Pressefreiheit
-
: China: Internetzensur während der Olympiade
: China: Internetzensur während der Olympiade Ich finde es ja gut, dass die chinesische Regierung während der Olympischen Spiele keine unzensierten Presse-Zugänge liefert und mit einer solchen Aktion die existierende Internetzensur verschleiern würde. Die Aufmerksamkeit steigt dadurch enorm und das sonst eher spärlich behandelte Thema ist in vielen Medien.
Kritik kommt von Reporter ohne Grenzen: Kein freier Internetzugang im Pressezentrum.
Gestern noch sagte der Pressechef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kevan Gosper, das IOC sei bemüht, „sicherzustellen, dass die Medien auch bei diesen Spielen so frei berichten können wie bei vergangenen Olympiaden.“ Heute heißt es seitens des IOC, dass dies sich lediglich auf Recherchen zum Thema Sport beziehe. „Die chinesischen Behörden haben erneut ihr Versprechen gebrochen“, so ROG. „Die Lage der Menschenrechte und Meinungsfreiheit sollte verbessert, ausländische Journalisten sollten frei recherchieren und berichten können. Nun herrscht Zensur.“ ROG kritisierte zudem, dass das IOC die derzeitige Situation durch sein jahrelanges Schweigen erst möglich gemacht hat.
Über das Thema Internetzensur berichtet heute u.a. die FAZ: Chinas Kampf gegen das freie Netz. und gestern die Rheinische Post: Chinas virtuelle Mauer.
Eine neue Webseite von Amnesty International, The China Debate, thematisiert die Menschenrechtsverletzungen in China, inklusive der Internetzensur und stellt die Frage: What human rights legacy for the Beijing Olympic Games? Ziel der Kampagnenseite ist es, eine offene Debatte zu führen, daher gibt es als Sprache auch ausdrücklich Mandarin zur Auswahl. Unklar ist, ob die Seite auch schon den Zensoren zum Opfer gefallen ist.
Die OpenNet Initiative hat die Internetzensur im Pressezentrum getestet: On the Olympic stage, the Great Firewall remains a player.
Die Futurezone berichtet, dass das deutsche IOC ein eigenes VPN aufgebaut hat, um unzensiert kommunizieren zu können: Deutsche umgehen chinesische Zensur.
„Wir haben ein geschlossenes Informationssystem eingerichtet und sind meines Wissens das einzige Olympische Komitee, das für Athleten, Funktionäre, aber auch für Journalisten ein derartiges Service betreibt“, sagte Gerd Graus, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds, den ORF.at am Donnerstag in Peking telefonisch erreichte.
Mehr zum Thema findet sich auch bei Spiegel-Online: „Wie China das Internet zensiert“ oder in vielen Beiträgen hier im Blog.
-
: Berlin08: Wie frei sind unsere Medien
: Berlin08: Wie frei sind unsere Medien Morgen beginnt „Berlin08 – Festival für junge Politik“ in der Berliner Wuhlheide. Ich bin noch kurzfristig als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion angefragt worden und werde daher morgen zwischen 14:30–16:00 über „Wie frei sind unsere Medien“ diskutieren.
„WIE FREI SIND UNSERE MEDIEN?“
FREITAG, 13. JUNI 2008, 14.30 BIS 16.00 UHRDie Pressefreiheit ist einer der Eckpfeiler der Demokratie. Ohne Pressefreiheit ist keine Demokratie denkbar. So hat die Freiheit der Berichterstattung auch Einzug gehalten in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Dennoch muss sie immer wieder neu erkämpft werden – nicht nur in vielen Ländern der Welt, in der sie noch immer nicht als fundamentales Recht anerkannt wird und Journalisten unterdrückt oder verfolgt werden, sondern auch in Europa, in denen es immer wieder zu Eingriffen in die Freiheit der Presse kommt. Ende 2007 veröffentlichte „Reporter ohne Grenzen“ zum sechsten Mal eine Rangliste der Pressefreiheit, welche die Lage der Medienfreiheit in 169 Ländern vergleicht. Deutschland ist nach zahlreichen Eingriffen in die Medienfreiheit, etwa die bekannte „Cicero-Affäre, im Vorjahresvergleich um fünf Plätze von Platz 18 auf 23 zurückgefallen. Werden wir noch weiter „abrutschen“? Wohin geht die Entwicklung international? In Russland, auf Platz 147 der Rangliste von „Reporter ohne Grenzen“, müssen Journalisten, die investigativ recherchieren, um ihr Leben fürchten. In China ist die Freiheit der Berichterstattung während der Olympischen Spiele 2008 mehr als fraglich. Doch nicht nur Staaten schränken die Freiheit ein – auch die Ökonomisierung schreitet voran. Wie wird die Unabhängigkeit durch so genannte „Heuschrecken“, die Verlage und Medienunternehmen übernehmen und unter unbedingten Renditezwang stellen, gefährdet? Werden Qualitätsmedien zum Luxusgut? Und: Was bedeutet eigentlich die Freiheit des Wortes für junge Menschen heute? Wie entdecken sie neue Spielräume für den Ausdruck ihrer Gedanken etwa durch Blogs im Internet?
