Überwachung

Wenn die Polizei deinem Arbeitgeber erzählt, was du am Wochenende gemacht hast…

… kannst du am Montag schon gefeuert sein, weil du am Samstag auf einer Demo warst.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Das ist jetzt einem Aktivisten passiert, der freitags blau gemacht hatte, um am Samstag an einer Demonstration teilnehmen zu können, die sich gegen Urban Shield in Oakland, Californien, richtete. Urban Shield ist unter dem Deckmäntelchen von Terrorismusbekämpfung und Katastrophenvorbereitung im Kern eine Produktschau und Verkaufsveranstaltung von Waffenherstellern u.ä., ergänzt mit Übungen und Kriegspiel-Wettbewerben, gegen die es jedes Jahr deutliche Proteste gibt. Passend, da kann man die neuen Produkte zur Sicherung der Ordnung gleich an den Demonstranten ausprobieren.

Wie gut die Überwachungstechnologie der Polizei Oakland jetzt schon funktioniert, zeigte sich, als Überwachungsbilder des Aktivisten, auf denen er vermummt war, kombiniert mit dem Nummernschild seines Wagens an dessen Arbeitgeber gesendet wurden. Der ihn sogleich entlassen hat, da eine Krankheit ja offensichtlich nicht vorlag.

Der Betroffene ist auf Twitter als @Anon4justice bekannt und hat die Bilder veröffentlicht, die zeigen, wie fortgeschritten die automatische Erkennung Verknüpfung von Informationen selbst bei teilweiser Verdeckung des Gesichts mittlerweile sein muss:

 

Um ihre Fähigkeiten noch weiter auszubauen, plant Oakland aber bereits eine Ausweitung ihrer Überwachungskapazitäten namens Domain Awareness Center:

Der Stadtrat von Oakland hat einstimmig beschlossen, 2 Mio. Dollar für Phase 2 des DAC zu gewähren. Es wird öffentliche und private Kameras sowie Sensoren im gesamten Stadtgebiet zu einem 10,9 Mio. Dollar schweren Massenüberwachungssystem kombinieren. Es wird finanziert durch das Ministerium für Innere Sicherheit und ausgeführt vom Militär-Vertragspartner Science Applications International Corporation.

 

25 Kommentare
  1. Da stellt sich mir doch die Frage, wieso zum Donner die Polizei unaufgefordert und ohne ersichtliche Notwendigkeit irgendwelche wie-auch-immer zu Stande gekommene Daten an den entsprechenden Arbeitgeber schickt. Sollte das so etwas wie eine Strafe ohne Gerichtsprozess werden? Schöner Rechtsstaat, das.

    1. Für die Einen ist es Denunziation aus niederen Beweggründen.
      Für die Anderen ist das die schlichte Bestätigung der alten, konfuzianischen Weisheit: „ACAB“.

      1. Da auch mein Großvater früher „Cop“ war, würde ich die alte konfuzianische Weisheit gerne ummünzen auf „MCAB“, denn er war sicherlich kein prügelnder, denunzierender, korrupter Bulle, sondern jemand, der sich seiner Berufsehre noch verpflichtet gefühlt hat. Auch wenn er heute nicht wahr haben will, dass ein großer Teil der Polizei weltweit inzwischen eher jene konfuzianische Weisheit bestätigt.

  2. Mit DEM Beispiel machst Du hier in Deutschland Werbung und Stimmung FÜR den Überwachungsstaat. Ein Drückeberger, der vermummt auf Demos abhängt während das arbeitende Drohnenvolk malochen geht? Kann froh sein, dass er nicht eingebuchtet wurde.

  3. eigentlich eine spannende geschichte. wie haben die das gemacht, wo er doch vermummt war? hatte er den lappen zwischendrin ab? oder nur halb über dem gesicht? welche systeme könnten sie genutzt haben? wie könnten sie verschiedene systeme kombiniert haben?

    alles spannende fragen, welche ich in einem solchen artikel, vielleicht sogar mit der einen oder anderen antwort, erwarten würde. stattdessen ereifert man sich darüber, dass jemand, der sich zu unrecht krankmeldet, gekündigt wird, wenn es raus kommt.

    das kann nicht euer ernst sein.

