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Frontal21: Der große Bluff

Frontal21 hat heute in einer 45 Minuten langen Reportage über Atompolitik berichtet: Der große Bluff (Mediathek). Das hat zwar nichts mit Netzpolitik zu tun, ist aber trotzdem eine sehenswerte Dokumentation. Auf der Webseite findet man weitere interaktive Informationen rund um die Debatte, ob die Laufzeit von Atomkraftwerken verlängert werden sollte, wem das nützt und welche Probleme die Endlagerfrage rund um Gorleben bringt.


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37 Kommentare
  1. Frontal21? Waren das nicht dieses völlig unobjektive TV-Magazin das mit meinen GEZ-gebühren Hetze gegen Computerspiele und Computerspieler betreibt und dabei noch zu blöd ist Tatsachen richtig zu recherchieren?

    Ne, lass mal, wenn die bei nem Thema von dem ich was verstehe schon so nen Mist abliefern muss ich leider davon ausgehen das sie das bei anderen Themen auch machen. Ich merk es nur nicht weil ich davon nicht so viel Ahnung hab.

  2. Tja, was erwartet man schon von Frontal21.

    Auf jeden Fall haben die wieder einmal gezeigt, was einseitige Berichterstattung ist.

    Da fehlte z.B. das Moratorium gegen die Erkundung Gorlebens von Rot-Grün, um das Müllproblem zu verschärfen.

    Das beste Argument ist, dass Atomstrom die Netze verstopfe und die Windkraftwerke nicht immer einspeisen können. Das Problem ist aber, dass wir stets eine Grundlast brauchen, unabhängig vom Wetter. Das können AKWs leisten oder Gaskraftwerke, wobei hier die Frage des CO2 und Methan Ausstoß wichtig sind.

    Auch wieder schön ist, dass beim Thema Strompreissteigerung von 2002-2007 gar nicht über Einspeisevergütung für erneuerbare Energie geredet wird.

    Und der Standardspruch, dass die Störfälle immer mehr zunehmen. Schaut Euch die Berichte vom Bundesamt für Strahlenschutz doch mal an (auch die INES-Kategorisierung die immer Teil des Berichts ist):
    http://www.bfs.de/de/kerntechnik/ereignisse/berichte_meldepflichtige_ereignisse/jahresberichte.html

    Naja Frontal21 halt.

  3. Ich kann dem Kommentar von philipp nur zustimmen. Folgendes möchte ich noch hinzufügen:

    Was auch immer vergessen wird, das ist der sog. „Energiekonsens“. Wer die Konsens – Vorzeit noch kennt, der weiß, daß es dort im Prinzip eine rot/grüne Blockadepolitik gab, die den Kernkraftwerksbetreibern das Wasser abgraben sollte. Die Deviese lautete: Revision jeder zeit möglich, aber Wiederinbetriebnahme mit allen nur denkbaren Verfahrenstricks und einem unendlichen Gutachterkrieg verhindern. Die Betreiber wurden so, wollten sie ihre Wirtschaftlichkeit retten, in den „Konsens“ hineingezwungen.

    Was in dem frontal21 – Propagandafilm auch fehlt ist die Tatsache, daß wir immer vom absolut alleinigen deutschen Kernenergieausstieg reden. Sind wir die die globalen Lehrmeister geworden? Ich kann, nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit einfach nicht daran glauben. Eher glauibe ich, daß nächstes Jahr Oster und Weihnachren auf den gleichen Tag fällt.

    fraontal21 halt, die besseren Zeiten von Hauser und Kienzle sind leider vorbei!

    1. @bodo

      \Was in dem frontal21 – Propagandafilm auch fehlt ist die Tatsache, daß wir immer vom absolut alleinigen deutschen Kernenergieausstieg reden. \

      Neben deiner entlarvenden Wortwahl ist Dir aber schon bewusst, dass weltweit mehr AKWs vom Netz gehen als neu geplant, geschweige denn gebaut werden? Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

      Bemerkenswert ist immer wieder zu sehen, dass bei den ganzen Nachplappern der Atomlobby, die auch gestern im Bericht aufgezeigten Sicherheitsmängel und Risiken keine Rolle spielen. Dazu passt es wunderbar, dass Gorleben ein politisch bestimmtes Endlager ist, welches bis heute keinem wissenschaftlichen Gutachten standhält.

      Gute Besserung…und Schluß.