* Christoph Schultheis, Bildblog
* Anna Siitam, Vorstandssprecherin der Europäischen Jugendpresse
* Reinhard Laska, Redakteur bei dem ZDF-Magazin Frontal 21
* Markus Beckedahl, netzpolitik.orgDie Diskussion wird von der Jugendpresse in Kooperation mit der BpB durchgeführt.
-
: Lufthansa nutzt Passagierdaten für Überwachung
: Lufthansa nutzt Passagierdaten für Überwachung Nach der Telekom steht jetzt auch die Lufthansa am Daten-Pranger: Auch Lufthansa spähte Journalisten aus. Um undichte Stellen im Konzern zu enttarnen, hat man einfach auf die eigenen Passagierdatenbanken zurückgegriffen. Ein FTD-Journalist wurde dabei ebenso Opfer von Überwachungsmassnahmen durch die Lufthansa als auch durch die Telekom.
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE beauftragte der Lufthansa-Vorstand Anfang 2001 die Konzern-eigene Sicherheitsabteilung, den Tippgeber in den eigenen Reihen ausfindig zu machen. Die wurde schließlich fündig, als der „FTD“-Reporter mit der Lufthansa von Düsseldorf nach Hamburg flog, wo er sich mit seinem Informanten traf, einem langjährigen Arbeitnehmervertreter. Weil beide wenig Zeit hatten, nutzten sie die Lufthansa-Lounge am Hamburger Flughafen.
Der Kontrolleur, der offenbar schon damals in Verdacht geraten war, die „FTD“ mit vertraulichen Informationen zu versorgen, wurde von einer Mitarbeiterin erkannt. Um seinen Gesprächspartner zu identifizieren, überprüften Konzernangestellte seine Flugdaten – und wurden prompt fündig. Die sensiblen Informationen sind intern über ein Computersystem mit dem Namen „Corona“ abrufbar und werden dort in der Regel ein Jahr lang gespeichert.
Aber laut Lufthansa sei das nichts schlimmes, weil die „ausgewerteten Passagierdaten“ […] „intern ohnehin mehreren tausend Mitarbeitern zur Verfügung“ stünden. Daher seien diese „weniger gut geschützt als Angaben über Telefonverbindungen“. Vielleicht kommt durch diese Aktion auch nochmal etwas mehr mediale Aufmersamkeit auf den Transfer unserer Passagierdaten an andere Staaten.
Man fragt sich was als nächstes kommt: Überwachte die Deutsche Bank etwa Kontenbewegungen von Journalisten, um interne Lecks zu finden?
-
: Ein fingiertes Interview über Interviews
: Ein fingiertes Interview über Interviews Telepolis hat ein erfundenes „Interview mit Richter Andreas Buske vom Landgericht Hamburg über Interviews“ veröffentlicht:
Der Vorsitzende Richter der Pressekammer am Landgericht Hamburg, Andreas Buske, gibt niemals Interviews, sondern zieht es vor, durch seine Urteile zu sprechen. Nun steht ein Urteil über Interviews in der Kritik. Telepolis-Interview mit dem Mann, der keine Interviews gibt
-
: Mehr Details zur Telekom-Vorratsdatenspeicherung
: Mehr Details zur Telekom-Vorratsdatenspeicherung Mittlerweile gibt es mehr Details, wie die unberechtigte Nutzung der Vorratsdaten bei der Telekom-Schnüffel-Affaire abgelaufen ist: Telekom-Datenspion packt aus: „Auftrag von oben“. Demnach ist die Aktion 2005 gestartet und man suchte eine undichte Stelle im Aufsichtsrat. Die Firma Network.deutschland GmbH aus Berlin hat die Vorratsdaten für die Telekom ausgewertet und herausgefunden, dass wohl der Betriebsrats-Vertreter interne Infos an die Zeitschrift Capital herausgegeben hat. In den darauffolgenden Jahren gab es weitere Auswertungen auf der Suche nach weiteren Info-Leaks.
