Thomas De Maiziere
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: Innenminister von Frankreich und Deutschland wollen Aktionsplan gegen Verschlüsselung
Akionsplan gegen Verschlüsselung (Symbolbild). Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC-BY-NC 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/thomashawk/15778289832/sizes/k/">Thomas Hawk</a> : Innenminister von Frankreich und Deutschland wollen Aktionsplan gegen Verschlüsselung Der französische Innenminister hat heute auf einer Pressekonferenz einen internationalen Aktionsplan gegen Verschlüsselung angekündigt. Bei einem Treffen mit dem deutschen Innenminister Thomas de Maizière am 23. August werde man darüber beraten. Frankreich werde Vorschläge machen, er habe ein paar von ihnen auch schon an de Maizière geschickt, berichtet Reuters.
Beim Innenministerium in Berlin will man auf Nachfrage von netzpolitik.org allerdings nicht verraten, um was es genau geht oder welche Vorschläge denn vorlägen: Die Themen befänden sich noch in der Abstimmung.
Erklärte Politik der Bundesregierung ist bislang „Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung“ und die Forderung, dass Deutschland „Verschlüsselungstandort Nr. 1“ sein sollte. Diese Linie in der Verschlüsselungsfrage hat politisch die Schaffung der „Entschlüsselungsbehörde“ ZITiS und eine Ausweitung der Nutzung von Staatstrojanern bedeutet. Es ist gut möglich, dass die französische Initiative und der internationale Aktionsplan auf Letzteres zielen.
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: Österreichs Innenminister will auch Überwachung von Messengern
Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka. (Archivbild) Foto: <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/">CC-O</a> <a href)"https://www.flickr.com/photos/142675453@N02/28042460612/sizes/h/">eu2016sk</a> : Österreichs Innenminister will auch Überwachung von Messengern Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) ist angetan von Thomas de Maizieres (CDU) Überwachungsoffensive. In einer von Selbstlob geprägten Pressemitteilung des Ministers heißt es:
Auch wir müssen uns in Österreich der Diskussion stellen, ob die rechtliche Trennung von „Telekommunikationsdiensten“ und „Telemediendiensten“ noch zeitgerecht ist. Ich habe hier eine klare Meinung, und die lautet nein. Es kann nicht sein, dass jemand über´s Internet terroristische Taten plant und die Polizei schaut machtlos zu.
Gegenüber dem Standard sagte der Minister zudem: „Wenn Terroristen Messenger nutzen, müssen wir diese Kommunikation abhören können“.
Da Sobotka keine Verschlüsselungsverbote in Gespräch brachte, könnte der Vorstoß des Ministers auch die Debatte um den Staatstrojaner wieder aufflammen lassen. Dieser wurde nach Protesten und zahlreichen parlamentarischen Eingaben vom zuständigen Justizminister auf Eis gelegt.
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: Überwachungsoffensive: Innenminister de Maizière fordert Vorratsdatenspeicherung für WhatsApp, Twitter & Co.
Innenminister de Maizière will Telemediendienste, die zur Kommunikation genutzt werden, auch von der Vorratsdatenspeicherung erfassen lassen. Dazu gehören neben Messengern wie WhatsApp auch Webseiten mit Kommentarfunktion. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/samazgor/9344676230/sizes/l">Sam Azgor</a> : Überwachungsoffensive: Innenminister de Maizière fordert Vorratsdatenspeicherung für WhatsApp, Twitter & Co. Ein Anti-Terror-Paket jagt das nächste. Das Innenministerium will jetzt die Vorratsdatenspeicherung auf soziale Medien und Messenger-Dienste ausweiten. Bei der Videoüberwachung soll Gesichtserkennung erlaubt sein, die direkt mit Fahndungsdatenbanken abgeglichen wird.
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: Interaktive Timeline: Die Chronik der Landesverrats-Affäre
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/sebaso/20014531268/">sebaso</a> [CC BY-SA 2.0] : Interaktive Timeline: Die Chronik der Landesverrats-Affäre Im Sommer 2015 beschäftigte die Landesverrats-Affäre die Politik- und Medienlandschaft gleichermaßen. Die Affäre ist bis heute nicht restlos aufgeklärt, und es ist allgemein relativ undurchsichtig, wer auf Seiten der Politik und Justiz was und zu welchem Zeitpunkt wusste. Eine Chronik, was wir bisher wissen.
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: „Das Darknet durchleuchten!“ – Politische Forderungen nach Würzburg, München und Ansbach
Glock 17 Pistole. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC-BY-NC 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/klafaille/3181245545/sizes/o/">KLaFaille</a> : „Das Darknet durchleuchten!“ – Politische Forderungen nach Würzburg, München und Ansbach Statt Sommerloch und Kaiman Sammy erlebt Deutschland gerade eine Serie von Gewalttaten. Wie immer in solchen Situationen überbieten sich Politiker mit immer neuen Forderungen, die angeblich zu mehr Sicherheit führen sollen. Wir haben sie gesammelt.
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: De Maizière will neue Killerspieldebatte? Nein, danke!
C64-Spiel River Raid - 1984 <a href="https://www.c64-wiki.de/index.php/Indizierte_Computerspiele">indiziert</a>, weil es bei Jugendlichen zu Aggression führen sollte. Bild via <a href="https://www.c64-wiki.de/index.php/River_Raid">c64-wiki.de</a> : De Maizière will neue Killerspieldebatte? Nein, danke! Der Täter des Amoklaufs in München spielte Counter Strike. Das brachte unter anderem Bundesinnenminister Thomas de Maizière dazu, wieder eine Debatte über sogenannte gewaltverherrlichende Spiele zu starten. Doch dass die zu nichts führt, hat bereits die Vergangenheit gezeigt – die Probleme liegen woanders.
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: Thomas de Maizière wirbt für Verschärfung der Providerhaftung (Update)
Thomas de Maiziere im ZDF-Morgenmagazin (C) ZDF : Thomas de Maizière wirbt für Verschärfung der Providerhaftung (Update) Innenminister de Maizière forderte im ZDF-Morgenmagazin eine Providerhaftung, die bereits Gesetz ist. Man muss die Aussage aber im Rahmen der EU-Terrorismus-Richtlinie sehen, wo derzeit Netzsperren und eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung durch intransparente „Selbstregulation“ der Provider diskutiert werden.
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: Noch mehr Überwachung geplant: Bundesregierung erarbeitet neue Cybersicherheitsstrategie
Möchte mit dem Urteil leben - Innenminister de Maizière (Archivbild). Foto: CC-BY-SA 2.0 Metropolico.org : Noch mehr Überwachung geplant: Bundesregierung erarbeitet neue Cybersicherheitsstrategie Die Bundesregierung will im Herbst eine neue „Cybersicherheitsstrategie für Deutschland“ auf den Weg bringen. Dazu gehören mehr Überwachungsmaßnahmen und eine aktive Rolle im „Cyberkrieg“. Das zeigt eine gemeinsame Recherche von Zeit-Online und dem Deutschlandfunk.
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: Innenministerien aus Deutschland und Frankreich wollen EU-Forschungsprojekt für polizeiliche Vorhersagesoftware
: Innenministerien aus Deutschland und Frankreich wollen EU-Forschungsprojekt für polizeiliche Vorhersagesoftware Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs drängen auf die europaweite Verbreitung von Software zur Vorhersage von Einbruchsdiebstahl. Dies geht aus einem Ratsdokument hervor, das die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch online gestellt hat. Der Vorschlag ist an sämtliche Mitgliedstaaten der Europäischen Union adressiert, Absender sind die deutschen und französischen Delegierten.
The new technology of predictive policing delivers promising new results and contributes to a better use of resources. Some Member States have already gained experience with this new instrument. We will share this experience and further improve the existing systems.
Im Fokus stehen sogenannte Wanderkriminelle („Mobile Organised Crime Groups“), deren Herkunft vor allem in Süd- und Osteuropa vermutet wird. Das Dokument enthält eine Reihe von Maßnahmen, die unter anderem im Rahmen des EU-Programms „Internal Security“ (ISEC) finanziell gefördert werden sollen.
Außer mit Strafverfolgungsbehörden in Westbalkan-Ländern sollen die Mitgliedstaaten auch enger mit Georgien, Moldawien und der Ukraine zusammenarbeiten. Hierzu gehört der Informationsaustausch unter Einbeziehung der Polizeiagentur Europol. Zur Bekämpfung der „Wanderkriminalität“ hat Europol ein Projekt „Mobile (itinerant) OC Groups“ (MOCG) gestartet.
Die Pläne für mehr polizeiliche Vorhersagesoftware hatte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vor einem Jahr im Anschluss an ein informelles Ministertreffen einiger EU-Staaten mitgeteilt. Laut dem Bundesinnenminister soll die EU-Kommission ein entsprechendes Forschungsprojekt auflegen.