  4. @philipp
    Nach deinem Geschwurbel bin ich nicht sicher ob Du den Bericht überhaupt gesehen hast oder eher eine schlichtes Weltbild vorherrscht. Frontal 21 ist kein journalistisches Highlight, aber der Doku einseitige Berichterstattung vor zu werfen ist schon frech.

    Bis auf RWE, war keiner der vier großen Stromanbieter bereit sich vor der Kamera zu äußern.

    Das Müllproblem wird durch den weiteren Betrieb verschärft und nicht das Moratorium von Rot-Grün.

    Das Problem der Grundlast ist aber, dass im deutschen Netz mehr Grundlast produziert wird als überhaupt nötig. Daraus folgt das Deutschland im vergangenen Jahr so viel Strom wie noch nie exportiert hat, trotzdem zwei AKWs über den ganzen Zeitraum gar nicht am Netz waren. Dieses ganze Grundlastgeschwafel sorgt auch für den Investitionsstau in den Ausbau von intelligenten Stromnetzen.

    In dem Bericht wurde nur der Vergleich aufgestellt zwischen den Kosten für den erzeugten AKW Strompreis und dem an der Börse gehandelten Preis. Die Einspeisevergütung EEG ist nicht Bestandteil des gehandelten Preises.

    Die Störfälle sind signifikant gestiegen in Relation zur Betriebsdauer der AKWs und deren Schwere. Wer etwas anderes behauptet lügt!

    Anderen Meinungsmache vorwerfen und selbst kräftig dabei mitmischen ist schon gewagt.

    Grüße unter dem Stein…

  5. „Propagandafilm“ hin oder her, jedenfalls scheinen die Macher des Films nicht allzu viel vom Thema zu verstehen. Dass zB bei Greenpeace ein Atomphysiker für Kernenergie zuständig sein soll, halte ich für sehr unwahrscheinlich.

  6. Schön fand ich, wie Ernst Albrecht als Ministerpräsident völlig beratungsresistent und unabhängig von der Faktenlage die Entscheidung für Gorleben fällte.
    Der Mann ist ja der Papa von Ursula von der Leyen – Der Politiktil liegt eindeutig in der Familie.

  7. Diese Dokumentation ist reine Hetzkampagne und die Liste der falsch bzw. einseitig dargestellten Fakten ist endlos. Eine kleine Auswahl:

    Warum bleibt die Aussage \Wir hätten Tschernobyl nicht beherrscht\ unwidersprochen, obwohl dieser Unfallhergang in deutschen Kernkraftwerken PHYSIKALISCH unmöglich ist?
    Warum wird nicht erwähnt, dass die angeblich technisch und finanziell nicht machbare Nachrüstung des Notstandssystems für Biblis A schon vor Jahrzehnten vom Betreiber beantragt wurde?
    Warum wird verschweigen, dass ein Tandem aus Windkraft und Gaskraftwerken mehr CO2 emittiert als ein Kernkraftwerk alleine?
    Warum wird verschwiegen, dass wir nach wie vor einen mehr als 80% nicht-erneuerbaren Strommix haben – von einem Verdrängungswettbewerb zwischen Erneuerbaren und Kernkraft schwerlich die Rede sein kann?
    Warum werden alle meldepflichtige Ereignisse \Störfälle\ genannt, obwohl es seit dem 14.12.2001 kein Ereignis in deutschen Kernkraftwerken mehr gravierend genug war, um sich offiziell \Störfall\ schimpfen zu dürfen?

    Bei aller berechtigten Kritik an der Kernenergie – insbesondere bei der Endlagerfrage (über die auch nicht wirklich objektiv berichtet wurde) – mein Vertrauen in die Berichterstattung des ZDF ist nachhaltig erschüttert.

    IHR WERDET FÜR SERIÖSEN JOURNALISMUS BEZAHLT, NICHT FÜR WAHLWERBUNG !!!

    1. @Harald:
      Ob Tschernobyl nun in dieser Form oder in einer anderen möglich ist, weiss ich natürlich nicht. Ich denke das werden viele nicht wirklich wissen können. Aber Fakt ist doch, dass bei einem GAU, und sei es weil ein Flugzeug da reinfliegt, sich kaum Leute bereit erklären würden, irgendwas zu löschen, abzuschirmen, aufzuräumen oder sich sonst irgendwie in die Gefahrenzone zu begeben.

      Und diese Situation und auch die Endlagerfrage sind für mich ebenfalls Killerargumente, welche die Atomkraft lieber heute als morgen Geschichte sein lassen sollten.

