Demokratie

Wie teuer wird die DE-Mail?

Die DE-Mail wurde ja im Rahmen des IT-Gipfels als tolle neue Innovation angekündigt. Zweifel kommen vielen Menschen, wenn sie hören, dass dies eine Ko-Produktion des Bundesinnenministeriums und T-Systems ist. Weder das Innenministeriums noch der Telekom-Konzern haben sich in den letzten Monaten und Jahren als Garanten einer anonymen Kommunikation erwiesen.

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Lustig ist hingegen die FAQ zur DE-Mail. Dort wurde die Frage „Wie teuer wird der De-Mail-Versand?“ gestellt und auch eine Antwort ist schon da:

Preise und Modalitäten wird jeder Anbieter von De-Mail im freien Wettbewerb um die Kunden selbst festlegen. Es wird voraussichtlich ein ähnliches Prinzip wie beim Postversand gelten: der Absender zahlt ein e-Porto.

Das wird sicherlich viele Bürger überzeugen, die DE-Mail einzusetzen. Wo sonst kann man beim Versand von eMails schon Porto zahlen…?.

(Danke an Gernot)

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33 Kommentare
  1. Naja, wenn es für umsonst wäre, dann könnte man ja vermuten, dass der Mehrwert für den Anbieter darin liegt, die Mails… zu verwerten ;)
    Wenn der Dienst jetzt aber etwas kostet, dann hat der Anbieter natürlich keine veranlassung mehr die Mails „zu verwerten“ und das ganze ist somit TOTAL VERTRAUENSWÜRDIGE, aber sowas von…

  2. Das ist in etwa so originell, wie wenn die Bundesregierung das Internet neu erfinden würde (natürlich mit staatlichem Zertifikat!). Es bleiben aber noch Fragen offen: wie kann die Briefmarke auf Emails kleben? Berechnet sich das Porto dann nach Gewicht? Sachdienliche Hinweise werden erbeten.

  3. Ich hab das irgendwie verpasst, kann mal jemand erklären was „de-mail“ is? Möchte mir wirklich nich das Amtsdeutsch da auf der Seite antun.

  4. Assoziation 1: das etwas zeitgleich mit dem Internet aufkommende, Xirgendwas-standardkomforme Behördenkommunikationssystem (auf Behörden-Briefbögen bis vor einigen Jahren standen noch so seltsame Kürzel wie S=…, D=…, X=… oder so für die digitale Datenübermittlung)

    Assoziation 2: wo war nochmal die elektronische Unterschrift

    Assoziation 3: Bildschirmtext-Nachrichten

    Assoziation 4: dieser Versuch meinerseits, eine Alternativwelt-Internet-Kurzgeschichte zu schreiben

    Anders gesagt: auch nach dem Lesen der FAQ ist mir noch nicht so ganz klar, wer das braucht, und warum nicht einfach der Mailexchange-Server für @*.de dem BMI unterstellt wird …

  5. genau davon hatten wir es neulich als kleinen Scherz betonte ein Mitarbeiter“““zum Glück sin die Emails ja kostenlos“““ und nun haben wir den salat was kommt noch alles…werden wir nicht genug geschröpft

  6. Die sind einfach zu doof! Sie sollen sich endlich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren.

    Hoffentlich ändert sich da im Bundestag mal was. Will nicht irgendwer intelligentes mal kandidieren? Es ist ein Trauerspiel!

  7. Das ist doch wohl ein Witz!?

    Wenn ich bei Emails nicht spare, sprich nichts im gegensatz zur Post bezahle, warum sollte ich dann nicht gleich den Postweg nutzen? Bewerbungen online werden dann für die Bewerber und für die Firmen also doch kostenpflichtig und von daher kaum wirtschaftlicher.

  8. DPWN ist Projektpartner. Sie werden schon zusehen, daß sie bei Postident (fürs Bootstrapping) *und* beim Verasnd mitverdienen, hilfsweise das ganze scheitern lassen (auf letzteres wird es hinauslaufen).

  9. Hoffentlich nimmt sich irgendwann mal jemand der unsäglichen Verquickung von T-Systems und öffentlichen Auftragnehmern an. Es glaubt doch wohl hoffentlich niemand, dass das Zufall ist, dass T-Systems mehrere Ländernetze betreibt. Und das Ausschreibungen den Anschein von Karneval bekommen. Wobei, Ausschreibungen? Das ich nich lache.

