Menschenrechte
-
: Das Arsenal der digitalen Überwachung
: Das Arsenal der digitalen Überwachung Seit 2001 ist der Markt für Überwachungstechnologien explodiert und generiert nun 5 Milliarden Dollar pro Jahr. Klassentreffen der Branche, auf dem die Firmen ihre Produkte an die Behörden verkaufen, ist die internationale Konferenz ISS (Intelligent Support Systems) World, mit Veranstaltungen in Dubai, Prag und Washington, D.C..
Das Programm ist sehr erhellend. So gibt es Tracks zu Telekommunikationsüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Deep Packet Inspection, Semantik, Data Mining, staatliches Hacking und Trainings für Behörden.
Dabei ist man gerne unter sich. So darf man nur teilnehmen, wenn man Telekommunikations-Anbieter, Regierungsvertreter, Strafverfolgungsbehörde, Privatdetektiv oder Hersteller von Überwachungstechnologie ist. Der Aktivist Jacob Appelbaum wurde dieses Jahr rausgeschmissen. So ist leider die öffentliche Berichterstattung über die dort angebotenen Produkte wenig ausgeprägt.
-
: #0zapftis: Auch Polizei Rheinland-Pfalz arbeitet mit Staatstrojaner
Staatstrojaner vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Bild: <a href="https://secure.flickr.com/photos/leralle/">Ralf</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/">BY-NC-SA 2.0</a>. : #0zapftis: Auch Polizei Rheinland-Pfalz arbeitet mit Staatstrojaner
Nach anderen Ländern gibt auch Rheinland-Pfalz zu, bereits in einem Fall den Einsatz eines Staatstrojaners „technisch vorbereitet“ zu haben. Der Stellungnahme des Innenministeriums vom 10. Oktober nach sei bislang jedoch keine heimliche Online-Durchsuchung oder Quellen-TKÜ damit vorgenommen worden. Eine „Ausleitung“ von Daten habe nicht stattgefunden. Es sei eine Software „zum Einsatz“ gekommen, die nicht aus Rheinland-Pfalz stamme:Die Polizei Rheinland-Pfalz hat bislang in einem einzigen strafrechtlichen Ermittlungsverfahren im Jahr 2010 aufgrund eines richterlichen Beschlusses technische Vorbereitungen zur Durchführung einer Quellen- Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) getroffen. Hierbei kam Software zum Einsatz, die von einer Polizeibehörde außerhalb von Rheinland-Pfalz im Wege der Amtshilfe zur Verfügung gestellt wurde; diese Software hat den Vorgaben des richterlichen Beschlusses entsprochen. Zu einer Ausleitung von Daten kam es dabei nicht. Die Landespolizei selbst hat bisher weder eine präventiv-polizeiliche Quellen-TKÜ noch eine Online-Durchsuchung durchgeführt.
Für mich liest sich das „kam zum Einsatz“ und der Verweis, dass bislang keine Daten „ausgeleitet“ worden seien dabei bisher so, dass der Trojaner wohl nicht nur auf den konkreten Fall angepasst wurde, sondern auch bereits auf den betroffenen Rechner eingeschleust wurde, dann jedoch keine weiteren Daten ausspioniert oder Kommunikationsvorgänge mehr abgehört wurden. Zu den Gründen, warum die Überwachung hier offenbar abgebrochen wurde oder abbrach, schweigt sich das Ministerium bislang aus.
Aus dem Schreiben geht auch hervor, dass beim LKA ein eigenes „TKÜ-Kompetenzzentrum“ eingerichtet wurde, das im Falle eines Trojaner-Einsatzes eine dem jeweiligen richterlichen Beschluss entsprechende Software konfigurieren soll (und vermutlich auch von dort aus einsetzen soll). In Rheinland-Pfalz hatten SPD, CDU und FDP erst in diesem Jahr die heimliche Online-Durchsuchung im Rahmen eines großen Überwachungspaketes im Polizei- und Ordnungsbehördengesetz eingeführt.
(Bild: CC BY-NC-SA 2.0 by @leralle, thx)
-
: Witness-Bericht: Kameras überall
: Witness-Bericht: Kameras überall Die US-Menschenrechts-Organisation WITNESS widmet sich seit 1992 dem Einsatz und der Verbreitung von Videos, um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und aufzudecken. Videos sollen sicherer und effektiver genutzt werden können, nicht nur um persönliches und öffentliches Engagement zu fördern, sondern auch zum Schutz der Filmenden selbst, wie Sam Gregory, Programmdirektor von WITNESS, deutlich macht:
We are concerned for the safety of those activists filming and distributing video, and people they film – who may be hunted by repressive governments. We want to support these brave witnesses who are speaking up for their rights. In order to do this, activists need help to ensure their video makes the greatest impact, including tools and skills that can help confirm that their footage is real and authentic, and make it stand out.
Aus diesem Grund hat WITNESS nun folgenden Bericht veröffentlicht: „Cameras Everywhere: Current Challenges and Opportunities at the Intersection of Human Rights, Video and Technology” (Kameras überall: Aktuelle Herausforderungen und Chancen im Bereich Menschenrecht, Video und Technologie“). In diesem werden konkrete Empfehlungen gegeben, wie Videos und andere Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt werden können, um Menschenrechte zu wahren und Missstände öffentlich zu entlarven. Dabei werden vor allem 3 wichtige Fragen diskutiert:
* As more people film and take a stand on camera against human rights violations, how can we protect victims and witnesses to ensure informed consent as much as possible?