  8. ‚Dazu passt es wunderbar, dass Gorleben ein politisch bestimmtes Endlager ist, welches bis heute keinem wissenschaftlichen Gutachten standhält.‘

    Ich bin kein Geologe, aber nach meinem Wissen sagen die bisherigen Gutachten – und übrigens auch der Atomkonsens! – dass Gorleben zwar kein perfekter, aber durchaus ein geeigneter Standort ist. Weit weit weit besser geeignet als zum Beispiel Asse.

    Festzuhalten bleibt jedoch, dass Rot-Grün nie ernsthaft versucht hat, einen besseren Standort zu finden. Das Schwarz-Gelbe Konzept, auf ein geeignetes Endlager an einem politisch ausgewählten Standort zu hoffen, war ein besch…enes Konzept zur Lösung des Endlagerproblems, aber es war ein Konzept zur Lösung des Endlagerproblems. SPD und Grüne dagegen haben stets nur aus der Nichtlösung politisches Kapital geschöpft und trotz Regierungsmehrheit keinen Geologen gefunden, der offiziell die Nichteignung feststellen konnte.

  9. @ Harald:
    „Störfall“ ist nunmal schlicht der allgemein gebrächliche Ausdruck für eine Störung im Betrieb eines AKW.
    @ topic:
    Ich gebe auch zu, dass die Berichterstattung etwas einseitig war. U.a. die Frage nach der Grundlast hat mir auch gefehlt – was ich aber trotzdem als klares Killerargument gegen Atomkraft sehe ist die nicht gelöste Endlagerfrage sowie die politische nicht wissenschaftliche Entscheidung pro Gorleben. NUR Gorleben zu erkunden ist definitiv nicht ergebnisoffen….

  10. @ zorin
    Nein, ein „Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung“ hört weder im allgemeinen noch im offiziellen Sprachgebrauch auf dem Namen “Störfall”. Das ist keine Frage von Fach- und Umgangssprache, sonden von Lüge und Wahrheit.

    Und was die Endlagerung betrifft: Was ändert sich denn, wenn wir mehr Atommüll haben? Ein Endlager brauchen wir doch sowieso. Wie wahrscheinlich ist es, dass das Endlager am Ende für den Müll aus 50, aber nicht aus 70 oder 80 Jahren Kernkraft reicht? Welches Problem würde gelöst oder auch nur gelindert, wenn wir jetzt Kernkraftwerke schleißen, die trotz allem noch mehr Strom produzieren als alle erneuerbaren Energieträger zusammen?

  11. Hauptsache die Klappe aufmachen, aber von dem Thema selbst keine Ahnung haben…

    Ich fand den Bericht gut. Ob alle Behauptungen, die aufgestellt wurden, richtig sind kann ich nicht bewerten, da mir die Sachkenntnis fehlt.

    Jedoch ist der Bericht doch ziemlich kritisch zur Atompolitik. Und das vom „Haussender“ der CDU – dem ZDF.

    1. Ich finde jedenfalls so dermaßen einseitige Berichte grundsätzlich nicht gut, und um zu merken dass da etwas nicht stimmt braucht man keine besondere Sachkenntnis: Schon allein am Titel muss doch jeder merken, dass es nicht um seriösen Journalismus, sondern um einseitige Propaganda geht. Außerdem müsste doch jedem auffallen, dass nicht ein einziger Experte der pro-Atom-Seite gehört wurde (Unternehmenssprecher sind keine Experten).

  12. was den meisten beim Thema Atomenergie wirklich nicht klar ist, ist, dass die größten Probleme mit ihr momentan bei der „Endlagerung“ (von denen wir in D kein einziges haben und die auf sog. „Geologischen Skalen“ = mehrere zehn-bis hunderttausend Jahre -> Plattentektoniksicherheit und solch Krams ausgelegt sein müssen) und der – eigentlich sinnlosen, aber gefährlichen – Wiederaufbereitung liegen. Wenn sämtlicher Atommüll momentan von Zwischenlager zur Wiederaufbereitung und zum Reaktor und wieder ins Zwischenlager geschoben wird, ohne dass dabei etwas „produktives“ herauskommt, dann ist das schon bedenklich. Und dass aufgrund des bereits entstandenen Atommülls ein „endgültiger Ausstieg“ sowieso mehr Polemik denn Realität ist.

