„Tatort Internet“: Zwischenstand und Danksagung

Ich muss mich mal kurz bedanken. Als ich vorhin bei Twitter nach Hinweisen und Screenshots fragte, wo und wann am Montag zuerst Details aus dem Privatleben der in der RTL2-Sendung „Tatort Internet“ des (versuchten) sexuellen Missbrauchs Beschuldigten veröffentlicht wurden, hatte ich innerhalb 30 Minuten nicht nur die gewünschten Screenshots, sondern auch ausreichend Material, um den Ablauf in den Minuten nach der Sendung zu rekonstruieren. Ich war für einen kurzen Moment tatsächlich sprachlos, wie gut dieses Internet manchmal funktioniert. Danke auch noch einmal für den nächtlichen Tipp an sumoso. Sexueller Missbrauch ist ansonsten ja nun wirklich kein Thema, mit dem man sich gerne rumschlägt.


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Im Moment schaut es so aus, dass am Montag gegen viertel vor zehn – die Sendung lief zu diesem Zeitpunkt noch – zwei Tweets mit Hinweisen auf einen der Beschuldigten veröffentlicht wurden (Da zumindest ein Tweet den Realnamen eines Beschuldigten enthält, verzichte ich auf einen Link. Der andere und zeitlich erste stammt übrigens vom Gründer einer gut vernetzten Kinderschutzplattform.).

Um 22:06 Uhr, kurz nach dem Abspann, ging es – laut Zeitstempel – dann bei krautchan los (inzwischen gelöscht). Auf Board /b/ wurde der Beschuldigte nach allen Regeln der Kunst „nackig gemacht“. Bilder, persönliche Daten, beides auch aus dem familiären und beruflichen Umfeld, das volle Programm. Kurz nach Mitternacht ging es in diversen Foren weiter, u.a. bei boerse.bz. Der Rest ist bekannt.

Auch sonst muss ich mich bedanken. In den Kommentaren zu den bisherigen Blogbeiträgen werden immer wieder äusserst interessante Links gepostet. Zum Beispiel dieser hier zu einem Artikel in der Mainpost, in dem von einem dritten Fall berichtet wird. Es soll sich um einen Kinderdorf-Leiter aus dem Raum Würzburg handeln.

Der 61-Jährige war am Freitag nicht nur für die Redaktion nicht zu erreichen. Der Kinderdorf-Verein gab am Nachmittag bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf.

Aufschlußreich ist der Bericht aber noch in einem anderen Punkt. Anscheinend haben RTL2 & Diwafilm ihr während der Dreharbeiten entstandenes „Beweismaterial“ nicht an die Ermittlungsbehörden weitergeben. Das wurde in den Sendung anders dargestellt, oder? Die Erklärung für die Nichtweitergabe ist in ihrer bigotten Ekelhaftigkeit jedenfalls nur schwer zu überbieten:

Bleibt die Frage, warum RTL 2 das Verhalten des Heimleiters nicht gleich nach dem Dreh im Mai dem Arbeitgeber oder der Justiz gemeldet hat. Eventuell wären ja Schutzbefohlene in Gefahr gewesen. „Wir haben überlegt, das recherchierte Material gleich weiterzugeben“, so Udo Nagel auf Nachfrage. Der frühere Hamburger Innensenator moderiert „Tatort Internet“ gemeinsam mit Stephanie zu Guttenberg, der Frau des Bundesverteidigungsministers. Weil „Cyber-Grooming“ aber keine Straftat ist, habe man die „Persönlichkeitsrechte des Heimleiters“ letztlich höher bewertet, sagte Nagel. Ziel der Sendung sei es nicht den Voyeurismus der Zuschauer zu bedienen, sondern auf die Gefahren hinzuweisen, die Kindern durch Pädophile im Internet drohen.

Danke, euer Ehren, keine Fragen mehr. Interessant sind auch die Medienberichte zur Rechtslage, die verlinkt wurden:

Apropos Rechtslage: Nach einem aus unterschiedlichen Quellen unbestätigten Gerücht haben RTL2 und Diwafilm bereits mindestens eine einstweilige Verfügung kassiert, das die Ausstrahlung aufgenommen Materials verbietet. Das Gerücht klingt für mich plausibel, insbesondere wenn man den Artikel „Kinderschützer attackieren RTL-2-Show“ bei Spiegel Online liest:

Die drei Kinderschutzvereine werfen den Machern von „Tatort Internet“ auch vor, „intransparent“ und „manipulativ“ vorgegangen zu sein. Repräsentanten der Vereine seien unter Vortäuschung falscher Tatsachen um Interviews gebeten worden. […] Demnach wurde den Interviewten gesagt, die Aufnahmen würden unter anderem für eine Dokumentation über die Arbeit der Kinderpsychologin Julia von Weiler gemacht. Weiler ist in dem Kinderschutzverein „Innocence in Danger“ aktiv.

Inhaltlich können die (recht renommierten) Vereine Dunkelziffer, Kibs sowie die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGfPI) dem Format auch nichts abgewinnen:

Ein „solch reißerisches und vorurteilsstärkendes“ Format leiste keinen Beitrag zum Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt, heißt es in der Stellungnahme. „Es erfüllt einzig und allein die Aufgabe, potentielle Sexualtäter an den Pranger zu stellen und altbewährte Ressentiments zu verstärken.“

Auch sonst sie die Kritiken inzwischen durchweg vernichtend. Man könnte fast meinen, das Format stände unmittelbar vor der Absetzung und die Beteiligten hätten ihren Ruf endgültig ruiniert. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. RTL2 und „Innocence in Danger“ haben erreicht, was von Anfang an Sinn und Zweck der Sendung war: Sich ins Gespräch zu bringen. Der Zweck heiligt die Mittel.

Trotz allem: Schönes Wochenende!

PS: Wer darauf hofft, dass die hessische Landesmedienanstalt als für RTL2 zuständige Aufsichtsbehörde den Stecker zieht, dürfte auch enttäuscht werden. Ich habe gestern länger mit der Leiterin des entsprechenden Fachbereichs telefoniert. Das Gespräch war interessant und aufschlussreich, im Ergebnis aber wenig überraschend. Natürlich beobachte man die Sendung, die Situation sei aber schwierig und die rundfunkrechtlichen Möglichkeiten begrenzt, man stimme sich gerade mit den anderen Landesmedienanstalten ab. Bedeutet übersetzt wohl: Mehr als einen erhobenen Zeigefinger wird es nicht geben, irgendwann.

