Digital Rights

  • : Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates
    Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates

    Gestern lief beim Deutschlandradio ein Feature zu „Kafka, Kanzler und da knackt nichts – Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates“. Davon gibt es jetzt die MP3 online.

    Ein junger Mann erfährt durch eine Panne bei seinem Mobilfunkbetreiber, dass er von Verfassungsschutz und BKA abgehört wird. In einer Zeitung, der Polizisten die Abhörprotokolle verkauft haben, liest er ein Gespräch seiner Freundin im Wortlaut. Die Schlagzeile, seine Verhaftung als angeblicher Gründer der terroristischen Vereinigung „Militante Gruppe“ stehe unmittelbar bevor, lässt ihn wochenlang bei jedem Geräusch hochschrecken.

    13. Januar 2010 25
  • : Google vs China
    Google vs China

    Im offiziellen Firmenblog hat Google heute einen Strategiewechsel in der eigenen China-Politik angekündigt, der es in sich hat: A new approach to China. Vorausgegangen sind wohl Attacken gegen die eigene Infrastruktur und Diebstahl von Firmengeheimnissen, die ihre Heimat in China haben sollen. Dabei soll es konkret u.a. um Attacken auf Google-Accounts von Menschenrechtlern gegangen sein. Interessant ist aber, dass der Diebstahl von Firmengeheimnissen in einem Nebensatz erwähnt wird und der ganze Spin der Story in Richtung der Menschenrechts-Sache geht. Google spricht aber auch davon, dass gegen rund 20 andere große Firmen ähnliche Attacken gefahren wurden. Nun arbeitet man mit den US-Behörden zusammen, um die Attacken zu untersuchen.

    13. Januar 2010 63
  • : Netzneutralität ist gut für die Wirtschaft
    Netzneutralität ist gut für die Wirtschaft

    Das Institute for Policy Integrity, ein Think Tank an der New York University, hat eine Studie zu Netzneutralität veröffentlicht. In dieser kommen die Forscher zu der These, dass Netzneutralität gut für die Wirtschaft und Gesellschaft ist. Darüber berichtet Ars Technica: Cost-benefit analysis: net neutrality makes economic sense.

    „Without net neutrality rules, new technologies could lead to pricing practices that transfer wealth from content providers to ISPs,“ warns the Institute for Policy Integrity, „a form of price discrimination that would reduce the return on investment for Internet content—meaning website owners, bloggers, newspapers, and businesses would have less incentive to expand their sites and applications.“

    Eine Kurzversion der Ergebnisse findet sich hier. Die 69-Seiten lange Studie findet sich hier.

    12. Januar 2010 7
  • : Spanien plant Schnellverfahren gegen Webseiten-Betreiber (Update)
    Spanien plant Schnellverfahren gegen Webseiten-Betreiber (Update)

    In Spanien sollen in Zukunft Betreiber von Webseiten, die das Kopieren urheberrechtlich geschützter Filme, Musik oder Software ermöglichen, vor Gericht gestellt werden. Dort sollen die Richter innerhalb von vier Tagen eine Entscheidung treffen und gegebenenfalls die Webseite schließen lassen, berichtet Futurezone. Das Verfahren richtet sich vornehmlich gegen Torrent-Tracker und ähnliche Seiten.

    Eine „Kommission für geistiges Eigentum“ im Kulturministerium soll Beschwerden betroffener Rechteinhaber entgegennehmen und die Anzeigen prüfen. Die Betreiber beanstandeter Seiten werden zur Stellungnahme aufgefordert. Reagieren sie nicht auf eine von der Kommission als rechtmäßig eingeschätzte Löschaufforderung, soll es zu besagten Schnellverfahren kommen. Gegen die daraus resultierenden Entscheidungen soll Berufung eingelegt werden können.

    Justizminister Francisco Caamano soll sich dafür einsetzen, das Verwaltungsgericht mit den Entscheidungen zu beauftragen, weil es bei Urheberrechtsverletzungen im Internet schwer festzustellen sei, wo die Website physisch liege. Damit sich der nationale Gerichtshof damit befassen kann, müsste allerdings das spanische Gerichtsverfassungsgesetz geändert werden.

