EU

  • : Der sehr talentierte Herr zu Guttenberg (Update)
    Der sehr talentierte Herr zu Guttenberg (Update)

    „Wenn jemand die Macht des Internets versteht und seine Macht, die Politik zu kontrollieren, dann ist es Karl-Theodor“.

    Neelie Kroes hat heute mit Karl-Theodor zu Guttenberg eine Pressekonferenz abgehalten, um eine neue NoDisconnect-Strategie vorzustellen. Kroes hat nach eigenen Angaben zu Guttenberg im vergangenen Sommer angesprochen, weil er sehr talentiert sei (und wahrscheinlich weil er gerade Zeit hätte). Durch seine Tätigkeit als Minister von gleich zwei Ministerien hätte er mit dem Thema auch in beiden Häusern zu tun gehabt und sei erfolgreich gewesen. Davon hat bei uns aber niemand etwas mitbekommen, außer der Debatte um die Netzsperren.

    Guttenberg soll jetzt als unabhängiger Berater von Neelie Kroes mit Regierungen (vor allem der US-Regierung), NGOs, Unternehmen und Bloggern reden und vermitteln.

    Die NoDisconnect-Strategie soll übrigens vor allem vier Punkte verfolgen:

    12. Dezember 2011 89
  • : Montag: Guttenberg will mit EU Initiative zur Freiheit im Netz starten (Update)
    Montag: Guttenberg will mit EU Initiative zur Freiheit im Netz starten (Update)

    Montag könnte es lustig werden: dapd vermeldet mit Bezug auf die EU-Kommission, dass Karl Theodor zu Guttenberg zusammen mit der EU-Kommissarin für Digitales, Neelie Kroes, eine Initiative „zur Freiheit im Internet starten“ wolle. Das habe die EU-Kommission heute angekündigt, allerdings finde ich auf deren Webseite keine Meldung. (Die dapd-Meldung bietet keine weiteren Infos zum Thema und im Terminkalender von Kroes findet sich nichts entsprechendes für Montag).

    Unklar ist daher, ob zu Guttenberg sich für eine Reform des Urheberrechts einsetzen oder mit seiner Frau die Kinder retten will. Man sollte aber beim Initiativenstart die Quellen zweimal checken.

    Update: Welt-Online hat mehr:

    Kroes’ Sprecher Ryan Heath bestätigte gegenüber „Welt Online“, dass ein gemeinsamer Auftritt geplant sei, und sagte, Kroes werde gemeinsam mit Guttenberg über die EU-Pläne zur Unterstützung von Bloggern und Netzaktivisten in autoritären Regimes informieren. Die EU wolle sicherstellen, dass Menschenrechte und grundlegende Freiheiten on- wie offline respektiert würden.

    Also mehr Guttenplag-Wikis für autoritäre Staaten? Die Bundesregierung bangt vielleicht schon, ob er eine bessere Kontrolle für den Export von Überwachungs- und Zensursoftware in repressive Regime fordert? Das würde Bloggern und Netzaktivisten dort konkret helfen.

    Malte Spitz hat eine Antwort der Pressestelle der EU-Kommission erhalten, wonach es bei der Pressekonferenz darum gehen soll:

    „elaborate on EU plans to provide ongoing support to Internet users, bloggers and cyber-activists living under authoritarian regimes. The „No Disconnect Strategy“ will underline EU’s commitment to ensure human rights and fundamental freedoms are respected both online and off-line, and provide practical assistance that ensures ICT supports freedom and development, and limits the ability of repressive regimes to undermine freedom and development“

    Eine „No Disconnect Strategy“ der EU klingt ja super. Ob diese auch gegen Frankreich mit ihrer Hadopi-Gesetzgebung angewendet wird, steht gerade noch in den Sternen.

    9. Dezember 2011 42
  • : Viviane Redings EU-Datenschutzverordnung
    Viviane Redings EU-Datenschutzverordnung

    Viviane Reding, die EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, hat gestern und heute zwei Reden gehalten, in denen sie auf das Verhältnis der Europäischen Kommission zu Datenschutzfragen eingegangen ist.

