Studie

  • : Studie der Bundesnetzagentur: Netzneutralität wird in ganz Europa verletzt, Provider verweigern Auskunft zu Details
    Wie die Deutsche Telekom Deep Packet Inspection einsetzt.
    Studie der Bundesnetzagentur: Netzneutralität wird in ganz Europa verletzt, Provider verweigern Auskunft zu Details

    Die großen deutschen Internet-Provider weigern sich, öffentlich zu erklären, wie sie die Netzneutralität verletzen. Durch eine IFG-Anfrage erhielten wir ihre Antworten an die Bundesnetzagentur – jedoch weitgehend geschwärzt. Die europäischen Regulierungsbehörden hatten vor zwei Jahren festgestellt, dass Provider in ganz Europa priorisieren, drosseln und blockieren.

    29. Oktober 2014
  • : Wie viele deiner Daten würdest du für einen Gratis-Keks tauschen?
    "Es ist verrückt, was mir die Leute alles geben wollen", so die Künstlerin Risa Puno. (Lois Beckett/ProPublica)
    Wie viele deiner Daten würdest du für einen Gratis-Keks tauschen?

    Eine Künstlerin hat getestet, ob New Yorker den Mädchennamen ihrer Mutter oder Teile ihrer Sozialversicherungsnummer im Austausch gegen einen selbst gebackenen Cookie hergeben.

    Dieser Artikel von Lois Beckett ist zuerst als „How Much of Your Data Would You Trade for a Free Cookie?“ auf ProPublica veröffentlicht wurden und wir haben ihn übersetzt.

    In einem unwissenschaftlichen, aber leckeren Experiment, haben 380 New Yorker am letzten Wochenende empfindliche persönliche Informationen herausgegeben – von Fingerabdrücken bis Sozialversicherungsnummern – für einen Keks.

    „Es ist verrückt, welche Informationen die Teilnehmer bereit waren, für einen Keks herauszugeben.“ sagte die Künstlerin Risa Puno, die das Experiment, das sie „Please enable Cookies“ nennt, auf einem Kunstfestival in Brooklyn durchgeführt hat.

    Die Cookies – tatsächliche Kekse – kamen in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie etwa „Chocolate Chili Fleur de Sel“ und „Pink Pistachio Peppercorn“.

    Um einen Cookie zu bekommen, mussten die Leute persönliche Daten herausgeben, zum Beispiel ihre Adresse, ihre Führerscheinnummer, ihre Telefonnummer und den Mädchennamen ihrer Mutter.

    Mehr als die Hälfte der Teilnehmer erlaubten Puno auch, sie zu fotografieren. Etwa die Hälfte der Leute (162) gaben ihr das, was sie als die letzten vier Ziffern ihrer Sozialversicherungsnummer bezeichneten. Und etwa ein Drittel – 117 Teilnehmer – erlaubten Puno ihre Fingerabdrücke zu nehmen. Sie untersuchte die Führerscheine der Teilnehmer, um die ihr gegebenen Informationen zu verifizieren.

    Wenn jemand sie fragte, was sie mit den Informationen vorhabe, verweigerte sie dies zu sagen und verwies stattdessen auf die Vertragsbedingungen ihrer Dienstleistung, einer ganzen Seite juristischen Kauderwelschs in winziger Schrift, die ihr das Recht gibt, die Informationen zur Schau zu stellen und mit anderen zu teilen.

    Punos Perfomance-Kunst Experiment unterstreicht, was Experten für Privatsphäre schon lange wissen: Viele Amerikaner sind sich des Wertes ihrer persönlichen Daten nicht bewusst und die Einschätzungen der Verbraucher über den Wert dieser Daten variieren stark unter dem Einfluss verschiedener Faktoren.

    Während die meisten Menschen sagen würden, dass sie ihre Privatsphäre schätzen, gibt es ein eindeutiges Ungleichgewicht zwischen „dem, was wir über Privatsphäre sagen und dem, was wir tun.“ sagt Allessandro Acquisti ein Privatsphäre-Experte von der Carnegie Mellon Universität in Pittsburg.

    Eine im letzten Jahr von Acquisti und anderen Wissenschaftlern veröffentlichte Studie ergab, dass der Wille der Menschen für ihre Privatsphäre zu bezahlen in Abhängigkeit zu dem von ihnen wahrgenommen, bereits existenten, Schutz ihrer Privatsphäre stand. In einem Experiment wurde eine Gruppe von Probanden eine Visa Geschenkkarte im Wert von 10$ gegeben und ihnen wurde gesagt, es bliebe anonym, wofür sie diese ausgäben.

    Einer weiteren Gruppe wurde eine Geschenk-Karte im Wert von 12$ gegeben und mitgeteilt, ihre Einkäufe würden verfolgt. Beiden Gruppen bekamen im Anschluss die Möglichkeit, die Geschenkkarten einzulösen.

    Es stellte sich heraus, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen die eine, womöglich überwachte, Karte mit höherem Wert bekommen hatten, auch bereit waren, diese einzulösen – 2 Dollar für die Privatsphäre. Demgegenüber wollte etwa die Hälfte der Menschen, die eine höhere Privatsphäre, aber weniger Geld zum ausgeben hatten, ihre Karten nicht eintauschen. „Die Antworten auf Fragen wie „Was ist die Privatsphäre wert? „und „Kümmern sich die Menschen wirklich um ihre Privatsphäre?“ hängen nicht nur davon ab, was man fragt sondern vor allem auch wie man fragt.

    Weil die Datenabgabe im Brooklyner Experiment Teil einer Performance war, mögen die Teilnehmer ein niedriges gefühltes Risiko gefühlt haben, sagt Acquisti. Der geschenkte Keks war Teil eines Spiels: Es macht Spaß dabei mitzumachen und es erscheint unwahrscheinlich, dass die Daten veruntreut werden.

    „Ich habe alle meine persönlichen Daten für eine Social-Media-Cookie eingetauscht“, twitterte ein Teilnehmer, zusammen mit einem Foto eines mit Facebook-Logo-Zuckerguss versehenem Cookie.

    Puno sagte, einige der Teilnehmer essen nicht einmal die Cookies – sie wollten einfach nur fotografieren.
    Besonders Cookies, die mit dem Instagram-Logo verziert waren, erfreuten sich so einer Beliebtheit unter den Fotografen, dass Puno den „Kunden“ abverlangte, ihr ihre Fingerabdrücke, die letzten vier Ziffern ihrer Sozialversicherungsnummern und ihre Führerscheinnummern zu geben. Damit waren immer noch viele einverstanden.„Sie wollten es gegen den Himmel mit der Brücke im Hintergrund halten“, sagt sie. Während sie mit der Resonanz auf ihr Projekt zufrieden ist, war die 33-jährige Künstlerin schockiert, dass die meisten Leute sehr entspannt mit der Herausgabe einer Art von Daten umgingen, die häufig für Sicherheitsfragen benutzt wird: der Name des Haustieres, der Mädchenname der Mutter, der Geburtsort oder der Name des ersten Lehrers.

    Menschen nannten diese Fragen „easy points“ -, sagte sie. „Sie erkannten diese nicht als Sicherheitsfragen oder kümmerten sich nicht darum. Dabei ist das die Art auf die sich kürzlich Hacker Zugang zu den iClouds von Prominenten verschafft haben, indem sie die Sicherheitsfragen errieten. Sie war auch überrascht, dass die Teilnehmer, um sich einen Keks zu verdienen, mehr ihrer Daten herausgegeben hätten, als sie tatsächlich gemusst hätten.

