Kultur

ARD/ZDF-Onlinestudie 2012

Die Zusammenfassung der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 ist in der Ausgabe 7/8 der Zeitschrift Media Perspektiven erschienen und steht in zwei Beiträgen auf der Webseite veröffentlicht. 75,9% der Deutschen sind demnach online, wie die Pressemitteilung erklärt:

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75,9 Prozent der Deutschen (2011: 73,3%) sind online. Dies sind 53,4 Millionen Internetnutzer. Damit hat sich die Zahl der Internetnutzer in den letzten 12 Jahren nahezu verdreifacht hat (2000: 18,4 Mio.). Gegenüber dem Vorjahr kamen 1,7 Mio. „neue Anwender“ hinzu“. Die höchsten Zuwachsraten gehen weiterhin von den Über-50-Jährigen aus. 76,8 Prozent der 50- bis 59-Jährigen nutzen inzwischen das Internet (2011: 69,1%). Unter den über 60-Jährigen sind 39,2 Prozent (2011: 34,5%) online.

Am interessantesten finde ich den Beitrag „Web 2.0: Habitualisierung der Social Communitys“ (PDF) von Katrin Busemann und Christoph Gscheidle.

22,88 Millionen Erwachsene ab 14 Jahren besitzen ein Profil in einem privaten Netzwerk, das sind rund 43 Prozent der Onliner. Nach einem Zuwachs von 2,5 Millionen von 2010 auf 2011 fällt die Steigerung mit 1,4 Millionen von 2011 auf 2012 – auf hohem Niveau – geringer aus.

Web 2.0 Nutzung (der deutschen Online-Nutzer ab 14 Jahren):

Wikipedia wird mit 72% am meisten (zumindest gelegentlich) genutzt, dahinter folgt Youtube mit 59%. 43% der Online-Nutzer sind in privaten Communities, dabei gibt es eine immer größere Konzentration auf Facebook. Während viele in den Vorjahren bei mehreren privaten Netzwerken aktiv waren, geht der Trend zu einer Monopolisierung. Berufliche Communities wie Xing oder Linkedin werden von 8% genutzt, Blogs (wie immer man diese heutzutage definiert) von 7% und Twitter von 4%.

Interessant sind die Statistiken zum Schutz der eigenen Privatsphäre in privaten Netzwerken:

Der größte Teil der Community-Mitglieder (85 %) nimmt Einstellungen zum Schutz der eigenen Privatsphäre vor (vgl. Tabelle 4). Gegenüber der Ersterhebung 2010 bedeutet dies einen Anstieg um 6 Prozentpunkte. Das Gros der Netzwerknutzer weiß also um die „Gefahren“, die mit der Mitgliedschaft verbunden und mit dem Stichwort Öffentlichkeit eigener Daten beschrieben sind, und handelt entsprechend. Die Heavy-User von Communitys, 14-bis 29-Jährige, zeigen sich besonders sensibilisiert. Der Anteil derer, die ihre Privatsphäre schützen, steigt in dieser Altersgruppe um 13 Prozentpunkte auf 93 Prozent an. Keine andere Gruppe zeigt sich ähnlich geschlossen geschützt und nirgends sonst ist der Zuwachs größer als bei der jungen Nutzerschaft.

Bei der Skepsis gibt es (wenig überraschend) einen großen Generationenunterschied:

Besonders weit verbreitet ist die Skepsis bei den Älteren. 92 Prozent der Onliner ab 50 Jahren fürchten Datenmissbrauch und verweigern eine Weitergabe konsequenter als alle anderen Altersgruppen (vgl. Tabelle 6). 73 Prozent der ab 50-Jährigen haben nach eigener Angabe noch nie persönliche Daten im Netz hinterlassen, der Durchschnittswert liegt bei 63 Prozent. Im Vergleich dazu zeigt sich die junge Generation in Sachen Datenschutz eher unbedarft. Mehr als die Hälfte, 53 Prozent, haben bereits persönliche Angaben gemacht. Skepsis ist bei den jungen Onlinern also weniger ausgeprägt und ihr Verständnis von Privatheit ist ein anderes, ebenso die Bereitschaft, auf bestimmte Webangebote zu verzichten. Das Anlegen eines Profils innerhalb einer privaten Community wird offenbar nicht von allen Onlinern als Weitergabe von Daten im engen Sinnen verstanden.

Im Fazit vermuten die Forscher einen „Wandel im Umgang mit Privatheit“:

Das Thema Sicherheit und Datenschutz ist zwar in aller Munde, allein die konsequente Durchsetzung scheint den Onlinern nicht möglich. Zu oft stehen sie vor der Wahl, attraktive Webinhalte gegen Preisgabe persönlicher Daten nutzen zu können und daraus dann individuellen Mehrwert zu beziehen oder eben darauf zu verzichten. Das Problembewusstsein ist mehrheitlich vorhanden, mit der Logik des Netzes aber nur schwer zu vereinbaren. Sich dem zu entziehen, fällt schwer. Insofern scheint es einen Wandel im Umgang mit Privatheit zu geben. Offen bleibt, ob dieser vom Nutzer selbst oder profitorien­ tierten Diensteanbietern im Netz befördert wurde.

Weiter gibt es das Dokument „Geräteausstattung der Onlinenutzer„. Wenig überraschend nutzen vor allem junge Menschen ein Smartphone unterwegs und in Haushalten stehen noch Fernsehen und Radios, aber auch immer mehr Tabletcomputer.

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6 Kommentare
  1. Zum letzten Block “Wandel im Umgang mit Privatheit”:
    Wieviel % geben wohl bewusst falsche Daten an, um die attraktiven Webinhalte nutzen zu koennen?

  2. Dass Netzwerke, die alles andere als vertraulich mit privaten Daten umgehen, jetzt plötzlich als „private Netzwerke“ bezeichnet werden, finde ich schon ziemlich zynisch!

    Welche Marketing-Abteilung hat sich denn nun den Begriff schon wieder einfallen lassen?

  3. @akf: Der Begriff privat wird doch schon lange vielfältig genutzt. Es gibt die Privatwirtschaft im Gegensatz zur öffentlichen/staatlichen und die Piraten und andere wollen die private digitale Kopie durchsetzen, womit sie eine öffentliche Kopie einschließen, nämlich die Kopie ins Netz, was dann ja auch nicht mehr privat wäre. Nimmt man dann noch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, die sich wie Privatunternehmer verhalten (Kosten drücken bei freien Mitarbeitern/Zulieferern, Quote als Erfolgsmaßstab) kann man schon sagen: Öffentlich ist das neue Private.

  4. Wie viele der 53,4 Millionen nutzen dabei die Webangebote der öffentlich rechtlichen Sender, für die ja zukünftig alle die volle TV Gebühr bezahlen sollen.. ?

  5. Im Vergleich zum (N)onliner-Atlas gibt es eine große Differenz bei den über 60 jährigen Onlinern – während die ARD/ZDF-Studie von 39,2% Internetnutzung in dieser Kohorte spricht, sind es im (N)onliner-Atlas ganze 60,4%. Hat jemand eine Idee wie diese unterschiedlichen Befunde zustande kommen können?

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