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Studie vergleicht „Kopierkultur“ in den USA und Deutschland

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Eine vom Institut „The American Assembly“ der Columbia University durchgeführte Studie mit dem Titel „Copy Culture in the US & Germany“ (PDF, 6,1 MB) vergleicht Mediennutzungsverhalten und Einstellungen zum Thema Urheberrechtsdurchsetzung in den USA und Deutschland. Für die Studie wurden bereits 2011 via Telefon 2.303 US-Amerikaner und 1.000 Deutsche befragt, die Ergebnisse jedoch erst gestern veröffentlicht. Ein derart umfassender, unabhängiger Ländervergleich war mir zumindest bislang noch nicht bekannt. Update: die Studie wurde offensichtlich mit einem Google-Forschungsgrant finanziert, ist mir auf den ersten Blick entgangen. Besonders erfreulich: Die gesamte Studie steht unter einer Creative-Commons-Lizenz.

Die Studie fokussiert fünf Themenfelder (hier und im folgenden meine Übersetzung):

(1) Praktiken: Was haben und tun die Befragten?
(2) Einstellungen: Was sollten die Befragten ihrer Meinung nach tun dürfen?
(3) Sanktionen: Welche Sanktionen für Rechtsverletzugnen halten die Befragten für angemessene?
(4) Blocken: Sollen Intermediäre wie Internet-Provider oder Suchmaschinen Inhalte blockieren, die Urheberrechte verletzen?
(5) Kaufen: Wofür die Befragten zu zahlen bereit sind?

Die Ergebnisse der Studie bestätigen dabei weitgehend für die USA und Deutschland jene der kürzlich in Großbritannien veröffentlichten Ofcom-Studie: Kopieren ist weit verbreitet, vor allem unter jüngeren Befragten, aber nur eine kleine Minderheit – z.B. 3% der US-Amerikaner and 2% Deutschen im Musikbereich – beschaffen sich auf diese Weise eine große Zahl ihrer konsumierten Inhalte.

Im Ländervergleich zeigen sich teilweise doch markante Unterschiede: Während in Deutschland die Weitergabe von kopierten DVDs mit 15% bei den unter 30jährigen etwas weiter verbreitet ist als in den USA (10%), zeigt sich bei Peer-to-Peer-Filesharing die gegenläufige Tendenz (8% in Deutschland gegenüber 20% in den USA in dieser Altersgruppe).

Interessant sind die Ergebnisse zu legalen Streaming-Angeboten, die in den USA insbesondere im Filmbereich dank Plattformen wie Hulu oder Netflix viel weiter ausgebaut sind als in Deutschland: Während die Nutzer legaler Streaming-Angebote in den USA mehrheitlich angaben, deswegen weniger auf illegale Angebote zurückzugreifen, ist ein Vergleich mit Deutschland auf Grund zu geringer Nutzerzahlen gar nicht möglich.

Was die Akzeptanz von privaten und öffentlichen Rechtsdurchsetzungsmaßnahmen betrifft, so ist diese in Deutschland generell höher als in den USA, mit Ausnahme allgemeiner Überwachung des Internetnutzungsverhaltens, die in Deutschland auf sehr starke Ablehnung (71%) stößt.

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Abgefragt wurde auch ganz allgemein die Akzeptanz einer pauschalen Abgabe auf Breitband-Internetzugänge bei gleichzeitiger Freigabe von Filesharing, also einer „Sharing License“ bzw. „Kulturflatrate“. Vor allem unter jüngeren Befragten in Deutschland gibt es hierfür große Zustimmung:

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Jene, die eine pauschale Lösung bevorzugen, wurden auch nach ihrer diesbezüglichen monatlichen Zahlungsbereitschaft befragt, die durchaus beträchtlich ausfällt (auffällig allerdings, dass die Deutschen ihre Angaben offenbar in Pfund gemacht haben ;-):

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Ich habe es noch nicht geschafft, wirklich in die Details der Studie einzusteigen. Mein erster Eindruck ist aber, dass hier eine schöne Datengrundlage für manche Aspekte der Urheberrechtsdebatte geschaffen wurde.

6 Kommentare
  1. Sieht sehr interessant aus – aber ich fände einen Hinweis darauf, dass Google die Studie mitfinanziert hat zwegs Transparenz wichtig: „Copy Culture in the US and Germany was made possible by a research grant from Google, Inc.“ (S. 69)

  2. „The Copy Culture survey was sponsored by The American Assembly, with support from a research award from Google“.

    Google lebt von der Copy/Free Culture:

    http://thetrichordist.com/2013/01/07/reading-between-the-lines-google-tells-the-truth-on-ad-supported-piracy-now-let-markets-do-their-work/

    Sehr aufschlussreiche Hintergründe dazu, wie Google die öffentliche Meinung beeinflusst:

    http://www.copyhype.com/2012/12/guest-post-the-net-fail-part-1/

  3. Interessante Studie. Das google da mitfinanziert finde ich nicht schlimm. Solange es transparent ist.

    *Eine Kopie, ist eine Kopie, ist eine Kopie*

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