Welche Polizeibehörden an dem Projekt teilnehmen, ist unklar. Mit Blick auf Frankreich erklärte de Maizière, andere Länder verfügten im Bereich der „Predictive Analytics“ über „mehr Erfahrung als wir“. Unter anderem hat die französische Gendarmerie Anwendungen zur Darstellung von Netzwerken und Prognose von Straftaten eingeführt. Auch viele deutsche Landeskriminalämter führen Tests mit Vorhersagesoftware durch, das Bundeskriminalamt hat 2011 mit „Marktsichtungen“ begonnen.
Vor wenigen Monaten kündigte das Bundesinnenministerium die Ausweitung der Bemühungen an:
Im Rahmen seiner Zentralstellenfunktion beobachtet das BKA das Thema „Kriminalitätsvorhersage“ mit dem Ziel, einen Überblick über die Planungen und Aktivitäten – insbesondere bei den Polizeien der Länder in Deutschland, aber auch im Ausland – zu erhalten und das Potential dieser in der Entwicklung befindlichen Technologien für die Kriminalitätsbekämpfung bewerten zu können. Dies beinhaltet auch die Frage, welche offenen Quellen als Grundlage für derartige Vorhersagen dienen können
Die französischen Behörden hätten außerdem vorgeschlagen, den Nutzen von Vorhersagesoftware in einem „Expertenkreis im G6-Format“ zu untersuchen. In der „Gruppe der Sechs“ (G6) schließen sich die Innenminister der sechs einwohnerstärksten EU-Mitgliedstaaten zusammen (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Polen).
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: Verschlüsseln Terroristen ihre E‑Mails? Keiner weiß es, doch Staatstrojaner gibt es bald länderübergreifend.
Um den Einsatz von Verschlüsselung tobt ein erbitterter Kampf. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/kk/23390123/">kris krüg</a> : Verschlüsseln Terroristen ihre E‑Mails? Keiner weiß es, doch Staatstrojaner gibt es bald länderübergreifend. Ab 2017 können über die Europäische Ermittlungsanordnung andere Mitgliedstaaten auch Staatstrojaner in Deutschland einsetzen und vice versa. Das ist ein weiteres Untergraben vertraulicher Kommunikation. Wofür das notwendig ist und wie oft Strafverfolger mit verschlüsselter Kommunikation umgehen müssen – dazu fehlen die Statistiken.
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: Deutschlandfunk-Kommentar zum Schwerpunkt Netzpolitik bei der Klausurtagung der Bundesregierung
: Deutschlandfunk-Kommentar zum Schwerpunkt Netzpolitik bei der Klausurtagung der Bundesregierung Das Bundeskabinett hat sich Mitte der Woche auf Schloss Meseberg zur Klausurtagung getroffen. Am ersten Tag stand schwerpunktmäßig das Thema Digitalisierung auf dem Programm. Als sei diese bereits ein Wert an sich, versuchte die entsprechende Pressemitteilung mit dem Satz „Die Bundesregierung will die Digitalisierung weiter voranbringen“ zu begeistern. Was folgte, ist das übliche Buzzword-Bingo: Industrie 4.0 (Gabriel), Arbeiten 4.0 (Nahles), Autonomes Fahren & „Gigabit-Gesellschaft“ (Dobrindt), Jugendmedienschutz- & Förderung (offenbar alle), E‑Government und natürlich Sicherheit (de Maizière).
Im Blog des Deutschlandfunk gibt es dazu einen lesenswerten Kommentar, der die „Ergebnisse“ der Klausurtagung in einen größeren Kontext aus Legislaturperiode, Koalitionsvertrag, Digitaler Agenda und Parteienlandschaft einordnet. Fazit: Viel PR, wenig Substanz. Und auch wenn in manche Bereiche Bewegung kommt, kommen die Impulse zu spät, um noch in dieser Legislaturperiode konkrete Früchte zu tragen.
Es wäre viel gewonnen, wenn tatsächlich das gesamte Kabinett in Meseberg verstanden hätte, welche gewaltigen Umbrüche die Digitalisierung mit sich bringt. Dass es nicht reicht, darüber zu reden, sondern konkrete Entscheidungen tatsächlich angeht, und nicht nur in abstrakten Strategiepapieren, Weißbüchern und Weißnochnichtsogenaubüchern darüber räsoniert.
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Polizeiliche Kriminalstatistik: Immer weniger Online-Kriminalität, immer bessere Aufklärung
Bundesinnenminister de Maizière und saarländischer Innenminister Bouillon bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Bild: <a href="https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Bilder/DE/Nachrichten/2016/05/pk-pks-pmk-.jpg">Henning Schacht</a>. Polizeiliche Kriminalstatistik: Immer weniger Online-Kriminalität, immer bessere Aufklärung Computerkriminalität, Daten-Ausspähung, Tatmittel Internet: Deutsche Ermittler erfassen immer weniger Fälle von „Cybercrime“, die immer besser aufgeklärt werden. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2015 hervor. Schwere Straftaten fallen gar nicht ins Gewicht.
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: Merkel will mehr Geld, mehr Personal und mehr Befugnisse für den Sicherheitsapparat
Das Verhältnis von Sicherheit und Datenschutz in Balance bringen. Foto: CC-BY-NC 3.0 <a href="https://www.flickr.com/photos/plaisanter/6558869313/sizes/l">plaisanter~</a> : Merkel will mehr Geld, mehr Personal und mehr Befugnisse für den Sicherheitsapparat Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute morgen das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum besucht und dort die Spitzen von Polizeien und Geheimdiensten getroffen. Das war als Zeichen gedacht, um den gesamten Sicherheitsapparat zu stärken. Merkels anschließende Rede ließ dann auch wenig Interpretationsspielraum, worum es geht: Mehr Befugnisse, mehr Datenaustausch, mehr Geld und Personal für den Sicherheitsapparat.
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: EU-Innenkommissar fordert Abfrage mehrerer Polizeidatenbanken „mit einem einzigen Klick“
Übersicht der polizeilichen undgrenzpolizeilichen Datenbanken. Beschrieben wird der deutsche Vorschlag eines "Kernsystems". (Bild: BMI) : EU-Innenkommissar fordert Abfrage mehrerer Polizeidatenbanken „mit einem einzigen Klick“ Beim Treffen der Innen- und JustizministerInnen der Europäischen Union am vergangenen Donnerstag ging es um wichtige Weichenstellungen gegen Bürgerrechte und Datenschutz. Geplant ist eine biometriebasierte Superdatenbank, über die Personendaten und sonstige Informationen abrufbar sind.
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: Details zur europaweiten Verknüpfung von Datenbanken – Kooperation auch mit FBI
Kameras vor der Europol-Zentrale in Den Haag (Foto: Schiltman/CC BY 2.0) : Details zur europaweiten Verknüpfung von Datenbanken – Kooperation auch mit FBI Nicht erst seit den Anschlägen in Brüssel forderte Innenminister Thomas de Maizière eine Verknüpfung der nationalen Datenbanken der europäischen Polizeibehörden und Geheimdienste. Nun wurden Details über die bereits laufenden sowie geplanten Projekte bekannt. Die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Partei Die Linke gibt Einblicke in die Datenbank-Kooperation deutscher Behörden und ihrer europäischen und US-amerikanischen Pendants.
Anlass für die Anfrage waren Äußerungen de Maizières. Der Innenminister erhofft sich durch die Verknüpfung des Schengener Informationssystems (SIS), der Fingerabdruckdatei EURODAC und dem Visa-Informationssystem, mehr Nutzen aus den Datenbanken ziehen zu können. Zudem forderte er, „endlich“ ein europaweites Passagierdatenregister einzuführen.
Schon im Januar diesen Jahres wurden erste konkrete Pläne zum Ausbau vernetzter Datenbanken von Polizei und Justiz in der EU publik.
Reisedatenbank wird „intensiv getestet“
Die Antwort der Bundesregierung zeigt, dass es bereits seit 2014 eine Verknüpfung zwischen Interpol und Bundeskriminalamt bei der „Stolen and Lost Travel Documents Database“ (SLTD) gibt. Die Datenbank umfasst 55 Millionen Reisedokumente. Eine Schnittstelle zur automatisierten Abfrage wird momentan von der Bundespolizei sowie den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Hessen „intensiv getestet“. Deutsche Fahndungen haben mit knapp 11 Millionen Dokumenten einen Anteil von circa zwanzig Prozent am Gesamtbestand der SLTD.