    In der ersten Rede, die sie gestern bei der „2nd Annual European Data Protection and Privacy Conference“ in Brüssel hielt, ging es um Datenschutz und transatlantische Kooperation. Sie kündigte darin an, in einem nächsten Monat vorgestellten Gesetz den Zugriff jedes Nutzers auf die eigenen Daten zu erleichtern, die Spielregeln für Unternehmen beim Umgang mit Daten zu vereinfachen und zu vereinheitlichen und das „right to be forgotten“ einzubinden, also die Möglichkeit, Nutzerdaten spurlos zu entfernen.

    7. Dezember 2011 5
  • : “Self”-regulation: Should online companies police the internet?
    “Self”-regulation: Should online companies police the internet?

    Heute findet zwischen 15- 18:00 Uhr im Europaparlament die Veranstaltung “Self”-regulation: Should online companies police the internet?“ statt. Wer nicht in Brüssel ist, kann diese auch im Stream anschauen.

    Join us for a discussion on the regulation of online services. We will explore what the terms “self-regulation” and “cooperation of service providers and rights holders” mean in practice.

    Das sind die Sprecher:

    Werner Stengg, DG Markt, Head of Unit ‘Online Services’, about the forthcoming initiatives from the Commission, http://ec.europa.eu/internal_market/e‑commerce/
    Nicole Dewandre, DG Information Society, Advisor on Stakeholder Issues, http://ec.europa.eu/dgs/information_society/
    Els Hendrix, Council of Europe expert, dealing with international (new) media and content issues, http://www.coe.int/t/dghl/standardsetting/media/
    Chris Ancliff, General Counsel, Warner Music Group, representing record companies, http://www.ifpi.org/
    Joe McNamee, EDRi, advocacy coordinator for digital civil rights, http://www.edri.org/
    Chris Smith, ECSA, representing composers and songwriters, http://www.composeralliance.org/
    Jermyn Brooks, GNI, representing tech companies who respect fundamental rights worldwide, http://www.globalnetworkinitiative.org/
    Malcolm Hutty, EuroISPA, representing intermediary companies online, http://www.euroispa.org/

    7. Dezember 2011 4
  • : Fluggastdaten-Abkommen mit den USA geleakt
    Fluggastdaten-Abkommen mit den USA geleakt

    Die Europäische Kommission hat vor kurzem die Verhandlungen über ein neues Abkommen zur Weitergabe von europäischen Fluggastdaten (PNR) an US-Behörden abgeschlossen. Da diese Daten angeblich für die Fahndung nach mutmasslichen Terroristen und anderen Kriminellen unverzichtbar sind, wollen die USA sie für 15 Jahre auf Vorrat speichern.

    Im letzten Mai erklärte der Juristische Dienst der Kommission noch, dass das Abkommen mit den Grundrechten unvereinbar ist. Daher beeilte sich EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström und bewarb die vielen tollen Verbesserungen dann bereits am 10. November in einem Interview mit der FAZ – sogar noch bevor das EU-Parlament den Text erhielt oder gebrieft wurde. Seit einigen Tagen können die EU-Abgeordneten das Abkommen aber endlich lesen. Es befindet sich in einem geheimen Leseraum, in dem nicht fotografiert oder Notizen gemacht werden dürfen. Heute wurde der geheim gehaltene Text des Abkommens (pdf) bei Papers, Please! geleakt.

    Obwohl laut Abkommen alle Fluggastdaten den US-Behörden zur Verfügung gestellt werden müssen, sollen ’nur’ 70 Einzeldaten, zusammengefasst in insgesamt 19 Datenkategorien, auf Vorrat gespeichert werden. Das sind beispielsweise sämtliche verfügbaren Kontaktdaten, Zahlungsinformationen, Essenswünsche und Gepäckinformationen. Die Speicherdauer beträgt 15 Jahre: Zunächst gehen die Daten für fünf Jahre in eine aktive Datenbank, wo sie nach 6 Monaten ‚anonymisiert’ werden – was allerdings nicht viel bedeutet. Danach werden sie in eine sogenannte ruhende Datenbank überführt, wo sie weitere zehn Jahre verbleiben. Von einer Löschung der Daten nach diesen 15 Jahren ist kein Wort zu lesen, sie werden lediglich ‚gänzlich anonymisiert’.