61 Kommentare
  1. Ich finde die Statistik bisher auch nicht ganz unbeeidruckend:
    – 2 Sendungen
    – 2 Täter komplett enttarnt (der zweite geistert mit persönlichen Daten bei KC rum)
    – 1 Opfer weitgehend veröffentlich

    Und da die Bild wohl hauptsächlich Bilder aus dem Netz verwendet dürften das auch noch mehr werden. Naja, mal sehen, ob der Xerxes noch mal auftaucht, oder ob sie ihn demnächst aus irgendeinem Gewässer fischen.

  2. Der Beschuldigte (und mit diesem Begriff tue ich mir schwer, weil das Gezeigte einfach nur widerwärtig war…) wurde während der Sendung noch von Mitarbeitern seiner Agentur erkannt, da die Büroräume im Hintergrund der Webcam zu sehen und auch eindeutig zu identifizieren waren.

  3. http://www.sueddeutsche.de/medien/lockvogel-serie-caritas-mitarbeiter-verschwindet-nach-tatort-internet-folge-1.1012713

    ZITAT:
    Bei der Caritas herrscht Empörung darüber, dass die Redaktion der Sendung, die unter anderem von der Ministergattin Stephanie zu Guttenberg moderiert wird, weder die Caritas noch die Behörden über das Fehlverhalten des Mannes informiert hatte – und das fünf Monate lang.

    Die belastenden Aufnahmen mit versteckter Kamera waren bereits im Mai beim Ökumenischen Kirchentag in München entstanden. „Es stellt sich die Frage, ob es dem Sender wirklich um den Schutz der Kinder geht oder doch nur um die Einschaltquote“
    (Caritas-Vorsitzender Clemens Bieber)

    Nach Einschätzung des Missbrauchsbeauftragten der Diözese Würzburg, Klaus Laubenthal, stellen die am Montag bei RTL2 gezeigten Vorfälle allerdings „keine Sexualstraftat“ dar, sondern lediglich „eine Distanzlosigkeit und Grenzüberschreitung“. Man habe das Verhalten des Mannes dennoch „keinesfalls dulden“ können [er wurde gefeuert] und umgehend die Staatsanwaltschaft informiert [da Frau Guttenberg und der Sender dies entgegen ihrer vollmundigen Versprechen („uns geht es ja nur um die Kinder“) NICHT getan haben]

  4. Wenn es auf Grund der Hetzjagd zu einem Überreagieren eines „Ertappten“ kommt, dann bin ich mal gespannt, wie die Rechtslage dann aussieht. Sollte einer der „Gehetzten“ einen Suizid begehen, weil er offengelegt wurde durch diese Sendung, dann würde mich interessieren, ob das rechtliche Konsequenzen hat.
    Ich finde Pädophilie verabscheuenswert. Ich finde aber auch den Pranger aus vergangenen Jahrhunderten mindestens genauso grauenvoll.
    „Recht“ zu tun, auf „Unrecht“ basierend, ist nicht die Grundlage eines modernen Rechtsstaates. Die Würde des Menschen ist unantastbar…..

  5. Tatsächlich will die aufsichtsrechtlich federführende hessische Landesmedienanstalt lediglich in Richtung Jugendschutz und Verletzung von Persönlichkeitsrechten prüfen.

    Doch ist nach § 176 Abs. 5 StGB eine Handlung strafbewährt, die ein Kind für sexuelle Handlungen „nachzuweisen verspricht“. Somit müsste die Aufsichtsbehörde entsprechend geltender Rundfunkgesetze unverzüglich einschreiten, um die allgemein gültigen Gesetze durchzusetzen.

    Programmbeschwerden sollten sich explizit hierauf beziehen.

  6. RTL2 und IiD haben erreicht was sie wollten: Der Mob hat die Beschuldigten blossgestellt (was RTL2 ja nicht wollte und somit hat RTL2 auch keine Schuld (sark.) und es war eine Person auf die die Umfeldtheorie passt – eben der nette Heimleiter-Onkel. Zudem auch noch katholisch (Caritas).

    Hat sich doch schon gelohnt das Format (sark.)

    Auch der Mob ist bestätigt (http://www.bild.de/BILD/politik/2010/10/16/tatort-internet/mit-stephanie-zu-guttenberg-sex-ekel-gefeuert.html) Bei den BILD Links ist mir immer aufgefallen dass Frau zu Guttenberg immer im Link genannt wird. Tolles Suchmaschinenmarketing.

    Mal sehen ob der Heimleiter heile wieder auftaucht…

  7. @ Peter P.: (5) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer ein Kind für eine Tat nach den Absätzen 1 bis 4 anbietet oder nachzuweisen verspricht oder wer sich mit einem anderen zu einer solchen Tat verabredet.

    (6) Der Versuch ist strafbar; dies gilt nicht für Taten nach Absatz 4 Nr. 3 und 4 und Absatz 5.

    Absatz 6 hebelt leider Absatz 5 wieder aus! Daher sind ja auch die hopsgenommenen Männer straffrei.

  8. @Ralf: Das Thema berührt jeden. Mich auch. Aber auch der größte Ekel und die größte Ohnmacht legitimieren nun einmal keine Pranger und selbstherrliche Lynchjustiz.

    Es ist eine echte Errungenschaft unseres Rechtssystems, dass wir die Be-/Verurteilung nicht den Opfern überlassen, sondern (hoffentlich) unabhängigen Richtern.

    (Das eigentlich Perverse an der Debatte ist, dass „Innocence In Danger“, Beate Krafft-Schöning und „Diwa Film“ von Anfang an klar gewesen sein dürfte, dass bereits auf Grund des Sendungskonzeptes in den meisten Fällen strafrechtlich nichts zu holen ist.)

    Aber sag, die Info mit den Mitarbeitern, gibt es dafür eine Quelle?

  9. Es mag sein, daß Frau Guttenberg und RTL2 damit eine „Debatte“ angestoßen haben. Aber auf was für einem Niveau.

    Ich glaube jedenfalls kaum, daß ein reißerisches Trash-TV-Format das von allen Seiten mit (zurecht) vernichtender Kritik bombardiert wird am Ende zu der gewünschten „Gesetzesänderung“ führen wird. Zumal der Inhalt dieses diffusen Plans ja eh schwer trennscharf auszumachen ist – mal wird gesagt, Kinder sollen vor sexualisierter Anmache geschützt werden, dann heißt es, man muß „Kinder von 12 bis 19“ vor den Gefahren des Internets bewahren, und wer sich mal das Chatlog nach der ersten Sendung angeschaut hat, der hat gelesen daß nicht mal Julia von Weiler erstens über die gegenwärtige Gesetzeslage bescheid weiß, und andererseits die gewünschte Gesetzesänderung dort schon wieder anders dargestellt hat – indem die sexuelle Ansprache „gedacht Minderjähriger“, also ebenso wie in der Sendung von gefakten Kindern die real garnicht existieren, unter Strafe gestellt werden soll.