Verknüpfung von Fingerabdruckdateien noch nicht abgeschlossen
Im Schengener Informationssystem der zweiten Generation (SIS II) seien bisher 90.000 Fingerabdrücke von verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten gespeichert worden. Allerdings sind darunter bislang keine Fingerabdrücke von deutschen Behörden, da die technische Verbindung noch nicht abgeschlossen sei. Das deutsche Fingerabdruckidentifizierungssystem AFIS ist mit rund vier Millionen Abdrücken enorm und könnte den Umfang des Schengensystems deutlich erhöhen. Eine weitere Fingerabdruckdatenbank (EURODAC) wird laut Aussagen der Bundesregierung kaum genutzt. 2015 gab es elf, im laufenden Jahr 31 Recherchen.
Zur europaweiten Kooperation bezüglich des Schengensystems SIS II erklärte die Bundesregierung, Europol hätte über eine technische Schnittstelle lesenden Zugriff. Bei den Datenbanken VIS und EURODAC seien entsprechende Verknüpfungen noch nicht umgesetzt.
Des Weiteren gab man bekannt, dass Deutschland seit April 2016 einen Verbindungsbeamten zur Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Terrorismusbekämpfung (ECTC) entsandt habe.
Bundesregierung drängt auf rasche Umsetzung des Passagierdatensystems
Die Bundesregierung arbeite daran, „ein PNR-System schnellst möglichst umzusetzen“. Details zum zeitlichen Rahmen werden erst zu späterer Zeit abgeschätzt werden können, da der rechtliche, fachliche und technische Umsetzungsbedarf noch nicht feststünden. An entsprechenden Pilotprojekten nehme keine Bundesbehörde teil. Allerdings partizipiert das Bundeskriminalamt und das Bundesverwaltungsamt „beobachtend“ an Sitzungen PNR-DEP-Projekts, das von Ungarn geleitet wird.
Austausch von Fluggastdaten zwischen Europol und FBI vereinbart
Am 7. April haben Europol und das FBI eine Vereinbarung zum Austausch von Fluggastdaten unterzeichnet. Eine Woche später hat das Europäische Parlament die Vorratsdatenspeicherung von Fluggastdaten gebilligt und eine entsprechende PNR-Richtlinie verabschiedet.
Die transatlantische Vereinbarung ist Grundlage für die Kooperation des FBI mit dem Europol-Auswerteschwerpunkt „Travellers“, bei dem ausländische terroristische Kämpfer im Fokus stehen sollen.
Die Bundestagsfraktion der Linken hat eine weitere Anfrage mit dem Titel „Identifizierung und Verfolgung von Personen anhand der Fingerabdruck-Daten in europäischen Polizeidatenbanken“ an die Bundesregierung gestellt. Die Antwort könnte noch mehr Erkenntnisse und Details zum momentanen Stand europaweiter Datenbanken ans Licht bringen.
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: Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Aus meiner Zeit kein Regelungsdefizit bekannt.“
Anderer Anblick. Raum 800 vor der Anhörung. Mit Videokonferenz-Material. : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Aus meiner Zeit kein Regelungsdefizit bekannt.“ Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Der einzige Zeuge diesmal ist Brigadegeneral Dr. Dieter Urmann (BND, Leiter der Abteilung Technische Aufklärung 2006 bis 2008, zum zweiten Mal). Die heutige Befragung findet nur per Videokonferenz statt und nur eine Stunde lang. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.
Gliederung
- Gliederung
- Vorbemerkungen
- Einleitung: Vorsitzender
- Zeuge 1: Dr. Urmann, ehemaliger Leiter der Technischen Aufklärung des BND
Vorbemerkungen
Wir berichten aus den öffentlichen Sitzungen, an denen jeder teilnehmen kann. Hier steht, wie man sich anmeldet.
Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.
Abkürzungen: Im Anschluss an die Sitzungen ergänzen wir die verwendeten Abkürzungen um Erklärungen. Während des Live-Bloggens schaffen wir das leider nicht, daher gibt es ein Abkürzungsverzeichnis zum Nachschauen.
Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollständigen wir ihre Aussagen. Kontaktieren sie uns!
Copyright: Die Zeichungen der Zeugen stehen nicht unter einer Freien Lizenz. Wer die Bilder verwenden möchte, kontaktiert bitte Stella Schiffczyk.
Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.
Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).
Einleitung: Vorsitzender (17:01)
$Begrüßung
Zeuge 1: Dr. Urmann, ehemaliger Leiter der Technischen Aufklärung des BND
Rechtsbeistand: Johannes Eisenberg.
Dieter Urmann, 64 Jahre, pensionierter Berufssoldat, BND.
Fragerunde 1: Union
Sensburg: Nach Erinnerungen haben sie Uhrlau 2006 über Selektorenfunde aufgeklärt. Erinnerung?
Urmann: Haben drüber gesprochen, aber keine Details.
Sensburg: An was erinnern sie sich?
Urmann: Haben über das Thema gesprochen. Schon gesagt, dass an mich herangetragen wurde, dass ein paar Selektoren nicht gepasst haben. Auch an Präsidenten weitergegeben.
Sensburg: Haben sie weitergegeben?
Urmann: Nicht hundertprozentig sicher, Verfahren ist eigentlich: Abteilungsleiter macht das.
Sensburg: Um welche Selektoren gings da?
Urmann: Irgendwelche mit Deutschlandbezug.
Sensburg: Lag das an Inhalt oder Endungen, zum Beispiel .de, +49?
Urmann: KA, aber Bearbeiter haben mir das auf Dienstweg zukommen lassen. Soweit ich weiß war das mit Klartext erkennbar. Nicht .de, sondern anhand Namen erkennbar.
Sensburg: Inhalte selbst gesehen oder nur „in Cc gesetzt“?
Urmann: Hat man mir gemeldet. Dann unterbunden, dass die eingesetzt werden. Sollten von Hand eingepflegt werden, da ist das glaube ich aufgefallen.
Sensburg: Mündlich gemeldet?
Urmann: KA. Glaube mündlich.
Sensburg: Sicher sind sie nicht?
Urmann: Nein.
Sensburg: Also könnte es sein, dass was gemeldet wurde, das eigentlich viel dramatischer gewesen wäre?
Urmann: Nicht verstanden.
Sensburg: Also hat man ihnen zum Beispiel gemeldet, dass deutsche Interessen sind – aber in echt war eine Vielzahl Unternehmen in Deutschland betroffen?
Urmann: Natürlich nicht selber angeschaut, weil Routine. Aber haben von kleiner Menge gesprochen. Ein bis zwei Hände voll.
Sensburg: Konkrete Beispiele, Firmennamen?
Urmann: KA. War ein Name im Raum, aber weiß auch nicht mehr.
Sensburg: EADS/Eurocopter?
Urmann: Kann sein, dass dabei. Auch in der Presse ständig genannt. Aber weiß nicht mehr. Kann weder bestätigen noch verneinen. Waren auf jeden Fall Begriffe, die dazu passen würden.
Sensburg: Dann abgestellt. Wie?
Urmann: Nicht eingepflegt, Partner angesprochen und Leitung informiert.
Sensburg: Von wie viel Selektoren gesamt in dem Jahr reden wir?
Urmann: KA. Habe schon in letzter Vernehmung gesagt, dass ich mir Zahlen nicht merken kann. Hat sich nicht geändert.
Sensburg: So circa fünf rausgenommen?
Urmann: Zu dem Zeitpunkt war es kleine Menge.
Sensburg: So ne Hand voll… Kam das nochmal hoch vor 2013?
Urmann: Bin 2008 aus dem Bereich raus, KA. Aber in dem Zeitraum nicht.
Sensburg: Abstellen erfolgte durch Nicht-mehr-einpflegen. Mal mit USA geredet?
Urmann: Natürlich. Auch schon in letzter Vernehmung erläutert. Die haben gesagt: Büro-Fehler.
Sensburg: Ich kann mir auch manchmal Worte nicht merken.
Aber die haben versucht sich zu rechtfertigen. Haben die öfter mal „Büro-Fehler“ gemacht?
Urmann: Waren vorgewarnt und haben das beobachtet.
Sensburg: Was heißt das? Lieferung der USA immer angeguckt?
Urmann: Werden sowieso im zuständigen Referat angeschaut. Da hat man ein Augenmerk drauf.
Sensburg: Kann man das? Bei so großer Zahl? Wie?
Urmann: Ob es immer geht, KA. Bin nicht Sachbearbeiter. Aber bei denen, bei denen es offenkundig ist, sieht man das natürlich. .de, Firmen mit Deutschlandbezug. Dann üblich, dass wir in Zusammenarbeit mit Juristen Handelsregisterauszug anschauen.
Sensburg: Frage mich: EADS/Eurocopter hatten doch bestimmt keine .de-Endung. Europäische Interessen. Differenzieren? Habe Gefühl, 2006 sind auch Selektoren mit .de-Endung aufgefallen.
