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Offline Filesharing: Digitale Astlöcher mit USB und WLAN

In New York hat Aram Bartholl aus dem Technik-Kunst-Labor Eyebeam fünf USB-Sticks im öffentlichen Raum vermauert. Die Sticks fungieren als Tote Briefkästen („dead drops“), bzw. Digitale Astlöcher und sollen Filesharing offline und anonym ermöglichen – oder letzteres soweit, wie es der öffentliche Raum zulässt.

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Aus einer ähnlichen Motivation heraus ist ein kleines Skript entstanden, welches WLAN-Router mit dem Linux-basierten Betriebssystem OpenWRT in ein Schwarzes Brett verwandelt: brettpost. Es ermöglicht den simplen Upload von Dateien über den Webbrowser auf einen an den Router oder Accesspoint angeschlossenen USB-Stick. Die neuesten Bilder werden in einer kleinen Galerie dargestellt.

Anlässlich des Stunts von Aram Bartholl wird das Shell-Skript hiermit mal releast – ein paar englisch-sprachige Kommentare sollten den geneigten OpenWRT-Fan in die Lage versetzen es zum Laufen zu bringen. (OpenWRT ist eine speziell auf Router und Accesspoints zugeschnittene Distribution, die maßgeblich von der Freifunk-Community liebevoll betreut wird.) Wer mit dran rumschrauben will, sei herzlichst ermutigt!

Fragt sich, wie das weiter gehen kann: In den Kommentaren bei Aram wird vorgeschlagen ein Protokoll zu etablieren nach dem Dateien aus einem Astloch in ein anderes transferiert werden sollen. Ferner sind Broadcasting-Channels machbar, etwa mittels bestimmter Folder für Werke lokaler Künstler oder Party-Ankündigen. Für brettpost ist auch ein Synchronisations-Modus angedacht, in dem hochgeladene Dateien automagisch auf einen Server ins Netz geschoben oder auf angesteckte USB-Sticks kopiert werden.

(Photos: CC BY NC ND agoasi)

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37 Kommentare
  1. Hätte ich keine Ohren, würde ich jetzt einmal rundum grinsen. Genial einfach, aber leider auch mechanisch und softwaretechnisch angreifbar.
    Z.B. Haksaw von hak5.org könnte automatisch den Windows-Rechner rooten, irgendjemand wird den Stick mechanisch beschädigen, etc.
    Trotzdem ist das eine geniale Idee. Vielleicht könnte so ein billiges WLAN-NAS durch Solarzellen versorgt und im Park versteckt werden. Hmm, mir kommen da ein paar Ideen…

  2. Ja, Sicherheit und Verschlüsselung spielen bei der Software bislang keine Rolle; zum einen kannste so nen Accesspoint eh schnell in die Knie zwingen und zum anderen kann ja jeder seine Nachrichten selber crypten. Insofern erstmal wegrelativiert ;)

    Strom is so ne Sache – muss jeder selber sehen. Oft reichen 5 Volt für so nen Router und entsprechend sollte die zu speichernde Strommenge – wenn man etwa nur nen halben Tag welchen haben sollte – in nem 12V-15Ah Akku unterbringbar sein. Nur so als Ansatz …

  3. irgendwer hat eh schon gemeint, diese USB-Stecker seien digitale Glory-Holes. Dürfte ähnlich wahrscheinlich sein, dass man sich eine Infektion holt ..

      1. @Durden

        Quote:Dürfte ähnlich wahrscheinlich sein, dass man sich eine Infektion holt ..
        QUOTE: Das Problem plagt ja nur den Windows-User. Ein weiterer Grund für Linux!

        stimmt nicht ! nur weil irgendein Mac user sagt er hatte noch nie einen Virus, weil er sich noch nie ein Antivirus Programm installiert hat,heisst das noch lange nicht irgendetwas m)

  4. Und nun diese Idee auf diese fliegenden Minidronen portieren (parrot?), eine Alarmapp für alle nötigen Plattformen und dann haben wir den flying circus…

  5. Mit etwas Gründeln im Netz habe ich etwas gefunden, welches meinen Ideen grob entspricht(Guruplug):
    http://www.plugcomputer.eu/de/?page_id=437
    Das ist deutlich zu teuer, aber die Richtung stimmt schon mal. Jetzt ein kleines Schaltnetzteil, ein Solarpanel und irgendwo ein paar Akkus oder Goldcaps, sowie ein Massenspeicher und das Teil wird irgendwo versteckt. Nachts nicht sehr zuverlässig, Transferraten sind niedrig aber das Ding läuft überall da, wo Sonne scheint. Und ist anonym.

