Studie im Auftrag der Bundesregierung findet heraus: Netzaktivisten halten nichts von den Unionsparteien

Politische Netzaktivisten tendieren „überdurchschnittlich zu den Grünen, unterdurchschnittlich dagegen zu den Unionsparteien.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2011. Knapp 10 Prozent der Bevölkerung zählen demnach dazu, „überdurchschnittlich unter-40-jährige Männer mit höherer Schulbildung.“

Im Januar berichteten wir über eine Studie von TNS Infratest mit dem Titel “Politisch Netzaktive und Politik in Deutschland”. Darin stellte das Marktforschungs-Unternehmen fest, dass Menschen, die das Internet aktiv zur politischen Meinungsäußerung und Beteiligung in Deutschland benutzen, eine „starke Ausrichtung auf das linke Parteienspektrum“ haben. Das wird jetzt durch eine zweite Umfrage nochmal bestätigt.

Das Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung beauftragte auch das Institut für Demoskopie Allensbach mit einer Studie zum Thema „Veränderungen im politischen Informationsverhalten und Interesse der Bevölkerung“. Im September berichtete Hans-Martin Tillack auf stern.de darüber.

Informationsfreiheit: Studie erhalten, aber nicht veröffentlichen

Auch diese Studie haben wir nach Informationsfreiheitsgesetz beantragt – natürlich auf FragDenStaat.de. Wir haben die Studie auch erhalten, aber nur in ausgedruckter Form. „Vertraulich!“ steht in der Tat auf dem Titelblatt, und:

Nachdruck, Vervielfältigung oder Veröffentlichung dieser Daten, ganz oder teilweise, nur mit Genehmigung des Instituts für Demoskopie Allensbach

Das ist schade, da wir gerne die kompletten 282 Seiten als PDF zum Download angeboten hätten. Immerhin haben wir mit unseren Steuergeldern ja auch für die Studie bezahlt. Doch die rechtliche Lage lässt das leider nicht zu. Aber auch hier könnt ihr die komplette Studie einfach und schnell per Mausklick selbst anfordern und bekommt sie zugeschickt.

Im Folgenden ein paar Auszüge:

Vorbemerkung

Das Ziel der Umfrage mit 1,792 Interviews:

Das Informationsverhalten der Bevölkerung befindet sich unverändert in einem dynamischen Veränderungsprozess. Die Gewichte der Mediengattungen verschieben sich weiter, wie auch die Nutzungsgewohnheiten der Rezipienten, deren Informationsverhalten heute wesentlich spontaner, ereignisgetriebener ist und weniger von festen Gewohnheiten bestimmt wird, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Zudem haben sich generationenspezifische Informationskulturen entwickelt, so dass junge Zielgruppen über andere Kanäle angesprochen werden müssen als die mittlere und ältere Generation.

Diese Entwicklungen verändern generell die Voraussetzungen für politische Kommunikation. Vor diesem Hintergrund beauftragte das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung das Institut für Demoskopie Allensbach mit einer aktuellen Bestandsaufnahme des Informationsverhaltens der Bevölkerung und insbesondere der Nutzung und Bewertung von Informationsquellen für die politische Information.

Bedeutungsgewinn des Internet

Die Ergebnisse klingen, als ob Captain Obvious bei Allensbach Praktikum gemacht hat. Das Internet ist auf dem Vormarsch, immer mehr Menschen nutzen das Netz und das immer öfter! Und erst die Jugend heutzutage:

In der jungen Generation, die sich allerdings weitaus weniger für das aktuelle Geschehen interessiert als die über-30-jährige Bevölkerung, ist das Internet bereits heute die wichtigste Informationsquelle über das aktuelle Geschehen, knapp vor dem Fernsehen: 47 Prozent der Unter-30-Jährigen stufen das Internet als ihre wichtigste Informationsquelle ein, 43 Prozent das Fernsehen, 10 Prozent die Tageszeitung.

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Und weiter mit den Überraschungen:

Für die Unter-30-Jährigen ist die Zeitung das Medium, auf das sie am ehesten verzichten könnten, während ihnen das Internet im Vergleich der anderen Mediengattungen mit großem Abstand als das wichtigste Medium erscheint.

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In der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung war aber auch im Jahr 2011 das Internet noch das Medium, auf das man am ehesten verzichten würde.

Informationsquellen über Politik: Fernsehen, Zeitungen, persönliche Gespräche

Trotz des kontinuierlichen Bedeutungsgewinns des Internet und sinkenden Reichweiten der Tagespresse gehören die Zeitungen neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu den wichtigsten Informationsquellen über Politik, während das Internet in der politischen Information nach wie vor eine untergeordnete Bedeutung hat. Das gilt selbst für die junge Generation, die mittlerweile das Internet als ihre wichtigste Informationsquelle über das aktuelle Geschehen bezeichnet. Der Ausschnitt des aktuellen Geschehens, für den sich die junge Generation besonders interessiert, hat jedoch in weiten Teilen nur wenig mit Politik zu tun. Dies erklärt die Diskrepanz zwischen der Bewertung des Internet und der Tagespresse in Bezug auf ihre Bedeutung als Informationsquelle über das aktuelle Geschehen und ihre Bedeutung als politische Informationsquelle.