    „Das war für mich unverständlich“, sagte sie. „Wenn ich meine Informationen schon herausgeben muss, dann gebe ich doch nicht mehr heraus als nötig.“ Puno sagt nach wie vor nicht, was sie mit den gewonnenen Daten vorhat. Sie überlegt, sie zu vernichten. Auf der anderen Seite sind die Angaben wertvolle Beweise dafür, was Menschen zu tun bereit sind. Deshalb würde sie sie gerne für immer behalten.

    2. Oktober 2014
  • : Allensbach-Analyse: NSA-Überwachung gefällt nicht, aber USA bleiben großer Bruder
    Allensbach-Analyse: NSA-Überwachung gefällt nicht, aber USA bleiben großer Bruder

    freiheitsindex

    66 % der Deutschen empfinden die NSA-Affäre als „großen Skandal“, 61 % das Abhören von Kanzlerin Merkels Handy. Das hat eine Analyse des demographischen Institut Allensbach gezeigt, aus der die FAZ zitiert. In einer Umfrage des Pew Research Centers, die im Juli veröffentlicht wurde, fanden noch mit 90 % gegenüber 87 % der Befragten noch 3 % mehr die Überwachung von Staatsoberhäuptern schlimm als die der Bevölkerung.

    Die FAZ berichtet weiter aus dem „Freiheitsindex Deutschland 2014 – Schwerpunkt Digitale Revolution“, der im Oktober öffentlich präsentiert werden soll. Aus diesem gehe hervor, dass Menschen trotz des NSA-Skandals nicht sorgsam mit ihren Daten umgehen und stattdessen zum großen Teil „enttäuscht von den Amerikanern“ sind. Denn: „Unter Freunden hört man sich nicht gegenseitig ab“ (48 %). Es komplettiert das Bild, dass 90 % der Deutschen die Amerikaner als wichtigsten Friedenssicherer ansehen und dementsprechend 60 % eine enge Zusammenarbeit für unerlässlich halten. 38 % nehmen die Beziehungen zu den USA als wichtigsten Faktor für die Sicherheit Deutschlands wahr. Das spiegelt genau die Haltung wider, die von der Bundesregierung ausgestrahlt wird und die jegliche offene Kritik im Keim erstickt.

    Noch dazu kommen die Erkenntnisse, dass der BND in ähnlichem Maße, wenn auch budgettechnisch schwächer ausgestattet, selbst spioniert. Das finden 45 % der Befragten peinlich, was Deutschland einen zuvor projizierten moralischen Vorteil wegnimmt. Bei weiteren 40 % kommt Resignation dazu, man nimmt es als gegeben, dass Geheimdienste sich gegenseitig und andere ausspionieren. Alles in allem sieht man, worauf es hinausläuft: Großflächige Lähmung und Duldungsstarre vor einem Überwachungsapparat, gegen den man – so nimmt man an – ja sowieso nichts tun kann und erfolgreich suggerierte Abhängigkeit von dem großen Bruder. Und die schöne Illusion, dass die USA, auch wenn sie jeden und alles überwachen, immerhin für mehr Sicherheit sorgen.

    Doch nicht nur Spionage durch Geheimdienste ist ein relevanter Faktor, wenn es um den Umgang mit den eigenen Daten geht – auch Firmen sind an persönlichen Informationen interessiert. Aus weiteren Teilen des Freiheitsindex (den man in Auszügen hier findet) geht hervor, dass Unter-30-Jährige diesen (10 %) mehr vertrauen als dem Staat (4 %), wenn es um den Umgang mit diesen geht. In der Gruppe Ü60 sehen 21 % letzteren als vertrauenswürdig an. Trotzdem hält das kaum jemanden davon ab, seine Daten sparsamer oder bewusster preiszugeben, so heißt es im Kapitel „Die digitalen Bedrohungen der Freiheit“:

    Letztlich reagiert die Bevölkerung auf die Risiken für den Datenschutz im Netz mit einem Schulterzucken: Es ist irgendwie gefährlich, aber es ist auch unvermeidlich – und es wird schon gutgehen.

    Dieses „Privacy Paradoxon“ ist keine neue Erkenntnis und war bereits Gegenstand vieler Forschungsarbeiten. Die Auswirkungen, Gefahren und Dimensionen der Datenpreisgabe sind hochkomplex, abstrakt und nicht fassbar, im Gegensatz zum vermeintlichen, direkt spürbaren Gewinn bei der Preisgabe der Daten – finanziell, sozial, informationell …

    Fragt sich, wie es aussehen muss, wenn es nicht mehr „gutgeht“. Drückt sich das nur in direktem physischen oder monetären Schaden aus? Reicht es nicht, wenn ganz konkret die persönliche Freiheit abnimmt, wenn Daten unkontrollierbar verarbeitet werden, sei es von Geheimdiensten oder Unternehmen. Und reicht das nicht, um wütend zu werden und nicht nur einmalig empört und enttäuscht?

    18. September 2014
  • : Studie: Online Netzwerke senken das subjektive Wohlbefinden
    Studie: Online Netzwerke senken das subjektive Wohlbefinden

    SNS_studyEine wissenschaftliche Studie auf Basis einer groß angelegten Erhebung in Italien mit 50.000 Befragten ergab: Online-Netzwerke wirken sich negativ auf das persönlich wahrgenommene Wohlbefinden aus.

    Die beiden Forscher Fabio Sabatini und Francesco Sarracino wollten herausfinden ob und wie die Nutzung von Online-Netzwerken wie z.B. Facebook das subjektive Wohlbefinden senkt. Sie fanden unter anderem Zusammenhänge zwischen „echten“ Offline-Interaktionen und dem Level an Vertrauen gegenüber Mitmenschen mit dem wahrgenommenen Wohlbefinden. Die Nutzung sozialer Online-Netzwerke senke das Vertrauen und habe dadurch auch negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden.

    Eine kurze Analyse der Studie gibt es beim MIT Technology Review. Zu den Schlussfolgerungen aus der Arbeit heißt es dort:

    Sabatini and Sarracino particularly highlight the role of discrimination and hate speech on social media which they say play a significant role in trust and well-being. Better moderation could significantly improve the well-being of the people who use social networks, they conclude.

    Facebook, Twitter, and others take note.

    8. September 2014
  • : Onlinestudie 2014 von ARD und ZDF
    Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudien 2006 bis 2014
    Onlinestudie 2014 von ARD und ZDF

    79,1 % der Bevölkerung Deutschlands nutzen das Internet, durchschnittlich täglich 111 Minuten. 63 % tun das täglich. 45 % der Generation 60+ sind mittlerweile auch in der Online-Welt zu Gast. 75 % schauen zumindest gelegentlich über das Netz Videos. Die Nutzung von Video-Podcasts etwa wuchs dabei von 7 % 2013 auf 10 % in diesem Jahr an.

    Diese und andere Zahlen ergeben sich aus der Onlinestudie von ARD und ZDF, für die 1814 Erwachsene befragt wurden.

