Unglaublicher Wahlerfolg: Piratenpartei zieht mit 8,9% in Berliner Abgeordnetenhaus ein

Es hatte sich ja schon irgendwie angedeutet, aber dass es nun tatsächlich so kam und sie im Endspurt nochmal so stark zugelegt haben, ist doch eine ziemliche Sensation: Mit unglaublichen 8,9% ziehen die Berliner PIRATEN im ersten Anlauf ins Abgeordnetenhaus ein. 15 Sitze konnten sie damit gewinnen und zum ersten Mal in der Geschichte der Partei weltweit überhaupt ein Landesparlament entern.


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(Grafik: Screenshot Wahlmonitor tagesschau)

Das vorläufige, amtliche Endergebnis gibt es bei der Landeswahlleiterin. Demnach kommt die SPD bisher auf 28,3% (-2,5%), die CDU auf 23,4% (+2,1%), die GRÜNEN auf 17,6% (+4,5%), die LINKE auf 11,7% (-1,7%) und die PIRATEN auf 8,9%. Die FDP verpasst mit nur 1,8% (-5,8%) den Wiedereinzug ins Parlament. Hier die Liste aller gewählten Abgeordneten. Sitzverteilung (Quelle):

 

Partei Mandate insgesamt Direktmandate Listenmandate
SPD 48 35 13
CDU 39 25 14
GRÜNE 30 11 19
DIE LINKE 20 7 13
PIRATEN 15 0 15
Insgesamt 152 78 74

 

Die INFO GmbH hatte mit ihren Umfragewerten von 9% eine sehr genaue Schätzung abgegeben, während Infratest dimap (5,5%) und Forschungsgruppe Wahlen (6,5%) das Phänomen wohl nicht richtig einschätzen konnten. Neben dem Landesparlament haben die PIRATEN im Übrigen auch in alle Bezirksverordnetenversammlungen Einzug gehalten – und zwar gleich mit so vielen Kandidaten, dass jetzt wegen Überschneidungen mit dem Abgeordnetenhaus sogar das Personal knapp werden könnte.

Beim RBB gibt es viele Informationen rund um die Wahl. Die Tagesschau hat die Ergebnisse schön dargestellt. In Sachen Open Data hat die Wahlleiterbehörde einigen Nachholbedarf. So wurden die Ergebnisse offenbar nicht z.B. als CSV zum Download, sondern lediglich in aggregierter Form und in selbst aufbereiteten Grafiken angeboten.

In den nächsten Tagen wird es sicher viele spannende Analysen, Kommentare und vieles mehr geben. Für den Moment bleibt daher nicht mehr zu sagen als: Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß bei der wohlverdienten Wahlparty! ;-)

24 Kommentare
  1. Super, dass 8,9% der Wähler vernünftig waren. ;-)
    Gibt es irgendwo noch detailiertere Statistiken, wo man sehen kann wie sich die 8,4% Sonstige zusammensetzen? (z.B. wie viel holte Die PARTEI?)

  2. Hier gibts das:
    SPD 28,3%, CDU 23,4%, GRÜNE 17,6%, LINKE 11,7%, PIRATEN 8,9%, NPD 2,1%, FDP 1,8%, Tierschutz 1,5%, pro 1,2%, FREIHEIT 1,0%, PARTEI 0,9%, BIG 0,5%

  3. Mich wundern die Ergebnisse der Umfragen vor der Wahl. Die Piraten lagen immer unter 5 %, erst ganz zuletzt hat sich ein Institut getraut, die Piraten bei 6,5 % zu sehen. Und dann knapp 9 %!

    Ich frage mich, ob die schlechten Umfragen zum guten Ergebnis der Piraten beigetragen haben, so nach dem Motto, „Komm, die bringen wir doch noch über 5%!“, oder einem noch größeren Erfolg eher entgegengewirkt haben, so nach dem Motto: „Wenn es die Piraten ohnehin nicht ins Abgeordnetenhaus schaffen, kann ich auch grün/links/spd wählen.“

    PS: YEAH! ,)

    1. Ich glaube das zeigt eher, wie sehr die 5%-Hürde den kleinen Parteien schadet. Durch die Umfragen, in denen die Piraten nahe der 5%-Marke gesehen wurden, ist potentiellen Wählern klar geworden, dass die Stimme möglicherweise doch nicht verloren ist, sondern es auf jeden einzelnen Wähler ankommt, etwas zu bewegen.

