Generell

Polizeikongress ohne Chaos Computer Club

In Berlin findet gerade der „Europäischer Polizeikongress“ statt. Dort kann man kostenlos teilnehmen, wenn man zur Presse gehört, Abgeordneter ist oder bei einer Sicherheitsbehörde beschäftigt ist. Man kann aber auch 895 Euro bezahlen, um dabei zu sein. Ein Berliner IT-Sicherheitsexperte war auf Firmenticket dabei und saß im Saal, als der Innenstaatssekretär Ole Schröder gerade redete. Bis er aus dem Saal geholt wurde mit der Begründung, dass er vom Chaos Computer Club sei. Er sei persönlich bekannt“, was daran liegen mag, dass er ab und an für den Chaos Computer Club medial in Erscheinung tritt.

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Man fragt sich ja, was das Innenministerium und/oder die Sicherheitsbehörden zu befürchten haben, wenn ein Hacker sich die Reden eines Staatssekretärs anhören möchte und auch dafür zahlt.

Update: Das Innenministerium weist mich zu Recht daraufhin, dass sie mit der Organisation nichts zu tun haben. Es wäre aber freundlich, wenn man von Seiten des Innenministeriums trotzdem bei den Organisatoren Beschwerde einlegen würde.

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38 Kommentare
  1. Wer ist denn Veranstalter? Ein kommerzieller Anbieter?

    Wie dem auch sei: Da würde ich einen Anwalt einschalten. Wenigstens, um das Geld wiederzubekommen.

  2. War das Zufall, dass gerade der hohe Staatsbedienstete seinen Vortrag gehalten hat? Durfte der CCCler danach wieder am Kongress teilnehmen?

    Mir drängt sich da gerade eine Schlussfolgerung auf: Kann es sein, dass der CCC inzwischen vom Verfassungsschutz oder sonst einer Behörde für innere Sicherheit beobachtet wird? Wenn der Tipp über den im Saal sitzenden CCCler von staatlicher Seite kam (?), muss so etwas ja der Fall sein. Kann mal eine Partei im Bundestag eine klärende Anfrage in dem Thema stellen?

    Vielleicht sollte der CCC sich zukünftig um die eigene Unterwanderung durch V-Männer bemühen… nur zur Existenz-Sicherung ;-)

  3. Hmmm, ich denke eher das war äußerst ungeschickt von den Verantwortlichen. Jetzt gibt es negative Presse. Die Message in dem Fall ist eher „wir gehen einfach gegen irgendwen vor, egal ob er was damit zu tun hat“.

  4. Jo mei…
    … der CCC wird wohl noch mehr Leute vor Ort gehabt haben.
    Aus so einer nebulösen Sache einen Blog-Eintrag zu fabrizieren, ohne über die Hintergründe bescheid zu wissen, scheint mir zumindest fragwürdig.
    Interessant wäre auch gewesen, ob dem des Saales Verwiesenen, sein Geld zurückgegeben wurde.
    Aber auch dazu kein Wort.

  5. Man sagt mir einmal Argumente sollen überzeugen.
    Aber wenn ich immer nur zu denen Rede, die schon überzeugt sind, wie will ich dann eine breite Mehrheit finden? Oder will ich das gar nicht… brauch ich das gar nicht…? Huch, wo ist denn die Demokratie hin, ich bin sicher dass die eben noch da war.. ich muss kurz suchen.

  6. Martin: Hausrecht. Als Veranstalter kannst Du fast jeden nach Belieben rauswerfen.

    Der europäische Polizei-Kongress ist eine private Veranstaltung des Bonner Behördenspiegel-Verlags.

  7. „Martin: Hausrecht. Als Veranstalter kannst Du fast jeden nach Belieben rauswerfen.“

    Ja. Hausrechtmäßig schon. Aber der Mann hatte einen Vertrag, nach dem er die Veranstaltung besuchen durfte. Danach „durfte“ er also nicht rausgeworfen werden.

  8. Ah, verstehe: Quasi: „Sie da… ja genau SIE… bitte gehen Sie, hier sind harte Fakten eher unerwünscht, und ihr Gesicht passt uns auch nicht… also auf gehts…“

    Intoleranz wird hier nicht toleriert! Sagenhaft…

  9. Die Firma holt sich ja wohl hoffentlich den Eintritt und alle damit verbundenen Unkosten wieder. Hoffe mal IT-Typ hat ordentlich teuer und auch nur deshalb irgendwelche Hotels beehrt.

  10. Autonome Hacker (http://de.indymedia.org/2010/01/272145.shtml):
    „Was am alexanderplatz geplant wird, ist nicht der krieg gegen den internationalen terrorismus, wie man uns glauben machen will, sondern der krieg gegen alle, die kritik äußern …“
    Von den Autonomen Hackern kann man ja halten was man will, aber im obigen Punkt untertreiben die. Es müsste heissen: Krieg gegen alle von denen man glaubt sie könnten vielleicht Kritik äussern oder die jemanden kennen könnten der Kritik äussern könnte.