    11. Januar 2010 6
  • : Kein Zugang zum Netz ist kein Drama?
    Kein Zugang zum Netz ist kein Drama?

    Der französische Kulturminister Frederic Mitterrand hat am Freitag die Chefin der Internet-Sperrbehörde HADOPI vorgestellt und dabei laut Liberation / Futurezone einen bemerkenswerten Kommentar abgelassen: F: Chefin der Internet-Sperrbehörde ernannt.

    Am Ende seiner Rede, so „Liberation“, versuchte Mitterand die Tragweite der HADOPI-Maßnahmen herunterzuspielen. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass den Leuten ihr Zugang zum Internet unterbrochen wird. Das ist doch nun wirklich kein großes Drama.“ Im vergangenen Juni hatte das französische Verfassungsgericht den Zugang zum Internet als „wichtigen Bestandteil der Meinungs- und Informationsfreiheit“ bezeichnet.

    Das Hadopi-Gesetz scheint übrigens noch nicht in Kraft zu sein, wie man aus Frankreich hört. Schuld ist der Datenschutzbeauftragte. Dieser sollte sein Feedback zum Gesetz abgeben und weigerte sich, dieser Formalie nach zu kommen. Nun zögert die Regierung, das Gesetz in Kraft treten zu lassen.

    11. Januar 2010 10
  • : 3sat Neues über Netzpolitik
    3sat Neues über Netzpolitik

    Am Sonntag hat 3sat.Neues eine Sendung mit dem Titel „Generation Download“ gemacht. Dazu bin ich als Studiogast für ein kleines Gespräch über Netzpolitik nach Mainz eingeladen worden. Das findet sich im Podcast als MP4 oder hier als Ausschnitt auf Youtube. Im ganzen Podcast komme ich später nochmal zum Thema „digital Güter“ vor.

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    11. Januar 2010 9
  • : Die Welt als Panic-Room?
    Die Welt als Panic-Room?

    Der Deutschlandfunk hat gestern in der Sendung „Kulturfragen“ ein Gespräch über „Sicherheit und Bürgerrechte“ mit dem Schriftsteller Ilija Trojanow gesendet: Die Welt als Panic-Room?

    Davon gibt es eine MP3.

    (Danke an Christian)

    11. Januar 2010 7
  • : FAZ: Im Netz der Kinderschänder
    FAZ: Im Netz der Kinderschänder

    Die FAZ hat aktuell wieder ausführlich über die Zensursula-Debatte berichtet: Im Netz der Kinderschänder. Die passende Antwort auf den Text hat Alvar Freude im Blog des AK-Zensur geschrieben: Gefangen im Netz der simplen Antworten.

    Die Schlußfolgerung der FAZ, die natürlich nur zwischen den Zeilen zu lesen ist, lautet: Weil das Löschen in diesen Grenzbereichen so schwierig und kompliziert sei, brauche man doch Internetsperren. So findet die FAZ dann wieder zu der gewünschten Antwort zurück. Die FAZ bleibt gefangen im Netz der simplen Antworten. Für die komplizierten Probleme einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit werden wieder nur einfache Antworten gefunden. Was bei der FAZ indessen unerwähnt bleibt: wer über den Kernbereich international geächteter kinderpornographischer Inhalte hinaus die Differenzen zwischen verschiedenen nationalen Jurisdiktionen zum Anlass nimmt, Netzsperren zu fordern, der muss konsequent aus dem internationalen Internet ein renationalisiertes Intranet, also ein Local Area Network für Deutschland formen. Das Deutschland-Net.

    10. Januar 2010 13
  • : Deutschlandradio über Deep Packet Inspection
    Deutschlandradio über Deep Packet Inspection

    Das Deutschlandradio hat in der immer wieder hörenswerten Sendung „Breitband“ heute einen Beitrag zu Deep Packet Inspection gemacht. Dazu haben sie mich interviewt, aber auch einen schönen fiktiven Werbetext für einen Internet-Provider der Zukunft mit DPI-Neusprech vorangestellt.