Urmann: Die man an mich herangetragen hat: Offenkundiger Deutschlandbezug.
Sensburg: Also nicht deutsches Interesse und nicht deutsch, sondern… Sie verstehen den Unterschied?
Urmann: Ja, verstehe. Aber weiß nicht genau.
Sensburg: Also Selektoren mit .de-Endung aufgeschlagen oder deutscher Inhalt?
Urmann: KA im Detail. Ein paar sind aufgefallen und wurden an Präsidenten gegeben. Kann ich nicht beantworten.
Sensburg: Bis sie gerade beraten wurden hatte ich das Gefühl, sie wüssten das noch.
Später wurden 40.000 Selektoren aussortiert. Ist da bei ihnen schon was schiefgelaufen oder mit wachsendem Volumen auch mehr Fehler?
Urmann: Kann ich nicht erklären, weil ich dann raus war und nicht weiß, wie das weiterbetrieben wurde.
Sensburg: Aber hat sie 40.000, die Zahl, überrascht?
Urmann: KA, wie Kooperation weiterentwickelt. Wenn großvolumig gemacht worden, dann kann Zahl schon sein. Aber reine Mutmaßung.
Sensburg: Januar 2008 gab es eine Besprechung. Ging um Fragen des Zugangs zu Netzknotenpunkt Frankfurt. Erinnerung?
Urmann: Wo soll die gewesen sein?
Sensburg: Zwischen Chef des Bundeskanzleramts und Leitung des BND. Ging um von DNI 2007 angestoßene Diskussion über Abgreifen von Daten in Frankfurt. US-Seite soll auf Ausleitung von Daten bestanden haben. Erinnerung?
Urmann: Nein. US-Seite hätte immer gerne mehr gehabt.
Sensburg: An Besprechung erinnern sie sich gar nicht?
Urmann: Kanns nicht einordnen. Vielleicht wenn ich weiß, wo Besprechung war und mit wem?
Sensburg: De Maizière und Präsident BND.
Urmann: Wo? Bundeskanzleramt, BND?
Sensburg: Spielt das…
Urmann: Ja, manchmal ist Optik erinnerungsfördernd.
Sensburg: Versuche zu vermeiden, dass ich mehr Redeanteil habe als sie.
Bekannt, wann EADS/Eurocopter für sie zum ersten Mal aufgetaucht ist?
Urmann: KA, ob schon 2006 oder nicht.
Sensburg: Bei Entschlüsselung paketvermittelter Kommunikation ist es wichtig, dass alle Teile des Pakets da sind. Richtig?
Urmann: Ja.
Sensburg: Kann vorkommen, dass nicht alle Teile dabei sind. Gabs da eine Datenbank für fragmentierte, paketvermittelte Kommunikation?
Urmann: Nicht bekannt. Zu meiner Zeit nicht diskutiert. Haben darüber gesprochen, wie man alle Informationen zusammenbringt. Technische Wahrscheinlichkeit, dass alle Pakete auf einer Strecke. Aber wenn Pakete über Australien geleitet, dann eher unwiederbringlich weg. Würde es für abwegig halten, das zu sammeln. Aber vielleicht hat jemand anders entschieden.
Sensburg: Also nichts bekannt, was Fragmente sinnvoll ersetzt und komplettiert?
Urmann: Nein. Zu meiner Zeit ging es nur darum, dass man die vollständig bekommt.
Sensburg: Dass USA das schon konnten: Kann das sein? Wissen sie das?
Urmann: Nein. Weiß davon nichts.
Fragerunde 1: Linke (17:25)
Renner: Kritische Selektoren: Nur Firmen oder auch natürliche Personen?
Urmann: Weiß ich wirklich nicht mehr. Weiß nur, dass da was war, was man nicht weiterlaufen lassen konnte.
Renner: Muss ja gravierend gewesen sein. Bitte nochmal erinnern, welche Firmen und Personen das waren. Kann mir nicht vorstellen, dass man sich gar nicht mehr erinnert. Anlass?
Urmann: Anlass Deutschlandbezug und Gang zur BND-Leitung. Was Anlass gab, KA.
Renner: Kennen sie Begriff Ablehnungsliste?
Urmann: Nein, noch nicht gehört.
Renner: Haben gesagt, um zu prüfen, ob deutsche Firma betroffen, hat man Handelsregisterauszug eingeholt?
Urmann: Ja, war gängiges Verfahren. G‑10-Juristen haben recherchiert.
Renner: Handelsregister als BND eingeholt?
Urmann: KA, war Sachbearbeiterebene, hat man bestimmt im Internet recherchiert.
Renner: Ging damals noch nicht im Internet.
Urmann: KA. Weiß nur, dass recherchiert wurde. Nach Anteilseignern etc. – haben Juristen gemacht.
Renner: Dann müssten die G‑10-Juristen ja noch die Unterlagen haben.
Mit wem gesprochen, als US-Seite informiert wurde?
Urmann: Man hat da Standardpartner. In Deutschland in der Regel Chief of Station. Das wäre das Standardverfahren. Aber weiß nicht genau.
Renner: War damals wer?
Wolff: Keine konkreten Namensnennungen. Keine Aussagegenehmigung.
Urmann: Ich wüsste es auch nicht mehr. Ist alle zwei Jahre ein Neuer.
Renner: Wie Kontakt?
Urmann: In der Regel persönlich getroffen.
Renner: Protokolle, Vermerke?
Urmann: KA.
Renner: Wie war das in der Regel? Vermerk angefertigt?
Urmann: Kam drauf an, manchmal schon. Manchmal auch Jour Fixe und das, was im Hinterkopf war, abgesprochen, dann nicht im Detail.
Renner: In dieser Sache, gab es Vermerk?
Urmann: KA.
Renner: Habe ich vermutet.
Bis wann Turnschuhschnittstelle?
Urmann: Lange. In der Zeit, wo ich zuständig war, war das so. Danach: KA.
Renner: Die Datenmengen, die wir kennen, widersprechen der Turnschuhschnittstelle. Es sei denn, jemand wäre permanent zur Blechdose hin- und hergelaufen.
Urmann: KA, ob dann geändert.
Renner: Ist man in Blechdose hingegangen oder haben USA Daten abgeholt?
Urmann: KA.
Renner: Welche Rolle hatten sie in Causa Koelbl?
Urmann: War Abteilungsleiter.
Renner: Seit wann wussten sie, dass diese kritischen Daten erhoben wurden?
Wolff: Weiß nicht, warum Untersuchungsgegenstand. Sind keine Massendaten etc.
Renner: Müssen wir doch herausfinden.
Wolff: Wurde auch schon untersucht.
Renner: Man hat auch schon in der Vergangenheit nicht die Wahrheit gesagt.
Sensburg: Wann wurde das festgestellt?
Wolff: Müsste BND-Untersuchungsausschuss gewesen sein.
Sensburg: Ich bin nicht sicher, ob nicht doch Untersuchungsgegenstand. Frau Renner bitte Frage formulieren lassen.
Renner: Seit wann wussten sie, dass diese kritischen Daten erhoben wurden in der Causa Koelbl?
Denke es gibt Bezug Koelbl und ANSO-Vorgang [Afghanistan NGO-Safety Office]. Dazu haben wir Unterlagen bekommen.
Urmann: Herr Wolff soll sagen, ob ich was sagen soll oder nicht.
Wolff: Eingestufter Vorgang und Problem der Einschlägigkeit. Sehe ich bei dem historischen Vorgang (weit vor 2013) nicht.
Eisenberg: Sie können doch einfach sagen, dass sie zum ANSO-Vorgang nichts wissen. Jetzt sagen sie doch mal.
Urmann: Ich weiß was zur Sache Koelbl, zum andern: Habe ich noch nie gehört.
Sensburg: Halte es für zulässig, zu fragen, seit wann sie davon wussten.
Urmann: Seit wann ist schwierig zu sagen…
Wolff: Halte Sachverhalt für nicht einschlägig. Aussagegenehmigung bezieht sich nicht darauf. Haben Akte zur Verfügung gestellt für Abgrenzung zu NSA-Selektoren.
Sensburg: Was nicht verhindert, dass sie sagen, seit wann sie das wussten.
Urmann: Oktober, wahrscheinlich 2007, wenn ich zurückdenke. Habe etwa zwei, drei Tage vorher davon erfahren, bevor das hochkam. Ging um Geschichte von Leib und Leben, daher damit beschäftigt.
Renner: Wann DAFIS-Stufe 3 eingerichtet?
Urmann: KA. Weiß nur, dass zu meiner Zeit angefangen, DAFIS einzurichten.