  10. Warum machen wir es nicht einfach selbst?

    Liebe Leute. Wir sind uns also einig, dass das DE-Mail-Projekt (das Präfix „de“ vor einem Anglizismus ist übrigens gewagt, hat was von „Anti-Brief“ ;-) Unsinn ist. Es ist doch so: Der Staat will ein Bedürfnis nach verifizierter und verschlüsselter Kommunikation sowie geheimem Speicherplatz bedienen. Und nimmt dabei als angenehmen Nebeneffekt mit, dass er weiterhin Zugriff behalten kann.

    Dank GPG, Truecrypt&Co. sind diese Dienste aber längst Realität – was wir als versierte User natürlich wissen. Für Computerbild-Leser ist es aber vielleicht nicht so trivial, Thunderbird, GPG und das Enigmail-Addon zu installieren und sich Schlüssel zu generieren.
    Müsste es nicht unser Ziel sein, diese Tools a) massenkompatibler und b) bekannter zu machen? Zum Beispiel mit einem Windows-Installer, der Thunderbird samt GPG und Enigmail installiert (und zwar in einem verschlüsselten TrueCrypt-Container), dann mit einem Assistenten das erste Keypair generieren lässt und auch noch den Weg zum nächsten Informatikerverein weist, der Keysigningpartys macht.

    Das Vorhandensein dieser Technik muss dann natürlich auch sichtbar sein. Hier im netzpolitik-Impressum finde ich z.B. keinen Hinweis auf verschlüsselte Mailkommunikation.

    Die Idee der DE-Mail ist doch gut. Es bewerben sich nur wieder die Böcke auf den Gärtnerjob.

  11. hm, trifft das dann nur auf Mails mit der toplevel-Domain de zu? Also das mit dem Porto ist ja schon geistige Diarrhoe vom Feinsten, aber das dann am besten noch auf eine toplevel zu beschränken, wäre das Sahnehäubchen …

    Das kann nur jemand erdacht haben, der einfach keine Ahnung hat. Pisa lässt grüßen.

    Zumal: Sollte der Staat das tatsächlich umsetzen, wird es innerhalb kürzester Zeit ein neues Protokoll geben um das zu umgehen. Schließlich fehlen ja noch die Gebühren für Instant Messaging …

  12. @Florian: soweit ich die FAQ verstehe, geht es nicht darum, alle Mails in der Domain *.de kostenpflichtig zu machen, sondern eine Domain demail.de oder so einzuführen, die dann Subdomains an Provider vergibt, die nachweisen, dass die Adressen der Menschen hinter den davorgehängten Mailadressen gültig sind. Also statt bine_maja@gmx.de dann Sabine_Musterfrau@gmx.demail.de oder so ähnlich. Und für diese „amtlichen“ Adressen sollen dann Extragebühren gezahlt werden.

  13. Diesen Kommentar habe ich zwar gerade in einem anderen Thread schon gepostet, passt hier aber auch bestens zum Thema „Kosten“:

    Ich finde es ja ziemlich lässig von der Telekom/T-Online, der einzige ISP zu sein, der mitmacht.
    Denn wenn man sich unter https://www.e-konsultation.de/buergerportalgesetz den geplanten § 23 durchliest, der beschreibt, was ein Diensteanbieter (also die Telekom) alles beachten muss, um Bußgeldern zu entgehen, dann muss der entsprechende Verantwortliche für das de-Mail Projekt bei der Telekom entweder
    a) vom BSI eine Amnestie bekommen haben, oder
    b) BWL an der Uni rein zufällig bestanden haben.

    Jedenfalls wird die Telekom/T-Online so gut wie sicher der einzige Provider bleiben, der dieses aus technologischer Sicht vollkommen schwachsinnige Gesetz umsetzen wird.