    Leider entschließen sich diese Widersprüche und alle anderen Kritikpunkte wohl nur dem, der wirklich einmal scharf darüber nachdenkt. Insofern ist es schon nicht ohne Grund, daß die Sendung und die Medienkampagne dazu über die BILD-Zeitung und RTL2 laufen. Dort kann man immer noch am ehesten einen aufgebrachten Pöbel mit Mistgabeln und brennenden Fackeln zusammentrommeln.

  10. Muß das wirklich sein, dass man hier auf die
    BILD-Zeitung verlinkt?

    Die haben mit ihrer Propaganda und ihren einseitigen Berichten zur Sendung erst dafür gesorgt, dass es soweit gekommen ist – und sind auch ganz nebebenbei „offizieller Werbepartner“ von Frau Guttenberg.

    @Deekay:
    Wenn du erklären wolltest, dass die Bild-Zeitung mit ihrer Hetze erfolgreich war, ist ein Link das schlechteste Mittel.

    Man sollte wissen, dass man mit jedem Link zur Bild-Zeitung diese belohnt, indem der Artikel dadurch im Google-Ranking steigt (und dadurch oft noch vor seriösen Quellen angezeigt wird).

    Und natürlich verschaffst du der Seite ganz nebenbei tausende zusätzliche Klicks von Besuchern, die sich das mal eben ansehen wollen – womit du der Bild über jeden zusätzlichen Besucher höhere Werbegelder in die Kassen spülst.

    Überlegt euch, ob ihr das wirklich so wollt.

  11. Mich wundern diese Zeilen hier http://www.presseportal.de/pm/6605/1700216/rtl_ii/rss erwähnten Zahlen.

    Auszug:
    Das Interesse der Zuschauer blieb auch bei der zweiten Doppelfolge am Montag, 11. Oktober, gleichbleibend hoch. Mit 0,95 Mio Zuschauern (Erw. 14-49 Jahre) blieb die Reichweite der Doppelfolge verglichen zur Startsendung konstant. Die Sehbeteiligung aller Eltern in Deutschland* konnte sich verglichen zur Startsendung um 27 % auf 4,2 % steigern, bei einem Marktanteil von 10,1 %. Und auch die jungen Zuschauer schalten vermehrt ein. Bei den jungen Frauen (F. 14-29 Jahre) steigerte sich der Marktanteil um 28 % auf 11,2 %. Das sind die Zuschauer, die bei diesem Thema besonders wichtig sind. \n
    Wo doch Zapp (NDR, in ihrer Mittwochsausgabe, von einer eher mäßigen Einschaltquote spricht. Oder ich hab da etwas missverstanden.

    -wie viel Wahrheit wohl dahinter steckt-

  12. @ 18
    Gehe stark davon aus, dass RTL 2 den Text geschrieben hat.. sie Presseanfragen…
    Btw. macht mich einiges nachdenklich.. da beschwert sich jemand dass Kapitalverbrechen (Mord etc.) härter bestraft werden als Kindesmißbrauch …

  13. Komisch da wird jemand als pädophil „enttarnt“ schon wird er digital seziert und verschwindet danach spurlos.

    Hat hier Rtl2 zum Mord angestiftet? Ich meine ja pädophile haben ein krankhafte Orientierung aber an sich gehören diese Menschen eher in die Geschlossene – es gibt ja Menschenrechte etc.

    Ich sehe in solchen „Enttarnungen“ erstens mal ein hohes Missbrauchspotential und zweitens bringt es die leben dieser Menschen in Gefahr. Nicht das ich groß Mitleid habe aber wir können nicht anfangen wahllos Grundrechte außer kraft zu setzen auch wenn es sich um jemanden handelt den an von der Gesellschaft fern halten sollte.

  14. @media: Wenn es nötig ist, kann und muss man auch auf die Bild verweisen. Ob man dem Link folgt, ist dann eine andere Sache.

    Technisch sind die Links in den Kommentaren mittels „nofollow“ abgesichert, d.h. für die Bewertung der Linkpopularität einer verlinkten Seite weitgehend vernachlässigbar.

    @jens: Die Quoten sind ziemlich ok: http://www.dwdl.de/story/28301/stabile_quoten_fr_tatort_internet_bei_rtl_ii/
    http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=45133&p3=

    Die Differenzierungen (Eltern, junge Frauen) lassen sich ohne Vergleichswerte nicht nachvollziehen, generell dürfte die Werte aber weit über den Senderschnitt liegen.

    Wichtiger als die Quoten ist für „Innocence in Danger“ und RTL2 aber ohnehin der Buzz, der im Umfeld erzeugt wird. Wichtig(er) ist, dass die Leute reden, nicht schauen.

    Man sollte sich von den Kritiken auch nicht täuschen lassen, das Format erreicht sein Publikum. RTLII hat nicht durch Zufall einen etwa 4x höheren Marktanteil als z.B. arte ,(

    @Christian: Ja, das ist eine Pressemitteilung von RTLII. Das „Presseportal“ der dpa-Tochter news aktuell bzw. der Originaltextservice (ots) ist ein kommerzieller Verbreitungsdienste für Pressemitteilungen und PR-Texte. Eine einzelne Meldung kostet 350 Euro (zzgl. Mwst.), im Dutzend gibt es großzügige Rabatte. Siehe hier http://www.presseportal.de/auftrag/

  15. @ 22

    An einer Anstifftung zum Mord glaube ich nicht.. da müssten die ja direkt sagen „Bring solche Leute um“
    Btw. Denke ich nicht dass er verschwunden wurde sondern selbst verschwunden ist… Natürlich kann es sein dass er geflohen ist weil der entsprechende Druck von dritten einfach zu groß war.. Selbstmord ist natürlich denkbar…

  16. @Christian: Man will da ja eigentlich nicht weiter spekulieren, aber: Die Verantwortlichen werden sich im Falle des Falles schon fragen müssen, ob sie sich schuldig gemacht haben. Und sei es „nur“ am Tod eines Menschen.

    Wobei, die Selbstgerechtigkeit, die ja nicht nur bei Krafft-Schöning immer wieder erkennbar scheint, lässt Zweifel aufkommen, ob sie zu Empathie im Bezug auf Beschuldigte/Täter überhaupt noch fähig sind.

    @Heph: Und ja, es gibt da diese Menschenrechte. Der Wahnsinn beginnt aber schon im Kleinen. Zum Beispiel „beim Wegsperren wollen“. In die „Geschlossene“. Hee, das ist ok! Ich will dich nicht anmachen. Du machst gerade aber schön deutlich, wie Debatte abläuft.

    Gefühle und Vorurteile sind nun einmal stärker als Argumente. Sie helfen unsere Ohnmacht und den Hass zu kanalisieren. Eine Ohnmacht, die „Tatort Internet“ gezielt instrumentalisiert. Wegsperren, also die anderen, die „perversen Schweine“, das ist gut, das befreit!