    8. September 2014
  • : Umfrage: Open Data und investigativer Journalismus
    Bis zu großflächig offenen Verwaltungsdaten ist es noch ein weiter Weg.
    Umfrage: Open Data und investigativer Journalismus

    Open_Data_stickersDie Leuphana Universität Lüneburg führt eine explorative Studie zum Thema „Open Data und investigativer Journalismusdurch. Sie richtet sich speziell an Investigativ- und DatenjournalistInnen und will herausfinden, ob

    „Open-Data-Initiativen wirklich eine bessere Berichterstattung über Vorgänge und Prozesse in Politik und öffentlicher Verwaltung ermöglichen“.

    Die Teilnahme dauert wie angegeben nur ca. 5 Minuten. Die Ergebnisse der Studie sollen auf der Konferenz „Transformationen. Nachrichten in der digitalen Medienkultur“ am 9. Und 10. Oktober 2014 vorgestellt werden.

    4. August 2014
  • : Kunden wollen keine Festnetz-Internetdrossel, aber man verdient halt so viel Geld damit
    GAO-Sitz in Washington D.C. (CC BY-SA 3.0)
    Kunden wollen keine Festnetz-Internetdrossel, aber man verdient halt so viel Geld damit

    US-Internetprovider drosseln, weil sie können. In einer noch vorläufigen Studie, die wir exklusiv veröffentlichen, hat das Government Accountability Office GAO (vergleichbar mit dem Bundesrechnungshof) festgestellt, dass die großen US-amerikanischen Internetanbieter das verfügbare Datenvolumen begrenzen obwohl ihre Kunden das nicht wollen und es technisch nicht notwendig ist. Das zeigen die in Kleingruppen erhobenen Daten. Sieben von 13 Festnetzanbieter und alle 4 Mobilfunkbetreiber bieten demnach sogenannte „nutzungsabhängigen Preismodelle“ an.

    Mobilfunkanbieter arbeiten vielfach mit Volumentarifen um die Netze nicht zu überlasten und Datenstaus zu verhindern, heißt es in dem Bericht des Government Accountability Office. Die US-Festnetzprovider sagen dagegen selbst, dass sie eigentlich keine Bandbreitenprobleme haben. Warum sie oftmals trotzdem Volumengrenzen festlegen? Weil man so mehr Ertrag erwirtschaften kann. Einen anderen Grund scheint es nicht zu geben.

    Die GAO-Studie zeigt, dass Kundinnen und Kunden nutzungsabhängigen Tarifen im Mobilfunk offen gegenüberstehen, wahrscheinlich auch, weil sie es nicht anders kennen. Die Befragten gaben aber auch an, dass das in direktem Zusammenhang mit begrenzten Festnetztarifen steht. Die wurden von den Probanden deutlich abgelehnt, auch weil sie ihre Wifi-Netze vielfach nutzen um mit den limitierten Mobildaten auszukommen. Wenn das Festnetz gedrosselt wird, würde also auch die Akzeptanz von beschränkten Mobildatenvolumen sinken, denn nur wer viel Wifi nutzt, schafft es mit seinem Handydatenvolumen bis zum Monatsende.

    Auch soziale Nachteile

    In den acht Fokusgruppen wurde auch diskutiert, welche sozialen Auswirkungen die begrenzten Datentarife haben können. Einige Teilnehmenden reagierten stark ablehnend und gaben an, dass diese Tarife sozio-ökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen besonders benachteiligen (Slide 18).

    Keine Klarheit bei den VerbaucherInnen

    Die Untersuchung ergab auch, dass Internetnutzerinnen und ‑nutzer ihren Datenverbauch oftmals falsch einschätzen. So sei es für viele, z.B. in Mehrpersonenhaushalten oder durch unbemerkten Datenverbrauch auf Grund von Updates u.ä., nicht ohne weiteres möglich den passenden Datentarif auszuwählen (Slide 25).

    “Hidden” data uses—such as automatic updates—could represent as much as 30 percent of data use and growing (Sevcik, NetForecast, June 2012)

    Gleiche Problematik in Deutschland

    Die Erkenntnis aus den USA sind generell nicht überraschend, aber für die Netzneutralitätsdebatte durchaus relevant. Dort wird von Seiten der Wirtschaft nämlich stets das Argument gebracht, man solle doch gefälligst den Markt – also die Kunden – entscheiden lassen welche Angebote gewünscht sind und welche nicht, anstatt gesetzlich zu regulieren. Datendrosselung ist auch in Deutschland gang und gäbe (vgl. Drosselkom und Kabel Drosselland). Obwohl sich die Kundschaft wahrscheinlich auch bei uns etwas anderes wünschen dürfte. In oligopolistischen Strukturen kann man sich allerdings als VerbraucherIn viel wünschen, bekommen tut man, was der (oder die wenigen) Anbieter wollen.

    Die Provider rechtfertigen das mit dem Investitionsbedarf beim Netzausbau. Der ist zweifellos gegeben, denn gerade Deutschland hinkt international beim Breitbandausbau ziemlich hinterher, sogar im Vergleich zu wesentlich größeren Flächenländern wie zum Beispiel Schweden. Jüngst hat eine Frontal21-Doku wieder gezeigt, dass man sich aber auf die Netzbetreiber alleine nicht verlassen kann, um flächendeckend schnelle Internetzugänge zu realisieren. Insgesamt zeigt sich: Die Staaten, die beim Netzausbau am stärksten auf private Investitionen setzen, haben die  größten Defizite. Ohne selbst Geld in die Hand zu nehmen, wird die Bundesregierung ihre Internet-Ausbauziele wohl kaum erreichen.

    30. Juli 2014
  • : Wissenschaftler haben herausgefunden: Filesharing hat keine Auswirkungen auf Kino-Erlöse
    Wissenschaftler haben herausgefunden: Filesharing hat keine Auswirkungen auf Kino-Erlöse

    „Wer digitale Kopien kostenlos lädt, bezahlt nicht für Original-Releases“ lautet ein gängiges Vorurteil von Filesharing-Gegnern. Der Wirtschafts-Professor Koleman Strumpf hat diesen Mythos jetzt empirisch widerlegt. In einer neuen Studie untersucht er Daten der „Hollywood Stock Exchange“ und „einer großen Bittorrent Index-Seite“:

    This paper uses movie tracking stocks to measure the theatrical revenue displacement of file sharing. These stocks are forward looking and their forecasting performance improves when new information arrives such as the release of movie trailers. The empirical strategy considers how stock prices respond to news about file sharing, using both arrivals and non-arrivals as shocks. Because the approach exploits price variation for all movies which are unavailable on file sharing networks, the case for unbiased estimates is particularly strong for the period prior to the theatrical opening. The estimates indicate that the displacement effect is quite small, both on a movie-level and in aggregate. The effect is precisely estimated. This is perhaps not surprising given the low quality of early file sharing releases and the lack of amenities such as theater sound and video systems.

    One consistent result is that file sharing arrivals shortly before the theatrical opening have a modest positive effect on box office revenue. One explanation is that such releases create greater awareness of the film. This is also the period of heaviest advertising. In conjunction with the main estimates, this suggests that free and potentially degraded goods such as the lower quality movies available on file sharing networks can have some beneficial effects on intellectual property.

    Wie immer zu diesen Themen hat Ernesto bei TorrentFreak mehr Details:

    The research covers 150 of the most popular films that were released over a period of seven years, and the findings reveal that the release of pirated films on file-sharing sites doesn’t directly hurt box office revenue.

    “There is no evidence in my empirical results of file-sharing having a significant impact on theatrical revenue,” Strumpf tells TorrentFreak in a comment.