    Hier ist die MP3-Datei.

    9. Januar 2010 8
  • : Grüne für Bagatellgrenze bei Musikdownloads
    Grüne für Bagatellgrenze bei Musikdownloads

    Der grüne Justizsenator Hamburgs, Till Steffen, hat sich gegenüber dem Hamburger Abendblatt für eine Abschwächung des Urheberrechtsschutzes eingesetzt. Es sei „widersinnig, dass der ganz normale Austausch junger Leute über ihre Musikvorlieben mit rechtlichen Konsequenzen versehen ist.“

    Steffen übernimmt für dieses Halbjahr den Vorsitz der Justizminister-Konferenz. Eine Reform des Urheberrechts nennt er für diesen Zeitraum als eine Prioriät. Der Grünen-Politiker setzt sich dafür ein, die Strafverfolgung auf schwere Verstöße gegen den Urheberrechtsschutz zu beschränken:

    Wir müssen das Urheberrecht auf seinen Kern konzentrieren, um es durchsetzbar zu machen und die Akzeptanzkrise zu überwinden. Junge Leute haben eben kaum Verständnis für das jetzige Urheberrecht. Das ist eine große Gefahr für die Kreativen. Diese Tendenz werden wir nicht umdrehen können, wenn wir das Urheberrecht immer weiter ausdehnen. Ich meine, dass nur die eigentliche kreative Leistung durch das Urheberrecht geschützt werden sollte.

    8. Januar 2010 21
  • : Wie der Iran das Netz gegen die Opposition nutzt
    Wie der Iran das Netz gegen die Opposition nutzt

    Der Christian Science Monitor hat über die Medien-Nutzung des iranisches Regimes gegen die Opposition geschrieben: Iran uses Internet as tool against protesters. Mittlerweile werden z.B. Strategien, wie die Veröffentlichung von Fotos auf Regime-nahen Webseiten, angewendet, wo die Leser die Demonstranten identifizieren sollen.

    Glück im Unglück für die Opposition: Der Iran hat noch keine intelligente Videoüberwachung, die automatisch Personen identifizieren kann. Sicherlich auch nur noch eine Frage der Zeit.

    Die Financial Times berichtet ebenfalls darüber: Tehran calls for informants on protesters.

    In einer Antwort auf einen positiven Beitrag von Clay Shirky über die Vorteile des Netzes für die iranische Opposition hat der Wissenschaftler Evgeny Morozov einen interessanten Beitrag im Prospect-Magazine geschrieben, der in eine ähnliche Richtung wie der Christian Science Monitor geht: Why the internet is failing Iran’s activists.

    Paying too much attention to who controls communication networks obfuscates the fact that the Iranian government has other ways to control the internet. One unfortunate consequence of limiting our analysis of internet control to censorship only is that it presents all authoritarian governments as technophobic and unable to capitalise on new technologies. This may have well been the case five years ago but this is no longer so.

    6. Januar 2010 11
  • : Bulgarien will Vorratsdatenspeicherung erweitern
    Bulgarien will Vorratsdatenspeicherung erweitern

    In Bulgarien kann man sehen, was so gefährlich an der Vorratsdatenspeicherung ist. Diese wurde dort auch eingeführt, auch mit der Begründung der Umsetzung einer EU-Richtlinie. Allerdings gab es jetzt ein Update des „Electronic Communications Act (ECA)“ in der ersten Lesung, wie SofiaEcho schreibt: Electronic eavesdropping amendments passed at first reading. Dabei wurden vor allem zwei Sachen verändert:

    1. Nun soll das Innenministerium direkten Zugriff auf die Verbindungsdaten bekommen. Begründung des Innenministers: „Ich kann Mädchen, die Opfer von Säure-Attacken wurden, nicht erklären, dass wir solange auf die Herausgabe von Verbindungsdaten durch die Provider warten müssen“.