* As more footage circulates from human rights crises around the world, how does powerful footage reach audiences in a way that makes sense and moves them to action?
* How can we trust the authenticity of the footage, if taken by a non-traditional source?Hier könnt Ihr den Bericht online lesen oder herunterladen.
-
: Jetzt anmelden zum Aktivenkongress Netzgesellschaft 2011 (#AKtiVCongreZ)
: Jetzt anmelden zum Aktivenkongress Netzgesellschaft 2011 (#AKtiVCongreZ) Der FoeBud lädt ein zum zweiten Aktivenkongress Netzgesellschaft 2011 vom 7. bis 9. Oktober im DGB Bildungszentrum Hamburg-Sasel (Anreise Freitag 17:00 Uhr, Abreise Sonntag, 15:00 Uhr).
Aus dem FoeBud-Newsletter:
Zum Klärung der Verfassungsbeschwerde kam es gar nicht mehr, der elektronische Entgeltnachweis ELENA wurde vom FDP-geführten Wirtschaftsministerium vorher begraben. Vorbereitet wurde die Verfassungsbeschwerde auf dem Aktivenkongress des FoeBuD.
Wie es nun weitergeht, wird eine Frage auf dem nächsten Kongress im Oktober sein. Denn noch immer wollen politische Kräfte auf Bundes- und EU-Ebene Überwachung und Kontrolle ausweiten. Doch auch Themen wie etwa Netzneutralität, Vorratsdatenspeicherung, Zensur und RFID sind weiter virulent. Daher heißt es, politische Strategien zu entwickeln: Ideen zu Aktionsformen fabrizieren, sammeln und gemeinsam überlegen, wie man diese umsetzen kann.
Der AKtiVCongreZ / Kreativkongress (Kongress für aktive Bürgerrechtler) ist eine wirklich empfehlenswerte Veranstaltung in lockerer Atmosphäre und bietet Organisationen und Einzelpersonen die Möglichkeit zum Austausch. Auch interessierte Neueinsteiger und Neueinsteigerinnen sind dort herzlich willkommen und können sich direkt mit einbringen. Moderiert wird der Kongress von Wiebke Herding (Brüssel).
Der Teilnahmebeitrag von 45€ beinhaltet 2 Übernachtungen im Einzelzimmer mit Bad, Fernseher, Telefon, WLan, Frühstücksbuffet, Mittagessen und Abendbuffet, Kaffeepausen, Sauna. Eine frühe Buchung empfiehlt sich, da nur 70 Plätze zur Verfügung stehen.
-
: EFF-Petition gegen CISCO-Zensur-Engagement in China
: EFF-Petition gegen CISCO-Zensur-Engagement in China Eine Petition der Electronic Frontier Foundation fordert das US-Unternehmen CISCO auf, China nicht bei Menschenrechtsverletzungen zu unterstützen: Tell Cisco: Stop helping China abuse human rights!
Reports indicate that networking giant Cisco Systems, Inc., an American company based in Silicon Valley, has been knowingly selling Internet surveillance and censorship tools to the Chinese government for years. The Chinese government’s „Great Firewall“ prevents Internet users in China from accessing much of the Internet, including online references to Tiananmen Square and the Jasmine Revolution, as well as social media sites like Facebook. In addition to blocking access to information, these tools have enabled the Chinese government to spy on its citizens and may include special customization to target individuals working to protect human rights and build democracy in China.
-
: Wir schützen unsere Freiheit nicht, indem wir sie abschaffen.
: Wir schützen unsere Freiheit nicht, indem wir sie abschaffen.
Es ist wirklich unglaublich: Die CDU/CSU-Fraktion nutzt die Anschläge in Norwegen aus und instrumentalisiert die Opfer von Oslo und Utøya für ihre sinnlose Forderung nach mehr Überwachung der gesamten Gesellschaft. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU im Bundestag, Hans-Peter Uhl, fordert heute öffentlich mit Verweis auf Norwegen die Wiedereinführung einer Kommunikations-Vorratsdatenspeicherung, also dass von allen Menschen ohne irgendeinen Verdacht pauschal und auf Vorrat (sprich ins Blaue hinein) gespeichert werden solle, wer mit wem telefoniert, SMS oder E‑Mail schreibt, wo man sich dabei befindet und wer mit welcher IP-Adresse im Netz surft.Dabei gab es eine solche Vorratsdatenspeicherung bereits von 2008 bis 2010 als das Bundesverfassungsgericht sie für verfassungswidrig und nichtig erklärte. Das Ende der Vorratsdatenspeicherung hat in Deutschland weder zu einer Sicherheitslücke geführt, noch ist eine Vorratsspeicherung von Verbindungsdaten zur Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität überhaupt sinnvoll. Alle Statistiken sprechen gegen eine Vorratsdatenspeicherung (Lese-Empfehlung), ebenso wie der gesunde Menschenverstand: Eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung würde die Abkehr von der Unschuldsvermutung bedeuten. Sie würde die Meinungsfreiheit, die Informationsfreiheit, die Pressefreiheit und viele andere wichtige Freiheitsrechte schwer beschädigen.
