Studie
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: Open Source Software: exponentielles Wachstum, weniger Copyleft
: Open Source Software: exponentielles Wachstum, weniger Copyleft Vor einiger Zeit berichtete Matthew Aslett am 451 CAOS Theory Blog in einer Serie von Einträgen über den zwischen 2008 und 2012 sinkenden Anteil an Open-Source-Software, der unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht wird (siehe Abbildung).
Die Besonderheit der GPL ist ihr auch als „Copyleft“ bezeichneter „viraler“ Charakter: Weiterentwicklungen auf Basis von GPL-lizenzierter Software dürfen nur unter derselben Lizenz weiterverbreitet werden; das bekannteste Beispiel für GPL-lizenzierte Software ist der Linux-Kernel. Aber auch jenseits von Software findet das Copyleft-Prinzip Anwendung – so ist zum Beispiel die Creative-Commons-Lizenz der Wikipedia eine Copyleft-Lizenz.
Im Bereich von Open-Source-Software ist allerdings Aslett zu Folge ein relativer Anstieg der Nutzung solcher Lizenzen zu beobachten, die auf eine Copyleft-Klausel verzichten (z.B. Apache-, BSD- oder MIT-Lizenz). Wichtig ist zu betonen, dass es sich dabei um relative Verschiebungen handelt, in absoluten Zahlen wächst auch der Pool an GPL-lizenziertem Software-Code weiterhin.
In einem Aufsatz für die 9th International Conference on Open Source Systems (OSS 2013) haben sich Gottfried Hofmann, Dirk Riehle, Carsten Kolassa und Wolfgang Mauerer jetzt noch einmal eingehend die Lizenz-Entwicklung in der Zeit vor 2008 – konkret zwischen 1995 und Juni 2007 – vorgenommen (siehe Abbildung).
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: Studie der Bundesnetzagentur: Internet-Anschlüsse liefern oft nicht die Bandbreite, die verkauft wird
: Studie der Bundesnetzagentur: Internet-Anschlüsse liefern oft nicht die Bandbreite, die verkauft wird Die verkauften Bandbreiten von Breitbandanschlüssen werden in der Realität oft nicht eingehalten. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Bundesnetzagentur hervor, die knapp eine Viertelmillion Internet-Anschlüsse gemessen hat. Auch beim Anbieterwechsel gibt es Probleme wie langwierige Ausfälle – die eigentlich gesetzlich verboten sind.
Wie wir bereits berichtet haben, hat die Bundesnetzagentur mit der Initiative Netzqualität eine Studie zur Dienstqualität von Internetzugängen durchgeführt. Mehr als 200.000 Messungen von DSL‑, Kabel- und Mobil-Anschlüssen haben Freiwillige beigesteuert. Heute wurde der 144-Seiten starke Abschlussbericht veröffentlicht.
In dieser großen Datenbasis hat man jetzt auch ganz offiziell festgestellt, dass die verkauften Bandbreiten selten eingehalten werden. Aus der Pressemitteilung:
Die Messstudie bestätigt die Vielzahl der Kundenbeschwerden über Abweichungen zwischen der vertraglich vereinbarten „bis zu“-Bandbreite und der tatsächlichen Bandbreite. Über alle Technologien, Produkte und Anbieter hinweg haben die teilnehmenden Nutzer oft nicht die Bandbreite gemessen, die ihnen als maximal mögliche Bandbreite von ihrem Anbieter in Aussicht gestellt wurde.
Die Lösung dagegen sind transparente, unabhängige Messungen sowie Transparenz gegenüber den Kunden. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur:
Der Kunde weiß so nur vage, mit welcher Leistung er konkret rechnen kann. Auch nach Vertragsabschluss und erfolgter Schaltung besteht kein überschwängliches Bemühen, dem Endkunden aktiv einen transparenten Überblick über die Leistungsfähigkeit des konkreten Anschlusses zu bieten.
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: Studie im Auftrag der Bundesregierung findet heraus: Netzaktivisten halten nichts von den Unionsparteien
: Studie im Auftrag der Bundesregierung findet heraus: Netzaktivisten halten nichts von den Unionsparteien Politische Netzaktivisten tendieren „überdurchschnittlich zu den Grünen, unterdurchschnittlich dagegen zu den Unionsparteien.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2011. Knapp 10 Prozent der Bevölkerung zählen demnach dazu, „überdurchschnittlich unter-40-jährige Männer mit höherer Schulbildung.“
Im Januar berichteten wir über eine Studie von TNS Infratest mit dem Titel “Politisch Netzaktive und Politik in Deutschland”. Darin stellte das Marktforschungs-Unternehmen fest, dass Menschen, die das Internet aktiv zur politischen Meinungsäußerung und Beteiligung in Deutschland benutzen, eine „starke Ausrichtung auf das linke Parteienspektrum“ haben. Das wird jetzt durch eine zweite Umfrage nochmal bestätigt.