    15. Juli 2014
  • : Umfrage: Einstellungen zur Internetnutzung und Datensicherheit im Kontext des NSA-Skandals
    Umfrage: Einstellungen zur Internetnutzung und Datensicherheit im Kontext des NSA-Skandals

    Bilder kleben heute nicht mehr in Fotoalben, Nachrichten stehen nicht mehr in Briefen und Treffen sind inzwischen Hangouts. Neue Möglichkeiten bergen aber immer Risiken: Das zeigt sich im Fall von Internetkommunikation anhand der Relevanz des Themas Datensicherheit. Gerade im Laufe des vergangenen Jahres wurde deutlich, wie aktiv – und kontrovers – die Diskussion um den verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit Daten geführt wird.

    Wie aktuell das Thema ist, zeigt jüngst die Debatte um die Spionageaffäre und die Ausweisung des höchsten CIA-Repräsentanten der USA. Die Medien sprechen an vielen Stellen von einer “Erschütterung der transatlantischen Freundschaft”. Und dabei zeigt sich: Geheimdienstmaßnahmen betreffen nicht “nur” mehr Internetnutzer, deren Daten ausspioniert werden. Vielmehr sind die Aktivitäten von NSA und Co. ein Politikum geworden.

    Eine Gruppe von Forschern der Universität Passau untersucht dazu in einer Studie Einstellungen zur Internetnutzung und Datensicherheit im Kontext des NSA-Skandals. Das Projekt wird kulturübergreifend in Deutschland, dem Vereinigten Königreich (UK) und den USA durchgeführt. Heimatinsitutionen sind dabei das DFG-Graduiertenkolleg ‘Privatheit’ und der Lehrstuhl für Computervermittelte Kommunikation (CvK) der Universität Passau.

    Ziel der Studie ist es, Einblicke in den länderspezifischen Umgang mit diesen Themen zu gewinnen und ein tiefergreifendes Verständnis spezifischer Einstellungen und Argumente zu skizzieren. Die Umfrage ist unter folgendem Link zu erreichen: http://ww2.unipark.de/uc/NSA/

    Die beteiligten Forscher:

    15. Juli 2014
  • : Das Experiment
    Das Experiment

    Hier veröffentlichen wir einen Gastbeitrag von Friedemann Karig über das sogenannte „Facebook-Experiment“ und seine Konsequenzen. Wir hatten auch schon hier darüber berichtet.

    Die schlechte Nachricht: Facebook hat 689003 User für einen Menschenversuch missbraucht.

    Im Zuge einer kürzlich veröffentlichten Studie mit dem schönen Namen “Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social Networks”, die Facebook 2012 gemeinsam mit der Cornell University durchführte.

    Die Forschungsfrage: Was passiert, wenn man das Ausmaß von positiven bzw. negativen Äußerungen in den Timelines und Newsfeeds der User erhöht?

    Das Ergebnis: Wer mehr positives liest, postet mehr positives. Wer mehr negatives liest, postet negativer. Die ahnungslosen Probanden äußerten sich im Schnitt um 3% besser oder schlechter gelaunt. Damit ist bewiesen: Gefühle sind ansteckend. Auch im digitalen Raum.
    Und: die User äußerten sich rein quantitativ mehr, je mehr gefühliges sie gelesen hatten. Was für ein soziales Netzwerk eine wichtige Information ist. Facebook manipulierte also die Gefühle seiner Nutzer um zu lernen, wie und warum diese aktiver werden.

    Die gute Nachricht: Facebook macht genau das jeden Tag. Mit uns allen. Sie veröffentlichen es nur nicht. Aber ist das wirklich eine gute Nachricht? Und dürfen die das überhaupt?

    Bildschirmfoto-2014-07-08-um-12.03.56Facebook im Jahr 1907

    Dürfen die das?

    Facebooks Algorithmus – formerly known as “EdgeRank” (oder wie auch immer sie ihn momentan nennen) – bestimmt, was in welcher Gewichtung in den Newsfeed und die Timeline eingespeist wird und was nicht. Er wird fortlaufend optimiert. Dazu schauen die Nerds bei Facebook, wie in jeder Forschungs- und Entwicklungsabteilung, ziemlich genau hin, wie User auf welche Veränderung reagieren. Man will wissen, was sie annehmen und was nicht, beispielsweise welche Werbung unter welchen Umständen am besten “klickt”. Und das findet man nur heraus, indem man Thesen aufstellt und sie falsifiziert, am lebenden Objekt.

    Eigentlich macht das jede Webseite und jeder Online-Händler. Sie nennen es “A/B‑Testing“: Welche Alternative gefällt den Usern besser im Sinne von “wird mehr geklickt”? Ah, okay, die mit rosa, dann nehmen wir die. Achtung, stark vereinfachender Vergleich: Jeder Bäcker testet A/B, wenn er die Marmeladenfüllung seiner Croissants variiert und seine Kunden nach dem Verputzen der Hörnchen befragt, welches am besten geschmeckt hat.

    Die jetzt veröffentlichte Forschung hat technisch also nichts anderes getan, als Facebook und jeder andere (fleißige) Dienstleister macht, sogar machen muss, um sein Angebot zu optimieren.Every ad based company exists to alter how you perceive the world” schreibt Andrew Ledvina, ein ehemaliger “Data Scientist” bei Facebook. 
    Deswegen hat auch das hinzugezogene Institutional Review Board (IRB), das in den USA jede Forschung am Menschen absegnen muss, das Experiment zugelassen: Facebook führt vergleichbare Untersuchungen sowieso ständig durch, argumentierten die beteiligten Forscher.

    Aber darf Facebook seine User der Wissenschaft überlassen?
    Dieses spezielle Experiment, anders als Facebook-interne Forschung, hat ein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse formuliert und entsprechende Ergebnisse veröffentlicht. Es hat nicht primär im Sinne des Produktes geforscht (das auch nicht immer unbedingt im Sinne des Nutzers sein muss), sondern im Sinne einer Forschungsfrage.
    Die Nutzung der User(-Daten) zu Forschungszwecken war angeblich von den Facebook-AGBs abgedeckt. Als User erklärt man sich bereit, dass Daten und Profile für “for internal operations, including troubleshooting, data analysis, testing, research and service improvement” genutzt werden. Dass die AGBs “niemand” im Sinne von “fast niemand” liest, ist unser Problem, nicht das von Facebook. Dass der Zusatz “research” erst nach der Studie in die AGBs kam, schon. Facebook wird dennoch argumentieren, auch dieses Experiment diene letztlich der Verbesserung des Service (“service improvement”), weswegen es legal im Sinne der AGBs sei.
    Für die Zukunft spielt das keine Rolle, denn jeder Anbieter wird einfach wie Facebook das unverfängliche Wort “research” in seine AGBs aufnehmen, um sich abzusichern. Daraus ergibt sich folgende Grafik:

    Bildschirmfoto-2014-07-08-um-11.57.46

     

    Hölle, Hölle, Hölle!