    Das EU-Parlament muss bald im Plenum über das Abkommen abstimmen. Es hatte im letzten Jahr klare Forderungen beschlossen, an die es sich hoffentlich erinnern wird. Denn Edward Hasbrouck zählt in einem Artikel alle Kriterien auf, die vom EU-Parlament am 5. Mai 2010 für ein neues Abkommen festgelegt wurden und die jetzt von der Kommission offenlichtlich ignoriert wurden. Er erklärt weiterhin, dass die Bestimmungen über den Zugang zu Daten und der Rechtsbehelf für Einzelpersonen reine Augenwischerei sind. Wer es ganz genau wissen will, kann eine detaillierte Analyse des Abkommens (pdf) auch bei NoPNR! lesen.

    (crosspost vasistas?)

    28. November 2011 16
  • : Europäischer Gerichtshof kippt Netzsperren gegen Urheberrechtsverletzungen
    Europäischer Gerichtshof kippt Netzsperren gegen Urheberrechtsverletzungen

    In einer Entscheidung über ein belgisches Gesetz zum Urheberschutz hat der Europäische Gerichtshof, der über EU-Recht am Ende entscheidet, der Phantasie der Musik‑, Film- und Verlagsindustrie ein Ende gemacht. Netzsperren und überhaupt das organisierte großflächige Schnüffeln im Datenverkehr sind demnach nicht in Europa mit seiner derzeitigen Grundrechtecharta (erst seit Vertrag von Lissabon in Kraft, daher wirds da noch einige Urteile zu geben) machbar.

    Die Kernsätze der Entscheidung sind die Zeilen 47 und 50–52:

    Darüber hinaus würden sich die Wirkungen dieser Anordnung nicht auf den betroffenen Provider beschränken, weil das Filtersystem auch Grundrechte der Kunden dieses Providers beeinträchtigen kann, nämlich ihre durch die Art. 8 und 11 der Charta geschützten Rechte auf den Schutz personenbezogener Daten und auf freien Empfang oder freie Sendung von Informationen.

    Zum einen steht nämlich fest, dass die Anordnung, das streitige Filtersystem einzurichten, eine systematische Prüfung aller Inhalte sowie die Sammlung und Identifizierung der IP-Adressen der Nutzer bedeuten würde, die die Sendung unzulässiger Inhalte in diesem Netz veranlasst haben, wobei es sich bei diesen Adressen um personenbezogene Daten handelt, da sie die genaue Identifizierung der Nutzer ermöglichen.

    Datenschutzdiskutanten aufgepasst: Der EuGH, das höchste Gericht der EU, hat da gerade IP-Adressen als personenbezogenes Datum klassifiziert. Einfach so, ohne Erläuterung. Bumms. (Update: Oder vielleicht auch nicht? Danke für den Hinweis an Numbercruncher)

    Angesichts dieses Urteils scheint eine Prüfung der Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie durch die Luxemburger Richter noch etwas spannender geworden zu sein. Doch Irland, das diese Richtlinie eigentlich vorlegen wollte, hat es offenbar bei der Ankündigung belassen.

    Wie dem auch sei: die Sperrfreunde der Rechtewirtschaft können nun erst einmal nach Hause gehen. Stellvertretend für sie hat sich die belgische Rechtewirtschaft und mit ihr die belgische Regierung eine Abfuhr eingehandelt, die aus Nutzersicht einfach mal super ist.

    25. November 2011 12
  • : EU-Kommissarin bezeichnet Copyright als „Hasswort“
    EU-Kommissarin bezeichnet Copyright als „Hasswort“

    Die Einsicht, dass es ein kleines Akzeptanzproblem beim Urheberrecht gibt, was wiederum auch nicht mehr ganz so zeitgemäss ist und dringend reformiert werden müsste, ist jetzt auch bei Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, angekommen. Heise fasst eine aktuelle Rede von ihr zusammen: EU-Kommissarin bezeichnet Copyright als „Hasswort“.