    Was natürlich nicht davon ablenken soll, dass der einzige Weg bei der Erschließung erneuerbarer Energiequellen zu suchen ist. Aber die feinen, bösen Details werden bei den meisten Diskussionen einfach unter den Tisch gekehrt. Wie sagte mein Professor so schön? „in die Sonne schießen geht auch nicht“

  13. Hmm, einen Moment überlegen, welchem politischen Verein Markus angehört… ^^

    @FUD: Ich glaube spätestens seit den Videospiel-Berichten von Frontal 21 sollte jeder wissen, mit welcher „kritischen Objektivität“ dieser Laden an seine Reportagen herangeht.

    @Unternehmensreaktionen: Erstens sind Pressesprecher keine Kernphysiker und haben auch nicht automatisch mehr Ahnung von der spezifischen Technik als gewöhnliche Lobbyisten der Gegenseite. Zweitens hat es Gründe, warum Unternehmen/Personen nicht mit Frontal 21 (der Bild, usw) reden – warum soll ich mich da bloßstellen lassen und den habgierigen Kapitalisten-Sack als Schlagwortgeber für den dahinter geschnittenen Greenpeace-Aktivisten geben?

    @Störfälle: Tschernobyl ist wie schon gesagt physikalisch nicht möglich, aber auch die etwa in Krümmel zum Weltuntergang hochstilisierten „Störfälle“ betrafen die Transformatoren, die mit dem Kernkraft-Teil absolut gar nichts zu tun haben (gehören zu jedem Stromnetz auch mit noch so „grünem“ Strom dazu). Und das solche Teile nach langer Einsatzzeit kaputt gehen, bestreitet keiner. Nur hat das halt mit der Sicherheit eines Kernkraftwerks herzlich wenig zu tun.

    @Endlager: Selbst wenn wir jetzt sofort alle Atomkraftwerke abschalten, haben wir immer noch Tonnen von Atommüll rumliegen (dank Transportverbot von Rot-Grün meist in besseren Blechhütten auf dem Gelände der Atomkraftwerke). Also müsste man tatsächlich mal ergebnisoffen anfangen zu erkunden (hier macht auch Schwarz-Gelb nicht die beste Figur) und sichere Lagerstätten finden und ausbauen. Gleichzeitig können auch technische Möglichkeiten zur Verringerung von Abfallmenge oder Strahlungsintensität und Halbwertszeit (nichts anderes will die „Wiederaufbereitung“) hilfreich sein. Für all das braucht man aber freie Forschung und weder politische Einflussnahme in deren Ergebnisse noch ein Forschungsverbot.

  14. @Carsten: Ein Unfallhergang wie in Tschernobyl ist aufgrund der Bauweise (gaaaanz grob gesagt wegen dem Wasser um die Brennstäbe) physikalisch nicht möglich.

    Obwohl ich es auch ungern sehen würde, dass ein Flugzeug in einen Staudamm für ein Wasserwerk fliegt – natürlich haben Atomkraftwerke recht große Worstcase-Risiken. Und deshalb hab ich auch gar nichts gegen seriöse Sicherheitsüberprüfungen – aber ständig wegen allem und nichts den Weltuntergang zu beschwören trägt weder zur Bewertung von realen Risiken noch zur Sicherheit von Atomkraftwerken bei.

    Das Beispiel mit dem Transformator hab ich ja oben schon gebracht: „Kraftwerk Krümmel als Sicherheitsrisiko? Ein wichtiges Bauteil ist in Brand geraten? Warum ist das dann überhaupt noch erlaubt?“

  15. Betr.: Endlager

    Deutschland hat ein Endlager, bereits.

    Es gibt das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (REM), und es gibt einen „Plan zur Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben“.
    REM liegt in Sachsen-Anhalt und soll nun geschlossen/stillgelegt werden. Der Atommüll dort ist teilweise unbekannt radioaktiv und soll, obwohl der Salzstock geologisch nicht dicht ist, dort verbleiben. Verfüllungen, Salzbetonbarrikaden usw. sollen als Sicherung ausreichen; in Teilen des Salzstocks dringt Wasser ein.
    Asse II lässt grüßen.

  16. Bei ‚Kontraste‘ auf ARD gab es gerade auch einen Bericht über die Atomkraft, die Werke in Deutschland und einige damit verbundene Gefahren. Ich habe leider nur die letzten Minuten gesehen, aber die Quintessenz scheint eine ähnliche wie die bei dem Frontal-Beitrag zu sein: Wir sitzen hier einfach auf einem Pulverfass, jede Laufzeitverlängerung ist gefährlich, wir müssen sehen das wir davon weg kommen.
    Der Beitrag müsste gleich auf kontraste.de zu sehen sein, und vllt. auch in der Mediathek.