    1. Wo ist denn eine Ereiferung über die Entlassung? Die ist ja nicht überraschend und eine Großzahl der Arbeitgeber würde nicht anders handeln.

      Kritikpunkt ist doch vielmehr die ungefragte Weiterleitung von Überwachungsbildern. Die als Signalwirkung hat, dass sich niemand mehr auf eine Demo trauen sollte, wenn er Grund hat, dass nicht die ganze Welt wissen sollte, wo er gerade ist und welche Ansichten er vertritt.

      1. ja, eine weitere wichtige frage: warum wurden die bilder weitergeleitet? einfach nur so? mit einer anfrage zur identität? war es ein firmenfahrzeug? oder mit einem kommentar wie, „vielleicht möchten sie näheres über ihren mitarbeiter wissen“? steht alles nicht im artikel. wäre aber die voraussetzung, um das ganze einordnen zu können.

      2. Bisher ist laut dem Twitteraccount von Anon4justice bloß bekannt, dass die Polizei die Firma angerufen hat und vorgab, ihr Mitarbeiter sei in eine Fahrerflucht verwickelt gewesen. Momentan gab es noch keine neuen Meldungen, aber Anon4justice hat nach eigenen Angaben seine Anwälte eingeschaltet. Falls es Neues gibt, ergänze ich die Informationen hier auch gern.

    2. Viel interessanter: Wie konnte die Polizei wissen, dass der Demonstrant sich bei seinem Arbeitgeber krankgemeldet hat, so dass sie überhaupt auf die Idee kam, dass man ihn verpfeifen könne?

  4. Minority Report lässt grüßen. Echt gruselig. Aber wenn sich herrschende Eliten durch fortschreitende Aufklärung um Machtverluste sorgen, dann ist jedes Mittel recht.

    Nur Blaumachen ist halt trotzdem nicht OK. Dann nimmt man halt Urlaub. Insofern wäre interessant, ob die Cops auch wussten, dass er krank geschrieben ist und damit gezielt auf Abschreckung gesetzt haben.

    1. Die Repression seitens des Staates wird der Vertrauen der Bevölkerung untergraben und somit das Fundament der Staatsmacht auflösen. Also lass sie nur weitermachen die Eliten, mit jedem Leak, mit jeder Zensurforderung, Verharftung usw schwindet ihre Unterstützung.

  5. Hallo,.. ich hätte gerne mal einen Blick auf die Bilder geworfen,
    doch leider habt ihr die nicht gespiegelt,… und in meiner Schule wird Twitter geblockt.

    so doof das auch ist, es ist einfacher für euch die Bilder zu spiegeln, als für mich etwas am Bildungssystem zu ändern…aber da sonst millionen eltern wieder am schreien sind, wenn nix geblockt wird im Bildungssystem… ist die Reaktion der Schulen ja auch verständlich.

    oder?
    kleines kind

      1. meist so schlampig verwaltet das es keiner großen Mühe bedarf. Wir haben sie immer selbst umkonfiguriert,damit wir Ruhe hatten vor Störenden Kleinen und Langweile im Unterricht

    1. falls du iwo bissl webspace mit php hast klatsch da nen webproxy drauf. hab ich während meiner schulzeit auch getan. am besten hinter nem passwort damit du selbst nicht mit dem proxy auf irgendner jugendschutz-liste landest. (ist mir dann irgendwann passiert bei meinem ersten.)

  6. Wenn ich mir seinen Twitter Account angucke, würde es mich nicht wundern, wenn die Polizei ihn schon länger auf ihrer Liste hat. So wie die Polizei hier auch auf Menschenjagt geht und Watchlist pflegt. Dann ist es einfach nur eine routinemäßige Funkzellenabfrage bei einer Demo (wird auch in Deutschland gemacht) und dann findet man heraus, dass diese Person an der Demo teilgenommen hat. Und der Nummernschildscanner am Parkhaus hat der Polizei dann gesagt, wo das Auto abgestellt wurde.