Das Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung beauftragte auch das Institut für Demoskopie Allensbach mit einer Studie zum Thema „Veränderungen im politischen Informationsverhalten und Interesse der Bevölkerung“. Im September berichtete Hans-Martin Tillack auf stern.de darüber.
Informationsfreiheit: Studie erhalten, aber nicht veröffentlichen
Auch diese Studie haben wir nach Informationsfreiheitsgesetz beantragt – natürlich auf FragDenStaat.de. Wir haben die Studie auch erhalten, aber nur in ausgedruckter Form. „Vertraulich!“ steht in der Tat auf dem Titelblatt, und:
Nachdruck, Vervielfältigung oder Veröffentlichung dieser Daten, ganz oder teilweise, nur mit Genehmigung des Instituts für Demoskopie Allensbach
Das ist schade, da wir gerne die kompletten 282 Seiten als PDF zum Download angeboten hätten. Immerhin haben wir mit unseren Steuergeldern ja auch für die Studie bezahlt. Doch die rechtliche Lage lässt das leider nicht zu. Aber auch hier könnt ihr die komplette Studie einfach und schnell per Mausklick selbst anfordern und bekommt sie zugeschickt.
Im Folgenden ein paar Auszüge:
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: Studie der EU-Kommission: Unerlaubte Musik-Downloads haben positive Auswirkung auf Kaufverhalten
: Studie der EU-Kommission: Unerlaubte Musik-Downloads haben positive Auswirkung auf Kaufverhalten
Filesharing und Streaming von Musik führen nicht zu geringeren Verkaufszahlen im Netz. Zu diesem Ergebnis kommen immer mehr Untersuchungen, jetzt auch die Forschungsstelle der EU-Kommission. Das Fazit der Forscher lautet daher: Die Rechteinhaber sollten unerlaubtes Kopieren nicht länger als Problem ansehen.Die Europäische Kommission hat mit der Gemeinsamen Forschungsstelle eine Generaldirektionen nur für Forschung. Eins der sieben Institute ist zuständig für Technologische Zukunftsforschung, das gerade eine interessante Studie über Konsum Digitaler Musik im Internet veröffentlicht hat (PDF).
Die Autoren Luis Aguiar und Bertin Martens haben das Surf-Verhalten von 16.000 Europäer/innen untersucht, um „die Auswirkungen von illegalen Downloads und legalem Streaming auf den legalen Erwerb von digitaler Musik“ zu ergründen. Das Ergebnis ist ziemlich deutlich: Unerlaubtes Downloaden ist kein Ersatz für den legalen Erwerb digitaler Musik. „Unsere Ergebnisse zeigen keine Anzeichen von Umsatzeinbrüchen.“
Im Gegenteil: Es gibt sogar einen leichten positiven Zusammenhang. Je mehr Menschen „unerlaubt“ downloaden, desto mehr kaufen sie auch. Oder andersrum: Gäbe es kein Filesharing und Streaming, würden die Verkaufszahlen sinken. Das Fazit der Forscher:
All diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass unsere Probanden die überwiegende Mehrheit der Musik nicht legal gekauft hätten, wenn sie diese vorher nicht „illegal“ herunterladen könnten.
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: Einzigartig in der Masse: Aus Mobilfunk-Bewegungsdaten können ganz einfach Einzelpersonen identifiziert werden
: Einzigartig in der Masse: Aus Mobilfunk-Bewegungsdaten können ganz einfach Einzelpersonen identifiziert werden Die Art und Weise, wie sich Menschen bewegen, ist sehr einzigartig. Einem Forscherteam ist es gelungen, Einzelpersonen in großen Datensätzen von Bewegungsdaten zu identifizieren, wie diese von Mobilfunk-Anbietern gespeichert werden. Statt immer weitere Datenberge anzuhäufen, plädieren sie für weitere Forschung, da Bewegungsdaten nur noch wichtiger und aussagekräftiger werden.
Gestern wurde im Open Access Journal Scientific Reports die Studie Unique in the Crowd: The privacy bounds of human mobility (PDF) veröffentlicht. Vier Forscher vom MIT Media Lab und der Katholischen Universität Löwen untersuchen darin einen großen Datensatz an Bewegungsdaten und de-anonymisieren Einzelpersonen aus dem Datenhaufen.