    Kritisch an dieser eigentlich nur logischen Nutzung des Datenschatzes bleibt jedoch die “Manipulation” von Emotionen. Wie schon Wolle Petry klagte: “Das ist Wahnsinn. Du spielst mit meinen Gefühlen.” Was wäre, wenn  jemand der (negativ) manipulierten Personen sich oder anderen etwas angetan hätte? Hölle Hölle Hölle?
    Wir introvertierten Emotionsverweigerer wissen: Gefühle empfinden und Gefühle ausdrücken ist nicht das gleiche. Und die Studie zielte auf einen minimalen Einfluss ab: “…the result was that people produced an average of one fewer emotional word, per thousand words.” Eine Veränderung des emotionalen Ausdrucks im Promillebereich kann schwer als massive Manipulation von Gefühlen gelten.
    Und auch wenn das forschende Fingern an sogenannten “Sentimenten”, also Gefühlszuständen, auf den ersten Blick anrüchig erscheint (und auf den zweiten Blick auch wissenschaftlich mindervalide, aber das ist eine andere Geschichte): Ein Kaufreflex ist ebenso eine Gefühlsregung, ein Verlangen, das die Werbung gezielt reizt. Wo genau verläuft  die Grenze zwischen Manipulation zu Abverkaufszwecken, die oft nicht nur positive Gefühle anspricht, sondern Menschen auch gezielt ein schlechtes Gewissen macht, und der Manipulation zu Gunsten einer kommunikativen Aktivierung?

    Im wissenschaftsethischen Sinne wiegt schwerer, dass die Teilnehmer nicht über die Studie informiert wurden, es also keinen “informed consent” gab, wie er bei Versuchen mit Menschen vorgeschrieben ist. Eine ethische Wissenschaft informiert freiwillige Probanden oder versucht, falls das Studiendesign die Unwissenheit der Probanden vorschreibt, sich über Dritte abzusichern und sie direkt nach dem Versuch zu informieren.
    Und auch wenn Facebook ein von seinen AGBs geschütztes Unternehmen ist, gelten vom moralischen Standpunkt her die Regeln vergleichbarer wissenschaftlicher Unternehmungen. Zumindest für die Forscher. Sie hätten darauf bestehen müssen, dass keine Probanden ohne echte informierte Zustimmung Teil des Experimentes werden. Bis jetzt schweigen die Teile der Scientific Community jedoch, die betroffen sind. Wahrscheinlich, weil der Honigtopf der Big Data sie alle lockt. In Zukunft müssen sie sich die Frage stellen, welche Art von Big-Data-Forschung wissenschaftsethisch vertretbar ist.

    Im Sinne unternehmerischer Fairness hätte Facebook eine einfache Abfrage vorschalten müssen, ob die User einverstanden sind, an solch einer Studie teilzunehmen. Es fänden sich sicher 700000, die sich der Forschung nicht nur durch AGBs legalisiert, sondern durch einen “informed consent” legitimiert zur Verfügung stellen. Und die Ergebnisse dieser Forschung müssten transparent allen zur Verfügung stehen. Was in diesem Fall passierte und paradoxerweise erst zur Empörung führte.

    Aber warum fühlt sich das alles nicht nur falsch, sondern bedrohlich und böse an? Warum erledigt sich das Problem nicht, wenn Facebook das nächste Mal vorher nachfragt? Was passiert als nächstes?

    Bildschirmfoto-2014-07-09-um-11.20.40

    Der Kunde als Experiment

    Subjektiv fühlt sich natürlich der Eingriff in die eigene “Privatsphäre” mies an. Meine Timeline, mein Newsfeed, mein Profil sind für mich privat. In diesem digitalen Abbild meines Soziotopes will ich der Souverän sein. Und normalerweise empfinde ich mich auch als solchen. Auch, weil Facebook mir suggeriert, ich könne per Einstellungen und Abos und Freundschaften und “Verbergen” weitgehend über “mein” Facebook bestimmen.
    Was nicht richtig ist. Facebook bestimmt.
    Es ist ihr Produkt.

    So wie ein mit Marmelade gefülltes Croissant das Produkt eines Bäckers ist. Ich kann darauf verzichten, wenn es mir nicht schmeckt. Aber ich kann es nicht endgültig beeinflussen. Das letzte Wort hat immer der Anbieter. Und die Anbieter suchen emsig nach Möglichkeiten, den Datenschatz zu heben. Sie werden nicht aufhören, die Daten für alles zu gebrauchen, was man zulässt. Und offensichtlich schrecken sie dabei vor nichts zurück.
    Langfristig an Gefühlen rumspielen ist etwas anderes als einen kurzfristigen Kaufreflex zu triggern. 700000 User schlechter gelaunt machen ist etwas anderes, als ihnen Viagra anzudrehen.

    Und das ist genau die Lektion, die wir aus diesem ersten öffentlichen Fall eines Big-Data-Missbrauchs lernen sollten: Wir können keine digitale Fairness von profitorientierten Unternehmen erwarten. Inzwischen ist es eine alte digitale Weisheit:
    Wenn etwas umsonst ist, bin ich nicht der Kunde. Sondern das Produkt.
    Oder das Experiment.

    fixingabrain Facebook im Jahr 1964

     

    Heimliche Verführer

    Das Facebook-Experiment lässt die Möglichkeiten dieser Unternehmen, aber auch der Politik und anderer Institutionen, die sich ihrer bedienen, erahnen. Sie machen mir Angst. Und erinnern Sebastian Deterding an eine Schöne Neue Welt: “Manipulations like these show how much power online companies like Facebook have over us, and filtering information by sentiment could keep us in a Huxleyan SNAFU bubble.”

    Dieses “Social Engineering” auf Basis von Big Data macht uns alle zu Versuchskanninchen, um in unsere Köpfe zu schauen und unser Verhalten zu beeinflussen. Ja, das macht die Werbung seit Jahrzehnten. Aber sie hatte niemals die Macht der Big Data. Sie arbeitete mit groben Clustern, Sinus-Milieus, Zielgruppen. Nicht auf der Ebene der Individuen.
    Und sie hatte niemals diese Effizienz: Die Studie wurde von drei Personen durchgeführt, “one member of Facebook’s own Core Data Science team and two university researchers from Cornell and UCSF”. Drei Menschen konnten 700000 andere Menschen studieren. Und das um einiges genauer, als es früher möglich war: “If the 20th century engineers of consent had magnifying glasses and baseball bats, those of the 21st century have acquired telescopes, microscopes and scalpels in the shape of algorithms and analytics,” vergleicht Zeynep Tufekci.

    Genau jetzt, angesichts solcher Beispiele, ist die Zeit sich dagegen zu wehren, dass Akteure wie Facebook ihre Macht ausnutzen. Tufekci warnt: “…these large corporations (and governments and political campaigns) now have new tools and stealth methods to quietly model our personality, our vulnerabilities, identify our networks, and effectively nudge and shape our ideas, desires and dreams.”

    Bildschirmfoto-2014-07-08-um-12.32.41Facebook im Jahr 2024 (und im schwedischen Animationsfilm Metropia, von dessen Filmplakat der Ausschnitt stammt)

    Facebook als Fernbedienung

    Das ist das Problem an solchen Experimenten und an den Systemen, die sie erst ermöglichen: Nicht, dass sie illegal, fantasie- und absichtsvoll böse wären. Das sind sie nicht automatisch, auch wenn sie sich so anfühlen mögen.
    Sondern, dass sie eben nur ein ganz kleiner Schritt von alltäglichen, legitimen Praktiken entfernt sind. Dass sie ein bisschen wie normale Werbung aussehen. Dass sie aufsetzen auf einer längst akzeptierten Realitätskonstruktion durch intransparente Anbieter. Dass sie auf Grund der Größenordnung und Heimlichkeit einerseits so effizient und andererseits so leicht zu verbergen sind. Dass sie unseren Kontrollverlust nicht erfinden, sondern nur ausnutzen.

