihn Gerichte bereits vor Jahren halbherzig rügten.

  10. Ich würde mit einer Auskunft bis Jahresende warten, da nur eine Auskunft pro Kalenderjahr kostenfrei ist. Wer weiß schon, ob er im Jahresverlauf für Handy, Kredit, neue Wohnung etc. noch einmal eine Auskunft braucht? Und die schlägt dann mit stolzen 18,50 € zu Buche.

    Ich halte zwar diese Kosten nicht für angemessen (lt. Gesetz nur direkt zurechenbare Kosten), aber wer will und kann sich schon im Zweifel mit der Schufa rumschlagen. Auch ein kostenloser Anspruch wenn „besondere Umstände“ falsch gespeicherte Daten nahelegen, wäre im Zweifel erstmal ein Streit- und Geduldsfall mit der Schufa.

    Da ist es dann gut, wenn man noch seinen kostenlosen Anspruch hat. Am Jahresende dann aber nicht vergessen den noch einzulösen, falls er nicht verbraucht wurde.

    Ich werfe mal Nikolaus als Stichtag für die Mitmach-Aktion in den Raum.

  11. Habe heute Post von der Schufa drin gehabt. Ich soll das beiliegende Formular ausfüllen und mit Perso-Kopie an sie zurücksenden. Kostet also noch eine Briefmarke ;) . Mal sehen wann ich die Zeit finde.

  12. Da ich selbstständig bin und manchmal mit Firmen in Kontakt komme die mir nicht ganz geheuer sind, habe ich schon oft Geschäfte ausgelassen wegen eines unguten Bauchgefühls. Hab da aber jetzt eine Seite zur Bonitätsprüfung gefunden. Kann ich wirklich nur empfehlen. Lässt einen aufjednfall ruhiger schlafen.

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