    2. Die Vorratsdatenspeicherung darf jetzt auch für kleine Vergehen genutzt werden.

    Bulgarien ist damit ein gutes Beispiel für die leichte Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung, wenn das System erstmal etabliert ist. (Ich bin mir nur etwas unklar darüber, ob die noch eine zweite Lesung brauchen und ob das nur noch eine Formalie ist)

    6. Januar 2010 11
  • : „Was die Vorratsdatenspeicherung so gefährlich macht“
    „Was die Vorratsdatenspeicherung so gefährlich macht“

    In einem lesenswerten, ausführlichen Artikel des c’t‑magazin 2/10, der auch online verfügbar ist, beschreibt Christiane Schulzki-Haddouti die Gefahren der Vorratsdatenspeicherung von Kommunikationsverkehrsdaten und der Sammlung und Aggregation von digitalen Spuren, die wir in sozialen Netzwerken täglich hinterlassen. Betrachtet werden auch die erstaunliche Aussagekraft der Daten sowie die Möglichkeiten, diese mit anderen Datentöpfen zu fusionieren und deren Potential zur Überwachung und sozialen Kontrolle:

    Alltägliche Rasterfahndung – Was die Vorratsdatenspeicherung so gefährlich macht

    Auf zahlreiche Beschwerden hin prüft das Bundesverfassungsgericht die Rechtmäßigkeit der Vorratsdatenspeicherung von Kommunikationsverkehrsdaten. Denn die Auswertung von Verkehrsdaten kann der sozialen Kontrolle dienen. Darüber hinaus ist der massenhafte Abgleich von Daten aus verschiedenen Datenbanken technisch kein Problem und eröffnet umso mehr Missbrauchspotenzial, je mehr Daten ohne Anlass und auf Vorrat gehortet werden.

    Hier weiterlesen.

    5. Januar 2010 8
  • : „Freiheit, Freiheit über alles?“ Peter Voß fragt die Schriftstellerin Juli Zeh (Video)
    „Freiheit, Freiheit über alles?“ Peter Voß fragt die Schriftstellerin Juli Zeh (Video)

    Sind wir bereit, unsere Freiheit für ein übertriebenes Sicherheitsbedürfnis zu opfern? Wie bedroht sind wir wirklich? Und woher diese apokalyptische Tendenz in der Politik, immer das Schlimmste zu erwarten?

    Peter Voß hatte am 21. Dezember 2009 die Schriftstellerin Juli Zeh zu Gast:

    In diesem Fenster soll der Inhalt eines Drittanbieters wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an diesen Anbieter. Aus technischen Gründen muss zum Beispiel Deine IP-Adresse übermittelt werden. Viele Unternehmen nutzen die Möglichkeit jedoch auch, um Dein Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.

    Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Abfluss deiner Daten an den Drittanbieter so lange, bis Du aktiv auf diesen Hinweis klickst. Technisch gesehen wird der Inhalt erst nach dem Klick eingebunden. Der Drittanbieter betrachtet Deinen Klick möglicherweise als Einwilligung die Nutzung deiner Daten. Weitere Informationen stellt der Drittanbieter hoffentlich in der Datenschutzerklärung bereit.

    Zur Datenschutzerklärung von Vimeo

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    (via netwatcher24)

    5. Januar 2010 23
  • : Warum Deep-Packet-Inspection eine ganz schlechte Idee ist
    Warum Deep-Packet-Inspection eine ganz schlechte Idee ist

    Die FAZ macht jetzt wohl redaktionelle Werbung und promotet den Deep-Packet-Inspection-Anbieter Ipoque, der gerne seine Dienstleistungen an deutsche Provider verkaufen will: Verlockender Blick ins Datenpaket. Der Zusatznutzen wird sofort mit erklärt: Damit kann man besser gegen Tauschbörsen & Co vorgehen. Etwas lachen musste ich über das folgende Zitat, was sehr anschaulich beschreibt, warum man das gerade nicht will:

    Den Vergleich mit einem stieläugigen Postboten, der Briefe öffnet und dann je nach Inhalt schnell, langsam oder gar nicht transportiert, weist Mochalski zurück. „Diese Analogien sind immer ungenau. DPI ist nur eine Basistechnologie für verschiedene Anwendungen“, beschwichtigt er. Gefunden werde nur genau das, wonach jemand aktiv sucht: etwa das Wort Bombe in einer E‑Mail – oder Skype, um einen Anruf über Internettelefonie als solchen zu erkennen.

