Technologie

„Tatort Internet“: … in den Medien

Die gute Nachricht zuerst: Der 61-jährigen Leiter eines Kinderdorfs, der nach seiner Enttarnung in der RTL2-Prangersendung „Tatort Internet“ als vermisst gemeldet wurde, lebt. Sein Aufenthaltsort ist der Kriminalpolizei Würzburg bekannt. Alles weitere möge die Justiz entscheiden.


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Das Gerücht hielt sich schon länger, nun gibt es eine Bestätigung: Wenn ich diesen für Laien doch recht schwer verdaulichen Text aus Juristenhand richtig verstehe, wurde RTL2 inzwischen die Ausstrahlung mindestens eines Beispielsfalls gerichtlich untersagt:

Eine Persönlichkeitsrechtverletzung lag nach unserer Prüfung vor und wurde, weil eine außergerichtliche Erledigung der Sache nicht erzielt werden konnte, im Wege des einstweiligen Verfügungsverfahren gerichtlich festgestellt. Trotz umfangreichen Vortrags der Gegenseite, u. a. in der Form einer Schutzschrift der Gegenanwälte gegen den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung, stellte die zuständige Kammer des Landgerichts München I schnell und klar fest, dass eine Persönlichkeitsrechtsverletzung eindeutig gegeben ist und untersagte insofern die Veröffentlichung per einstweiliger Verfügung.

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Im „Zündfunk“ des Bayerischen Rundfunks gab es gestern einen Beitrag zum Thema (Achtung, unter Firefox zickt das Playerfenster bei mir!) wo ich im Vorfeld bestätigten durfte, dass es sich bei den Enttarnungen nicht bloß um ein „Internetgerücht“ handelt (Danke nochmal für die Materialzusendungen!), wie zwischenzeitlich von der für „Tatort Internet“ verantwortlichen Produktionsfirma verbreitet wurde:

Es ist das umstrittenste Fernsehformat seit Jahren: In Tatort Internet, das unter anderem von der Ministergattin Stephanie zu Guttenberg moderiert wird, spürt ein Reporterteam mit verdeckten Recherchen mutmaßliche Pädophile auf und stellt sie zur Rede. Heiligt der Zweck hier wirklich die Mittel?

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Um die Frage, ob „Tatort Internet“ eine Sendung ist, die über Kindesmissbrauch aufklärt, oder vielmehr um ein Format, das Straftaten selbst provoziert, ging es heute Morgen auch bei Deutschlandradio Kultur:

Sendungen wie „Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder“ haben nichts mit Prävention zu tun, sagt Joachim Renzikowski, Professor für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Rechtstheorie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er hält verbesserte Präventionsprogramme an den Schulen für sinnvoller als TV-Formate.

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Vom ZAPP-Bericht „Tatort Internet – Aufhetze statt Aufklärung“ gibt es inzwischen auch eine Kopie bei Youtube:

Direktclip.

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15 Kommentare
  1. na also, keiner bringt sich wegen solch einer Lappalie mit einem 13jährigen Kind um! Was regt ihr euch auf? Bei Michael Jackson war das auch ganz normal,dass er sich mit Minderjährigen traf, die dann sogar in seinem Bettchen übernachten durften…

  2. mmn. geht es rtl2 nur um eine besser einschaltquote, einem langsam aus dem rampenlicht verschwindendem sänger um seine neue platte und der rest produziert sich auf kosten der ernsthaftigkeit des themas.

    sollte dieses format in der jezigen form bestehen dürfen, dann können wir auch gleich sendungen erlauben wie:

    „dem mullah auf der spur!“

    „der terrorist in der nachbarschaft!“

    „abschiebe & schwarzarbeiteter fänger!“

    der vorverurteilung und der selbstjustiz wird tür und tor geöffnet.

    sicherlich beklagen die bürger in der letzten zeit öfter das der staat sich nicht genug kümmert oder man bezeichnet ihn als korrupt, teilweise mag dies vielleicht zutreffen. das gesetz aber derart dreist selbst in die hand zu nehmen ist mit einem rechtsstaat nicht zu vereinbaren.