    „Millionen US-Dollar, die für die Durchsetzung von Urheberrechten ausgegeben wurden, hätten die Piraterie nicht aufgehalten … Verstärkt steige in Bürgern Hass auf das auf, was sich hinter dem Wort Copyright verberge … sähen viele das gegenwärtige Regime nur noch als Werkzeug zum Bestrafen und zum Entziehen … auch bei der Vergütung von Künstlern versage das aktuelle Copyright-System … die Hälfte der bildenden Künstler in Großbritannien, weniger als 50 Prozent der „professionellen“ Autoren in Deutschland und 97,5 Prozent der Mitglieder einer der größten Verwertungsgesellschaft in Europa verdienten weniger als 1000 Euro pro Monat mithilfe ihrer geschützten Werke, monierte Kroes.“

    20. November 2011 11
  • : Mitmachen: Stoppt ACTA!
    Mitmachen: Stoppt ACTA!

    Wenn Ihr Euch Sorgen um ACTA gemacht habt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum handeln!

    Am 1. Oktober haben einige Verhandlungspartner das sogenannte Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) unterzeichnet. Dieses plurilaterale Abkomment soll einen neuen „goldenen Standard“ für den weltweiten Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen im Netz schaffen. Der Text wurde von insgesamt 39 Ländern geheim verhandelt. Nationale Parlamente, internationale Organisationen und die Zivilgesellschaft wurden vollkommen von den Verhandlungen ausgeschlossen. Die einzelnen Bestimmungen des Texts sind so vage gehalten, dass sie Grundrechte eingeschränken und zu einer privatisierten Zensur im Internet führen werden. Das Abkommen schafft zudem neue strafrechtliche Sanktionen, die nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit, den Zugang zu Kultur und Datenschutz haben werden, sondern auch dem internationalen Handel schaden und Innovation lähmen werden.

    Das ACTA-Abkommen wird nun bald auch von der EU und den einzelnen Mitgliedstaaten ratifiziert. Hierfür muss das Europäische Parlament das Abkommen absegnen oder ablehnen. Daher haben wir jetzt die Chance, alle Europaparlamentarier an ihre Verantwortung zu erinnern, sich für unsere Bürgerrechte und den europäischen Binnenmarkt einzusetzen und „Nein“ zu stimmen.

    Alle Infos zum Mitmachen und informieren gibt drüben es beim Digitale Gesellschaft e.V.

    16. November 2011 18
  • : Masterplan der EU-Kommission: Netzneutralität durch Transparenz?
    Masterplan der EU-Kommission: Netzneutralität durch Transparenz?

    Neelie Kroes, für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission, hat gestern Abend anlässlich des EU-Hackathons eine Rede gehalten, in der sie wieder einmal besonderen Wert auf Transparenz legte. Der Masterplan der Kommission, Netzneutralität durch Transparenz und einfaches Wechseln der Anbieter zu sichern, reicht jedoch in sehr vielen Fällen nicht aus. Angesichts der Realität und den zahlreich aufgezeigten Verletzungen der Netzneutralität in der EU ist die Logik der Kommission nicht wirklich nachvollziehbar. Warum sie geradezu gefährlich ist, erklärten in diesem Monat viele Bürgerrechtsorganisationen in ihren Antworten auf die Konsultation des GEREK:

    Antwort der Net User’s Rights Protection Association

    Antwort von European Digital Rights

    Antwort der Quadrature du Net

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    (Crossposting von vasistas?)