-
: Das komplette Chatlog von Bradley Manning und Adrian Lamo
: Das komplette Chatlog von Bradley Manning und Adrian Lamo Dem Online-Chat zwischen bradass87 und info@adrianlamo.com kommt historische Bedeutung zu. Einer von beiden ist ein Held, der andere ist ein Verräter. Darüber, wem welche Rolle zukommt, herrscht zumindest in der amerikanischen Öffentlichkeit noch Uneinigkeit.
I’m a journalist and a minister. You can pick either, and treat this as a confession or an interview (never to be published) & enjoy a modicum of legal protection.
Ich bin Journalist und Pastor. Du kannst dir einen davon aussuchen, und das hier als Beichte oder nie zu veröffentlichendes Interview sehen, um ein Mindestmaß an gesetzlichem Schutz zu genießen.
…schrieb Lamo darin. Kurz darauf meldete er seinen Gesprächspartner, der sich ihm anvertraut hatte, den US Behörden. Bradley Manning ist seit über einem Jahr in Haft, am 21. April wurde seine Isolationshaft etwas gelockert. Man wirft ihm vor, an Wikileaks Daten (Afghan War Diaries) und Material (Collateral Murder) weitergegeben zu haben.
Bisher waren nur Ausschnitte des verhängnisvollen Gesprächs öffentlich – das vollständige Chatlog wurde nun bei Wired.com veröffentlicht.
Spenden für Bradley Manning bitte an das Bradley Manning Support Network.
-
: #servergate: Durchsuchungsbeschluss geleakt
: #servergate: Durchsuchungsbeschluss geleakt Zur Durchsuchung des Rechenzentrums in Offenbach vom Freitag den 20. Mai 2011, bei dem ein Großteil der Server der Piratenpartei beschlagnahmt und teilweise durchsucht worden war, wurde heute morgen offenbar der Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Darmstadt vom 19. Mai geleakt. Die betroffene Firma bestätigte auf unsere Anfrage hin die Authentizität des Inhalts.
Der Beschluss bestätigt auch die bisherigen Berichte nach denen die Behörden versuchten, über die Beschlagnahme an Informationen über Verdächtige zu kommen, die möglicherweise an Angriffen auf die Webseite des französischen Energiekonzerns EDF beteiligt waren. Im Beschluss dagegen nicht genannt wird der von der Piratenpartei verkündete Sachverhalt, es sei nach einem SSH-Schlüssel gesucht worden.
Fehlendes Rechtshilfeersuchen, mangelhafte Rechtsgüterabwägung
Die Tatsache, dass es sich beim Betreiber der betroffenen Dienste um eine Partei mit besonderem Schutz nach Art. 21 Grundgesetz handelte, deren gesamte Kommunikationsinfrastruktur durch die Maßnahme für viele Stunden lahmgelegt wurde (und wohl für Wochen durch dauerhafte Server-Beschlagnahme ausgeschaltet worden wäre, wenn sie nicht vor Ort kooperiert hätte), spielte in der Abwägung des Grundrechtseingriffs offenbar keinerlei Rolle. Eigentlich kann dem richterlichen Beschluss attestiert werden, dass überhaupt keine entsprechende Rechtsgüterabwägung stattgefunden hat.
Rechtsanwalt Thomas Stadler weist in seinem Blog Internet-Law.de noch auf eine andere wichtige Tatsache hin, die in der bisherigen Diskussion ziemlich untergegangen ist: Durchsucht wurden ja nicht Räume der Piratenpartei, sondern ein Rechenzentrum in Offenbach, das lediglich IT-Dienstleistungen erbringt. Da dessen Betreiberfirma nicht Beschuldigte im Verfahren ist, wären für die Durchsuchung ihrer Räumlichkeiten eigentlich noch deutlich höhere Anforderungen an die Verhältnismäßigkeitsprüfung zu stellen gewesen. Stadler kommt insgesamt zu dem Schluss, dass der Beschluss des AG Darmstadt bereits „bei rudimentärer Prüfung evident unverhältnismäßig und rechtswidrig“ sei.
Entgegen der Aussage der Staatsanwaltschaft Darmstadt, es habe ein „justizielles Rechtshilfeersuchen“ vorgelegen, bestätigt der veröffentlichte Beschluss auch die Version der Piratenpartei, dass die Übermittlung eines solchen Ersuchens lediglich angekündigt worden sei. Nach Ansicht des Richters war die Beschlagnahme vorab dennoch „aufgrund der Flüchtigkeit von Daten im Internet“ zu rechtfertigen. Straftverteidiger Udo Vetter, schätzte den Vorgang auf Twitter spontan als „vorauseilenden Gehorsam deutscher Gerichte gegenüber der französischen Justiz“ ein.