    alle wollen schutz und neue gesetzte, härtere strafen? dann geht wählen oder gründet eine neue partei, die sich expliziet damit befasst und organisiert auch auf eine rechtsstaatliche weise. derartiges verhalten würde aber verlangen seinen (verzeihung) arsch von der couch oder dem stammtisch hoch zu bekommen und zeit in das zu investieren was einem laut der parolen ja so wichtig ist. die armen kinder.

    antat eigen initiative, nach dem gebot der rechtsstaatlichkeit zu zeigen, lässt man sich nun schon den lynchmob per tv nach hause bringen. früher hatte man wenigstens noch den anstand selbst die fackel anzuzünden und die mistgabel zu schleifen und durchs dorf zu ziehen. aber das geht ja heute alles nicht mehr, denn man muss ja nach „jagt die kinderschänder – tv“ noch noch seine tüte chips leeren, auf facebook und twitter schreiben wie toll man das findet und sich danach gepflegt „ballerman tv“ und andere übersexualisierte sendungen auf rtl2 ansehen.

    im ernst wie kommt eig. der (nochmals verzeihung) teen ficksender no.1 in deutschland auf die id, eine derartige sendung ins programm zu nehmen? kein halbwegs seriöser sender würde ein derartiges format aufnehmen, egal wer gejagt werden soll!

    was da die heeren ziele sind sollte jedem klar sein :

    qote, publicity & stimmungsmache auf dem niveau der hexenverbrennung für welche ziehle auch immer.

    um es mal zusammenzufassen:

    der staat gehört den bürgern ebenso die gesetze und alles andere darin. wenn die bürger sich um nichts kümmern und die gegebenen möglichkeiten der mitbestimmung aus bequemlichkeit und desinteresse nicht nutzen, ist es nicht weiter verwunderlich das der staat nicht das macht was man als bürger will bzw genau das was der bürger will, nämlich nichts. in diesem fall will man besseren schutz im internet, der aber zuallererst zu hause beginnt, durch aufklärung und kontrolle der eigenen computer im haus.
    die die am lautesten nach dem scheiterhaufen rufen, sind meist die die sich am wenigsten um ihre kinder kümmern und sich schon gleich gar nicht mit dem thema internet/pc adäquat auseinandersetzen wollen oder können, den dank tv weiß man ja schon alles was wichtig ist. eigene reschrsche ist somit unnötig- ( tv lügt nicht!).

    die momentane bevölkerung in deutschland würde bei jedem diktator feuchte träume auslösen: „lenkbares wahlvieh wohin man sieht!!

  3. mmn. geht es rtl2 nur um eine besser einschaltquote, einem langsam aus dem rampenlicht verschwindendem sänger um seine neue platte und der rest produziert sich auf kosten der ernsthaftigkeit des themas.

    sollte dieses format in der jezigen form bestehen dürfen, dann können wir auch gleich sendungen erlauben wie:

    „dem mullah auf der spur!“

    „der terrorist in der nachbarschaft!“

    „abschiebe & schwarzarbeiteter fänger!“

    der vorverurteilung und der selbstjustiz wird tür und tor geöffnet.

    sicherlich beklagen die bürger in der letzten zeit öfter das der staat sich nicht genug kümmert oder man bezeichnet ihn als korrupt, teilweise mag dies vielleicht zutreffen. das gesetz aber derart dreist selbst in die hand zu nehmen ist mit einem rechtsstaat nicht zu vereinbaren.

    alle wollen schutz und neue gesetzte, härtere strafen? dann geht wählen oder gründet eine neue partei, die sich explizit damit befasst und organisiert auch auf eine rechtsstaatliche weise. derartiges verhalten würde aber verlangen seinen (verzeihung) arsch von der couch oder dem stammtisch hoch zu bekommen und zeit in das zu investieren was einem laut der parolen ja so wichtig ist. die armen kinder.

    antat eigen initiative, nach dem gebot der rechtsstaatlichkeit zu zeigen, lässt man sich nun schon den lynchmob per tv nach hause bringen. früher hatte man wenigstens noch den anstand selbst die fackel anzuzünden und die mistgabel zu schleifen und durchs dorf zu ziehen. aber das geht ja heute alles nicht mehr, denn man muss ja nach „jagt die kinderschänder – tv“ noch noch seine tüte chips leeren, auf facebook und twitter schreiben wie toll man das findet und sich danach gepflegt „ballerman – tv“ und andere übersexualisierte sendungen auf rtl2 ansehen.