Mal schauen, was da noch kommt. Telepolis hatte am Mittwoch schon mögliche Gesetze-Brüche aufgelistet: It’s a feature, not a bug.
Möglich sind unter anderem Verstöße gegen folgende Bestimmungen:
* § 33 Bundesdatenschutzgesetz („Werden personenbezogene Daten geschäftsmäßig zum Zweck der Übermittlung ohne Kenntnis des Betroffenen gespeichert, ist der Betroffene von der erstmaligen Übermittlung und der Art der übermittelten Daten zu benachrichtigen.“)
* § 34 Bundesdatenschutzgesetz („Der Betroffene kann Auskunft verlangen über die zu seiner Person gespeicherten Daten, die Empfänger und den Zweck der Speicherung.“)
* § 206 Strafgesetzbuch (Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses). Der aktuelle Vorstand unterRené Obermann wusste seit Ende April vom großen Lauschangriff seitens des Konzerns auf Journalisten und Manager und erstattete am 14. Mai Anzeige. ) -
: Die Vorratsdatenspeicherung der Telekom
: Die Vorratsdatenspeicherung der Telekom Die Deutsche Telekom hat nach Spiegel-Informationen ein Jahr lang die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten und Managern des eigenen Unternehmens überwachen lassen. Die Datensätze wurden nach Verbindungen zu Journalisten untersucht. Anscheinend suchte man undichte Stellen im Konzern. Der Kollateralschaden:
In einem Fax der Firma, das vor wenigen Wochen erste interne Ermittlungen bei der Telekom auslöste, heißt es: Ziel der Spähoperationen „Clipper“, „Rheingold“ und einiger anderer „Nebenprojekte“ sei die „Auswertung mehrerer hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren private Kontaktpersonen“ gewesen. In das Büro eines Wirtschaftsjournalisten soll sogar ein „Maulwurf eingeschleust“ worden sein, der über Monate „direkt an die Konzernsicherheit“ der Telekom berichtet habe, hieß es in dem dreiseitigen Fax, das dem SPIEGEL vorliegt.
Dies kann man alles mit den Verbindungsdaten anstellen, die von der Vorratsdatenspeicherung betroffen sind. Mal schauen, was da noch alles herauskommt. Bei der Telekom ist mannatürlich „tief erschüttert“. Die betroffenen Journalisten sind wahrscheinlich nicht erfreut, dass die Telekom einfach mal so mit der Pressefreiheit rumspielt und die eigenen Kunden-Datensätze für sowas nutzt.
-
: Bundestag gegen Internetzensur
: Bundestag gegen Internetzensur Es war sicher nur ungewollter Zufall, dass ausgerechnet jetzt zur BND-Trojaner-Affäre die Grosse Koalition im Bundestag den Antrag „Das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit weltweit durchsetzen und der Internet-Zensur entgegentreten“ eingebracht hat. Denn einen Antrag einbringen bedeutet auch eine kleine Debatte über das Thema. Diese habe ich leider nicht verfolgt, aber ich bin mal auf das Protokoll gespannt. 45 Minuten waren angesetzt, da kommt auch mal die Opposition mit ihrer Kritik an der aktuellen Politik zu Wort.
In dem Antrag finden sich dann auch Absätze wie:
„Verstösse gegen das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit finden in allen Regionen der Welt statt. Neben verschiedenen islamisch geprägten Staaten in Asien und Afrika geben auch zahlreiche weitere afrikanische und einige lateinamerikanische Staaten Anlass zur Sorg, zumenend auch Mitgliedsstaaten des Europarats.“
Interessant ist, dass ziemlich oft auf islamisch geprägte Staaten verwiesen wird, nicht nur in diesem Absatz. Natürlich sind diese Staaten sehr massiv dabei, Meinungs- und Pressefreiheit zu bekämpfen und natürlich muss man dies scharf kritisieren. Aber warum fehlen etliche asiatische Staaten wie China, Vietnam, Thailand oder Nord-Korea in der vielfältigen Aufzählung? Und warum ist man der Meinung, in der EU und in den USA wäre die Presse- und Meinungsfreiheit nicht unter Beschuss?