  17. Frontal21, Panorama, Kontraste; alle in einen Sack, Knüppel drauf, du triffst immer den richtigen. die sog. Politschen Magazine sind leider nichts als Polemik. Die Themen sind oft interesannt, haben m.M. aber mit Journalismus nichts zu tun.

  18. Ich habe noch nie zu irgendeinem Thema die Presse so schamlos Partei ergreifen gesehen. Es ist jetzt am Volk, das zu belohnen oder zu bestrafen.

    Ist hier eigentlich allen klar, dass nach wie vor nur etwa 11% des Energiemixes (knapp 20 % des Strommixes) aus erneuerbaren Energien gewinnen? Ist hier eigentlich allen klar, dass Tschernobyl ein Spaziergang war im Vergleich zu den Folgen einer unbeherrschten Klimakatastrophe?

  19. @ Harald: Also ich habe das mit dem FUD jetzt verstanden – dein Beitrag ist dafür ein Musterbeispiel. Glückwunsch! Man nehme also Phantasiezahlen, die schwer zu recherchieren sind (weil jeder je nach Interessenlage andere angibt), stelle diese irgendwie und ohne Zusammenhang in den Raum und hänge noch eine emotionale Aussage hintendran.

    Überhaupt wird hier erschreckend viel Unsinn geschwafelt. Eine Fernsehsendung ist nie wirklich gut und neutral, aber die Kernaussagen stimmen natürlich. Es haben sogar Aspekte gefehlt, z.B,. die Versicherungsfrage. Sollen die Energiekonzerne doch ihre Kraftwerke auf dem „freien Markt“ versichern – viel Spaß bei der Suche nach einem Versicherer, der das übernimmt. Bei einem Unglück haften nämlich wir alle – mit unserer Gesundheit und unseren Steuern. Wäre das nicht so, würde der Atomstrom unbezahlbar. Die Möglichkeit terroristischer Anschläge wurde ansatzweise vorgestellt, nicht aber die grundsätzliche Anfälligkeit zentraler Versorgungseinrichtungen, durch deren Lahmlegung man auch ohne Freisetzung von Radioaktivität große Schäden anrichten kann. Es gibt so unglaublich viele gewichtige Gründe, auf die Atomkraft zu verzichten, dass es wie ein Hohn erscheint, wenn es da auch nur zwei unterschiedliche Meinungen gibt.

    Richtig entlarvend ist übrigens die Politikersprache. Irgendein Marketingfuzzi hat den Schwarz-Gelben dazu geraten, den Begriff „Brückentechnologie“ zu verwenden. Der ist zwar schwachsinnig (wer würde schon über eine marode Brücke fahren, wenn er alles Nötige am hiesigen Ufer fände), aber alle halten sich daran und es prägt sich ein. Eine echte Verdummungstechnologie – so wirksam wie FUD.

  20. @Max
    Meine Zahlen sind NICHT schwer zu recherchieren. Den aktuellen Strommix gibts bei Wikipedia, den Unterschied zwischen einem meldepflichtigen Ereignis und einem Störfall auch und die Häufigkeit von Störfällen gibt es grob zusammengefasst bei Wikipedia und ausführlich beim BFS. ICH habe nichts zu verbergen.

    Wenn Andere, ja selbst Journalisten, sich bei der Recherche weniger Mühe geben als ich, dann ist das schwerlich mein Fehler.

    Und was die Versicherungsfrage betrifft: Können Kohlekraftwerke etwa eine Versicherung vorweisen, die alle Folgekosten einer globalen Erwärmung abdeckt – jedes noch so unwahrscheinliche Szenario?

    Ich bin nicht als Kernkraftbefürworter geboren, aber je mehr ich mich in die Faktenlage einarbeite desto mehr Argumente der Anti-Atom Lobby entpuppen sich als FUD – oder schlichtweg als Lügen – und desto mehr Argumente der Befürworter erweisen sich als durchaus wahr. Und diese haltlosen Unterstellungen nähren in mir auch nicht wirklich das Bild von aufgeklärten Kernkraftgegnern.