    Vor allem aber wird es dann leichter zu verdrängen, dass der überwiegenden Anteil derer, die Kinder sexuell missbrauchen, dies nicht aus einem pädophilen Impuls heraus tun (Oder auch nur am „Tatort Internet“). Auch vergreift sich nicht längst jeder Pädophile an Kindern bzw. Jugendlichen.

    Ach, haben Frau zu Guttenberg und RTL2 das nicht erwähnt? Naja, werden sie sicher noch. Oder vielleicht auch nicht. An einer ernsthaften Auseindersetzung mit dem Thema Missbrauch scheint RTL2 ja offenbar nicht interessiert. Ich behaupte: Das ist auch sonst niemand. Verdrängen und neue Gesetze fordern ist schließlich viel einfacher [1].

    [1] Dass diese Menschenrechte tatsächlich auch für „Pädokriminelle“ gelten, kann man dann ja immer noch in eine Fußnote schreiben.

  17. Hey ich habe nie gesagt das das „perverse“ Schweine sind – für ihre sexuelle Orientierung können die wenigsten (hmm geht hier edit? muss da einen satz oben umbauen). Wofür die aber was können ist ihr Umgang mit dieser Orientierung und wenn dann jemand sich in einem nicht vertretbaren Rahmen „gehen“ lässt statt sich zu kontrollieren bzw. Hilfe zu suchen denke ich das Abgrenzung von den möglichen Opfergruppen durchaus von Fall zu Fall notwendig sein kann.

    -.- ich hätte mich besser ausdrücken sollen. tschuldige. Das nächste mal klopp ich nicht so schnell auf Enter ;) Es ist einfach das mich eher die Fixierung auf das Netz und dessen Demonisierung (neben vielem anderen in der show) aufregt und ich mich dann irgendwo in rage schreibe ohne zu merken das ich Unsinn verzapfte.

  18. @Jörg-Olaf Schäfers
    Ja das Format erreicht SEIN Publikum. Irgendwie traurig wie die Fernsehlandschaft vor die Hunde geht und sich nach dem richtet, was die Masse verlangt (bzw. ihre Individualität verliert..letztendlich liegt es ja nicht nur an der Masse).
    Aber man kann ja selber den einen Schlussstrich ziehen und auf andere Sender zurück greifen. Diese bringen das Programm was einen bereichert.
    Aber eine Frage bleibt für mich weiterhin. Wieso besteht so ein großes Verlangen, nach so Niveaulosen Fernsehen.

    Bezüglich des 61-Jährigen hat die Süddeutsche einen Artikel veröffentlicht. Anbei ist auch eine kurze Stellungnahme von RTL II, wieso die Informationen nicht gleich an die Staatsanwaltschaft weitergegeben wurden.

    Wen es interessiert:
    http://sueddeutsche.de/panorama/lockvogel-serie-caritas-mitarbeiter-verschwindet-nach-tatort-internet-folge-1.1012713

  19. @Heph: Wie gesagt, es war nicht persönlich gemeint. Mir geht es auch nicht darum, Pädophile zu verteidigen.

    Das mit dem „Wegsperren wollen in die Geschlossene“ ist grundsätzlich eine Abwehr-/ Abgrenzungsreaktion, mit denen wir Menschen Probleme verdrängen bzw. uns schützen wollen (z.B. um überhaupt mit unserem Ekel klarkommen).*

    „Tatort Internet“ spricht diese Reize in der Sendung immer und immer wieder gezielt an (und zwar so, dass man es – unabhängig von den dargestellten Sachverhalten – kaum aushält), um den Zuschauer zu manipulieren.

    Genau das ist auch mein Vorwurf. Produzentin Danuta Harrich-Zandberg (Diwa Film) und Frau von Weiler (Bei der als Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“ im Hintergrund die Fäden zusammenlaufen) sind übrigens beide Psychologinnen, die wissen also recht genau, was sie da tun.

    *Wo es ursprünglich vielleicht um knappe Nahrungsressourcen ging, haben wir aktuell die Leidkultur-/Ausländerdebatte, oder, als wohl extremstes Beispiel der Holocaust.

    PS: Edit geht für Leser derzeit nicht, sorry. Besonder unklare Formulierungen kann ich aber nach einem entsprechenden Hinweis korrigieren.

  20. @Jens: Der Trick von „Tatort Internet“ ist, dass es eben nicht nur sein Publikum erreicht, sondern auch Teile der Gesellschaft, die weder RTL2 noch diese Sendung schauen.

    Auch sonst, befürchte ich, überschätzt du „das Publikum“ und die Gesellschaft gerade ein wenig. Auch das ist ein Problem. Uns könnte recht einsam im Elfenbeinturm werden, zumal ich nicht einmal Skat spielen kann ,)

    Und was die SZ betrifft: Das Beispiel habe ich oben auch schon, nur eben aus der Mainpost (Der SZ-Beitrag war zum Zeitpunkt, als ich den Blogbeitrag schrieb, noch nicht veröffentlicht).

    Trotzdem Danke auch für den Hinweis, der Artikel in der SZ ist etwas aktueller und deutlicher formuliert.

  21. @#Jörg-Olaf Schäfers

    Das die Sendung die Geselschaft erreicht, welche sie nicht sehen finde ich gut. Dadurch wird zum nachdenken angeregt.
    Zudem:
    Mit meiner Aussage wollte ich kein generelles Fernsehen mit Niveau unterstreichen, um so jenes anzuheben.
    Oder verstehe ich ihre Aussage falsch:

    „Auch sonst, befürchte ich, überschätzt du “das Publikum” und die Gesellschaft gerade ein wenig. Auch das ist ein Problem. Uns könnte recht einsam im Elfenbeinturm werden, zumal ich nicht einmal Skat spielen kann ,)“

    Oder ich stehe komplett auf dem Schlauch. Falls es von eigentlichen Thema zu sehr abschweift, kann die Antwort ruhig entfallen.

  22. Das die Sendung die Geselschaft erreicht, welche sie nicht sehen finde ich gut. Dadurch wird zum nachdenken angeregt.

    Es scheint eher wie bei der \stillen Post\ zu sein. Was freilich auch am Input liegen könnte ,(

    Oder ich stehe komplett auf dem Schlauch.

    Nee, passt schon. Die Debatten draussen auf der Straße unterscheiden sich z.T. durchaus massiv von unseren hier. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

  23. http://bit.ly/9Z6hBR

    Mehr volksverdummende Stimmungsmache geht nicht –
    aber die Autoaufkleber wie „Todesstrafe für Kinderschänder“ zeigen, wie weit es BILD & Co in unserer angeblich so zivilisierten Gesellschaft gebracht haben…

    Konsequenz: Lynchjustiz für korrupte Politiker hat noch keine Pol.Frau gefordert – schade eigentlich!

