Demokratie

Mit Test: Internet-Enquete tagt zu Medienkompetenz

Huete diskutiert die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft ab 13:00 Uhr in einer öffentlichen Sitzung über das Thema Medienkompetenz. Stream gibt es auf der Webseite.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Zur Einführung hat der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages ein Überblickpapier zur Diskussion rund um Medienkompetenz zusammen gestellt (PDF). Passend zum Thema Medienkompetenz wurde auf Seite neun noch etwas eingebaut, um genau diese auch bei allen Teilnehmern zu testen:

4.4. Internet-Führerschein
Zu den Maßnahmen, die der Förderung der Medienkompetenz dienen sollen, gehört sicherlich auch die Einführung eines Internet-Führerscheins, die für das Jahr 2014 geplant ist:
Internet-Führerschein soll 2014 Pflicht werden. Onlinekosten.de 01.04.2010, abrufbar unter: http://www.onlinekosten.de/news/artikel/38652/0/Internet-Fuehrerschein-soll-2014-Pflicht-werden.

Klickt man auf den Link sieht man groß:

„April, April – Dies ist nur ein Aprilscherz – aber doch eine gute Idee, oder?

Die anderen Links hab ich jetzt nicht überprüft.

12 Kommentare
  1. Also entweder ist es eine gute Idee (schon mit dieser Einschätzung disqualifiziert man sich für eine tiefere Diskussion) oder ein Aprilscherz.
    Was für ein Kindergarten ist das eigentlich?!

  2. Ich möchte gerne, so bei onlinekosten.de Webservermäßig geloggt wird, die Zugriffszahlen bzw. eine Änderung einer Tendenz oder wasimmer sich dort jetzt ändern mag sehen. Habe per Mail eine Anfrage gestellt. :)

    Hallo,

    auf http://www.netzpolitik.org/2010/mit-test-internet-enquete-tagt-zu-medienkompetenz/#comments wurde erklärt, dass in einem Dokument des wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag ein nicht als Ironie gekennzeichneter Link auf

    http://www.onlinekosten.de/news/artikel/38652/0/Internet-Fuehrerschein-soll-2014-Pflicht-werden

    gesetzt wurde. Das ist für uns klar formal und inhaltlich als Aprilscherz erkennbar, dennoch interessieren uns, soweit bei Ihnen Webservermäßig Zugriffszahlen oder ähnliches geloggt werden, eben diese Zugriffszahlen bzw. eine Änderung einer Tendenz oder wasimmer sich dort jetzt ändern mag.

    Die Zugriffe dürften aus einem PDF kommen:

    http://www.bundestag.de/internetenquete/dokumentation/2010/Sitzungen/20100913/A-Drs__17_24_006_-_Sachstandsbericht_Medienkompetenz.pdf

    Können wir eine Auskunft dazu erhalten? Ich würde mich freuen.

    Carsten Raddatz
    netzpolitik.org

    Ob so etwas eigentlich intern, d.h. im wissenschaftlichen Dienst zu einer Rüge führen wird? Oder verstehen alle dort diese Art von Spaß?

  3. Nunja… vielleicht ist es auch absichtlich eingebaut worden, einfach um nur mal zu schauen, wer sich mit dem Dokument wirklich inhaltlich auseinandergesetzt hat.

  4. Sehr lustig! Aber je länger dieser Schnitzer auf mich einwirkt, desto trauriger werden ich.

    Das, was onlinekosten als Scherz formuliert hat, scheint wohl bei manchen Menschen eine tatsächliche Grundhaltung darzustellen, wodurch der Scherz nicht als solcher auffallen kann. Mir scheint, hier geistert die Vorstellung eines „Führerscheins“ durch die Gehirne mit eben genau derjenigen Bedeutung, die dieser auch in der realen Welt hat: Ein Zulassungspapier, ein Eignungstest, womöglich mit rechtsverbindliche Verhaltenszusagen, ausgestellt von einer staatlichen Zulassungsstelle. Da ahnt man ja schon, was in solchen Prüfungen abgefragt wird…

    Geht es wirklich darum, die alte Dame, den alten Herrn oder das unerfahrene Kind zu mehr Kompetenz im Umgang mit neuen Medien zu verhelfen? Oder geht es einfach nur darum, staatsgewünschte Verhaltensweisen und Regeln festzulegen und abzuprüfen, bevor ein Bürger das Netz betreten darf? Ein Netz, dass ohnehin nur verstanden wird als Einkaufladen v2.0, den man nur dann betreten darf, wenn man sich ökonomiekonform verhält.

    Apropos alte Dame und alter Herr: Senioren sind offenbar uninteressant, wichtiger sind Kinder und Jugendliche, denn diese sind in ihren Meinungen und Ansichten noch formbar. Denen kann man noch aufdrücken, was der Staat unter „Medienkompetenz“ versteht. Ich lese in dem Papier überall „politische Bildung“, „Kindermedienland“, „Pädagogik“, „Schule“, „Kinder und Jugendliche nutzen das Internet zunehmend“ usw.

