Netze

Der Netzaktivist Guttenberg

Die Operation Comeback des Plagiators Karl-Theodor zu Guttenberg geht nun nach Zeit-Interview und Spende an die Kinderkrebshilfe in die dritte Phase. Am Montag trifft er sich mit der EU-Kommissarin für Digitales, Neelie Kroes, um medienwirksam eine Initiative zur Freiheit im Internet zu starten.

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Wenn man bedenkt, wie populär das Themenfeld Netzpolitik im letzter Zeit medial behandelt wird, ist dieser Schritt ebenso konsequent wie durchsichtig.

Mit dem Internet hatte Guttenberg, „Der erste Minister, den das Internet gestürzt hat“ bisher bekantlich eher seine Schwierigkeiten.

Erinnern wir uns zum Beispiel an „Tatort Internet„, die RTL2-Serie mit Ministergattin und Netzsperren-Befürworterin Stefanie zu Guttenberg und dem umstrittenen Udo Nagel. Die Sendung erregte schnell das Interesse der Medienaufsichtsbehörde und handelte sich eine Rüge ein. Die an der Sendung mitwirkende Beate Krafft-Schöning erklärte mehrfach öffentlich das Anliegen der Sendung, in der Politik auf Vorratsdatenspeicherung und Echtzeit-Screening zu drängen.

Für die Vorratsdatenspeicherung hatte der Ministergattinnengatte Guttenberg bekanntlich auch gestimmt und diese Entscheidung in aller Breite bei Abgeordnetenwatch verteidigt. Beim Thema Netzsperren bleibt sein Auftritt in der Tagesschau unvergessen, in dem er Netzsperrengegner indirekt die Förderung von Kinderpornografie unterstellte:

Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben. Das ist nun wirklich einer der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht.

Nun möchte er mit Netzsperren und Vorratsdaten anscheinend Blogger und Netzaktivisten in autoritären Regimes unterstützen und sicherstellen, dass Menschenrechte und grundlegende Freiheiten on- wie offline respektiert werden.

Ob es ihm mit dieser Vorgeschichte gelingt, durch netzpolitisches Engagement seine Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, bleibt abzuwarten.

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41 Kommentare
  1. Ehrlich gesagt, mich wundert das. Ausgerechnet Netzpolitik als Wieder-Einschleim-Thema? Visiert Guttenberg da nicht die falsche Zielgruppe an? Bin ja mal gespannt, was er sich alles einfallenkopieren lassen wird.

  2. Bisher hat er doch meist eher Ruinen hinterlassen. Und Frau K. macht mit ihm doch den Bock zum Gärtner.

    Aber wie Markus hier schon schrieb — die Aufmerksamkeit der Presse ist beiden sicher.

    Interessant wäre schon mal die Antwort auf die erste Frage zum Hintergrund: Wie kam Frau K. an Herrn G., der ja eigentlich gar nicht zum Thema passt?

  3. Evtl. kann ja NP es mitschneiden, ggf gibt es nachher auch eine Aufnahme …

    „11:30 LIVE
    EC press conference
    Launch of Europe’s „No Disconnect Strategy“ (internet freedom):
    press conference by
    – Neelie KROES, Vice-President of the EC in charge of Digital Agenda
    – Karl-Theodor zu GUTTENBERG, Member of the Center for Strategic and International Studies (CSIS)
    Ref-81914 // Commission , Brussels //“

    http://mobile.reuters.com/article/newsOne/idUSTRE75D62Q20110615?irpc=932

  4. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die CSU versucht, ihre netzpolitischen Postionen (pro VDS, pro Internetsperren etc.) von ihm vertreten zu lassen. Bei den Netizens ist er sowieso seit der Plagiatsaffäre und auch durch seinen im Artikel erwähnten Einsatz für Netzsperren unbeliebt, da ist es schon beinahe egal, welche netzpolitische Position er zukünftig einnimmt. Aber in der breiten Bevölkerung gibt es doch immer noch eine ganze Menge Anhänger, denen er auch die schwachsinnigste Forderung gut verkaufen kann.