  24. Ist denn jetzt Strafanzeige gegen Frau Guttenberg und Mittäter erstattet worden wegen Anstiftung zu (versuchten) Straftaten? Bisher ist die Anstiftung in Deutschland mit Gefängnisstrafe versehen.

  25. @cintepion:

    aber die Autoaufkleber wie “Todesstrafe für Kinderschänder” zeigen

    Die Aufkleber kommen aber soweit ich weiß, und man möge mich korrigieren, von der NPD.

  26. @cintepion, @Andreas: Anfangs war die 2001 gestartete Kampagne “Todesstrafe für Kinderschänder” wohl ein privates Projekt, die NPD hat die Forderung später adaptiert. Der Initiator sitzt inzwischen als Kreistagsabgeordneter für die UWL/Bündnis Rechte im Lüneburger Kreistag und ist Landesvorstandsmitglied der NPD Niedersachsen.

    2007 ist die NPD hier in NRW bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen, als eine Mahnwache unter dem Motto “Todesstrafe für Kinderschänder!” verboten wurde. Das BVerG hat die vom OVG Münster bestätigte Verbotsverfügung der örtlichen Polizeibehörde tatsächlich kassiert.

    Nachdem in den vergangenen Jahren mehrfach Führungskader und Funktionäre einschlägig verurteilt wurden, fahren die Rechten das Thema inzwischen allerdings etwas zurückhaltender.

    Zur Mobilisierung eignet sich das Mem freilich immer noch. In Heinsberg schafften es Rechtsradikale anfang des Jahres mehrfach mit ihren Parolen vor die aufgestellten TV-Kameras: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/warum-engagieren-sich-neonazis-gegen-kinderschaender

  27. Man geht davon aus, dass ca. 5% der Bevölkerung pädosexuelle Neigungen haben. Die Frage ist deshalb nur, wer diese Neigung wirklich auslebt, nicht einen Teil der Bevökerung wegzusperren. Kinder in Chaträumen anzusprechen ist eine etwas komplizierte Methode. Schon vor 15 Jahren wurde das Internet so dargestellt, als erleichtere es die Ansprache von Pädosexuellen. Die Menge der Personen, die Kinder ansprechen, und die Menge der Personen, die sexuelle Handlungen planen, sind sicherlich nicht identisch. Sucht man sich einen besonders komplizierten Weg die Kinder anzusprechen, dann ist die Menge der Perversen sicherlich höher.

    Der Umgang insgesamt verschiebt sich natürlich. Wenn man unter 18-jährige zu „Kindern“ macht, mutiert der 18-jährige mit der 17-jährigen Freundin leicht zum Pädokriminellen.

    Ich denke die Formate funktionieren nur, weil ein Großteil der Öffentlichkeit pädosexuell ist. Der geifernde Vernichtungswille zeigt das nur zu deutlich.

  28. http://www.heise.de/newsticker/meldung/RTL2-Sendereihe-Tatort-Internet-sorgt-weiter-fuer-Kritik-1109043.html

    Interessant, dass hier eindeutig klar wird, dass die Bild-Kampagne, Frau Guttenberg und ihre angeblichen Kinderschützter versuchen, ein totes Pferd zu reiten und etwas fordern, dass schon längst existiert: Cyber-Grooming ist jetzt schon strafrechtlich erfasst; dabei drohen Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren. (natürlich nur, wenn keine privaten Möchtgern-Ermittler, TV-Fuzzis und dilletantischen Wichtigmacher die Ermittlungen führen, welche nicht die geringste Ahnung vom Thema und von der Strafverfolgung haben, sondern Experten der Polizei).

    Schon im geltenden Recht gebe es eine solche extreme Vorverlagerung des Strafrechtsschutzes wie sonst nicht einmal bei Mord!

    Es sei kaum nachvollziehbar, dass allein die VERSUCHTE Verabredung im INTERNET mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft werden soll, die ECHTE Verabredung in der REALEN WELT (z.B. am Kinderspielplatz Hallo mein Kind, der Onkel hat lecker Sußigkeiten für dich) aber straflos sei.

    Die von der Hetz-Kampagne angestiftete Diskussion geht am eigentlichen Problem somit völlig vorbei!!

    Insofern hat die Sendung auch keineswegs aufgeklärt oder auf Mißstände aufmerksam gemacht, sondern ganz im Gegenteil: Die Sendung lenkt sinnfreie Empörung weg von den tatsächlichen Problemen, die 90 Prozent aller Fälle betreffen, und trägt zur Verdummung und Falschinformation der Bevölkerung bei, bei der Eltern eingetrichtert wird: wenn ich meinem Kind einfach das Internet verbiete, ist es ja sicher vor Kinderschändern!

    …soviel zum Thema von echten Experten zum Thema Kinderschutz – nicht von Schlagzeilen-Produzenten der Bild-Zeitung oder adeligen Spendensammlern für Vereine.

  29. Das was dort RTL 2, Bild, die Ehefrau des BMVG und ein Herr Senator aus Hamburg betreiben nennt man Selbstjustiz.
    Meiner Meinung nach sollte man solch ein Verhalten, das auch noch durch die \4 Gewalt\ ausgeführt wird, unter Bestrafung stellen.
    Die Zeiten wo wir Beschuldigte erhängt haben, ohne rechtskräftige Verurteilung hatten wir im 3. Reich.
    Jeder Bürger diesen Landes ist so lange Unschuldig, bis ein Gericht diesen Landes das Gegenteilbewiesen hat.
    Da kann Frau von und zu und Herr Senator sowie die Blödzeitung und RTL 2 nicht dran rütteln, bzw. die Judikative spielen.
    Für ein demokratisches Verhalten von den genannten Personen kann man hier nicht sprechen, sondern nur von Medienperversität!

  30. Ich finde es bedenklich wie die von RTL 2 heraufbeschworene mediale Hexenjagd erste Opfer zu fordern scheint und Herr XXX (Name gelöscht) nun völlig überzogen möglicherweise zu Unrecht an den Pranger stellt. Besorgnis erregend ist auch das ein ähnliches Format in den USA bereits eine Person in den Suizid getriebn hat. Bleibt nur zu Hoffen dass die Konsequenzen mediellen Fehlverhaltens hier glimpflicher ausfallen!