    10. November 2011 1
  • : EDRi on ACTA 8th November 2011
    EDRi on ACTA 8th November 2011

    EDRi hat heute Morgen im EU-Parlament einen 90 Minuten langen Workshop zu ACTA durchgeführt. Davon gibt es jetzt ein Video. (Hier als OGV)

    European Digital Rights is one of the most active and expert-driven digital civil rights organisations in Europe. EDRi has worked in parallel with the Parliament’s ACTA decisions from the very beginning and in the course of events, discovered shortcomings in both process and in content to the extent that a complaint for maladministration may be filed with the EU Ombudsman and in depth analysis has shown that ACTA indeed is not compatible with the Treaties.
    This workshop will let EDRi co-workers Joe McNamee and Marie Humeau explain the justification for their complaint and the reasoning behind their analysis. The Greens/EFA Group is very happy to be the host once more of a meeting where critical voices to ACTA can be heard in full and to the end.
    08h30 – 08h45 Coffee and Snakes

    8. November 2011 1
  • : Video zum #ActaLunch
    Video zum #ActaLunch

    Vergangene Woche gab es in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin einen #ActaLunch rund um das umstrittene Anti-Piraterieabkommen. Davon gibt es jetzt eine 90 Minuten lange Videoaufzeichnung mit dem aktuellen Stand der Debatte.

    ACTA heißt ausgeschrieben „Anti-Counterfeiting Trade Agreement”, was man auf Deutsch als Abkommen gegen Produktpiraterie übersetzen kann. Die EU hat ACTA mit zahlreichen Staaten wie den USA verhandelt. Momentan läuft die Ratifizierung sowohl auf europäischer als auch auf deutscher Ebene. ACTA ist ein Abkommen, das sowohl wegen seines intransparenten Aushandlungsprozesses, als auch wegen seines Inhalts in der Kritik steht. ACTA — das steht für Intransparenz, Strafverschärfungen bei Urheberrechtsverletzungen und Rechtsunsicherheit für die von Sanktionen Betroffenen. Außerdem ist der Zugang zu Medizin in Entwicklungsländern massiv gefährdet. Die Kritik an ACTA, hierzu vorliegende wissenschaftliche Studien sowie den aktuellen Stand des Ratifizierungsprozesses des Abkommens auf deutscher und europäischer Ebene diskutieren:

    Ska Keller, MdEP,

    Jan Phillip Albrecht, MdEP,

    Dr. Konstantin v. Notz, MdB,

    Professor Axel Metzger (Hannover),

    Geraldine de Bastion, Digitale Gesellschaft e.V.

    David Hachfeld, Oxfam Deutschland e.V.

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    3. November 2011 2
  • : EU droht Deutschland wegen Vorratsdatenspeicherung
    EU droht Deutschland wegen Vorratsdatenspeicherung

    Heise berichtet: EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen Vorratsdatenspeicherung erreicht nächste Stufe.

    Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission sind in drei Stufen gegliedert. Zunächst verschickt sie Aufforderungsschreiben beziehungsweise Mahnschreiben an die betreffenden Mitgliedsstaaten. Darauf folgt – wie in diesem Fall – die mit Gründen versehene Stellungnahme und drittens ruft die Kommission den Gerichtshof an, falls die Mitgliedsstaaten den Aufforderungen nicht fristgerecht nachkommen.

    Unsere Antwort vom Digitale Gesellschaft e.V.: Bundesregierung muss Speicherwahnsinn auf EU-Ebene stoppen!

    Wie erwartet macht die EU-Kommission nun Druck auf Deutschland, die nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil ausgesetzte Vorratsdatenspeicherung umzusetzen. „Wir fordern die Bundesregierung auf, nun gegen die Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie beim Europäischen Gerichtshof zu klagen“, erklärt Markus Beckedahl, Vorsitzender des Digitale Gesellschaft e.V. „Es ist höchste Zeit für die Bundesregierung, dem Überwachungswahnsinn endlich einen Riegel vorzuschieben und in Brüssel dafür zu sorgen, dass die anlasslose Totalprotokollierung unserer Verbindungs- und Standortdaten gestoppt wird.“

    27. Oktober 2011 29
  • : Was man schon immer über ACTA wissen wollte
    Was man schon immer über ACTA wissen wollte

    Accessnow, EDRi und TACD haben gemeinsam eine Broschüre mit Fakten und Argumenten zum aktuellen Stand des ACTA-Abkommens verfasst, die in einer englischen Version an alle Europaabgeordneten verschickt wurde. Der Digitale Gesellschaft e.V. hat die Broschüre übersetzt, da auch hierzulande viel mehr Menschen sich darüber informieren sollten und mit dem gesammelten Wissen in die Lage versetzt werden, sich bei unseren Europaabgeordneten zu melden. Die könnten das ACTA-Abkommen noch ablehnen.