    im ernst wie kommt eig. der (nochmals verzeihung) teen ficksender no.1 in deutschland auf die id, eine derartige sendung ins programm zu nehmen? kein halbwegs seriöser sender würde ein derartiges format aufnehmen, egal wer gejagt werden soll!

    was da die heeren ziele sind sollte jedem klar sein :

    qote, publicity & stimmungsmache auf dem niveau der hexenverbrennung für welche ziele auch immer.

    um es mal zusammenzufassen:

    der staat gehört den bürgern ebenso die gesetze und alles andere darin. wenn die bürger sich um nichts kümmern und die gegebenen möglichkeiten der mitbestimmung aus bequemlichkeit und desinteresse nicht nutzen, ist es nicht weiter verwunderlich das der staat nicht das macht was man als bürger will bzw genau das was der bürger will, nämlich nichts. in diesem fall will man besseren schutz im internet, der aber zuallererst zu hause beginnt, durch aufklärung und kontrolle der eigenen computer im haus.
    die die am lautesten nach dem scheiterhaufen rufen, sind meist die die sich am wenigsten um ihre kinder kümmern und sich schon gleich gar nicht mit dem thema internet/pc adäquat auseinandersetzen wollen oder können, den dank tv weiß man ja schon alles was wichtig ist. eigene reschersche ist somit unnötig ( tv lügt nicht!).

    die momentane bevölkerung in deutschland würde bei jedem diktator feuchte träume auslösen: „lenkbares wahlvieh wohin man sieht!!

  4. br-Zündfunk

    „… sobald dieses Cyber-Grooming strafbar wird mit Kindern hören wir auch sofort auf mit dieser Sendung.“

    Nee, klar. RTL2 als Gesetzgeber. Zum k***** deren Selbstverständnis.

  5. Da mal ne kurze Frage: Ich höre allenthalben, das Cyber-Grooming bereits unter Strafe steht (angeblich bis zu 5 Jahre Haftstrafe möglich)…ich konnte allerdings in den mir als Laie verfügbaren Quellen (google, wikipedia)nichts dergleichen finden. Weiss jemand ob da was dran ist, und hat eine entsprechende Quelle dazu?

  6. @ 8

    Ich bin kein Anwalt aber…

    1) Bei einem echten Kind, ist schon der Versuch eines Mißbrauchs strafbar… So ein Versuch muss allerdings in einen gewissen Stadium sein.. ein bloßes anschreiben gehört sicher nicht dazu…
    Aber.. taucht ein täter mit Kondomen bei einer 13 jährigen auf nachdem er im chat schon darüber geschriebn hat ist er dran… egal ob er jetzt sie berührt hat oder nicht..
    Ob dieses „Groaming“ irgendwas bringt wage ich zu bezweifeln.. es ist nichts anderes als ein Versuch… „Kontaktaufnahme zum sexuellen Mißbrauch“ … nur wie will man das nachweisen ? Sowas muss irgendwie ja greifbar sein…. und im Anfangsstadium ist das sehr schwierig…
    BTW: Gewisse Dinge sind im Chat schon strafbar.. Camsex mit 13 jährigen auf jeden Fall ! Und auch andere Dinge sind durchaus schon problematisch… man darf (allgemeine) pornografie nicht an Personen unter 18 schicken, wobei pornografie auch Texte sein können.. also sexuelle phantasievorstellungen via email können durchaus schon die Definition von Pornografie erfüllen.

    Die Forderung der Strafbarkeit von Groaming ist genauso blöd wie eine mögliche Forderung von „Parken vor Banken zwecks Raub“

  7. Eins hat die Sendung erreicht: Dass innerhalb der Katholischen Kirche die Täter gedeckt wurden, hat man aus dem Gespräch gebracht. Alles konzentriert sich nur noch auf das Internet. Ein Clown, der Schlechtes dabei denkt.

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