  21. Hm. Der artikel trifft natürlich ein paar Tatsachen, lässt aber auch anderes (was erstaunlicherweise immer genau der propagierten Hauptaussage entgegen steht) gänzlich außer acht. So ist z.B. nicht von den schwächen regenerativer Energien die Rede. Wind kann zwar auf eine Stunde mit 99% Genauigkeit vorher gesagt werden, aber darüber hinaus wird es schlechter. Also muss Windenergie zumindest teilweise durch andere Kraftwerke „gedoppelt“ werden. Es wird die ganze Zeit von Umweltschutz geredet, aber dass die schnell reagierenden Erdgaskraftwerke CO2 produzieren fällt unter den Tisch.

    Alles in allem bestätigt Frontal mal wieder meine Ansicht, dass es ein unobjektives und unsachliches Magazin ist. Schade, dass solch minderwertige Beiträge hier verlinkt werden. Bislang war die Qualität der verlinkten Artikel immer deutlich besser.

  22. @ Harald: Ich muss mich schwer zurückhalten, hier nicht polemisch zu reagieren. „Wikipedia“ ist kein Rechercheinstrument. Dort wird nicht unbedingt die Wahrheit verbreitet. Abgesehen davon stehen dort andere Zahlen, aber der Punkt ist der, dass jede Lobby Zahlen verbreitet, die ihr genehm sind, wirklich nachvollziehen können weder wir das noch Wikipedia. Außerdem geht die Diskussion nicht darum, wie der heutige Mix aussieht – den könnten vor allem die großen Konzerne ja rasch ändern. Es geht z.B. darum, on verlängerte Laufzeiten der AKWs die Entwicklung der Erneuerbaren bremsen. Wenn ein Konzern ein altes, abgeschriebenes Kraftwerk noch auf Jahre hinaus betreiben darf, wird er sich kaum die Mühe machen, in neue Technologien zu investieren. Das sind nunmal keine Wohltäter oder Klimaretter. Der Geldbeutel des „Kleinen Mannes“ ist denen ebenso egal wie das Weltklima.

    Wirklich haarsträubend wird’s bei den Versicherungen. Hier geht es um zu erwartende Schäden. Die direkten Folgen eines nuklearen Unfalls größeren Ausmaßes (deiner Meinung nach natürlich gänzlich unwahrscheinlich, klar, du hast auch nichts zu verbergen, wohnst auch hoffentlich weit genug vom nächsten Reaktor entfernt, was allerdings in Deutschland schwierig ist) sind völlig andere als bei einem Unfall in einem Kohlekraftwerk. Das weißt du natürlich, trotzdem bist du dir nicht zu blöd, so zu argumentieren. Und gar noch blöder, mit der globalen Erwärmung zu kommen, was in mehrfacher Hinsicht Unsinn ist. Erstens ist die CO2-Bilanz der AKWs nicht so gut wie von der Atomlobby behauptet. Zweitens geht es nicht um einen Ersatz der AKWs durch herkömmliche Kohlekraftwerke. Drittens ist die globale Erwärmung nicht erwiesen. Und viertens wären ihre Ursachen, falls sie einträte, nicht klar zu benennen. Deshalb gilt nach meiner Ansicht, dass man Energie sparen (hohes Einsparpotential vorhanden), die Erneuerbaren kräftig ausbauen und die Atomreaktoren stilllegen muss. Das alles gehört zusammen, und natürlich ist das alles auch parallel machbar, ohne das auch nur eine einzige Lampe ausgeht. Die gehen eher in Frankreich aus, wo man auf die Kernenergie gesetzt hat und damit auf billigen, aber riskanten, unterversicherten, ungelöste Müllprobleme verursachenden und nicht nachhaltigen (Uran, Ökobilanz) Strom. Die Folge: Die meisten Leute heizen mit Strom, die Häuser sind miserabel isoliert, niemand spart Strom und am Ende muss sogar aus Deutschland Strom importiert werden (obwohl oder doch eher: weil in Deutschland die Kernenergie eine untergeordnete Rolle spielt). Ein Irrsinn, der aber Methode hat – die Verstrickung der Politik mit den Energiekonzernen ist gigantisch.

    Und jetzt nenne mir doch mal bitte ein einziges „Argument“ der Atomkraftbefürworter, dass sich als „durchaus wahr“ erwiesen hat…..