    Hier ist die Broschüre als PDF in deutsch.

    18. Oktober 2011 11
  • : Der Internetprovider, Dein Freund und Helfer
    Der Internetprovider, Dein Freund und Helfer

    Vor kurzem ist in Nairobi das Internet Governance Forum zu Ende gegangen. Reuters veröffentlichte hierzu ein interessantes Interview mit Netzpionier Vint Cerf. Cerf erklärt dort das wachsende Interesse der Regierungen an unseren Daten, die fleißig von den großen Internetfirmen gesammelt werden. Google, Facebook und Twitter werden vom Staat immer öfter für Überwachungszwecke kooptiert.

    Die angesammelten Datenmengen, mit denen die Unternehmen unser Verhalten umfassend analysieren, machen selbstverständlich gierig. Google, Facebook & Co werden zum unwiderstehlichen Ziel der Regierungen. Auskunftsverlangen der Behörden sind für die großen Anbieter mittlerweile zur Routine geworden.

    Wenn eine noch nie dagewesene Möglichkeit besteht, an Informationen zu gelangen, ist es vollkommen verständlich, dass Strafverfolgungsbehörden interessiert sind.

    erklärt Vint Cerf.

    Einige EU-Mitgliedstaaten möchten bereits einiger Zeit, dass auch die Internet- und Telekommunikationsanbieter alle Telekommunikationen der europäischen Bürger auf Vorrat speichern. In mehreren Staaten sind Gesetze zur Umsetzung der ersten Richtlinie von Gerichten allerdings für verfassungswidrig und somit für ungültig erklärt worden. EU-Innenkommissarin Malmström will trotz der Urteile, trotz der Verletzung der Charta der Grundrechte und trotz fehlgeschlagener Harmonisierung krampfhaft an der Vorratsdatenspeicherung festhalten.

    13. Oktober 2011 10
  • : Was noch übrig blieb
    Was noch übrig blieb

    Bildblog berichtet über eine Spiegel-TV-Sendung, in der diese das Internet für Suizidforen kritisierte, aber selbst fleißig Werbung für diese machte: Kochrezepte für den Suizid.

    Sascha Lobo kritisiert bei SpOn die fachliche Unfähigkeit von Siegfried Kauder, sich mit Netzpolitik zu beschäftigen: Die Rechts-Links-Störung der deutschen Netzpolitik.

    Erich Moechl beschäftigt sich bei FM4 damit, wie die EU gerade mit den Telekommunikationsunternehmen die Netzneutralität verwässert: „Neusprech statt Netzneutralität“.

    Bei der Berliner Gazette geht Krystian Woznicki der Frage nach „Die digitale Revolution ist in der Mitte Deutschlands angekommen – was unternehmen Zeitungen?“ Die machen jetzt ePapers.

    Mathias Richel ist etwas verwundert, dass „die Piraten schneller im politischen Medienzirkus angekommen sind, als ich es für möglich hielt“: Keine Zeit für Fehler.

    Die Grünen im Europaparlament haben eine Studie in Auftrag gegeben, ob das ACTA-Abkommen kompatibel zu europäischen Rechtsstandards ist. Hier ist die Presseerklärung, hier die Studie als PDF und Heise fasst die Inhalte zusammen: Gutachter rät zu komplettem Neustart beim Anti-Piraterie-Abkommen ACTA.

    Und in Italien streikt die Wikipedia wegen eines drohenden Internetzensur-Gesetzes.