Aktuell ist dieser Absatz:
„Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit können von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren ausgehen; sie können gegen Zeitungen, Radio- und Fernsehsender oder auch gegen einzelne Medienvertreter gerichtet sein.“
Man denke da nur an Cicero oder aktuell die Spiegel-Redakteurin.
Sollte in Deutschland auch die absurde Forderung der Rechteindustrie nach einer Sperrung von Internetzugängen für Tauschbörsen-Nutzer in der Politik ankommen, können wir jetzt immer den folgenden Satz zum Thema Internetzensur zitieren:
„Daneben greifen etliche Staaten bei der Kontrolle des Internets auf die einfachste und effektivste Variante zurück – der Bevölkerung wird der Zugang vorenthalten“.
Ansonsten freue ich mich natürlich, das der Bundestag einen solchen symbolischen Antrag beschliesst. Die Forderungen am Ende des Antrages kann ich alle so unterschreiben. (Ist mir jetzt zuviel zum abtippen und kopiern geht nicht aus dem PDF).
Festhalten kann man mal:
Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung deshalb auf:
2. bei bi- und multilateralen Gesprächen darauf zu bestehen, dass das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit ein universelles, unteilbares Menschenrecht ist, das ohne Einschränkungen nicht nur für politisch Andersdenkende gilt, sondern auch für ethnische, religiöse und sexuelle Minderheiten.
9. im Rahmen aller genannten Forderungen auch und insbesondere die Zensur im Internet zu thematisieren und dieser entgegenzutreten.
Nicht vergessen sollte man, dass die Presse- und Meinungsfreiheit auch bei uns unter Beschuss ist . Durch die vielen Affären, die in den letzten Jahren ans Tageslicht kamen. Und durch die Gesetzgebung der Grossen Koalition, die uns aktuell die Vorratsdatenspeicherung und das BKA-Gesetz bringen.
-
: China und die Pressefreiheit
: China und die Pressefreiheit Spiegel-Online hat ein Interview mit dem ZDF-Korrespondent Johannes Hano über die aktuelle Presse-Situation in China: „Der größte Überwachungsapparat der Welt“.
SPIEGEL ONLINE: Was merken Sie persönlich davon?
Hano: Wir wollten am Montag auf der Straße jemanden interviewen. Der guckte sich unser Mikro genau an und ging dann einfach weiter. Der Grund: Ich selbst und auch das ZDF sind in Internetforen angeprangert worden – wie beim Blog anti-cnn.com. Dort wurde uns zwar kein Fehler nachgewiesen, aber unterstellt, wir würden einseitig berichten. Alle Chinesen sind dort aufgefordert worden: Gebt keine Interviews, wenn dieser Mann oder das ZDF-Logo irgendwo auftauchen.
SPIEGEL ONLINE: Spüren Sie auch die Zensur im Land?
Hano: Was bedeutet schon der Begriff Zensur? Entweder kann man bestimmte Dinge nicht schreiben oder senden. Oder – viel perfider – man kommt an Informationen gar nicht mehr heran.
SPIEGEL ONLINE: Das heißt?
Hano: Grundsätzlich hat sich das chinesische Presserecht vor den Olympischen Spielen zum Positiven gewandelt. Wir müssen nicht mehr bei den Behörden anfragen, wenn wir drehen wollen. Es gilt: Stimmt der Interviewpartner zu, können wir loslegen – eigentlich. Denn das Perfide ist, dass unsere Interviewpartner nun im Vorfeld unter Druck gesetzt werden, nicht mit uns zu sprechen.
-
: Hu Jia zu 3,5 Jahren Haft verurteilt
: Hu Jia zu 3,5 Jahren Haft verurteilt China macht weiter ernst. Hui Jia wurde heute zu 3,5 Jahren Haft verurteilt, „Untergrabung der Staatsgewalt“ durch eine handvoll Postings. Wie bedroht fühlt sich die Volksrepublik?
Bei Peking Duck und Global Voices Online gibt es mehr Material, das man lesen und ansehen sollte. -
: Hu Jia in der taz
: Hu Jia in der taz Die taz von heute berichtet über den chinesischen Bürgerrechtsaktivisten Hu Jia (胡佳), der zusammen mit dem Anwalt Teng Biao letzten Dezember einen offenen Brief verfasst hatte. Der Artikel Peking klagt Dissidenten an geht auch auf einige Hintergründe ein.