Bewegungsdaten fallen beispielsweise für jedes einzelne Mobilfunk-Gerät bei den Mobilfunk-Betreibern an. Smartphones übertragen ihren Standort aber auch an Internet-Dienste, so verarbeitet allein der Anbieter Skyhook mehr als 400 Millionen Anfragen nach Ortsdaten pro Tag und Werbe-Netzwerke bekommen Ortsdaten von der Hälfte aller Smartphones. Mal ganz abgesehen von Diensten, denen man den eigenen Standort ganz freiwillig mitteilt, wie Foursquare oder Ingress.
Die Forscher haben jetzt einen Datensatz erhalten, der die Bewegungsdaten von 1,5 Millionen Menschen über 15 Monate enthielt. Das ist ein „bedeutender und repräsentativer Teile der Bevölkerung eines kleinen europäischen Landes“. Diese Daten kamen von einem Mobilfunk-Anbieter, der Zeitraum umfasste April 2006 bis Juni 2007. Mit diesem „Big Data“ Datensatz konnten sie zeigen, dass die räumliche Bewegung einzelner Menschen „sehr einzigartig“ ist.
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: Studie ‚Urheberrecht im Alltag’ im Auftrag der Arbeiterkammer
: Studie ‚Urheberrecht im Alltag’ im Auftrag der Arbeiterkammer
Die Arbeiterkammer, eine gesetzliche Arbeitnehmervertretung in der alle unselbstständig Beschäftigten in Österreich automatisch Mitglied sind, hat heute eine Studie zum Thema „Kulturelle Produktion und Mediennutzung im Alltag: Urheberrechtliche Problemfelder und politische Lösungsperspektiven“ (PDF) veröffentlicht.Erfrischenderweise fungieren als Autoren jedoch nicht Juristen, wie sonst meistens beim Thema Urheberrecht, sondern die Kultur- und Medienwissenschaftler Felix Stalder, Martin Wassermair und Konrad Becker vom Wiener Institut für Neue Kulturtechnologien t0. Ihr Ziel ist es die grundsätzliche Frage zu beantworten, wie „die Kreativität und Kommunikationsfähigkeit breiter Bevölkerungsschichten“ gefördert werden können. Dementsprechend stellen sie auch gleich zu Beginn der Studie klar:
„Die Studie nimmt explizit die Perspektive der Handelnden ein. Entsprechend wird keine juristische Beurteilung vorgenommen, das liegt weit außerhalb des Alltagshorizonts. Entsprechend wird, sofern nicht explizit ausgewiesen, auch auf juristische Fachterminologie verzichtet. Die Studie weist vielmehr auf Problemfelder hin, in die wünschenswertes Alltagshandeln, oftmals sehr zum Erstaunen und Entsetzen der Akteure, die mit besten Intentionen vorgehen, führen kann.“ (S. 2)
Im Zentrum der Studie stehen deshalb auch weniger abstrakte Rechtsfragen sondern 17 konkrete Alltagsszenarien „in denen in Treu und Glaube handelnde AkteurInnen in Alltagssituationen mit dem Urheberrecht in Konflikt kommen können“ (S. 4). Es geht, mit anderen Worten, um einen Kommunikationsalltag, der den Autoren zu Folge von der paradoxen Situation gekennzeichnet ist,
„dass sich der Spielraum auf technischer Ebene laufend vergrößert, während er sich auf rechtlicher Ebene laufend verkleinert.“ (S. 4)
Die 17 Fälle verteilen sich auf vier Unterschiedliche Bereiche, in denen an Hand konkreter Beispiele urheberrechtliche Problemfelder herausgearbeitet werden:
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: Report: Ausweitung der Netzzensur im Iran seit 2009
: Report: Ausweitung der Netzzensur im Iran seit 2009 Die OpenNet Initiative hat in einem Report den Ausbau der iranischen Netzzensur seit 2009 untersucht, als es im Iran zu großen Protesten im Rahmen der grünen Bewegung kam: After the Green Movement: Internet Controls in Iran, 2009–2012.
Das sind die Hauptthesen:
Since the “Green Movement” protests in 2009, the Iranian regime has adopted increasingly complex surveillance and monitoring techniques, complementing Internet filtering with legal frameworks and information manipulation.
These techniques of control overlap: Internet filtering is reinforced by a more constricted legal environment and efforts to “nationalize” Iranian cyberspace.
ONI testing over the past several years has revealed consistent filtering of websites pertaining to social media, international news channels, non-Shi’ite religions, social and religious taboos, and anything remotely opposed to official government policies.