    Dieses “Social Engineering” ist gefährlich, obwohl oder gerade weil es per se nichts neues oder böses ist. Sondern weil es letztlich unsichtbare Kontrolle ermöglicht. Willensbildung wird weniger öffentlich, weniger bewusst, weniger selbstständig. Big Data, richtig (oder eher falsch) genutzt, wird zur Fernbedienung für unsere Köpfe.

    Nichts im Netz ist objektiv oder neutral. Umso genauer müssen wir hinschauen, wer uns etwas warum für objektiv oder neutral verkaufen will. Und noch wichtiger: Nichts ist umsonst. Umso klarer müssen wir sehen, was es kostet.

    tl;dr: Big Data kann missbraucht werden, wehret den Anfängen.

    10. Juli 2014
  • : Die Zukunft des Internets: Pew Studie identifiziert die vier größten Bedrohungen für ein freies Netz
    Die Zukunft des Internets: Pew Studie identifiziert die vier größten Bedrohungen für ein freies Netz

    Tagesaktuelle Meldungen über Bedrohungen des Netzes sind unser Geschäft. Wir verbloggen, was wichtig ist, was jetzt passiert, was im Moment vor sich geht. Da bleibt kaum Zeit, um einmal innezuhalten und darüber zu sinnieren, wie das alles in fünf oder zehn Jahren aussieht. Welche Themen dann noch nachwirken, was vielleicht noch immer aktuell ist? Eine neue Studie des Pew Research Institutes vom 3. Juli mit dem Titel „Digital Life in 2025. Net Threats“ geht dieser Frage nun nach.

    Um ein Bild einer möglichen Zukunft zu zeichnen, greifen die Macher der Studie statt zu quantitativen, statistischen Methoden lieber zum ‚canvassing’, d.h. sie gingen auf drei unterschiedlicher Expertengruppen zu: Bekannte Internetexperten sowie Analysten aus der Tech-Industrie und schließlich über spezifische Mailing-Listen des Pew Research Institutes. Über 1400 beantworteten die Frage:

    Accessing and sharing content online – By 2025, will there be significant changes for the worse and hindrances to the ways in which people get and share content online compared with the way globally networked people can operate online today?

    (Deutsche Übersetzung: Online-Zugang und Teilen von Inhalten: Werden bis 2025 signifikante Veränderungen zum Schlechteren oder Hindernisse für die Art und Weise, wie man online an Inhalte kommt und diese teilt, auftreten, verglichen mit der Art wie global vernetzte Menschen heute online handeln können?)

    Zu dieser Ja-Nein-Frage konnten die Befragten noch eine Einschätzung der größten Bedrohungen und möglichen Gegenmaßnahmen liefern, sowohl anonym als auch namentlich.

    Ganze 65% der Teilnehmer antworteten auf die Eingangfrage mit „Nein“, nur 35% mit „Ja“. Darin drückt sich der Glaube an ein freies Internet auch in der Zukunft aus. Für viele steht dieser Optimismus jedoch nicht für sich und ist mehr Hoffnung als definitive Überzeugung. Die Studie identifiziert vier große Bedrohungen, die den befragten Experten Sorgen bereiten:

    1) Nationalstaatliche Bedenken um Sicherheit und politische Kontrolle werden zu stärkerer Zensur, Filterung, Fragmentierung und Balkanisierung des Internet führen.

    Wenn Staaten wie China und Türkei Inhalte im Netz zensieren oder Zugänge blockieren, so tun sie dass unter Berufung auf nationale Sicherheit, Integrität und moralische Schutzansprüche. Häufig ist es aber vor allem politische Kontrolle, die darüber stabilisiert werden soll. Paul Saffo (Discern Analytics/Universität Stanford) sagt in der Studie: „Regierungen werden immer besser in der Blockierung von Zugängen zu unwillkommenen Webseiten.“. Christopher Wilkinson, Vorstandsmitglied von EURid.eu, formulierte: „Überwachung… kühlt bestenfalls Kommunikation ab und schlimmstenfalls erleichtert sie Industriespionage, aber sie hat nicht besonders viel mit Sicherheit zu tun.“ Auch regionale Schutzbedenken wie wirtschaftlicher Protektionismus aber auch Datenschutzinitiativen können zu „Flaschenhälsen“ werden die das freie Internet bedrohen. Dem gegenüber stehen optimistischere Sichtweisen, die argumentieren, Offenheit und Innovation würden Kontrolle übertrumpfen:

    It won’t be a bloodless revolution, sadly, but it will be a revolution nonetheless. – Paul Jones, ibiblio.org

    2) Im Zuge der Enthüllungen über Regierungs- und industrielle Überwachung und angesichts wahrscheinlich noch stärkerer Überwachung wird sich Vertrauen in Zukunft verflüchtigen.

    Den Experten zufolge stellt die umfangreiche Massen- bis hin zur Totalüberwachung eine deutliche Bedrohung für freien Zugang und Teilen von Inhalten dar. Peter S. Vogel (Internetrecht-Experte bei Gardere Wynne Sewell) sagte dazu: „Datenschutzfragen sind die größte Bedrohung für den Zugang zu und den Austausch von Internet-Inhalten im Jahr 2014, und es gibt wenig Grund zu erwarten, dass sich das bis zum Jahr 2025 ändern wird, insbesondere angesichts der Cyber-Terror-Bedrohungen mit denen Internet-Nutzer und Unternehmen weltweit konfrontiert sind.“ Die Snowden-Enthüllungen würden zu einer stärkeren ‚Balkanisierung’, also Zersetzung/Fragmentierung des Internets führen, weil immer mehr Internetnutzer sich vor den Zugriffen der Sicherheitsbehörden schützen wollen, so Kate Crawford (Professorin und Forscherin).

    3) Kommerzieller Druck, der alles von der Internet-Infrastruktur bis zum Informationsfluss beeinflusst, wird die offene Struktur des Online-Lebens gefährden.

    Die zentralen Probleme an dieser Stelle sind das Netzneutralitätsprinzip, was immer häufiger untergraben wird, Kopierschutzbestimmungen und Patentgesetzgebung und die Kurzsichtigkeit von Regierungen und Unternehmen. Durch Absprachen und wettbewerbsfeindliche Praktiken werde die erneute Schaffung eines Internets der Leute verhindert, so ein anonymer Chefberater.

    Es ist sehr gut möglich, dass das Prinzip der Netzneutralität unterlaufen wird. In einer politischen Realität, wo die Positionen mit Geld gekauft werden, hängt viel davon ab, wie viel ISPs und Content-Anbieter bereit und in der Lage sind, für die Verteidigung ihre konkurrierenden Interessen zu zahlen. Leider zählen die Interessen der täglichen Nutzer sehr wenig. – PJ Rey, Doktorand

    Dem gegenüber stehen hoffnungsvollere Perspektiven, denen zufolge wirtschaftliche und soziale Anreize die Bedrohung abmildern können. Es müsse nur die Marktmacht großer Unternehmen gebrochen und dem einzelnen Nutzer die Kontrolle zurückgegeben werden:

    [C]ontinuing to dismantle the ‘middle men’ is key. ‑Glenn Edens, PARC

    4) Bemühungen, dem TMI-Problem (Too much Information – zu viele Informationen) zu begegnen, könnten zu Überkompensation führen und das Teilen von Inhalten vereiteln

    Informationsströme könnten aufgrund von Filter-Algorithmen sehr stark eingeschränkt und manipuliert werden. Von einem offenen und freien Internet würde dann nicht mehr die Rede sein.

