Nach der Telekom steht jetzt auch die Lufthansa am Daten-Pranger: Auch Lufthansa spähte Journalisten aus. Um undichte Stellen im Konzern zu enttarnen, hat man einfach auf die eigenen Passagierdatenbanken zurückgegriffen. Ein FTD-Journalist wurde dabei ebenso Opfer von Überwachungsmassnahmen durch die Lufthansa als auch durch die Telekom.
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE beauftragte der Lufthansa-Vorstand Anfang 2001 die Konzern-eigene Sicherheitsabteilung, den Tippgeber in den eigenen Reihen ausfindig zu machen. Die wurde schließlich fündig, als der „FTD“-Reporter mit der Lufthansa von Düsseldorf nach Hamburg flog, wo er sich mit seinem Informanten traf, einem langjährigen Arbeitnehmervertreter. Weil beide wenig Zeit hatten, nutzten sie die Lufthansa-Lounge am Hamburger Flughafen.
Der Kontrolleur, der offenbar schon damals in Verdacht geraten war, die „FTD“ mit vertraulichen Informationen zu versorgen, wurde von einer Mitarbeiterin erkannt. Um seinen Gesprächspartner zu identifizieren, überprüften Konzernangestellte seine Flugdaten – und wurden prompt fündig. Die sensiblen Informationen sind intern über ein Computersystem mit dem Namen „Corona“ abrufbar und werden dort in der Regel ein Jahr lang gespeichert.
Aber laut Lufthansa sei das nichts schlimmes, weil die „ausgewerteten Passagierdaten“ […] „intern ohnehin mehreren tausend Mitarbeitern zur Verfügung“ stünden. Daher seien diese „weniger gut geschützt als Angaben über Telefonverbindungen“. Vielleicht kommt durch diese Aktion auch nochmal etwas mehr mediale Aufmersamkeit auf den Transfer unserer Passagierdaten an andere Staaten.
Man fragt sich was als nächstes kommt: Überwachte die Deutsche Bank etwa Kontenbewegungen von Journalisten, um interne Lecks zu finden?