Hu stand bereits seit Mai vergangenen Jahres unter Hausarrest. Weil im Internetzeitalter mutigen Dissidenten so nicht mehr der Mund zu verbieten ist, publizierte Hu weiter und nahm am 27. November sogar per Webcam an einer Anhörung des Europaparlaments teil. Dabei bezeichnete er die Olympischen Spiele in Peking als „Desaster für die Menschenrechte“.
Zusammen mit seiner Frau Zeng Jingyan (bloggt auf 了了园) war Hu Jia vergangenes Jahr unter den Finalisten für den europäischen Sacharow-Preis für geistige Freiheit.
Bei den China Human Rights Defenders kann man das meiste davon auf chinesisch nachlesen: 胡佳案庭审违反司法公正,因言治罪违宪侵权.
-
: Europäischer Aktionstag für die Pressefreiheit
: Europäischer Aktionstag für die Pressefreiheit Heute gibt es einen europäischen Aktionstag für die Pressefreiheit. Die International federation of journalists hat verschiedene Links, was heute so passiert.

-
: Kleine Änderung bei der Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung
: Kleine Änderung bei der Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung Es gibt kleine Änderungen am Regierungsentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung. Leider ist die Vorratsdatenspeicherung davon nicht betroffen. Konkret sollen Änderungen vorgenommen werden, „wonach bei Journalisten gefundenes Material nur dann in einem Strafverfahren verwendet werden darf, wenn es dabei um eine Tat mit einem Strafmaß von mehr als fünf Jahren Gefängnis geht.“ Hier geht es vor allem um „sogenannte Zufallsfunde bei Hausdurchsuchungen“. Das berichtet die Frankfurter Rundschau mit einem Verweis auf Jörg Tauss von der SPD: Nicht besser als Ärzte oder Therapeuten. Dieser wertet das als Teilerfolg der Medienpolitiker, die sich aber insgesamt nicht gegen die SPD-Rechtspolitiker durchsetzen konnten. Wie das immer so ist.
Die Änderung ist zwar wichtig und richtig. Aber sie ändert nichts daran, dass die Pressefreiheit trotzdem massiv durch die Vorratsdatenspeicherung angegriffen wird. Denn noch immer kommt die Vollprotokollierung der Verbindungsdaten, was generell die Kommunikation zwischen Informanten (Whistleblower) und Journalisten / Bloggern deutlich erschwert.
-
: „Pressefreiheit fängt auf Brüsseler Ebene an zu verdunsten“
: „Pressefreiheit fängt auf Brüsseler Ebene an zu verdunsten“ Mögliche Folgen der Vorratsdatenspeicherung diskutieren gestern auf der Fachtagung zur Einführung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland der Brüsseler Korrespondent Detlef Drewes, Stephan Wels von Panorama, sowie Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Der im Programm angekündigte Unionspolitiker Norbert Geis, war hingegen auf dem Panel nicht zu sehen. Anscheinend war niemand aus der Grossen Koalition bereit, sich der Diskussion zu stellen. Etwas verwunderlich, weil die üblichen Verdächtigen normalerweise keinem Mikrophon ausweichen, was ihnen für kurze Statements für die Medien vor die Nase gehalten wird.
Im Mittelpunkt stand vor allem die Frage, ob nach Einführung der Vorratsdatenspeicherung überhaupt noch ausreichender Informanten- und Datenschutz zu gewährleisten sei. Nach den Ausführungen von Detlef Drewes kann die Antwort darauf nur ein klares „Nein“ sein. So berichtete der Korrespondent, der in Belgien bereits sein einiger Zeit unter der Vorratsdatenspeicherung leidet, dass ihm bei Europol mittlerweile jenseits der Pressestelle jeglicher Kontakt versagt worden sei. Allgemein herrsche in Brüssel mittlerweile eine Atmosphäre „in der Journalisten mit größter Skepsis und Anfeindungen begegnet wird“. Als Beispiel führte er an, dass er gar nicht mehr in der Lage sei, zum Thema Kinderpornographie zu recherchieren, da eine Rückleitung an den Provider bereits dazu führt, dass er sich strafbar machen würde. Ebenso habe ihm ein Informant vom flämischen Block – der ihm früher Informationen über rechtsextreme Parteien in Deutschland lieferte – mitgeteilt, dass er ihn nie wieder anrufen solle.
Derartige Konsequenzen fürchtet auch Stephan Wels von Panorama, räumte aber ein, dass man sich mit dieser Thematik in der Panorama Redaktion das erste Mal vor ein paar Wochen für einen Bericht befasst habe.