    Der Trend, Informationen immer weiter und einfacherer verfügbar zu machen wird sicher 2025 andauern. Die größte Herausforderung wird dann wohl das Problem sein, guten und sinnvollen Inhalt zu finden wenn man will. – Joel Halpern, Ericsson

    Die Bedrohungen sind nicht neu

    Wer regelmäßig unseren Blog liest, dem fällt auf, dass hier vorrangig Themen angesprochen werden, mit denen wir uns schon seit Jahren beschäftigen und auf deren Problematik wir beständig hinweisen. Sicher sind einige der Experten, die im Zuge dieser Studie befragt worden sind, nicht unbedingt unserer Meinung was beispielsweise Privatsphäre und Datenschutz angeht. Der allgemeine Trend jedoch lautet: Wenn jetzt nicht gegen Netzneutralitätsverstöße, Totalüberwachung, unpassendes Urheberrecht und marktbeherrschende Internetfirmen vorgegangen wird, mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen, politischen und technologischen Mitteln, dann wird es ein freies Netz bis 2025 sicher nicht (mehr) geben. Die Studie mag mit Eventualitäten herumspielen und sich auf Expertenmeinungen berufen, aber wer daraus nur Zukunftsmusik liest, der liest sie falsch: Die Bedrohungen von morgen sind unsere Aufgaben von heute!

    8. Juli 2014
  • : Kontroverse Studie: Facebook spielt mit unseren Gefühlen
    Kontroverse Studie: Facebook spielt mit unseren Gefühlen

    facebook_bitesEine kürzlich veröffentlichte Studie hat für großes Aufsehen gesorgt: ein bei Facebook angestellter Forscher hat gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftlern eine experimentelle Studie verfasst. Darin wurden die Newsfeeds von 689.000 Facebook-Nutzern manipuliert um herauszufinden ob sich die Stimmung eines Nutzers auf andere überträgt. Dazu wurden verschiedenen Nutzergruppen gezielt mehr „positive“ bzw. „negative“ Beiträge angezeigt. Im Vergleich zu Testgruppen, deren Newsfeed-Algorithmus unverändert blieb, wurde dann untersucht ob sich die manipulierten Nutzer anders verhalten. Das wurde daran gemessen, was sie selbst auf Facebook posteten. Das Ergebnis der Forscher: Emotionen sind auf Facebook tatsächlich „ansteckend“. Wer mehr positive Beiträge sieht postet auch selbst mehr Positives. Markus hat das Experiment auch in seiner N24-Kolumne erklärt. Die wissenschafltiche Methodik der Studie wurde durchaus auch kritisiert. Uns interessieren aber vor allem die grundlegenden Fragen, ob solche Experimente überhaupt vertretbar sind und welche Konsequenzen sie haben.

    Die Kontroverse: Dürfen die das?

    Die aufgrund der Studie entbrannte Diskussion dreht sich um die Kernfrage, ob eine solche Studie ethisch vertretbar ist oder nicht. Zwischen wissenschaftlichen und unternehmerischen Ethikstandards klafft eine große Lücke. Wissenschaftliche Regeln sind aufgrund von Fällen schrecklichen Missbrauchs in der Vergangenheit wesentlich strikter, wie Ed Felten, Professor an der Princeton University, in seinem Artikel erklärt. Ein Unternehmen wie Facebook ist durch solche Regeln nicht gebunden.

    7. Juli 2014
  • : Studie: Potentiale für Open Education in Berlin
    Studie: Potentiale für Open Education in Berlin

    Cover-TSB-StudieWie Sebastian Horndasch von Wikimedia Deutschland laufend berichtet, gibt es in Berlin einen parteiübergreifenden Konsens Entwicklung und Einsatz von offenen Lehr- und Lernunterlagen (Open Educational Ressources, OER) stärker zu fördern. Jenseits von diesem grundlegenden Bekenntnis zu OER ist aber keineswegs klar, auf welche Weise der politische Wille auch in konkrete Bildungspraxis übersetzt werden soll. Um hierfür einen Beitrag zu leisten, bat mich die Technologiestiftung Berlin (TSB) Anfang des Jahres darum, eine Kurzstudie zum Thema zu erstellen, die heute im Rahmen einer Pressekonferenz mit TSB-Vorstand Nicolas Zimmer und dem Berliner Bildungsstaatssekretär Mark Rackles präsentiert wurde (Studie als Download).

    Ausgehend vom politischen Bekenntnis zur Förderung von OER in Berlin untersucht die gemeinsam mit Jennifer Hill und Maximilian Heimstädt verfasste Studie vor allem zwei Fragen: Wie ist die Situation von OER in Berlin im Vergleich mit anderen Bundesländern in Deutschland? Wo können konkrete OER-Maßnahmen ansetzen, im oft unübersichtlichen und verschachtelten Kompetenzgeflecht von Schul- und Universitätsverwaltung?

    14. Mai 2014
  • : Raus aus dem Gruselkabinett: Vorschlag für neue Wissenschaftsschranke im Urheberrecht
    Raus aus dem Gruselkabinett: Vorschlag für neue Wissenschaftsschranke im Urheberrecht

    Cover-Durantaye2014-klEin gutes Jahre lang hat sich Katharina de la Durantaye, Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht und Rechtsvergleichung an der Humboldt-Universität zu Berlin, mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eingehend mit der Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht beschäftigt. Das 340 Seiten starke Ergebnis liegt nun vor und ist erfreulicherweise auch im Volltext zugänglich (PDF).

    Ausgangspunkt für Durantayes Analyse ist eine harte Beurteilung der bestehenden Rechtslage:

    „Die für Bildung und Wissenschaft relevanten urheberrechtlichen Schranken erfassen in der Regel nur eng umrissene Sachverhalte, sind wenig technologieoffen und nicht allgemein verständlich formuliert. Zudem sind sie über mehrere Einzelnormen hinweg verstreut. Das führt zu großer Rechtsunsicherheit für Forscher, Wissenschaftler und Lehrer, aber auch für Infrastruktureinrichtungen wie Bibliotheken, Archive und Museen.“ (S. 1)

    In ihrer Arbeit spricht sich Durantaye an Stelle der zersplitterten und auf verschiedene Paragraphen verteilten Regelungen zum Thema Bildung und Wissenschaft im Urheberrecht für eine „generalklauselartige Schrankenregelung für Bildungs- und Wissenschaftszwecke“ (S. 2) aus, „die durch Regelbeispiele konkretisiert wird“ (S. 4) . Unter anderem zeigt Durantaye in ihrer Arbeit, dass eine solche generalklauselartige Schranke auch unter den gegebenen völker- und europarechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland umgesetzt werden könnte und verweist diesbezüglich auf britische Regelungen als Vorbild.

    31. März 2014
  • : „Digital Life in 2025“ – Das Internet wird sein wie Elektrizität
    Ubiquitous Computing - Technik, die unser Leben durchdringt ohne dass wir es noch merken CC-BY 2.0 via Flickr/Triotex
    „Digital Life in 2025“ – Das Internet wird sein wie Elektrizität

    Das World Wide Web wurde gestern 25 Jahre, dieses Ergebnis hat das Pew Research Center zum Anlass genommen, einen Bericht zu erstellen, der aufzeigt, wie das Internet sich rasant entwickelt und das Leben der Menschen verändert hat – und mutmaßlich bis 2025 noch verändern wird. Dazu hat der amerikanische Think Tank vor allem Experten nach ihrer Vision für zukünftige Entwicklungspotentiale befragt. Darunter befanden sich beispielsweise Marc Rothenberg, Vorsitzender des Electronic Privacy Information Center und Jillian C. York von der EFF.