Renner: Sind die Selektoren, die konkret aufgefallen sind durch Meldungen und nicht in Stufe 1 gefiltert wurden. Erinnern sie sich an Einrichtung Stufe 3?
Urmann: Nein.
Fragerunde 1: SPD (17:40)
Flisek: Wäre Steuerung von EADS/Eurocopter durch USA Verstoß gegen MoA?
Urmann: Ja, würde ich sagen.
Flisek: Wenn Erkenntnis vorliegt, dass ein Verstoß vorliegt: Welche Qualität wird solchem Verstoß in BND beigemessen?
Urmann: Wir wissen schon, für wen wir arbeiten und dass es unsere Aufgabe ist, Dinge zu verhindern, die uns schaden.
Flisek: Kann ich wenig mit anfangen. Was ist dann der Ablauf? Haben geschildert, man hat mit USA gesprochen.
Urmann: Und an die Leitung weitergegeben.
Flisek: Wird das als besonderes Vorkommnis betrachtet? Verstoß gegen vertragliche Abmachungen?
Urmann: Besonderes Vorkommnis ist belegt, das bedeutet tödlicher Unfall.
Flisek: Können sie sich erinnern, welche Maßnahmen innerhalb BND getroffen wurden? Anweisungen des Präsidenten?
Urmann: Kann mich nicht an Anweisungen unmittelbar erinnern. Denke, Präsident hat gefragt: „Wie verhindert ihr, dass das nochmal passiert?“ Wahrscheinlich zur Zufriedenheit beantwortet. Daher keine formale Anweisung.
Flisek: Also haben sie auch keine Anweisung gegenüber Mitarbeitern gegeben?
Urmann: Natürlich besprochen. Aus heutiger Sicht. Im Detail, KA. Ist zehn Jahre her.
Flisek: Habe Vorstellung davon, als Jurist, dass Verträge zwischen NDs nur dann Wert haben, wenn sie auch gelebt werden. Also dass man bei Verstößen zum Beispiel gründlich prüft, ob Versehen oder symptomatische Täuschung. Und wenn ich BND-Präsident bin, habe ich auch Interesse an Prüfung, weil ich gegebenenfalls Aufsicht und Parlament informieren muss. Ist nicht passiert. Steht teilweise Aussage gegen Aussage. Schriftlich ziemlich wenig.
Wir haben zu beurteilen, wie Memoranden zu bewerten sind. Macht auf mich bisher recht hemdsärmeligen Eindruck.
Urmann: Wir haben die Leitung informiert. Habe durch Mitlesen im Internet gelesen, dass Uhrlau weiter informiert hat.
Flisek: Herr Fritsche hat gesagt, dass er nie Meldung bekommen hat. De Maizière hat gesagt: „Das war ja das Problem. Hinweis auf Selektoren nicht gegeben worden. Ich, de Maizière, hätte mir das gewünscht.“
Wolff: Glaube, Uhrlau hat gesagt, das wäre normalerweise so gewesen. Nicht, dass das so war.
Flisek: Doch, glaube schon, Uhrlau hat gesagt, er hätte Information an Fritsche weitergegeben.
Wie schaut Struktur des Umgangs bei Auftreten eines solchen Problems aus. Ist Eindruck „hemdsärmelig“ richtig?
Urmann: Halte ihn für falsch. Muss beim ersten Auftreten des Problems erstmal Abchecken. Wenn sie das für hemdsärmelig halten, dann sei es so.
Flisek: Halte es deswegen für hemdsärmelig, weil keine systematischen Weisungen für Umgang gegeben worden sind. Nur mal gesprochen, entschuldigt und gut ist. War Verstoß gegen vertragliche Grundlagen.
Urmann: Haben die Selektoren geprüft und die rausgeschmissen, die nicht Kriterien entsprochen haben.
Flisek: Und das wars?
Urmann: Und die Leitung informiert.
Flisek: Wir wollen uns ein lebhaftes Bild davon machen, wie der BND funktioniert.
Urmann: Habe alles gesagt, was ich zu sagen habe.
Flisek: Habe ich mir schon gedacht.
Fragerunde 1: Grüne (17:50)
Notz: Damals Echelon-Aufarbeitung verfolgt?
Urmann: Nicht akribisch.
Notz: Mir gehts darum: Als die zwei Hände voll Selektoren auftauchten, die problematisch waren: Altes oder neues Problem?
Urmann: Neues.
Notz: Bestand für die Mitarbeiter eine Pflicht, sowas zu melden?
Urmann: Selbstverständlich.
Notz: Also immer, wenn die auf Problemselektoren treffen, müssen die zu Urmann gehen?
Urmann: Nein, zu Vorgesetzen und die dann zu mir.
Notz: Glauben sie, dass jedes Problem bei ihnen angekommen ist?
Urmann: Glaube, Probleme sind angekommen. Aber jedes?
Notz: Jetzt kommt dieses Problem. Und sie können sich an keine Firmen erinnern?
Urmann: Nein, aber habe gesagt, ein bis zwei Hand voll. Sie haben sich da auf zehn eingeschossen.
Notz: Aber eine Hand voll können auch Tausende sein, wenn die Selektoren futzi-klein sind.
Urmann: Nein, zwischen fünf und zehn.
Notz: Mal Mitarbeiter aufgefallen, bei dem besonders viele Selektoren?
Urmann: Nur ein Mitarbeiter aufgefallen, über den letztens was in der Zeitung stand. Aber anders.
Notz: Markus R.?
Urmann: Ja, der war bei mir. In anderer Funktion.
Notz: Wo war der? In der Poststelle?
Urmann: Ja, in der Poststelle in Pullach. Aber nicht in der Funktion und anderer Aufgabenbereich. Hatte nichts mit Fernmeldeaufklärung zu tun.
Notz: Gespräch mit de Maizère am 22. Januar 2008. McConnell war da und wollte Erweiterung der Kooperation. Eine kritische Stimme war Urmann. Wie ist das gelaufen? Selbst geredet? Vermerk? Bedenken wegen den Selektoren oder in Zwischenzeit Probleme?
Urmann: Muss mal kurz mit Eisenberg reden.
Bin wieder da. Hat nicht ausschließlich daran gelegen. Von Seiten der Hausleitung kam Frage, ob Misstrauen. Kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall war insgesamt die Stimmung zurückhaltend.
Notz: Wir glauben, hing auch an kritischen Stimmen im BND, dass das nicht zustande gekommenn ist. Neben dem einen Fall mit den aufgefallenen Selektoren: Gab es noch mehr Probleme bei Kooperation mit NSA vor dem Treffen? Weitere problematische Selektoren? Andere Probleme mit MoA?
Urmann: Eher so die Frage bei Zusammenarbeit bei unterschiedlich großen Partnern, wie man da zu Rande kommt. Ein Partner hat riesige Möglichkeiten, da muss man als kleiner Partner immer schauen…
Notz: …dass man nicht unter die Räder kommt. Aber wie entstand der Eindruck, dass man unter die Räder kommt? Hatte man Gefühl, dass Technik nicht integer? Selektoren? Metadaten, mit denen Gegenseite Schabernack machen kann?
Urmann: Kann ich aus Retrospektive nicht so auf den Punkt bringen.
Notz: Aber geben sie mir einen Tip.
Urmann: Sicher Geschichte mit den Selektoren, dass man insgesamt vorsichtiger war.
Notz: Konnten sie damals alle Selektoren lesen?
Urmann: Man hat sich viel Mühe gegeben, die zu analysieren und zu verstehen. Waren auch neugierig: Was suchen denn die?
Notz: Funktioniert das MoA oder nicht? Hat es im Haus Debatte gegeben, dass MoA zu verändern? Und wenn ja: Mir ist Eindruck entstanden, es gab da Probleme. An welcher Stelle hat das im Grundsatz nicht funktioniert? Strukturelle Probleme bei Vereinbarung selbst?
Urmann: Erstellen war langer Aufwand für Übergabe der Satellitenschüsseln in Bad Aibling. Rein technisch-administrativer Anteil. „Wir haben noch Ersatzteilpaket und wie viel Geld müssen wir aufwenden?“
War damals erst im Wachsen.
Notz: Aber gab es ein Regelungsdefizit?
Urmann: Aus meiner Zeit so nicht bekannt.
Sensburg: Dann ist die Stunde um. Danke, dass sie uns trotz gesundheitlicher Situation bereitgestanden haben.
[Ende der Sitzung (18:04)]
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: Informationsaustausch: Innenminister verstrickt sich in Widersprüche
: Informationsaustausch: Innenminister verstrickt sich in Widersprüche Nicht erst seit den Anschlägen in Brüssel fordert Innenminister Thomas de Maizière eine Verknüpfung der nationalen Datenbanken der europäischen Polizeibehörden und Geheimdienste. Die Abgeordneten des Bundestages hat sein Ministerium trotz expliziter Nachfrage aber in der Vergangenheit über die Bestrebungen im Dunkeln gelassen.