Piratenpartei: „Beschluss war rechtswidrig“
Die Piratenpartei hat derweil Beschwerde eingelegt (Beschwerdeschrift, PDF) und beantragt, den Beschluss aufzuheben, sichergestellte „Gegenstände“ herauszugeben, gespeicherte Daten zu löschen und festzustellen, dass der Beschluss rechtswidrig war. Der Beschluss verstoße „klar gegen das Übermaßverbot“, da er „im wahrsten Sinne des Wortes „maßlos““ und damit echtswidrig sei. Die Sache wird also noch ein interessantes juristisches Nachspiel haben.
(Der veröffentlichte Text enthält einen Schreibfehler im Wort „Darmstat“ im Seitenkopf und auch die Domain an einer Stelle genannte Domain „piraten-pad.de“ existiert nicht, was einerseits misstrauisch macht, allerdings auch auf OCR-Scan- oder Abtippfehler zurückzuführen sein kann. Das Aktenzeichen stimmt mit dem überein, das gestern bereits auf Twitter die Runde machte. [Update: Die Piratenpartei bestätigt, dass die Schreibfehler so auch im Original zu finden sind.])
Der veröffentlichte Inhalt des DurchsuchungsbeschlussesUpdate: Da es verschiedene Aussagen gibt, ob die Veröffentlichung des Durchsuchungsbeschlusses jetzt legal (im Sinne der Pressefreiheit) oder illegal (eben nicht im Sinne der Pressefreiheit) ist, verlinken wir der Einfachheit halber auf die Quelle bei pastebin.
Aixit GmbH NOC, Aixit GmbH -
: Nein zur Vorratsdatenspeicherung: über 50.000 Menschen appellieren an Bundesregierung
: Nein zur Vorratsdatenspeicherung: über 50.000 Menschen appellieren an Bundesregierung Über 50.000 Menschen sagen Nein zur Vorratsdatenspeicherung und lehnen jede Form einer pauschalen Protokollierung von Telefon- und E‑Mail-Verbindungsdaten oder IP-Adressen ohne Verdacht entschieden ab. Die Unterzeichner erklären:
„Wenn alle telekommunikationsbezogenen Standort- und Verbindungsdaten oder IP-Adressen protokolliert werden, höhlt dies unser Recht auf ein selbstbestimmtes und privates Leben aus. Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung ist zudem mit der europäischen Grundrechte-Charta unvereinbar.“
Der Appell richtet sich an die schwarz-gelbe Bundesregierung, die aufgefordert wird, eine Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung in deutsches Recht zu verhindern und sich für eine Änderung der EU-Richtlinie einzusetzen, damit das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung geachtet bleibt. Zu der Online-Unterschriftenaktion hatten wir vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) gemeinsam mit der Kampagnen-Plattform campact aufgerufen. Der Appell kann hier nach wie vor mitgezeichnet werden: http://www.campact.de/vorrat/sn1/signer . Die gesammelten Unterschriften sollen in den nächsten Tagen in Berlin an Bundesinnenminister Friedrich (CSU) oder Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) übergeben werden.
Vor dem Hintergrund der anstehenden Verhandlungen zwischen Friedrich und Leutheusser-Schnarrenberger über die Wiedereinführung einer Internet-Vorratsdatenspeicherung (Speicherung von IP-Adressen ohne Verdacht) bietet der AK Vorrat seit heute außerdem ein Wissensquiz an.
-
: #servergate: Piratenpartei wehrt sich gegen Server-Beschlagnahme
: #servergate: Piratenpartei wehrt sich gegen Server-Beschlagnahme Nachdem am Freitag in einer fragwürdigen Aktion ein Großteil der Server der Piratenpartei vorrübergehend vom Bundeskriminalamt (BKA) beschlagnahmt und vom Netz genommen wurden (wir berichteten), wehrt sich die Partei nun gegen das Vorgehen. Beim verantwortlichen Amtsgericht Darmstadt sei Beschwerde gegen den Durchsuchungsbeschluss und die Beschlagnahme eingelegt worden, die die PIRATEN als unnötig und unverhältnismäßig kritisieren. Der Umfang der Aktion sei überzogen und der Termin kurz vor der Bremer Bürgerschaftswahl ein absoluter Skandal, erklärte der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz. Geklärt werden müsse, ob die erfolgte Durchsuchungs- und Beschlagnahmeanordnung rechtlichen Vorgaben entsprochen hat, insbesondere ob die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit gewahrt wurden.
-
: Erklärung der Zivilgesellschaft an e‑G8 und G8
: Erklärung der Zivilgesellschaft an e‑G8 und G8 In der kommenden Woche findet in Frankreich der 37. G8-Gipfel statt. Bereits vor einigen Monaten hatten wir mit Misstrauen festgestellt, dass man sich dort nun erstmalig auch des Internets annehmen möchte – ausgerechnet unter der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy, der für Netzsperren und 3‑strikes einsteht. Als Weltwirtschaftsgipfel steht der G8 nicht gerade für eine bürger- oder bürgerrechtsfreundliche, geschweige denn eine freiheitsorientierte Politik, wie die Gipfel der vergangenen Jahre eindrucksvoll gezeigt haben.