    § 23 Bußgeldvorschriften

    (1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
    1. entgegen § 17 Absatz 1 Satz 5 als akkreditierter Diensteanbieter auftritt,
    2. entgegen § 3 eine Person nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig identifiziert,
    3. entgegen § 4 Absatz 1 die Voraussetzungen einer sicheren Anmeldung nicht erfüllt,
    4. entgegen § 6 Abs. 2 Satz 3 eine Angabe als Attribut aufnimmt,
    5. entgegen § 7 Abs. 2 die Daten nicht oder nicht rechtzeitig sperrt,
    6. entgegen § 8 beim Angebot des Speicherplatzes keine sichere Ablage anbietet,
    7. entgegen § 10 den Zugang zu einem Bürgerportalkonto nicht oder nicht rechtzeitig sperrt,
    8. entgegen § 11 Abs. 1 Satz 1 eine Anzeige nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig erstattet,
    9. entgegen § 11 Abs. 1 Satz 2 nicht dafür sorgt, dass sein Bürgerportal sowie sein Verzeichnis- und Sperrdienst von einem akkreditierten Diensteanbieter übernommen werden,
    10. entgegen § 11 Abs. 1 Satz 3 einen Nutzer nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig benachrichtigt,
    11. entgegen § 11 Abs. 2 nicht dafür sorgt, dass die gespeicherten Daten für wenigstens drei Monate ab dem Zeitpunkt der Benachrichtigung des Nutzers über die Einstellung der Tätigkeit abrufbar bleiben,
    12. entgegen § 12 Satz 1 nicht dafür sorgt, dass der Nutzer für mindestens drei Monate nach Vertragsende auf seine im Postfach oder im Speicherplatz gespeicherten Daten zugreifen kann,
    13. entgegen § 12 Satz 1 den Nutzer nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig auf die bevorstehende Löschung hinweist.
    14. entgegen § 12 Satz 2 nicht alle anderen Nutzer, die Nachrichten an das Postfach senden, von dem Zeitpunkt unterrichtet, zu dem der Nutzer des Postfachs nicht mehr auf das Postfach zugreifen kann,
    15. entgegen § 13 Absatz 1 und 2 nicht oder nicht richtig dokumentiert hat.

    (2) Die Ordnungswidrigkeit kann in den Fällen des Absatz 1 Nr. 5 mit einer Geldbuße bis zu dreihunderttausend Euro und in den übrigen Fällen mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

  14. Habe mich in das Thema mal eingelesen und finde die Idee eigentlich gar nicht schlecht (auch wenn viele Fragezeichen bleiben). Wenn ich aber für gewisse Kommunikation (z.B. die gerade anstehende Kündigung meiner alten Wohnung per Einschreiben) die Vorteile und Einfachheit der E-Mail nutzen könnte und gleichzeitig die Verbindlichkeit der Briefpost hätte … dann wäre ich auch bereit dafür etwas zu zahlen.

    Denn Leute – macht Euch nichts vor … zahlen tun wir sowieso auch jetzt schon:
    Entweder mit Geld (Briefpost), mit Zeit und evtl. auch Geld (Spam und Phising bei E-Mail) oder alternativ mit Daten (siehe SW von Google zum Beispiel)

    Schade das Ihr aber erst mal alles ablehnt ohne Euch wirklich zu informieren ^^
    Es ist nicht alles schlecht, nur weil einer eine These in die Welt setzt!

  15. Die Idee E-Mail sicher zu machen halte ich für gut. Gegenüber einer End-to-End Verschlüsselung hat die Portal basierte Lösung auch Handhabungsvorteile.
    Die Idee des e-Portos kenne ich auch schon von Dienstleistern, die signierte Rechnungen verschicken. Gegenüber den Software-Lizenzen lässt sich der Kostenvorteil bei elektronischen Rechnungen damit sehr einfach darstellen.
    Sicher muss auch jemand für Postident und Sicherheitsmaßnahmen bezahlen – auch webmail ist nicht kostenlos, wenn man bestimmte Komfortmerkmale haben möchte. Ob dies dann ein ePorto, eine Monatsgebühr oder eine Anmeldegebühr ist, wird der Markt entscheiden. ePorto hat dabei durchaus den Vorteil, dass nutzungsabhängig gezahlt werden muss und SPAM finanziell bestraft wird. Da die Infrastruktur Geld kostet aber das Verschicken von sicheren e-Mails praktisch keine Kosten verursacht, muss sich noch zeigen, ob das Preismodell „ePorto“ akzeptiert wird.
    Problematisch finde ich
    – dass bereits per Design die Mails nur gegenüber Außenstehenden aber nicht gegenüber Sicherheitsbehörden und Providern geschützt sind
    – dass die Integrität des Dokumentensafes nicht technisch geschützt ist – es besteht die Gefahr, dass Sicherheitsbehörden Dokumente löschen, verändern oder unterschieben
    – dass auf Dauer anonyme E-Mails verboten werden könnten

    Aber auch bei einer technisch nicht so überwachungsaffinen Lösung würden die Sicherheitsbehörden die Privatsphäre aushebeln. Sie müssten nur einen höheren Aufwand dafür treiben. So gesehen schont die de-mail Lösung die Steuerzahler ;-)

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