Demokratie

Ausrede des Tages: FDP erklärt sagenhaftes Wachstum bei Twitter

Geschichten, die das Leben schreibt: Der Twitter-Account der FDP hat überraschenderweise in den vergangenen Tagen ein sagenhaftes Wachstum von 6400 auf 36.000 Follower hingelegt. Sueddeutsche.de berichtet darüber und hat bei der FDP nachgefragt, wie das denn kommen könnte. Die Antwort verblüfft: Rätselhafter Zuwachs für die FDP auf Twitter.


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Die FDP bestreitet, für die falschen Fans gezahlt zu haben: „Ich kann definitiv erklären, dass wir weder Twitter- noch Facebook-Accounts kaufen“, sagte FDP-Sprecher Peter Blechschmidt zu Süddeutsche.de. Er habe für den Zuwachs keine Erklärung, über die Herkunft könne die FDP nur spekulieren. Möglicherweise stammten die neuen Freunde aus dem Ausland. Die Abkürzung „fdp“ werde auf Twitter im portugiesischen Sprachraum häufig für das Schimpfwort „fihlo da puta“ (dt.: Hurensohn) verwendet.

Nun gibt es ja grob zwei Erklärungen für das sagenhafte Twitter-Wachstum:

Variante 1: Jemand aus dem Umfeld der FDP hat neue Follower gekauft, weil 6400 Follower echt nicht viel ist im Vergleich zur Konkurrenz und das etwas schlecht aussieht, wenn es im Rahmen des Online-Wahlkampfes zu Vergleichen mit den Anderen kommt.

Variante 2: Ich kann mir ja vorstellen, dass Einzelpersonen oder Organisationen mittlerweile aus Spaß und Schabernack oder als Mittel des Negative-Campaigning einfach mal der politischen Konkurrenz neue Follower schenken. Teuer ist das ja nicht. Und heraus kommt sowas immer.

Bei beiden Varianten gilt, wenn man in einem solchen Fall darauf angesprochen wird: Die von Sueddeutsche.de zitierte Begründung ist sicher nicht die intelligenteste und glaubwürdigste, die man dann gegenüber Medien herausgeben sollte.

Update: Es gibt die nächste billige Ausrede von Seiten der FDP.

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25 Kommentare
    1. Und da wird auch portugiesisch gesprochen. Es bleibt spannend.
      Die These der FDP lautet also: Portugiesisch sprechende Social Media Nutzer wollen „Hurensohn“ liken, followern, whatever und landen aus Versehen bei der FDP. Aha.

  1. Huch, sie dementieren auch gleich, dass sie für fb ebenfalls keine Follower gekauft haben. Jetzt wäre es natürlich interessant zu wissen, ob die sueddeutsche explizit auch nach fb-Followern gefragt hat. Könnte ein überzogenes Dementi sein.

  2. Das ist eindeutig fakerei am Werke – die von der FDP angeführte Flut an Portugiesen (bzw. Lateinamerikanern) konnte ich beim scrollen unter den Followern kaum ausmachen – erst nach über hundert Usern stieß ich mal auf eine Portugiesin.

    Aber viele Nutzer, die nur der FDP folgen, kein Profilbild haben, keine Follower haben und teilweise einfach „User19“ heißen fielen mir auf …

    1. Sehr schön nachgeforscht – ich kann mir bildlich vorstellen, wie Philip die ganze Nacht am PC sitzt und fake accounts anlegt, um dann der FDP zu „followen“. Oder dahinter stehen echte Menschen, die sich einfach nur dafür schämen, FDP-Anhänger zu sein und deshalb anonym bleiben wollen. Ein paar der anonymen könnten auch heute-show-Mitarbeiter sein, die auf dem Laufenden bleiben wollen, was bei der FDP so passiert…

  3. Naja, das Masssenfollowing ist sicher ein Versehen unbedarfter Twitteruser. Wer, der sich nicht beißendem Humor oder Parteienbeobachtung verschrieben hat, followed der deutschen FDP? Kennt sich jemand mit den portugiesischsprachigen Medien aus, hat da vielleicht jemand eine Kampagne gefahren? Die dürfte leicht schief gegangen sein. ;-)

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass deutsche User aus Versehen der vermeintlichen der CDU followen, die allerdings eine kommunistisch-grüne Dauerkoalition in Portugal ist…

    Die maue PR, durch die „filho da puta“ ins Spiel kommt, ist sicherlich bloß einem Praktikanten passiert.