Um den Ergebnissen hinsichtlich der Netzpolitik Legitimation zu verleihen, wird in den Tagen vor dem eigentlichen Gipfel das e‑G8-Forum abgehalten, bei dem zu Sitzplatz-Preisen von 100.000 bis 500.000$ über Netzpolitik diskutiert werden soll. Kaum verwunderlich, dass Bürgerrechtsorganisationen an diesen Tischen unterrepräsentiert sein werden. Stattdessen sitzen dort Vertreter von Konzernen, die seit Jahren Lobbyismus für ihre finanziellen Interessen – und gegen ein freies, offenes Netz betreiben.
Zusammen mit la quadrature du net, dem CCC und vielen weiteren Organisationen haben wir bereits vor einigen Tagen zu kreativem Protest aufgerufen. In einer Initiative von AccessNow vereinen sich nun Bürgerrechtsorganisationen weltweit, und wenden sich in einem offenen Brief direkt an die G8 (pdf, englisch), der von Mitgliedern des CCC und des Vereins Digitale Gesellschaft gemeinsam ins Deutsche übersetzt wurde.
Wir bitten um Verbreitung des Briefs, das Mitzeichnen der Erklärung bei AccessNow und vielfältigen, kreativen Protest.
~~~
Die Unterzeichner dieser Erklärung sind Vertreter der Zivilgesellschaft aus der ganzen Welt, die Freiheiten im Internet, digitale Bürgerrechte und freie Kommunikation fördern wollen.
Unmittelbar vor dem diesjährigen G8-Gipfel in Deauville richtet die französische G8-Präsidentschaft das so genannte „e‑G8 Forum“ aus, das G8 Internet-Treffen. Hier will Frankreich die Agenda des G8-Gipfels hinsichtlich zentraler Internet-Regulierungsfragen formen. Dieses Treffen ist deshalb so wichtig, weil die Rolle des Internets in Gesellschaft und Wirtschaft erstmalig ausdrücklich auf der G8-Agenda steht.
-
: #servergate – Polizei beschlagnahmt Piratenpartei-Server
: #servergate – Polizei beschlagnahmt Piratenpartei-Server
In einem wohl bislang einmaligen Vorgang wurden am Freitagmorgen die Server der Piratenpartei von der Polizei beschlagnahmt. Studenlang waren die Dienste nicht erreichbar.Nach Angaben der Partei hatte die Polizei in Folge eines französischen Ermittlungsersuchens am Freitagmorgen auf Durchsuchungsbefehl der Staatsanwaltschaft Darmstadt das Rechenzentrum der Firma aixit in Offenbach durchsucht und dort einen Großteil der IT-Landschaft der Partei beschlagnahmt. Betroffen waren nicht nur die Webseiten fast aller Parteigliederungen und das Wiki, sondern auch Kommunikationsinfrastrukturen wie Mailinglisten‑, Mail- und Jabber-Server. Inzwischen sind einige Server und zumindest die Webseite wieder online.
Der Bundesvorstand der Piratenpartei kritisierte und verurteilte die Server-Abschaltung als massiven Eingriff in die Kommunikations- und Infrastruktur der Partei. Angesichts der bevorstehenden Bremer Bürgerschaftswahl sei ein massiver politischer Schaden entstanden. 2 Tage vor der Wahl kam gerade die Downtime der Webserver tatsächlich zu einem äußerst ungelegenen Zeitpunkt. Rechtsanwalt Thomas Stadler weist diesbezüglich in seinem Blog auch auf den eigentlich geltenden Schutz der Partei nach Artikel 21 Grundgesetz hin. Parteien seien vor Repression durch die Exekutive nach Möglichkeit zu verschonen, „weil das der Demokratie schadet“ schreibt auch Strafverteidiger Udo Vetter. Darüber hinaus macht Vetter klar, dass das Verlangen ausländischer Behörden nach Durchsuchung und Beschlagnahme keineswegs einen Automatismus bei den deutschen Behörden auslöst:
-
: Die 10 Top-Werkzeuge der Internetunterdrücker
: Die 10 Top-Werkzeuge der Internetunterdrücker Danny O’Brien vom Commitee to Protect Journalists hat anläßlich des Welttages der Pressefreiheit eine schöne Übersicht gemacht, welche Staaten mit welchen Methoden gegen Meinungsfreiheit vorgehen. Das reicht dann von der einfachen Netzzensur über das Verhaften von kritischen Bloggern bis hin zum Internet ausschalten. Auf der Seite finden sich die Geschichten hinter den Gewinner-Staaten samt weiterführende Links. The 10 Tools of Online Oppressors
Hier ist nur die Top10:
WEB BLOCKING
Key country: IranPRECISION CENSORSHIP
Key country: Belarus -
: Tag der Arbeit: Googles Vier-Klassen-Gesellschaft
: Tag der Arbeit: Googles Vier-Klassen-Gesellschaft
Ein nach eigenen Angaben ehemaliger Mitarbeiter von GoogleVertragsnehmer für Google hat sich über die Arbeitsverhältnisse seiner „Kollegen“ durch Gespräche mit ihnen informieren wollen und hat darauf hin seinen Job verloren.Doch der Reihe nach … Andrew Norman Wilson arbeitete zuerst für das Unternehmen Transvideo, welches alle Google-eigenen Videoproduktionen abwickelt. Im Zuge der Zusammenarbeit wurde sein Arbeitsplatz direkt bei Google untergebracht – in einem Gebäude ganz am Rande des „Googleplex“. Dort konnte er nebst den üblichen Schildchen-Klassen Rot (seine, erhält kostenloses Essen, kann sich Fahrräder leihen, erhält auch mal ein neues Telefon oder nen Rucksack), Weiß („Premium“; erhält auch Ski-Fahrten, Disneyland-Besuchen, Aktienanteile) und Grün (Praktikanten) die sogenanten „ScanOperator“ (Gelb) des Bücher-Scandiensten GoogleBooks zu Gesicht bekommen, die ebenfalls in einem Gebäude (3.14167~) ganz am Rande des Google Campus tätig sind.