  6. Zum Glory-Hole: Ist das nicht der Oberbegriff für alle Tauschbörsen?
    Andererseits, was hält eigentlich die Musik/Filmindustrie davon ab, so ein Teil in die Wand einzumauern und dann einen kleinen 1000V-Spike in die USB-Stecker aufzumodulieren?
    Oder einfach alles, was an Steckern vorsteht, abzubrechen.
    Besser wäre da eine winzige USB-Buchse, samt Adapterkabel zwischen Laptop und, äh, Glory-Hole.

  7. Und dann würde die USB-Buchse mit einem Kaugummi verstopft. Alles was irgendeinen mechanischen Kontakt erfordert, dürfte irgendwie physikalisch attackierbar sein.

  8. Ich arbeite derzeit an einem solchen Protokoll, welches „Astlöcher“, Broadcasts in lokalen WLANs etc. nutzt wenn die Kommunikation über das Internet fehlschlägt. Ziel ist unzensierbare Kommunikation und das Ganze wird kryptographisch gesichert um den Absender zu authentifizieren.

    Kurz zusammengefasst: In einer Gruppe kann nur der Ersteller (der den private key hat) posten, wer seine Posts lesen will tritt der Gruppe bei. Jedes Gruppenmitglied speichert die neusten n Nachrichten und gibt sie an andere Gruppenmitglieder auf Anfrage weiter, damit am Ende jeder jede (aktuelle) Nachricht hat. Das kann über das Internet, ein offenes WLAN (z. B. über Broadcasts oder einen „Server-Node“) oder eben über USB-Sticks in Wänden oder an Brieftauben passieren. Das Ergebnis ist ein P2P-Netz, was man nichtmal durch die beliebte Methode „Internet abschalten“ kaputt bekommt.

    1. @Jan Schejbal / #11: Ui, spannend! Hast Du da schon weiteres Material zu?

      Grad die Fragen welche Transferprotokolle und wie so Bonjour-artige Ankündigen bzw. Nachfragen im Netz genutzt werden als auch Dateistruktur-Schemata für das Abgleichen von Medien auf einem Rechner beträfen so meine nächsten Gedanken. Crypto sehe ich optional, gibt ja auch Daten, die ich öffentlich wissen will. Ne Signatur kann aber eigentlich fast nie Schaden.

      Halt uns bitte auf dem Laufenden :) Ich bin unter wetter@-domaindiesesblogs- erreichbar.

  9. >Und dann würde die USB-Buchse mit einem Kaugummi verstopft.

    Stimmt auch wieder.
    So neu ist meine Idee übrigens nicht, im Januar 2006 sind mutmaßliche Spione aus GB mit sowas aufgeflogen:
    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2006/01/23/International/Moskau-wirft-London-Spionage-vor
    oder auch
    http://www.abc.net.au/news/newsitems/200601/s1553495.htm

    Eye-Fi Karten sind leider ultralangsam und gleichzeitig sehr teuer, brauchen aber kaum Energie.
    Trotzdem finde ich das Projekt einfach nur genial. Es erinnert mich an „Früher(c)“, wo wir einfach DVDs mit, ähm, Content gebrannt und leider verloren hatten oder an einem Nagel in den Uni-Klos vergaßen.

    PS: Captcha war „nuclear buttfunks“

  10. Geht das nicht auch ohne üble Bashismen? Von Shellskripten erwarte ich Portabilität, und Backticks funktionieren überall. $( … ) ist hier vollkommen unnötig.

    1. @anonymous coward / #19: tr -s ‚[.]‘ ‚[.*] hilft uns an dieser Stelle aus allen beliebigen Mengen von Punkten hintereinander einen Punkt draus zu machen :) No Backticks hier.

      Aber wenn Du das in lua umsetzen willst; Bitte!

      Nur zu.

  11. Und was ist nun der Unterschied, ob ich „illegales“ auf meinem Webserver oder in meiner Hauswand bereitstelle?

    Außer der Tatsache, dass man den Stick in der Hauswand nicht so schnell findet.

    PS: Hört sich wie eine digitale Erweiterung von Geocaching an. Es gab auch schon entsprechende Geocaches, die wurden aber wieder entfernt (nicht regelkonform, da kein Papierlogbuch)

  12. Interessante Idee. Aber es gibt einen gigantischen Haken: Wer benutzt sowas? Nerds. Und wie wir alle wissen, haben Nerds manchmal einen etwas eigenen Humor, also dürfte so ein Stick binnen Tagen randvoll mit Perversitäten und Rickrolls sein^^

  13. @erlehmann/#25: Wie im Artikel erwähnt ist eine rudimentäre Bilder-Galerie, die auf gängige Endungen greift, in CSS und JavaScript bereits eingebaut. Kann man noch wesentlich schicker machen.