Bezeichnend ist es für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, dass die Ausweitung der Vorratsdatennutzung zur Gefahrenabwehr und für die Geheimdienste bereits in den Referentenentwurf aufgenommen wurde. Sie nannte dies eine „Frechheit“ die veranschauliche, welche Befugnisausdehnungen in diesem Fall noch hinzu kommen könnten. Bedenklich findet sie im Besonderen, dass es schwierig sei, die Bürger dafür zu interessieren und es der Koaltion deshalb möglich sei, sich so viel herauszunehmen.
Weitere Aspekte der Diskussion lassen sich im Heise-Artikel „Vorratsdatenspeicherung als Bedrohung für das soziale Netz“ nachlesen:
Die für diese Woche im Rechtsausschuss des Bundestags angesetzten Anhörungen zum Gesetzesentwurf allgemein und zur Vorratsdatenspeicherung im Besonderen bezeichnete die Liberale nicht als reine Pro-Forma-Sache. Sie hoffe, dass an einzelnen Stellschrauben wie dem Informantenschutz bei Abhöranordnungen allgemein noch Änderungen erfolgen könnten. Eine Aufschiebung der Verpflichtungen zur Verkehrsdatenprotokollierung bis zu einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aufgrund einer Klage Irlands gegen die EU-Richtlinie sei aber unrealistisch, da es trotz Demonstrationen gegen die zunehmende Überwachung „keinen Aufschrei in weiten Teilen der Bevölkerung gibt“. Erst, wenn sich Bürger einzelne Verhaltensweisen der Behörden nicht mehr erklären können, dürfte mehr öffentliche Aufmerksamkeit entstehen. Aber dann sei es zu spät, da einmal geschaffene Ermittlungsbefugnisse nicht mehr zurückgenommen würden.
Auch die Taz berichtet: Auch Seelsorge gegen Datensammelei.
Das größte Bedenken der Medienvertreter: Potenzielle Informanten, die den Redaktionen Insiderwissen zutragen wollen, ohne ihre Identität preiszugeben, könnten das Vertrauen in die ihnen zugesagte Anonymität verlieren und ihre Information lieber für sich behalten. Denn wenn der Autor eines Insiderbeitrags ins Visier der Staatsanwaltschaft gerät, können zukünftig dessen sämtliche elektronische Kommunikationen offengelegt werden – und zwar rückwirkend bis zu einem halben Jahr. Da der Gesetzentwurf „einen spürbaren Quellenschutz für Journalisten verweigert“, so Fiedler, werde ein Kernbereich der Pressefreiheit angegriffen.
-
: Frankreich: Journalisten gegen Konzentrationseffekte
: Frankreich: Journalisten gegen Konzentrationseffekte Kam per Mail: ein Artikel in der Libération von heute: Gravité
Vertreter aus 27 französischen Presse-Redaktionen haben sich getroffen, um über die journalistische Unabhängigkeit nachzudenken. Sie sind beunruhigt von der Medienkonzentration in den Händen weniger Industrieller, die der Macht sehr nahe stehen. Der Chefredakteur der Libération, Laurent Joffrin, findet das auch: „Präsident Nicolas Sarkozy hat schon immer mit Erfolg ein Netzwerk von Freunden in den Medien und vor allem bei den Besitzern der wichtigsten Unternehmensgruppen geknüpft… Sie haben naturgemäß immer wieder mit dem Staat zu tun. Aus Vorsicht sind sie versucht, noch über die Wünsche des Prinzen hinaus zu gehen, ohne dass der auch nur eine Augenbraue hochziehen müsste. Um dieser Anziehungskraft durch die Politik zu entgehen, gibt es nur eine Lösung: Die Verteidigung des Journalismus durch die Journalisten selbst. Die Organisation der Redaktionen, der Pressekodex, das Recht gegen die Nominierung von Chefredakteuren ein Veto einzulegen: Es ist dringend geboten, von diesen demokratischen Mitteln auch Gebrauch zu machen.“
„Demokratische Mittel“ mag heißen, dass es bald mehr gute französische Blogs geben wird, die sich dem Thema widmen. :)
[übersetzt von und via eurotopics]
-
: Olympia 2008: Reporter ohne Grenzen mahnen China
: Olympia 2008: Reporter ohne Grenzen mahnen China
In der nächsten Runde China v. Pressefreiheit (wir berichteten) starten die Reporter ohne Grenzen eine Kampagne, die auch das Internationale Olympische Kommittee daran erinnern soll, dass China kein sorgloses Pflaster für die Medien ist, weder aus- noch inländische. Auch die Vorstellung, dass Olympia 2008 ein chinesischer Frühling werden kann, muss ja immer noch als Illusion gelten. heise online berichtet:
Neun Bedingungen müsse die chinesische Regierung erfüllen, bevor in gut 400 Tagen in Beijing die Olympischen Spiele beginnen, heißt es auf der internationalen Kampagnen-Webseite von Reporter ohne Grenzen, darunter: Alle Journalisten und Internetnutzer, die ihr Recht auf Information wahrgenommen haben, müssten aus der Haft entlassen werden. Ausländische Korrespondenten dürften nicht gegängelt, ausländische Radiostationen nicht gestört werden. Weiter fordern die Menschenrechtler einen freien Zugang zu Informationen im Internet und die Zulassung von unabhängigen Journalisten-Vereinigungen und Menschenrechtsaktivisten.