  4. Er habe für den Zuwachs keine Erklärung, über die Herkunft könne die FDP nur spekulieren.

    Und das tut der Herr Blechschmidt dann ebenfalls:

    Möglicherweise stammten die neuen Freunde aus dem Ausland.

    Nicht besonders elegant, aber gerade deshalb wohl wahrheitsgemäß. Ich glaube ihm, daß er davon tatsächlich nichts weiß.

  5. Also schließe ich daraus jetzt ,
    dass ca 6.000 Follower der FDP Portugiesische Hurensöhne sind,
    bzw Portugiesen, welche Hurensöhne mögen und folgen?

  6. Imho ist diese Ausrede in einer Hinsicht sogar plausibel.
    Die Beliebtheit des männlichen Nachwuchses portugiesischsprachiger Prostituierter dürfte die der Ferengis deutlich übersteigen.
    Mit Sicherheit sind aber die Aktivitäten der Mütter weit weniger moralisch anstössig.

    Gratulation Herr Blechschmidt

  7. Man muss Followerzuwächse ja nicht zwangsläufig bezahlen, man kann sie auch über bestimmte Seiten wie admefast.com erklicken. Das würde streng genommen nicht unter die Behauptung fallen, man habe Follower gekauft.

  8. Muss schon echt schlimm um die FDP stehen, wenn sie sich statt mit Inhalten lieber mit Twitter-Schwanzvergleichen befassen (falls Variante 1 stimmt). Und nicht wesentlich besser um die Zeitungen, die sich dafür interessieren.

  9. Die Frage ist, wann bei der FDP das Twitter eigene Analytics Tool freigeschaltet wurde, dass es für verifizierte Accounts gibt. Dabei kann es, so weiß ich aus der Betreuung unterschiedlicher Twitter Kanäle zu einem Peak in den Followerzahlen kommen.

  10. Hallo,

    habe gerade Ihren Artkel zum Follower Kauf der FDP gelesen. Dabei ist mir eingefallen, dass ich mich mit der Thematik schon am 12.02.2012 beschäftigt habe. Ich hatte damals auf Facebook was dazu gelesen, siehe http://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv/posts/207937666018576 – Als Follower Vermittler wurde damals die Plattform fandealer.de genannt. Hier auch noch ein Screenshot vom 06.12.2012 welcher das belegt http://addis-techblog.de/2013/02/kauft-die-fdp-follower/fandealer-screenshot/#

  11. Die Erklärung ist total simpel: Twitter bietet als Medium die einzigartige Chance einer mehr als überflüssigen Partei beim sterben zuzuschauen. Das will sich doch kein action-interessierter Twitter-Benutzer (egal wo) entgehen lassen…

  12. „Die Freie Demokratische Partei (FDP) hat zu keinem Zeitpunkt den Kauf von Twitter Followern auf http://www.fandealer.de in Auftrag gegeben. Eine eingehende Überprüfung des Kampagnenurhebers und dessen Benutzerkontos ergab, dass die Kampagne für die Twitter-Seite der FDP von einem politischen Mitbewerber auf http://www.fandealer.de lanciert wurde. Das entsprechende Benutzerkonto wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet. “
    Quelle: https://www.facebook.com/FanDealer.de

    Aber Hauptsache erstmal die FDP gebasht ;)

    1. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass es sich dabei um mediale Trittbrettfahrer handelt. Warum sollte ein politischer Mitbewerber dort eine kleine Zahl „reale Nutzer aus Deutschland“ für die FDP kaufen, wenn man nebenan eine riesige Anzahl an Fake-Accounts für nen Appel und ein Ei erhält? Das ist unlogisch und macht keinen Sinn.

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