The creation of the Supreme Council on Cyberspace indicates the Iranian government’s interest in centralizing their approach towards the Internet as well as their view of cyberspace as a larger security concern.
Internet censorship in Iran—culminating in the National Information Network—is framed as a way to protect the nation’s unique culture and identity and defend against the onslaught of Westernization.
The Iranian regime considers cyberspace a geopolitical as much as a domestic policy realm. Surveillance and censorship are simultaneously tools of suppression and a means of national defence.Keine revolutionären Neuerungen, aber interessante Forschungsergebnisse gut zusamengefasst. Hier ist das PDF.
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: Studie vergleicht „Kopierkultur“ in den USA und Deutschland
: Studie vergleicht „Kopierkultur“ in den USA und Deutschland 
Eine vom Institut „The American Assembly“ der Columbia University durchgeführte Studie mit dem Titel „Copy Culture in the US & Germany“ (PDF, 6,1 MB) vergleicht Mediennutzungsverhalten und Einstellungen zum Thema Urheberrechtsdurchsetzung in den USA und Deutschland. Für die Studie wurden bereits 2011 via Telefon 2.303 US-Amerikaner und 1.000 Deutsche befragt, die Ergebnisse jedoch erst gestern veröffentlicht. Ein derart umfassender,
unabhängigerLändervergleich war mir zumindest bislang noch nicht bekannt. Update: die Studie wurde offensichtlich mit einem Google-Forschungsgrant finanziert, ist mir auf den ersten Blick entgangen. Besonders erfreulich: Die gesamte Studie steht unter einer Creative-Commons-Lizenz.Die Studie fokussiert fünf Themenfelder (hier und im folgenden meine Übersetzung):
(1) Praktiken: Was haben und tun die Befragten?
(2) Einstellungen: Was sollten die Befragten ihrer Meinung nach tun dürfen?
(3) Sanktionen: Welche Sanktionen für Rechtsverletzugnen halten die Befragten für angemessene?
(4) Blocken: Sollen Intermediäre wie Internet-Provider oder Suchmaschinen Inhalte blockieren, die Urheberrechte verletzen?
(5) Kaufen: Wofür die Befragten zu zahlen bereit sind? -
: „Politisch Netzaktive“ und Politik in Deutschland: TNS Infratest findet heraus, dass die Netzgemeinde stark links ist
: „Politisch Netzaktive“ und Politik in Deutschland: TNS Infratest findet heraus, dass die Netzgemeinde stark links ist Menschen, die das Internet aktiv zur politischen Meinungsäußerung und Beteiligung in Deutschland benutzen, tendieren stark zur Wahl linker Parteien, das bürgerliche Lager kommt schlecht weg. Das ist das Ergebnis einer Studie von TNS Infratest im Auftrag des Bundespresseamts aus dem April 2012. Leider dürfen wir die komplette Studie nicht veröffentlichen, aber mit wenigen Klicks könnt ihr sie auch erhalten.
Nach dem Wahlerfolg der Piraten in Berlin wollte die etablierte Politik wissen, wer denn diese „politisch Netzaktiven“ sind und wie diese ticken. Also beauftragte das Bundespresseamt bei dem Marktforschungs-Unternehmen TNS Infratest eine Studie mit dem Titel „Politisch Netzaktive und Politik in Deutschland“, die im April 2012 durchgeführt wurde.
Im September berichtete Hans-Martin Tillack auf stern.de über die Studie:
Bei den „Netzaktiven“, so Infratest, sei eine „starke Ausrichtung auf das linke Parteienspektrum feststellbar“. Das „bürgerliche Lager“ sei mit 19 Prozent hingegen deutlich unterrepräsentiert.
Auf 12 bis 13 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren schätzt Infratest die Zahl derjenigen, die sich an Online-Petitionen beteiligen, „bei Regierungs- oder Verwaltungsstellen online auf Missstände“ hinweisen oder schon mal im Netz „politische Beiträge oder Kommentare in Foren gepostet“ haben.
Sie sind zu 65 Prozent männlich, überdurchschnittlich gebildet – und es sind nicht mehr die Jüngsten. Vor allem die mittleren Jahrgänge, und da besonders die Kohorte der 50 bis 59-Jährigen, – also die 68er Generation – seien „überrepräsentiert“, der „Anteil der 18 bis 29-Jährigen“ dagegen „deutlich unterrepräsentiert“. Grund: Junge Leute interessieren sich zwar für das Internet, aber kaum für Politik.