    Hintergrund bietet der Netzpolitik-Podcast 081 zu „Netzneutralität und Netzwerkmanagement“, sowie NetzpolitikTV 045 „David Reed über Deep Packet Inspection“.

    5. Januar 2010 12
  • : Initiative gegen Vorratsdatenspeicherung in Norwegen
    Banner der Initiative "Stopp Datalagringsdirektivet"
    Initiative gegen Vorratsdatenspeicherung in Norwegen

    Berichten von Datenschutzaktivisten zufolge wird das Thema Vorratsdatenspeicherung auch in Norwegen aktuell. Weil Norwegen kein Mitglied der EU ist, ist es eigentlich nicht verpflichtet die EU-Richtlinie 2006/24/EG zur Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsdaten in nationales Recht umzusetzen. Dennoch gibt es den Angaben nach Bestrebungen, die Vorgaben der Richtlinie zu erfüllen und entsprechende Regelungen in norwegisches Recht zu gießen. Es soll daher demnächst eine öffentliche Anhörung geben, das Parlament könnte dann noch in 2010 über die Einführung der Vorratsdatenspeicherung beschließen. Für IP-Adressen gilt nach Anordnung der Datenschutzbehörden bislang eine maximale Speicherdauer von 3 Wochen.

    Banner der Initiative "Stopp Datalagringsdirektivet"Norwegische Datenschützer und Bürgerrechtler warnen vor dem Vorhaben, das eine Totalprotokollierung jeglicher elektronischen Kommunikation mit sich brächte. Im November gründeten sie eine überparteiliche Organisation „Stopp Datalagringsdirektivet“, die mit ihrer Kampagne informieren und vor den negativen Konsequenzen einer Vorratsdatenspeicherung warnen möchte und deren Ziel es ist, die Umsetzung in Norwegen zu verhindern. Bereits jetzt haben sich der Initative über 6000 Menschen angeschlossen. Verschiedene Bürgerrechtsorganisationen, Parteien, Jugendverbände und Branchenvereinigungen zählen zu den Unterstützern.

    Auch in Deutschland führte die Umsetzung zu großen Protesten und zur bislang größten Verfassungsbeschwerde in der Geschichte der Bundesrepublik: Auf Antrag von fast 35.000 Klägern prüft das Bundesverfassungsgericht derzeit die Verträglichkeit einer anlasslosen und verdachtsunabhängigen Vorratsdatenspeicherung mit dem Grundgesetz. In Bulgarien hatte das Verwaltungsgericht die Umsetzung bereits 2008 vorerst gestoppt. In Rumänien hatte das Verfassungsgericht die Regelungen 2009 gar als verfassungswidrig erklärt und somit verworfen. Im Fall einer Vorratsdatenspeicherung könne von Fernmeldegeheimnis und Meinungsfreiheit nicht mehr „frei und unzensiert Gebrauch gemacht werden“ urteilten die rumänischen Richter. Die dauerhafte und die gesamte Bevölkerung betreffende Vorratsdatenspeicherung bedrohe die Unschuldsvermutung und erkläre die gesamte Bevölkerung zu potenziellen Straftätern. Eine solche exzessive Erfassung aller Verbindungsdaten könne „nicht als vereinbar mit den Bestimmungen der Verfassung und der Europäischen Menschenrechtskonvention erachtet werden“.

    Weitere Informationen zur norwegischen Initiative sowie Banner zum Unterstützen etc. gibt es unter http://stoppdld.no . Aktuelle Updates gibt es auch auf Twitter.

    5. Januar 2010 3
  • : Call for Papers für re:publica´10
    Call for Papers für re:publica´10

    Hier noch mal ein kleiner Hinweis auf den laufenden Call for Papers für die re:publica´10. Dieser endet Ende Januar. Für Einreichungen gibt es ein Formular. Vorschläge für Speaker und Themen können gerne in den Kommentaren im re:publica-Blog veröffentlicht werden.