      Und genau diese Message wird nun auch über Berlin Grenzen hinweg getragen! Mit dem Wissen, dass man es schaffen kann, wird man auch anderswo potentielle Wähler, die ihre Stimme aus Angst vor der „Verschwendung“ lieber zu etbalierten Parteien getragen haben, für die Piraten gewinnen.

      Wir sind erleben gerade, wie sich eine sechste Kraft in der deutschen Parteienlandschaft etbaliert.

    2. Das Ergebniss ist außer Frage sehr erfreulich! Jetzt hingehen und mal wieder fröhliches Meinungsumfrage-Bashing spielen ist allerdings doch ein wenig lahm. Die Prozentzahlen sind in den letzten Wochen recht stetig nachoben gegangen. Das hat nichts mit „sich trauen“ oder „das Phänomen richtig einschätzen“ zu tun, sondern damit, dass ein großer Teil an Wähler sich erst recht kurzfristig festgelegt hat. Und das spiegelt sich nun mal in *repräsentativen* Umfrageergebnissen wider.

      Und mal ehrlich, bei einer statistischen Fehlertoleranz von 3.1% (der angegebene Wert für Umfrageergebnisse über 5% bei der entsprechenden Umfrage) lag Infratest Dimap mit 6.5 % letztlich auch ziemlich gut.

      Christian

    1. Hahahaha! Der natürliche Feind der intelligenten Piraten, die „Bild“, ätzt beleidigt vor sich hin …. Großartig!

      Ein kleines Best-of:

      Die Piratenpartei kämpft für die Freiheit im Internet. Auf den ersten Blick ist das super-super-sympathisch. Wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, ist es super-idiotisch und lebensgefährlich.

      „Bild“, Wagner denken? Da stimmt doch etwas nicht!

      # [Jürgen W. Falter] vermute(t) dass es sich um einen Eintagsfliege handelt

      # Wahl-Programm könnte von der Hacker-Vereinigung „Chaos Computer Club“ stammen – ein seltsames Sammelsurium ziemlich abstruser Forderungen

      # SPITZEN-KANDIDAT AHNUNGSLOS

      # Praktische Erfahrung mit der Parlamentsarbeit? Fehlanzeige!

      YEAH! ,)

      1. Andreas Baums Ersteindruck im Fernsehen gar nicht mal so schlecht. Ich würde aber als sein PR-Berater bei einem 33-jährigen nach dem Wahlkampf eine andere Frisur und ein schwarzes Polohemd fürs Fernsehen empfehlen — ansonsten ist es für das Bild zu unruhig und die Frisur zu Bubimäßig. Die Leuten denken dann an „Kind“ bevor sie auf die Argumente hören. Ist nicht böse gemeint, nur ein Vorschlag.

        Das Morgeninterveiw des Bundesvorsitzenden Sebastian Nerz, der versucht Bundes- und Landespolitik in Einklang zu bringen, findet man hier:

        http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1557574/

  4. Die Wahlentscheidung für die Piraten ist bei vielen im letzten Moment gefallen – unter den Kurzentschlossenen hat sie 13 Prozent bekommen (daher ist das in den veröffentlichten Vorwahlumfragen von ARD und ZDF nicht so deutlich zu sehen wie in der späteren von INFO). Und ja, natürlich spielen wegen der Fünfprozenthürde Umfrageergebnisse eine Rolle für die Wahlentscheidung für oder gegen kleine Parteien

  5. Viele nehmen die Piraten-Partei nicht ernst und denken immer noch, dass es eine Spaßpartei ist. Kein Wunder wenn noch immer niedliche Sprache verwendet wird: „…die Piraten ein Landesparlament entern…“ zeugt nicht gerade von Seriösität.

  6. Ich frage mich ja was die Piraten jetzt machen die sowohl auf der Landesliste als auch auf den Bezirkslisten standen. Wahrscheinlichstens gehen die doch ins Abgeordnetenhaus und nicht in die Bezirksversammlung, wodrch die Plätze in den Bezirken die die Piraten bekommen haben faktisch leer bleiben oder?

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