-
: Was tun gegen die Volkszählung? Aufruf zum Aktionstag am 8. Mai
: Was tun gegen die Volkszählung? Aufruf zum Aktionstag am 8. Mai
Der AK Zensus, in dem sich ein Großteil des Protestes gegen die Volkszählung 2011 organisiert, ruft für den 8. Mai zu einem bundesweiten Aktionstag auf. Am Tag vor dem Stichtag des Zensus11, an dem auch die Haushaltebefragung startet, soll im ganzen Land mit einer Postwurf-Aktion Aufklärungsarbeit über die Gefahren der Volkszählung geleistet werden.Die Idee ist es, sich zum sonntäglichen Informationsspaziergang („Walk-of-information“) zu verabreden und die 60.000 Flyer, die extra für diesen Tag gespendet wurden, zu verteilen. Wer Interesse hat mitzumachen, kann sich einfach per Mail direkt beim AK Zensus melden und die Flyer von dort kostenlos beziehen (kontakt (at) zensus11 (punkt) de). Die Motive der Flyer-Vorderseite sind das Ergebnis eines Fake-Wettbewerbs, zu dem vor Ostern aufgerufen worden war.
Der Aktionstag ist als offenes Mitmachevent angedacht, d.h. auch zu eigenen Ideen für weitere Aufklärungsarbeit wird aufgerufen. Infostände, Demos oder kreative, dezentrale Informationspunkte werden vorgeschlagen. Bereits im Vorfeld am 30. April findet in Koblenz eine Demonstration gegen die Volkszählung statt.
-
: „(Auf) uns könnt ihr nicht zählen!“ Demo gegen die Volkszählung am Samstag in Koblenz
: „(Auf) uns könnt ihr nicht zählen!“ Demo gegen die Volkszählung am Samstag in Koblenz
Für den kommenden Samstag, den 30. April 2011, ruft ein Bündnis aus Grüner Jugend, Linksjugend [’solid], LandesschülerInnenvertretung (LSV), Piratenpartei, Bündnis’90/Die Grünen, Attac und Pax Christi zur Demonstration gegen die Volkszählung in Koblenz auf.Kritisiert werden vor allem die massive Einschränkung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung durch die Erhebung, Übermittlung und Verknüpfung vieler sensibler Daten sowie die Tatsache, dass die Daten der Betroffenen nicht anonym verarbeitet werden, sondern über mehrere Jahre hinweg im Klartext gespeichert werden. Bis zu vier Jahre ist die Identität des Befragten eindeutig zurückverfolgbar. Auskunftszwang und mögliche Strafen bei Verweigerung stehen ebenso in der Kritik wie die mangelnde Transparenz und Aufklärung, die das Bundesverfassungsgericht eigentlich zur Auflage für die Verfassungskonformität einer Volkszählung gemacht hatte.
Niemand sollte dazu gezwungen werden können, sensible persönliche Informationen, wie z.B. Religionszugehörigkeit oder Familienstand, an andere weiterzugeben, sei es an den Staat oder die Industrie
Vielen Bürgerinnen und Bürgern scheine die Sensibilität im Umgang mit ihren privatesten Daten verloren gegangen zu sein, „das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die uns sehr erschreckt“ heißt es auf der Bündnis-Webseite. Die millionenschwere und breit angelegte Werbekampagne des statistischen Bundesamtes dagegen nutze diese Haltung aus, zeige nur sehr einseitig angebliche Vorzüge der Volkszählung auf und beschönige jede kritische Stimme. Die Organisatoren wollen das Thema daher ins öffentliche Bewusstsein zurückholen.
Auch wenn wir die Volkszählung nicht verhindern können, so wäre es doch ein Erfolg, ein Bewusstsein für die Problematik dieser staatlichen wie auch aller industriellen, wirtschaftlichen Datenerhebungen zu schaffen.
Die Demo startet am 30. April um 14 Uhr am Koblenzer Hauptbahnhof.
Weitere Informationen auf der Bündnis-Homepage: http://aufunskoenntihrnichtzaehlen.wordpress.com
Für den 8. Mai, den Tag vor dem Zensus-Stichtag ruft außerdem der AK Zensus zu einem bundesweiten Aktionstag gegen die Volkszählung auf.
