Peter Hahne wirbt im ZDF für Netzsperren

Ich habe den ZDF-Moderator Peter Hahne noch nie wirklich gemocht. Vielleicht lag es an seiner Art, vielleicht lag es an seinen evangelikal-konservativen Ansichten, die er immer wieder gerne auf verschiedenen Kanälen mitteilte. Heute weiß ich es genauer, warum ich ihn unsympathisch finde, nachdem ich seine Talkshow „Peter Hahne“ im ZDF gesehen haben (Mediathek). Zu Besuch war Stephanie zu Guttenberg, die ja gerade auf Tournee für ihr Innocence in danger-Buch ist und ein Teil des Gespräches drehte sich um Netzsperren und die Zensursula-Pläne. Dabei wusste man gar nicht so genau, wer von den beiden jetzt der wirkliche Hardliner ist, weil Peter Hahne immer wieder extrem wertend die Richtung vorgab. Hier ist ein kleines Ausschnitt, den ich schon transcribiert habe. Danach motiviert Hahne zu Guttenberg noch, sie müsse sich mehr einsetzen, mehr mit Politikern reden und die EU sei ja auch noch wichtig.

Ab ca. 12. Minute:

Peter Hahne: Und der Staat muss auch handeln, kann auch handeln in Sachen Eingriff in das Internet. Also Verbot. Ursula von der Leyen hat das ja versucht, im letzten Jahr, 2009, hat gesagt, wir verbieten das einfach im Internet. Das hat sich irgendwie nicht so verwirklichen lassen. Und jetzt hat man so einen typisch faulen Kompromiss gemacht. Wir schauen uns das erstmal ein Jahr an, ob das auch freiwillig geht und dann müssen wir vielleicht eingreifen. Sie waren ja für die harte Lösung!

Stephanie zu Guttenberg: Ja, die harte Lösung.

Peter Hahne (unterbricht sie): Die wäre ja auch konsequenter.

Stephanie zu Guttenberg: Die wäre konsequenter. Absolut. Es ist einfach so. Auch wir sagen, dass das Löschen dieser Inhalte wesentlich besser ist als das sperren. Nur hat sich eben inzwischen, das haben wir auch schon vorher gesagt, aber das haben sie inzwischen auch herausgefunden, diese vielgerühmte Inhope-Line, funktioniert selbst zugegebenermassen nicht so, wie das immer vorgestellt wurde, das mit dem Löschen ist nicht so einfach. Erstens, weil die Server ständig ihre Orte wechseln, weil sie dann in anderen LÄndern sind, wo sie auf ganz anderen rechtlichen Grundlagen stossen, weil die Polizei chronisch unterbesetzt ist und zwar nicht nur bei uns, sondern international. Also da spielen soviele Faktoren eine Rolle. Und ich hab einfach immer gefunden, dass selbst wenn man sie in der Idee umgehen kann, sie erhöhen die Schwellen des sich Besorgens eines solchen Materials. Und früher war das ja so, dass es dieses ganze Netz nicht gab und da gingen sie über Chriffre und Briefkasten-Systeme, da haben sie ja, das war ein ein enormer Aufwand.

Peter Hahne: Und jetzt ist es einfacher.

Stephanie zu Guttenberg: Jetzt sitzen sie zuhause in ihrem stillen Kämmerlein.

Peter Hahne: Richtig. Richtig.

Stephanie zu Guttenberg: Und das dauert anderthalb Minuten, dann sind sie auf den einschlägigen.

Peter Hahne: Aber ohnmächtig geschlagen geben möchte man sich ja nicht.

Stephanie zu Guttenberg: Nein.

Das war bis 14:20 Minuten. Da kommt noch mehr. Kann jemand noch die kommenden drei Minuten transcribieren?

Danke an anonymous für das weitere transcribieren:

Peter Hahne: Ihr Mann hat ja auch mal gesagt: Also meine Frau mischt sich da ganz schön auch mal ein. Sie haben ja viel mit Politikern zu tun, nicht nur zu hause mit ihrem Mann. Sagen Sie da auch mal, “Mensch, ihr müsst euch darum kümmern!”, auch was die Gesetze angeht?