    Auf jeden Fall scheint dieses Sneakernet sehr passend für das Routing zwischen mehreren „Astlöchern“ zu sein. Mal genauer anschauen, wie das funktioniert …

    Interessant ist ja auch der USB-Part:
    – Finde ich einen Stecker, erwarte ich einen Storage und, dass ich einen Computer brauche, mit dem ich (Orts-relevante) Files austausche.
    – Finde ich eine Buchse, erwarte ich einen Computer, der meinen USB-Stick befüllt.

    In einer Datei auf dem eigenen Stick könnte man spezifizieren, welche Dateitypen / Themen / jüngste Zeiträume man kopiert haben möchte – bzw. kann die Menge der Daten anhand des freien Platzes entscheiden.

  14. Hm, ich hab noch zwei Router (allerdings Fritzboxen) im Keller, die ich nicht brauche … und noch ne leere 60 GB Festplatte. Man könnte das einfach mal so in die Straße stellen und mal schauen, was so drauf ankommt. *grübel*

    An sich dürfte das auch recht problemlos sein, weil man kann nicht direkt nachvollziehen, wo der Spot liegt, man kann eigentlich auch keinen dafür verwantwortlich machen – es darf halt nur nicht im Internetz verfügbar sein.

  15. Ich würde die Idee ja nur zu gerne erweitern, indem nicht mehr vereinzelte WLAN-Router mit HD aufgestellt werden sondern diese a la Freifunk zu einem Mesh verbunden werden. Ein nicht-Internet, in dem man fernab von Zensursula, GEMA und Vorratsdatenspeicherung die digitale Freiheit erhalten kann.

  16. @Stefan Schöne Idee, aber problematisch wird es, wenn Du große Entfernungen überbrücken musst. Das heisst, es wäre nur in urbanen Gebieten wirklich machbar und selbst dort muss man dafür sorgen, dass die Spots koordiniert und nicht zu weit auseinander stehen. Das ist nicht so trivial umzusetzen.

  17. @Stefan:
    Im Grunde ist das ein Teil von Freifunk. Neben dem Internet initiiert Freifunk ja ein Intranet, in welchem man auch Medien streamen oder Binaries tauschen kann.
    Bzw. kann man eben alles machen, was man mit/in einem Netzwerk nunmal machen kann ^^

    Insofern @Oliver ist es durchaus trivial, soweit schon eine Freifunk Community in der Umgebung existiert, andernfalls wird es relativ schwierig, man müsste eben eine neue initiieren. Das kann aber nur klappen, wenn man seine Nachbarn gut kennt und begeistern kann, dass sie es auch zu ihren Nachbarn tragen etc.

    Ich habe hier beides nicht, weder technophile Nachbarn noch bestehende Freifunk-Community. Aber ich fand immer schon: Wenn die Störerhaftung eines Tages dahin sein sollte würd‘ ich auch nen offenen HotSpot installieren. Die Idee mit den USB-Sticks bringt mich auf den Gedanken, dass man auch ’ne Netzwerkdose auf der Haus-Außenwand anbringen könnte.

    Wegen mechanischer Angriffe: Vielleicht wäre Bluetooth ’ne Idee, ist aber halt ein Kunstprojekt und da will man ja auch was sehen :)

  18. @Deus Figendi
    Technisch gesehen ist es lulu, ja. Aber organisatorisch ist es nicht so einfach, weil Du keine großen Entfernungen überbrücken kannst. Oder man müsste das Internet über ein VPN tunneln und so die Struktur erhalten.

  19. Äh doch @Oliver , hör‘ mal ins aktuelle Chaosradio, da war die Rede, dass der Rekord bei 85km läge wenn ich mich recht erinnere. Dazu sei eine kleine Verletzung des Protokolls notwendig (weil die Laufzeit zu groß ist) aber prinzipiell geht es.

    Aber es müssen ja keine 85km sein, ein paar hundert Meter tun es ggf. ja auch, man braucht halt freie Sicht.

    Ich sag‘ ja nur dass es relativ simpel ist soweit überhaupt schon eine entsprechende Infrastruktur besteht. Besteht diese nicht muss man organisatorisch natürlich ‚was leisten. Wenn man z.B. in der eigenen Wohnsiedlung ein paar Leute zusammen bekommt, kann man anfangen, denn die Distanzen sind wahrscheinlich machbar und dann hofft man eben, dass es sich ausbaut :)

    Das tolle an der Sache ist, im diesem nicht-Internet ist man nicht nur abgekoppelt von GEMA und Co. es gilt derzeit wohl auch als legal, soweit man eine geschlossene Benutzergruppe hat sind das Privatkopien.

    Je nach Community gibt es da auch verschiedene Modelle, z.B. dass man als „Mitglied“ Zugang zum Intranet bekommt, als Gast nur zum Internet. Oder man _muss_ Mitglied sein oder es gibt gar kein Intranet oder oder oder…

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