-
: Bundestags-Studie: „Vorratsdatenspeicherung widerspricht EU-Charta der Grundrechte“
: Bundestags-Studie: „Vorratsdatenspeicherung widerspricht EU-Charta der Grundrechte“ Aus einer aktuellen Pressemitteilung des AK Vorrat:
Ein heute veröffentlichtes Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags vom Februar 2011 zur Vereinbarkeit der EU-Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung mit der Europäischen Grundrechtecharta kommt zu dem Ergebnis, es lasse sich „zweifelsfrei keine Ausgestaltung dieser Richtlinie umschreiben, die eine Vereinbarkeit mit der Grundrechtecharta sicherstellte.“ Es habe sich gezeigt, dass sich „die Erfolge der Vorratsdatenspeicherung in einem sehr kleinen Rahmen halten.“ Aufgrund der durch die Vorratsdatenspeicherung nur „marginal“ verbesserten Aufklärungsquote gelangt das Gutachten zu dem Schluss: „Zweck und Mittel stehen hier zumindest nicht in einem ausgewogenen Verhältnis.“
Wer sich jetzt fragt, wieso die zu diesem Ergebnis kommen, das eher an das rumänische Verfassungsgericht erinnert als an das deutsche, das eine eng begrenzte Vorratsdatenspeicherung mit sehr engen Zugriffsmöglichkeiten auf die Daten als gerade so eben noch machbar erklärt hatte: Der Wissenschaftliche Dienst orientiert sich an der Grundrechte-Charta der EU, die seit dem 1.12.2009 bindend ist und die es bei der Verabschiedung der Vorratsdatenspeicherung auf EU-Ebene 2005/2006 noch nicht gab.
Neben den bekannten Argumenten zur Unverletzlichkeit der privaten Kommunikation, zur Unverhältnismäßigkeit der flächendeckenden Überwachung etc. wird hier auch ein etwas anderer Akzent gesetzt: In der Charta findet sich auch die unternehmerische Freiheit als Ausprägung der Berufsfreiheit, in die hier bei den Telekommunikationsunternehmen stark eingegriffen wird. Der Europäische Gerichtshof hatte zwar bereits überprüft, ob die VDS-Richtlinie als Maßnahme der Binnenmarkt-Regulierung zulässig ist, aber bei seinem positiven Ergebnis eben noch nicht auf die Vereinbarkeit mit der Grundrechtecharta geschaut, die es damals noch nicht gab. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages kommt daher insgesamt zu einer recht eindeutigen Bewertung.
Die Studie ist übrigens vor dem letzte Woche erschienenen Evaluierungsbericht der EU-Kommission erschienen. Sie orientiert sich daher noch nicht systematisch an den mittlerweile vorliegenden Zahlen zur Effektivität der ganzen Maßnahme. Da die Erfolge kaum nachweisbar sind, ändert sich zusätzlich auch noch die Bewertung der Verhältnismäßigkeit. Die angekündigte substanzielle Überprüfung der EU-Richtlinie durch den Europäischen Gerichtshof dürfte jedenfalls nochmal richtig spannend werden.
-
: Revolutionen auf der re:publica: Country + Internet = Awesome?
: Revolutionen auf der re:publica: Country + Internet = Awesome? Welches Thema könnte im Jahr der erfolgreichen Revolutionen von Ägypten und Tunesien stärker auf der re:publica vertreten sein als die Diskussion über Facebook-Revolutionen und Clicktivism? Aber der Ton scheint sich gewandelt zu haben: An Stelle des Aufeinandertreffens von Cyberpessimisten (Evgeny Morozov) und Internet-Utopen (Jeff Jarvis) im letzten Jahr scheint die Erkenntnis getreten zu sein, dass gesellschaftliche Hintergründe wichtig sind.
Wie Cyrus Farivar, Autor des bald erscheinenden Buches „The Internet of Elsewhere“, in der Einleitung zu seinem gleichnamigen Vortrag sagte: „wenn das Internet an einem Ort ankommt, trifft es auf das, was schon da ist“. Und in unterschiedlichen Kontexten produziert es unterschiedliche Folgen. Die simple Gleichung „Country + Internet = Awesome“ sei so nicht zu halten.
Farivar beleuchtet in seinem Buch vier Länder mit ganz unterschiedlichen „Internet-Geschichten“: Von Südkorea, dem Land mit dem schnellsten Internet, der höchsten Breitband-Abdeckung und der größten eSport-Liga der Welt, bis zum Senegal, in dem das Internet trotz wirtschaftlicher und politischer Stabilität Schwierigkeiten hat, Fuß zu fassen.
Aber was macht die Unterschiede aus, die den Einfluss des Internets formen? „Moderne Revolutionen sind zivilgesellschaftliche Revolutionen“, formulierte Ludger Schadomsky den Originaltitel einer von Geraldine de Bastion moderierten Runde („Modern Revolutions are Digital Revolutions“) um: ohne funktionierende Zivilgesellschaft würden sich die Revolutionen in Nordafrika nicht auf den Rest des Kontinents ausbreiten.
-
: AK Zensur appelliert an SPD und GRÜNE: Absage an Netzsperren in Koalitionsvertrag aufnehmen!
: AK Zensur appelliert an SPD und GRÜNE: Absage an Netzsperren in Koalitionsvertrag aufnehmen! Für die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Bündnis ’90/Die Grünen und der SPD in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) an beide Parteien appelliert, sich in ihrem Koalitionsvertrag klar gegen Internetsperren und Zensur auszusprechen und den Weg für eine moderne Netzpolitik auf Landesebene zu ebnen.
