Öffentlichkeit

Geschäftsmodell Blog-Abmahnung: Ausblick auf Leistungsschutzrecht?

Einen möglichen Ausblick auf die Zeit nach der Einführung eines Leistungsschutzrechts in Deutschland zeichnet Spiegel-Online in dem Artikel „Abmahnungen gegen Blogs – Notwehr als Geschäftsmodell„. In den USA gibt es eine Firma namens Righthaven LLC, die als Copyright-Troll agiert. Righthaven LLC kauft entweder die Urheberrechte von Anderen ein oder vertritt sie gegen Blogs, die manchmal etwas umfangreicher zitieren, manchmal aber auch nur einen Link zu einem Link verlinken. Dann werden Rechnungen im mittleren fünf bis sechsstelligen Bereich wegen einer Copyrightverletzung verschickt und zum Schluß handelt man dann eine übliche UNterlassungserklärung mit einem vierstelligen Betrag aus und gleichzeitig wird auch noch das komplette Blog samt URL kassiert als Schadensersatz!

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Hört sich an wie ein Witz, ist aber bittere Realität in den USA.

Der bisher bizarrste Fall betraf die Drogen-Lobbyorganisation National Organization for Reform of Marijuana Law (NORML): Sie zahlte im Juni 2185 Dollar, um weitere Kosten zu vermeiden – obwohl sie selbst gar keine Urheberrechte verletzt hatte. Auf der Webseite von NORML liefen automatisch eingespielte Schlagzeilen eines News-Aggregators ein, Righthaven klagte daraufhin wegen Rechteverletzung – wegen eines Links hin zu einem Link. Zynikern könnte da durchaus die Frage in in den Sinn kommen, was die denn wohl geraucht haben.

Und nun die Preisfrage: Wer glaubt daran, dass die Bundesregierung es beim Leistungsschutzrechtes schafft, ein Gesetz zu machen, was solche Trollereien verhindert?

Die Electronic Frontier Foundation hat schon angekndigt, geschädigte Blogger gegenüber Rightshaven zu verteidigen: EFF Seeks to Help Righthaven Defendants.

The Electronic Frontier Foundation is seeking to assist defendants in the Righthaven copyright troll lawsuits. Righthaven, founded in March of 2010, files hundreds of copyright infringement lawsuits on behalf of newspaper publishers against bloggers who make use of news content without permission. To that end, Righthaven searches the internet for stories and parts of stories from the newspapers that they represent. Once they find content that has been re-published, Righthaven purchases the copyright to the article and sues the owner of the blog.

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18 Kommentare
  1. die scharren doch schon mit den hufen und schaum vor dem mund hierzulande.

    ja, ich mein euch, die ihr vor verblödung nicht mal einen mietnebenkostenprozess führen könntet, ihr ab(mahn)zockanwälte…..

    aber euch gehts auch noch an den kragen, wenn ihr nicht wie eurere gallionsfigur einen anderen weg bevorzugt..

  2. @markus

    \Und nun die Preisfrage: Wer glaubt daran, dass die Bundesregierung es beim Leistungsschutzrechtes schafft, ein Gesetz zu machen\

    nein. die bundesregierung ist nur in der lage, mit dem b-beamteten \fach\gehilfentross in den ministerien verfassungswidrige gesetze zu machen, die dann in karlsruhe landen.

    papier hat doch bestimmt zu seiner frau gesagt damals, dass sie schon mal ein neues hemd bügeln muss für die verhandlung oder anhörung, weil die regierung wider mal ein gesetz erlässt.

  3. „Und nun die Preisfrage: Wer glaubt daran, dass die Bundesregierung es beim Leistungsschutzrechtes schafft, ein Gesetz zu machen, was solche Trollereien verhindert?“

    Diese Aussage setzt voraus, das die Regierung solche Auswüchse überhaupt verhindern will.

    Wie bei dem ganzen Abmahnwahnsinn wird man da „keinen Handlungsbedarf“ sehen.

  4. Gehe ich davon aus, dass auch dieser Blogartikel damit quasi Abmahnungsgefährdet wäre?
    Immerhin verlinkst und zitierst Du einen Copyrightgeschützten Artikel von Spiegel Online….
    Sollte mal also in vorauseilendem Gehorsam ganz darauf verzichten, irgendwelche professionellen Medien zu zitieren und verlinken?
    Oder seinen Blog lieber gleich dichtmachen?
    Bisher dachte ich immer, dass gerade kleinere Lokalzeitungen doch nur davon profitieren, wenn sie von Blogs – unter korrekter Quellenangabe – zitiert und verlinkt werden.