  23. @ The Clone: Zu den Schwächen der Atomenergie gehört aber auch, dass ihre Verfügbarkeit nicht mal annähernd zu 99% vorhergesagt werden kann, darüber hinaus, na ja, davon brauchen wir gar nicht zu reden. Jederzeit kann ein Störfall passieren, der zur Abschaltung führt. In heißen oder trockenen Perioden können die Aggregate u.U. nicht mehr vorschriftsmäßig gekühlt werden. Und so weiter. Das alles natürlich immer angesichts der Tatsache, dass Fehler zu Katastrophen führen können. Bei der Windkraft ist das eben nicht so. Auch diese Kraftwerke müssen also, wie du es ausdrückst, gedoppelt werden.

    Jetzt lese ich gerade folgende Meldung:

    „In einem Wasserkraftwerk im Nordkaukasus sind vier Sprengsätze explodiert – Berichten zufolge waren zuvor Angreifer in die Anlage eingedrungen und hatten Wächter getötet. Der Kraftwerksbetreiber vermutet einen Terroranschlag.“

    Keine Ahnung, ob da was dran ist oder nicht, und ich glaube sowieso nicht mal die Hälfte aller „Terroranschläge“, sondern gehe meistens eher von Panikmache aus. Aber ein solches Szenario ist ja doch zumindest möglich. Und dann kann man nur hoffen, dass es nur ein Wasserkraftwerk und kein Atomkraftwerk ist…..

  24. Max, bist Du wirklich sicher dass Du Frankreich als Beispiel GEGENBEISPIEL zur Möglichkeit der CO2-Reduktion durch Kernkraft nennen willst???

    Der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß Frankreichs beträgt nur 60% des deutschen, obwohl – wie Du richtig feststellst – die Franzosen nicht gerade vorbildliche Umweltschützer sind.

    Aber es steht Dir natürlich frei, alle Fakten die Dir nicht passen mit einer Verschwörung der Weisen vom bösen Atom zu erklären…

  25. Ich habe nicht Frankreich als Gegenbeispiel für irgendwelche CO2-Geschichten genannt, sondern als Beispiel für den Irrweg des Atomstroms als vermeintlich billigem Strom. Ansonsten kommen nur wieder irgendwelche Zahlen, die weder nachvollziehbar, noch vergleichbar sind, da sie natürlich von Einwohnerzahl, wirtschaftlicher Entwicklung, Anzahl der Kraftfahrzeuge und vielem anderen abhängen, aber jedenfalls nicht nennenswert von der Nutzung der Kernenergie. Man kann sich halt auch alles schönreden. Und a propos Verschwörung – vielleicht ist ja die Mär vom CO2 die eigentliche Verschwörung. Interessant jedenfalls, dass die atomfreundlichen Politiker (und Lobbyisten) dieses zuvor völlig ignorierte Thema just dann entdeckten, als sie die Chance erkannten, dem Atomstrom zur Renaissance zu verhelfen.

    Ich bin jetzt hier wieder weg, ich denke, die Argumente sind ausgetauscht, mag sich jeder selbst seinen Reim darauf machen.

  26. @Max: Natürlich hat auch die Atomkraft ihre Schwächen, das will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber der Artikel von Frontal ist sehr einseitig und betreibt ziemlich unsachliche Meinungsmache. Das heißt nicht, dass ich nicht dieselbe Meinung (jedenfalls teilweise) habe. Ich finde es nur sehr unangebracht Meinungen auf diese Art zu propagieren. Wenn dann bitte auf sachlicher und objektiver Ebene und nicht wie die Bild-Zeitung.

    Zum Inhalt: Das Atomkraftwerke in dem Maße gedoppelt werden müssen wie Windkraft halte ich für ein Gerücht. Atomkraftwerke müssen lange gleich bleibend laufen. Am besten ändert man ihren Output so gut wie gar nicht. Wieso sollte man da etwas doppeln? Wenn wir nen GAU haben, haben wir eh ganz andere Probleme als die ausgefallene Leistung. Darum wird niemand für ein AKW noch nen Gaskraftwerk bauen um es zu doppeln.

  27. @Max
    Der PRO-KOPF-Stromverbrauch ist von der Einwohnerzahl per Definition unabhängig.

    Dass die Kernkraft-Lobby die CO2-Problematik als Totschlagargument benutzt liegt daran dass es ein verdammt gutes Argument ist, dass die Kernkraftgegner nicht widerlegen können. Selbst wenn man nur 10% Eintrittswahrscheinlichkeit der Klimakatastrophe unterstellt, wäre der Erwartungswert pro kWh Kohlestrom sehr viel größer als der Erwartungswert pro kWh Kernkraftstrom.