Informationsaustausch im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt der sicherheitspolitischen Diskussion steht seit Brüssel die Forderung nach einer besseren Zusammenarbeit der verschiedenen europäischen Polizeibehörden und Geheimdienste. Fundamental dafür sei ein Informationsaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden, sagte Innenminister Thomas de Maizière am Abend der Anschläge bei ZDF und ARD. Er wirbt für eine Verknüpfung der bislang getrennten „Datentöpfe“. Im Interview mit den ARD-Tagesthemen sagte er:
Wir brauchen eine Verbindung von den getrennten Datentöpfen, die wir haben, im Visumsbereich, Schengenbereich, im klassischen Sicherheits- und Fahndungsbereich, Fluggastdaten.
Im ZDF präzisiert de Maizière seine Forderungen:
Es kann nicht sein, dass Datensilos Vorbeugung verhindern. Das sage ich nicht erst seit heute, sondern bereits seit einigen Wochen. Bittererweise habe ich bereits kurz vor diesen Anschlägen eine entsprechende Initiative nach Brüssel geschickt. Das wird jetzt umso dringlicher.
Bislang sei die Verknüpfung der Datenbanken am europäischen Recht gescheitert, speziell an den erheblichen Datenschutzbedenken. „Datenschutz ist schön, aber in Krisenzeiten und darüber hinaus, und wir sind in Krisenzeiten, hat die Sicherheit Vorrang“, fuhr de Maizière fort. Für diese polemische Kritik am vermeintlich überbordenden Datenschutz bekam de Maizière viel Kritik, auch auf netzpolitik.org.
Weiter führte de Maizière aus, dass man ihn nicht von der Notwendigkeit eines europäischen Informationsaustauschs überzeugen müsse. Das glauben wir ihm auch, denn oft gefordert hat er es ja schon, wie Falk Steiner im Blog des Deutschlandfunks aufzeigt: „Ist es ein Murmeltier? Nein, es ist ein Minister“.
Aussagen des Innenministers widersprechen sich
Vor wenigen Wochen haben wir über eine Anfrage des Abgeordneten Alexander Neu an die Bundesregierung berichtet. Es ging um die Pläne für einen verstärkten Informationsaustausch. Ist die Bundesregierung an den laufenden Planungen beteiligt? Ist sie vielleicht sogar ganz vorne mit dabei, wie es die Äußerungen von de Maizière vermuten lassen?
Die überraschend passive Antwort (pdf) von Staatssekretärin Emily Haber: Man nehme von solchen Plänen Kenntnis. Das klingt schon deutlich abgeschwächter und bleibt weit hinter den wiederholten Äußerungen von de Maizière zurück. In der Öffentlichkeit ruft der Innenminister laut nach dem Informationsaustausch und arbeitet nach eigener Aussage auf europäischer Ebene darauf hin, aber gegenüber den Abgeordneten des Bundestages wird die eigene Rolle heruntergespielt. Da heißt es, man habe von solchen Plänen gehört und würde gegebenenfalls reagieren, statt klarzustellen, dass die Bundesregierung aktiv an der Verknüpfung der so genannten „Datentöpfe“ mitarbeitet.
Entweder möchte also de Maizière nur den Anschein erwecken für eine stärkere Zusammenarbeit der Behörden einzutreten oder die Abgeordneten des Bundestages werden bewusst belogen. Fest steht: Mal wieder ist etwas faul im Hause de Maizière. Was genau, wird sich in nächster Zeit zeigen.
Heute treffen sich die EU-Innenminister in Brüssel, um über einen engeren Informationsaustausch unter den Sicherheitsbehörden der EU-Staaten zu beraten. Es bleibt abzuwarten, ob die Abgeordneten in Zukunft besser informiert werden über die Pläne der Bundesregierung.
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: Innenminister verbietet Nazi-Seite Altermedia, bisher zwei Festnahmen (Update)
: Innenminister verbietet Nazi-Seite Altermedia, bisher zwei Festnahmen (Update)
Das Bundeskriminalamt und die Bundesanwaltschaft sind heute gegen Betreiber der Nazi-Plattform Altermedia vorgegangen. Zwei Personen wurden festgenommen, ihre und die Wohnungen weiterer Beschuldigter wurden in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Berlin und Thüringen sowie Lloret de Mar/Spanien durchsucht. Das berichtet der Generalbundesanwalt:Jutta V. und Ralph Thomas K. sind dringend verdächtig, sich mit drei weiteren namentlich bekannten Beschuldigten zusammengeschlossen zu haben, um als Betreiber des Internetportals „Altermedia Deutschland“ strafbare Inhalte, namentlich volksverhetzende Äußerungen, zu verbreiten. In den Haftbefehlen wird ihnen daher zur Last gelegt, eine kriminelle Vereinigung gegründet und sich an ihr als Rädelsführer beteiligt zu haben. Weiter besteht der dringende Verdacht, dass sie dabei Straftaten der Volksverhetzung begangen haben (§ 129 Abs. 1 und Abs. 4 StGB, § 130 Abs. 1, Abs. 2, Abs. 5 i.V.m. Abs. 3 und Abs. 4 StGB alter und neuer Fassung, § 25 Abs. 2, 52, 53 StGB). […] Nach dem Willen ihrer Betreiber dient die Internetseite der massenhaften und systematischen Verbreitung rechtsextremistischen und nationalsozialistischen Gedankenguts. Neben verbotenen nationalsozialistischen Grußformeln und Parolen werden auch volksverhetzende Äußerungen veröffentlicht. Diese reichen von Gewaltaufrufen gegen in Deutschland lebende Ausländer über die Verächtlichmachung von Menschen anderen Glaubens und anderer Hautfarbe bis hin zur Leugnung des Holocausts.
Unklar ist, was mit den drei anderen „namentlich bekannten“ Betreibern der Seite passiert.
Die Server stehen in Russland, laut Generalbundesanwalt wurden die russischen Behörden ersucht, die Server in den kommenden Tagen abzuschalten. Derzeit sieht man nur ein /cgi-bin-Verzeichnis unter der URL.
Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falles übernommen. Die strafbaren Inhalte des Internetportals werden weltweit und frei zugänglich verbreitet. Sie sollen andere Rechtsextremisten zu weiteren Straftaten ermuntern und schaffen dadurch ein Klima der Angst bei den betroffenen Personengruppen. Vor diesem Hintergrund war auch mit Blick auf das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland eine Übernahme in die Strafverfolgung des Bundes geboten.
Innenminister Thomas de Maiziere hat laut Sueddeutsche.de die Plattform verboten:
„Altermedia“ ist Angaben des Innenministeriums zufolge das führende rechtsextreme Internetportal im deutschsprachigen Raum. Es fördere und ermögliche „die Verbreitung übelster rassistischer und fremdenfeindlicher Kommentare und Beiträge, in denen Straftaten gegen Ausländer verteidigt, zu Straftaten aufgefordert und Taten des Nationalsozialismus gerechtfertigt werden“, sagte de Maizière. Dies sei mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar.
Update: Patrick Gensing beschreibt auf Tagesschau.de, dass Altermedia mittlerweile für Nazi-Netzwerk keine große Rolle mehr spielte: „Altermedia“ – braunes Echo aus der Vergangenheit.
Zwar wurde „Altermedia“ nach der Verurteilung des Neonazis aus Stralsund weiterbetrieben, doch verlor die Seite zunehmend an Bedeutung. Die sozialen Netzwerke wurden zum neuen Treffpunkt der Szene, dort lässt sich weit schneller und effektiver Propaganda verbreiten. „Altermedia“ spielte in den vergangenen Jahren kaum noch eine Rolle in der Szene. Auf Twitter folgten der Seite nicht einmal 1000 Nutzer, auf Facebook konnte „Altermedia“ ebenfalls kaum Reichweite generieren. Spätestens mit dem Verbot durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière dürfte „Altermedia“ in Deutschland endgültig am Ende sein – für die braune Szene wohl kein großer Verlust.
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: #netzrückblick: Schurken des Jahres und ihre netzpolitischen Siege
campact via <a href="https://www.flickr.com/photos/campact/20015040089/">flickr</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC BY-NC 2.0</a>) : #netzrückblick: Schurken des Jahres und ihre netzpolitischen Siege Wer hat die größten Siege davongetragen? Wer hat im zurückliegenden Jahr netzpolitische Dammbrüche zu verantworten und die Tore zum Sündenpfuhl der digitalen Unfreiheit aufgestoßen? Wo wurden denn die wahren Erfolgsmeldungen produziert, die nicht als solche erkennbar waren?