Stephanie zu Guttenberg: Ja, absolut. Ich meine, wir sind eine Nicht-Regierungsorganisation und wir versuchen dort aufzurütteln, wo es wichtig ist und das ist natürlich auch beim Staat, das ist ganz klar. Dennoch glaube ich auch, dass eine ganz ganz große Chance liegt, indem man die Gesellschaft aufrüttelt. Und eben wenn dann die Gesellschaft irgendwann sagt “Wir können das nicht akzeptieren” und dann spätestens werden Dinge umgesetzt werden müssen.

Gut aber sagen wir mal, man erreicht doch wirklich schwierig diejenigen, wie sie eben schon sagten, die Eltern sich überhaupt nicht kümmern und vielleicht auch die Schule überfordert ist. Gibts für Sie irgendeine Schranke wo Sie jetzt sagen also, Ursula von der Leyen, das hat jetzt erst mal nicht funktioniert, wie ich möchte doch die Löschung haben eingesetzt das wäre doch ideal, vielleicht sogar auf europäischer Ebene.

zu Guttenberg: Das wär toll. Das wär super. Es gibt momentan eine EU-Richtlinie, die auch diskutiert wird, auch für dieses Thema. Da ist Deutschland momentan leider einer derer, die blockieren. Das ist sehr schade, wir brauchen nämlich internationale Richtlinien.

Aber Frau Schröder, da müssen Sie doch jetzt. Sie haben doch schon n bisschen Einfluss.

zu Guttenberg: Ja.

Hahne: sagen “Ich stehe hier gerade als Frau eines prominenten Politikers, die auch sehr engagiert ist in diesem Thema. Ich setze das jetzt auf die Schiene.” Frau von der Leyen, machen Sie das. Frau Schröder jetzt.

zu Guttenberg: Das ist wäre schön, offensichtlich ähm [lacht] reicht auch mein Druck nicht aus, ich glaube man muss schon von von von der Gesellschaft kommen, vielleicht auch von der Wirtschaft, sich endlich bekennen und aktiv werden und ich glaube, darin liegt auch das Geheimnis, dass wir eben nicht alle darüber reden

Hahne: [nickt]

zu Guttenberg: Ich sage auch, wir sagen auch immer den Leuten. Wissen Sie, wenn wir hier immer noch sitzen und darüber reden wer das jetzt tut oder nicht tut

Hahne: passiert schon wieder was

zu Guttenberg: passiert die ganze Zeit! Wenn wir nicht endlich anfangen, und dieses Löschen und Sperren ist eine Sache, aber das kann nur ein kleines Puzzleteil sein von einem riesen Maßnahme-Katalog, der geschehen _muss_. Und wofür wir einstehen und das fordern und wir versuchen das mit allen möglichen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.

Hahne: Und Sie gehen da ja sehr weit eigentlich und sind da sehr konsequent. Also ich hab Ihr Buch aufmerksam gelesen, also das _lohnt_ sich wirklich, da reinzugucken, auf Seite hunderteinunddreißig haben wir das mal rausgeschrieben, da haben Sie gesagt: “Pornos im Internet, Popsängerinnen im Bondage-Outfit und Topmodel-Shows im Privatfernsehen erschweren Kindern und Jugendlichen die Entwicklung eines positiven Körperbildes und einer Ich-bezogenen Sexualität.”

Die ganzen inhaltlichen Fehler könnt Ihr behalten. Ich hab jetzt mal drauf verzichtet, mit dem Rotstift über das Interview zu gehen und alles anzukreuzen, was einfach falsch ist.

Update: Danke an Ingo für das Uploaden zu Youtube. Jetzt fehlt nur noch eine Version, wo genau der Dialog zu Netzsperren komplett enthalten ist.

Bis 14:30 Minuten:

Der Rest:

63 Kommentare
  1. ninjaturkey 19. Sep 2010 @ 18:55
  2. Jörg-Olaf Schäfers 19. Sep 2010 @ 20:20
  3. werner_wolf 20. Sep 2010 @ 7:48
  4. Oliver Fels 20. Sep 2010 @ 9:35
  5. Martin Böttger 20. Sep 2010 @ 15:23
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