    Was sich die Polizei in Deutschland noch nicht traut, ist die Daten an den Arbeitgeber weiter zu geben, aber daran wird im Hintergrund bestimmt schon gearbeitet. Letztens hat doch ein CDU Hansel gesagt, dass man doch Firmen dazu zwingen sollte mit dem Staat zusammen zu arbeiten. Das kann man dann auch gleich verknüpfen.

    1. Wird hier auch gemacht… achso, na dann! Hier gibt es auch Mörder – wieso bestraft man sie noch, um Himmels willen? Die gibt es doch auch dort! Dann ist alles klar. Ja wenn das so leicht ist, sollte man das so machen.

  7. Was mich wesentlich mehr interessiert, sind die Hintergründe der ganzen Story. Zum Beispiel: Warum nahm der Angestellte nicht frei? Warum macht er freitags ‚frei‘, wenn samstags die Demo ist; lange Anfahrt? Wie kommt die Polizei dazu, dem Arbeitgeber Bericht zu erstatten? Stimmen die Aussagen der Polizei diesbezüglich? Stand der Betroffene vorher bereits unter Beobachtung? Gehört er zu den aggressiveren Demonstranten? Erst dann stellt sich ja die Frage, mit welchen Mitteln sie aus welchem Gründen vorgegangen ist.
    Ist der Mann z.B. breites bei diversen Demos auffällig geworden und polizeibekannt, könnte hier eine gezielte Überwachung statt gefunden haben oder er bei einer Verkehrs-/Personenkontrolle aufgefallen sein. Dies Szenario erinnert an das Vorgehen der hiesigen Polizei bei Fußballspielen, wo verstärkt mit Ausschreitungen zu rechnen ist.
    Nicht das ich generelle Überwachung von Städten (wie in GB) gut heiße, jedoch sind bestimmte Kontrollen und Vorkehrungen sicher nicht verkehrt. So betrachte ich die Kameraüberwachung öffentlicher hoch frequentierter Orte durchaus als sinnvoll. Auch eine evtl stattfinde Überwachung, gewaltbereiter Individuen finde ich nicht sonderlich schlimm. Man kann nämlich auch ohne Gewalt demonstrieren. Meiner Ansicht nach ist eine Demo ihres Zwecks beraubt, wenden die Demonstranten Gewalt an.
    Ich stelle mir also zwangsläufig die Frage, warum sich der Gute vermummt hat…

    1. Wahrscheinlich hat er sich aus dem selben Grund vermummt, aus dem sich der Hund am Sack leckt: Weil er es kann.
      Und der weitere Verlauf der Geschichte zeigt ja, dass es auch nötig war; er hat es bloß nicht gut genug gemacht. Wenn Behörden erwiesenermaßen derartig krass ihre Macht missbrauchen, sollte man sie für jedes Fitzelchen Information einzeln kämpfen lassen.
      Außerhalb von Deutschland glaubt man idR auch nicht, dass jeder der mit Hut oder Sonnenbrille auf einer Demo, vielleicht noch ohne ausdrückliche Genehmigung der Behörden rumläuft gleich das System stürzen wird. (Frage an Radio Eriwan: „Könnte eine kommunistische Revolution in der BRD Erfolg haben?“ – „Im Prinzip ja, sie müsste aber vorher angemeldet werden.“)

  8. da war ja von fahrerflucht die rede, oder? warum? mal überlegt, wie das ganze aussieht, wenn der wagen auf den arbeitgeber zugelassen wäre?

    ich hab keine ahnung, aber ihr anscheinend auch nicht. vielleicht sollte man die geschichte mal weiterverfolgen, statt zum nächsten empörungsorgasmus zu hecheln?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.