    Auch ältere Menschen nutzen das Internet! Ich habe selbst erlebt, wie groß bei Senioren das Interesse und wie gering aber die Kompetenz und wie groß die Schwellenangst ist. Hier gäbe es sehr viel zu tun, aber das ist natürlich wirtschaftlich total uninteressant.

    Medienkompetent ist der Bürger genau dann, wenn er keine Urheberrechtsverletzungen begeht, keine Anonymisierungsdienste verwendet, und möglichst nichts bei YouTube einstellt.

    „Was? Sie haben keinen Internetführerschein? Wollen sich wohl nicht an unsere Verkehrsregeln halten, wie? Raus! Raus hier aus dem Laden, äh, Netz!“

  5. @Carsten
    Traurig finde ich aber auch die Anfrage zur Überwachung der Zugriffe vom Bundestag- auf den Onlinekostenserver. Spricht auch sehr für sich, wie ernst man die selbst vertretenen Positionen nimmt.

  6. Gut zu Wissen, dass es noch Menschen gibt, die sich um die wirklichen Probleme kümmern.

    Am besten finde ich ja wenn jemand in etwa mit dem Satz beginnt: „Ich finde gut, dass wir da kein Zirkus draus machen und pragmatisch mit dem Thema umgehen… aber es sollte doch besser [Medien- und Netzkompetenz] heissen.

    Und schon sagt einer: „Ne, dann schon lieber [Internetkompetenz], man könnte das ja sonst mit dem Verkehrsnetz verwechseln.“

    Aber gut, das Problem wurde ja jetzt via Abstimmung gelöst und ich für meinen Teil habe nun eine lebhafte Vorstellung, warum das Einrichten des WLAN so lange gedauert hat: „Ich finde, die SSID sollte [Internet Enqu….“ :)

  7. @Name: Ich weiß was sich aus solchen Zahlen ablesen lässt: ziemlich wenig. Vorab: ich würde den Link klicken, und sei es um bestätigt zu finden dass es ein Aprilscherz ist, oder um die Tauglichkeit als Scherz, gekennzeichnet oder nicht, zu prüfen. Whatever, aus dem Zugriff lässt sich praktisch nichts ablesen, insbesondere keine Motivation oder Verständnis für den Humor.

    Deswegen habe ich auch keine „Anfrage zur Überwachung der Zugriffe vom Bundestag- auf den Onlinekostenserver“ gestellt, weil sinnlos. Zumal ein Bundestags-„Server“ kaum zu erkennen sein dürfte, allerhöchstens eine IP-Range von Arbeitsplatzrechnern. Die Antwortmail von onlinekosten.de poste ich unten. Zugriffe von der PDF-Datei aus (welche Header senden PDF-Reader? Hab ich nie getestet) wären aber ein kleiner Hinweis, dass jemand dem Link folgt.

    Darum gehts eigentlich aber nicht. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem EILT (onlinekosten.de-Jargon) ist gut und wichtig, aber die Planung als Pflichtausstattung ist mindestens bizarr, evtl. sogar gefährlich populistisch. Humor dürfte als zulässiges Mittel dazu beitragen helfen, Medienkompetenz auf die Probe zu stellen und so den Umgang mit dem Netz zu schulen..

    Hier die Mail von Hayo, von heute 11:50 Uhr:

    Hallo Carsten,

    nun, was kann ich dir sagen: wir haben heute bereits knapp 130 Zugriffe auf den
    Artikel. Gestern waren es knapp 300. Insofern haben wir also nach wie vor einen
    recht beachtlichen Traffic auf dem Artikel, obwohl er schon ziemlich verstaubt ist.
    :)

    Solltest Du weitere Fragen haben, immer her damit.

    Es grüßt dich,

  8. Ich bin schockiert von der amateurhaften Zusammenstellung dieses Sachstand-Dokumentes.

    Irgendwie beschleicht mich der Verdacht, dass es sich bei dem Link auf Onlinekosten.de um einen ernstgemeinten Link handelt.

    Apropos Links. Etliche Links funktionieren nicht oder man muss neu auf der Zieldomain suchen. Das fällt dann wohl auch unter advanced Medienkompetenz.

    Der „sachstand“ selbst ist auch mehr als betrüblich. Inhaltlich sind die von mir durchgesehenen verlinkten Länderdokumente ein Beweis, dass „Medienkompetenz“ trotz manch schöne Vorworte fast ausschliesslich rein negativ formuliert wird.

    Das Wissen um die „Gefahren“ bei der Webnutzung stehen vielfach deutlich im Fokus oder sind gar das einzig konkrete, das in den Millionen-teuren Programmen umgesetzt wird.

    Insgesamt also ein Dokument, das in Form und Inhalt eine große Enttäuschung darstellt.

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