    5. Januar 2010
  • : Eine „Schweiz für Bits“? Wikileaks-Vortrag zum Datenfreihafen Island (Video)
    Eine „Schweiz für Bits“? Wikileaks-Vortrag zum Datenfreihafen Island (Video)

    Auf dem 26. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs Ende 2009 in Berlin hatten Aktivisten von Wikileaks die Idee präsentiert, Island zu einem „Datenfreihafen“ auszubauen (wir berichteten). Die Videoaufzeichnung des gesamten Vortrags gibt es mittlerweile in sieben Teilen auch bei Youtube zu sehen. Hier der Part, in dem die Idee vorgestellt wird, eine „Schweiz für Bits“ zu schaffen:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem Wordpress-Plugin "Embed Privacy" einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    Links:

    4. Januar 2010 4
  • : Free Culture Charta
    Free Culture Charta

    Ende Oktober fand in Barcelona das erste „Free Culture Forum“ statt. Dort wurde kollaborativ die „Charter for Innovation, Creativity and Access to Knowledge“ geschrieben. Diese kann man als Entwurf einer gemeinsamen programmatischen Leitlinie der globalen Free Culture / Netzpolitik – Bewegung sehen. Die Free Culture Charta ist kein fertiger Text und soll noch weiter entwickelt werden. Wichtig ist aber auch eine Übersetzung in viele Sprachen, so dass die Ideen und Forderungen in alle Welt verteilt werden können.

    Eine deutsche Übersetzung haben Christian Wöhrl und andere schon teilweise gemacht. Aber sie brauchen noch Hilfe zur Fertigstellung. Es fehlen noch das Ende von Kapitel 1, ein kleiner Abschnitt von Kapitel 5 und ansonsten nur noch die sprachliche Feinjustierung. In einem Etherpad kann man mitarbeiten.

    4. Januar 2010 4
  • : BMI lädt zu Datenschutz-Dialog ein
    BMI lädt zu Datenschutz-Dialog ein

    Das Bundesinnenministerium und der Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik wollen in vier Dialogveranstaltungen über „Perspektiven Deutscher Netzpolitik“ diskutieren. Für die erste Veranstaltung am 18.01. zum Thema „Datenschutz und Datensicherheit im Internet“ hab ich jetzt eine Einladung erhalten. Der Einladerkreis ist eher beschränkt. 18 Teilnehmer dürfen am Dialog teilnehmen, inklusive Hans Bernhard Beus (Staatssekretär BMI), Thomas de Maiziere (Minister BMI) und einem Moderator. Weitere Eingeladene sind laut Liste der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, Michael Hange (BSI), Günther Dorn (Bayrisches Landesamt für Datenschutzaufsicht in der Regierung von Mittelfranken), Dirk Fox (ECO), Gerd Billen (VZBV), Prof. Holznagel (Uni Münster), Roland Appel (Gütesiegel Initiative D21), Patrick Breyer (Ak-Vorrat), Prof. Scheer (Bitkom), Stefan Groß-Selbeck (Xing), Andy Müller-Maguhn (CCC) und Sascha Lobo. Prof. Sarah Spiekermann soll einen Impulsvortrag halten.

    Für die dreistündige Diskussionsrunde wurde ein Katalog an Leitfragen mitgeschickt. Patrick Breyer hat diesen praktischerweise schon ins Wiki des AK-Vorratsdatenspeicherung gestellt, wo diese bereits diskutiert und beantwortet werden.

    Ich spiegel die Fragen hier nochmal, die in zwei Diskussionsblöcke aufgeteilt sind. Wer Lust hat, kann gerne die Fragen in den Kommentaren beantworten und/oder im Wiki des AK-Vorrat. Das Bundesinnenministerium liest hier fleißig mit und wird sicherlich Kommentare und Antworten als Anregung für ihre Arbeit nehmen.

    4. Januar 2010 36