Und das ist die Liste mit den neun Bedingungen:
1. Release all journalists and Internet users detained in China for exercising their right to information.
2. Abolish for ever the restrictive articles in the Foreign Correspondents Guide that limit the media’s freedom of movement and work.
3. Disband the Publicity Department (the former Propaganda Department), which exercises daily control over content in the Chinese press.
4. End the jamming of foreign radio stations.
5. End the blocking of thousands of news and information websites based abroad.
6. Suspend the “11 Commandments of the Internet,” which lead to content censorship and self-censorship on websites.
7. End the blacklisting of journalists and human rights activists, which prevents them from visiting China.
8. Lift the ban on Chinese media using foreign news agency video footage and news reports without permission.
9. Legalize independent organisations of journalists and human rights activists. -
: Iran filtert MMS auf „unmoralische Inhalte“
: Iran filtert MMS auf „unmoralische Inhalte“ So unklar die Definition von „unmoralisch“, so hübsch die Formulierung bei The Inquirer: Schäubles Traum: Iran filtert Kommunikation. Bei Reuters steht das so:
“ … in order to prevent possible misuse of MMS, immoral actions and social problems, the Telecommunications Ministry will filter immoral MMS,“
Nicht nur die Pressefreiheit wird beschränkt, wie auch regelmäßig im Jahresbericht 2007 der Reporter ohne Grenzen aufgeführt, sondern auch die private Kommunikation. Träumt Schäuble als nächstes davon?
-
: Top 10 der Presseunfreiheit: Äthopien, Gambia, Russland (und andere)
: Top 10 der Presseunfreiheit: Äthopien, Gambia, Russland (und andere) Im China Herald heute, anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit, wird auf den Jahresbericht 2007 des Committee to Protect Journalists verlinkt:
The African nations of the Gambia and the Democratic Republic of Congo join Russia and Cuba among the world’s worst “backsliders” on press freedom.
“Democracy’s foothold in Africa is shallow when it comes to press freedom,” said CPJ Executive Director Joel Simon. “These three African nations, as diverse as they are, have won praise at times for their transition to democracy—but they are actually moving in reverse on press issues. Journalists in Ethiopia, Gambia, and DRC [Kongo] are being jailed, attacked, and censored, a picture far worse than what we saw only a few years ago.”
China ist hier nicht mehr in den Top Ten. Die Reporter ohne Grenzen haben eine ähnliche, nicht ganz deckungsgleiche Liste im Jahresbericht für 2007:
“The report lists the worst violations in repressive countries, including major culprits North Korea, Eritrea, Cuba and Turkmenistan, but also looks at democracies, where progress needs to be made too,” the organisation says.
“A disturbingly record number of journalists and media workers were killed or thrown in prison around the world in 2006 and we are already concerned about 2007, as six journalists and four media assistants have been killed in January alone,” the report’s introduction says.
-
: Markt für Nachrichten in China jetzt international konzessioniert
: Markt für Nachrichten in China jetzt international konzessioniert Im Rennen um die millionenschwere Erlaubnis, den chinesischen Markt mit finanziellen und anderen Nachrichten versorgen zu dürfen haben sich vier Bewerber durchgesetzt:
The four agencies are Reuters Asia/Pacific Limited, part of the Reuters Group, JiJi Press of Japan, ET Net Limited of Hong Kong and NNA China Limited, which is affiliated to iNews Net Asia based in Japan.