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: Kinoumsätze und Megaupload: Kein Schaden durch Filesharing
: Kinoumsätze und Megaupload: Kein Schaden durch Filesharing Das Arbeitspapier „Piracy and Movie Revenues: Evidence from Megaupload“ untersucht die Auswirkungen von Filesharing auf die Erlöse an den Kinokassen. Bei derartigen Untersuchungen ist es normalerweise schwierig, an analyserelevante Daten zu kommen, da es kaum Möglichkeiten gibt, eine einzelne Einflussgrösse wie etwa das Filesharing-Verhalten zu isolieren. Externe Schocks wie die überraschende Schliessung der Megaupload-Dateibörse sind daher für Ökonomen ein gefundenes Fressen. Die Autoren Christian Peukert von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Jörg Claussen von der Copenhagen Business School werten deshalb die Veränderung der Kinoverkaufserlöse direkt nach der Schliessung von Megaupload aus. Sie kommen zu dem oberflächlich überraschenden Ergebnis, dass diese nicht zu mehr Einnahmen aus Ticketverkäufen führte, und insgesamt nur geringe Auswirkungen und eher auf weniger bekannte Filme hatte.
Diese Ergebnisse lösten ein unerwartetes Echo aus und wurden prompt weitgehend misintepretiert. Schlagzeilen wie „Researchers Find Megaupload Shutdown Hurt Box Office Revenues“ landeten auf Slashdot. Dies wiederum weckte die Verwerterlobby, welche prompt mit einem „Stimmt doch gar nicht“-Artikel konterte. Schade eigentlich, weil das Paper zu diesen Schlussfolgerungen überhaupt nicht kommt. Zeit also auseinanderzunehmen, was wirklich drinsteht.
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: Ofcom-Studie: 44% der Internetnutzer unsicher ob Inhalte legal sind
: Ofcom-Studie: 44% der Internetnutzer unsicher ob Inhalte legal sind Ein zentrales Ergebnis des britischen Hargreaves-Reports zum Thema geistiges Eigentum und Wachstum war, dass es mehr unabhängiger Forschung zum Thema bedarf. Die britische Medienaufsichtsbehörde Office of Communications (Ofcom), die Mitte des Jahres einen Entwurf für ein Three-Strikes-Modell vorgelegt hatte, hat nun die erste größere Studie mit dem knackigen Titel „Online copyright infringement tracker benchmark study“ veröffentlicht. Die Studie basiert auf einem vergleichsweise großen Sample von 4.400 Personen, die teilweise online und teilweise Face-to-Face befragt wurden. Wie der Titel schon impliziert, handelt es sich bei den Ergebnissen um den ersten Bericht einer Längsschnittstudie, das heißt die Befragung wird laufend wiederholt werden um Entwicklungen erkennen zu können. Einen kurzen Überblick über die Ergebnisse der Studie verschafft die Executive Summary (PDF), die komplette Studie ist ebenfalls online (PDF).
Durchgeführt von der Firma Kantar Media ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie, dass die Unsicherheit unter Internetnutzern Urheberrecht betreffend enorm hoch ist: 44% der Befragten gaben an, ’nicht besonders sicher’ oder ‚überhaupt nicht sicher’ zu sein, welche Inhalte online legal sind und welche nicht (3% kreuzten außerdem „weiß nicht“ an, weshalb die Ofcom-Pressemeldung von 47% spricht).
Angesichts dieser Zahlen müssen viele andere Ergebnisse der Studie natürlich mit Vorbehalt interpretiert werden. Die Frage danach, warum und wieviele illegale Inhalte konsumiert werden ist vor dem Hintergrund der großen Unsicherheit, was überhaupt legal ist und was nicht, natürlich schwerer zu beantworten. Das wird auch daran erkennbar, dass der Studie zufolge ein substantieller Anteil der Befragten sämtliche Video-Inhalte auf YouTube für illegal hält (S. 37). Gleichzeitig schätzt die Studie den Anteil illegal konsumierter Inhalte, indem sie von der Zahl der konsumierten Gratis-Inhalte jene abzieht, die nach Auskunft der Befragten ‚legal’ konsumiert worden sind (S. 8).
