Aus den Bewegungsdaten eines Mobiltelefons lässt sich errechnen, wo man in Zukunft sein wird – auf bis zu drei Meter genau. Das haben drei britische Informatik-Studenten an einem Datensatz von gerade einmal 25 Freiwilligen demonstriert. Die Forscher wollen Behörden bei der Überwachung helfen – und der Werbewirtschaft.
Die Forschungsabteilung von Nokia hat über ein Jahr lang Bewegungs- und Kontakt-Daten der Smartphones von 200 Freiwilligen in der Schweiz aufgezeichnet. Dieser Datensatz wurde Forschern in einem Wettbewerb über „Big Data“ Anwendungen zur Verfügung gestellt. Gewonnen haben Manlio De Domenico, Antonio Lima und Mirco Musolesi von der britischen Universität Birmingham mit ihrem Paper Interdependenz und Vorhersagbarkeit menschlicher Mobilität und sozialer Interaktionen.
Die Forscher erhielten die Telefonnummern sowie den Verlauf von GPS, Anrufen, SMS, Bluetooth und WLAN von 39 Teilnehmerinnen. Davon nutzen sie nur 25, weil 14 kein Adressbuch hatten. Schon aus den gespeicherten Bewegungsdaten ließ sich auf 150 Meter genau errechnen, wo ein Handy (und damit der Inhaber) in Zukunft sein wird. Nimmt man noch die Geo-Daten eines Bekannten hinzu, verbessert sich die Genauigkeit auf bis zu drei Meter.
Zwar sprechen die Forscher noch von Problemen bei der Skalierbarkeit ihrer Methode, das sollte jedoch zunehmend weniger herausfordernd sein. Auf der anderen Seite lassen sich diese Datensätze noch erheblich verfeinern. So mussten die Studenten die Bekanntschaft zweier Personen noch durch die gegenseitige Präsenz im Adressbuch sowie erfolgten Telefonanrufen definieren. Echte Daten aus sozialen Netzwerken dürften die Analyse noch deutlich verbessern und vereinfachen.
Auch für die Bewegungsdaten ist nicht zwingend ein Zugriff auf das Mobilgerät notwendig. Gegenüber Parmy Olson sagte Musolesi, dass man auch einfach die Daten des Mobilfunkanbieters nehmen kann, beispielsweise durch eine Funkzellenabfrage. In den USA ist laut Obama-Regierung dafür nicht einmal eine richterliche Anordnung notwendig. So liegt es nahe, dass die Forscher damit die Behörden unterstützen wollen:
Musolesi is hoping to work with law enforcement agencies to test how well the algorithm predicts future locations of crime, and he suggests using anonymous data from people on bail in the United Kingdom, who have been electronically tagged.
Datenschutzrechtlichen Fragen ist man sich durchaus bewusst, will aber trotzdem weiter experimentieren. Neben Precrime sieht man vor allem Nutzen für die Werbe-Industrie:
Companies like Google already target you with ads based on your web-browsing habits and the contents of your email. If they could also guess where you’re likely to be at a given time, they could serve you ads relevant to that location.
Diese Auswertung von Mobilfunk-Daten für Werbezwecke findet bereits statt, wie netzpolitik.org berichtete. Derzeit will Twitter eine solche Firma kaufen.