Statt eines Jahresrückblicks in Buchform gibt es dieses Jahr jeden Tag im Dezember einen Artikel als Rückblick auf die netzpolitischen Ereignisse des Jahres. Das ist der zweite Beitrag in dieser Reihe. Darin geht es diesmal um die digitalen Schurken des Jahres.
Netzpolitik besteht nicht das ganze Jahr aus Prozessen und Verfahren, aus Gesetzen, Normen, Software, Programmen und Anwendungen. Mitunter sind ganz reale Menschen für die Ereignisse des Jahres 2015 verantwortlich. Schlussendlich muss Bilanz gezogen werden, was die Rückschläge des Jahres waren, um die Herausforderungen für 2016 zu kennen. Zeit für einen persönlichen Jahresabschluss-Rant, um elf europäische Claqueure der Überwachungshysteriker zu würdigen.
# Hans-Georg Maaßen
Der feinsinnige Niederrheiner war lange als Humorist unbekannt. Doch wir haben selten so gelacht wie bei seiner Inszenierung des „Landesverrats“. Damit machte er sich bundesweit einen Namen als ehrgeiziger Strippenzieher einer der gekonntesten Polit-Possen des Jahres. Seinen Versuch, WhistleblowerInnen und JournalistInnen einzuschüchtern, hat er politisch weitgehend unbeschadet überstanden, inszenierte sich zuletzt gar als Opfer einer Verleumdung. Mit einem neuen Selbstbewusstsein kann er so ins nächste Jahr starten. Aber welchen Sieg hat er zu vermelden? Das von ihm geleitete Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bekam mehr Befugnisse durch ein Reförmchen verschafft. Die V‑Leute des BfV dürfen jetzt ganz legal Straftaten begehen, und der Informationsfluss zu Polizei und Landesbehörden wurde „verbessert“.
# Die drei Tenöre
Die Anti-Aufklärer im Geheimdienstuntersuchungsausschuss ölen sich zum Jahresausklang in der Kaschemme „Black Hole“ mit dem Blended-Malt „Monkey Shoulder“ die Stimmen. Philipp Wolff, Johannes Eisenberg und Peter Graulich haben mit ihrer Kakophonie der Verschleierung den NSAUA zur Zirkusmanege verkommen lassen. Der Vertreter des Bundeskanzleramtes Wolff, BND-Zeugenbeistand Eisenberg und Selektorenbeauftragter und Profi-Kopierer Graulich lieferten ein fortwährendes Hintergrundgeräusch, das schmerzhaft am Demokratieverständnis der ZuschauerInnen kratzte: „Nicht Untersuchungsgegenstand“, „Nur in nichtöffentlicher Sitzung“, „Dafür gibt es keine Aussagegenehmigung“. Wohl orchestriert sprangen die ZeugInnen auf das Podest, machten Sitz, Platz und Männchen. Die Drei tönen nicht laut, aber perfekt abgestimmt und eingespielt. Dabei kam kein Zweifel auf, dass
das Publikumder Deutsche Bundestag zu ihrer Untermalung anwesend ist – und nicht der Transparenz wegen.# Thomas de Maizière und Heiko Maas
Dieses Duo hat 2015 sein Karmakonto zum Überlaufen gebracht. Maas konnte zusätzlich neue Maßstäbe im unter Sozialdemokraten geübten professionellen Umkippen setzen. Der Innenminister konnte dagegen „systematische und grundlegende Sabotage“ der EU-Datenschutzgrundverordnung für sich verbuchen. Weitere Heldendaten waren die Vorratsdatenspeicherung und Markierung von Flüchtlings-Handyanschlüssen. Nebenbei wurde Datenhehlerei als Straftatbestand eingeführt und der Whistleblowerschutz noch verschlechtert. Von beiden haben wir gelernt, dass die Wiedererweckung eines verfassungsrechtlich höchst problematischen Überwachungsvorhabens nicht mal mehr rational begründet werden muss. Gut, dass wir auch nicht nach den Rechtfertigungen für ihr politisches Handeln zu fragen brauchen, denn die Antwort würde uns nur unnötig verunsichern.
# Ursula von der Leyen
Heimlich still und leise begibt sich die Bundeswehr auf eine Reise. Zum nächsten Kriegsschauplatz, dem „Cyber-Raum“. Die Verteidigungsministerin hatte im Februar bei ihrer Rede in München schon den Weg geebnet für den Krieg in der „fünften Dimension“. Dann machte sie im April ernst mit der Cyber-Leitlinie der Bundeswehr. Seitdem treibt sie den Umbau der Armee voran, um für die „Cyber-Kriegsführung“ gewappnet zu sein. Genauso entscheidend wie diese Neuorganisation ist ein Sieg, den sich von der Leyen persönlich ans Revers heften darf: Niemand redet darüber, denn eine Empörung, dass die Bundeswehr für offensive digitale Angriffe aufrüstet, ist jedenfalls ausgeblieben. Bonuspunkte kann von der Leyen ernten, weil sie ihren lieben WählerInnen klarmachte, die Diskussion um Killerdrohnen sei nun lange genug geführt worden, nun werde endlich gekauft. Nur wer die Raketen von den Drohnen auf den Kopf bekommt, das mochte sie nicht sagen. Aber es werden schon die Richtigen sein, deswegen schwieg sie sicher auch zur Beihilfe zum Mord via Ramstein.
# Theresa May
Als langfristigen Wintervorrat hatte die britische Innenministerin eine PR-Kampagne der Geheimdienste angelegt, um in der heißen Phase der Parlamentsauseinandersetzungen über das neue „Investigatory Powers“-Gesetz davon zehren zu können. Dadurch ist es ihr ebenfalls gelungen, einer öffentlichen Debatte den richtigen Spin zu verpassen. Die Zustimmung im britischen Unterhaus gilt jedenfalls als Formsache. Dankend nahm sie auch die Morde von Paris an und nutzte sie ohne jede Scham für ihre politischen Überwachungsziele.
# Günther Oettinger
Er hat uns nichts vorgemacht. Seit Januar hat er sich immer wieder klar gegen die Netzneutralität bekannt. Wegen der selbstfahrenden Autos, die aber, wie Hersteller versicherten, gar kein Internet brauchen. Bilderreich hat uns der talibaneske Digitalkommissar der Herzen irrlichternd Katastrophenszenarien beschrieben und Lobbyargumente der Telekommunikationsindustrie wiedergekäut, mit denen die Netzneutralität schleichend abgeschafft wird. Immer wieder war er im zurückliegenden Jahr mit Ideenreichtum gesegnet und wurde nicht müde, die Debatte um ein freies Internet mit Absurditäten zu ergänzen. Nicht unverdient ist er deshalb im Jahr 2015 Preisträger des österreichischen „Scheiß-Internet“-Awards geworden. Keine Hoffnung macht uns, dass Oettinger im kommenden Jahr für die EU-Urheberrechtsreform zuständig sein wird.
# Timotheus Höttges
Zur Siegesfeier im Cyber-Ressort der EU-Kommission wird bestimmt auch Telekom-Chef Höttges eingeladen werden, wenn er nicht ohnehin als „Spezialdienst“ verkleidet durch die Hintertüre hereinschleicht. Höttges gehört durch das Netzneutralitätsvotum des EU-Parlaments definitiv zu den Gewinnern des Jahres, diesen ganzen kleinen schmarotzenden Start-ups zum Trotz. Seine Siegesgewissheit war schon am Tag nach der Parlamentsentscheidung erkennbar. Da musste er sich keine Mühe mehr geben, zu verbergen, welches schöne neue Süßigkeitenland sich nun vor ihm eröffnet. Nicht unwesentlich tragen die Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur und die Auftritte der US-Tochter T‑Mobile zur Partylaune bei.
# Recep Tayyip Erdoğan
So deplatziert wie ein Tweet von Erika Steinbach stolpert der türkische Staatspräsident in die Partystimmung zur Jahrendzeitsause. Die Musik ist kurz aus, alle Anwesenden schauen irritiert umher. Dann lachen alle gelöst und liegen sich kurzerhand wieder in den Armen. Natürlich hinkt der Vergleich mit dem Tweet. Schließlich hat – im Unterschied zu Niveau – das internationale Ranking der Pressefreiheit ein unteres Ende der Skala. Bemerkt Erdogan das etwa nicht? Nein, es scheint ihm egal zu sein, welchen Platz die Türkei dabei einnimmt: 2015 blieb es bei Platz 149 von 180. Der türkische Staatspräsident kann sich das erlauben. Kein europäischer Staats- und Regierungschef wird ihn zur Zeit dafür kritisieren. Stattdessen wird er von ihnen hofiert, während die türkische Polizei einen Fernsehsender stürmt und Rechtsanwälte auf offener Straße erschossen werden. Wir erinnern uns auch, dass der türkische Staat in diesem Jahr einmal mehr Twitter, Youtube und Facebook sperren ließ und regelmäßig JournalistInnen wegen Verunglimpfung des Staatspräsidenten anklagt.