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: Büro für Technologiefolgen-Abschätzung empfiehlt Stärkung der Netzpolitik
: Büro für Technologiefolgen-Abschätzung empfiehlt Stärkung der Netzpolitik Das Büro für Technologiefolgen-Abschätzung (TAB) beim deutschen Bundestag hat in einem aktuellen Bericht verschiedene Themenfelder Netzpolitik analysiert und Handlungsempfehlungen verfasst: „Gesetzliche Regelungen für den Zugang zur Informationsgesellschaft“ (PDF). Hier ist die Zusammenfassung der Handlungsfelder:
„In der Zusammenschau der Ergebnisse dieses Berichts ergeben sich folgende Handlungsfelder für die Breitband- sowie die Medien- und Netzpolitik:
Ziele der Breitbandstrategie
Es hat sich gezeigt, dass andere Länder ambitioniertere Ziele bei der Versorgung der Bevölkerung mit Breitbandinternet formuliert haben. Aufbauend auf dem erreichten Versorgungsstand und den verfügbaren Übertragungsgeschwindigkeiten sollten in Deutschland die Ziele kontinuierlich überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Ein umfangreiches Monitoring bildet dafür die Grundlage.
Fokussierung auf Glasfaser
In Deutschland befindet sich der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur bis in die Haushalte erst am Anfang. Open Access-Modelle stellen eine Möglichkeit dar, den Ausbau zu beschleunigen. Dafür sind Kooperationsvereinbarungen und regulatorisch begleitende Maßnahmen erforderlich. Eine genaue Beobachtung der Entwicklung ist hier notwendig, denn die eigentlichen Probleme bestehen bei der konkreten Netzzusammenschaltung und bei der Kooperation von Netzbetreibern und Diensteanbietern.
Stärkung der Netzpolitik
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: „Am Weg zu einer normalen Partei“: Böll-Stiftung präsentiert Piraten-Studie
: „Am Weg zu einer normalen Partei“: Böll-Stiftung präsentiert Piraten-Studie Heute Abend wird eine von der Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) herausgegebene und von Herbert Hönigsberger und Sven Osterberg von Nautilus Politikberatung verfasste Studie (PDF, CC-BY-NC-ND) mit dem Titel „Diskurs mit den Piraten: Eine sprachbasierte Lageanalyse und Empfehlungen zu einer Diskursstrategie“ im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Öffentlichkeit präsentiert. Dem Vorwort von HBS-Vorstand Ralf Fücks und der Koordinatorin „Grüne Akademie“ Anne Ulrich zu Folge stellt die Studie vor allem „die Frage, wovon die Piraten reden. Der Diskurs, der programmatische ‚Schwarm’ der Piraten, wird verglichen mit der politischen Kommunikation der Grünen. Schließlich wird nach möglichen Folgerungen für eine Diskursstrategie gegenüber der Piratenpartei gefragt“ (S.5). Eines der Hauptmotive für Erstellung der Studie ist aber wohl die Angst vor einer weiteren „Aufsplitterung im links-liberal- alternativen Spektrum“ (S. 6).
Den Studienautoren geht es in ihrer Analyse um „Sprache, wie sie die Piraten unter ihren eigenen Konditionen in ihren eigenen Diskursräumen sprechen, Sprache nach ihren eigenen Regeln zwischen Offenheit und Anonymität, also ungeschützten, authentischen O‑Ton, nicht gebrochen durch Interviewerfragen, Talkshow-Ambiente oder Erhebungssituationen.“ Es handelt sich demnach beim untersuchten Material fast ausschließlich um Online-Quellen wie das Piratenwiki, Pressemeldungen, Diskussionsforen, Mailinglisten etc., aus denen Textkorpora für eine eingehendere Untersuchung zusammengestellt wurden.
In diesen Materialen fokussiert die Studie auf den normativen Diskurs, also vor allem jenen um Grundwerte der Partei, und identifizieren dabei „Demokratie, Freiheit, Transparenz“ als den innersten Kern eines Grundwertekonsenses der Piraten (S.19).
Hinsichtlich des wichtigsten Grundwerts Demokratie arbeiten Hönigsberger und Osterberg heraus, dass repräsentative Demokratie skeptisch gesehen und direkte und Basisdemokratie als wünschenswert, die Schweiz als Vorbild betrachtet werden. Auch Transparenz als „das eigentliche Fahnenwort“ (S. 27) wird vor allem im Hinblick auf eine Verbesserung der Demokratie diskutiert – und durchaus auch hinsichtlich der Grenzen von zumutbarer Transparenz in Politik und Wirtschaft. Liquid Feedback wird in diesem Zusammenhang als ein „Testfall“ gesehen, dessen Umsetzung zwei widersprüchliche Ziele der Piraten berührt: „den Wunsch nach Transparenz und Nachvollziehbarkeit aller Entscheidungen und den Wunsch nach informationeller Selbstbestimmung und Schutz der Persönlichkeitsrechte der Teilnehmer“ (S. 30). Was den Freiheitsbegriff betrifft, so attestiert die Studie, dass die Piraten sich einem egalitären Freiheitsbegriff nähern – nicht zuletzt auch wegen der quer über verschiedene normative Dimensionen hinweg intensiven Diskussion des Bedingungslosen Grundeinkommens. Zur Unterscheidung von anderen Parteien dient dieser Freiheitsbegriff aber weniger bei als die Betonung von Transparenz, die die Piraten als erste zu einem Grundwert erhoben haben: Transparenz ist Grundwert, Kernthema, zentrale Forderung und Markenzeichen in einem.