    5. Oktober 2011 11
  • : EuGH: Dienstleistungsfreiheit overruled lokale Lizenzen
    EuGH: Dienstleistungsfreiheit overruled lokale Lizenzen

    Der Europäische Gerichtshof hat heute eine kleine Bombe platzen lassen. In einem Rechtsstreit, in dem es nur vordergründig um die Übertragung von Fußballspielen und deren Zeigen in einem britischen Pub ging, hat es eine Grundsatzentscheidung zu der Frage gefällt, ob es erlaubt ist, bei Dienstleistungen ein Absatzgebiet innerhalb der Europäischen Union zu definieren und vertraglich festzulegen, dass diese Dienstleistung dann nur in diesem Land erbracht werden darf.

    Es verstößt „ein System exklusiver Lizenzen auch gegen das Wettbewerbsrecht der Union, wenn die Lizenzverträge es untersagen, ausländische Decoderkarten Fernsehzuschauern zur Verfügung zu stellen, die die Sendungen außerhalb des Mitgliedsstaats sehen wollen, für den die Lizenz erteilt wurde.“ Das könnte nicht nur Fernsehausstrahlungen und Decoderkarten betreffen, sondern jegliche vergleichbare Dienstleistung. Beispielsweise im Bereich digitaler Filme, Musik und anderer urheberrechtlich geschützten Werken ist es bislang gängige Praxis, dass es Gebietslizenzen gibt: Du darfst meinen Inhalt nur in deinem Land verbreiten. Das hat zum Beispiel dazu geführt, dass deutsche Nutzer nicht im französischen oder dem britischen iTunes einkaufen konnten. Das Urteil selbst ist noch nicht öffentlich abrufbar – aber wenn dieses System gekippt würde, stehen wir vor gewaltigen Veränderungen im europäischen Markt für digitale Güter. Eher nebenbei stellte der EuGH übrigens auch noch fest, dass ein Fußballspiel als solches nicht urheberrechtlich geschützt sei.

    Update: Hier ist das Urteil.

    4. Oktober 2011 47
  • : Call for Applications: Hackathon im Europaparlament
    Call for Applications: Hackathon im Europaparlament

    Am 8. und 9. November findet in Brüssel der erste EU-Hackathon statt, für den man sich jetzt als Teilnehmer bewerben kann. Als Örtlichkeit konnte tatsächlich das Europaparlament gewonnen werden.

    Mit der Wahl dieses Ortes soll die Symbolik, die „alte Welt“ (EU-Institutionen und ‑Gesetzgeber) und die „neue Welt“ (Internet & Hacker) zu vereinen. Das Europaparlament wird dadurch auch zum Vorreiter innovativer Legislative im Bereich der Digital Rights.

    Ziel soll es sein, talentierte europäische Software-Entwickler an einen Tisch zu bekommen, um dann gemeinsam Code weiterzuentwickleln und Tools für Datenauswertung und ‑visualisierung zu schaffen. Das recht enge Zeitfenster von 24 Stunden wird 2 parallelen Tracks gewidmet, die beide Transparenz und Rechenschaft in der Informationsgesellschaft fördern sollen.

    im ersten Track soll es um ein Tool zur Messung der Netzqualität und –neutralität im Mobilfunk gehen, im zweiten geht es um ein Visualisierungstool für öffentliche Daten.

    Wir rufen alle Interessierten auf, sich am Call for applications zu beteiligen. Die Regeln sind hier veröffentlicht und hier geht es zur Bewerbung. In beiden Tracks gibt es je 3.000€ zu gewinnen.

    Der Hackathon wird von Google und skype gesponsort und unter anderem von access now!, Open Rights Group und Digitale Gesellschaft e.V. unterstützt. Netzpolitik.org wird als Medienpartner berichten.

    Wir Bitten um Weiterverbreitung dieses Aufrufs zur Beteiligung.

     

    29. September 2011 5
  • : Samstag wird ACTA beschlossen
    Samstag wird ACTA beschlossen

    Das japanische Außenministerium verkündet auf seiner Webseite, dass am kommenden Samstag, den 1. Oktober das umstrittene ACTA-Abkommen beschlossen und unterzeichnet werden soll. Mit dabei sind Australien, die EU (und damit auch Deutschland), Japan, Kanada, Mexiko, Marocco, Neuseeland, Singapur, Schweiz, Süd-Korea und die USA.