  31. http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-sendung-tatort-internet-ein-mann-taucht-ab-der-staatsanwalt-ermittelt-1.1012949

    >>> Tatort-Internet-Produzent Harrich sagte, er begrüße, dass der 61-Jährige nicht mehr mit Kindern arbeiten könne. Den Vorwurf, durch die Inszenierung von Situationen journalistische Prinzipien zu verletzen, wies Harrich zurück. Es sei „im Sinne der Sendung Tatort Internet, dass diese Männer, wenigstens an diesen Tagen, nicht mit einem echten Kind sprechen. Wir verhindern so schon je ein weiteres Opfer sexueller Gewalt.“

    Das Statement finde ich zeimlich zynisch und selbstgerecht.

  32. @ PeterG

    Nun hast du auch den zweiten Verdächtigten – zumindest mir gegenüber – geoutet, indem du seinen Real Name hier veröffentlicht hast. Gegoogelt gleich der erste Treffer seine ehemalige Arbeitsstelle.

    Inwiefern unterscheidest du dich nun von RTL2 und den anderen, die an einem Outing mitarbeiten? Es hätte gereicht, ihn zu umschreiben, ich hatte den Namen zuvor noch nirgendwo gelesen. War das ein Versehen von dir oder ein beabsichtigtes Outing in einem scheinheiligen Posting?

    Aber auch sonst habe ich noch etwas zu sagen. Dieses Tatort Format lebt von unbelegten Behauptungen bis hin zu Lügen. Die Freifrau behauptet doch frech, daß Klein- und Kleinstkinder gezwungen werden, sich vor der Webcam nackig zu machen. 14-18 Jährige werden zu Kindern erklärt und vor allem verschwiegen wird, daß dieses Grooming hauptsächlich solche betrifft, nämlich 14-18 Jährige auf beiden Seiten.

    Und das worum es hintergründig geht, wird verschwiegen. Es soll das Internet zensiert werden, aber nicht die Kinderpornoseiten, sondern alles was dem Staat unbequem ist. Eine unbedachte Äusserung in einem Posting, eine Unterstellung, ein absichtliches gefaktes Posting reicht dann schon, um eine Seite aus dem Netz zu nehmen und eine weitere unbequeme Wahrheit zu unterdrücken. Die Medien kann man manipulieren, die Medien manipulieren selbst. Aber das Internet erlaubt noch das Verbreiten von Kritiken, freien Meinungen und unbequemen Wahrheiten. Und das mit großem Erfolg. Das ist den Oberen ein Dorn im Auge und muß verhindert werden. Da sind Kinderpornos und Perverse ein perfektes Mittel, um das Volk weichzukochen und zum JA-Sagen zu verleiten. Und wer Zweifel hegt, wird als Kinderporno-befürworter verleumdet, seine Existenz vernichtet und sein Ruf zerstört.

    Genauso wird zwischen Pädophilen (Menschen die so empfinden) und Kinderschändern (Menschen die Straftaten gegen Kinder begehen) nicht mehr unterschieden. Für den BILD-leser und für den RTL-seher ist das ein und dasselbe. Das führt aber dazu, daß sich Pädophile, die sich unsicher werden, ob sie „abstinent“ leben können, nicht mehr trauen um Hilfe zu bitten. Pädophile werden sich nicht mehr outen, weil sie Angst haben, für immer weggesperrt zu werden. Und das nur, weil sie pädophil sind. Sie haben es sich nicht ausgesucht und würden wohl alles geben, nicht „so“ sein zu müssen. Alleine damit leben zu müssen und auf Sex lebenslänglich verzichten zu müssen ist eine unsägliche Qual. Aber dafür dann auch noch verfolgt und gehetzt zu werden ist grausam.

    Dem gegenüber stehen die gefährdeten Kinder, die geschützt werden sollen. Dazu werden sie im Fernsehen vorgeführt, die Mandy muß über intimste Dinge reden, die Schulklasse eines mißbrauchten Jungen wurde vor der Kamera interviewt, in den Zeitungen outet Bild und Co. mißbrauchte Kinder in deren Nachbarschaft.

    Was bedeutet Kinderschänder? Ein Kind der Schande auszuliefern. Und genau das tun die Medien hemmungslos. Die Schande solch Unbeschreibliches erlebt zu haben, reicht nicht. Das muß dann auch noch in aller Öffentlichkeit breitgetreten werden. Jede Gerichtsverhandlung schliesst die Öffentlichkeit aus, um den Kindern das Outing in möglichst kleinem Kreis zu ermöglichen. Aber die Anklageschriften werden öffentlich verlesen und das reichte den Medien, um die Kinder bloßzustellen und der Schande in der breiten Masse auszuliefern – sie also nochmal zu Schänden, und zwar richtig. Davor schützt sie kein Verein, dafür fühlen sich Kinderschutzvereine nicht zuständig. Nein im Gegenteil – sie benutzen diese Opfer auch noch für ihre zweifelhaften Taten. Und hinter all dem steckt Geld, eine Riesenmenge Geld.

    Nur die Opfer bekommen davon nichts ab.

    1. @infrognito(45): Ich finde die dort gezeigte Szenerie irgendwie nicht zielführend. Besser wäre es gewesen, man hätte jemanden in einem Chatroom erzählen lassen, er habe eine Geldbörse mit $3000 bei einer bestimmten Parkbank verloren und dann per Fernsehteam alle Leute einem peinlichen Interview auszusetzen (wegen potentiellen Verdachts auf demnächst sicherlich versuchten gewaltsamen Taschendiebstahl), die ansetzen die Geldbörse in der Nähe dieser Parkbank zu finden, unabhängig davon welche Absicht sie verfolgen, also z.B. (hah, wer’s glaubt wird selig, lieber Zuschauer) die Geldbörse dem Besitzer wiederzugeben.

  33. Das Statement finde ich zeimlich zynisch und selbstgerecht.

    Selbstgerechtigkeit findest du bei selbsternannten Ermittlern/Rächern oft, ganz gleich in welchem Bereich.

    Sie dient der Legitimation des eigenen Handels in einer in sich geschlossenen Argumentationskette (Reflektion wird da oft ausgeschlossen), mit der z.Z. auch eine exponierte Stellung gegenüber dem geltenden Recht gerechtfertigt wird.

    Genau das macht sowohl das Format, als auch die Arbeitsweise der Beteiligten schlicht unseriös.

    @infrognito: Nur kurz, ich glaube, dass eine etymologische Betrachtung des Begriffs „Kinderschänder“ uns nicht weiterbringt (Bei „Kinderpornographie“ ist es ähnlich). Gerade nicht im Kontext dieser Sendung.

  34. Im Zusammenhang mit der Sendung weise ich noch einmal auf eine offene Frage hin:
    Wie fand der Sender „Mandy“, die von sexueller Belästigung und Nötigung betroffene Minderjährige, die im ersten Teil sichtlich mit Unbehagen über ihre Erfahrung sprach (genau wie ihre Mutter).