    1. @medizynicus (#5)
      „Bisher dachte ich immer, dass gerade kleinere Lokalzeitungen doch nur davon profitieren, wenn sie von Blogs – unter korrekter Quellenangabe – zitiert und verlinkt werden.“
      Wie kommt man eigentlich darauf, das jeder, auf dessen publizierte Inhalte von anderer Stelle verlinkt wird, automatisch „profitiert“? Das kann ebensogut zum selektiven Lesen beitragen und die Wahrnehmung des Gesamtangebots eher verhindern.
      Und was die Werbeeinnahmen betrifft: Ich sehe sie schon, wie sie immer reicher und reicher werden, die kleinen Lokalzeitungen. Deswegen senken die ja auch ständig die Preise für die Papierzeitung, weil so enorme Einnahmen aus dem Netz sprießen, das man sich das leisten kann. Oder war es doch etwas anders?

      @Thomas K.
      Eigenartig, alle wollen das Urheberrecht achten, so lange die Einnahmesituation des Urhebers nicht ihr Problem ist und sie nichts bezahlen müssen.
      Sicher gibt es abstruse Auswüchse. Das ändert aber nichts daran, das eine faire Bezahlung von Reportern, Redakteuren und anderen Autoren gesichert sein muss. Wenn man kein Geld mehr damit verdienen kann, eine Schweinerei aufzudecken, weil es jeder gleich für lau kopiert und verbreitet, wird es eben bald niemand mehr tun. Zumal man wohl noch ein Paar Euro braucht, ggf. Prozesse zu überstehen.

  5. Die Preisfrage lässt sich folgendermaßen beantworten:
    Warum sollten die externen Ministeriumsmitarbeiter bei der Formulierung des Gesetzestextes solche Nahrungsquellen ihrer Brötchengeber herauslassen? Das Gesetz wird genau so formuliert sein, dass alles ganz sicher toll klingt und Mist bringt.

  6. Wieder mal ein Schuss, der nichts mit Urheberrechten sondern mit Gel-Abzocke zu tun hat.
    Natürlich ist es in Ordnung, dass das Urheberrecht geschützt wird, aber ein Geschäft daraus zu machen ist ein Eingriff der, wenn er sich durchsetzt, gerade die Blogger-Szene schwer schädigen wird.
    Ich bemühe mich zwar niemandes Urheberrecht zu missachten, aber sollte mich so ein Brief erreichen, werde ich ihn öffentlich machen und definitv weder mein Blog schliessen noch zahlen.

  7. Auf Deine Frage, ob da bei uns ein sinnvolles Gesetz ‚gegen geschaffen werden kann:
    Sicher nicht, außer unsere Politiker sind selbst Leidtragende. DANN nämlich sind sie plötzlich ganz fleißig. Mir fällt da beispielsweise die Kappung der Roaminggebühren im Ausland auf. Diese betreffen nicht nur, aber BESONDERS Politiker. DA wird dann ein Gesetz gemacht.
    Im Umkehrschluss müsste man nur mal 10-20% aller politiker auf einer AboabzockroutenplanerOderHausaufgabenDE-Seiten „anmelden“. Dann würde sich da sicher recht bald was tun.

  8. Die Geschichte mit dem Aggregator der „Potheads“ ist noch lange nicht die absurdeste. Die EFF verlinkt auf eine noch bessere: Da wurde jemand von Right-shave n verklagt, weil er Ergebnisse einer Umfrage, die er selbst durchgeführt hatte, in seinem Blog veröffentlicht hat. Wunderbare Welt des „Geistigen Eigentums“…

    P.S: Ich finde das Leistungsschutzgesetz schon ganz toll: http://blog.ax11.de/archives/2010/06/6787

  9. @Peter: Eine faire Bezahlung von Journalisten, Redakteuren und dergleichen dürfte wohl im Interesse Aller liegen. Das Problem dabei ist, dass es da noch kein wirklich brauchbares Geschäftsmodell gibt.

    Definitiv nicht im Interesse Aller ist hingegen eine „faire“ Bezahlung von Besitzern von Druckmaschinen und Verlagsgebäuden. Dahin und an die dazu merkwürdigerweise notwendigen Manager fließt das meiste Geld. Im Vergleich dazu bekommen Autoren, Redakteure, Journalisten u.s.w. eher ein Almosen.

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