Digitale Gesellschaft: Jetzt in Deinem Land verfügbar

Heute haben wir offiziell Digitale Gesellschaft gestartet. Was wir seit Jahren im Kopf hatten, immer wieder durchdiskutiert haben und vor allem, wo wir die Notwendigkeit drin gesehen haben, ist jetzt offiziell. Als Idee in die Welt gesetzt, für den Anfang schonmal mit einer Rechtsform versehen. Jetzt warten wir nur noch auf die letzten Bescheide vom Finanzamt und Amtsgericht, nach mehreren Malen zum Notar rennen. Dann sind wir offiziell ein eingetragener Verein und dazu gemeinnützig. Wer konnte auch ahnen, dass die Förderung von Grund- und Freiheitsrechten nicht gemeinnützig ist? Was uns das Finanzamt nach der ersten Satzungsversion mitteilte, so dass wir diesen Punkt in einer Extrarunde in eine Präambel packen mussten. (Weitere Extrarunden sollten folgen.) Warum ein Verein in Zeiten von Internet und losen Netzwerken? Die Antwort ist recht einfach: Eine Rechtsform braucht man, um z.B. gemeinnützig zu sein und transparent und nachvollziehbar Spenden annehmen und verwalten zu können und für eine Stiftung fehlte uns das Geld.

Die Idee von Digitale Gesellschaft ist eigentlich recht einfach und für uns eine konsequente Weiterentwicklung von dem, was hier im Blog seit sieben Jahren machen: Wir wollen uns mit Digitale Gesellschaft schlagkräftiger für digitale Bürgerrechte einsetzen. Kurz zusammengefasst: Wir wollen skalieren. Ziel ist es, einerseits visuell und kommunikativ ansprechende Kampagnen zu entwickeln, die auch Menschen außerhalb sehr internetaffiner Kreise für unsere Themen begeistern. Dazu wollen wir auch eine eigene Kampagnenplattform entwickeln, so dass man nicht bei jedem neuen Thema als erstes daran denken muss, wer denn jetzt einem die Webseite baut und den Server aufsetzt – und ob die Person sich eine Woche später auch noch dran erinnern kann, bzw. nicht untergetaucht ist. Die Umweltbewegung zeigt mit Plattformen wie campact.de oder greenaction.de, was möglich ist, wir wollen diese Ideen konsequent digital weiterdenken.

Und wir wollen eine bessere Interessenvertretung gegenüber der Politik und den starken Wirtschaftslobbys organisieren, so dass Netzpolitik nicht immer nur unter dem Aspekt „Mehr Industrie wagen“ gesehen wird, sondern als „Mehr Demokratie wagen“. Wir haben ja bei netzpolitik.org den Running-Gag, dass täglich eine neue Einladung von irgendeinem Politiker, einem Ministerium oder einer Fraktion reinkommt, um dort die Nutzersicht zu repräsentieren. Nur wer soll das alles machen? Ich hab schon lange nicht mehr die Zeit (und oft auch Lust) für alle Einladungen und brauche dringend Unterstützung. Auch fehlen in der Regel Stellungnahmen aus Nutzersicht zu allen aktuellen Gesetzesentwürfen, auch darum wollen wir uns kümmern.

Wir, das sind rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von netzpolitik.org. Da ist alles dabei: Vom Politologen über den Informatikprofessor, bis hin zu Designern, Psychologen, Juristen und NGO-Analysten. Wir haben uns für den Anfang für ein Modell entschieden, was dem von Greenpeace, aber auch Campact sehr ähnelt. Wir planen nicht den Aufbau von Landes-, Kreis und Ortsverbänden und werden auch nicht der Bloggerverband oder der Internet-ADAC. Wir haben uns dafür entschieden, erstmal klein anzufangen, mit Menschen, die dieselbe Idee und Motivation haben. Ohne lange rum zu diskutieren, was Digitale Gesellschaft sein und machen soll. Ohne Streit und Machtspiele, wie sie jede größer werdende Organisation schnell bekommt. Zu oft haben wir ähnliche Initiativen schnell zerreden und zerfallen sehen, weil viele unterschiedliche Sichtweisen, Hoffnungen, Motivationen und Vorstellungen aufeinanderprallten, bis alle unmotiviert auseinandergingen. Wir wollen unsere knappe Zeit mit Spaß und Motivation einsetzen und etwas bewegen.

Digitale Gesellschaft ist ein Angebot. Wir maßen uns damit nicht an, die ganze sogenannte „Netzgemeinde“ zu vertreten. Aber wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass unsere Anliegen lauter Gehör finden und dass wir gesellschaftliche Mehrheiten für eine bessere Netzpolitik, ein offenes Netz und starke (digitale) Bürgerrechte organisiert bekommen.

Dazu brauchen wir Deine Hilfe. Wir haben hier bei netzpolitik.org nie nach Spenden gefragt, auch weil wir nie wussten, wohin das Geld fließen soll. Das ist jetzt anders, wir haben einen Verein, an den wir auch unsere eigenen Ansprüche nach Transparenz und Accountability erfüllen können. Wenn Dir gefällt, was wir hier auf die Beine gestellt haben und Du uns unterstützen willst, dass wir unsere Arbeit der letzten Jahre noch viel besser und effektiver machen, dann unterstütze uns finanziell oder mit Deiner Zeit, Kreativität und Engagement.

Wir brauchen Hilfe
, Kreativität und Ideen beim Fundraising, bei der Entwicklung und Durchführung von Aktionen und Kampagnen, beim Bekanntmachen von Digitale Gesellschaft.

Wir freuen uns über Mithilfe, sagen aber auch gleich, dass wir auch erstmal Abläufe und Strukturen schaffen müssen, um mit vielen HIlfeangeboten umzugehen. Wir machen das auch nur ehrenamtlich und nebenbei, sind aber ausreichend motiviert, diese Herausforderung zu lösen. Weil wir überzeugt davon sind, dass es notwendig ist.

Es wird ein langer Weg, aber wir haben den Vorteil, nicht ganz neu anfangen zu müssen, sondern darauf aufzubauen, was wir hier lange gemacht haben. Und mit Eurer Hilfe wird das auch klappen.

48 Kommentare
      • Leo Vierziger 14. Apr 2011 @ 13:10
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