Das Internet dient zwar auch als Informationsquelle über Politik, aber im Durchschnitt viel weniger:

Lediglich 19 Prozent aller Internetnutzer informieren sich im Internet täglich oder fast täglich über politische Ereignisse, weitere 16 Prozent zwei- bis dreimal in der Woche; 23 Prozent nutzen das Internet als politische Informationsquelle höchstens einmal die Woche, 41 Prozent selten oder nie.

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Die Erklärung: Man muss 20 Uhr nicht mehr die Tagesschau einschalten, sondern kann auch andere Dinge tun.

Das Internet generiert andere Nutzungsmuster als andere Mediengattungen. Durch den großen, jederzeit und überall zugänglichen Informationsvorrat wird ein weniger habituelles, stärker anlass- und bedarfsgetriebenes Informationsverhalten anerzogen. Während die Tagespresse und auch die Fernsehnachrichten in hohem Maße habitualisiert und täglich genutzt werden, haben Internetnutzer selten die Sorge, etwas zu verpassen, wenn sie ein oder mehrere Tage auf die Information via Internet verzichten.

Wenn man aber gezielt Informationen zum aktuellen Geschehen sucht, scheint das Internet gut zu sein:

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Unter-40-jährige Männer mit höherer Schulbildung

Im Teil „Auswirkungen des Internet auf die politische Information der Bürger“ geht es auf einmal um Social Networks und Facebook, was auch immer das damit zu tun hat. Das lasse ich mal raus, da die Daten schon eineinhalb Internet-Jahre alt sind.

Dann geht’s kurz um politisches Engagement in „klassisch“ (offline) und „online“ (ja, wirklich in Anführungszeichen) und dann endlich um die „Political Net Activists“:

Insgesamt knapp 10 Prozent der Bevölkerung zählen zu den Political Net Activists, die das Internet auf mehrere verschiedene Arten nutzen, um sich politisch zu beteiligen. Diese Gruppe rekrutiert sich überdurchschnittlich aus unter-40-jährigen Männern mit höherer Schulbildung. In Bezug auf ihre parteipolilischen Orientierungen tendieren Political Net Activists überdurchschnittlich zu den Grünen, unterdurchschnittlich dagegen zu den Unionsparteien.

Political Net Activists sind überdurchschnittlich auch außerhalb des Internet politisch aktiv und zeichnen sich durch überdurchschnittliche Kommunikationsfreude, Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die Einflussmöglichkeiten der Bürger aus.

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Glaubwürdigkeit der Mediengattungen und Informationsquellen

Zum Schluss gibt’s nochmal einen Teil zum Vertrauensverlust der Medien sowie zur Verständlichkeit und Glaubwürdigkeit von Berichterstattung:

Angesichts der immer komplexeren Themen und volatilen ökonomischen wie politischen Entwicklungen wächst die Ratlosigkeit der Rezipienten. Bei vielen Ereignissen sind sich die meisten nicht sicher, ob sie die Zusammenhänge und Beschaffenheit der Probleme richtig erfassen und dem Tenor der Berichterstattung trauen können. So hat die große Mehrheit den Eindruck, dass sie sich auf der Basis der Berichterstattung der Medien weder ein Urteil über Energiepolitik und die Zukunft der Energieversorgung machen kann noch über die Schuldenkrise in der Euro-Zone, die Lage in Afghanistan oder die Steuerpolitik der Bundesregierung.

Schuld sind nicht nur die Medien, sondern auch die Komplexität der Themen. Aber unabhängig sind die Medien auch nicht:

Weite Bevölkerungskreise bezweifeln auch die Ausgewogenheit der Berichterstattung. Dies gilt für die Berichterstattung über Parteien und noch mehr bei Personen. Nur 23 Prozent der Bürger haben den Eindruck, dass die Medien mit den verschiedenen Politikern ähnlich kritisch oder auch ähnlich wohlwollend umgehen, 55 Prozent machen deutliche Unterschiede aus; von den politisch Interessierten teilen 64 Prozent diese Auffassung.

Zum Glück gibt es eine Rettung: das öffentlich-rechtliche Fernsehen:

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Am wenigsten Vertrauen gibt es „in Radio und Internet“. Deutschland im 21. Jahrhundert.

(Meinungsforschungsinstitute sind aber glaubwürdig. Sagt Allensbach.)

23 Kommentare
  1. ein weiterer mensch 10. Apr 2013 @ 14:10
    • Andre Meister 16. Mai 2013 @ 11:01
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