    Mal ehrlich: Wer wäre besser geeignet, bei bildungsfernen Menschen Stimmung gegen Freiheit im Netz, gegen den „rechtsfreien Raum“, für mehr Kontrolle und Überwachung des Internets zu machen?

  5. Warum muss man eigentlich ständig dieses Pack ertragen, den Googleberg und seine Porno-Steffi? Kann man die nicht endlich einmal ignorieren?

    Es fehlt irgendwie das Killfile für die Massenmedien, oder wenigstens hier auf Netzpolitik.org.

    Viele Grüsse,
    VB.

    1. Solange es das Killfile nicht für die Massenmedien gibt, hat eines für netzpolitik.org keinen Sinn. Dann würde nämlich immer gefragt, warum hier nicht über ihn berichtet wird und die Darstellungen der Massenmedien korrigiert werden.
      Du kannst dir natürlich ein Killfile im Kopf einrichten und die Berichterstattung über ihn ausblenden. Die Frage ist nur, wie sinnvoll so etwas ist …

  6. Ich erinnere mich daran, dass Guttenberg den Botschafter Amerikas noch besuchte und seinen Vorschlägen für ein Reagan-Denkmal in Berlinlauschte, als bereits bekannt worden war, dass der Botschafter gegen unser Land spioniert hat (und die ungehuere Chuzpe besaß nicht zurückzutreten wie es sich gehört, ganz wie später Guttenberg)

    Nun ist der fränkische Ex-Amtsträger selbst als Lobbyist für die Interessen dieses fremden Landes tätig:
    http://www.sourcewatch.org/index.php?title=Center_for_Strategic_and_International_Studies

    „The Center for Strategic and International Studies (CSIS) is a Washington, D.C. think tank. It was founded in 1962, by Admiral Arleigh Burke and David Abshire, „at the height of the Cold War, dedicated to the simple but urgent goal of finding ways for America to survive as a nation and prosper as a people.“ [1] Today, „CSIS experts conduct research and analysis and develop policy initiatives“ on issues related to U.S. defense policy and international security“

    Wie lautet noch gleich der Eid bei der Bundeswehr. „Das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Seit Afghanistan wissen wir, was das in der Praxis heisst, nämlich Deutsche für die Interessen der Vereinigten Staaten am Hindukusch zu opfern.

    Für mich ist so eine Tätigkeit für CSIS Vaterlandsverrat. In einem deutschen Amt will ich so jemanden nie mehr sehen.

  7. Egal was der Plagiator anstellt, das Interesse von BLÖD & Co ist ihm sicher. Strategisch gar nicht mal so blöd, denn genau diese Ungereimtheit wird ja sogar schon hier diskutiert. Genau das gehört zum Kalkül des Blenders. Würde der Papst eine Kondomfabrik besuchen, hätte das einen ähnlichen Effekt.
    Diese eitlen Typen wie Guttenberg operieren nach der Devise „Egal, worüber die Leute reden, Hauptsache, sie reden“.
    Die größte Strafe für Blender ist es, trotz irrwitziger Aktionen medial nicht wahrgenommen zu werden.
    Ich wünsche mir, dass sich der Mantel des Schweigens und Vergessens über diesen „besten Politiker Deutschlands“ legt. Wahrscheinlich vergeblich. Ich befürchtre, dass es immer genug Naive geben wird, die sich verguttenbergen lassen…

  8. Ich vermute, daß „Dr.“ zu Guttenberg seine zweite Karriere vorbereitet – als Spitzenkandidat der Piratenpartei auf deren bayrischen Landesliste für die nächste Bundestagswahl.

    In einem Interview soll er gesagt haben, daß er darüber nachdenkt, sein politisches Comeback bei einer anderen Partei als der CDU/CSU anzustreben. Wo wäre das so leicht wie bei den Piraten?

    Auf Grund deren idealistischen Verständnisses von Basisdemokratie, wegen dem es bei Parteitagen kein Delegiertenprinzip gibt, sondern jedes anwesende Parteimitglied stimmberechtigt ist, wird es für ihn ein Leichtes sein, diese Partei vor der entsprechenden Versammlung mit entsprechend viel „Guttenberg-Stimmvieh“ zu unterwandern. Er müsste dazu selbst nicht einmal Mitglied der Piratenpartei sein.