„Der Regierungswechsel in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bietet die Chance, neue Akzente in der Netzpolitik des Landes zu setzen. Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) möchte Sie dabei darin bestärken, die auf Bundesebene bei GRÜNEN und SPD diesbezüglich erreichten Fortschritte auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fortzuführen. Wir bitten Sie daher, die Ablehnung von Netzsperren und Zensur ausdrücklich in Ihren Koalitionsvertrag aufzunehmen.Mit den Stimmen oder auf Initiative Ihrer Landesregierung darf es keinen Aufbau einer Zensur-Infrastruktur geben!Denn egal, ob es mit dem Kampf gegen Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern („Kinderpornographie“), illegalem Glücksspiel oder zur Stärkung von Urheberrechten begründet wird oder ob andere Ziele verfolgt werden: Das Aufstellen von „Stopp-Schildern“, „Legalitätsweichen“ oder gar die „Blockade“ des Transports von Datenpaketen bedeutet zwangsläufig immer den Aufbau einer technischen Kontrollinfrastruktur, die ein hohes Missbrauchspotential trägt. Gleiches gilt für die Versendung von „Warn-Hinweisen“. Unter veränderten politischen Vorzeichen können diese Infrastruktur und Maßnahmen sofort für Zensur und Meinungskontrolle im Internet verwendet werden. Diese Technik lässt sich niemals hinreichend sicher auf das ursprüngliche politische Ziel begrenzen.“ heißt es in dem heute veröffentlichen Schreiben an die Verhandlungsführer beider Parteien.Dabei sei es auch unerheblich, aus welchen Gründen eine Zensur-Infrastruktur aufgebaut werden solle und ob dies auf Basis eines Gesetzes wie dem Zugangserschwerungsgesetz, dem derzeit diskutierten Glücksspiel-Staatsvertrag, dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag oder mittels einer mehr oder weniger „freiwilligen“ Verpflichtung geschehe. „Zensur darf in einem demokratischen Rechtsstaat niemals ein geeignetes Mittel zur Erreichung selbst von legitimen Zielen sein“ so Alvar Freude zur Begründung im Auftrag des Arbeitskreises.„Eine technische Zensur-Infrastruktur ist ein Instrument mit bedrohlicher Wirkung auf die Meinungs- und Informationsfreiheit. Das gilt umso mehr, als dass mit Sperren lediglich eine symbolische Wirkung erzielt werden kann und zwar unabhängig davon, mit welcher Intention diese ursprünglich eingerichtet wurden. Probleme müssenimmer an der Wurzel angegangen werden. Technik und technische Eingriffe können keine Lösung für soziale Probleme sein. Kontrollierende und inhaltlich wertende Eingriffe in eine technologisch neutrale Infrastruktur sind eine Gefahr für den freiheitlichen Rechtsstaat.“Die Koalitionäre von SPD und GRÜNEN werden daher aufgefordert, sich im Koalitionsvertrag verbindlich darauf zu verständigen, dass die Errichtung einer solchen Infrastruktur – egal mit welcher Begründung – von der neuen Landesregierung nicht gefordert, befördert oder unterstützt wird.http://ak-zensur.de/2011/04/ak-zensur-appelliert-an-spd-und-grune-absage-an-netzsperren-in-koalitionsvertrag-aufnehmen.html -
: Aufruf: Mieter und Vermieter gemeinsam gegen die Volkszählung 2011
: Aufruf: Mieter und Vermieter gemeinsam gegen die Volkszählung 2011
Im Rahmen der aktuell laufenden Volkszählung 2011 (sog. „Zensus“) fällt den Vermietern eine besondere Funktion zu: In der “Gebäude- und Wohnungszählung”, einer umfassenden Befragungswelle aller 17,5 Millionen Gebäude- und Wohnungsbesitzer, sollen sie bei der lückenlosen Registrierung aller bewohnbaren Räume, Wohnungen und Gebäude mithelfen.Dabei wird auch verpflichtend abgefragt, wie viele Menschen in den jeweiligen Wohneinheiten leben. Bis zu zwei Menschen sollen durch den Eigentümer/Vermieter für jede Wohnung namentlich benannt werden, so dass eine personenbezogene Verknüpfung mit den Einwohnermeldedaten erfolgen kann. Die davon betroffenen Mieter werden nicht darüber informiert oder benachrichtigt und schon gar nicht nach ihrer Einwilligung gefragt.
Der Arbeitskreis Zensus (ein Ableger des AK Vorratsdatenspeicherung), der sich intensiv mit der Volkszählung beschäftigt und auf seiner Webseite ausführliche Informationen bereitstellt ruft daher zur Aktion “Mieter und Vermieter gemeinsam gegen die Volkszählung” auf:
Wir möchten die Vermieter über den Umfang des “Zensus 2011″ und ihre Rolle in diesem Zusammenhang aufklären und sie freundlich darum bitten, keine Angaben über die in den Wohnungen lebenden Menschen weiterzugeben und damit das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das auch den Mietern zusteht, zu achten und zu würdigen.
Dazu werden auf der Aktionsseite Tips und mehrere Musterschreiben angeboten.