Man weiß ja, was da in etwa zu erwarten sein wird. Es haben ja nicht die Reporter ohne Grenzen oder andere kritische Organisationen ausgesucht… sondern Xinhua, der staatliche noch-Monopolist. Oder macht sich China auch hier vorübergehend für den Westmarkt und Olympia fit? Bei danwei.org waren schon letzten September die üblichen Beschwerden zu hören. Als Leckerli führt man dort ein Zitat an, das man sich auf der Zunge zergehen lassen will:
From time immemorial Chinese newspapers … have been little more than mere official publications over which the Government has always exercised a rigid censorship. It is gratifying to notice, however, that the power of the Press is beginning to make itself felt even in China, and there can be no doubt that newspapers will become increasingly an important factor in … affairs, moral, religious and political…
…What has been done is utterly insignificant compared with what will be accomplished when freedom of speech and of the Press are fully accorded. As a recent Chinese writer says, “a free Press would become the people’s most effective weapon against public outrages and political intrigues. It would be a deadly weapon against corruption, a guillotine over the heads of unscrupulous officials, the relentless foe of oppressors of the poor and a powerful factor for the proper administration of national affairs.”
—North China Herald, July 26, 1907Es bleibt immer noch die Möglichkeit, dass auch der chinesische
KommunismusStaatskapitalismus wie alle vorhergehenden Dynastien nur eine vorübergehene Zeit markiert.[via ABM]
-
: UN akzeptiert Blogger als Pressevertreter
: UN akzeptiert Blogger als Pressevertreter Mit Verweis auf die NYT berichtet Silicon.de vom ersten bei der UN akkreditierten Blogger: UNO lässt ihren eigenen Blogger als Pressevertreter zu.
Lee ist somit der einzige Blogger, der in einer internationalen Organisation dieser Größe zugelassen ist, dort einen Pressearbeitsplatz für seine Berichte erhält und sich hinter den Kulissen bewegen darf. Er hatte sich 2005 den Vereinten Nationen zugewandt und um eine Akkreditierung ersucht. Sein Newsletter bestand zu dem Zeitpunkt 18 Jahre. Lee betrachte sich, so hieß es, als einen Vorreiter für weitere Blogger, die sich als unabhängige, selbständige Vertreter der Öffentlichkeit verstünden. Die UNO feilt, dem Bericht zufolge, derzeit an Richtlinien für die offizielle Pressearbeit von Bloggern auf UNO-Veranstaltungen.
Es gab noch einen zweiten akzeptierten Blogger, aber den haben sie wohl wieder rausgeschmissen, weil er zuviele Fragen stellte, die mit der Sache nichts zu tun hatten.
-
: Das geplante neue Pressegesetz der Slowakei
: Das geplante neue Pressegesetz der Slowakei In der SME wird über das geplante Pressegesetz in der Slowakei berichtet (Artikel ist derweil offline). Offenbar mag die Regierung die freie, unabhängige Presse nicht mehr und will ein neues Pressegesetz durchsetzen:
Seit Monaten beschwert sich die slowakische Regierung unter Ministerpräsident Robert Fico darüber, viele Medien seien regierungskritisch. Die Medien berichteten nicht objektiv, lautet der Vorwurf. Fico will nun ein neues Pressegesetz schaffen, wonach die Regierung alle vermeintlich nicht-objektiven Artikel oder Sendungen mit ‚Gegendarstellungen’ beantworten können soll. Medienvertreter fürchten massive Eingriffe in die Pressefreiheit. Marian Lesko kommentiert: „Der Premier hat keine Berechtigung, seine persönliche Meinung zum Gesetz zu machen. Seine Behauptung, die Bürger hätten keine objektiven Informationen, ist subjektiv, von Partei- und Machtinteressen deformiert. Seine Auffassung, dass die Hälfte der Informationen, die die Journalisten über die Regierung verbreiten, fehlerhaft ist, lässt ahnen, welches Ausmaß die ‚Gegendarstellungen’ annehmen könnten. Das Prinzip der redaktionellen Unabhängigkeit wäre dann nur noch ein leeres Wort.“
Klingt Panne – die sind in der EU (impliziert: da darf man sowas nicht; Kritik muss erlaubt sein und muss gehört werden können). Und Fico ist doch eigentlich Sozialdemokrat? Oder doch auf dem konservativen ‚dritten Weg’?
[via eurotopics]