    Laut Aussage der Polizei der Gemeinde, in der Mandy ansässig ist, wurde nämlich eine Anfrage an die Polizei gesandt, woraufhin diverse Fälle „gemeldet“ wurden. Herausgesucht wurde Mandys Fall weil sowohl sie als auch die Mutter bereit waren, vor der Kamera zu sprechen.

    Nun bleibt also die Frage:
    von wem wurde diese Anfrage an wen verschickt?
    Wieso gibt die Polizei Angaben über ihr bekannte Fälle an einen Sender heraus? Oder an wen wurden diese Angaben geschickt? Wurden sie anonymisiert?

    Nächste Frage:
    Nehmen wir an, die Fälle wurden anonymisiert verschickt, wie entstand dann der Kontakt zu Mandy, wieso konnte die Polizei sagen, dass Mandy samt Mutter bereit waren, vor der Kamerazu berichten?
    Hat die Polizei hier Vermittler zwischen Sender und Betroffenen gespielt? Hat sie insofern dem Sender dann die Fälle zugespielt, bei denen die Betroffenen bereit waren, sich vor der Kamera zu offenbaren?
    Wenn nicht – wie passierte der Kontakt?

  35. @Twister

    Interessant finde ich die Frage, ob die eingeblendeten Chatprotokolle im Fall Mandy eine Dramatisierung sind oder den Produzenten vorlagen. Es ist auffällig, dass bei Mandy die Chats in Anführungsstrichen dargestellt werden, bei den anderen Fällen nicht.Der Kripo Mensch sagt wörtlich „Ich denke, dass es Mandy nicht bewusst war, was mit ihren Bildern alles Passiert“. Das wäre treffend formuliert, sollte sich dieser Chat als erfunden herausstellen.

    Allerdings finde ich die Zusammenarbeit zwischen Polizei/Staatsanwaltschaft und Medien nicht sonderlich überraschend. Es gibt genügend TV Formate, in denen Reporterteams mit auf Streife gehen oder vertrauliche Ermittlungsergebnisse weitergegeben werden. Ob es nun Kachelmanns Spermaspuren, der Bettkasten von Herrn Tauss oder die wellige Tapete von Zumwinkel war – derartige Leaks sind doch normal. Schaut man sich nun die Beteiligten von Tatort Internet an, würde es verwundern wenn dort eine Kooperation verweigert worden wäre.

  36. @Twister: Ich hatte bisher angenommen, dass es sich bei „Mandy“ um einen älteren Fall aus der „Arbeit“ von Frau Krafft-Schöning handelt. Dass die „Journalistin“ entsprechende Fälle „nachrecherchiert“ scheint mir plausibel. Entsprechende Fallzahlen sind schließlich ihre Geschäftsgrundlage.

    Konkrete Fallbeispiele finden sich ansonsten auch/bereits im Ergebnisbericht der Studie „IID Deutschland 2007“ (PDF). In wie weit bei der Vermittlung/bzw. Kontaktaufnahme der von der Produzentin Danuta Harrich-Zandberg angesprochene Kontakt zu „Interpol“ bzw. die Zusammenarbeit von „Innocence in Danger“ mit den BKA hilfreich war, wäre ggf. auch zu hinterfragen.

  37. Ich hoffe, das dieses unmögliche Verhalten der Frau eines Bundemsinisters auf selbigen zurückfällt. Hier geht es ja nicht um Meinungsfreiheit oder ähnliches und das darf man in einer solch repräsentativen Funktion einfach nicht machen.

  38. Ich möchte noch auf folgenden TV-Beitrag hinweisen, in dem der Bayer. Rundfunk (Sendung „Kontrovers“) Frau v Guttenberg im O-Ton interviewt:

    Es kann nicht nur sehr entlarvend sein, was die Menschen sagen, sondern auch, was sie NICHT sagen.

    Angesprochen auf die umstrittene Sendung fragt der Reporter über den Emotionalisierungs-Aspekt der Sendung:

    ———-
    Reporter:
    „Aber im Zweifelsfall auch Wut, Volkszorn?“
    Stephanie zu Guttenberg, Präsidentin Innocence in Danger e.V.:
    „Es ist sehr wenig getan worden für die Opfer in den letzten Jahren und wir haben uns sehr stark auf die Täter konzentriert.“
    ———-

    Anstatt sich vom „Volkszorn“ zu distanzieren, und klarzustellen, dass dieser kein legitimes Ziel der Sendung ist oder sein darf, schweigt sie einen Moment, und sagt dann, dass wenig für die Opfer getan würde.

    Frau von Guttenberg hat sich also vom „Volkszorn“ NICHT eindeutig distanziert. Sie hat, wie so viele Politiker beim Umgang mit Medien, einfach eine Antwort auf eine ganz andere Frage gegeben und die Frage des Interviewers umgangen.

    Warum umgeht Frau von Guttenberg die Frage nach dem Volkszorn?

    Es wäre sicher eine Überinterpretation, würde man sagen, dass Frau von Guttenberg den „Volkszorn“ gutheißen würde.

    Aber jedenfalls hat sie die Chance zur Distanzierung bewusst nicht genutzt.

    Link zum Sende-Manuskript bei br-online (PDF):

    http://www.br-online.de/content/cms/Universalseite/2010/09/03/cumulus/BR-online-Publikation-ab-01-2010–234778-20101014094955.pdf

    TV-Beitrag auf br-online (kenne die Löschfrist nicht):

    http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/kontrovers/kontrovers-beitrag-tatort-internet-ID1286804061337.xml

  39. Und noch ein Link:
    Das Online-Portal „Kukksi“, bei dem lt Impressum Jugendliche & Journalisten gemeinsam News fabrizieren, veröffentlicht ein Interview mit Frau Krafft-Schöning.

    Sie erklärt darin uA., dass sie bereits seit über zehn Jahren in der Rolle einer Minderjährigen mit Erwachsenen Chattet und dass sie für „Kinder“ ab der elften Klasse die Nutzung des Internets für vertretbar hält.

    Die Interviewer verpassen leider die Chance jeglicher kritischer Nachfragen.

    http://nachrichten.kukksi.de/2010/10/18/1000-tatort-internet-kukksi-interview-mit-beate-krafft-schoning/

    Ich erinnere mich an einen Auftritt von Frau Krafft-Schöning bei Stern-TV von vor wenigen Jahren. Damals war sie noch „Hausfrau.“ Die Bezeichnung „Journalistin“ lässt jedenfalls die Frage einer sozialwissenschaftlichen oder sonstigen Journalismus-nahen Ausbildung weiterhin unbeantwortet.