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: Mobilfunk-Bewegungsdaten: Dein Telefon weiß, wo du nächsten Sonntag sein wirst
: Mobilfunk-Bewegungsdaten: Dein Telefon weiß, wo du nächsten Sonntag sein wirst
Aus den Bewegungsdaten eines Mobiltelefons lässt sich errechnen, wo man in Zukunft sein wird – auf bis zu drei Meter genau. Das haben drei britische Informatik-Studenten an einem Datensatz von gerade einmal 25 Freiwilligen demonstriert. Die Forscher wollen Behörden bei der Überwachung helfen – und der Werbewirtschaft.Die Forschungsabteilung von Nokia hat über ein Jahr lang Bewegungs- und Kontakt-Daten der Smartphones von 200 Freiwilligen in der Schweiz aufgezeichnet. Dieser Datensatz wurde Forschern in einem Wettbewerb über „Big Data“ Anwendungen zur Verfügung gestellt. Gewonnen haben Manlio De Domenico, Antonio Lima und Mirco Musolesi von der britischen Universität Birmingham mit ihrem Paper Interdependenz und Vorhersagbarkeit menschlicher Mobilität und sozialer Interaktionen.
Die Forscher erhielten die Telefonnummern sowie den Verlauf von GPS, Anrufen, SMS, Bluetooth und WLAN von 39 Teilnehmerinnen. Davon nutzen sie nur 25, weil 14 kein Adressbuch hatten. Schon aus den gespeicherten Bewegungsdaten ließ sich auf 150 Meter genau errechnen, wo ein Handy (und damit der Inhaber) in Zukunft sein wird. Nimmt man noch die Geo-Daten eines Bekannten hinzu, verbessert sich die Genauigkeit auf bis zu drei Meter.
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: ARD/ZDF-Onlinestudie 2012
: ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 Die Zusammenfassung der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 ist in der Ausgabe 7/8 der Zeitschrift Media Perspektiven erschienen und steht in zwei Beiträgen auf der Webseite veröffentlicht. 75,9% der Deutschen sind demnach online, wie die Pressemitteilung erklärt:
75,9 Prozent der Deutschen (2011: 73,3%) sind online. Dies sind 53,4 Millionen Internetnutzer. Damit hat sich die Zahl der Internetnutzer in den letzten 12 Jahren nahezu verdreifacht hat (2000: 18,4 Mio.). Gegenüber dem Vorjahr kamen 1,7 Mio. „neue Anwender“ hinzu“. Die höchsten Zuwachsraten gehen weiterhin von den Über-50-Jährigen aus. 76,8 Prozent der 50- bis 59-Jährigen nutzen inzwischen das Internet (2011: 69,1%). Unter den über 60-Jährigen sind 39,2 Prozent (2011: 34,5%) online.
Am interessantesten finde ich den Beitrag „Web 2.0: Habitualisierung der Social Communitys“ (PDF) von Katrin Busemann und Christoph Gscheidle.
22,88 Millionen Erwachsene ab 14 Jahren besitzen ein Profil in einem privaten Netzwerk, das sind rund 43 Prozent der Onliner. Nach einem Zuwachs von 2,5 Millionen von 2010 auf 2011 fällt die Steigerung mit 1,4 Millionen von 2011 auf 2012 – auf hohem Niveau – geringer aus.
Web 2.0 Nutzung (der deutschen Online-Nutzer ab 14 Jahren):
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: Privacy auf Mobiltelefonen: Amerikanische Bürger wollen mehr Datenschutz von Firmen und Behörden
: Privacy auf Mobiltelefonen: Amerikanische Bürger wollen mehr Datenschutz von Firmen und Behörden Eine große Mehrheit der Amerikaner betrachtet die Informationen auf ihren Mobiltelefonen als mindestens so privat wie die Daten auf ihrem Rechner zu Hause. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Forschern der University of California, Berkeley. Diese Erwartung steht in krassen Widerspruch zu gängigen Praktiken von Firmen und Behörden.