    Wie so oft kann ich mich nicht entscheiden ob ich lachen oder ganz fürchterlich weinen soll, wenn ich so etwas lese.

  11. Ich kann das verstehen. Das war so ein gaaaanz gefährlicher Ko-Kinderschänder-Terrorist-Bombenlegeranwärter, der kann bestimmt IP-Adressen löschen, Stoppschilder umgehen, DNS-Server benutzen und sich mehrere virtuelle Identitäten aneignen. Sowas hat bei dem Kongress nichts verloren. Man stelle sich vor, der lässt da im Saal ein paar Viren los!!!!

  12. naja es ist doch egal welchem verein er angehoert, fakt ist das er bezahlt hat um teilzunehmen. fraglich ist nur warum er wirklich entfernt wurde – was es da wohl wieder zu verheimlichen gibt…
    fraglich auch ob er oder seine firma jetzt die 895euro erstattet bekommen.
    der bund sollte sich schaemen, manchmal glaube ich echt nicht mehr das wir hier in deutschland sind.

  13. Mein Vorschlag, alle Polizisten und Ähnliches beim nächsten CCC heimschicken (oder auch gleich 895 Euro kassieren)

    Für mich wird immer deutlicher, dass das Volk aus Sicht von Staat, Polizei und Sicherheitsbehörden nur noch als Feind oder potentieller Feind angesehen wird.

    20 Jahre sind jetzt aber auch genug, mal sehen endlich wieder genug Leute auf die Strasse gehen. Ehm, werden wir dann auch nach hause geschickt oder wird gleich geschossen?

  14. Naja, seit dem Lissaboner Vetrag darf ja auch geschossen werden, und wenn du registriert wurdest, dass du bei der DEMO warst, erhälst du einen Eintrag bei ELENA…

    Freu dich auf dein nächstes Bewerbungsgespräch, bzw. die Absage vorher…

  15. @DxU So ähnlich scheint es zu sein. Wenn man nur einen Tag die Vorträge hört und sich vorstellt, dass die dienstlichen Aufgaben und Gespräche sich ebenfalls nur um die Themen Kriminalität und Terrorismus drehen, kann ich mir gut vorstellen, dass sich langsam eine Parallelwelt entwickelt, mit ganz eigenartigen Schwerpunkten.
    Da die nicht mehr identisch sind, mit den Wertvorstellungen der Mehrzahl der BewohnerInnen dieses Landes, und die Angehörigen beider Parallelwelten das spüren, wächst auf beiden Seiten eine Angst- und Abwehrstruktur.
    Deutlich wird das beim Einlass: Ich kenne bislang keinen Kongress, mit einer derartig aufgepeppten, jeden Flughafen schmückenden Hochsicherheitskontrolle. Zunächst glaubte ich, das sei Werbung irgendwelcher Hersteller. Nein: Ist es nicht. Die meinen es mit den Kontrollen ernst!
    Ich würde gern mal eine Psychostudie zu solchem Gruppenverhalten lesen, um dessen Dynamik zu verstehen. Es beginnt wohl schon damit, dass sehr deutlich zwischen Polizei und „Bürgern“ unterschieden wird. Letztere gelten mit zunehmenden Dienstalter erst als Gefährder, dann als Gefahr gegen die man alle erdenkliche Technik einsetzen darf, um sie sich vom Hals zu halten. Vielleicht versteht man so die Motivation der Überwachungs-Eskalation.

  16. „Mir drängt sich da gerade eine Schlussfolgerung auf: Kann es sein, dass der CCC inzwischen vom Verfassungsschutz oder sonst einer Behörde für innere Sicherheit beobachtet wird?“

    Selbstverständlich. Jede Gruppe, die sich öffentlich für Bürgerrechte und gegen Überwachung ausspricht, wird bespitzelt. Das hat nicht nur mit dem aktuellen politischen Paradigma, sondern auch schlicht mit dem Selbsterhaltungstrieb existierender Spitzelorganisationen zu tun. Die sehen sowas als Feinderklärung und längerfristig als Gefahr für Ansehen, Befugnisse, Einnahmen und Arbeitsplätze. So haben Verfassungsschutz, BKA und Staatsschutzabteilungen der Polizei natürlich immer all jene im Visier, die sich für die Einschränkung der Überwachungstätigkeiten oder wenigstens demokratische Kontrolle der selbigen einsetzen.

  17. @parse…
    und am ende könnte er ja auch die schwenegrippe TROTZ DER flughafen-röntgen-dings da reinbekomen haben….
    kaum auszuhalten der gedanke….

    wärs nicht so traurig, ihr könnte mich lauthals lachen hören….

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