So viel menschliche Nähe
Gut, also wärmen wir uns zum Ende dieses Jahres immerhin an den rauchenden, verkohlten Resten, die von der Freiheit im Internet übrig bleiben. Dann finden wir beim Stöbern in unserem Portemonnaie noch ein paar Münzen, die wir an diese Landesverräter von netzpolitik.org spenden, damit das nächste Jahr besser wird.
Der erste Beitrag im netzpolitischen Jahresrückblick ist hier nachzulesen und beschäftigt sich mit der EU-Datenschutzgrundverordnung. -
Innenministerium will alles und nichts: „Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung“
<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> by <a href="https://www.flickr.com/photos/electronicfrontierfoundation/14369529746/in/photolist-nTMAyS-atcMGh-c6a13u-cmHRu3-4kiNXE-3wt9C-owcwGp-4jPhag-dqArwq-eLdNWi-beDnJ6-atcMEJ-5GVoX6-mCwTw-5HqE5i-4ki3Qf-9ujNvq-52wTTv-7mFJJf-4u4ze9-iVtrtG-No3wo-bxXrCg-dveJGf-FayEj-7T4RXT-9FBP2N-vtAez3-5PfDCz-4rcSMT-dCzV-ptMCua-8inph3-wUj176-gHU9ST-ydZdLS-8kthYL-favuWH-8PNCpr-7wCHHY-pM1rZw-4ksuNj-HMFzL-DnH61-xckbe-2dFwk-6Au9jt-5kE2mW-5kzKgH-zDpohW">EFF Photos</a> Innenministerium will alles und nichts: „Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung“ Auf der heutigen Vorstellung des BSI-Lageberichts zur IT-Sicherheit gab es auch Fragen an Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Thema Verschlüsselung. Dabei fiel, wie so oft, auf, dass die Meinung des Ministers von Widersprüchen geprägt ist. Gleiches ergibt sich auch aus einer Schriftlichen Frage von Konstantin von Notz, dem netzpolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, deren Antwort wir hier schonmal veröffentlichen (OCR-Volltext unten). Nimmt man dann noch die Pläne zur Errichtung einer neuen Sicherheitsbehörde für Abhörtechnologie und die heute auf dem IT-Gipfel vorgestellte Charta zur Stärkung der vertrauenswürdigen Kommunikation, tritt der Widerspruch von der Propagierung von Deutschland als „Verschlüsselungsstandort Nr. 1 in Europa“ und Ambitionen zum Brechen von Verschlüsselung noch deutlicher zu Tage.
De Maizière gab auf der heutigen Pressekonferenz zu verstehen, dass die Befugnisse der Sicherheitsbehörden durchgesetzt werden müssten, egal ob analog oder digital. Dafür müssten die „technischen Fähigkeiten geschaffen“ werden. Was er damit meint? Eigener Aussage zu Folge nicht den Zugang von Straverfolgern zu Schlüsseln oder das Unterbinden von Verschlüsselung. Sondern:
Man muss andere technische Möglichkeiten entwickeln […] Bevor die Verschlüsselung beginnt oder zum Entschlüsseln […] Es geht nicht um ein Unterlaufen durch den Staat.
In der Antwort auf die Schriftliche Anfrage heißt es aus dem Innenministerium:
Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass zum einen starke und sichere Verschlüsselung verfügbar ist und zum anderen unsere Sicherheitsbehörden ertüchtigt werden, damit umzugehen: Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung.
Das erinnert an den alten, unpassenden Vergleich von Hausdurchsuchung und „Online-Durchsuchung“ durch Staatstrojaner. So in einer Pressekonferenz aus dem Januar zur offiziellen Linie der Bundesregierung zur Verschlüsselung:
Das wirkt vielleicht wie ein Widerspruch, aber wir kennen das natürlich auch aus der sogenannten realen Welt: beim Schutz des Hauses, beim Schutz des Autos. Überall raten wir zur Sicherheit. Man soll sein Haus verschließen, eine Alarmanlage einbauen, ein sicheres Auto kaufen, und trotzdem hat die Polizei selbstverständlich das Recht, unter bestimmten rechtsstaatlichen Voraussetzungen in ein Haus auch einzudringen und vieles andere mehr.
Nochmal: Ein Staatstrojaner ist eine heimliche Maßnahme, eine Hausdurchsuchung nicht. Benachrichtigungen erfolgen – wenn überhaupt – erst, wenn sie den Ermittlungserfolg „nicht mehr gefährden“ können. Durch diese Heimlichkeit wird es den Betroffenen auch unmöglich gemacht, einen Rechtsbeistand oder Zeugen hinzuzuziehen, die der Durchsuchung beiwohnen können.
Und: Es kann keine starke Verschlüsselung mit Hintertüren geben. Wenn Sicherheitsbehörden verschlüsselte Kommunikation knacken können, ist nicht ausgeschlossen, dass andere Kriminelle oder Behörden anderer Länder das auch können. Deshalb erscheint folgendes Zitat aus der Antwort wie ein ziemlich missglückter Marketingversuch:
Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung.
Von Notz kommentiert, es wirke wie die Forderung „vegetarisch, aber mit viel Fleisch“ und resümiert:
Die Antwort der Bundesregierung verdeutlicht noch einmal, wie höchst widersprüchlich das ganze Agieren der Bundesregierung im Bereich der IT-Sicherheit ist.
Daher: Schön, wenn sich für mehr Verschlüsselung und die Förderung benutzerfreundlicher Verschlüsselungsprogramme ausgesprochen wird. Aber dann muss dieses Versprechen auch konsequent eingehalten werden. Denn vertrauliche Kommunikation „nur für die Guten“ bedeutet vertrauliche Kommunikation für niemanden.
Volltext der Schriftlichen Frage aus dem PDF befreit
Schriftliche Frage des Abgeordneten Dr. Konstantin von Notz
vom 10. November 2015(Monat November 2015, Arbeits-Nr. 11/58)
Frage
Treffen Berichte (vgl. AFP-Ticker-Meldung vom 7. November 2015) zu, wonach es innerhalb des Bundesministeriums des Innern Pläne gibt, eine eigene neue Sicherheitsbehörde zu schaffen, deren Aufgabe darin bestehen soll, unter anderem Methoden zu entwickeln, besser in verschlüsselte Kommunikationen eindringen zu können, und wenn ja, wie passt diese Planung mit den von der Bundesregierung wiederholt gemachten Beteuerungen zusammen, man wolle, auch und gerade als Folge der Snowden-Enthüllungen, die IT-Sicherheit der Bundesbürger stärken und Deutschland zum „Verschlüsselungs-Standort Nr. 1 auf der Welt“ (vgl. Digitale Agenda der Bundesregierung 2014–2017) machen?
Antwort
Ziel der Digitalen Agenda der Bundesregierung ist es, Deutschland zum „Verschlüsselungsstandort Nr. 1“ zu machen. Darüber hinaus hat der Kabinettbeschluss „Eckpunkte der deutschen Kryptopolitik“ vom 2. Juni 1999 ebenso weiterhin Bestand. Dort heißt es (ZITAT): „Durch die Verbreitung starker Verschlüsselungsverfahren dürfen die gesetzlichen Befugnisse der Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden nicht ausgehöhlt werden.“
Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass zum einen starke und sichere Verschlüsselung verfügbar ist und zum anderen unsere Sicherheitsbehörden ertüchtigt werden, damit umzugehen: Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung.
Die Planung, die Gegenstand der umliegenden Schriftlichen Frage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist, befindet sich im Willensbildungsprozess und ist noch nicht abgeschlossen. Bisher sind lediglich erste Überlegungen erfolgt. Eine Entscheidung steht noch aus. Daher wird von einer weitergehenden Beantwortung der Schriftlichen Frage durch die Bundesregierung abgesehen.
Die Verantwortung der Regierung gegenüber dem Parlament setzt notwendigerweise einen Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung voraus, der einen parlamentarisch grundsätzlich nicht ausforschbaren Initiativ-‚ Beratungs- und Handlungsbereich einschließt. Die Kontrollkompetenz des Parlaments erstreckt sich daher grundsätzlich nur auf bereits abgeschlossene Vorgänge. Sie umfasst nicht die Befugnis, in laufende Entscheidungsvorbereitungen einzugreifen (BVerfGE 124, S. 78 [120 f.]).