Für die Erkenntnis, dass das Internet zunehmend auf mobilen Endgeräten genutzt wird, braucht es kein komisches Buzzword. Diese Entwicklung bringt ganz neue Auswirkungen und Gefahren für Datenschutz und Datensicherheit mit sich. Nicht nur kann das Gerät einfacher in fremde Hände fallen, es fallen auch neue Datentypen an, die auch einfacher mal eben unbemerkt ins Internet geschickt werden.
In ihrer Studie Mobile Phones and Privacy untersuchen jetzt Jennifer M. Urban, Chris Jay Hoofnagle und Su Li die Einstellung der Amerikaner zu privaten Daten auf Mobiltelefonen. In einer von Nokia bezahlten repräsentativen Umfrage führten sie über 1.200 Telefoninterviews zum Thema durch.
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: Falsches Vertrauen: Warum Datenschutz-Einstellungen nicht zu mehr Datenschutz führen
: Falsches Vertrauen: Warum Datenschutz-Einstellungen nicht zu mehr Datenschutz führen Nutzer von Sozialen Netzwerken geben mehr und persönlichere Informationen über sich preis, wenn sie glauben, den Zugriff darauf kontrollieren zu können. Das ist das Ergebnis einer Studie von Psychologen der Carnegie Mellon University. Paradoxerweise kann das nach hinten los gehen – und sensible Daten öffentlich werden, die man privat geglaubt hat.
In der Psychologie gibt es das Phänomen der Risikokompensation: Weil sich Autofahrer durch Gurte und andere Maßnahmen sicherer fühlen, fahren sie risikoreicher als ohne. In ihrer Studie Misplaced Confidences: Privacy and the Control Paradox, die netzpolitik.org vorliegt, wenden die Psychologen Laura Brandimarte, Alessandro Acquisti und George Loewenstein diese Theorie auf den Umgang mit Privatsphäre im Internet an. Dabei beobachteten sie ein „Kontroll-Paradox“: Je mehr Kontrolle über Datenschutzeinstellungen man hat, desto mehr Details geben Leute von sich preis.
Sebastian Herrmann fasst die Experimente auf Süddeutsche.de zusammen:
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: Pirateriestudie des Medienboards Berlin-Brandenburg: suggestiv, verkürzt, oberflächlich
: Pirateriestudie des Medienboards Berlin-Brandenburg: suggestiv, verkürzt, oberflächlich Gemeinsame Argumentationsgrundlage sämtlicher Pro-Urheberrechtskampagnen der vergangenen Monate war und ist die Behauptung substantieller wirtschaftlicher Schäden auf Grund illegaler Downloads sowohl für die Verwertungsindustrie als auch für die Kunst- und Kulturschaffenden selbst. Dass diese Schäden allerdings empirisch alles andere als einfach nachzuweisen sind, lässt sich auch an der jüngst vom Medienboard Berlin-Brandenburg veröffentlichten „Metastudie zu Auswirkungen digitaler Piraterie auf die regionale Medienwirtschaft“ demonstrieren.
Der Wiener Musikwirtschaftsforscher Peter Tschmuck hat auf seinem Blog die Studie im Detail seziert um nachzuvollziehen, wie die Studienautoren zu dem für die Musikindustrie in Deutschland behaupteten Schaden von 524 Millionen Euro sowie dem errechneten Verlust von 5.537 Beschäftigen kommen.
Erster Kritikpunkt Tschmucks ist, dass vorweg der gesamte boomende Live-Musiksektor ausgeklammert wird, es sich also nicht um eine Analyse der Auswirkungen auf die Musikindustrie im allgemeinen handelt sondern „sich die Studie lediglich auf Tonträger und digitale Musikprodukte bezieht“. Das ist deshalb relevant, weil potentielle Substitionseffekte – Menschen geben weniger für CDs, dafür aber mehr für Konzerte aus – auf diese Art systematisch unberücksichtigt bleiben. Die Zahl der Beschäftigtenverluste wiederum ergibt sich, bei Ausklammerung einer möglichen Zunahme des Anteils von Selbstständigen, aus einem Vergleich der 8.099 Beschäftigten im Jahr 2010 mit der fiktiven Zahl von 13.636 Beschäftigten, die es einer „gesamtmarktkonformen“ Entwicklung nach hätten sein müssen. Wie diese Zahl zu Stande kommt und ob so ein Vergleich für stark von technologischem Wandel betroffene Sektoren überhaupt sinnvoll durchgeführt werde kann, bleibt unerklärt.