    13. März 2014
  • : „Framing“: Wie sich die ACTA-Gegner durchsetzten.
    Die Argumente der ACTA-Befürworter (linke Seite) und der ACTA-Gegner (rechts) kamen in den 248 untersuchten Artikeln unterschiedlich häufig vor. Die von den Gegnern artikulierten Sorgen um Bürger-/Grundrechte und Rechtssicherheit sowie die Kritik am Verfahren bekamen mehr Raum.
    „Framing“: Wie sich die ACTA-Gegner durchsetzten.

    Ein Gastbeitrag von Katrin Tonndorf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für computervermittelte Kommunikationen der Universität Passau.

    ACTA. Diese vier Buchstaben machten das Urheberrecht 2012 zum Tagesschau-Thema. Auf einmal wurden große Debatten zu einem netzpolitischen Problem geführt, über das bisher nur die Unterhaltungsindustrie mit ein paar Netzaktivisten stritt. Beide Interessengruppen versuchten, mit ihrer Sichtweise die Öffentlichkeit zu überzeugen. Welches „Framing“ sich durchsetzte, untersuchten Kommunikations- und Politikwissenschaftler der Uni Passau.

    Der Konflikt um die Neugestaltung des Urheberrechts beginnt bereits weit vor ACTA. Seit die Filesharing-Plattform Napster und ihre Nachfolger die Geschäftsmodelle der klassischen Medienindustrie infrage stellten, hat die Unterhaltungsindustrie ihren Einfluss auf die Politik genutzt und erfolgreich für die Verschärfung des Urheberrechts geworben. Ergebnis dieser Bemühungen sind unter anderen das DMCA-Gesetz in den USA und die IPRED-Richtlinie in Europa. Trotz der Mobilisierungsversuche von Netzaktivisten erhielt IPRED 2004 in der öffentlichen Berichterstattung nur wenig Aufmerksamkeit und wurde ohne größere Komplikationen vom EU-Parlament angenommen.

    11. März 2014
  • : Studie zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der digitalen Welt
    Quelle: DIVSI
    Studie zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der digitalen Welt

    Das „Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ (DIVSI) hat gestern eine Studie zum Verhalten von jungen Menschen im Internet veröffentlicht. Großartig neue Erkenntnisse lassen sich aus dem Dokument des Verbandes, der von der Deutschen Post initiiert wurde und personelle Verbindungen zur BITKOM hat, nicht entnehmen. Das Internet und neue Medien sind in Form von Smartphones und Tablets allgegenwärtig und werden ständig genutzt. Dabei gibt es ein Problem beim Risikobewusstsein und der generellen Medienkompetenz. Quintessenz: Es wird mehr Bildung benötigt, mehr vertrauenswürdige Instanzen im Netz und die Teilhabe an digitaler Infrastruktur ist maßgeblich für die Chancengleichheit in der Lebenswelt junger Menschen.

    7. März 2014
  • : Deutsche Bank zu Big Data: „Möge die Macht mit uns sein“
    Deutsche Bank zu Big Data: „Möge die Macht mit uns sein“

    bigdataDie Deutsche Bank hat gestern eine Studie veröffentlicht, in der sie die ökonomischen Aspekte von Big Data beleuchtet – aber nicht nur die. Auf 39 Seiten findet eine umfassende Analyse statt, wie immer mehr anfallende Daten unsere Lebens- und Wirtschaftswelt beeinflussen, Chancen eröffnen und Risiken bergen. Das Phänomen Big Data, zu dem wir auch eine Artikel-Reihe mit bisher zwei Teilen gestartet haben, wird als logische Evolutionsstufe des Internets gesehen, bei der es darum geht, Datenschnipsel aufschlussreich zu kombinieren, um korrekte, wirtschaftlich lukrative Schlussfolgerungen abzuleiten.

    5. März 2014
  • : Kanadische Studie sieht Zusammenhang zwischen Trollen und Sadismus
    Kanadische Studie sieht Zusammenhang zwischen Trollen und Sadismus

    Drei WissenschaftlerInnen kanadischer Universitäten untersuchten in zwei Online-Studien den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen von (Online-)Trollen und der sogenannten Dunklen Tetrade (auch „dunkle Eigenschaften“) der Persönlichkeit – diese umfasst Machiavellismus, Narzissmus, Psychopathie und Sadismus. „Trollen“ wird dabei definiert als

    the practice of behaving in a deceptive, destructive, or disruptive manner in a social setting on the Internet with no apparent instrumental purpose.

    Die WissenschaftlerInnen entdeckten teilweise starke Korrelationen zwischen dem Verhalten von Trollen und dieser Dunklen Tetrade. Zudem seien alle „dunklen Eigenschaften“ außer Narzissmus umso ausgeprägter, je mehr ein Troll zeitlich online kommentiert.

    18. Februar 2014
  • : Regierungskommission empfiehlt Australien Einführung von ‚Fair Use’ im Urheberrecht
    Regierungskommission empfiehlt Australien Einführung von ‚Fair Use’ im Urheberrecht

    Australien-Law-Reform-CommissionAuch außerhalb Europas gibt es in vielen Staaten Diskussionen darüber, wie sich das Urheberrecht mit neuen digitalen Technologien und Nutzungsformen besser in Einklang bringen lässt. Als eines der zentralen Probleme wird in den meisten Fällen die mangelnde Flexibilität und Enge von Ausnahme- und Schrankenbestimmungen gesehen.

    In Australien hat jetzt die Law Reform Commission der Regierung nach zweijährigem und umfassenden Konsultationsverfahren einen 478-Seiten starken Bericht zum Thema „Copyright and the Digital Economy“ (PDF) vorgelegt (eine kurze Zusammenfassung gibt es ebenfalls). Die zentrale Empfehlung des Berichts ist eindeutig: Australien soll eine Fair-Use-Klausel nach Vorbild des US-Copyrights einführen. In der Zusammenfassung (S. 12f.) werden exemplarisch folgende Gründe für diese Empfehlung aufgelistet (meine Übersetzung):

    • Fair use ist flexibel und technologieneutral.
    • Fair use fördert das öffentliche Interesse und transformative Nutzung.
    • Fair use unterstützt Innovation.
    • Fair use passt besser zu nachvollziehbaren Erwartungshaltungen von Konsumenten.
    • Fair use hilft die Märkte von Rechteinhabern zu schützen.
    • Fair use ist ausreichend rechtssicher und prognostizierbar.
    • Fair use is kompatibel mit Urheberpersönlichkeitsrechten und internationalem Recht.

    Für den Fall, dass sich das Parlament gegen eine Einführung von Fair Use entscheidet, empfiehlt die Kommission zumindest den Schrankenkatalog auszudehnen und zu flexibilisieren – etwas, das die Initiative rechtaufremix.org auch in Europa erreichen möchte. Die klare und eindeutige Empfehlung der Regierungskommission für Fair Use, vor allem auf derart solider Grundlage, sollte jedenfalls auch den Verantwortlichen in Europa zu denken geben.

    13. Februar 2014