    1. Also gut… Piratenbashing in allen Ehren.
      Aber das glaubst du wohl selber nicht…

      So eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben die nicht.
      Und irgendwo in der Satzung steht was von ‚keine Extremisten‘ und keine ‚demokratiefeindlichen Gestalten.‘

      Da müsste noch extrem viel Wasser die Donau runter fließen, bevor das passiert.

  9. mal gespannt, wieviel platz ihm der diekmann auf der titelseite auf der „blöd“ dafür einräumt. ich schätze mal, eine halbe.

    „BILD WAR DABEI: WIE HERR AUF UND DAVON DAS INTERNET ZÄHMTE“

  10. Ich hab auch erst mal komisch geguckt und mich wieder mal über Guttenbergs politische Gelenkigkeit gewundert.
    Aber: Vielleicht ist das ja Teil seiner neuen Strategie, nachdem die alte zum Comeback nicht geklappt hat. Nach dem Motto: Bei Obama hat’s funktioniert mit diesem Netz, dann klappt das bei ihm auch. Und nun versucht er erst einmal, das netzaffine Publikum zu gewinnen, um sie dann nacher hinter sich für den Wahlkampf versammeln zu können.

  11. „…bleibt abzuwarten“? Guttenberg hat seine Glaubwürdigkeit auf Lebenszeit verspielt. Von so einem realitätfremden, selbstgerechten Narzissten ist keine Besserung mehr zu erwarten.

  12. wie, liebe „BLÖD“…nicht mal ein reisserischer aufmacher für morgen? nicht mal in der BLÖD am Sonntag?“…hat der reichsgraf von bescheisshausen und lügendorf nicht genug abgedrückt diesmal….ihr kriegt aber auch den hals nicht voll…

  13. Tja, und dann wäre da noch – ebenfalls bereits altvertraut – die punktgenau plazierte mediale Unterstützung der Familie: Vater Enoch vor ca. drei Wochen bei Maischberger, Steffi Montag abend auf RTL II („Tatort Deutschland“-Pilotsendung). Letzlich läuft die Guttenberg-Comeback-PR, scheint mir, auf einen Plot mit Pilcher-Potential hinaus: Held_in mit Rückgrat und familiärem Rückhalt geht, unbeirrt von kleinlich-krittelig motivierten öffentlichen Anfeindungen, seinen/ihren Weg zum Besten des Gemeinwesens bzw. zum Besten der vom Gemeinwesen vernachlässigten Themen oder Gruppen (Naturschutz-Enoch, Kinder-Steffi&KT, Soldaten im Einsatz-KT, arabische Blogger-KT etc.). Kurz: Der Schmalz trieft erheblich, die Konsistenz der Kampagne ist aber ebenso unerfreulich wie beachtlich.

    Dass die Bild nichts zu der EU-Story brachte ist übrigens nicht ganz richtig. Guttenberg scheint dort jedoch langsam zum Thema für die Münchener Regionalausgabe abzusteigen. Die aktuelle Meldung könnte trotzdem für Freunde der (unwillentlich gepflegten) Satire durchaus erheiternd sein, vgl. http://bit.ly/w19WMW

    Ich sehe ansonsten gerade, dass Twister sich auch zur Taktung und Comebackstrategie geäussert hat: http://www.heise.de/tp/blogs/5/151007

  14. Er hat den Job nur bekommen, weil seine Anwesenheit für Publicity gesorgt hat. Ich habe heut zich mal im Radio & Internet über Gutenberg und seinen neuen Job gehört/gelesen. Später folgt bestimmt, wie er sich in dem Job bewährt usw. Also ich glaube es wurde hier alles genau nach Plan verfolgt und ausgeführt.

  15. also ich finds gail dass der wieder kommt, und vorallem mal nen „jüngerer“ und dann noch Internett passt doch, noch besser währ natührlich nen Pirat aber immerhin etwas ;)

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