  40. @53

    Danke für den Link…
    diese Äußerungen muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:

    […]
    Politik müsste dringend handeln: Die Vorratsdatensdatenspeicherung, allgemeine Prävention zu diesem Thema in Schulen, die Umsetzungunsfähigkeit der bestehenden Gesetze und der Ausbau der Ermittlungsbehörden für diesen Bereich wären aus meiner Sicht ganz dringende Punkte, die man seitens der Politik abarbeiten müsste! Grooming muss generell unter Strafe gestellt werden. Und zwar europaweit.
    […]

    und ein Hammer:
    […]Ab der elften Klasse würde ich das Internet heute als eine von mehreren Informationsquellen empfehlen. In diesem Alter sind Kinder bereits in der Lage, Dinge in gewissem Ausmaß differenziert zu bewerten und sie können mit negativen Einflüssen besser umgehen. Man sollte zudem in der Lage sein, gute Infos von schlechten zu trennen. Das Internet sollte bei der Erarbeitung eines Themenkomplexes niemals die einzige Informationsquelle sein.
    […]

    D.h. das „Kind“ wäre dann 17 Jahre alt…..

    Was für eine Ansicht hat die Frau und in welcher Welt lebt die?

    bombjack

  41. in der 11. ist man zwar meistens zwischen 15 und 17, aber per definitionem wäre nichtmal ein mit 5 eingeschulter Schüler da noch ein „Kind“

    über Medienkompetenz und mediale Informationsgewinnung hat man zu meiner Zeit aber schon viel früher zur Genüge debattiert, das Potenzial ist also bei genügend Sensibilisierung durchaus schon in der Mittelstufe da.
    Wir reden hier ja auch „nur“ von differenziertem, kritischen, ethischen Denken und nicht von hochkomplexen mathematischen Formeln, deren kognitive Bearbeitung ein bißchen mehr biologische Entwicklung im Hirn verlangt ;)

    Weiß nicht, welche Unterrichtsstunden Frau Psychologin da absolviert haben soll, aber ihre Informationen sind nicht auf dem neuesten Stand.

    Und aus eigener Erfahrung aus meinem damaligen weiblichen Freundeskreis: pubertierende Mädchen (mit Sicherheit auch Jungen) machen sich manchmal einen Spaß daraus, sich als etwas auszugeben, was sie nicht sind. Rangiert von älteren Frauen über homosexuelle Männer bis hin zum Kleinkind oder herrschsüchtigen, altmodischen Elternteil. Meist ist es harmloses Getrolle, manchmal auch recht anzüglich oder grotesk.
    Mit Überwachung und Verbot ist da aber nicht viel zu machen.
    Und die meisten wussten auch, dass bei „realen Angaben“ oder Fotos Schluss mit Lustig ist.

    Und genau an diesem Punkt ist sensible, ernsthafte Aufklärung nötig.

    So lange „Kinder“ und Jugendliche aber derart unterschätzt und in Watte gepackt werden, können aus ihnen keine selbständiges Individuen werden, die auch echte Gefahren zu erkennen wissen.

  42. Wieder mal eine weitere schlechte und reiserrisch aufgemachte Sendung. Wer glaubt, dass man mit solchen Fernsehformaten wirklich die Öffentlichkeit hinsichtlich „Kindesmissbrauch“ aufrüttelt und Kinderschänder „jagen“ kann, der soll mal weiter schön daran glauben. Egal wie die Aufklärung aussieht, sie muss die Menschen wirklich nachhaltig erreichen, also eine Dauerwirkung auf ihr Verhalten haben und das ist nicht so einfach. Kurze Erregungen über dieses Thema, das in der Öffentlichkeit bald wieder in Vergessenheit gerät (wie so viele brisante Themen), haben keine dauerhafte Wirkung. Es ist wie Strohfeuer, kurz und heftig. Morgen gibt es in unserer schnelllebigen Gesellschaft wieder irgendein anderes Thema, dass in den Medien zum Aufmacher wird. Im Grunde sollten mehr die Ursachen, deren Erforschung und Bekämpfung im Mittelpunkt stehen. Viele Menschen schauen gerne weg, wenn es für sie selber unangenehm werden könnte, aber schauen gerne hin, wenn sie glauben, es könnte ihnen nichts geschehen. In unseren Wertevorstellungen und unserem Tun & Handeln muss sich vieles ändern und da sollte sich jeder selber Fragen, inwieweit er zu Feige ist, sich „einzumischen“, wenn es um „unrecht“ geht. Es ist einfach, im warmen Wohnzimmer vor dem Fernseher zu sitzen, große Diskussionen zu führen, die aber letztlich keine Auswirkungen auf das gezeigte Thema haben. In unseren Gesellschaftsformen ist einiges nicht in Ordnung, das kann man jeden Tag erleben, sofern man die Sinne „wirklich“ öffnet. Aber „wir“ wollen ja, dass jeden Tag nur die Sonne scheint. Aber Achtung, jeden Tag Sonne… Tag für Tag, da kann alles vertrocknen und verbrennen!

  43. Linktipps:

    Der vermisste Kinderdorf-Leiter ist wieder da, siehe

    http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Vermisster-Kinderdorf-Leiter-wieder-aufgetaucht;art735,5787512

    Die Mainpost merkt in diesem Zuammenhang an, Zitat:

    „Unterdessen hat auch der Diözesancaritasverband eine Pressemitteilung veröffentlicht. Sie lautet: „Im Zuge der Vorfälle um den ehemaligen Heimleiter des Goldenen Kinderdorfes Würzburg haben die Heimaufsicht der Regierung von Unterfranken und der Träger der Einrichtung, der Verein ,Kind und Familie e.V.‘ ihre Untersuchungen in der Einrichtung abgeschlossen. Dabei ergaben sich keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten.““

    Ansonsten kann das Gerücht, es habe in einem Fall eine einstweilige Verfügung gegen TI gegeben, bestätigt werden. Dies zufolge dem Blogeintrag der mit der Rechtsvertretung beauftragten Kanzlei, siehe:

    http://www.lampmann-behn.de/lbr-blog/2010/10/%E2%80%9Etatort-internet%E2%80%9C-verbot-der-ausstrahlung-durch-einstweilige-verfugung/

    Zitat daraus:

    „Im vorliegenden Fall war die Persönlichkeitsrechtsverletzung hauptursächlich aus dem Grund gegeben, dass nicht nur keinerlei Einwilligung in die Anfertigung und spätere Ausstrahlung der Aufnahmen vorlag, sondern sogar der diesbezüglich ausdrücklich entgegenstehende Wille des Abgebildeten geäußert wurde. Auch Ausnahmegründe, welche die Erforderlichkeit einer Einwilligung im Sinne einer Abbildungsfreiheit nach § 23 Abs. 1 KUG im Einzelfall entfallen lassen können, lagen streitgegenständlich nicht vor. Insofern wurde die Veröffentlichung, inzwischen auch rechtskräftig durch Abgabe einer Abschlusserklärung, gerichtlich verboten.“

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