    Diese Tatsachen mit Verschwörungstheorien abzutun ist absurd. Genauso gut könnte ich behaupten Tschernobyl wäre eine Verschwörung der Anti-Atom-Bewegung, nur weil diese sich ständig darauf berufen.

    Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik ist ein Atomausstieg, der weniger Probleme schafft als er löst, nicht machbar. Das kann einem gefallen oder nicht, es bleibt eine Tatsache.

  28. …alle Fakten hin oder her.
    Tatsache bleibt immer noch, dass sich mit Atomstrom jede Menge Geld verdienen läßt. Da sind einigen die bzw. eure Fakten scheißegal. Hauptsache die (alten) Mühlen laufen und bleiben am Netz. Egal ob sicher oder nicht, ob Grundlast da oder nicht.

  29. tja, was die cdu/csu/fdp-regierung mit der atomwirtschaft ausbaldowert hat steht in einem geheimen vertrag – seltsam.
    fakt ist, dass kein preis einer energieträgerart „marktkonform“ zustande kommt. direkte subventionen, preisgarantien, haftungsgarantien, entsorgungsgarantien, kreditgarantien – auch für atomkraft. über allem wachen regulierungsbehörden – freie marktwirtschaft will auch hier niemand.
    das co2-frei-argument der kkw zieht nicht ganz, ist aber auch egal, denn vom regen des kohlekraft-klimawandels in die traufe der kernkraft-uranknappheit+verseuchung ist kein fortschritt.
    das co2-argument ist noch mehr egal, da deutschland alleine die welt nicht retten kann, also nicht durch „co2-verzicht“. die schwellenländer wollen unseren standard und kohle ist und bleibt am billigsten.
    aber bald kommen ja die tatsächlich dann zu ersteigernden co2-zertifikate, obschon der fiktive kaufpreis skandalöserweise schon jetzt eingepreist wird. naja, das ist vorbildlich für die welt, aber bloß ein tropfen.
    aber wir müssen vorbildlich handeln für die welt und technologisch voranschreiten, damit „nachhaltige“ alternativen möglich sind.
    niemandem kann man da noch monopolistischere techniken wie atomkraft anbieten. „öko-energien“ machen energieautarker, inlandsproduktiver. im ideal übernehmen regenerative energien und dezentrale, zuschaltbare gaskraftwerke mit kwk im duett die versorgung. dazu innovative speicher-, recycling- und verkehrstechnologien – das ist auf dauer belastbar und eben auch exportierbar.
    wenn wir lernen unseren dreck zu vermeiden, dann kann das der rest der welt auch: eine ungefährliche art des wirtschaftens.
    lg
    vv

  30. Es wäre vielleicht an der Zeit jetzt, in diesem Mitte März 2011, dass die Atomkraftwerk-Befürworter die hier ihren Beiträge abgegeben haben, sie zu überdenken, zu entferne oder irgendwie zuzugeben, dass sie falsch lagen. Vielleicht kommen Sie ja zur Vernunft. Bitte, nicht aber nur für drei Monate…. wie die Angela …. also nicht wieder taktieren… das wäre dann wirklich beschämend.
    Alle Schwachstellen, die Frontal21 in diese Reportage gezeigt hat, sind REALE SCHWÄCHEN und es ist unmöglich sie alle zu beheben. Selbst wenn der Eintritt eines Restrisikos sehr gering wäre, wäre sie nicht in kauf zu nehmen weil die FOLGEN, die DEFINITIVE VERNICHTUNG DES LEBENS auf einem sehr großen Stück Land sind. Definitiv, weil die Radioaktive Strahlung viele Hunderte Jahren dauert.

    Hier geht es deshalb im Kern UM DIE GRUNDFRAGE: wollen wir diese DEFINITIVE VERNICHTUNG DES LEBENS in so einem großen Ausmaß in Kauf nehmen nur um uns für einige Jahre (vielleicht!) eine geringe finanzielle Einschränkung zu ersparen!!!!!!!!!

    Schreibe (vielleicht) in Klammer denn, wenn man alles zusammen zählt, was der Steuerzahler Geld für diese Atomkraftwerke insgesamt ausgibt, dann wird klar, dass je schneller aussteigen, desto besser geht Deutschland sogar auch finanziell. Dafür empfehle ich den Skeptikern, die Sendung „Atomstrom Lüge – Frontal 21“, zu sehen. Es geht nicht um Recht oder Rechthaberei, sondern um Menschlichkeit und das leben auf dem Planeten.

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