    The Agreement was inspired in significant part by Japan’s proposal at the G8 Gleneagles Summit in 2005 to create a new international framework against counterfeit and pirated products, in the context of the heightened awareness of the need for a higher degree of intellectual property protection. Its negotiation has been led by a strong initiative of Japan, the United States and other key partners.

    Eine letzte Hoffnung besteht, das Abkommen auf EU-Ebene im Europaparlament zu stoppen, bzw. müssen die Nationalstaaten noch alle zustimmen. Dazu bald mehr, wenn das konkreter wird.

    Update: Aktueller Stand ist, dass die EU ACTA (noch) am Samstag wohl nicht unterzeichnen wird. In Mexiko hat der Senat es auf Eis gelegt, bleiben also USA und Japan und ein paar andere für Samstag. Die Mitzeichnungsmöglichkeit läuft aber noch ein paar Monate.

    27. September 2011 15
  • : Aktiv werden gegen Austausch von Fluggastdaten
    Aktiv werden gegen Austausch von Fluggastdaten

    Die Kampagne NoPNR hat einen Aufruf zum Mitmachen veröffentlicht:

    Die Europäische Union verhandelt derzeit mit den USA, Australien, Kanada und anderen Drittstaaten über die Übermittlung von Fluggastdaten. Diese sogenannten passenger name record Daten (PNR) werden von Fluggesellschaften während des Buchungsvorgangs erhoben. PNR Daten umfassen Kontaktinformationen und Angaben über die Person (Adresse, Mobiltelefonnummer, Geburtstag, Kreditkartendaten, Passinformationen usw.) sowie personenbezogene Informationen über den Passagier, wie besondere Reisevorlieben und Beziehungen zu anderen Mitreisenden (z.B. Sitzplatzinformationen). Diese Daten sollen nun an Australien übermittelt werden und dort 5,5 Jahre gespeichert werden. Am 22. September wurde das EU-Australien-PNR Abkommen vom Rat angenommen, sodass wahrscheinlich während der Plenartagung im Oktober über dieses Abkommen im EU-Parlament abgestimmt wird.

    25. September 2011 4
  • : Europäische Meldestelle für Netzneutralität: RespectMyNet.eu
    Europäische Meldestelle für Netzneutralität: RespectMyNet.eu

    In dieser Woche haben die beiden Bürgerrechtsorganisationen Bits of Freedom und Quadrature du Net zusammen ein Projekt gestartet, um Verletzungen des Prinzips der Netzneutralität europaweit aufzulisten. Die Plattform RespectMyNet.eu ermöglicht es allen Nutzern, als Wächter des Internets Verstöße gegen die Netzneutralität zu melden.

    EU-Kommissarin Kroes klagte zwar bereits, dass ihr zahlreiche Berichte über Verstöße aus ganz Europa zu Ohren gekommen seien, zaudert aber bisher immer noch, konkrete Maßnahmen vorzuschlagen. Bereits 2010 verwies sie auf die Diskriminierung von VoIP-Angeboten durch Netzanbieter in Europa.

    Jetzt kann sich jeder an dem neuen Observatorium für Netzneutralität beteiligen, Verstöße unkompliziert melden und beschreiben, welche Dienste, Anwendungen oder Seiten ungewöhnlich langsam sind. Auf der Seite gibt es bereits eine Liste einiger Meldungen und Tools, die zum Monitoring vorgeschlagen werden, wie z.B. Neubot, Glasnost Test und Mobile Traffic Test. Eine deutsche Übersetzung der Texte ist in Arbeit, die hat die Digiges wahrscheinlich im Laufe des Tages fertig.

    Was ist Netzneutralität: Der elektrische Reporter erklärt’s hier: Alle Bits sind gleich?

    (Crossposting von vasistas?)

    23. September 2011 4